Freitag, 31. Juli 2009

Der Frosch Auf Der Herdplatte

Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber... Ich glaube, ich hatte heut Abend das - philosophisch gesehen - beste Gespräch, das ich seit langem geführt habe.
Wahrscheinlich hatten die meisten Menschen heute zum Samstagabend den besten Sex ihres Lebens - ich hatte dafür ein Gespräch, das mir - nach einem gewissen Abstand - mindestens ebenso viel Befriedigung verschaffen konnte ;-)
Ein Gespräch, nach dem ich endlich so etwas wie Ruhe in mich zurückfließen spüre.
Eigentlich bin ich ja nun überhaupt kein Fan vom Telefonieren (und ich bin trotzdem eine Frau, ich meine, eine richtige Frau ;-)) und wenn ich auch die Annehmlichkeiten genieße, die heutzutage mit schnurlosem Telefon und Handy und was es da nicht alles gibt - so vernachlässige ich sie aber eben auch mal gern. Indem ich die Telefone auf stumm schalte, indem sie irgendwo in meiner Wohnung herumliegen lasse, nicht sehe, nicht höre - und einfach genieße, dass Ruhe ist. Ruhe abgesehen von der musikalischen Beschallung ;-)

Doch heut Abend, heut Abend habe ich beschlossen, die Telefone nicht auf stumm zu schalten. Und es klingelte in der Tat. Doch wirklich. Da gibt es immer noch Menschen, die ich mit meiner Phobie nicht verschreckt habe. Die es doch immer wieder versuchen, so ab und an :-) Und eines dieser Telefonate entwickelte sich über die üblichen Floskeln hinaus. Am Anfang noch die üblichen Späßchen: "Wie es mir geht? Du weißt doch, schlechten Menschen gehts immer gut." Um dann über das Skizzieren der einen wie den anderen Problematiken sich hineinzuvertiefen in die Dinge, um die sich unser Sein letztlich wirklich dreht.
An dieser Stelle möchte ich gerne unbedingt noch ein Zitat aus einem Buch über das Leben nach dem Tod - wenn es denn so sein solle - loswerden:

"Ich kam aus diesem NTE heraus und wusste eines ganz sicher, was ich mir seitdem immer wieder vor Augen führe: Die Liebe ist der innerste Kern unseres gesamten Seins, der Kern dessen, worum es im Leben wirklich geht."

Das Suchen und Finden nach dem Sinn unseres Lebens. Wie viele Generationen mag diese Frage wohl schon beschäftigt haben? Wie weit zurück müssen wir uns denken, wenn wir uns fragen, seit wann die Menschen nachts wach liegen, in den Sternenhimmel starren und sich fragen, wozu sie auf dieser Erde sind, wofür sie geboren und gemacht worden sind?
Worin steckt der Sinn, wenn wir unheilbar erkranken und sterben, bevor wir richtig begonnen haben zu leben?
Worin steckt der Sinn, wenn unsere Träume zerbrechen, der Traum von der Malerei, weil wir bei einem Unfall unser Augenlicht verloren haben?
Jedoch... Wenn wir unseren Blick abwenden von dem Schmerz, den wir über den Verlust des Augenlichts, des Partners, der Gesundheit empfinden, wenn wir ihn stattdessen richten auf die Möglichkeiten, die uns daneben noch bleiben? Wenn wir feststellen, dass die Träume nicht zerbrochen sind, sondern ein neues Gesicht bekommen haben?
Wie oft sagen wir: Ich kann nicht mehr! und meinen eigentlich... Ich will nicht mehr.
Und wenn wir nicht mehr wollen, warum tun wir dann?
Die Mama mit ihrem Kind, die das ganze Jahr vom Urlaub träumt und ihn doch nicht wahrnimmt, weil sich scheinbar nie die passende Möglichkeit ergibt.
Scheinbar...
Mag sein, dass der Papa keinen Tag frei genehmigt bekommt. Mag sein, dass andere Termine sich häufen. Doch wenn wir den Blick abschweifen lassen von den Dingen, die nicht möglich sind, und dafür betrachten, was an dieser Stelle machbar ist - dann ergeben sich so viele passende Möglichkeiten... Nur eben... mit einem anderen Gesicht.
Pläne... Ich habe niemals Pläne für mein Leben geschmiedet. Was in mir lebte, das war die Vorstellung von dem Leben, das ich führen wollte. Wie ich mir mein Nest zurechtbauen würde. Wie es aussehen würde, dieses kleine Wohlfühlnest aus Wärme und Behaglichkeit. Ja - auch trotz all der Dinge, die zur Zeit überall herumstehen oder liegen. Hier ein aufgeschlagenes Buch, dort die Jacke, die wie vergessen über der Lehne liegt. Auf dem Stuhl einige Schreiben, unerledigte Post. Auf dem anderen Stuhl die Einkaufstasche aus Seegras. Auf der Kommode ein kleiner Stapel CDs. Daneben die Figur aus Fettstein, ein Liebespaar, das sich sehnsüchtig zueinander neigt ("Nimm sie in die Hand, wann immer du an ihr vorübergehst. Und alles wird gut werden", hatte mir die Freundin einst gesagt.) Und der Teller mit dem Obst.
Ist es wirklich so zerrissen, so chaotisch, wie ich es selber noch heute Morgen empfand? Oder ist es nur... eine Anhäufung der Gedanken, die mich seit einiger Zeit bewegen?
Das Buch über die unerfüllte Liebe einer Frau, die weiß, dass sie niemals den wahren Platz an der Seite ihres Liebsten bekommen kann, wie sehr sie auch darum kämpft.
Die Jacke für die Wärme, die ich vermisse.
Die Schreiben vom Finanzamt, Ihr wisst schon - das muss ich nicht ständig im Blickfeld haben, aber vergessen darf ich es auch nicht. Also nicht auf den Tisch, sondern auf den Stuhl legen ;-)
Die Einkaufstasche aus Seegras, die mich an den Urlaub am geliebten Meer erinnert, als ich sie dort erwarb.
Die CDs... die Musik, die mich jeden Tag, jede Nacht begleitet und ohne die ich verloren wäre wie eine Sonnenblume ohne Licht...
Das Liebespaar, der Kuss, den sie sich schenken. Die Nähe, die Zuwendung, nach der mich so sehnt.
Der Teller mit dem Obst: nicht weniger essen. Sondern bewusster...
Also wirklich alles so chaotisch, wie es auf den ersten Blick wirkt? Oder... einfach nur eine Anreihung unendlich vieler Gedanken, die alle auf einmal Platz in meinem Kopf, in meinem Bauch finden? Mich zur selben Zeit beschäftigen? Beschäftigen müssen...

Was ich sagen will.... Viel zu oft sind die Dinge anders, als es auf den ersten Blick scheinen mag.
Sofern wir uns die Mühe für den zweiten Blick geben. Versuchen, uns auf das Positive an dem auf den ersten Blick scheinbar Negativen zu konzentrieren.
Ich glaube daran, dass man das erlernen kann. Dass man lernen kann, den Blick wegzurichten. Die Aufmerksamkeit wegzulenken von den Dingen, die uns nicht gut tun, mit denen wir uns nicht wohlfühlen.
Das versuche ich ja auch immer wieder mit Freund Schmerz - und wenn er nicht willig ist, dann werde ich es jetzt doch einmal mit Hypnose versuchen. Ein Weg findet sich immer, man muss eben nur den Mut finden, ihn auch zu gehen - und gerade ich selbst weiß, wie schwierig das werden kann.
Gerade in den vergangenen Jahren habe ich soviel über mich selbst gelernt, über mich erfahren, wie ich funktioniere, was ich brauche, was mich glücklich macht und was an mir zehrt. Die schwierigsten Jahre, die schwierigsten Momente waren wohl die wichtigsten. Weil ich gerade in dieser Zeit lernte, wer ich wirklich bin. Ich brauche es nicht, andere Menschen verbal zu zerstören, nur um mich selbst besser zu fühlen.
Ich brauche es nicht, überall und an jeder Stelle die erste zu sein.
Ich freue mich über jedes noch so kleine Geschenk - doch wirklich reich fühle ich mich, wenn ich etwas von mir geben kann.
Ich weiß, ich kann allein leben. Ich weiß, ich kann allein bestehen. Aber ich weiß auch, dass es nicht das ist, was mich glücklich macht. Dass es nicht das ist, was ich will. Heimkommen, den Duft von Familie, Geborgenheit schmecken, den Halt, den Rückhalt.
Du bist nicht allein - ich bin bei dir, komm, lehn dich an.
Wie lange können wir warten?
Wie lange können wir kompensieren?
Wo endet der Kompromiss, wo beginnt das Verbiegen, das Stillhalten?
Wie lange dauert es, bis wir uns an die Dinge gewöhnen, die wir so eigentlich nicht wollten?
Ab wann wird die Gewohnheit gefährlich? Wenn wir für unseren Partner zu einer Selbstverständlichkeit wurden? Zu einem Möbelstück, das immer da ist?

Und hier ein Zitat aus dem heutigen Telefonat:
"Wenn du einen Frosch in einen Topf setzt und heißes Wasser aufgießt, springt er heraus.
Wenn du einen Frosch in einen Topf setzt und kaltes Wasser aufgießt, beginnt er zu schwimmen.
Wenn du einen Frosch aber auf die Herdplatte setzt und diese langsam erwärmst, springt er nicht weg und beginnt auch nicht zu schwimmen. Aber wird er springen? Wird er wissen, wann der rechte Moment ist, um zu springen?"
Die schleichenden Prozesse, die wir oftmals gar nicht bemerken und die den eigentlichen Tod für Liebe, Nähe, Zuwendung, Erfüllung der Träume, Sehnsüchte bilden. Ein Sterben auf Raten, das wir nicht gleich bemerken, weil wir uns von einem wunderschönen Moment zum nächsten hangeln und uns in der Aneinanderreihung der wunderschönen Momente sagen, dass wir uns glücklich fühlen. Und was ist mit dem Dazwischen? Der Raum für das Dazwischen, am Anfang vielleicht noch recht klein, doch stetig wächst er. Langsam, aber stetig. Ob wir es bemerken? Wann werden wir es bemerken? Und werden wir springen? Werden wir den rechten Moment zum Springen finden oder langsam einschlafen, langsam auf der Herdplatte verenden? Weil wir uns an die Gegebenheiten gewöhnten und uns diesem Zustand ergaben?

Wollen wir das?
Will ich das?
Nein. Nein, ich will weg von dieser Herdplatte. Ich will schwimmen in diesem Wasser, mich laben an dem kühlen Nass. Eintauchen, auftauchen. Mir Flügel wachsen lassen. Aufsteigen. Das Oben und das Unten erkunden. Meinen Platz irgendwo dazwischen finden.
Grundgütiger, ich habe doch noch Träume, ich habe doch noch Sehnsüchte. Wünsche, Vorstellungen.
Und heute Abend - schon während dieses Telefonates - spürte ich sie wieder: diese Energie, diese Kraft in mir, die mich treibt. Die mich schon immer getrieben hat, bewusst und unbewusst. Was für ein wundervolles Gefühl in mir. Was für ein wundervoll starkes Gefühl in mir. Mich so kraftvoll und zugleich so feminin weich und nachgiebig fühlen zu können.

Helma, go for it. Spring! Aber tus verdammt noch mal auch.

Café Del Mar

"Manchmal frage ich mich, wie sieht sie morgens aus, wenn sie die halbe Nacht nicht schläft. Ich frage mich, wie schafft sie überhaupt das alles?"
An diese Worte musste ich heut Morgen denken, als ich meinem Spiegelbild begegnete und befand, dass ich dafür, dass ich die halbe Nacht wach lag, doch... recht... fit aussah.
Man sagt ja den Zwillinge-Geborenen nach, dass sie ihr jugendliches Aussehen bis ins hohe Alter bewahren würden.
Ich jedoch - und an dieser Stelle zwinkerte ich meinem Spiegelbild zu - bin mir der Tatsache völlig bewusst, dass seit der Erfindung der Sonne aus der Tube (und neuerdings auch in Form eines entsprechend getränkten Tuches für ein schnelles Zwischendurch) nicht nur ein paar Unebenheiten am Körper, sondern auch Spuren von Müdigkeit hinweggewischt werden können.

Was ich mich seit einiger Zeit frage ist: Woher nehmen Menschen die Energie, die sie zum Leben, für's Leben, im Leben brauchen? Was füllt die "Batterien" wieder auf, wenn man pausenlos Kraft aufwenden muss und das hauptsächliche Ziel im schieren "Überleben" besteht ? Gibt es Möglichkeiten, dies OHNE den Einsatz von Geld und OHNE "Beihilfe" anderer Personen zu erreichen?

Diese Zeilen las ich vor einiger Zeit in einem Forum - und seitdem fallen sie mir immer wieder mal ein, vor allem dann, wenn ich spüre, wie mir selbst die Energie ausgeht.
Die Antworten sind im Grunde relativ einfach: Konzentrier dich auf dich selbst. Was entspannt dich, was tut dir gut? Jeder hat ja da so seine... sagen wir mal... Tricks.
Bei mir selbst ist es zuallererst die Musik. Musik, Musik und nochmals Musik.
Zuweilen überkommt es mich und dann krame ich CDs hervor, deren Musik ich schon seit Jahren nicht mehr hörte.
Café Del Mar-Musik aus einer CD-Sammlung vom Frühling 2006 zum Beispiel.
Und mich dann bäuchlings auf meinem Teppich ausbreiten, alle viere von mir gestreckt - und die Augen schließen. Auf den Moment warten, dass ich nichts mehr denke, nichts mehr fühle, sondern völlig in mir selbst angekommen bin.
Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich das Meer liebe. Wie sehr ich es liebe, mit nackten Füßen am Ufer zu stehen, die Arme auszubreiten, die Augen zu schließen. Und einzuatmen. Einfach nur ganz tief einatmen und spüren, wie sich diese herrlich frische, salzige Luft in mir ausbreitet, wie sie schier in jeden Winkel meines Körpers zu fließen scheint. Dann kehrt auch die Ruhe in mir selbst zurück. Die Gelassenheit. Die Entspanntheit. Das Gefühl, angekommen zu sein. Da angekommen zu sein, wo ich immer hin wollte.
Da, wo ich heute lebe, gibt es leider kein Meer. Zuweilen genügt es, mir eine CD einzulegen, die mir die Klänge des Meeres zurückbringt. Wenn ich dann die Augen schließe und auf den Moment warte, dass ich nichts mehr bewusst denke oder fühle, dann kann ich es atmen, schmecken, spüren - das Meer. Und dann kehrt jene Ausgeglichenheit zu mir zurück, die mir das Gefühl schenkt, mit einer Gelassenheit in einem Schaukelstuhl zu schwingen, mir selbst mit einem nachsichtigen Lächeln zuzusehen und zu sagen: "Wird alles, Helma..."
Wie gesagt - jeder hat so seinen Weg, aber jeder weiß auch, dass dieser nicht immer funktioniert. Bei mir jedenfalls nicht. Es gibt Tage, es gibt Wochen, da geht nichts von alledem.
Nicht schlafen.
Nicht entspannen.
Und wenn ich dann meine Wohnung betrete, fallen mir noch mehr Worte ein:
"Du bist zwar nicht unordentlich, aber... deine Wohnung kommt mir im Moment ganz anders vor wie sonst. Wie wohl dein Inneres: total chaotisch... Kein Platz zum sich setzen, kein Platz zum etwas ablegen..."
Darüber muss ich jetzt noch schmunzeln. Ein eher nachdenkliches Schmunzeln. In der Tat fühle ich mich so. Wenn ich etwas brauche, weiß ich nicht sofort, wo ich es abgelegt habe. Die im Grunde klaren Strukturen, die ich sonst in meiner kleinen süßen Wohnung pflege, gibt es so momentan nicht.
Und irgendwie... sieht doch so auch mein Inneres derzeit aus.
Ist das nun eine handfeste Midlifecrisis?
Was schlimm wäre, dann würde ich ja nur 80 Jahre alt werden ;-)
Oder ist es einfach nur eine weitere Phase in meinem Leben, in der ich spüre, dass Dinge sich verändern, Einstellungen und Betrachtungsweisen sich verändern und ich noch nicht sehe, wie ich damit umgehen kann und sollte?
Wie mache ich was? Wie löse ich dieses und jenes?
Die Lösung für Problematiken ahnen, spüren - aber noch nicht sehen?
In solchen Phasen kann ich alle möglichen Dinge tun, die mich für gewöhnlich beruhigen - sie verlieren ihre Wirksamkeit. Und dann kommt es wieder, jenes Lebensgefühl, abends in die Anonymität einer Großstadt abtauchen zu wollen, im Spotlight der Autofahrer und dennoch ungesehen, unerkannt... Mit dem unruhigen Gefühl einer Sehnsucht durch die Straßen laufen, von der ich nicht wirklich zu sagen vermag, nach was ich mich eigentlich sehne.
Halt. Festhalten. Ankommen. Die Augen schließen. Ruhe finden. Einatmen. Geborgenheit atmen.

Die Cafe del Mar-Musik jedenfalls habe ich mir heut Morgen mit in mein kleines grünes Wägelchen genommen. Und mich auf dem Weg ins Büro berieseln lassen. So wie letzte Nacht auch. Keine Einflüsse von außen. Nur die Musik und ich. Die Musik, die mich umfängt wie eine wohltuende Umarmung.
Ehrlich Leute, manchmal brauche ich sonst einfach nichts mehr.
Auch aus Rückzugsphasen kann ich Kraft schöpfen.

Und darauf trinke ich jetzt ein Käffchen.
Prost.

Dienstag, 28. Juli 2009

Dunkel War's Der Mond Schien Helle...

...dachte ich so bei mir, als ich gegen Morgen, es war kurz nach vier Uhr, in meine Kissen und zu all den Krümeln kroch und endlich den ersehnten Anflug einer Müdigkeit in Armen und Beinen verspürte. Ich weiß nicht, wie Euch das geht, aber gerade nachts, wenn ich nicht schlafen kann, überkommt mich immer so ein Hunger, dass der Kühlschrank nach allen möglichen und unmöglichen Snacks durchforstet wird, die genüßlich im Bett eingenommen werden müssen.

Auf Krümeln zu schlafen hat übrigens so bisschen was von nem Ganzkörperpeeling - finde ich.
Ich meine, es gibt Leute, die geben dafür ein Schweinegeld aus - ich habe (zwar unfreiwillig) die Sparvariante gewählt und meine Haut sieht dafür aber genauso toll aus wie bei anderen, die den Wellnesstempel anbeten :-)

Voller entspannter Gedanken und zurechtgelegter wohlgeformter Sätze an die Damen vom Finanzamt wählte ich, endlich im Büro angekommen, jene Telefonnummer und wurde gleich im Gespräch mit der ersten Dame vom Schock gebeutelt: "Ihre Unterlagen sind nicht da!"
Bitte?
Das gabs doch gar nicht.
Dass mal etwas nicht ankommt oder zurückkommt oder auch ganz im Nirvana verschwindet, OK, das passiert. Vor allem, wenn ein Finanzhaus mehr wie eine Etage und mehr wie 2 Zimmer besitzt - also bei derart großflächigen Gebäuden kann schon mal etwas untergehen. Vor allem, wenn die Damen aus Zimmer A nicht mit den Damen aus Zimmer B sprechen (vermutlich liegen die Gründe in der täglichen Rangelei, wer von denen die Mahngebühr der miesepetrigen Bundesbürger unter sich aufteilen darf).
Aber zweimal? Zweimal?
Zweimal elektronisch übermittelt und der zweite Brief mit Einschreiben?
"Also sicherer gehts doch nicht mehr", beschwerte ich mich bei der Dame aus Zimmer C, nämlich die ist für die elektronische Post zuständig, "es sei denn, ich komme und bringe das Papier höchstpersönlich vorbei. Aber DAS ist ja nun nicht Sinn und Zweck der Übung."
Und angesichts der sowieso schon angefallenen 100 Euro Säumniszuschlag auch nicht bezahlbar.
"Das können Sie alles der Dame aus Zimmer A erklären", wurde ich kühl und reserviert zurechtgewiesen, "bei mir hier gehts nur um die elektronische Zustellung."
Die wir daraufhin zum 3. Mal exercierten - aber ne eTIN gabs trotz beamtlicher Anleitung nicht - hähä.
"Egal", resignierte die Dame am anderen Ende, "schicken Sie jetzt noch mal die Unterlagen in Papierform her, Adresse sowieso, Straße sowieso, Postleitzahl haben Sie auch richtig geschrieben?"
Ehrlich - mir lag eine derart deftige Bemerkung auf der Zunge, die ich nur deshalb zurückhielt, weil ich nicht riskieren wollte, ans schwarze Brett geheftet und nunmehr bis zum Sanktnimmerleinstag auf das bisschen restliche Geld zu warten, dass mir nach Abzug aller Gebühren noch verbleiben würde. Hatte ich mir vor zwei Monaten noch eine Milchkaffeeorgie ausgemalt, würde das verbleibende Guthaben vermutlich nur noch für einen Latte aus dem Automaten im Plastikbecher ausreichen.
Na denn man Prost, nich wahr?

Aber obs nun mein Papier ist oder nicht - ich weigere mich, zum dritten Mal Unterlagen zusammenzusuchen und zu kopieren, von denen ich nicht mal weiß, ob dies nun die finale Version sein wird oder ich das Ganze noch einmal und noch einmal wiederholen darf. Damits dann für die Erklärung für 2008 auch tadellos funktionierte.
Aber DIE, und das weiß ich genau, fülle ich dieses Mal nur noch mit Hand aus und pfeife auf die digitale Technik. Ist doch wahr: Wenn das System schreibt, dass du etwa 300 Euro zurückbekommst (und das sind immerhin über 300 Euro weniger, wie ich errechnet hatte :-)), Dir damit den Mund wässrig macht angesichts des Ausblickes auf eben jene Orgie - und am Ende machste nur den Deppen und guckst in die Röhre - dann bleib ich doch lieber bei der guten alten Variante wie eh und je. Da hats wenigstens funktioniert.

Heißt, heut Abend lege ich sämtliche Belege zu diesem Vorgang in meine "Unbearbeitetes"-Mappe und dann belagere ich die Außenstelle des Finanzamtes hier in dem Ort so lange, bis sie mir entweder Asyl gewähren oder endlich die Unterlagen ausfindig machen.
Auch wenn das Gebäude hier stattliche 3 Etagen hat.
Mir egal.
Ich hab Zeit.

Tag 3 der... Ach Scheiß Doch Drauf!

Na ja, genau genommen ist es eigentlich schon Tag 4 - doch an meiner Einstellung dazu ändert das nichts mehr. Nichts!
Hatte ich mich wenigstens dahingehend standhaft gezeigt, als dass ich süßen Schoko-Kuchen und noch mehr süßen Latte Macchiato bis spätestens 12.00 Uhr genüßlich verspeist hatte (frühmorgens bekomm ich einfach nix anderes wie Kaffee hinunter und bis Mittag darf man doch sündigen, hab ich jedenfalls mal gelesen), bekamen all die guten Vorsätze ihren Knacks, als ich die Erinnerungs-sms las:
"Na Dicke, wie siehts denn aus mit heute Abend?"
Allein für diesen Spruch hätte sich gehört, in der schlussendlich gewählten Tapas-Bar die Karte rauf und runter zu probieren, mir all die leckeren Häppchen in den verschiedensten Variationen kommen zu lassen, dazu den einen oder anderen Wein auszuprobieren, um das Ganze letztlich mit einem Käffchen abzuschließen: Natürlich zahlt der Herr. Leider Gottes wurde ich von den noch hinzu geladenen Tischgästen kommunikativ so in Beschlag genommen, dass die Pausen zwischen den Häppchen lang und länger wurden und ich mich somit schneller wie gewünscht gesättigt fühlte.
Ja - dumm gelaufen wohl, jedenfalls für mich.

Briefe des Finanzamtes übrigens werden in diesem Leben wohl auch keine Liebesbriefe werden. Jedenfalls nicht in meinem Leben. Statt der nun endlich mal erwarteten Gutschrift auf meinem Konto oder wenigstens eines entsprechenden Schreibens in meinem Postkasten erwartete mich heute nur eine weitere Mahnung, die geflissentlich meinen Widerspruch ignorierte, dass ich die Einkommenssteuer längst erklärt und übersendet hatte - und das inzwischen sogar zweifach. Und auf den ohnehin schon beträchtlichen Mahnbetrag hatten die durstigen Finanzbeamten noch einmal 5 Euro Mahngebühr aufgeschlagen.
Klar... In der Regel sitzen im Finanzbeamtenzimmer zwei Kolleginnen... Macht zweimal 2 Euro 50 für einen Milchkaffee am lauschigen Fensterplätzchen, wo sich bei einer Zigarette besser über die murrende Bevölkerung lachen lässt.
"Du hast mal wieder nicht bedacht, dass die Abteilung für die Bearbeitung und die Abteilung für die Rechnungen eben zwei verschiedene Institutionen in ein und demselben Haus sind", lachte der Gastgeber des heutigen Abends und auf diesen Spruch hin hätte ich gerne noch eine Order an die Bedienung ausgegeben, wenn nicht wenigstens ein Organ in meinem Körper tadellos funktionierte: der Schließmuskel des Magens.
Auch das Ausharren auf diesen doch recht hart geflochtenen Korbstühlen bereitete mir mehr wie Unbehagen, während der Gedanke daran, dass seit über vier Jahren weder eine Ursache noch eine Lösung für bzw. gegen Freund Schmerz gefunden werden konnte und ich mich viel zu oft wie in einem Labyrinth fühlte: Na wo isser denn, der richtige Ausweg? beinah noch Verzweiflung in mir aufsteigen lassen wollte.
Tausendmal gepiekst und es hat immer noch nicht Zoooom gemacht.

Irgendwann an diesem Abend überkam mich der Gedanke, dass ich zwar an meiner momentanen Situation nicht wirklich viel zu ändern vermochte. Aber an meiner Einstellung dazu! Das wissen wir doch eigentlich - wir denken nur nicht immer daran.

Was ist schon eine Ebbe in der Portokasse, was ist schon eine Flut der Fettzellen und überhaupt und sowieso!
Mir fiel der Song "Heavy Cross" von The Gossip wieder ein. Ein Prachtweib, das wahrscheinlich jede einzelne Fettrolle an sich liebte (jedenfalls, sobald eine Kamera draufhielt), ein Prachtweib, das schamlos und voller Lebensfreude die eigenen Massen um sich warf beim Abrocken auf der Bühne, dass es fast schon wieder genial war: Wieso eigentlich nicht?
Wieso befasse ich mich eigentlich so oft mit den Dingen, die ich sowieso nicht ändern kann?
Wenn ich schon nicht jemandes Prinzessin bin - dann bin ich eben meine eigene.
Wenn ich auch nicht Germany's Next Topmodel bin - dann bin ich eben mein eigenes.
Wenn Ebbe herrscht, muss ich eben für Flut sorgen.
Und bei allem immer schön geschmeidig bleiben: Wooohoooohoooooouuuuuu :-)

Schluss mit dem Diäten-Wahnsinn, den ich nicht mal drei Tage durchgehalten habe, Schluss mit den Tränen in der Nacht oder heimlich im Bad, Schluss mit allem, das mir Falten ins Gesicht und graue Strähnen in die inzwischen beträchtlich gekürzten Haare zaubert.
Kennt Ihr auch diesen Spruch, dass sich im Leben einer Frau etwas ändert, wenn sie die Form oder Farbe ihrer Haare komplett verändert?
Na dann bin ich jetzt mal auf die Änderungen gespannt!



Und so drehe ich jetzt den Gossip-Song so laut auf, so laut es jetzt um 2:08 Uhr noch möglich ist, ich genieße den Moment und all die guten neuen Ideen, die ich entwickelt habe. Ich müsste nur mal mit dem Umsetzen beginnen ;-)
Aber Leute... doch nicht mehr heute, oder? Wir wollens ja nicht gleich übertreiben.

P.S.: Das auf dem Bild bin NICHT! ICH!

Sonntag, 26. Juli 2009

Tag 2 der Anti-Mammut-Bewegung

Nun, das mit dem "ich ess heut nichts mehr" hat natürlich gestern so nicht geklappt. Wie auch, wenn jemand vor Deiner Nase leckere Bratwürste, diverse marinierte Fleischsorten und leckere Champignonköpfe auf den Grill sortiert und Dir neben dem ausgesprochen köstlichen Anblick auch ein entsprechender Duft in die Nase steigt.
Zwei Bratwürste, ein Stück Pide und einen Champignonkopf später war ich zunächst gesättigt, beteiligte mich mehr oder weniger angeregt an den Gesprächen, bis Freund Schmerz mich derart würgte, dass ich beschloss, den vorzeitigen Heimweg anzutreten und den Kampf mit dem Schmerz unbemerkt und allein in aller Härte auszufechten, um dann wenigstens den Rest des Abends genießen zu können.
Geglückt ist mir das allerdings nicht und so tat ich das, was ich meistens tue: mich in die Welt der Musik vertiefen. Ausgestattet mit einem neuen Laptop, lud ich mir flugs entsprechende Programme und tauchte ein. Suchte und fand. Lud und speicherte.

"Ich wollte auch mal ne Prinzessin sein" -
an diesen Spruch der berühmt-berüchtigten Cindy aus Marzahn dachte ich, als ich spätabends müde in die Kissen kroch und befand, dass ich mir diesen Abend doch etwas anders vorgestellt hatte.

Dafür söhnte mich der Blick in den Badspiegel heut Morgen mit so ziemlich allem aus, denn mir schien, als habe Tag 1 der Anti-Bewegung doch schon eine leichte Spur hinterlassen. Eine leichte positive Spur. Oder meinte es einfach nur der Spiegel gut mit mir? So wie das ALDI-Schaufenster? Ich meine, die Frauen unter uns kennen das doch sicher auch: Es gibt Spiegel, die schmeicheln einem - das sind die Lieblingsspiegel. Und es gibt Spiegel, die scheinen einen zu hassen und zeigen das auch ganz offen ;-)
Diesem Spiegel hier jedoch, den ich dem Besitzer am liebsten entwendet hätte, warf ich eine Kusshand zu, bevor ich in die Dusche stieg und mir alle Empfindungen, die nicht gerade sonniger Natur waren, von der Haut und aus den Haaren zu spülen. Und es funktionierte. Den Rest erledigte der Hausputz, eine entsprechende Mucke dazu, ein wunderschönes Sonnenwetter sowie der Duft einer bunt und lecker zusammengewürfelten Mittagspfanne, der unbedingt noch ein noch leckerer Tiramisu folgen musste. TUI - das hatte ich mir verdient und ich schwöre an dieser Stelle und angesichts der Tageszeit lieber nicht, dass ich heut nichts mehr essen werde. Ich werde nur... ich werde... nur... darauf achten, was ich esse.
Damit mein Badspiegel, in den ich erst morgen Abend wieder schauen kann, nicht zu mir sagt:
"Na Ellie, simmer ooch ma wieder daheim?"

In diesem Sinne - Eure Helma :-)

Samstag, 25. Juli 2009

Tag 1 Der Anti-Mammut-Bewegung

Als ich heute Morgen erwachte - nach einigen Stunden des absoluten Tiefschlafes (und das ist bei mir eine absolute Seltenheit und umso mehr willkommen), wusste ich zwar nicht sofort, wo ich war - aber schlagartig war es wieder da: das Mammut-Gefühl. Alleine das sich noch einmal Umdrehen des Riesenkörpers im Bett, langsam, behäbig, das Hinübertappen in das Badezimmer. Ach was sag ich da: von wegen Tappen...
Tappen klingt schon wieder nach leichtfüßig, geschmeidig, anmutig...
Mit keinem dieser Attribute jedoch konnte ich mich heute Morgen in Erinnerung an jene zwei Fotos vom gestrigen Abend identifizieren.
Das nächste Problem stellte das Outfit des heutigen Tages dar. Hatte ich zwar für lächerliche zwei Tage meinen halben Kleiderschrank eingepackt (Frauen sind manchmal so unentschlossen!), hatte ich zwar alle möglichen Shirts in allen möglichen Varianten eingepackt, jedoch alle mit dem einen entscheidenden Nachteil, dass sie nicht lang und nicht weit genug waren, um die eine oder andere Problemzone gekonnt zu kaschieren.
Da saß ich nun. Und da waren sie wieder, meine drei Probleme:

1. nichts anzuziehen
2. Verzweiflung, die sich langsam, aber stetig ausbreitet
3. In einem Mammut-Körper ist übrigens viiiieeel Platz, um ausbreiten zu lassen...

An Punkt Numero Drei dachte ich ebenfalls, als es an die Zubereitung des Frühstücks ging. Nur noch Grünes und Wasser, das hatte ich mir noch vor wenigen Stunden geschworen. Gleichwohl war mir heut Morgen wieder eingefallen, dass das Schlimmste und Verkehrteste, was man tun kann, ein Komplett-Verzicht sein soll. Denn die darauf folgenden Heißhungerattacken machten jeglichen Erfolg zunichte, kaum dass man ihn bewundern lassen konnte.
"Genau", sprach ich mir selbst Mut zu, belegte auch das dritte halbe Brötchen ordentlich, rührte den Vanille-Joghurt unter die frischen Heidelbeeren und goss mir dazu einen Cappuccino auf, von dem ich mir schwor, dass dieser aber für die nächste Zeit mein letzter Cappu sei. Ihr wisst ja sicher selber: einen Haufen Zucker und irgendwelches ungutes Zeug - nein, das geht einfach nicht mehr.
Sei standhaft, Helma.
Sei diszipliniert, Helma.
Nur - auch diese Eigenschaften treffen im realen Leben nicht wirklich auf mich zu...

Als ich dann noch das Telefon einschaltete und den ersten Kommentar zum gestrigen Blogeintrag las
"...ja, dein kleiner Po ist wirklich etwas gewachsen - aber du wolltest ja nie auf mich hören!..."
da dachte ich: Ja klasse, super, genau DAS habe ich jetzt gebraucht!
Von wegen "...ich brauch noch ne attraktive Begleitung für Montag Abend und da dachte ich an dich!"...
Ha! Attraktiv. Wahrscheinlich sollte ich bloß benutzt werden. Ich meine, es ist leicht, sich wie eine Gazelle zu fühlen, wenn man neben einem Mammut-Weibchen steht. Und schon hat man innerhalb von Sekunden eigene Unzulänglichkeiten ausradiert. Na suuuper!

Erst der Einkauf bei ALDI söhnte mich mit mir selbst und der Welt wieder aus. Seit heute liiieebe ich ALDI-Schaufenster! Ja! Einen einzigen Blick hinein wagte ich, natürlich völlig unauffällig - und was ich da sah, ließ sämtliche Gedanken an Mammuts & Co. wieder vernichten. Sooo schlimm war es ja dann doch nicht, der Typ von letztens hatte wahrscheinlich einfach nur keine Ahnung vom Fotografieren. Oder ich hatte mich wirklich schlicht und einfach nur dämlich positioniert.
Andererseits... Man sagt ja immer: Wer wenigstens schlank aussehen will, der sollte sich die Klamotten ruhig ein - zwei Nummern größer kaufen. Nun, zu den Zeiten, als ich noch die Größe 36 trug und mit der 38/40 liebäugelte, war das ja noch... nun ja... annehmbar. Aber wenn ich jetzt mit ner 44/46 oder... nein, ich sags nicht... liebäugeln soll... Also das gibt mir dann schon zu denken. Und lässt mich jeden Gedanken an diese Anti-Mammut-Bewegung aufrechterhalten. Auch wenn das ALDI-Schaufenster sagt: "Pah, hast du gar nicht nötig, mein Mammütchen!"

Anyway... Drei halbe belegte Brötchen, eine Riesenschüssel Joghurt mit besagten knackigen Heidelbeeren und einen Cappu später - da beging ich Todsünde Numero Zwei und statt nunmehr drei Runden um das Haus zu sprinten, legte ich mich ins Bett und versuchte mich in Vorbereitung auf die am Nachmittag steigende Party mit einem sicherlich open end in einem Schläfchen. Und hier liege ich nun immer noch, draußen beginnt ein herrlich romantisches Gewitter (ich weiß gar nicht mehr, das wievielte in den letzten Wochen) und da ich mich ja nun aufgrund des erfrischenden Regens weiterhin nicht sportlich betätigen kann, betreibe ich wenigstens ordentlichen Fingersport und schreibe diesen Blogeintrag :-)

Ich hoffe, Ihr lasst es Euch gut gehen, wo auch immer Ihr seid und was auch immer Ihr gerade tut.
Ich jedenfalls esse heute nix mehr und wenn ich das in der Tat bis Morgen durchhalten sollte, dann... ist das doch auch ein guter Schritt in Richtung "Vom Mammut zur Gazelle in zehn Tagen" - oder?

Eure Helma,
die seit heute Fan von ALDI-Schaufenstern ist

Woolly Mammoth Called Ellie

Ich bin bestürzt.
Nein - ich bin außer mir.
Und dennoch bestürzt.
Also beides.
Dabei sitze ich hier ganz still und ruhig auf dem Sofa, höre noch immer die Musik, die eigentlich bis dato nur eines vor meinem inneren Auge hervorrief: mich tanzend, swingend, die Hüften schaukelnd im Takt, die Beine hochgeworfen, so gut es nur ging.
DAS jedoch ist mir bei weitem gegangen.
Oder habt Ihr schon mal ein Mammutweibchen sich spielerisch tänzelnd durch schätzungsweise fünfzig Quadratmeter Wohnfläche bewegen sehen? Für jeden, der vergaß, wie sich überhaupt ein Mammut fortbewegt, der schaue sich zum Beispiel Ice Age an. Ice Age in der aktuellen Version - ein Schenkelklopfer, ein Must-Have - finde ich.
Aber...
Spielerisch tänzelnd?
Dass ich nicht lache...
Stampfend vielleicht, dass die Teelichter mahnend klirrten.
Heut Abend hab ich zum ersten Mal ein paar Fotos gesehen.
Kinder, ich muss mich umtaufen lassen.
Ab heute heiße ich nicht mehr Helma Ziggenheimer, nein, ab heute heiße ich Ellie Ziggenheimer. Ellie - die Mammutfrau aus dem Film... na Ihr wisst schon.
Die Fotos... Ich wollte echt nicht glauben, was ich da sah.
DAS sollte ICH sein?
Wieviel Arsch passt eigentlich auf ein Foto?
Grundgütiger...
Eigentlich wollte ich mich ja - auf den Geschmack gekommen dank der bildlichen Beschreibung einer Ramschkisten-Autorin - mit einem sahnigen Stück Käsetorte anfreunden.
Sahnig? Torte?
In DIESEM LEBEN NICHT MEHR!
Ein VERDAMMT!! auf die beiden belegten Brötchen, die ich mir gerade noch um 23 Uhr 30 zu Gemüte geführt hatte - nebst einem Becher heißer Zitrone mit lecker viel Zucker.
Zucker...
Ich könnte heulen.
Ich könnte wirklich heulen.
Ab morgen wird alles anders.
Ab morgen muss alles anders werden.
Bloß gut, dass das Kind vor einigen Tagen in die Ferien zu Oma gefahren ist.
Da gibt es jetzt, bis es wiederkommt, bei Helma nur noch Schmalspuressen. Grünes. Viiieeel Grünes. Wasser dazu - literweise meinetwegen. Mehr nicht. Meeehrr nicht!!!
Aber diese Fotos... Großer Gott, den Anblick kann ich nicht vergessen.
Jeder hat ja so sein Schlüsselerlebnis - und vielleicht war das ja meins.
"Soll das wirklich ich sein? Seh ich wirklich sooo aus?" stellte ich die verzweifelte Frage in der Hoffnung, der Liebste nähme mich beschwichtigend in die Arme, lachte und sagte: "Ist in Wirklichkeit vieeel schöner!"
Und was sagt der Pimpf? Hebt die Schultern und meint entschuldigend: "Na ja!" So wie: Ist eben so, finde dich damit ab.
Nee. Neeeeeee!!!
Und ich weiß, Wein ist ober-gefährlich für die Hüften. Und dieser trockene Rotwein hier schmeckt mir auch nicht wirklich. Aber im Moment interessiert mich weder das eine noch das andere: Auf DEN Schreck muss ich jetzt erst mal einen trinken.
Prost!
Und dann geh ich schlafen.
Wer schläft, der sündigt nicht. Und isst nicht. Und trinkt nicht. Und überhaupt.

Na dann - gute Nacht!

Donnerstag, 23. Juli 2009

"Essen Ist Der Sex Des Alters"

...oder: Helma ist zurück. Ich meine, richtig RICHTIG zurück.
Den Spruch der heutigen Betreffzeile las ich heut Nachmittag im neu erworbenen Buch - was für mich ja schon eine halbe Sensation ist: Hatte ich seit gut drei Jahren in kaum ein Buch geschaut, so hatte ich mir die Tage beim Bummel mit der Frau Mama in der City sogar eines gekauft.
Als erstes war mir der Titel ins Auge gefallen.
"Anleitung zum Entlieben"
Aha. Sie liebt ihn, er sie nicht. Eine ganz modische on-and-off-Beziehung.
Hmm. Kennen wir alle irgendwie.
Dann der Name der Autorin. Genau wie meiner. Also... wie mein realer Name ;-)
Und vor allem - genau so geschrieben!
Der Himmel gab mir ein Zeichen?! :-)
Daraufhin der Neugier nachgegeben, schlug ich es auf und las in der Einleitung, dass jene Autorin ursprünglich einen - und jetzt haltet Euch fest - Internetblog schrieb, mit dem sie, nach all dem Berichten über die Sünden und Schmerzen, aber auch die Sinnenfreuden der Liebe quasi "über Nacht" zum Star wurde.
Na ja, wenn man denn auch ein Star ist, wenn die unter Schmerz und Herzblut geschriebene Leidensliebesgeschichte für den Schrammelpreis von 2 Euro 95 in der Wühlkiste mit dem Lock-Fähnchen "Sale" zu finden ist.
Aber selbst bis dahin zu kommen, das ist ja schon einen Autorenoscar wert.
Ich meine, ich will ja nicht meckern und auch nicht mosern, aber zweistellige Leserzahlen an nur einem Tag... Da könnte man ja beinah neidisch werden. Ich selbst bin ja schon froh, dass ich diese zweistellige Leser-Zahl in einem guten halben Jahr geschafft habe (wenn man die Zeiten der Klinik abzieht). Seien wir doch mal ehrlich: So bisschen... Anerkennung - da leben wir doch alle auf, oder etwa nicht?
So ein bisschen ins Grübeln komme ich nämlich schon ab und an, wenn die eigene Leserzahl stagniert. Und dann fallen mir immer die Worte einer Therapeutin ein: "Sie kommen mir sehr kontrolliert vor." Ha. Ich und kontrolliert! Wobei... Na ja... Also früher war ich schon ganz anders. Munter drauflos. Freunde hab ich mir damit aber auch nicht immer gemacht...
Und - zurückgeblickt auf vierzig Jahre bewegtes und bewegendes Leben - bin ich heut... sicherlich vorsichtiger. Zurückhaltender. Aus Altersweisheitsgründen womöglich.
Tendenziell, so heißt es, entwickelt man sich ja jenseits der Lebensmitte wieder zurück zu einem Kind. Zu dem Kind in sich. (Schlecht natürlich für den, der sich das nicht bewahrt hat - es bleibt die Frage, zu was sich jene Menschen dann entwickeln.) Vielleicht sollte ich ja meine unrühmliche Ungeduld zu Wort kommen lassen und die mentale Phase der Lebensmitte gekonnt mit ein paar Sprüngen überwinden, diese zurück-zu-dem-Kind-in-mir-Phase vorziehen und einfach so wieder drauflos reden (und schreiben) wie dazumal. Ohne Punkt und Komma, ohne vorher drüber nachzudenken. Zumindest war das... ehrlicher. Direkter - aber ehrlicher.
Ich meine, seien wir doch mal ehrlich: Werden wir heute - im schlimmsten Fall von einer Freundin - in der Umkleidekabine gefragt: "Wie seh ich aus?" oder "Steht mir das Shirt?" - dann lassen wir in unserem Kopf erst Diplomatie, Aufrichtigkeit und Direktheit miteinander streiten, bevor wir nach der hoffentlich unbemerkten Pause antworten: "Ach weißt du, die Farbe finde ich ehrlich gesagt nicht so toll. Wir müssen ja nicht jede Mode mitmachen, oder?" und umschiffen damit ganz diskret die Aussage: "Glückwunsch! Wann ist es denn soweit?"
Ich meine, wer auch meine früheren Blogeinträge gelesen hat, dem habe ich oft genug betont, dass auch ich mittlerweile hunderte Kilometer weit entfernt von einem bulimieähnlichen BMI bin, genau das aber auch an mir schätze - solange es nicht... sagen wir mal... noch üppiger wird ;-) Und dass ich genau diese fraulichen Rundungen, die ich in der Tat an mir liebe, gerne mal aufs Korn nehme. DAS aber - und darauf bestehe ich - soll aber auch mir vorbehalten bleiben. Alles andere täte mich dann doch empfindlich treffen ;-)
Nur - wenn ich direkter, unkontrollierter, frecher meine Blogeinträge verfassen würde so wie jene Autorin, die da wirklich recht schamlos den Racheakt (oder wars eher eine Verzweiflungstat?) an ihrem Liebsten beschrieb, die sich auf den eigentlichen Akt mit dem Genuss von rohen Zwiebeln vorbereitete, wohl wissend, was diese in ihren Därmen verursachen würden... Dann müsste ich mir vielleicht schon morgen keine Gedanken mehr über stagnierende Leserzahlen und düstere Zukunftsaussichten machen ;-)
Aber eigentlich... ist es mir doch am wichtigsten, ich selber sein und bleiben zu können. "Bei mir" bleiben zu können, wie es so schön heißt.
Also doch lieber bei dem bleiben, das auch ICH bin ;-)
Und vielleicht - auch das ist mir in den letzten Wochen auch aufgegangen - mache ich mir ohnehin viel zuviele Gedanken. Einfach mal wieder "passieren lassen", so wie früher. Die Dinge auf mich zukommen lassen und genießen, dass es ist wie es ist.
Würde ich ja gerne. Wenn man mich auch ließe :-o

Essen ist also der Sex des Alters.
Hmm. Nee, also heute esse ich nüscht mehr :-)

Viel eher werde ich mir noch einen ordentlichen Kaffee zubereiten und mich an die Beantwortung einiger E-Mails machen, die - mit Lesezeichen versehen, damit ich sie ja nicht vergesse - in meinem Postfach schlummern und mich auch sonst wieder bei den mir liebgewonnenen Menschen in Erinnerung bringen in der Hoffnung, dass sie mir nicht die Tür vor der Nase zuschlagen: "Wir kaufen nichts!"

Na dann...
schönen Abend noch, Eure Helma

Montag, 6. Juli 2009

Proof Of Life

Liebe Jungs und Mädchen, irgendwie ist es verdammt lange her, seit ich das letzte Mal hier einen Eintrag schrieb. Und bis heute habe ich noch immer nicht die Kraft gefunden, mich bei all den Menschen, denen ich hoffentlich so ein bisschen wichtig bin, zu melden; geschweige denn, einen weiteren Blogeintrag zu schreiben.
Mir fehlt es trotz aller Inspirationen, die jeder Tag mit sich bringt, an der Kraft, mir fehlt es an der Energie, zu schreiben oder gar zu telefonieren.
In meiner freien Zeit schlafe ich lieber, ziehe mich zurück auf meine kleine Insel irgendwo im Nimmerland.
Aus dem Krankenhaus bin ich wieder entlassen; mir fehlt nunmehr ein bisschen Hirnwasser (bitte nicht verwechseln mit Hirnmasse - dieser Hinweis sei mir erlaubt), mir fehlt vor allem eine ganze Menge Blut (das wiederum hab ich gemerkt :-)); ich habe keine Multiple Sklerose, keine Leukämie, auch keine Entzündung im Hirn und bin wohl auch sonst frei von allen möglichen ansteckenden Krankheiten. Was mir sonst noch fehlt, wird eines löblichen Tages die serologische Auswertung aller möglichen und unmöglichen Tests ergeben - nach meinem letzten Wiedervorstellungstermin lagen diese noch nicht vor.
Heißt: Helma bekommt ein neues Medikament ("Bei Ihnen können wir jetzt wirklich nur noch ausprobieren!") und wartet. Und wartet. Und wartet. The same procedure as every year. Leider.
Für das Ziggenheimer'sche Sportprogramm habe ich gestern eine Iso-Matte erstanden (damit die 40 Jahre alten Knochen nicht mehr ganz so auf dem harten Laminatboden drücken ;-)), die Gummibänder sind auch noch nicht gerissen (ich meine die aus dem Laden!!), ja... und der Kaffee schmeckt nach wie vor.
Als mir ein Arzt sagte, dass es zur Regeneration des Hirn-/Nervenwassers günstig sei, Kaffee zu trinken, schnippte ich mit den Fingern und sprach: "Dann hätt ich gern gleich mal zwei Latte Macciato!" Die Studenten haben gelacht und wenn ich schon nichts zu ihrer Bildung beitragen konnte, indem ich darauf bestand, dass mir im Anschluss an die erfolgreiche Hirnwasserpunktion nur noch die Nerven dafür blieben, das Blut vom Arzt abgenommen zu bekommen (auf ein wildes Suchen und Finden der entsprechenden Vene hatte ich echt keinen Bock mehr), so habe ich ihnen für ein paar Minuten mit meinem letzten bisschen Galgenhumor den Tag vielleicht so ein mimi-bisschen versüßt.
Warum ich das alles hier so schreibe? Damit Ihr wisst: Jaaaaa - sie lebt noch! Und ja, sie redet nach wie vor, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sorgen sollt Ihr Euch nämlich nicht - könnte ja sein, dass Ihr Euch so ein mimi-bisschen Gedanken gemacht habt.
Nur wie gesagt, zum Telefonieren, Simsen, Mailen - was es da nicht alles gibt - fehlt mir im Moment einfach noch... die Kraft.

Die jedoch wünsche ich Euch für jeden neuen Tag, den Ihr beginnt.
Es gibt so vieles zu entdecken, das gelebt werden will.
Und auch ich komm eines Tages wieder. Verlasst Euch drauf :-)

Eure Helma

Freitag, 19. Juni 2009

Winter's Passing By

Dieser Song von Grand Avenue...







stars shine winter's passing by
take me through copenhagen nights
what's the use of all this talking
we've been here before, we're in constant replay

so don't come here and try to save me
cause you really know how to fake it
you say you're misunderstood
such a shame if your intentions are good

i don't want to know your secrets
i'm beggin' you please shut your mouth
cause what will be, it will be forever
i've made my decision i've made it now

so don't come here and try to save me
cause you really know how to fake it
you say you're misunderstood
such a shame if your intentions are good


Mir ist... so kalt im Moment.

Bei all jenen, bei denen ich mich noch nicht wieder gemeldet habe...
Bitte lasst mich erst das Krankenhaus hinter mich bringen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass danach alles anders wird. Dann blogge ich wieder, dann hören wir uns und dann sehen wir uns. Bis dahin... wünsch ich Euch was.

Eure Helma




Sonntag, 14. Juni 2009

Ich BIN Frei :-)

...und nun muss Helma wieder einen Kommentar zum Kommentar abgeben ;-)

Ich weiß zwar nicht, wer hier heute Anonym ist (anonym heißt ja auch... anonym *smile*) und mir einen doch etwas genervt klingenden Kommentar hier reingesetzt hat (s klingt so nach einem leicht genervten Ossi ;-)) - aber hey - damit mich keiner falsch versteht: Ich bin stolz darauf, wo ich herkomme, ich fühle mich entsprechend sauwohl damit - meine Gastmama ebenso - und wenn wir beide hier unsere Späßchen machen und sie mich liebevoll ihren gefräßigen Ostmanen nennt, vor dem sie nachts ihren Kühlschrank hochsicherungstraktmäßig schützen muss - dann lachen wir einfach nur darüber und finden uns lustig. Na und? Was ist denn auch dabei?

Das Leben mit einem Augenzwinkern nehmen, sich selbst auch mal aufs Korn nehmen, über sich selbst lachen können - das finden wir völlig in Ordnung und auch lustig.

Und wems nicht passt oder nicht gefällt, wer sowieso auch keinen Spaß versteht, der lese nicht mehr in diesem Blog :-)

Howgh - Helma hat gesprochen :-)

Und: Ja, Gastmama, ich komm jetzt an den reichlich gedeckten Frühstückstisch :-)

Gab's Dich Auch In Nett?

Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich diese Frage heute hier in Hamburg gestellt bekommen habe!

Woraufhin ich eifrig antwortete: "Im Osten hieß es doch früher immer: Ham' 'mer nich!" ;-)

Wir haben es zwar noch nicht ans Meer geschafft - das holen wir morgen nach - aber ich hab es zumindest schon wieder erreicht, dass sie es schon wieder bereut hat, mich eingeladen zu haben. Ich meine, die Schüssel Nudeln plus Bolognese ist ratzekahl leergegessen, von den Bananen ist auch nur noch die Hälfte da, die Tüte mit ihren Katjes-Yes-Yes-YYESSSS ist auch schon alle und über die restlichen Wochenendsüßigkeiten - nämlich die Chips - haben sich die beiden hungrigen Ost-Kinder hergemacht. Ich meine, da kann die Gastmama noch froh sein, dass Ziggenheimer Junior der I. nach seinem gestrigen Gelage noch bis heut Abend kaum Appetit, geschweige denn Hunger verspürte. Denn wäre er 100 % einsatzbereit mit Mund und Magen, hätte sie aus ihrem Garten mehr rausholen müssen wie die Steine, die sie gründlich putzte für die Meer-Muschel-Stein-Atmosphäre in ihrer Wohnzimmerecke (die sie mir wohlweislich zugedacht hatte - die ECKE wohlgemerkt ;-))

Vielleicht sollte ich mich ja wirklich in eben jene stellen - möglicherweise habe ich das sogar verdient... In der Ecke zumindest kann vielleicht keiner sehen, wie ich mir heimlich den Rest des Erdbeer-Limes hintergieße und mir wünschen, dass.... alles gut wird...

Eure Helma

Samstag, 13. Juni 2009

Kleine Kinder - Kleine Sorgen

Als mein Großer heute Morgen so um halb sechs Uhr nach durchzechter Nacht vor der Tür stand, ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter, da schwante mir schon etwas, dessen Ausmaß ich aber in dem Moment noch nicht begreifen konnte.

Ich meine, es gab da schon so Anekdoten... Über den Durst getrunken und in den Schnee gekotzt... Über den Durst getrunken und die Rechnung nicht begleichen können... Handy verloren... Portemonnaie verloren... Herrliche Stories - so im Nachhinein... Was ich schon rumtelefoniert hatte nach verlorenen Dingen oder überhaupt ;-) 
Aber - so sage ich mir - das gehört wohl auch zum Erwachsen werden wollen dazu - und solange er das Lehrgeld (oder... Leer-Geld ;-)) aus eigener Tasche zahlt... Manche Menschen brauchen eben etwas länger und mindestens zur Hälfte steckt ja immerhin ein geruhsamer Norddeutscher in ihm ;-)

Ursprünglich hatten wir ja vorgehabt, gemeinsam zu frühstücken und dann spätestens um 8 Uhr auf Reisen zu gehen.

Geschenkt!

Das Kind kam heim, ohne Telefon, ohne Geld und mit einer Anzeige in der Tasche.
Wo er beginnen sollte zu erzählen, wusste er selbst nicht recht, die Tränen schossen ihm in die Augen und Helma wurden die Knie weich. 

Er legte sich zu mir ins Bett und begann zu erzählen. Von der eingetretenen Klotür, die er nun bezahlen soll und die ihm auch eine Vernehmung durch die Polizei beschert hatte. Davon, dass er zu allem Überfluss auch noch seine Jacke vergessen habe ("Spatzl, die hast du doch aber an", warf ich ruhigen Wortes ein und er schaute ungläubig an sich hinunter ;-)), davon, dass er sein neu erworbenes und auch nicht billiges Handy höchstwahrscheinlich verloren habe... und überhaupt... und überhaupt...
Das sind so Momente, wo ich mir vorstellen könnte, jetzt mal ein Zigarettchen zu schmauchen und versonnen den Rauchkringeln hinterherzuschauen, bis mir eine Idee käme. 
Nur - dieses Laster brauche ich ja nicht auch noch, also setzte ich mir auf den Schreck erst mal den Teller mit dem restlichen Kalten Hund auf den Bauch und begann zu essen, während er erzählte. 
Dann schlief er ein, tief und fest, während ich zum Telefon griff, als erstes seinen Busenfreund und als zweites seinen Vater anrief. 
Stutzig wurde ich, als der Vater erklärte, er wisse bereits alles (alles? nein... das mit dem Handy wusste er noch nicht ;-)), der Freund habe ihn um 2.40 Uhr angerufen, NACHDEM er mit Ziggenheimer Junior zur Bahn gegangen und dann wieder zur Diskothek zurückgekehrt sei.
2.40 Uhr?
Moment...
In Mathematik war ich immer etwas schwach auf der Brust, aber... 
2.40 Uhr...
3.33 Uhr fährt ein Nightliner. 
4.00 Uhr hätte er dann daheim sein müssen.
Hätte...
Offenbar - so rekonstruierten Vater und Mutter den Abend - hatte das Kind an der Haltestelle einen Sitzplatz eingenommen, zum Schlafplatz umfunktioniert und war dann nicht 3.33 Uhr mit dem Nightliner, sondern 5.00 Uhr mit der ersten Straßenbahn heimgefahren... Macht summa summarum 2 Stunden Schlaf an der Haltestelle... Das würde auch erklären, warum er so durchgefroren war ;-) Vermutlich hat er das Telefon also dort verloren oder "verlieren lassen", wie man so schön sagt, denn sämtliche Kollegen der Linie bescheinigten dem Vater: "nee du, in meiner Linie nicht..."
Fazit also:
Alle sind wir uns einig: Ziggenheimer Junior I. eine Tür eintreten? Niemals. Aber das hilft uns nicht, solange ein Türsteher behauptet, er habe Ziggenheimer dabei beobachtet. OK... Ich dachte immer, Türsteher stehen am Einlass zur Diskothek und nicht vor der Klotür. Aber gut...
Rechtsschutz und Privathaftpflicht sei Dank, auch der Umstand, dass Ziggenheimer Junior I. zwar volljährig, aber noch in der Ausbildung ist und somit durch Papas Versicherungen geschützt ist. Na Gott sei Dank.
Das Handy bleibt im Nirvana versenkt oder in den Händen eines dankbaren Abnehmers, der mit Freuden feststellen wird, dass gerade ein Guthaben von immerhin 15 Euro draufgeladen wurden. Quasi als Begrüßungsgeschenk in den neuen Händen.
Ob das große Kind nunmehr 60 Euro mit seinen Freunden (oder per Lokalrunde) vertrunken hat oder nicht, bleibt offen, solange das Kind neben mir liegt und schläft. 

Ich weiß, das ist alles nicht... wirklich lustig... Aber ich glaube, manche Dinge kann man nach dem ersten Schreck nur noch so sehen und empfinden. Was nützt es uns auch, auszuflippen, zu schreien, zu toben? 

Manche Menschen greifen in solchen Momenten zur Zigarette. 
Manche Menschen gießen sich in solchen Momenten einen Magenbitter ein.
Und Helma... kocht sich jetzt einen Cappuccino, packt die Sachen und dann die Kinder ein und... fährt los...

Genießt Eure freie Zeit - ich tus auch :-)

Freitag, 12. Juni 2009

Richard Kimble - In Wahrheit Eine Frau

Jeder von Euch wird sicherlich diesen Film mit Harrison Ford kennen - "Auf der Flucht". 
Soll ich Euch was sagen? In Wirklichkeit war Richard Kimble eine Frau. Ja wirklich! Gut getarnt, aber... dennoch eine Frau. Und sie heißt Helma Ziggenheimer!
Ehrlich - im Moment fühle ich mich beinah jede Woche wie dieser Richard... Ständig auf der Flucht, von einem Termin zum nächsten, zwischendurch der Job, die Kinder, die verdammte Steuererklärung (aber die Finanzbeamtin war sowas von locker! die hat sogar über meinen erfolglosen ersten Datenübermittlungsversuch herzhaft gelacht ;-)), die vielen Ärzte, die mich sehen und ihren Senf wie auf einem Würstchen breitschmieren wollen (vor allem gehts denen ja so schlecht, seitdem sie pro Quartal pro Patient nur noch pie mal Daumen fünfunddreißig Euro abrechnen dürfen, hach ja...)
Zwischendrin vergess ich auch schon mal einen Termin, so wie den zur Wiederholungsimpfung für den Kleinen. 
"Ach, ist doch nicht schlimm", meinte der Kleine mit wegwerfender Handbewegung. Na klar...
"Ach, ist doch nicht schlimm", meinte heute die Sprechstundenhilfe und so war ich in null-komma-nix mit einem neuen Termin ausgestattet.
Was heute allerdings nicht so flugs ging... war der Besuch auf dem Zahnarztstuhl. 
"Wir müssen noch bisschen was machen, bevor du wieder ins Krankenhaus musst", hieß es vor zwei Wochen - und Leute, mir schwante dabei auch nix Gutes.
Schon letzte Woche verließ ich malträtiert und geplagt jenen Stuhl, gebeugt und mit nass geschwitztem Rücken.
Und heute... Mit den ersten drei Spritzen war ich noch sehr zuversichtlich, dass ich alles gut überstehen würde. Und während wir auf das Eintreten der Wirkung warteten, zauberte sie aus der Hinterhand ein Schreiben eines Kieferorthopäden hervor, das ungefähr zwei Jahre alt sein mochte und noch heute auf die Erledigung diverser Eingriffe in meine Zahnreihen wartete.
Nur - erstens bin ich ein absoluter Schisshase. Ich meine, gebt mir ne Narkose, dann können wir über alles reden. Aber so? Und zweitens - na hey, greift doch mal ner nackschen Frau in die Tasche! Ehrlich gesagt - ich fahre lieber einen gut erhaltenen, dreitürigen Stadtflitzer mit Klima und Bordcomputer als diesen Gegenwert in meinem Mund herumzutragen, das mir zwar auch morgen noch ein kraftvolles Zubeißen sicherte, aber mich auch jeden Tag spätestens beim Zähneputzen daran erinnern würde, wie viele nicht getrunkene Milchkaffees mich dieser Spaß gekostet hätte. Tja... Was ist nun wichtiger.
Grad muss ich lachen, weil mir einfällt, dass ich die zahnfarbenen Füllungen bis vor kurzem noch für Kunststofffüllungen gehalten hatte, die mir meine Zahnärztin quasi bei jedem Besuch schenkte, weil ich niemals eine Rechnung erhalten hatte.
Vor einigen Tagen danach befragt, lachte sie nur und sprach: "Kunststoff? Helma - das sind Provisorien. Das sind alles Zähne, die für den Ersatz mit Kronen vorbereitet wurden."
Erst schaute ich nur sprachlos, dann zählte ich stumm und in Gedanken alle entsprechenden Zähne und erst dann dämmerte mir der dreitürige klimatisierte Stadtflitzer... 
"Ich kann mit Provisorien auch gut leben", krächzte ich mit matter Stimme - aber das hat mir nichts geholfen.
Also doch einen Millionär angeln? Der mir ein strahlendes Blendax-Antibelag-Lächeln mal eben aus der Portokasse spendierte? Na danke.
Kronen also. Angesichts der neuesten Preisentwicklung wohl eher Helmas ganz private Kronjuwelen.
Und als wäre all dies noch nicht genug, las mir Frau Doktor den zwei Jahre alten Brief des Kieferorthopäden vor. Außen hui und innen pfui? Das ist doch nicht möglich! Auch mit vierzig Jahren darf das noch nicht möglich sein! 
Bereits nach dem dritten Satz hätte ich "Stopp!! Halt!! Aus!!" gerufen. Aber versucht das mal, wenn Ihr das halbe Inventar an Werkzeug in der Gusche eingebaut bekommen habt und froh seid, wenn Ihr überhaupt noch atmen könnt, solange Fräulein Assistentin den Sauger auch richtig hält.
Mit einem "Aaarrghh..." und "Uuurrrghhh..." jedenfalls ließ sich die Frau Doktor nicht stoppen. 
Allerdings... galt dies nicht ganz allein dem Lesen. 
Vermutlich hätte man mit der Menge, die mir heute, verteilt auf insgesamt fünf Spritzen, verabreicht wurde, ein Pferd betäuben können. Aber Helma ist eben kein Pferd. Helma ist... eben Helma. Die merkt alles. Na gut, fast alles.
Als ich die Praxis geschlagene neunzig Minuten später verließ, war der Rücken erneut gramgebeugt, das Mundwerk schief und krumm, das Shirt hoffnungslos durchgeschwitzt und selbst die Fußsohlen waren derart verschwitzt, dass ich in meinen Flip-Flops hin und her rutschte, als seien sie mindestens vier Nummern zu groß.
Fluchtartig suchte ich das Weite, gab auf der Autobahn richtig Gas, ignorierte geflissentlich die auf 100 kmh beschränkten Zonen und ließ meinen ganzen Frust am Gaspedal aus. 
Heimfahren. Hinlegen. Die Decke über den Kopf ziehen. 
Wann kehrt endlich mal ein bisschen Beschaulichkeit in mein Leben ein?
Eine Woche lang jeden Morgen aufwachen, nicht überlegen oder Strategien entwerfen müssen, einfach mal NUR genießen und sich des Lebens freuen... Ohne dass immer gleich ein neuer Schlag in die Kniekehlen kommt.
Und noch nicht mal zur Tür reingekommen, schon der nächste Schock "Mama, ich bin heut mit dem Rad gestürzt." 
OK. Das passiert. 
"Mama, mir ist übel. Und mir tut alles weh. Das Rad hat blockiert und ich bin über das Fahrrad geflogen. Aber den Helm hab ich aufgehabt." 
OK. Da wurde mir übel. 
Und das Kind von allen Seiten begutachtet. Die Augen klar, keine vergrößerten Pupillen, der Appetit stimmte auch und dass das Kind heute schätzungsweise drei Stunden eher müde wurde wie sonst, schiebe ich eher dem Umstand zu, dass es heute zum vierten Mal in dieser Woche 24 Kilometer geradelt ist. Soviel fährt er sonst in zehn Jahren. Echt mal. 
Als dann noch der Große anrief und meinte, er habe den Bus verpasst, nun käme er erst 18.45 Uhr auf dem Hauptbahnhof an und sollte aber schon 19.15 Uhr bei seinen Kumpels zur Party sein und ob ich nicht eine Idee hätte, wie er noch was retten könne, da... betrachtete ich fassungslos mein Spiegelbild: Helma, 40 Jahre, gealtert um 100 Jahre in drei Sekunden, auf dem Kopf die neue Haarfarbe, die statt nach zehn Minuten erst nach dreißig Minuten abgewaschen werden konnte, weil ich so lange brauchte, um aus der Schockstarre zu erwachen - und dann setzte ich mein mir so gut bekanntes Grinsen auf in Erinnerung jener Zeilen, die mich gerade (nein, ausgerechnet!) heute erreichten: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht, obwohl einem eigentlich zum Heulen ist." Oder so ähnlich. 
Also habe ich meine Haare gerettet, den Kleinen versorgt, dem Großen das Essen und die Ausgehklamotten eingepackt, ihn vom Bahnhof abgeholt und zum Freund chauffiert, beim Tanken festgestellt, dass ich das Portemonnai vergessen hatte (für 5,17 Euro hab ich noch nie zuvor getankt ;-)), wieder heimgekehrt, überfällige Dankes-Telefonate nachgeholt (jedenfalls einige, alle konnte ich heut beim besten Willen nicht bewältigen) und nun liege ich hier, die Schmerzpillen haben ihren Dienst getan, so langsam scheinen ihre Wirkstoffe meinen gebeutelten Körper zu verlassen, so dass ich noch ein wenig mit der Weinflasche liebäugele (nein - ich bleib heut standhaft - so wie gestern ;-)) und ich werde mich brav zudecken, ein wenig sanfte Musik durch mein Zimmerchen perlen lassen und mich morgen früh erneut auf den Weg an das Meer machen.
Eine der Geburtstagskarten, die mich erreichten, machts möglich. 
Gott sei Dank.
Und statt das Geld als Anzahlung für ne Fettabsaugung oder Zahnersatz zur Seite zu legen, tu ich das, was in der Karte stand, nämlich "mir was Gutes". Und nicht alles Gute liegt direkt vor meiner Haustür. 
Doch manchmal... hilft einfach nur noch die Flucht... Eine Runde Richard spielen. Die Flucht von hier, von allem, das mich hier umgibt, die Flucht vor den Gedanken, die Flucht... vielleicht auch vor mir selber. Raus und weg hier, Ruhe finden, neue Kraft tanken im Zusammensein mit Menschen, die mich genauso liebhaben wie ich bin und die seit heute sogar noch ne Hängematte besorgt haben...
"Soll ich euch mit dem Transporter abholen?" scherzte der Gast-Papa.
"Oh Gott, bloß nicht, das wäre zuviel Platz, da schleppt  die uns alle Bananen weg", gab sich die Gast-Mama schockiert.
Übrigens... die Care-Pakete aus dem Westen... Gibts auch heute - etwa zwanzig Jahre nach dem Mauerfall - noch... Nur dass die Bananen nicht mehr frisch, sondern getrocknet und in Scheiben geschickt werden... Vermutlich hat sie einen Deal mit meiner Frau Zahndoktor.
"Wenn wir gewusst hätten..." meinte jüngst die Gast-Mama, "...dann würden heute die Wessis die Mauer ehrenamtlich neu errichten", vervollständigte ich grinsend ihren Satz und freue mich schon jetzt auf meine morgige Reise zu ihr. 
Einfach nur... mal Helma sein... alles von mir abfallen lassen können... und das direkt am Meer... was Besseres kann man mir im Moment nicht tun. Zumal ich überhaupt nicht sagen kann, wann ich das nächste Mal wieder ans Meer fahren kann. 
Diese Durststrecke wird lange genug.
Und ich... ich leg mich jetzt schlafen. Es ist 23:53 Uhr - und ich bin tatsächlich müde. Müde und einschlafbereit. Das muss ich nutzen.

Schlaft auch Ihr gut.


Donnerstag, 11. Juni 2009

Unentschlossen...

...liege ich hier und habe die Qual der Wahl: den Rest aus dem Fässchen Weißweinschorle oder lieber noch n Cappu? Wahrscheinlich letzteres... nachdem ich heut Morgen nach halb durchwachter Nacht prompt verschlief und den Bürotag erst gegen Mittag begann, nämlich 9.15 Uhr ;-)




Jedenfalls... wenn man dem Chef so glauben mag - dann beginnt die Siesta-Zeit bereits um 9.30 Uhr ;-)

Und nachdem ich mich durch den ganz normalen Bürowahnsinn gewühlt hatte, in quasi letzter Minute das Büro verließ, auch noch feststellte, dass ich mein Schmerztagebuch daheim vergessen hatte und somit nicht auf direktem Wege zur Therapiestunde durchdüsen konnte, so erreichte ich mit Müh und Not den Hof der Therapeutin, völlig abgekämpft, völlig außer Atem, sowieso mit trockener Kehle und derart müde, dass ich dachte: Helma... wennste jetzt nich die Backen ordentlich zusammenkneifst, dann... schläfste sang- und klanglos im Therapeutensessel ein.. Zumal mich deren Liege beinah zu hypnotisieren schien und ich förmlich ihr Schreien hörte: "Komm, leg dich doch! LEG DICH!" 
Die Therapeutin lächelte nachsichtig ob der minutiösen Verspätung, ließ mich - dem Himmel sei Dank - erst mal zur Ruhe und damit zum Luftholen kommen.
Hernach aber - so muss ich sagen - verließ ich ihr Haus mit beschwingterem Schritt, im Kopf die Dinge wohlgeordnet und mit neuen Ideen und Perspektiven, erwarb auf dem Heimweg ein paar saure Gurken (ok, es war bisschen mehr wie ein Kilogramm, aber sie dufteten einfach ZUUUU köstlich aus dem Fass - und NEIN - ich bin NICHT schwanger!), ließ mich daheim aufs Bett fallen, verschlang die Gurken und fiel alsdann in den Schlaf der Gerechten, aus dem mich lediglich nach einer guten Stunde das nicht zu ignorierende Rumoren des Bauches weckte... 

Inzwischen habe ich auf eben diesen Bauch noch einen Cappu gegossen, nebenbei das Abendessen für den Sohnemann zubereitet, der - wie jeden Abend dieser Woche - versuchte, Mama Helma zu überreden, auf das Fahrrad verzichten und dafür die stolzen elf Kilometer zum Schwimmlager lieber mit dem Auto abrollen zu dürfen, jegliche eingehende Telefonate mit dem "Ruf Aus" Knopf quittiert (ein Hoch auf den Erfinder dieses Knopfes und ein dickes Sorry an alle Rufende und Rufenden, aber... Telefonieren ist echt nicht meine Stärke und stundenlang darüber debattieren, ob der Pups noch quer vor schier unüberwindbaren Hindernissen liegt oder den Hinterausgang bereits verlassen hat, erst recht nicht, das pack ich einfach nicht mehr, jedenfalls nicht abends, wenn ich daheim auf dem Kanapee ruhen möchte), ringe noch immer mit der Qual der Wahl (doch die Tendenz liegt schon bei 70 zu 30 für den Cappu - Dickmacher sind sie schließlich alle beide), bin schon wieder (oder immer noch) müde und werde... heute mit Sicherheit nächtens keine Gute-Nacht-Geschichten entwerfen, sondern schlicht und einfach schlafen. OK, vielleicht guck ich noch ein bisschen Frauentausch, aber wirklich nur ein mimmi-bisschen (läuft das überhaupt noch? ich mein, manchmal ist das ja wirklich nur noch zum Lachen...)

Nun, das Wochenende steht vor der Tür, das Murmelinchen ruft und Helma antwortet ;-) und Euch... wünsch ich erst mal eine gute Nacht und süße Träume.

Prost, Helma

Ich Habe Fertig

...nämlich die Flasche Weinschorle ist fast ausgetrunken, Helma leicht... in Schräglage und schlaflos in Town... Mann o Mann... Da kanns doch nix werden mit Germanys Next Topmodel. Zuviel Wein, zuviel Schokokeks, zu wenig Schlaf... Alles, was mindestens den Teint versaut. Wobei - heute sind ja wieder die Sonnenbrillen Mode, die das halbe Gesicht bedecken. Oder besser: VERdecken. 
Seis drum. An mir ist eben alles echt. Sogar der weinselige Blick, sofern er nicht von einer dieser Riesenbrillenungetüme verdeckt ist ;-)
Obwohl... ALLES echt stimmt vielleicht auch wieder nicht. Jüngst musste ich schon lachen, als ich die Schublade mit all den WonderbrAH's und -OH's öffnete... Früher lagen da zarte Teile aus Spitze & Co., heute sind es eher die... die heben, was das Zeug hält (sofern noch was zu heben geht); die Bauch-Weg-Slips und Taille-quetsch-dich-Hemdchen. Das einzige, was diese Schublade noch nicht erreicht hat, sind diese Push-Po-Slips. Weil - da muss ich dank Schokokeks & Co.  nichts mehr puschen, das ist nun wirklich echt. Früher hab ich öfter mal gehört "...J-Lo-Arsch..." Heute... äußert sich niemand mehr dazu und ich hab längst aufgehört, über die Gründe dessen nachzudenken ;-)

I don't care for tomorrow... heißt es doch in diesem herrlich beschwingenden Song von Grand Avenue, den ich Euch heut unbedingt vorspielen muss. 





Geiler Song... Wirklich... Da bekomm ich gleich wieder eine dieser Vorstellungen... Leicht bekleidet, aber Trench drüber, fest zugeknotet, die Haare offen und leicht ungeordnet, hinaus in die Nacht, hinaus in die Stadt, City Lights, eintauchen in das pulsierende Nachtleben einer Großstadt, einmal mehr die Straßen entlang laufen, Klänge der Musik in jedem Zentimeter meines Körpers, in meinem Kopf... Da und dort einkehren, ein Glas Weinschorle (ich glaub, ich muss mein Trinkverhalten kritischer überdenken ;-)) genießen, den Menschen zusehen, lächeln, eine Nachricht des Liebsten lesen, seine Sehnsucht spüren, dieselbe Sehnsucht, die mich durch die Nacht treibt, die mich ruhlos sein lässt, solange, bis wir heimkehren... ankommen... uns neben den geliebten Menschen legen, den Geruch seiner Haut atmen und schmecken, zärtlich sein Ohr küssen, während er die Berührung im Schlaf spürt... unsere Hand auf seinen Bauch legen, uns an seinen Rücken schmiegen und dem beruhigenden Schlag seines Herzens lauschen... bis wir selbst auch in den Schlaf finden...

Wenn Ihr mich fragt... Es gibt Menschen, die kann ich einfach nicht verstehen... Die verbringen ihre Zeit damit, über die Erwartungen anderer Menschen an das Leben und an sie selbst nachzudenken. Verbringen ihre Zeit damit, diesen (vermeintlichen) Erwartungen gerecht zu werden. Und damit ein Leben leben, das sie... eigentlich nicht wirklich erfüllt. Nicht wirklich glücklich macht.
Die eines Tages auf Abwege gehen... Sideways... Und an anderer Stelle kompensieren, auf anderem Wege kompensieren, was sie eigentlich vermissen.
Es ist einfach, die Verantwortung abzugeben und sich ein Leben basteln zu lassen und dann eines Tages auch noch zu sagen: Es ist eben so...
Wer von uns möchte wirklich so leben?
Seid Ihr schon einmal in Eurem Leben einem Menschen begegnet, dem ihr in die Augen schautet und das Gefühl hattet, eintauchen zu können in dessen Seele?
Seid Ihr morgens schon einmal erwacht, habt dem anderen Menschen in die Augen geschaut und Euch von dem Glücksgefühl durchströmt gefühlt: So will ich jeden Morgen erwachen?
Seid Ihr morgens erwacht und habt den Sonnenstrahlen zugesehen, die Euer Zimmer bis in jeden Winkel erkundeten, und habt Ihr dabei jenes Glücksgefühl erlebt, das Euch zeigte: Genauso will ich leben?
Habt Ihr diese Unbekümmertheit gelebt, mit der Ihr - begleitet von einem Schulterzucken - die hochgezogenen Augenbrauen anderer Menschen weggelächelt habt?
Wollen wir wirklich provozieren oder wollen wir nicht eigentlich nur... so leben, wie es uns glücklich macht? Ich zum Beispiel liebe es, einen Tag geruhsam zu beginnen, spät, aber dafür in Ruhe und ausgedehnt zu frühstücken, leger gekleidet, das Haar zusammengesteckt, die Beine angehockt, die Schale Milchkaffee in beiden Händen, das Croissant in die Marmelade getunkt... Mit den Kindern, dem Liebsten oder Freunden zu schwatzen... 
Wer sagt uns denn, dass man morgens frühstücken, mittags lunchen, nachmittags vespern und dann noch Abendessen einnehmen muss - und das im gruseligsten Fall noch zu festgelegten Zeiten? Natürlich sind Regeln, Grenzen wichtig. Aber um jeden Preis? Und wer legt die Norm fest? Was ist ein Muss?
Wer sagt uns, wen wir lieben dürfen und von wem wir besser die Finger lassen?
Wer sagt uns, dass ein Mensch, der bereits ein Leben lebte, deswegen ein schlechterer Partner ist?
Wer sagt uns, dass zwei Menschen, die sich lieben, nicht auch mit Kindern glücklich sein können, die nicht die eigenen sind?
Mir ist dieses Vorurteil selbst so oft begegnet... Und ich habe es bis heute nicht verstanden...

I wanna get close... I wanna get closer to you now... I don't care for tomorrow, if I can have tonight...

Eben. Den Moment leben. Den Moment genießen. Wer kann uns schon sagen, was morgen geschieht? Was uns glücklich macht, was uns erfüllt, das kann uns niemand sagen, das kann niemand für uns entscheiden. Das darf auch niemand für uns tun. Ob wir nun zwanzig Jahre älter oder jünger sind wie der andere; ob wir lieber Bilder malen, anstatt von acht bis siebzehn Uhr ins Büro zu gehen; ob wir bereits schon einmal JA zu einem Leben und einem Lieben sagten und dieses JA noch einmal wagen wollen; ob wir unsere Haare lang oder kurz tragen; ob der Stil, mit dem wir uns kleiden, anderen Menschen gefällt oder nicht - das alles können nur wir allein entscheiden. Und dabei auf unser Gefühl hören. Unseren Bauch. Herz über Kopf. 
Entscheidungen, die nur allein der Kopf trifft, werden uns sicherlich nicht glücklich machen...
Wir haben nur dieses eine wunderbare Leben. Lasst es uns leben, lasst es uns genießen, jeden Schluck aus dem Glas des Lebens genießen... Es kann alles so schnell vorbei sein. Schon morgen.
Und ich kann Euch nicht mal sagen, warum mich so viele philosophische (oder weinselige?) Gedanken befallen.
Nachts ist das bei mir immer so.
Vielleicht sollte ich die Weinschorle einfach mal durch eine heiße Schokolade ersetzen, mir die Musik ab 2o Uhr verbieten, damit der Gedankenkreisel gar nicht erst auf die Idee kommt, sich zu drehen und einfach mal wieder das Sandmännchen schauen...

Inzwischen ist es 1:40 Uhr, Grey's Anatomy wird grad wiederholt und ich... bin noch nicht ruhig und entspannt genug, in den Schlaf zu finden. Ich beneide Kind und Gastkind um ihren gesunden Schlaf, schiebe mal das Laptop vom Schoß und kuschel mich umso tiefer in die Kissen.

Ich hoffe, Ihr schlaft besser wie ich...
Und grad denk ich... Vielleicht hätte ich mir statt des Radios mit USB-Steckplatz für iPod & Co. lieber einen Teddybär wünschen sollen... mindestens 1,80 m groß (ja, das ist bestimmt oberflächlich, na und, wenigstens eine Oberflächlichkeit muss ich mir doch auch gönnen ;-)) - dann fühlte ich mich vielleicht geborgener und könnte damit besser in den Schlaf finden... Ich meine, es ist doch irgendwie immer dasselbe, oder? Wir sind doch alle irgendwie gleich, oder? Was wir wirklich wollen, ist doch... Liebe. Nähe. Zuwendung. Schutz. Geborgenheit.
Ja, ich bekenne mich. Ich bin da auch nicht anders ;-)

Eure Helma 

P.S.: Das Bild... mag nicht zur Musik passen, aber... ne Gute-Nacht-Geschichte ist es doch trotzdem geworden, oder? :-)


Mittwoch, 10. Juni 2009

Wieder Da - Und Vierzig :-)

Nun ist es amtlich - und Helma nunmehr vierzig Jahre alt. 
"Ich würd gern wissen, wie sich das anfühlt", ist noch das sanfteste, was ich in diesen Tagen hörte.
Woraufhin mir nur eine Antwort einfiel: "Lass mich eine Brille mit mindestens fünf Dioptren aufsetzen und Handschuhe mit mindestens fünf Millimetern Wanddicke anziehen!" - Dann sieht man nämlich die Falten nicht und spürt auch keine verräterischen Dellen." :-)
Und es ist wie jedes Jahr: Menschen, an die ich selber nicht denke, gratulieren mir. Und Menschen, an die ich zuerst dachte, vergessens :-) 
Wobei ich auch eines festgestellt hab: Bist du süße sechzehn, gratulieren Eltern und Großeltern und vielleicht noch die Schulkameraden. Bist du attraktive dreißig, gratulieren alle Lover und vor allem die, die es gerne werden möchten :-) Bist du reifere vierzig, dann... kehrst du mehr und mehr zu den süßen sechzehn zurück: Eltern, Großeltern und vielleicht eine Handvoll Kollegen, die gar nicht anders können, weil du jeden Morgen an ihrem Zimmer vorbei musst. 
Die eigenen Kinder hast du wohlweislich ein paar Tage vorher noch mal dran erinnert, damit du auch ja keine Pleite erlebst und sie dir wenigstens einen Glückwunsch-Kuss auf die Wange pressen, bevor sie sich wieder ihrer Playstation zuwenden; bei den Freunden hoffst du, dass sie sich deiner an diesem Tag erinnern und wenigstens ein Glas Prosecco mit dir durch die schier ausgetrocknete Kehle rinnen lassen UND bei den Lovern hast du dich für den einen entschieden, der dir statt einer Rose auf dem Frühstücksteller die neueste Allzweckwaffe für die Küche präsentiert: Raspeln, Pürieren, Schnitzeln und Entsaften - alles aus einer Hand! 

Jau! 

Da kann dir eine Geburtstagskarte mit den Worten "Mit vierzig bist du nicht mehr wirklich jung, aber auch nicht wirklich alt: Du befindest dich sozusagen in der Grauzone!" nur noch etwas Lautes entlocken - das die anderen für Lachen halten, in Wirklichkeit aber ein verzweifeltes Schreien ist...
Nun... oder ich halte es mit der zweiten Geburtstagskarte: "40 Jahre alt werden heißt nicht, dass das Leben vorbei ist, da gibts noch viel zu entdecken: nämlich 50 Jahre alt werden..." :-)


OK... Dann lasst mich jetzt mal die Schneekugel schütteln, die mir mein Großer schenkte, die Möwe betrachten, dazu die dritte Karte öffnen und dem Tosen des Meeres und dem Geschrei der Möwen lauschen, das mit dem Öffnen eben dieser Karte zu hören ist, und mich in Träumereien versinken, in denen ich noch jung, knackig und angefüllt war von so vielen Wünschen, die die Realität noch nicht zerstören konnte ;-)

Eure sich niemals unterkriegen lassende Helma

Freitag, 5. Juni 2009

Was Ich Euch Noch Sagen Wollte....







...in diesem Sinne... bis die Tage ;-)

Ich wünsch Euch was, Eure Helma - die sich schon jetzt aufs verlängerte Wochenende einstimmt  ;-)

Korrektur....

...gerade habe ich herausgefunden, dass jener Song nicht "Now Or Never" heißt, sondern... "Turn And Turn Again"...

Und ich habe sogar eine Version gefunden, die doppelt so lang ist wie die andere...

Doppelt so langer Hörgenuss...
Doppelt so langes Tagträumen...
Und unendliche Sehnsucht nach dem Leben...


Donnerstag, 4. Juni 2009

Sehnsucht

Wow... Ich glaube, ich hab Euch schon lang nichts mehr auf die Ohren gegeben... Heut Abend - es ist wieder mal soweit - begab ich mich auf die Suche nach neuer Musik... 

Und fand diesen wunderschönen Titel... Inmitten all dieser Songs... Eingetaucht wie in einem Meer voller Klänge, Melodien, wundervollen Texten, die die Seele streicheln oder dem Auge eine Träne entlocken...




Irgendwie bin ich immer auf der Suche, ruhlos, zeitlos, taumele verträumt wie ein Schmetterling durch die Welt, schaue, staune... Entdecke... Erschrecke zuweilen... Labe mich an süßem Nektar, nur um weiterzutaumeln, immer weiter auf der Suche nach etwas, von dem ich selbst noch nicht zu sagen vermag, wonach ich schaue, wonach ich mich sehne... 

Vielleicht nach Händen, die mich halten, zärtlich, damit die Flügel nicht zerdrücken...
Zärtlich und liebevoll, ohne mich am Weiterfliegen zu hindern... Weil sie wissen, dass ich zurückkehre... Zurück vom Taumel am Ende eines Tages, um zu erzählen von den Dingen und Menschen, die ich sah, denen ich zuschaute...
Die mir die Gewissheit schenken: Flieg... Flieg, du kannst es...

Schon mit den ersten Klängen dieser Melodie, die ich vorher noch niemals hörte, empfand ich eine unbeschreibliche Sehnsucht... Tief in mir, eine Sehnsucht, die sich immer weiter ausbreitet, die jeden Zentimeter von mir erfüllt und den Augen einen Glanz schenkt, der heute nicht von Tränen zeugt... 

Ich vermag nicht zu sagen, was dieses Lied in Euch auslöst. 
Ich vermag nicht einzuschätzen, ob dieses Lied Euch gefällt.

So einige neue Titel habe ich heute entdeckt, habe ich mir auf den Player gebannt, um von ihr begleitet zu werden, wenn ich mich morgen auf den Weg mache an mein geliebtes Meer. Den Ort, der mir so unendlich viele Glücksgefühle schenkt. Sehe mich schon heut am Ufer stehen, barfuss, die Arme ausgebreitet, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen. Sehe mich tief einatmen, so tief, dass ich beinah körperlich spüren kann, wie sehr die salzige Luft in meinen Körper dringt... Vor mir das Meer mit dem Murmeln seiner Wellen... Die mir eine Ahnung schenken von der unendlichen Tiefe und Weite des Meeres... Eintauchen wie ein Fisch, nur um wieder aufzusteigen und mich einem Vogel gleich zu erheben, hinauf, weit hinauf... Alles von oben betrachten... Nur um wieder zurückzufinden auf die Erde, hinunter in den Sand, in den ich mich lege, noch atemlos vom Flug und mit dem Geschmack des Freiseins in den Flügeln, in den Haaren, auf der Haut...
Ich liebe es so sehr, mein geliebtes Meer - bis heute habe ich keinen anderen Ort finden können, der mir so irrsinnig tiefe Zuversicht, Hoffnung und auch meine Träume zurückschenken kann wie das Meer. 
Und wenn ich den sanften Klingen des Titels lausche, dann... würde ich mir wünschen, ich könnte mich schon jetzt auf den Weg machen... Hineinfahren in die Nacht, diesen Titel irrsinnig laut aufgedreht, so laut, dass es gerade noch schön ist, die Fenster herunterlassen, den milden Nachtwind in den offenen Haaren wühlen lassen, dem Tuch hinterherschauen, das dem Hals entwunden und in die Nacht fortgerissen wurde, lächeln... weiterfahren... um irgendwann in der Nacht das Meer zu erreichen, auszusteigen, hinunterzulaufen an das Ufer, atemlos stehen, schmecken, riechen...

Dieser Song heißt "Now Or Never"...
Und mir fallen all diese Plakate ein... "Wenn Nicht Jetzt, Wann Denn Dann?"
Worauf warten wir? Warum warten wir? Warum tun wir nicht, was unser Bauchgefühl uns rät?

Trotzdem bleibe ich liegen... Hier auf meinem Bett... Schaue in die Nacht... Schreibe...
Und da ist immer noch diese Sehnsucht in mir... Wacher denn je...