Donnerstag, 11. April 2019

Klönsnack in Bonn

Copyright: Helma Ziggenheimer und Miri Quidi


Wenn Frauen einander begegnen, die sich kennen oder auch gut kennen, dann sagt man ihnen wohl nicht zu unrecht nach, dass sie schnattern, als gäbs kein Morgen mehr.
Wenn ich an das vergangene Wochenende zurückdenke, dann muss ich schmunzeln, weil das allerhöchstens für die Abende zutrifft, während wir die Tage dafür nutzten, durch die Stadt zu streifen, die bislang nur eine von uns kannte, und zwar so lange, bis - wie eine von uns es formulierte - wir "gehsteigmüde" wurden.

Ich liebe Städtetouren, weil ich mir gern was Neues, Anderes anschaue, auf mich wirken lasse - und dann weiterziehe. Das muss nicht Gott-weiß-wo sein, das geht auch hier bei uns.
Was die Geselligkeit betrifft... Nun, ich gebe zu, da bin ich etwas eigen geworden. Früher fühlte ich mich im Getümmel wohl, ich blühte erst richtig in Gesellschaft auf. Inzwischen ist mir vieles zu viel, zu laut - und auch zu unpersönlich geworden. In der Menge unterzugehen ist kein Problem für mich, aber es ist dann eins für mich, wenn es eigentlich anders gedacht war. Heute bevorzuge ich die exklusive Begegnung. Klein, aber fein und persönlich.
Und genau so habe ich es am vergangenen Wochenende erlebt: Klein, aber fein und persönlich. Sehr persönlich. Nicht nur der Themen wegen, die wir spätestens in den Abendstunden bei einem Glas Wein (nicht ich) oder einem Pott Kaffee (natürlich ich) auf den Tisch legten, betrachteten..
Es ist für mein Empfinden auch etwas sehr Persönliches, wenn man jemandem die Tür des eigenen Zuhauses öffnet und sich entschließt, die eigene private Behaglichkeit für gut zwei Tage miteinander zu teilen.. tags und nachts.
Es war ein ständiger Austausch, ohne dass auch nur einer von uns zuviel oder zu wenig sprach, ein mitunter sehr persönlicher, intimer Austausch, ohne sich nackt zu machen. Etwas, das ich als eine sehr positive Schwingung wieder mit nach Hause genommen habe. So positiv, das ich ausreichend beflügelt war, um die Heimreise mit letztlich 920 Kilometern zu absolvieren, ohne zu müde oder auch unaufmerksam zu werden. (Ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich die anschließenden 3 Abende auch nicht wirklich zu etwas zu gebrauchen war ;))

Es war geplant, uns zu viert zu treffen. Am Ende waren wir zu dritt - aber solange die zweite nicht auch absagte, hielt ich am Vorhaben, das Rheinland zu besuchen, fest. Ich war einfach noch nie im Rheinland, ich war noch nie in Bonn - und ich gestehe: Die Ecke "Bundestag - Platz der Nationen" habe ich mir wesentlich aufregender, spektakulärer vorgestellt. Auch wenn der Regierungssitz ja längst verlegt worden ist - aber irgendwann war er ja mal dort.
Der allererste Ausflug führte uns auf einen Friedhof. Dort, wo auch Clara und Robert Schumann begraben liegen. Ich kann nicht beschreiben, warum Friedhöfe eine gewisse Faszination auf mich ausüben - aber sie tuns. Ich liebe diesen Hauch von Friedlichkeit, von Ruhe, von Stille, dem Vogelgezwitscher und sattgrünen Bäumen an diesem Ort.. Nicht zuletzt auch eine gewisse Besinnlichkeit, die von so einem Ort ausgeht.
Hatte ich überhaupt eine Vorstellung von Bonn? Ja, irgendwie schon - und irgendwie ist die Stadt auch so wie ich es mir vorstellte. Das einzige, das mich deutlich positiv überraschte, war die Vielzahl an Mietwohnungen aus der Gründerzeit und im Jugendstil. Sehr, sehr geil.
Ich gebe auch zu, dass die zuvor angepriesene Kirschblüte mir erst ein Lächeln abgerungen hatte: "Was sie nur mit ihrer Kirschblüte hat? Die gibts doch fast überall."
Ja, vermutlich - aber der Anblick hat mich tatsächlich umgehauen... In einer so gewachsenen Stadt eine Allee mit Kirschblüten in voller Pracht zu erleben - das ist tatsächlich ein Erlebnis.
Vermutlich auch ein ganz bekanntes, wenn man all die Instagram-Models bei ihren Fotosessions beobachten konnte - neben all den ganz normalen Besuchern wie wir es waren.
Wir haben wohl auch nicht alles von der Liste "Dinge, die du gesehen haben musst, wenn du herkommst" abhaken können - aber ganz ehrlich: So bin ich auch nicht. Ich bin niemand, der alles minutiös plant und auch niemand, der derart verplant werden möchte. Ich halte es eher entspannt und locker - und ich denke, wir haben dennoch mehr gesehen als ursprünglich gedacht. Und das Frauenmuseum, das holen wir später nach.
Gestaunt und geschmunzelt habe ich über mich, wie entschieden ich mich weigerte, bei einem nächsten Besuch das Siebengebirge hochzukraxeln. Ohne mich. Da wäre der Mann vermutlich auch schwer enttäuscht, wenn ich mit anderen Berge hochkraxle und mit ihm nicht ;) Da kann mir die Bonnerin auch noch so versuchen, schmackhaft zu machen, dass es sich um höchstens hundert Höhenmeter handele. Mir egal.
"Ich warte am Fuß des Berges auf euch und suche mir ein lauschiges Plätzchen im Cafe", lehnte ich schmunzelnd, aber eben konsequent ab.
Ich war deshalb überrascht über mich, weil ich mich noch vor wenigen Jahren vermutlich der Allgemeinheit gebeugt oder irgendeine Befindlichkeit vorgeschützt hätte ;) Nein sagen zu können und dazu auch stehen zu können, ist ein wirklich gutes Gefühl. Ein wichtiges Gefühl.

Grad stell ich fest, dass ein Foto versehentlich auf den Kopf gestellt ist. Leider kann man eine einmal gespeicherte Collage in der App nicht mehr ändern - also lasse ich das jetzt einfach mal so stehen ;)

Wir haben ungefähr 3 Jahre gebraucht, um unser einst geplatztes Date nunmehr in die Tat umzusetzen. Dafür legen wir aktuell ein ordentliches Tempo an den Tag: Das nächste folgt in wenigen Wochen - in L. Und darauf freue ich persönlich mich sehr, weil ich da jemanden kennenlerne, den ich bislang nur virtuell kenne.
Also dann, Ladies, auf geht es!

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