Dienstag, 26. April 2016

Das bisschen Biwak ist doch nicht so schlimm, sagt mein Mann

Wenn ich in den letzten Wochen etwas "maulfauler" geworden bin, dann vor allem deshalb, weil ich an anderer Stelle viel (möglicherweise zuviel) geredet habe. Ja ich bin eine Frau; eine Gattung, der man ja ein gewisses Mitteilungsbedürfnis nachsagt. Ich bin aber zugleich auch ein Nordkind - vermutlich rettet mich dies - denn meistens... sage ich nichts. Oder nicht viel. Man muss ja auch nicht immer reden - auch ich kann genießen und schweigen.

In den letzten Monaten aber habe ich unendlich viel geredet.
"Denk an das deutsche Sportabzeichen, du brauchst das für den Zoll!"
"Hol dir endlich einen Termin für die Theorieprüfung, ich denk, du willst den Führerschein?"
"Wie war das denn nun mit dem Joggen? Wolltest du nicht bisschen Kardio machen vor dem Test bei der Polizei?"
Und so weiter und so fort. Habe nicht immer nur die Memory-Funktion übernommen, sondern gleichzeitig auch Konsequenzen aufgezeigt. Ach was, aufgezeigt - angedroht habe ich sie ihm! Über die Wochen und Monate hinweg war ich manchmal regelrecht schockiert von meinem Sohn, wie antriebslos der wurde. Dass er zwar dieses und jenes wollte und auch glaubhaft versicherte, es läge ihm totaaaal am Herzen - aber die Aktionen sprachen dagegen. Besser gesagt: Es folgten eben keine Aktionen. Oder nur halbherzige.
Irgendwann sagte er dann: "Jetzt kann ich die Leute irgendwie verstehen, die schon ewig lange zu Hause sind und eines Tages nicht mehr den Arsch hochkriegen. So wollte ich eigentlich nie werden."
Er hatte wenigstens schon mal ein Ziel. Eins, das ihn vermutlich auch davon abhielt, es all seinen Freunden gleichzutun: "Ich kenne grad irgendwie keinen, der nicht kifft."
"Und du? Schon mal probiert?" habe ich betont gelassen nachgefragt, während mir die innere Schreckhitze bis unter die Haarwurzeln schoss, weil meine spontane Phantasie recht merkwürdige Blüten kreierte und vor meinem inneren Auge spontan eben dieses Bild entstand: zugekifftes, arbeitsloses Kind liegt oberkörperfrei aufm Sofa und daddelt wahlweise am Handy oder an der Playstation. Manchmal ist es ein Glück, dass Phantasie und Realität meilenweit auseinanderklaffen!
"Ich doch nicht", antwortete der Sohn, "das kann ich mir gar nicht leisten, da bestehe ich keinen einzigen Eignungstest."

Zeitig genug im Voraus wusste er: Ab 4. April bin ich beim Bund. Dreimal dürft Ihr raten, wann mich die WhatsApp erreichte: "Können wir dann noch mal durchgehen, was ich alles brauche? Vielleicht hast du ja noch eine Idee?" Genau. Am späten Sonntagnachmittag, den 3. April.
Gnarf!
"Wo willst du noch was besorgen, wenn dir noch was fehlt???" habe ich geantwortet, dann frei aus dem Bauch heraus aufgelistet, was ICH einpacken täte, wäre ich er, und dann sicherheitshalber noch mal gegoogelt, was das Internetz dazu so hergibt - und ihm einen Link geschickt "Lies da mal nach, da schreibt einer, der selber beim Bund war. Blasenpflaster und so kannste dir jetzt zum Sonntag freilich abschminken!"
Als ich nach 20 Minuten nachfragte, ob er denn schon mal gelesen hätte, da hatte Sohnemann nicht nur gelesen, sondern bereits eine WhatsApp-Gruppe mit drei Typen vom Bund gegründet und so ein paar Internas ausgetauscht.
Manchmal überrascht er mich eben doch noch!

Nun ist er ja seit etwa 3 Wochen beim Bund und mit - ich gebe es zu - latenter Genugtuung verfolge ich, dass er sich - wenn überhaupt - nur noch an den Wochenenden meldet, weil er einfach zu müde ist. Gab es früher kopfschüttelnde Zeiten, wo ich sah, dass er oft zwischen 2 und 5 Uhr früh online gewesen war (nein, ich kontrolliere meinen Sohn nicht - ich stellte nur fest!), so ist er jetzt maximal 21 Uhr zuletzt online. Betreibt einen geregelten Tagesablauf von 4.30 Uhr aufstehen und 20 Uhr Dienstschluss. Salbte bereits in der ersten Woche die ersten Blasen - aber offenbar findet er sich erstaunlich gut zurecht. Kommt wohl auch ganz gut zurecht. Kein Jammern, kein Klagen, und wenn er dann so paar Sachen erzählt, von denen ICH weiß, dass ICH jämmerlich in die Knie gehen würde (aber ich bin ja auch eine zarte Frau, ich darf das *kreisch*), dann erinnere ich ihn gutmütig: "Denk dran, du bist jung und du brauchst das Geld!"

Diese Woche steht Biwak auf dem Programm. Ein 15 km Marsch in voller Ausrüstung, die irgendwas um 40 Kilo wiegen soll. Die ersten 500 m sind in dieser Ausstattung zu sprinten - und weil Kameraden niemals im Stich gelassen werden, sind die, die sich anschließend in den Sand schmeißen und sagen, dass sie nicht mehr können, aufzuheben und mitzutragen. Zusätzlich zum Eigengewicht und dem Gewicht der Verpackung. Er hat nicht gejammert - aber er gab zu, dass er ein bisschen Respekt davor hatte. Wie man ihn eben vor allem hat, das man (noch) nicht kennt.
"Ach was, ihr Mädchen", hat Herr Blau es belächelt, "da geht's euch heut schon viel besser als uns damals. Wir hatten nur ne Filzdecke. Ihr kriegt sogar nen Schlafsack."
Ich bin ja nun nicht so der Freund von "wir früher, da war alles noch viel härter"-Ansichten.
Früher... Früher standen auch die Frauen zum Beispiel am Waschbrett und taten nicht einfach nur die Wäsche in den Automaten und drückten auf den Knopf - und trotzdem steigt die Zahl der Menschen, die völlig ausgebrannt sind. Trotzdem steigt die Zahl der Stresserkrankungen. Weil das Leben zwar einfacher geworden ist, sich die Form des Stresses aber verlagert hat.
Oder ist der Mensch von heute einfach nur... verweichlicht? Vielleicht, in gewisser Weise.
Früher kämpften die Frauen ums Überleben ihrer Kinder, und tun wir Frauen im Grunde heute nicht genau dasselbe? Die Mittel sind vielleicht anders und die Umstände sowieso, der Effekt aber... mag wohl derselbe sein.

Was nächste Woche ansteht, habe ich vergessen, aber dann folgen zwei Wochen Schießausbildung. Damit - so hoffe ich - wird es ein bisschen entspannter für ihn, so dass er eventuell doch noch beim Bund das deutsche Sportabzeichen erwerben kann. Bis Juni hat er dazu noch Zeit, legt er es bis dahin nicht vor, wird seine Bewerbung beim Zoll null und nichtig.
Ich bin gespannt, ob die paar Wochen ausgereicht haben, um den Jungen in Gang zu bringen.
"Wenn nicht, ist auch nicht so schlimm", sinnierte er am Wochenende. "Dann verlänger ich beim Bund und bewerbe mich im Herbst noch mal bei der Polizei. Genug Kardio dürfte ich bis dahin ja dann trainiert haben." Damit dürfte er dann vielleicht doch den Arzt-Check bestehen, bei dem er im Januar durchgefallen war, weil sein Puls sich nicht innerhalb einer vorgegebenen Zeit auf einen vorgegebenen Wert regulierte.

Nun ja, wir werden sehen. Wichtig ist ja erst mal, dass er überhaupt in Gang gekommen ist.
Apropos...
In Gang kommen.
Ich muss doch noch packen.
Ich muss doch gleich los!

Montag, 25. April 2016

Ein ewiger Kreis



"I Love Leo". Gestern war wieder einer dieser entspannten Sonntage, an denen man sich mit Freunden im Kaffeehaus trifft, etwas isst, trinkt. Sagte ich schon, dass ich diese Sonntage liebe?
Und dann entdeckten wir dieses kleine Kleinod von Café, irgendwo am Ende einer Häuserzeile kurz vor dem Englischen Garten. Eben "I Love Leo" - so heißt es tatsächlich.
Eins, das nicht gar so rettungslos überfüllt war wie all die anderen Cafés, von denen man denkt: Die sind zwar schön, weiß aber auch nicht jeder. Tja denkste. Auch zum Sonntag mit Mistkackwetter hats die Leute vor die Tür getrieben. Oder besser gesagt: aus der einen in die andere.
So weit bin ich, glaube ich, noch nie für ein Stück Kuchen und einen Milchkaffee gelaufen, zwar im Mantel, aber im kurzen Rock und Stiefeln - und scheiße nee, ich habe gefroren! Blöder Schnee - und das so kurz vorm Wonnemonat Mai, das glaubt einem doch kein Mensch! Auch jetzt rieselt es dicke Flocken - und das, obwohl meine Wetter-App ihre Meinung änderte und aus "Schnee am Mo-Die-Mi" kurzerhand Regentage mit irgendwas um sechs Grad vermeldete. 
Echt blöd, dass ich morgen auf Reisen gehe.
Noch blöder, dass ich seit etwa 10 Tagen Sommerreifen drauf hab. Mäh!

Ja, ich habe gelesen, dass Prince gestorben ist - habe aber trotzdem nicht meinen whatsapp-Status oder mein Profilbild geändert. Weil ich keinen Bezug zu ihm hab, musikalisch nicht und auch sonst nicht. Natürlich ist es immer traurig, wenn sich jemand für immer verabschiedet, aber wenn ich ehrlich sein soll, hat mich der Abschied, von dem Nieselpriem schrieb, betroffener gemacht. Obwohl ich keinen von ihnen kenne. Prince nicht, Nieselpriem nicht - und Jessica auch nicht. 
Aber eine junge Frau mit einem kleinen Kind... Insbesondere als Mama denkt man an die eigenen Kinder, die immer die Kinder bleiben, egal wie erwachsen sie geworden sind. 
Leben und Sterben, der ewige Kreislauf, eins gehört zum anderen, das weiß man alles vom Kopf her. Das Schwierige an diesem Abschied ist, dass er für immer ist. Dass er der einzige ist, der nicht umkehrbar ist. Und je frühzeitiger er passiert, desto schmerzhafter ist das doch.
Fühlt es sich nur für mich so an, dass in den letzten Monaten so viel... "gestorben wird"?
"Wir sind jetzt in dem Alter, wo das immer häufiger passiert", empfindet es Herr Blau, aber ich weiß nicht, ist das so? Achten wir jetzt mehr darauf als vielleicht noch vor zehn, fünfzehn Jahren?
Eigentlich glaube ich das nicht, weil ich nicht auf Abschied fokussiert bin. Grundlegend nicht, in meinem Lebensprinzip nicht. Egal, ob ich 20, 30 oder 40 Jahre alt war. Ich bin es auch jetzt nicht. 
Und dennoch lese ich momentan gefühlt öfter, dass da jemand gestorben ist, den man entweder aus den Medien kennt - oder man liest es in verschiedenen Blogs. Oder es geschieht in der eigenen Familie.

Der Jüngste ist jetzt seit drei Wochen beim Bund - und hat inzwischen seine Einstellung zum Krieg und zum Leben revidiert. Von wegen "Ins Gras beißen müssen wir doch alle mal, ist doch egal, wo."
Inzwischen haben sie in Bild und Film zu sehen bekommen, was Kriegsführung bedeuten kann.
Und es hat ihm zunächst gehörigen Respekt vermittelt - vor dem Leben. Weil wir eben nur dieses eine haben.
Dennoch überlegt er, sich eventuell als Soldat auf Zeit verpflichten zu lassen. Sicher ist er sich darin noch nicht, weil er weiß: Jeder, der länger als ein Jahr beim Bund bleibt, ist automatisch auch zu Auslandseinsätzen verpflichtet. Ich will mein Kind nicht verlieren. Kein Vater, keine Mutter will das. Aber erst recht will ich ihn nicht verlieren in solchen sinnlosen Kriegen um Macht und Geld für die Gierigen der Welt, die selber immer sicher und geschützt hinter Panzerglas Auto fahren und in ihren Wolkenkratzern Kaffee trinken, während für sie draußen die Kinder anderer sterben oder ihnen Arme, Beine weggerissen werden - oder ihre Seele auf dem Schlachtfeld zugrunde geht. 

Ich wünsche mir, Sonntage so wie gestern verbringen zu können. Entspannt in den Kaffeehäusern sitzen, mit beiden Händen die Tasse Kaffee zum Mund führen, lachen, bis die Tränen in die Augen schießen und der Bauch schmerzt; mir den Kuchen genüßlich auf der Zunge zergehen lassen und mit den Söhnen ab und an ein bisschen darüber schnaken, wie ihr Tag so war und obs was Neues gibt. 
Jeder Mensch sollte das Leben genießen können. Und dürfen. 


Freitag, 22. April 2016

Wenn Du Lachst




Letztens in einer Kabarett-Veranstaltung gewesen.
Wir haben viel gelacht.
So oft habe ich ihn von der Seite angeschaut, ihm beim Lachen zugesehen und gedacht: "So ist es am schönsten."

Mittwoch, 20. April 2016

Man weiß ja nie!

Ein bisschen bekloppt bin ich aber auch! Kaum habe ich das erste Vierteljahr dieses neuen Jahres mit dem gesundheitlichen Hick-Hack hinter mir, renne ich los und greife in den nächsten Misthaufen.
Und das auch noch freiwillig!
Na ja, so ganz freiwillig vielleicht auch wieder nicht.
Herr Blau ist schuld! (Na klar, wer sonst! :)) Immerhin will ER nach Indien - und ICH muss mit. Was bedeutet: ICH muss mich impfen lassen. Er ist nämlich schon keimfrei. Sagen er und sein Impfpass.
Und weil mein eigener Impfpass irgendwo zwischen all dem Umzugszeugs vor 1,5 Jahren verlustig gegangen scheint (oder aber er ruht in einer der noch nicht ausgepackten Kisten, die dank Platznot treu im Keller ausharren), wurde mir am Montag beim Doc empfohlen, eben nicht nur die Tetanusimpfung nachzuholen, sondern am besten gleich die Vierfachkombi mit Diphterie und so'n Kokolores. Man weiß ja nie!

Und ganz ehrlich: Wenn das, was ich seit dem Stich am Montag Morgen bis heute Morgen hinter mir habe, nur die lässige Variante des echten Virus' ist, dann gehe ich doch lieber in zehn Jahren wieder freiwillig zum Impfen. Jedenfalls musste ich mich krank melden, Herr Blau bot an, daheim zu bleiben, was ich aber ablehnte, und er schrieb mir später: "Bitte pass auf dich auf, ich brauch dich noch!"
Meine letzte Tetanusspritze bekam ich 2006 nach dem Unfall dank der Kopf- und Beinverletzungen und obwohl ich schwor, dass mein Impfschutz noch aktiv sei (was er auch wirklich war). Aber man einigte sich dann auf "Man weiß ja nie, es schad' ja nix!" und zack - hatte ich eine Nadel mehr drin. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass es mich so umgehauen hat wie die letzten 1,5 Tage. Aber vermutlich hatte ich damals auch ganz andere Sorgen und überhaupt ja auch eine ich-schwebe-mal-auf-Wattewolke-sieben-Infusion intus.
Einmal mehr jedenfalls habe ich an meine Kollegin gedacht, die vor Jahren dank einer heftigen Angina ein recht heftiges Antibiotikum verabreicht bekam - und anschließend eine besondere, aber heftige Form der Schuppenflechte entwickelte. Wo Handflächen und Fußsohlen wie Wachs aussehen und sich auch so anfühlen und sie anfangs Probleme hatte, die Finger überhaupt zu beugen, ohne dass die Haut reißt. Zwar sind die aktuellen Erkenntnisse - aus Gründen - seither dahingehend gereift, dass es offenbar nicht am Antibiotikum lag, sondern vermutlich eher genetisch bedingt ist - aber nichts Genaues weiß man ja nie!
So ganz geheuer ist es mir jedenfalls nicht, dass es für alles und jedes heutzutage eine Pille gibt, wo man früher sagte: "Beweg dich einfach mehr an frischer Luft, sitze nicht so viel und achte auf deinen Wasserhaushalt!"

Jetzt ruht in meinem Kühlschrank schon die nächste Spritze, nämlich die Kombi Hepatitis A und B - die eigentlich wichtige Impfung für Indien, und Herr Blau freute sich: "Dann darf ich dich wohl mal pieksen?"
"Das hättest du wohl gern", habe ich ihn angeknurrt. "Das überlasse ich lieber der Frau Labor in 14 Tagen!" Sicher ist nämlich sicher - man weiß ja nie!

Montag, 18. April 2016

Schwarze Krähen



Erinnerungen können wie schwarze Krähen sein. Große dicke schwarze Krähen, die gefühlt um den Kopf herumkreisen, immer näher, immer dichter, dass man den Arm heben und sie verscheuchen möchte, bevor sie sich - gleich dem Film - auf einen niederlassen und lospicken.
Erinnerungen aber lassen sich nicht immer einfach so verscheuchen.

Auch meine Verdrängungsmechanismen funktionieren super, aber manchmal sind Erinnerungen, Taten, Worte trotzdem von einem Augenblick zum anderen wieder da. Bilder, die an einem kleben und die man einfach nicht losbekommt, so sehr man sich auch müht.
Momente, in denen man nach Atem ringt und sich verzweifelt fragt, ob man das, über das man nie niemals sprechen konnte und es vermutlich auch nie wird, je wieder in diese berühmte Kiste mit den sieben Schlössern zurückbekommt.

Gestern Abend schrieb mir meine Freundin von einem Film, der da und dort gerade liefe, eine Buchverfilmung, eine sehr schöne, eine gelungene, wenn auch traurige Geschichte.
Ich habe nicht umgeschalten. Den Film kenne ich nur vom Lesen der Kritiken - und ich wusste, jetzt hier in diesem Moment tut es mir nicht gut. Auch wenn zum Leben mehr gehört als eine Tasse Kaffee am Morgen, wohlig ausgestreckte Beine und die Musik. Ich weiß, dass zum Leben mehr gehört als ein paar rosarote Wolken und die Blümchenwiesestimmung, nach der ich mich im Augenblick so ein bisschen sehne. Ich weiß, dass das realitätsfremd wäre - und dass es vielleicht auch nicht richtig ist, sich eben der Realität zu entziehen. Aber andererseits habe ich das Gefühl, dass ich das so tun muss, weil es mich sonst erdrückt, dieses Leben. Es zerdrückt mich.
Nach gut acht Monaten ohne soziale Netzwerke, mit nur wenigen Nachrichten aus der Welt und aus unserem Land und mit nur wenigen Kontakten, die ich zulassen konnte, geht es mir inzwischen besser. Natürlich nehme ich nach wie vor Anteil - aber ich weiß auch, wie viel ich an mich heranlassen kann und wann der Moment gekommen ist, wo ich mich wieder mehr zurückziehe.
Früher fand ich es toll, viele Leute zu kennen - heute schätze ich mehr, nur wenige Menschen um mich zu haben, aber dafür verlässliche.
Menschen, deren Tür immer offen steht - egal, wie lange wir uns nicht gesehen oder gehört haben. Menschen, die nicht sagen: "Ist ja nett, dass du dich auch mal wieder meldest", sondern Menschen, die ihre Arme öffnen und ehrlich sagen: "Hey, schön, dich wiederzusehen; ich hab grad Kaffee gemacht, magst du auch?"

Schaue ich aus dem Fenster, macht mein Herz einen Hopser, weil ich mich so freue darüber, wie all die Knospen aufgeplatzt sind und ihr sattgrünes, noch so junges, frisches Blattgrün zeigen.
Zwischen all dem Regen der letzten Tage hat immer mal die Sonne hervorgelugt - und ich reagiere immer wieder völlig fasziniert darauf, sämtliche Lebensgeister erwachen, purzeln durcheinander und dann fühlt es sich so an, als könne mir nichts mehr in diesem Leben passieren. Ich lache viel mehr im Moment und bin fröhlich, bin vergnügt. So wie heute Morgen beim Termin, wo ich mir eine Mehrfachkombi Impfstoff abzuholen hatte: "Denken Sie dran, heute keinen Sport!"
"Na Gott sei Dank!"
So wie letztens mit Herrn Blau auf der Autobahn, so etwa siebzehn Uhr nach dem Einkauf: "So und jetzt hier lang, da auf die Autobahn drauf und dann zeig mir mal, was im kleinen Schwarzen steckt."
Nur um mich nach gefühlten dreihundert Metern zu erinnern: "Du hast aber schon gesehen, dass hier nur 120 kmh erlaubt sind?"
"Nu freilisch."
"Von 6 bis 22."
"Hab ich gesehen.
"Von s-e-c-h-s bis z-w-e-i-u-n-d-z-w-a-n-z-i-g!"
"Ja-ha, hab ich gese-hen."
"VON SECHS BIS ZWEIUNDZWANZIG!"
"Ach soooo, warte mal, das ist ja jetzt. Hättste doch auch gleich sagen können."

Ja ich weiß, das allein ist nicht das Leben und das allein ist auch nicht die Realität. Im Moment aber brauche ich besonders das und versuche konsequent zu meiden, das mir nicht guttut. Genauso meide ich Trigger, die die schwarzen Krähen erwachen lassen. So gut ich es kann zumindest.
Das Leben mit seiner Wucht kommt von ganz alleine zurück, das war schon immer so. Aber dann halte ich es besser aus.

Sonntag, 10. April 2016

...

"Wenn du da bist, geht es mir gut.
Wenn du nicht da bist, falle ich.
Dann zerfalle ich ins Nichts.
Es ist besser, wenn du da bist.
Ich möchte, dass du immer da bist."

"Ich bin da."

Aus "Birnenkuchen mit Lavendel"


Heute gesehen.
Ein Film, bei dem man anfangs auf die Uhr schaut und denkt: Wie lange geht der eigentlich noch?
Ein Film, wo man anschließend immer tiefer im Sessel versinkt - und die Zeit vergisst.
"Wir sind jetzt so still", sagt meine Freundin.
"Ist das schlimm?" frage ich.
"Nö", antwortet sie.
Wir lächeln.

Samstag, 9. April 2016

Kling Klang



Als ich heute Morgen aufstand und das Fenster öffnete, begegnete mir statt Sonnenschein und milden Frühlingstemperaturen Nieselregen. Kalt war es, so dass ich nur zu gern noch einmal unter die herrlich warme Decke kroch und mir diese bis zur Nasenspitze hochzog. Die Beine ausstreckte und die Füße wohlig aneinander rieb.
Ginge es nach mir, wäre dies ein Tag, den man durchaus im Bett verbringen konnte. Mit frühstücken im Bett, Zeitung lesen - oder auch mal wieder ein Buch.
Wie wäre es zum Beispiel mit... Hector? "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück"?

"Es war einmal ein junger Psychiater, der Hector hieß. Er trug eine kleine, intellektuelle Brille und verstand es, den Leuten mit nachdenklicher Miene und echtem Interesse zuzuhören.
Hector war ein ziemlich guter Psychiater. Und trotzdem war er mit sich nicht zufrieden. Weil er ganz deutlich sah, dass er die Leute nicht glücklich machen konnte... Kurz entschlossen begibt sich Hector auf eine Weltreise, in der Hoffnung, das Geheimnis des Glücks zu entdecken. Und allen, denen er begegnet, stellt er dieselbe Frage, die wiederum bei Männern meist Belustigung, bei Frauen eher Tränen hervorruft: 'Sind Sie glücklich?'
Warum träumen wir so oft von einem glücklicheren Leben? Liegt das Glück im beruflichen Erfolg oder im privaten? Hängt es von den Umständen ab oder von unserer Sichtweise? Am Ende seiner Abenteuer hat Hector dreiundzwanzig Antworten und erkennt: Nichts ist einfacher, als wahres Glück zu finden."

Beinah liebevoll habe ich über den Einband und die ersten Seiten gestrichen. Ich liebe es, ein echtes Buch in der Hand zu halten. Den Geruch der alten, papiernen Seiten. Sorgfältig Seite um Seite umzuschlagen.
Natürlich verbringe ich diesen verregneten Samstag nicht ausschließlich im Bett.
Schon deshalb nicht, weil mich der Kaffeeduft lockte.
Schon deshalb nicht, weil heut Nachmittag meine Freundin auf mich wartet - in der Innenstadt.
Schon deshalb nicht, weil es schade wäre um einen vermutlich wunderbaren Tag, den man eben nur im Bett verbrachte.

Donnerstag, 7. April 2016

Eins Komma Sieben Promille






Vor einigen Nächten konnte ich nicht schlafen, zappte mich durch die Programme, bis ich schlussendlich bei einer Reportage über Kinder in Russland hängenblieb. Kinder aus Gegenden irgendwo auf dem Land, wie vergessene Gegenden.
Kinder, die eingesperrt wurden, weil sie stahlen. Äpfel, Tomaten - um sie zu verkaufen für Alkohol.
Kinder, die eingesperrt wurden, weil sie Obst und Gemüse stahlen, um sich ein Hemd zu kaufen - weil die Mutter schwer krank und der Vater entweder tot oder abgehauen war.
Eingesperrt für mindestens ein Jahr oder länger.
Sie stehen morgens auf, sie bekommen Unterricht und zu essen, um alles andere, wie Sauberkeit, Ordnung, Geschirr abwaschen, Gänge und Zimmer wischen, müssen sie sich selbst kümmern. Wenn sie dann noch Zeit haben, spielen sie Fußball.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass man sich tatsächlich um sie kümmerte.
Ich hatte eher den Eindruck, dass sie sich um sich selbst kümmerten.
Niemand fragte, was in ihnen vorging, was sie bewogen hatte zu stehlen oder auch gewalttätig geworden zu sein.
Irgendwo in der Mitte der Reportage begann ich mich zu fragen: "Ist Russland hart zu seinen Kindern? Ist es zu hart? Es sind noch so kleine dabei, keine acht oder neun Jahre alt."
Hilft es ihnen, weggesperrt und sich selbst überlassen zu werden?
Einer weint vor der Kamera: "Ich will nach Hause zu meiner Mama."
Er hat noch keinen Besuch von ihr bekommen und schon einige Monate eingesperrt.
Die Mutter, die sie in ihrem Zuhause filmen, hebt die Schultern, sie sieht müde aus, resigniert. Ihr fehlt das Geld, ihren Sohn zu besuchen.
"Vielleicht ist es ja gut so wie es ist", sagt sie, "damit er lernt, auf den rechten Weg zu kommen."

Einer von ihnen ist in meinem Kopf geblieben.
Tolja.
Tolja, der Junge mit den großen, irgendwie sehnsüchtigen Augen. Der Dreizehn- oder Vierzehnjährige, der von sich sagte: "Am Anfang habe ich hier mit niemandem gesprochen. Aber ich habe gemerkt, dass man dann hier nicht überleben kann. Also habe ich irgendwann angefangen, mit ihnen zu sprechen."
Tolja, der Junge, von dem die anderen sagten: "Am Anfang schlief der gar nicht. Erst wenn alle anderen schliefen, dann schlief auch er. Aber das ist wohl so, wenn man jemanden umgebracht hat."
Und ich denke: "Umgebracht? Mit dreizehn? Mit Absicht?"
Sein Vater vor der Kamera, der seinen Sohn nicht besucht und auf die Briefe des Sohnes nicht antwortet. Der den Brief in der Hand hält und sagt: "Jetzt schreibt er. So gut, so gebildet."
Ein armes Zuhause, ein verwahrloster Hof. Der Vater, der indirekt zugibt, seine Frau geschlagen zu haben, weil sie ihm kein Essen kochen wollte, wenn er abends heimkam. Die ihn verließ und ihm das Baby überließ etwa in der Tonart: "Kümmer dich doch selber um das Balg."
Die fortging, eine neue Familie gründete, zwei Töchter bekam und ihren Sohn nicht bei sich haben wollte. Die in die Kamera schaute und erzählte, wie ihre vierjährige Tochter sich vor ihrem Sohn das T-Shirt auszog und sie den Jungen daraufhin wegschickte mit den Worten: "Du kannst hier nicht mehr herkommen. Geh weg, ich brauche dich nicht."
Tolja beginnt zu stehlen, alle gemeinsam in einer Bande von Kindern und Jugendlichen. Wird jedoch gemeinsam mit einem Freund zu Unrecht von der Polizei aufgegriffen und verprügelt. Wofür sie sich am Dritten rächen wollen. Und ihn schlussendlich erschlagen - mit einem Ziegelstein.
Der am Ende der Reportage in die Kamera lächelt und sagt: "Ich weiß nicht, ob ich ein besserer Mensch werde, wenn ich hier rauskomme. Vielleicht. Ich werde es versuchen. Aber ich weiß nicht, ob ich das schaffe." Und dann lächelt er.
Im Abspann ist zu lesen, dass 91 % dieser Kinder wieder ins Gefängnis (zurück)kommen werden - als Erwachsene.

Am Ende der Reportage zieht sich für mich wie ein roter Faden durch: Alle Kinder haben eines gemeinsam - die mangelnde bzw. fehlende Liebe insbesondere der Mutter.
Ganz offensichtlich bildet sie in all den Schicksalen die Schlüsselfigur.
Rechtfertigt das Verstehen darum ihre Taten?
Es hilft der Mutter nicht, deren Junge erschlagen wurde.
Es wäre - wenn ich ehrlich sein soll - auch mir egal, wenn man einem meiner Söhne Gewalt antun würde.

Und dann denke ich an sie, meine Söhne.
Der eine hat mit 16 im Supermarkt gestohlen.
Der andere hat im Kaufhaus gestohlen und mit 14 gemeinsam mit einem Freund eine Flasche Alkohol geleert. Eine Einliterflasche, die sein Freund in eine Saftflasche umgefüllt und mit in die Schule gebracht hatte. Von dem die Lehrerin glaubte, sie trinken Waldmeisterlimonade.
Von dem mein Sohn später sagte: "Was das war, weiß ich nicht. Es war grün, hat wie Lakritze geschmeckt und in den Adern gebrannt."

Jeder von ihnen trank schlückchenweise innerhalb von drei Stunden ca. 500 ml Absinth, so stands im Klinikbericht. Beide lagen mit 1,6 und 1,7 Promille bewusstlos erst im Sportunterricht und dann in der Klinik, wo ich ihn das erste Mal sah, nachdem die Schule mich angerufen hatte und neben der Schulleitung auch die Polizei wartete.
Damals stand ich Kopf vor Sorge, ob auch das Jugendamt zu uns käme, was auf uns zukommen würde.

Und es kam nichts.
Deshalb nicht, weil im Alkohol keine Drogen waren.
Deshalb nicht, weil dieser Vorfall der einzige war, den Junior mir bot.
Dieses Kind, das mir damals und auch später sagte: "Ich war ein glückliches Kind. Ich hab alles gehabt, was ich wollte und was ich brauchte, und ich habe mich immer geliebt gefühlt."
Dieser junge Mann, der seinem Vater so ähnlich ist, äußerlich und auch in vielen Charakterzügen - auch wenn er mit seinem Vater nur wenig zu tun hatte.
Und der große Junge, der wiederum mir so ähnlich ist, äußerlich und auch in vielen Charakterzügen. Der seinem Bruder oft sagte: "Glaub bloß nicht, dass ich das deinetwegen mach! Ich mache das alles nur für die Mama!" Dieser große Junge mit dem noch größeren Herzen, der großen Seele, in der man wohnen kann, solange man ihn nicht enttäuscht, sein Vertrauen nicht enttäuscht.

Ich schaue auf meine Söhne und bin glücklich und dankbar, dass sie so sind wie sie sind.
Dass sie geworden sind, was sie eben sind - auch wenn sie beide irgendwie noch nach dem richtigen Platz in ihrem Leben suchen; der Platz, wo sie hin wollen, wo sie sein wollen. Beide so unterschiedlich wie sie nur sein können - der eine im Büro, der Gewalt völlig ablehnt; der andere, der inzwischen beim Bund ist, der Dienst an der Waffe sozusagen.
Es wäre zu einfach zu sagen: "Habt eure Kinder einfach lieb, seid gut zu euren Kindern, dann sind sie es auch zu anderen."
Dennoch komme ich nicht umhin, mich zu fragen, was aus einem Jungen wie Tolja geworden wäre, hätten ihm seine Eltern von Anfang an einfach nur Liebe entgegengebracht? Kein Mensch wird schlecht geboren - und er hatte so sehnsüchtige Augen. Litt so darunter, dass sein Vater ihm nicht schrieb und ihn nicht besuchte, weil seine Mutter ihn schon als Baby ablehnte.

Ich schaue auf mich selbst und habe erst vor einigen Jahren erkannt, wie essentiell die Liebe meiner Mutter für mich war und ist. Auch wenn alle immer dachten, ich sei ein Papakind. Heimlich habe ich ihre Schuhe angezogen, ihre Kleider. Ich wollte sein wie sie, nicht jammern, nicht klagen, ich wollte so sein wie sie - stark und sanft zugleich.
Und ich glaube, ich bin sehr viel mehr von ihr geprägt, habe sehr viel mehr von ihr, als es auf den ersten Blick scheinen mag.
Sie ist meine Schlüsselfigur.

Montag, 4. April 2016

Reden wir doch mal über... Schuhe!

Frauenthema halt.
Heute Morgen, mit dem ersten.. na ja gut nein zweiten guten-Morgen-Kaffee wählte ich zur Morgenlektüre mal keine Zeitung oder den TV, sondern meine Lieblingsblogs.
Bei Anna stolperte ich dann über die Wahl der - in diesem Falle - Sneaker und was diese über einen selber verraten.

Insgesamt finde ich es ja ziemlich... wie soll ich sagen.. deutsch?, dass der Mensch immer versucht, die Menschen in Schubladen zu verpacken. Trägst du dies, bist du so eine. Trägst du das, bist du ne andere. Schläfst du auf dem Bauch oder Rücken? Dann bist du der und der. Und so weiter und so weiter. Und ich muss dann echt immer lachen, weil ich einfach in keine Schublade reinpassen will.
Ich ziehe an, was mir gefällt, bin mal durch und durch sportlich in Jeans und Chucks, oder eben auch mal im kurzen Schwarzen mit Chucks oder Heels (ja ich weiß, dass das "kleines Schwarzes" heißt, aber das klingt nach so edel, was ich wiederum einfach nicht bin. Ich bin die mit dem Wurstbrot in der Hand und nicht mit dem Gutfried-Teller vor sich.)
Ich bin immer so ein Mix-Dingens. Habe ich übrigens auch Herrn Blau gestanden, noch bevor er die vertraglichen Verhandlungen zum Eingehen einer Beziehung mit mir aufnahm: Im Buch "Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können" wird beispielsweise beschrieben, dass der Mann der typische Gasherd ist - ZACK AN, drei Minuten vollste Hitze, ZACK AUS. Während hingegen die Frau der typische E-Herd sei - lange Anwärmphase, dafür aber auch lange Abkühlphase. Mich hat das köstlichst amüsiert: "Dann bin ich wohl ein Kombi-Gerät!"

Insofern - weil noch ein bisschen Zeit bis Dienstbeginn war (man muss es ja auch zum Montagmorgen nicht gleich übertreiben, finde ich), stöberte ich ein bisschen auf der von Anna verlinkten Seite herum...


Und die Brigitte schreibt dazu eben:

"Die Chucks von Converse sind in den letzten Jahren zu wahren Turnschuh-Klassikern gereift. Ob zur Jeans oder zum Kleid, sie lassen sich vielseitig kombinieren und sind deshalb immer passend. Frauen, die sich für diese Schuhe entscheiden, gehen nicht nur in Sachen Mode auf Nummer sicher. Sie sind freundlich, offen und haben einen großen Freundeskreis. 
Modische Experimente liegen ihnen dagegen eher fern."

Chucks besitze ich beide, die hohe und die normale Sneaker-Variante. In mehreren Varianten und Farben (hoffentlich liest Herr Blau das hier nicht :))
Und ich glaube, die Beschreibung passt auch insgesamt ganz gut zu mir. Modische Experimente habe ich sicherlich keine ausprobiert. Meine Haar beispielsweise waren mal blond, mal schwarz, mal braun, mal rot - aber grün nie. Auch nicht magentafarben, obwohl ich finde, dass es Frauen gibt, die richtig klasse damit aussehen. Auch die, die nicht bei Telekom arbeiten. Aber ich finde auch Tattoos ziemlich geil und habe trotzdem keins. Will auch keins. 
Zwar ist mir völlig wurscht, was gerade mal wieder Trend ist. Ich kaufe bzw. ziehe an, was mir gefällt und von dem ich denke, dass es zu mir passt - und ich trage meine Tasche übrigens immer noch am liebsten quer über die Brust (weil bequem, Hände frei und kein Klau-Alarm oder lästiges Nachschieben bei Wegrutschen) und nicht in der Armbeuge (es gibt kaum etwas, das ich affiger finde als das). Aus der Rolle gefallen bin ich eben aber auch nie. Individueller Mainstream also vermutlich, ha ha. Mir auch egal, wie man das nennt. 
Und Sicherheit ist generell ein Thema, das bei mir mit den Jahren immer größer geschrieben wird. Zwar habe ich keine Ahnung, warum, aber es ist eben so.

Bei der Beschreibung zu diesem Paar Schuhe, die ich mir übrigens letzen Sommer in Berlin kaufte, weil ich da ja noch doppelt benadelt war sozusagen und entsprechend "softes" Fußwerk benötigte, wenn eine Tour durch die Stadt länger als eine halbe Stunde dauern sollte, habe ich dann aber doch ein wenig lachen müssen!

"New Balance:
Trägerinnen eines New Balance-Schuhs fühlen sich meistens jünger als sie tatsächlich sind. Diese Frauen lieben Ruhe und Komfort, sind aber zeitgleich auch sehr ehrgeizig und teilweise perfektionistisch. Nicht nur im Job, auch in ihrem Privatleben legen sie Wert auf Genauigkeit."






Also was ja durchaus zutrifft, ist der Passus mit Ruhe und Komfort. Hierauf tätsch mich sofort ausruhen wollen, ha ha.
Was aber so überhaupt gar nicht stimmt: sehr ehrgeizig und teilweise perfektionistisch. 
Von wem reden die da?
Herr Blau täte sich hier ausschütten vor Lachen und vermutlich auch ein bisschen weinen, denn meinen beispielsweise sportlichen Ehrgeiz findet er zum Weinen. Dieser Ehrgeiz meinerseits nämlich beschreibt sich am besten mit "Kiel":



Und perfektionistisch? Da muss selbst ich lachen! Ich, die Meisterin der Improvisation!
Ich, die nie weiß, wo sie schon wieder die Brille hingelegt hat, die sie doch gerade noch in der Hand hatte. Oder den Autoschlüssel. Oder das Portemonnaie. Oder das Handy. Zwar verliere ich selten etwas (nur das Genie beherrscht das Chaos, jawohl!), aber ich bin eben auch nicht nur zu Ostern auf der Suche. Insofern... ergänzen wir beide, Herr Blau und ich, uns eigentlich perfekt. Er bringt mir Ordnung bei, ich ihm Gelassenheit. 
Nun sagen wir: Wir sind beide noch in der Testphase. Man kann ja auch nicht alles haben!
Es gibt hingegen jedoch wiederum Dinge bei mir, wo ich an Pingeligkeit kaum zu überbieten bin. Während Herr Blau gerne mal vergisst, was er dann und wann sagte, arbeitet mein Hirn mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks - und hält ihm prompt den entsprechenden Spiegel vor.
Mein Hirn ist quasi ein Zuckerberg-Imperium: Es speichert sämtliche Daten und Bilder, auch die, von denen Herr Blau glaubte, sie längst gelöscht oder sie überhaupt je "ins Netz" gestellt zu haben. 
Es gibt aber auch Tage, da bin ich anstrengend klinisch. Da putze und wische ich, dass es keine Freude mehr ist, da nerven mich die tausend kleinen Dinge, die Herr Blau uuuunbedingt aufheben muss - als Andenken oder so oder "weil das zu schade ist zum Wegwerfen". 
Ich erzähle Euch jetzt nix von unserem Küchenschrank! Was DA alles drin ist! Habe ich mich schon zigmal aufgeregt. Tausend Geräte für den technikaffinen Hausherrn. Da könnste blöde werden - vor allem, weil man 80 % davon nie nutzt! Nie!
Oder wenn meine kleine Kommode, auf die eigentlich nur zwei Bilder und zwei, drei Bücher gehören plus maximal eine Vase mit Frühlingstulpen, zusätzlich vollgeramscht ist mit seiner Zweitbrille, Zeitschriften über Autos & Computer, der aktuellen Post und/ oder Einkaufsbelegen und dem Kerzenanzünder. Da kriege ICH Plaque von! Obwohl mir als Chaotin das ja eigentlich egal sein müsste. Neehehe!
Aber ich sags ja: Ich passe einfach in keine Kategorie, und ich glaube, jeder von uns ist ein Mischexemplar. Wieso also versuchen wir dann eigentlich immer, den Menschen zu etikettieren und zu katalogisieren? 
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich jetzt so viel geredet habe, dass mich grad eben wieder Kaffeedurst überkommt. Glücklicherweise besitzen wir nicht auch noch eine ultrahochmoderne Kaffeemaschine, für die ich erst den Technikkurs belegen muss. Wasser aufsetzen, Pulver in die Tasse, Wasser drauf, vieeeel Milch dazu, fertig ist der Lack. Ich bin zwar geruhsam und lasse mir oft und gerne Zeit, aber es gibt eben auch Dinge, die müssen einfach zackig gehen, sonst werde ich nervös. 

Donnerstag, 31. März 2016

Seidenhaut

Vierzehn Tage sind vergangen seit jenem Abend.
Jene Nacht, die mir bewusst gemacht hat, wie endlich alles ist - und dass von einem Moment auf den anderen alles so anders sein kann.
Ich dachte, ich hätte mich wieder aufgerappelt.
Ich dachte, ich hätte wieder zu der Kraft in mir zurückgefunden.

"Meinst du nicht, dass du genug eigene Probleme hast?" fragt Herr Blau ab und an, wenn ich ihm von anderen Schicksalen erzähle, von Begebenheiten anderer, die mich beschäftigen, berühren, die mir dann oft tagelang im Kopf herumgehen.
"Doch, bestimmt", antworte ich dann, "aber ich interessiere mich nicht nur für mich selbst und für mein eigenes Leben. Ich interessiere mich auch für das, was um mich herum ist oder um Menschen, die ich kenne."
Wenn ich darüber spreche, dann nicht, weil ich eine Last in mir trage, die raus muss. Sondern weil ich mich mitteilen möchte. Weil ich Gedanken aussprechen möchte, darüber sprechen möchte, was mich beschäftigt, manches mehr, manches weniger.

Seit jener Nacht vor vierzehn Tagen bin ich schlagartig ruhiger geworden. Da ist so eine Stille in mir, die ich irgendwie nicht in Worte fassen kann. Keine traurige, keine bedrückende Stille - sondern so eine Stille, die mich bewusst aufnehmen lässt, was um mich herum geschieht.
Meine Haut... sie fühlt sich derzeit unglaublich dünn an und lässt zu vieles beinah ungefiltert hindurch.
Ich lese bei Goldi und spür unwillkürlich die Tränen in mir aufsteigen. Unfassbare hilflose Anteilnahme.
Ich lese bei Wolf und bin sehr betroffen. Erinnerungen werden wach an den eigenen Vater..
Ich lese bei Summer und empfinde immer und immer wieder Wehmut, weil ich wünschte, ich könnte diese Zeit noch mal haben: der Junge vier Jahre alt und mein kleiner Goldschatz... Ich wünschte, Entscheidendes ganz anders machen zu können - und ihn wirklich beschützt zu haben.
Ich lese bei Annika und seh sie vor mir, wie sie der gleichaltrigen Obdachlosen einen Zwanzig-Euro-Schein in die Hand legt.
Alle vier Blogger kenne ich nur von ihrem Schreiben, ich kenne sie nicht persönlich. Dennoch nehme ich Anteil an dem, was sie schreiben - und im Moment geht mir das alles doppelt tief unter die Haut.
Und manchmal reißt sie, die Haut, dünn wie Seide.

Seit jener Nacht vor vierzehn Tagen nehme ich mir mehr Zeit für Gespräche, selbst die simplen beim Bäcker. Noch heute werde ich auf das Angebot der E-Mail eingehen und einer Bloggerin die E-Mail schreiben, die mir angeboten wurde, sie schreiben zu dürfen. Seit jener Nacht schaue ich weniger Krimis, höre stattdessen viel mehr Musik. Seit jener Nacht nehme ich die Menschen um mich herum, selbst die in der U-Bahn, bewusster wahr. Halte den Kopf viel öfter gerade und lächle in Gesichter, die mir begegnen. Bin so erstaunt, wie oft das Lächeln erwidert wird - und finde es so schön.

Ich bin so viel weniger ungeduldig geworden - und ich finde es schön.
Wird vermutlich eh nicht lange anhalten. Doch für den Moment... ist alles gut so wie es gerade ist.

"Erzähl deiner Mutter nichts davon, sie weint dann nur wieder", hat mein Vater vor Jahren mal gesagt.
Er glaubt, sie sei schwach, schwächer als er - weil sie Gefühl, Anteilnahme und Tränen zeigt, im Gegensatz zu ihm.
Ich aber glaube, dass sie sehr viel stärker ist als er sich vorstellen kann.

Mittwoch, 30. März 2016

"Ich habe mich umgesehen: Wir sind die geilsten hier!"

"Ich halte es für gesünder, durch ein Fenster zu schauen statt in einen Spiegel. Denn sonst siehst Du nur Dich selbst und das, was hinter Dir ist."
Bill Withers


Dieser Tage habe ich in verschiedenen Blogs oder in whatsapp Gedanken gelesen über das Älterwerden, über dick und dünn, über kranke Körper oder erkrankte Seelen.
Ich gebe zu, ich bin zuweilen ein Ego-Helikopter. Jemand, der ab und zu dermaßen um sich selber kreist, dass er froh ist, wenn er anhalten und aussteigen kann. Entweder aus eigener Kraft oder weil mich jemand rauszieht. Zwar eher nur, wenn es Kummer & Sorgen gibt - aber ich würde lügen, wenn ich nicht ab und zu auch in den Spiegel schaue und denke: "Scheiße. Letztes Jahr war das noch nicht so!"
Wer hat schon nicht dann und wann darüber nachgedacht, was das Altern mit einem macht? Mal abgesehen von den Silberfäden im Haar, den Linien, die sich zu den Lachfalten dazugesellen - und nachlassendem Bindegewebe.
Das ist sicherlich auch nicht zum ersten Mal ein Thema in meinem Blog - trotzdem komm ich dann und wann dahin zurück. Weil ich manchmal immer noch staune und mich wundere, wie viel Gewicht dem Äußeren beigemessen wird. Also dem Äußeren im Sinne von: Ich bin zwar schon 58, aber ich muss jetzt unbedingt noch wie 30 aussehen - maximal!
Seit ich hier in M wohne, begegnen mir verhältnismäßig oft Frauen und Männer (!), denen die Angst vor dem Altern unübersehbar aus dem Gesicht geschnitten, gespritzt wurde - und die noch eine ordentliche Packung Sonnenstudio obendrauf packen. Die darauf bestehen, dass sie maximal Größe 38 benötigen. Eher eine 36. Ich muss immer in mich reinschmunzeln, wenn sie ein Teil hochhalten und der Verkäuferin zurufen: "Wie, in 36 haben Sie das nicht mehr? Ja dann.... Nein, keine 38, wie sieht das aus, wenn das an mir rumschlappert."
Dann muss ich immer an den Witz über die Oma denken, die aus der Umkleide kommt, wo sie einen Bikini probierte: "Die Hose passt super!" - "Ja und das Oberteil?" - "Ach, das brauch ich nicht, hab alles in die Hose bekommen."

Erst heute habe ich meine Gedanken zum Thema in einen Blog geschrieben:

Ich kenne zumindest keine Frau, die nicht mal darüber nachdenkt und gewisse Zahlen große PipiKaka findet.
Als ich 16 wurde, fühlte ich mich richtig geil.
Als ich 18 wurde, fühlte ich mich uralt.
Als ich 30 wurde, dachte ich: Mal sehen, was kommt!
Als ich 33 wurde, fühlte ich: Das ist die beste Zeit meines Lebens – weil, nach der Ehe und endlich mal ganz für mich alleine, wenn man mal vom Irrsinn dieser Trennungszeit absieht.
Als ich 40 wurde, dachte ich: Nu ja – und hatte das Bild einer 42jährigen vor Augen, die nach 19 Jahren zum zweiten Mal schwanger war und nicht nur ganz toll aussah, sondern einfach vermittelte: Auch mit 40 is noch nix zuende :)
Als ich 43 wurde, dachte ich: Hmmm.
In ein paar Wochen werde ich nun 47 und denke: Ja dat is schon man büschen scheiße irgendwie.
Aber weißt Du was? Ich hab mir nie wirklich den Kopf darüber zerbrochen oder mit Zahlen gehadert, die ich eh nicht ändern kann. Ich habe einfach drauflos gelebt, in jedem Lebensjahr.
Und nur darauf kommts an. Völlig wurscht, was im Pass steht.
Und die junggebliebenen Ommas sind sowieso die coolsten!
Als ich heute noch nackt in den Spiegel schaute, dachte ich nicht "Huch, das Kleid muss aber noch gebügelt werden" - nein, ich dachte: "Waaah, es ist sooo geiles Wetter - was ziehe ich an? Kleid oder Jeans? Ballerinas oder Chucks? Haare auf oder Knoten oder nur bisschen zusammenstecken?" Weil es mich einfach vor die Tür zog. Ich wollte raus, ich musste raus. Sah mich schon im Straßencafe sitzen, die Beine entspannt von mir gestreckt, in den Ohren die Musik, vor mir einen leckeren Milchkaffee und übers Handy Blogs lesen.

Man sagt, man wird mit dem Alter immer entspannter - und vielleicht ist das auch so?
Ich zerbreche mir nicht den Kopf über (nicht elementare) Dinge, die ich nicht ändern kann - aber das habe ich sowieso noch nie.
Ich habe keine Vorbilder und keine Idole, aber die hatte ich auch nie.
Mir ist sowas von egal, wie man mit 20, mit 30, 50 oder 80 zu sein hat; schon meine Mum hat immer gesagt: "Solange die Leute über dich reden, bist du interessant für sie."

Auch glaube ich, dass es völlig egal ist, was man tut oder wie man lebt; entscheidend finde ich nur, dass man das, was man tut und lebt, mit Herzblut macht. Dass man es gern tut.
Wer bügelt schon gern oder putzt gern das Klo? Gemacht werden muss es trotzdem - und dann dreh ich die Mucke auf und lasse mich von den stimmungsgerechten Songs berieseln. Manchmal so arg, dass meine Haut vibriert - und dann tanze ich, dann springe ich durch die Wohnung - und genieße ein so geiles Lebensgefühl.
Das ist es auch, was ich am Home Office so liebe: Ich stehe um halb acht auf und bin trotzdem Punkt acht Uhr am Arbeitsplatz. Kann in Pausen, wenn Chefs im Meeting sind, die Musik aufdrehen, die Tür zur Terrasse öffnen, Licht und Luft hineinlassen oder auch mal auf eine Kaffeepause mit nackten Beinen auf den Holzdielen der Terrasse sitzen und einfach mal... an gar nichts denken.
Oder daran denken, wie schön es ist, jetzt gerade hier zu sitzen, die Kaffeetasse zwischen den Händen und den angewinkelten Beinen.
Daran denken, wie schön es ist, dass jetzt der Frühling angekommen ist.
Daran denken, wie sehr ich den Moment genieße.
Daran denken, wie gut es mir tut, mich gerade ein wenig entschleunigt zu haben.
Und was für ein Glücksgefühl es ist, wenn der Mann nach Hause kommt und mich anlächelt.

Was interessiert mich meine Kleidergröße, die vor 10 Jahren noch eine andere war als jetzt?
Was interessiert mich die Zahl in meinem Pass?
Ich lebe und ich genieße, so gut ich das kann, so gut man mich lässt. Ich bin fast angekommen da, wo ich hin wollte - und nur das ganz allein zählt für mich. Für das, was noch fehlt, kommt auch noch die Zeit, davon bin ich überzeugt. Aber auch bis dahin will ich gelebt, genossen und ausgekostet haben.

Es gibt Menschen, die schaue ich an und bewundere sie für ihre unfassbare Ruhe, die in ihnen liegt. Die sich mit allem Zeit lassen, weil sie einfach daran glauben, dass sie diese Zeit auch haben. Die an sich glauben und an das, was sie tun. Die lieben und genießen, was sie tun - und nicht ihre Zeit damit vertun, Dinge zu beklagen, die sie sowieso nicht ändern können; die aber ihre Energie dafür einsetzen, alles ein wenig schöner machen zu wollen.
Das sind sie für mich, diese wunderschönen Menschen. Egal wie alt sie auch sein mögen, wie faltig sie sind oder ob ihre Brüste in der Bikinihose stecken.





Sonntag, 27. März 2016

Seifenblasen



Es gibt nur sehr wenige Filme, die mir, die uns das Gefühl zurückgeben, wir wären noch mal 15, erlebten noch mal die erste große Liebe, das große Herzflattern, die schlaflosen Nächte und die zertanzten Schuhe.
Und trotzdem die Unbeschwertheit, diese Unbekümmertheit, die wir auf dem langen Weg von damals bis heute irgendwie zurückgelassen haben, so ein bisschen zumindest.
Ich bin tief gefallen vor einigen Tagen. Nach der Anspannung der freie Fall.
Und habe mich verloren in Wortlosigkeit. Jede Silbe zerplatzt wie eine Seifenblase, bevor ich sie überhaupt zuende denken konnte.
Mich verloren in Stille. In einen Hang aus zu weiten Klamotten, in denen ich mich am allerbesten verstecken kann. Hinter der Sonnenbrille. Gefühle gebündelt und im straffen Haarknoten versteckt, das Haar komplett aus dem Gesicht gekämmt. So wie ich mein Haar für gewöhnlich überhaupt nicht trage.
Tagsüber stark und unbezwingbar. Der Clown, der Fels für die anderen. Der Clown, der im Inneren weint.

Bis wir vor zwei Tagen beide Filme sahen.
Wir haben uns an den Händen gehalten, unsere Augen haben geleuchtet und wir haben beide gelächelt. Uns überkam die Lust, in den Urlaub zu fahren, weg aus dem Hier & Jetzt.
Ans Meer.
Auf Pferden am Ufer entlangreiten.
...wenn nicht jetzt, wann dann? Warum immer alles aufschieben, bis es vielleicht doch zu spät geworden ist?

Der unterschriebene Mietvertrag ist geplatzt. Wie eine Seifenblase.
Einen Abend lang habe ich beinah getrauert. Nicht verstanden und nicht verstehen wollen. In Gedanken war ich dort schon eingezogen, hatte eingerichtet, gestaltet.
Und nun doch nicht - aus Gründen, die ich hier nicht niederschreiben möchte.
Es ist nun so.
Alles wieder auf Anfang.

Aber alles ist gerade irgendwie... wieder leichter. Leicht. Einen Hauch von Unbeschwertheit.
So als wäre wirklich... ALLES wieder auf Anfang.
Schön ist das, gerade.


Samstag, 19. März 2016

Das Isarfräulein



Wen hat die wunderbare Sonne heute nicht gelockt?
Dankbar dafür, die Hände ineinander verhaken zu können und die ersten vorsichtigen Schritte hinaus in den zaghaften Frühling gehen zu können, haben wir uns für einen Besuch beim Isarfräulein entschieden.
Das Lokal heißt tatsächlich so und glaubt man der Homepage, so hat sich die Besitzerin hier ihren Traum verwirklicht. Es erinnerte mich an jemanden, die auch davon träumt(e), eines Tages ein kleines Café zu führen, in dem man Kaffee trinken, den Lieblingskuchen essen und ein Buch ausleihen kann.

Mir gefiel auf Anhieb der Stil des bunt zusammen gewürfelten und dennoch in jeder Hinsicht zusammenpassenden Inventars, drinnen wie draußen. Wer es lieber schlicht und geradlinig mag, dem dürfte es dort eher nicht gefallen.
Ein kleines putziges Lokal mit etwa sechs Angestellten, die wir dort herumwuseln sahen. Bereit, ihre Gäste zu bewirten und trotzdem war mein Kaffee nur noch handwarm, als er endlich vor mir stand.
"Ich hab vergessen zu rufen", lautete die Entschuldigung.
Ich hab ihn trotzdem getrunken, statt ihn zurückzugeben. Kalter Kaffee soll schließlich schön machen und außerdem hatten wir die Tage ganz andere Sorgen, da wird man doch nicht über so kleine Dinge lamentieren. Erst recht nicht an so einem wunderbaren Sonnentag.
Das Essen wirklich lecker und als der Mann beim Abräumen anmerkte, dass er in seinem Salat einen halben Avocadokern gefunden habe, worüber sich im worst case seine Zahnfee gefreut hätte, da lachte die Bedienung entschuldigend: "Hach und ich hab noch gewitzelt, ob ich den Kern drinnen lassen soll!"

Wir werden im Sommer sicherlich noch mal dort vorbeischauen. Das Essen selbst war wirklich sehr lecker, der Kaffee klasse, wenn er dann nur noch heiß ist (man denkt ja immer, kann man im Grunde nicht viel falsch machen, aber ich als Junkie hab schon verschiedensten Kaffee serviert bekommen), die Rharbarberschorle super lecker, aber irgendwie... hielt sich hartnäckig das Gefühl eines Hinterhofs, an dem der BOB vorbeirauscht und der Ausblick insgesamt sich einer gewissen Tristesse nicht erwehren konnte. Aber das mag in einigen Wochen, wenn die Bäume in sattem Grün erstrahlen, auch wieder ganz anders wirken. Dann schauen wir uns das noch mal an. Mit hoffentlich dann heißem Kaffee :)

Freitag, 18. März 2016

...As If You Have A Choice



Als Kind haben wir aus Spaß getestet, wer am längsten den Atem anhalten kann.
Als Kind habe ich mich aus Spaß in das Badewasser gleiten lassen, die Augen geöffnet, den Blick von unten nach oben in das Licht gerichtet.

Einatmen.
Nicht mehr ausatmen.
Nicht mehr atmen, bis das Blut in den Schläfen klopft.
Bis auf einmal alles ganz federleicht wird.
Dann lachen und atmen, atmen und lachen und der Brustkorb pumpt.
Ich hatte immer die Wahl, wann ich damit aufhören wollte.

Einatmen.
Nicht mehr ausatmen.
Aufstehen. Reden. Schreiben. Einschlafen.
Immer noch nicht ausatmen.
Du wartest auf das Federleichte, aber das kommt nicht.
Das Leben wie hinter Glas.
Verdammt, wo bleibt meine Wahl, damit aufzuhören?

Bis einer sagt, dass alles gut wird.
Endlich.
Ausatmen.
Einatmen.
Du glaubst, dass Dir gleich der Kopf zerspringt - und dann weinst Du.
Minutenlang.
Hemmungslos.
Und so befreiend.

Ausatmen
Einatmen
Immer schön gleichmäßig.
Alles wird gut.

Mittwoch, 16. März 2016

"I'm Young And I Love To Be Young"



Ich kenne niemanden, der ewig leben möchte.
Ewige Jugend.
Ewiges Sein, ohne zu ermüden.

Aber der Moment hier, den Moment genießen. Können. Dürfen.
"Wenn sie erst mal groß sind", solange sie klein sind.
"Jetzt bin ich dran", wenn sie erwachsen geworden sind.

Pläne schmieden.
Träume entwickeln.
Träume in den Nachthimmel buchstabieren.

Und dann ist von einem Moment zum anderen alles anders.
Sich wiederfinden neben piepsenden Geräten. Fremden Menschen.
Untersuchungen.
Warten.
Mit zitternden Händen Rufnummern wählen.

Schlaflos.
Der Morgen danach, verschmiertes Mascara um die Augen.
Den Mantel hast Du noch immer an. War doch auch viel zu kalt.
Nicht mal abgeschminkt, und nun bist du noch mal einhundert Jahre älter.
Fuck the hundred.
Worte erbrechen, weil raus muss, was raus muss.

Wir sind so jung, wie wir uns fühlen.
Wir schauen in Spiegel und verstehen die Silberfäden im Haar gar nicht, die zarten Linien um die Augen, um den Mund, weil wir uns keinen Tag älter fühlen als wir uns mit dreißig fühlten.
Die Hände ineinander legen und sich sicher fühlen. Sich geborgen fühlen.
Nachts nah beieinander liegen und das Glücksgefühl tief in sich genießen.
Morgens die Augen öffnen und das Glücksgefühl tief in sich genießen.
Nichts ist selbstverständlich.
Nichts ist für die Ewigkeit.
Wir vergessen das viel zu oft. Wir vergessen das viel zu sehr. Wir genießen zu wenig.

Ich will das nicht.
Nicht die Chance vertan haben, Dir zu sagen, wie sehr ich Dich liebe.
Nicht die Chance vertan haben, Dir zu sagen, wie sehr ich es liebe, mit Dir zu sein.
Nicht die Chance vertan haben und alles auf später zu verschieben, auf zu spät.
Ich habs kapiert.
Tut das nicht.


Nein, der Song passt nicht heute nicht. Aber ich empfinde ihn als wohltuend kraftvoll.

...

Pläne machen ist doch irgendwie für den Arsch.
Habe ich nicht immer so gewusst, aber immer so gelebt.
Aber am Ende...
Hat nicht schon John Lennon gesagt, dass Leben das ist, was passiert, während du gerade dabei bist, ganz andere Pläne zu machen?

Und dann kommt man nachts nach Hause, sitzt im Mantel im dunklen Zimmer auf dem Sofa und starrt die Wand an, auf der die Laternen ein schwaches Licht malen, während die Schneekristalle zerfließen und die erhitzten Wangen kühlen.

Montag, 14. März 2016

Und so geht's schon los!


Am Wochenende bekamen wir per E-Mail den Mietvertrag zugeschickt: Allem Anschein nach (ich wills ja eigentlich nicht beschreien) bekommen wir ein sehr entspanntes Vermieterpaar - also ähnlich wie schon hier. Am Ende wollen ja beide Seiten ihre Ruhe.
Und kaum hatten wir die Zusage und dann auch den Mietvertrag zur Unterschrift, da begannen wir, Pläne zu schmieden, in Gedanken die Möbel aufzustellen, hin und her zu schieben und so weiter.
Ich finde ja auch - wie Frau Vau - dass das im Grunde das Schönste am Umziehen ist: das Gestalten, Dekorieren, der Nestbau an sich.
Vieles, mit dem ich mich in der aktuellen Wohnung arrangierte und das insofern "eingeschlafen" war, erwachte neu: Ich will etwas Farbe an der Wand, nicht alles krankenhausweiß. Als ich das Herrn Blau in Erinnerung rief, entwich ihm die Farbe ausm Gesicht: "Aber krietschbunt will ich das nicht!"
Sein Puls normalisierte sich aber rasch wieder, nachdem ich ihm versicherte, dass ich lediglich eine Wand im Wohnzimmer (die größte, ha ha!) hellgrau und die im Arbeitszimmer macchiatofarben gestrichen haben möchte. Dass ich die Vermieterin fragen möchte, ob man die Einbauschränke im Arbeitszimmer weiß streichen darf. Die sind nämlich im satten Honigbraun - und passen zu nix von dem, was wir haben bzw. einbringen wollen. Außerdem ist das Zimmer wirklich klein - und dunkle Möbel machen das Ganze noch kleiner. Um nicht zu sagen: Es erdrückt mich noch.
Es muss bei mir nicht alles zu jedem passen - Stilbruch finde ich wesentlich interessanter als ein perfektes Zuhause wie aus dem Möbelkatalog. Aber wenn schon Stilbruch, dann eben mit Stil.
Wohnlicher, luftiger, gemütlicher mit Lichteffekten, die dann der Herr Blau bauen darf.
Ich die Farben, er die Lichttechnik.

Im Laufe des Wochenendes stellten wir dann fest, dass wir offensichtlich weitaus mehr Ideen als Platz dafür haben. So wie er murrend feststellte, dass ich über ein Jahr lang sein pottenhässliches Regal hier geduldet habe, dieses aber niemals nicht den Weg in die neue Wohnung finden würde. Maximal in den Keller, aber der ist glücklicherweise zu klein dazu. Also weg mit dem alten Mist. Ich bin ja jetzt nicht so, dass ich alles neu machen bzw. haben muss oder so - im Gegenteil. Aber manchmal frage ich mich schon, was der Mann alles so aufhebt und.. äh.. hortet. Die ganzen Gläser, das ganze Geschirr, tausend Teller - da kann ich nie draus trinken oder von essen, es sei denn, ich spüle eine Woche lang kein Geschirr! Wer braucht soviel Kram? Genauso die Küchenmaschinen in allen möglichen Varianten! Braucht kein Mensch! Nutzt kein Mensch!
Insofern war er hocherfreut zu sehen, dass die neue Küche genug Stauraum bietet, während hingegen ich überlegte, wie ich heimlich, still und leise das eine oder andere um die Ecke bringen kann - auf Nimmerwiedersehen! Und Ihr müsst mich da gar nicht unmenschlich finden - ich weiß nämlich aus sicherer Quelle, dass er dasselbe von meinem Kleider- UND meinem Schuhschrank denkt.
Apropos Kleiderschrank: Von seinem muss er sich trennen. Ein Raumwunder von IKEA, der ist wirklich schön - aber über zwei Meter hoch und da sich die entscheidenden Räume im Dachgiebel befinden.... "Sag tschüss zum Schrank. Sag tschüss zum Regal", erklärte ich also gestern eiskalt und herzlos.
"Wieso muss ich mich von meinen Sachen trennen und du darfst alles mitnehmen?" murrte er entsprechend.
"Weil dein Regal hässlich ist. Und weil dein Kleiderschrank zu hoch ist, aber da kann ich ja nix für."
"Gut, dann bleiben wir eben hier und ziehen nicht um."
"Okay."
Dann schlugen wir den Online-Katalog auf und während er nach Jalousien für runde Fenster schaute, informierte ich mich über coole Schlafsofas.

Freitag, 11. März 2016

Synapsenkoller

An diesen von einem Freund "adoptierten" Begriff musste ich gestern denken, als ich mich von L Richtung M bewegte. Der recht bewegte Wellengang meines Lebens, das ständige Auf & Ab in jeglicher, vor allem aber emotionaler Hinsicht lässt mich manchmal tatsächlich wie einhundert Jahre alt fühlen UND auch aussehen. Herr Blau formuliert das dann zumeist recht diplomatisch: "Du schaust müde aus heute" und ich nicke dann nur kurz und knapp und wissend.
Aber wenn diese Form eines Synapsenkollers, dem ich schon längerfristig unterliege, ein was Positives bewirkt, dann eben zumindest die Geschmeidigkeit des Denkens. Einrosten jedenfalls werde ich vermutlich so schnell in meinem Oberstübchen nicht.

"Sobald es um deine Kinder geht, kratzt und beißt du um dich", wurde mir vor zwei Tagen gesagt. Ja vielleicht ist das so. Da unterscheide ich mich wohl kaum von einer Mama, die ihre Kinder nicht nur dafür auf die Welt gebracht hat, um das Kindergeld zu kassieren. Manchmal denke ich dann an meine Großmutter väterlichseits, von der mir meine Mama erzählte, dass die ihre drei Jungen wie eine Löwenmutter verteidigt und für sie gekämpft hatte, damit sie überleben. Andererseits aber denke ich eben auch, dass es nicht allein die Tatsache ist, für wen ich kämpfe - ob für die eigenen Kinder oder auch für andere. Meine Schwäche, glaube ich, liegt bei den (vermeintlich) Schwachen. Eine starke Persönlichkeit behauptet sich von allein, die richtet sich auch von allein auf, wenn es unfair wird. Hingegen die schwächere Persönlichkeit zuckt zusammen oder zurück - und wenn es dann unfair wird, dann mutiere ich zu Mrs. Hulk.
Vor zwei Tagen führte ich ein etwas längeres Gespräch mit meiner Mum.
Als mein Sohn noch kleiner war, etwa 5. Klasse, da sprach er viel mit sich selbst. Die von einer Lehrerin vermutete Schizophrenie bestätigte sich nicht: "Deutlichstes Merkmal der Schizophrenie ist, dass der Patient mit Menschen spricht, die gar nicht da sind, von denen er aber glaubt, dass sie da sind. Ihr Sohn jedoch hat in seinem Kopf eine eigene Welt aufgebaut, in derer sich die Figuren darin unterhalten. Das entspricht zum einen einer sehr großen Phantasie und Vorstellungskraft und zum anderen einem großen inneren Druck, von dem er sich in dieser Form freimacht."
Er besitzt die feinsten Antennen, die ich je an einem Menschen kennen gelernt habe; er spürt sofort, wer ihm "wohlgesonnen" ist und wer nicht - und zieht sich sofort innerlich entsprechend zurück. Verträumt ist er wie ich. Zurückhaltend am Anfang, so wie ich. Er wollte mir gar nicht glauben, dass ich damals, als ich mit 20 Jahren nach Sachsen kam, volle drei Monate mit keinem einzigen Kollegen auch nur ein einziges Wort sprach - weil ich mich das nicht traute. Bis eine etwa gleichaltrige Kollegin zu mir kam und mich ansprach: "Na sag mal, was bist du denn für eine?" Erst danach taute ich nach und nach auf. Weil man auf mich zugegangen war. 
Wiederum ein paar Jahre später bescheinigten mir meine Kollegen: "Deine Kinder haben dir gut getan. Du hast dich durch deine Kinder erst richtig entwickelt."
Heute kann sich keiner, der mich von damals nicht kennt, vorstellen, dass ich mal so ein Mäuschen war, das keinen Piep von sich gab.
Unsere Gesellschaft heute ist laut und schnell. Wer in diesem Strom nicht mitschwimmt, geht zumeist unter und ertrinkt - oder er findet einen Halm, an dem er sich festhalten kann.
Und ich frage mich: Müssen wir alle denn laut und schnell sein? Wollen wir niemandem mehr die Zeit lassen, anzukommen, sich zu entfalten, einander zuzuhören? Können wir keine Geduld und Gelassenheit mehr aufbringen, weil die Zeit heute eben eine andere ist? Time is Money?
In Blogs lese ich immer wieder mal "er/ sie denkt zu langsam, bewegt sich zu langsam, passt nicht".
Als ich Herrn Blau kennen lernte, wirkte er auf mich ziemlich angespannt und rastlos. Oft habe ich gesagt: "Lass doch mal los" und er antwortete: "Kann ich nicht, ich weiß nicht, wie das geht."
Im Grunde kann er es heute noch nicht, aber er ist spürbar gelassener geworden.

Ist eine Kindheit noch eine Kindheit, wenn wir mit 3 Jahren schon erste englische Begriffe lernen, in den Vorschulkindergarten gehen, ein Instrument spielen und tanzen oder singen lernen und die Freizeit so vollgepackt ist, dass bereits das Grundschulkind einen Kalender braucht?
Wie oft habe ich letztes Jahr bei Facebook Postings gelesen, in denen die Kindheit von früher vermisst wird. Dann denke ich an meine Brüder und mich. Als wir draußen herumtobten, auf Bäume kletterten, vom Rad stürzten oder in Jauchegruben fielen. Uns hat keiner gleich zum Logopäden oder Therapeuten geschickt und für alles, was irgendwie anders war, eine Diagnose gestellt. Man hat uns einfach Kind sein lassen, mehr oder weniger wild. Die Pubertät hat dann eh vieles reguliert, das nächste der erste Freund, die erste Freundin und das Leben den Rest.
Wir hatten die Zeit.

Ist mein Sohn Autist? Besitzt er autistische Züge? "Ich denke das nicht", sagte meine Mum, die meinen Sohn bis zur 6. Klasse jeden Sommer in den Ferien bei sich hatte. "Er ist nur sehr schüchtern, solange er denkt, dass er nicht dazugehört. Da kann man nicht drauf warten, dass er auf einen zukommt. Da muss man hingehen, auf ihn zugehen. Oder sich aber nicht darüber beklagen, dass er so still ist. Denke mal dran, wie du früher warst."
Ich habe es ja nicht vergessen.
Und ihre Worte bestätigten mein eigenes Bauchgefühl.
Bestätigten auch die Auseinandersetzungen, die Herr Blau und ich zuweilen führten und in denen ich ihm sagte, dass es einfach sei, eine Nuss zu knacken, die eh schon halb offen ist. Dass sich aber niemand die Mühe macht, auch eine geschlossene Nuss knacken zu wollen. Weil jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt sei. Und das sei es nun? Die Gesellschaft aus offenen oder halboffenen Nüssen - und der Rest geht auf die Halde?

Mir gings nicht so gut die Tage. Ich schlief schlecht und bei geringsten Anlässen brach der Juckreiz erneut aus. Ja, ich glaube, dagegen hilft letztlich auch kein Kokosöl. Seit Anfang Dezember habe ich schlappe 7 Kilo abgenommen, eine Erkrankung folgt der anderen, sei es Lunge, sei es Niere.
"Du musst zur Ruhe kommen", werde ich oft von mehreren Seiten gemahnt, und dann möchte ich mittlerweile am liebsten aufschreien "Ja dann lasst mich doch auch verdammt noch mal zur Ruhe kommen!"
Einen Tag ist es so, den nächsten Tag wieder anders.
Synapsenkoller vom Feinsten - der Kopf läuft auf Hochtouren. Kein Wunder irgendwie, dass ich total durcheinander träume und Herr Blau mich manchmal weckt, weil ich im Schlaf hyperventiliere oder weine.

Gestern Mittag musste ich im Nachhinein dann über mich lachen. Wie schnell ich mich auf eine Situation einstelle. Müde nach der Nacht und den letzten Auseinandersetzungen bzw. Diskussionen im Job. Müde nach dem Frühstück mit Sohn 2 und der Klärung der letzten Formalitäten, die wir noch zu erledigen haben, bevor er ab April übergangsweise zum Bund geht. Dann klingelt das Telefon und der Vermieter der Wohnung, die wir vergangenen Samstag besichtigten und die unser absoluter Favorit war, sagt zu mir: "Ich wollte Ihnen nur sagen, dass wir uns das durchaus mit Ihnen vorstellen könnten."
Ich geriet in Nullkommanix aus dem Häuschen! Gerade noch ruhig und still und maulfaul, sprudelte ich vollkommen über und so schnakten wir ungefähr zwanzig lustige Minuten lang, witzelten und redeten und er sagte: "Eigentlich will ich ja nur sicher sein, dass ich ordentliche Leute kriege, die nicht die AfD wählen" und beinah hätte ich auf meinen Blog verwiesen: "Lesens mal da und dort, da könnense ganz beruhigt sein" - hielt dann aber freilich trotz allem Überschwangs an mich.
Oder er erwähnte, dass der Vormieter gerne die Bäume vorm Haus deutlich beschnitten haben wollte, weil ihm das Licht fehle - während ich fast vom Stuhl fiel: "Lassen Sie die Bäume bloß wie sie sind! Es gibt doch eh schon viel zu wenig Grün in der Stadt!"
Und so können wir nun Ende April, Anfang Mai die Wohnung beziehen, die vor allem Herrn Blau's Kriterien entspricht: von der Lage, vom Preis und so weiter her. Das Zimmer für mich zum Arbeiten ist kleiner als gedacht, ein Ankleidezimmer gibts gleich gar nicht - aber die Wohnung selbst ist wirklich ein Schnuckel vor dem Herrn - und ich... ich war ja war Zeit meines Lebens kompromissbereit!
Jedenfalls machte ich mich so euphorisch auf Reisen, dass selbst der Krankenwagen mit Blaulicht mir Platz machte auf der Autobahn. (Ich glaube ja immer noch, dass das Auto dran schuld ist: Ich habe das gerade mal ein halbes Jahr - und schon diverse Strafzettel mit ordentlich Gebühren und auch einem Punkt einkassiert. Ist mir zuletzt 2003 so gegangen. Es muss einfach am Auto liegen!)

Und nun? Bin ich wieder hier in M, bin müde, still - aber der Juckreiz hat etwas nachgelassen. Dafür träumte ich letzte Nacht, Herr Blau hätte ein Wochenende mit einer anderen Frau verbracht - und fand das nicht mal schlimm. Während ich alle meine Sachen zusammensuchte und allein bei dem Gedanken, wie er in einer anderen Frau steckte, wahnsinnig wurde. Als ich heut Morgen durch seine Berührung erwachte, war ich so durcheinander, dass ich ihn beinah angefaucht hätte: "Nimm bloß deine Finger von mir!" - aber glücklicherweise realisierte ich rechtzeitig, dass ich eben nur wieder geträumt hatte.
Freut Ihr Euch auf das Wochenende? Ich mich auch!

Freitag, 4. März 2016

Girls just wanna have fun. Na gut. ICH will Spaß. Rätselspaß.

Gabs als Postkarte zu kaufen :)
Wenn ich noch eine Eigenschaft meiner Mum übernommen habe, dann ist es das Knobeln und Rätselraten. Es muss nur leicht und locker bleiben. Schnitzeljagden oder Rätsel über mehr als 5 Minuten öden mich an. Ist mir alles zu langwierig. (Und ja, das war schon immer so bei mir.) Vermutlich mag ich deshalb auch "Wer wird Millionär" oder Kreuzworträtsel oder sowas. Ich mag sogar Sudoku, wenns nicht zu aufwendig wird!

Vor kurzem erhob Frau Nana einen kleinen Wettbewerb.
Sie malt ein paar Karikaturen und wir dürfen raten, welches Sprichwort damit ausgedrückt wird.
Das erste war - mit Verlaub - so simpel, dass ich freilich viel zu spät kam und andere Leser die geknackte (waaahh!! Ich hatte fast das "n" vergessen!!) Nuss bereits verspeisten.
Beim zweiten lag ich falsch und beim dritten kam ich wieder Mal zu spät (passiert mir irgendwie öfter im Leben! Und ja, von Hunden gebissen wurde ich auch schon. Drecksköter)
Heute kam ihr der Gedanke, Preisverleihungen einzuführen. Der Gewinner bekommt ein eigenhändig gemaltes Porträt von ihr. Mal abgesehen davon, dass ich Deine Bilder wirklich sehr, sehr bewundere - aber ein Porträt von mir? Womöglich und am liebsten noch eins vom nach-dem-Aufstehen? Nix da mit süß verwuschelt und so! Morgens sehe ich tatsächlich verknittert, zerzaust und mindestens 100 Jahre alt aus. Die anschließenden Restaurationsarbeiten verzögern das Frühstück um mindestens eine Stunde *kreisch*

Jedenfalls... Ich persönlich rätsle auch dann gerne, wenn es nix zu gewinnen gibt. Einfach um des Spaßes willen. Dazu brauch ich nix außer ein bequemes Sofa, ein bisschen Schokolade - und das Rätsel. (Übrigens meinte Herr Blau heute morgen, dass mein.. äh.. Hautproblem vielleicht auch an den Süßigkeiten läge? Netter Versuch, Herr Blau.... Du bekommst meinen Osterhasen nicht, den ich mir erst noch kaufen werde. Mal abgesehen davon, dass ich tatsächlich weitaus weniger Süßes konsumiere als noch vor ein paar Jahren. Ernsthaft jetzt. Vielleicht leiden wir, meine Haut & ich, also eher unter Entzugserscheinungen? Nu ja.)
Und manchmal frage ich mich: Erhöhen Preise den Ehrgeiz, damit sich das Raten lohnt, und macht das ab einem bestimmten Level dann noch Spaß? Also solange man ein Einzelkämpfer á la eben "Wer wird Millionär" bleibt, macht es eben auch Spaß bis zum Ende. Aber sobald mehrere Menschen gegeneinander antreten... Da wirds manchmal richtig hässlich.
Ich schaue ja nun tatsächlich zum Entspannen oder wenns draußen kalt ist und/ oder regnet, Shopping Queen. Weil ich den Moderator tatsächlich mag, so wie er da rüberkommt. Witzig, charmant und mit kleinen "Aufziehern", die niemandem weh tun. Vier ganze Stunden lang müht sich die jeweilige Kandidatin, mit einem Outfit zum Thema einschließlich Frisur und Make up zu überzeugen und satte eintausend Euro abzustauben. So weit, so gut - eigentlich.  Wenn man dann aber am Ende den vier anderen zuhört, die einen mit Argusaugen betrachten, alles abscannen, wofür sie einen Punkt oder mehr abziehen können ("ICH will ja gewinnen, nicht sie soll gewinnen.") - dann vergehts mir oft.

Der einen isses zu wenig Klimbim an Ohren, Hals und Fingern. Hä? Weihnachten ist nur einmal im Jahr, man muss doch nicht aussehen wie ein Tannenbaum!
Der anderen passt der silberne Verschluss nicht zur vergoldeten Öse an den Schuhen. Wat? Fehlte nur noch, dass sich eine Manolo Blahniks kauft (na gut, dazu reicht der Einsatz von 500 Euro nicht, aber egal) und dann bemängelt wird, dass das Rot der Schuhsohle nicht zum Nagellack und/ oder Lippenstift passt?
Oft sind sich alle vier einig, dass alles da sein muss: Ohrschmuck, Fingerschmuck, Kette, Tasche, Strumpfhose. Auch ein neuer BH muss her, wenn man den vorblitzen oder gar durch die Bluse sehen kann.

Ähnlich, aber noch echt viel drastischer ging es bei den Bräuten ab, die mit ihrer Hochzeit um die Traumreise "kämpfen". Ja kämpfen. Wettstreit kannste das doch nicht mehr nennen.
Ich gestehe, auch das habe ich mal geguckt, wenn ich krank im Bett lag und mich müde und kraftlos durch die Programme zappte. Immer nur Krimis gucken geht ja schließlich nicht, sonst machste irgendwann dem Postboten die Tür auf und noch bevor der was sagen kann, schreiste den an: "Ich ruf die Polizei, wenn Sie mich noch weiter belästigen!"
Und die Bräute... Wie die Hyänen, echt jetzt, wie die Hyänen gehen die aufeinander los und bemängeln, was das Zeuch hält und dass kein Auge trocken bleibt. Der eigentlich schönste Tag (wieso ist das eigentlich der schönste? Ich finde so viele Tage richtig geil!) wird am Ende so niedergemacht und klein geredet, dass nicht selten Tränen des Frustes und der Enttäuschung flossen und gehässige Bemerkungen ausgestoßen wurden wie "Mir egal, ob ich gewinne, das wird hier sowieso nichts mehr. Aber DIE und DIE soll nicht gewinnen!" und dann reichen sie sich zum Schluss auch nicht mehr die Hand zur Gratulation oder zum Abschied oder so.

Ist es das, was man will? Wo war dann der Spaß? Was nimmt man aus solchen Wettkämpfen mit als Frust wegen dem bis zur Unkenntlichkeit zerfledderten Hochzeitstag bzw. dem tollen Outfit, für das man 500 Euro geschenkt bekam? Ist es das, was der "Preis" aus uns macht? Oder ist es das, dass Geld den Charakter nicht verdirbt, sondern erst wirklich zeigt?
Sowas will ich nicht.
Ich will Spaß.
Einfach nur Spaß haben und Freude an dem, was ich mache.
Und deshalb, liebe Nana, rätsel ich weiter gerne mit und verzichte großmütig auf ein Porträt. Ich komme ja sowieso eh immer zu spät!

Donnerstag, 3. März 2016

Birnenkuchen mit Lavendel

Nee, wer nach so einem Rezept sucht, is hier verkehrt. Hier gehts nämlich nicht ums Futtern!
Und dabei...
Ich hatte ja letztes Jahr Geburtstag. Das ist normal, haben wir alle jedes Jahr. Ich muss das aber betonen, weil mir eben zu jenem Geburtstag ein Kuchen versprochen wurde. Rote Grütze mit irgendwas. Nun bin ich ja tatsächlich ein Schleckermäulchen (habe übrigens mal gelesen, dass die Sucht nach Schokolade & Co. eigentlich den Wunsch nach Liebe ausdrückt. Nun ja. Ich lass das mal hier so stehen.) - und als meine Freundin mir letztes Jahr VOR meinem Geburtstag diesen Kuchen richtig schmackhaft gemacht hatte, so richtig in Farbe mit Bildern und so, da habe ich mir den gewünscht. Wohlgemerkt: letztes Jahr.
Ihr ahnt es? Genau. Ich vermute, die Zutaten dafür baut sie noch auf ihrer Terrasse an und melkt demnächst die Kuh für die Milch *kreisch*

Als sie mir also vor wenigen Tagen eine whatsapp schickte "Birnenkuchen mit Lavendel? Ab 10.03.?", da antwortete ich: "Hast du etwa einen neuen Lieblingskuchen? Ich will aber trotzdem den mit der Grütze!" Und sie schrieb: "Ha ha!"
Es stellte sich nämlich heraus: Birnenkuchen mit Lavendel IST JA GAR KEIN Kuchen - dat is n Film!



Und nachdem ich den Trailer gesehen hatte, wusste ich: Den Film schau ich mir auf jeden Fall mit ihr an. Ich mag so Typen wie den Protagonisten, von denen man zuweilen glaubt, sie kämen aus einer anderen Welt (was andersum betrachtet vielleicht auch hinkommt); die auf den ersten Blick etwas sonderbar erscheinen mögen - die aber dann, wenn man es zulässt, einen so wunderbaren, vielfältigen Blick auf das Leben zu lassen, dass man das Gefühl, die Arme auszubreiten und die Welt umarmen zu wollen, schier gar nicht mehr los wird.
Gut, ich habe den Film noch nicht gesehen und natürlich ist es eben nur ein Film. Ob sich ein Leben mit einem Mann wie ihm in Wahrheit auch so wunderbar gestalten würde wie ich mir das grad so vorstelle - oder ob die Realität nicht eher so aussähe, dass man genervt ist von allzu großer Genauigkeit, die vor allem Ungeduld bewirkt (ich bin echt unglaublich ungeduldig, ab und zu, fragt Herrn Blau; der weiß inzwischen gewisse zisssschhhh-Geräusche, die durch das Ziehen von Luft durch die Zähne verursacht werden, durchaus einzuordnen), das kann ich natürlich nicht sagen.
Fakt ist, wir werden diesen Film anschauen - und ich freu mich echt darauf!
Fakt ist, ich habe bald wieder Geburtstag. Ob ich dann zwei Kuchen bekomme? Ich vergesse nix, Frollein :)

Mittwoch, 2. März 2016

Be Together. Not The Same.


Wäre es denn nicht auch langweilig, wenn wir alle gleich wären? Was sollte uns dann inspirieren? Uns fordern? Uns entwickeln lassen?

Letzte Nacht bin ich gefragt worden, ob es denn überhaupt für mich OK sei, dass mir eine Bloggerin folgt, die sich thematisch mit dem von mir so kritisierten Mode-Beauty-Gedöns befasst.
Ich bin froh, dass sie mich gefragt hat - so konnte ich antworten, was ich tatsächlich gemeint hatte.
Und ich sags auch hier noch mal ganz offen: Anna, ich lese wirklich gern bei Dir, weil Du trotz "Mode-Beauty-Gedöns" viel von Deiner eigenen Persönlichkeit wiedergibst! Man erkennt Dich, ohne Dich zu kennen - und es gibt so einiges, zu dem Du mich inspiriert hast. Du lässt auch ohne Bild den Menschen dahinter erkennen - und heute Morgen, beim - mit Verlaub - Zähneputzen, als ich darüber nachdachte, was konkret ich an Deinem Blog mag, ist mir klar geworden, dass es das ist. Der Mensch hinter dem Blog.
Und nur, weil mich persönlich reine Mode-Beauty-Blogs z. B. nicht interessieren, heißt das natürlich nicht, dass sie deswegen schlechter wären. Das maße ich mir gar nicht an!! Es ist nur meine ganz ureigenste Einschätzung und Meinung. Wir alle, was wir hier tun, tun wir, weil WIR SELBER das mögen. Der eine mag es, jeden Tag sein Essen von vier Seiten zu fotografieren; der andere mag es, seine handgefertigten Artikel zu zeigen. Warum nicht?
Wens interessiert, der bleibt; wen nicht, der geht - so einfach ist das.

Und außerdem wäre es ja gelogen, wenn ich sage, dass mich Mode-Beauty-Gedöns nicht interessiert. Natürlich tut es das - ich bin doch eine Frau ;) Fragt mal Herrn Blau, wie der immer das Haar rauft, wenn in unserem Winzkorridor ein neues Päckchen steht und er rausfindet, dass das nicht für den Nachbarn ist. Warum wir unser ursprüngliches Vorhaben, eine 2,5- oder 3-Zimmer-Wohnung zu suchen, nunmehr.. äh.. erweitert haben auf mindestens 3,5 Zimmer. Für zwei Erwachsene... Doch, das nenne ich wirklich Luxus, nicht nur angesichts der Mietpreise. Jedenfalls habe ich mich komplett quergelegt, als er eine 2,5 Zimmerwohnung fand und wir im Grundriss sahen, dass das halbe Zimmer gerade mal 1,irgendwas mal 1 m maß. Hallo? Wenn ich nackig drin steh, ist das "Zimmer" schon vollgestellt! Wo bitte finde ich dann Platz für die Kleider und Blusen, von denen mich jetzt schon nervt, dass aus Platzgründen drei - vier auf einem Bügel hängen und ich jedesmal erst bügeln muss, bevor ich was anziehen kann, das ich aus dem Schrank hole?? Und wie war das mit "extra Arbeitszimmer" und "Schlafstatt für Gäste"? Da war mir doch sowas von egal, dass die Wohnung gleich hier umme Ecke war und wir somit unsere beiden Tiefgaragenplätze behalten könnten. Also bei der Beschneidung von Frau Ziggenheimers Präferenzen hört der Spaß dann schon mal auf!
Annas Blog und auch das Rumstöbern in der Elle online hatten mich übrigens auch mal dahingehend inspiriert, mir gleich ein Kiloglas Kokosöl zu kaufen. Ich weiß, es ist Winter, da ist die Haut eh trockener als sonst. Aber auf die Heizungsluft kann man das hier im blauen Ziggenhaus nicht schieben! Der sehr kostenbewusste Herr Blau dreht jeden Abend sorgfältig die Heizung auf Sternchen - und Frau Ziggenheimer mit der Mentalität eines Schmetterlings vergisst zuverlässig jeden Morgen, den Knauf wenigstens auf 2 oder 2,5 zu stellen. Wundert sich zwar tagsüber ab und zu, dass "irgendwie eisige Stimmung im Hause" ist.
Jedenfalls - aktuell könnte ich phasenweise schier wahnsinnig werden, weil meine Haut so trocken ist wie echt noch nie (wagt es ja nicht, an gewisse Alterserscheinungen zu erinnern!) und ich in meiner Verzweiflung von reinen Naturprodukten (Quark mit Ei und Öl oder Avocado mit Öl oder zu Mehl verarbeitete Rügenkreide *schmacht*) nunmehr bei eben dem Öl angelangt bin. Also Fakt ist: Der Juckreiz lässt sofort nach dem Auftragen nach. Ich bin auch super begeistert davon, dass das Öl ja gar kein Öl im herkömmlichen Sinne ist, sondern ein fester weißer Klumpen, der aber allein bei der Handwärme sofort schmilzt. Hachz! Da bekommt der Ausdruck "Er/sie/es ist wie Wachs in ihren Händen" ja eine ganz neue Bedeutung! Aber entweder bin ich zu ungeduldig oder aber ich bin inzwischen schon so staubtrocken, dass ich vermutlich noch in 100 Jahren Kokosöl auftrage und auf geschmeidig zarte Haut ohne Juckreiz warte, während hingegen Herr Blau allein beim Versuch, mir körperlich nahe zu kommen, mit dem Würgereiz kämpft, weil der Kokos nun mal nicht ausstehen kann. Juckreiz vs. Würgereiz - was glaubt Ihr wohl, was gewinnt? *muhahhaa*
Als ich jedenfalls dann noch irgendwo las, dass Kokosöl das stärkste natürliche Antibiotikum sei und damit auch sehr wirkungsvoll gegen zum Beispiel die Gelenkschmerzen, ja da gab es dann gar kein Halten mehr. Habe mir diese Paste  empfehlungsgemäß auch mal aufs Brot geschmiert und festgestellt: Kann man essen! Is nix für nen Gourmet, aber das is mir genauso wurscht wie Herrn Blaus angewidertes Gesicht: "Jetzt ISST du das Zeug wohl auch noch?"
Manchmal, wenn wir unterwegs sind, dann bezahlt er mal was für mich mit oder ich für ihn und wenn wir uns das Geld dann überweisen, schreiben wir in den Betreff dann meist so Sachen: "...aber der Sex war gut!" oder "Für die Lederpeitsche" etc. Meine letzte entsprechende Betreffzeile "Für den Shopping King" war insofern ungewohnt brav, woraufhin er fragte: "Müsste es nicht wenigstens Shopping Princess geheißen haben?" und ich riss enthusiastisch die Augen auf: "Princess? Noch keine Queen? OK, DARAN kann ich noch arbeiten!"

Ihr seht also... Natürlich bin ich auch nur eine Frau, die gerne mal was einkauft, genauso gerne in Stricksocken auf dem Sofa lümmelt und sich wahlweise Shopping Queen oder ihre Möchtegernkrimis  reinzieht, die auch nicht jeden Tag in die Tiefe gehen kann und will und genauso gerne auch mal oberflächlich ist. Die genauso wie jede andere Frau selbst vor dem schnöden Einkauf oder Besuch beim Bäcker Make Up oder wenigstens die Lesebrille aufsetzt (und so ihre Augenringe kaschiert) und so tut, als seis ne Tagesbrille bzw. vorm Schrank steht und die Schultern hebt: "Irgendwie passt das grad alles nicht." Zur Stimmung zum Beispiel oder zum Wetter. Mir ist aktuell dem Schneefall zum Trotz so sehr nach Frühling, dass ich am liebsten schon Sommerkleidchen & Co. rausholen möchte. Was ich - ehrlicherweise - auch schon tat und nun steh ich da mit mal wieder ohne Stimme und Medizin morgens-mittags-abends. Immerhin habe ich mir Petrus zum Trotz letzte Woche zwei Paar Sandalen gekauft. Von denen weiß Herr Blau noch nix. Das Gute bei solchen Sandalen ist ja, dass die nicht viel Platz brauchen und sich super zwischen zwei wirklich schon lange vorhandene andere Schuhe schieben lassen. Und wenn ich die dann tatsächlich endlich mal anziehen kann, wird Herr Blau wieder die Augenbrauen hochziehen: "Schon wieder Schuhe? Aber du hast doch solche schon!" und ich werde sagen: "Ach Herzl, die habe ich doch schon sooo lange" - und das ist - in Frauenzeit gerechnet - dann noch nicht mal gelogen!