Freitag, 20. Mai 2016

"Es könnt' alles so einfach sein - ist es aber nicht!"

...sangen ja schon die Fantastischen Vier - und das war so'n Spruch, der mir heute durch den Kopf ging, als ich mich - nicht zuletzt eben durch den gesehenen Film "Frauenherzen" - erinnerte, dass ich da ja auch noch auf dem Amt einen Reisepass zu liegen hatte, der noch immer auf seine Abholung wartete. Nachdem das mit der Indienreise im Februar nicht mehr geklappt hatte und die nunmehr fix geplante und gebuchte Reise noch auf sich warten lässt, hatte ich ja auch keine Eile mehr damit.

Heute nun habe ich mir ab Mittag frei genommen (manchmal zahlt es sich eben doch aus, mehr als genug Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto zu haben), um ein paar Besorgungen zu erledigen - und eben diesen Reisepass mit abzuholen. Ich Naivling dachte ja allen Ernstes, ich hätte ne gute Zeit abgepasst - gewöhnlicher Wochentag so kurz nach dem Mittag, wird sicherlich nicht sooooo wild, aber was mich dann heute dort erwartete, verschlug dann selbst mir den Atem. Das allerdings nicht zuletzt auch der schlechten, abgestandenen Luft wegen. Dass ich mir zwischendurch einen heißen Kaffee vom Serviermädchen geben ließ, habe ich relativ schnell bereut. Kaffee treibt! Und wer einmal auf so einem Klo eines Verwaltungsamtes gewesen war, der weiß: NIE NIE NIE WIEDER - solange es nicht wirklich und unbedingt sein muss!
Aber ich war trotz all der Wartezeit super entspannt - nicht zuletzt auch wegen einem Spiel, das ich mir gerade erst aufs Handy geladen hatte: Mahjong. Spiele ich phasenweise so gern, dass ich Abende und halbe Nächte lang nicht davon wegzubringen bin. Blöd war nur, dass ich vergessen hatte, die Brille einzupacken. Es ist ja einfach alles sooo klein auf so nem kleineren Display - aber mich mit iPad irgendwo hinzusetzen, fände ich auch scheiße. Wenigstens aber hatte ich schon mal die Sonnenbrille dabei - an einem hoffnungslos verregneten Tag! Ja ich weiß, manchmal bin ich sowas von verpeilt, dass ich froh sein kann, wenn ich abends noch weiß, wie ich eigentlich heiße :)

Jedenfalls, als tatsächlich nach gut drei Stunden der Zähler auf die Nummer 296 klackte, nämlich meine, da sprang ich frohgemut auf und stürmte mit wehenden Haaren zur erlösenden Tür Nummer Drei. Nur um hinter dieser Tür gesagt zu bekommen: "Haben Sie jetzt echt drei Stunden gewartet?"
"Na freilich. Pass abholen ist ja leider nix, das man online erledigen kann", grinste ich breit und deutete auf das entsprechende Hinweisplakat.
"Das stimmt zwar, aber den Pass bekommen Sie nicht bei mir. Da müssen Sie zur Passausgabestelle."
"Ach so? Ist die wenigstens hier im Haus?"
"Ja, das schon - aber die haben jetzt geschlossen!"
WAAAAAAHHHH!
Da sitzt man sich drei Stunden lang den Allerwertesten breit, spielt in aller Seelenruhe eine Runde Mahjong nach der anderen, telefoniert sich nen Ast, um die Zeit rumzukriegen - und nebenan fallen inzwischen die Rollos.
Das nennt man dann wohl ganz blöde gelaufen.
"OK, nicht zu ändern", sagte ich, "aber dann will ich hier wenigstens noch mal aufs Klo."
Bis nach Hause hätte ich es nämlich nicht mehr unfallfrei geschafft, soviel war mal klar.
Und dort vor der WC-Tür begegnete mir eine fein gekleidete, adrette Frau, die mit mir und ihrer Freundin im Wartebereich geduldig ausgeharrt hatte - und die wedelte stolz mit ihrem frischen Pass vor meiner Nase.
"Na? Auch endlich geschafft?" schrie die mich fröhlich an.
"Ich BIN geschafft, ja, leider erfolglos."
"Echt? Erfolglos?"
"Joar. Habe nicht gewusst, dass ich meinen Pass woanders abholen muss und als ich das erfuhr, hatte der Schalter leider schon geschlossen. Na ja, dachte ich mir, gehste hier wenigstens noch mal fix aufs Klo."
"Recht hamse!" schrie die wieder fröhlich, "scheißen Se denen das Klo ruhig richtig zu!"
Ups.
So ne feine Frau war sie dann wohl doch nicht - aber irgendwie hatte sie trotzdem recht, fand ich.
Ich konnte nur nicht!  Es ging einfach nix! Aber nu ja - 's Läbbe is hart, sagt ja immer schon die Hessen-Waage. So hart wie meine Muskulatur, die sich verschreckt zusammengezogen hatte beim Anblick, der sich mir hinter der Tür bot - und nix mehr hergab. Bin ich halt wieder gegangen. Ergebnislos. Sowohl als auch.
Wäre ja sonst alles auch viel zu einfach gewesen! Isses aber eben nich.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Irgendwas ist ja immer!

Manchmal, wenn wir unterwegs sind, dann murrt Herr Blau. Sagt so Sachen wie: "Wooarr ey, der zieht dich ja fast aus mit Blicken" oder "Hat der jetzt genug geguckt?"
Wenn ich dann frage, von wem er eigentlich spricht, fragt er mich: "Na merkst du denn gar nicht, wie die dich anstarren?"
Um ehrlich zu sein: Nein.
Ich merke so etwas tatsächlich nicht.
Vermutlich muss mir jemand erst die Kaffeetasse umreißen oder mir in den Einkaufswagen fallen, um auf sich aufmerksam zu machen, aber selbst dann würde ich als erstes denken: "Die arme Sau, der ist ja genauso schusslig wie ich!"
Oder ich denke: "Oh Gott, ich hab irgendwas im Haar hängen" oder "Habe ich was zwischen den Zähnen??" oder sowas in der Art.

Es ist ja so dieses Ding mit der Eigenwahrnehmung. Solange es um andere Menschen geht, sind meine Antennen tatsächlich ausgesprochen fein und sensibel, registriere ich kleinste Schwingungen, egal, ob positiv oder negativ - und liege zumeist auch richtig. Sobald es aber um mich geht, mutiere ich zur Frau mit der rekordverdächtig längsten Leitung der Welt. Das war schon immer so - und das ist mir letztlich auch nicht nur einmal auf die Füße gefallen.

Gestern Abend habe ich gleich drei Dinge auf einmal erledigt: Paket wegbringen, eine Jeans zum Schneider bringen und Milch einkaufen. Milch ist lebensnotwendig, denn gibt es keine Milch, gibt es für mich keinen Kaffee - und ohne Kraftstoff schließlich kein Motorbetrieb!
Nun war es ja gestern recht warm - also entschied ich mich für einen bodenlangen Rock (war übrigens Premiere für das Teil) aus sehr feinem Stoff, ein ärmelloses Shirt, Jeansjacke drauf - fertig. Ich fand das bequem und schön, aber jetzt auch nicht wirklich spektakulär. Dennoch registrierte ich gestern, wie mir die Blicke folgten. Nicht nur von Männern.
Ich registrierte es beim Schneider, beim Vorbeigehen am Coffee-Shop, beim Döner-Mann, der mein Paket entgegennahm - und schlussendlich im Supermarkt.
Doch, das ist schon ein schönes Gefühl, auch wenn es mich zunächst immer erst mal verunsichert.

Zurück im Haus, genauer gesagt, im Lift, in dem sich ein übergroßer Spiegel befindet (warum eigentlich gibt es in so vielen Aufzügen einen Spiegel?) brach ich dann in herzhaftes Lachen aus:
Der sehr feine Rock ist wirklich sehr fein. So fein, dass er sich dank elektrischer Aufladung an meine komplette Hinterfront geschmiegt hatte - wie eine zweite Haut!
Das war ja sowas von klar!


Mittwoch, 18. Mai 2016

Singledingeling

Gestern Abend lief da so ein Film im TV, über den ich eher zufällig beim Herumzappen fiel.
Vier Frauen in einer Großstadt, vier Frauen, vier Schicksale - alles aber deutlich angehaucht von der sommerlichen Leichtigkeit und einer entsprechenden Erzählweise. Ich blieb zwar hängen, aber...

Ich meine, wie realistisch ist das, dass eine alleinerziehende junge Frau ihren Job schmeißt, bloß weil ihr Chef ein Arsch ist? Hand aufs Herz: Wie oft haben wir alle doch schon mal heimlich davon geträumt, uns vor dem Chef aufzubauen, all den Frust und die Schmach der vergangenen Jahre ins Gesicht zu schleudern und einen Abgang hinzulegen, der wie geschaffen wäre für den nächsten Kinokracher? Und wie oft haben in der Realität unsere Backenzähne ihre Eckpfeiler verloren, weil wir so bemüht waren mit Aufeinanderbeißen, damit bloß kein falsches Wort über die Lippen rutscht? Weil eins mal Fakt ist: Der Job bzw. das Einkommen daraus sichert uns das Auskommen. Vor allem dann, wenn wir alleinerziehend sind und die Väter über leere Geldbörsen jammern, während sie sich das dritte neue Auto kaufen - oder gleich wiederholt und nachdrücklich die Drohung in den Raum werfen: "Kommst du mir mit Alimenten, hab ich nichts mehr zu verlieren. Aber dann überlebst du das nicht." (Eigenerfahrung) Da schmeißt man keinen Job hin ohne Alternative.
Es ist (leider!) auch unrealistisch, dass der ebenso junge wie smarte Nachbar vom Balkon nebenan Gefallen an eben dieser Alleinerziehenden findet. Heutzutage muss doch alles federleicht und rosarot bleiben, schon beim geringsten Hauch von Verbindlichkeit verfällt die Männlichkeit nur allzu gern in das große MiMiMi der ach so großen Beziehungsunfähigkeit. Eigener und auch bei anderen betrachteter Erfahrungswerte zufolge nach rund 8 Jahren Online-Single-Börsen. Und nein - aus mir ist keine Männerhasserin geworden - im Gegenteil, und außerdem lebe ich seit 1,5 Jahren mit einem solchen Exemplar zusammen - und das auch noch freiwillig.

Und wie realistisch ist es, dass eine Ehefrau und Mutter das gemeinsame Haus verkauft auf den bloßen Verdacht hin, dass der Mann fremdgeht? Bloß weil er keinen Bock auf Sex mehr hat, erst nach drei Tagen feststellt, dass sie beim Friesemeister war und anruft, dass es am Abend später würde (blöder Job, ja, nee, keine Mittagspause, bin gaar nicht rausgekommen - und dann sieht sie ihn mit einer Frau auf der Straße). Klar - da hätte auch ich den naheliegendsten Verdacht im Kopf - aber ich hätte doch nicht niemals im Stillen gehadert und heimlich den Verkauf des Hauses eingeleitet?
Ich meine, verkaufen kann man doch immer noch - erst mal aber hätte ich ganz gepflegt den Mann auseinandergenommen. Nudelholz ist ja heute sowas von out - aber sich selbst im stillen Kämmerlein zerfleischen? Näää! Das hier aufgezeigte allgemeine Problem, nämlich das der mangelnden Kommunikation, sollte hier wohl nur auf spielerische Weise erzählt werden - immerhin war ja Sommer in der Stadt und auch ganz offensichtlich, dass Mama & Papa sich immer noch lieben. Wenn das nämlich vorbei ist, dann hilft auch kein Reden mehr. Außer fürs Schlusswort.

Ein bisschen verschluckt habe ich mich, dass die dritte Frau - die einzige in diesem Film übrigens mit etwas mehr auf den Hüften - vor einem Lokal jemandem begegnet, auf den sie erst umsonst beim ersten Date wartet, der aber zur Entschuldigung am Tag darauf einen selbstgebackenen Kuchen mitbringt und ihr zu verstehen gibt, wie attraktiv und liebenswert er sie findet. Nähere Bekanntschaft sehr gern! Verschluckt habe ich mich deshalb, weil... Der Typ war blind! Was sollte mir diese Szenerie sagen? Dass nur ein Nichtsehender eine dicke Frau schön und begehrenswert finden kann? Weil er nämlich dann gar keine andere Wahl hat, als sich auf ihre inneren Werte zu konzentrieren? Oder soll es eher diesen Fingerzeig darstellen, dass wir uns eben zu oft von Äußerlichkeiten leiten lassen, anstatt uns Zeit für den Menschen dahinter zu nehmen? Zeit, ihn näher kennenzulernen? Zeit, ihn mit anderen Augen zu betrachten und uns damit Zeit für das Wesentliche zu nehmen? Hm. Kann auch sein, ich hab das an dieser Stelle mal wieder zu ernst genommen.
Insgesamt wars mir trotzdem bisschen zuviel Zuckerguss mit ner Prise Rizinus - so für meinen Geschmack. So im Nachhinein.

Am meisten ins Grübeln kam ich bei der vierten Protagonistin. Die mit ihrem kleinen Lädchen, vor dem eines Tages ein smarter Typ mit Gitarre sitzt - und den sie mal eben einfach so mit nach Hause nimmt, nur um ihn nach.. äh.. getaner Arbeit erst aus dem Bett und dann aus ihrem Leben zu schmeißen. Und der Typ gibt nicht auf! Der steht wieder vorm Laden - und will reden! REDEN! Hä? Seit wann will ein Mann, der uns nicht mal kennt (nein, eine Nacht rumvögeln zähle ich nicht zum Kennenlernen, immerhin wird da viel zu wenig von sich gezeigt, egal, wie nackt man ist), reden und auch noch verstehen??
Wooaarr!
Das ist mir in keiner Szenerie meines Single-Lebens passiert. Auch in keiner, die ich von anderen kenne.
Na ja gut fast. Da war mal einer, den kannte ich vierzehn Tage inklusive eines gemeinsamen Wochenendes. Danach war mir klar: Das ist leider kein Mann für mich. Interessant für mich war dabei, dass es hier tatsächlich nicht daran lag, dass er - Stichwort Äußerlichkeiten! - zum Beispiel schlappe 6 Zentimeter kleiner war als ich (ich dachte ja immer, dass ich genau damit nicht würde umgehen können) - sondern dies tatsächlich in seinem Wesen begründet lag. Verschiedene seiner Äußerungen, die ich irgendwie wiedererkannte. Von denen ich wusste: Das würde ein unterdrücktes Leben ohne Freiraum. Nee danke - da war ich ja gerade erst raus. Als ich dann noch bemerkte, wie er vor dem Spiegel stand und das Spiel seiner Oberarmmuskeln betrachtete, da war der Würfel endgültig gefallen. Sorry Jungs, aber das geht echt gar nicht. Dieser junge Mann aber hat damals wirklich gekämpft, das muss ich ihm lassen. Ähnlich dem Typen von gestern Abend aus dem Film. Der kannte mich kaum und kämpfte trotzdem. Aber ist das nun trotz allem Realität?
Ich bin schon lange aus den Singlebörsen raus - aber wenn ich an die hauptsächlichen Erfahrungen denke und an die, die Freundinnen oder Bekannte mit Männern machten, dann tue ich mich sehr schwer damit, dies Realität zu nennen. Dann ist so eine Filmsequenz doch eher Zuckerwattezuckergusswolke. Und ich finde das schade! Es gibt immer wieder Momente, in denen ich an mir oder anderen feststelle, wie kaputt wir Menschen sind, wie kaputt wir uns gemacht haben - und wie viel wir uns selber damit nehmen.

Insgesamt hat der Film aber gereicht, ihn mit ins Bett und in die Träume zu nehmen. Was DA abging, das finden Sie in keinem Traumdeutungsbuch! Brauchte ich aber auch nicht - war alles eindeutig genug :)
Interessanterweise befühlte Herr Blau heut morgen erst meine Arme, dann mein Gesicht und fragte, ob alles OK mit mir sei. Äh.. Ja? Wie es halt so okay ist, wenn man ausm Tiefschlaf gerissen wird und so fragte ich gähnend nach: "Wasn los?"
"Na nix, aber du lagst noch genauso da wie du dich gestern Abend hingelegt hast."
Hatte er geglaubt, ich hätte mich des Nächtens ins ewige Nirvana hinübergeschlafen?
Da konnte er ganz unbesorgt sein, ich war müde, aber lebendig :) Nur schade, dass die Träume aus waren!

Heute Mittag las ich übrigens, dass das gestern offenbar kein Film, sondern Teil einer Serie gewesen sein soll, nur mit teilweise anderen Darstellern. "Frauenherzen" - was überhaupt fürn Schwachsinnstitel. Aber wenn da noch mal was kommt, schaue ich weiter. Warum nicht doch ein bisschen zuckersüße Illusion im Alltag? So ab und zu? Das ist wie Kaffee ohne Zucker. Kann man so machen - muss man aber nicht. Immerhin trinke ich meinen Kaffee fast immer ohne Zucker, aber manchmal eben auch mit. Ist wohl so tagesformabhängig. Habe ja auch erst vor ner Weile gelesen, dass der Drang nach Süßem eigentlich nur die Sehnsucht nach Liebe widerspiegeln soll. Na dann!

Montag, 16. Mai 2016

Gleiches Recht für alle!

Letztens habe ich mir einen Badeanzug gekauft. Herr Blau war übrigens beim Shopping dabei. Etwas, das ich übrigens so schnell nicht wiederholen möchte. Also das Shopping schon - nur nicht gemeinsam. Alles verläuft ausgesprochen friedlicher, wenn jeder für sich bleibt: Er ist einfach zu ungeduldig und zu schnell genervt, dass samstags auch alle anderen Leute bummeln wollen.
Und dabei bin ich nicht mal das, was man einen Powershopper nennt! Aber wenn man auf der Suche nach was ganz Bestimmtem ist, es in der Stadt drei oder vier Filialen gibt - dann will ich die verdammt noch mal auch besuchen! Immerhin bekam ich in allen Filialen eine Rabattkarte zugesteckt - leider werden die wohl ergebnislos verfallen, denn den Artikel habe ich mir schlussendlich im Onlineshop erstehen müssen. Und einfach nur was einkaufen, bloß damit man Rabattkarten einsetzen kann? Pffff. Nö. Ich habe ja sonst alles, stöhnt jedenfalls Herr Blau, wenn er den Kleiderschrank öffnet. Interessant, dass ich trotzdem oft nicht weiß, was ich anziehen soll?

Jedenfalls habe ich den Badeanzug heute das erste Mal ausgeführt. Dass dieser über einen recht tiefen Ausschnitt verfügt, wusste Herr Blau - und als ich ihn dennoch kaufte, murrte er: "Okay, dann schneide ich in meine Badeshorts ein Loch und lasse ihn raushängen. Gleiches Recht für alle!"
In meinem Kopf startete spontan ein derart köstliches Kopfkino, dass mich die GEZ glatt zur Gebührenzahlung aufgefordert hätte!
"Ich nähe den Ausschnitt ein Stück zu", besänftigte ich ihn - freilich habe ich diese heroische Tat natürlich.. äh.. vergessen! Mal abgesehen davon, dass das Teil dann auch zu so nem Oma-Ding verkommen wäre - also nee, das wird niemals nicht zugenäht, auch nicht mal einen Zentimeter.
Als wir also heute in der Umkleide einer Sole-Therme in Bad Irgendwas standen und der Blick von Herrn Blau auf den Ausschnitt fiel, da ließ er ohne ein Wort seine Shorts ein Stück rutschen, weit genug, um - na Sie wissen schon!
"Zieh sie lieber wieder hoch", kicherte ich, "sonst schaffen wir das nie hier raus!"

Hach, das war Spaß heute! Also weniger der Badesachen wegen - sondern einfach nur das ausgelassene Toben im Wasser. Oder besser gesagt: im dortigen Strömungskanal.
Jagen, schwimmen, tauchen, im Duett schwimmen - da kann man schon mal wieder Kind sein! Ich glaube auch, dass wir dort eindeutig mehr Spaß hatten als die meisten anderen, die mit Ruhe und Besinnlichkeit ihre Bahnen zogen oder mit ihren Hilfsmitteln durch den Strömungskanal tippelten.
Was dann nach gut zwei Stunden eben auch zur Folge hatten, dass wir heimfuhren, uns auf das Sofa legten - und einschliefen.
Sagte ich schon, dass ich freie Tage liebe? Ich hätte gerne noch einen davon!

Die Pinguin Party

(c) Penguin Foundation, Spotlight & AAT Kings, gefunden auf stern.de

Als wir vor einigen Wochen die Einladung zur Hochzeit meines Bruders erhielten, fiel mir spontan der Witz über den Pinguin ein:

"Ein Pinguin zum Fotografen: Ich hätte gerne ein paar Passbilder!
Fotograf: schwarz-weiß oder in Farbe?
Pinguin: paar aufs Maul?" 

Das Hochzeitspaar ist nun zwar kein Fan von Pinguinen - aber sie mögen keine Farben außer Schwarz und Weiß. Dementsprechend sind auf ihrer Hochzeit auch keine anderen Farben erwünscht außer diesen beiden - und es ist auch den Frauen gestattet, in Weiß zu erscheinen.
Herr Blau und ich haben heute also eine private Kostümparty veranstaltet - mit dem Ergebnis, dass wir uns nicht recht entscheiden können. Zwar war bei ihm von vornherein klar: schwarzer Anzug, weißes Hemd  - aber allein von der Schnittführung her gibts ja inzwischen auch bei einem weißen Hemd so viele Auswahlmöglichkeiten.
Sehr amüsiert habe ich mich allerdings bei seinen Krawatten, die ich - meine ich jedenfalls - bislang noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Und ich hoffe, das bleibt auch so! Ich wüsste jedenfalls nicht, wann mir je eine dunkelblaue Krawatte mit Tier- oder Blumenmotiven oder auch pinkfarbenen Punkten gefallen hätte.
Nun hatte ich selber ja auch was kleines Schwarzes auf dem Programm.
Nur... Ich dachte ja, wir werden gemeinsam auf eine Hochzeit gehen - nicht auf eine Beerdigung?
Also habe auch ich ein paar Varianten in weiß vorgeführt und alle möglichen vorbereitet.
Alle möglichen schwarz-weißen Varianten.
Dass Herrn Blau alle Varianten ausgesprochen gut gefielen, konnte er mir kaum besser zeigen als in einer einzigen Variante... ;)

Ich bin jedenfalls gespannt auf diese Party! Lets rock!
Am meisten gespannt bin ich auf die Fotos! Ich kann sie ja dann mal mitbringen :)



Sonntag, 15. Mai 2016

Ein ganzes halbes Jahr - jetzt gibts das ja auch als Film!



Es gibt nicht viele Bücher, von denen ich sage, dass ich sie liebe.
Das Buch zu diesem Film bekam ich im letzten Jahr geschenkt - und es gehört zu einem dieser wenigen Bücher. Wohl nicht zuletzt, weil mich Emilia Clarke so sehr an mich erinnert... an ein früheres Ich...

Dass es jetzt auch den Film dazu gibt, wusste ich nicht - hätte sich Herr Blau ja auch als Überraschung aufheben können. Hat er aber nicht - und nun freue ich mich sehr auf diesen Kinobesuch in einem uralten Plüschkino mit breiten, weichen Sesseln und vermutlich einem Big Pack Taschentücher dabei.
Ein Frauenbuch, ein Frauenfilm - dass er sich das trotzdem mir zuliebe antun wird, rechne ich ihm allerhöchst an!

Ich hoffe sehr, dass dieser Film hält, was das Buch versprach - ich werde berichten!

Dienstag, 10. Mai 2016

Zahlen und Fakten


Wow.
400.000 Klicks.
Vier-hun-dert-tausend.
Für den einen ist das nix.
Für mich aber ist das ein Anlass, mir flugs einen frischen Kaffee zuzubereiten und der Welt da draußen zuzuprosten mit einem herzlichen, ehrlichen DANKE an all die Leser, die mich dann und wann oder gar treu von der ersten Stunde an (hallo Hessen :)) begleiten.
Und hier mal noch eine Antwort an Anonym: Natürlich verstehe ich Dich und finde Deine Einstellung auch ehrlich in Ordnung! Es ist ja wie es ist! Immer nur Tiefgang (oder wie Du es sagtest: Herzenssachen) sind auf Dauer anstrengend, das hat mich auch ein paar Liebhaber gekostet *ha ha*.
Andererseits bin ich eben so, mal so, mal so, mal tiefer, mal mehr an der Oberfläche. Immer nur das eine kann ich eben doch nicht und immer nur den Clown machen wäre dann auch nicht ich ;)

Jedenfalls bin ich wirklich beeindruckt, dankbar und irgendwie sogar gerührt. Und vermutlich wird die 400.000 klacken, während ich gerade dabei bin, rund vierhundertdreißig Kilometer zu überwinden, was sich diesmal nicht ganz so einfach gestalten wird, denn Herr Blau begleitet mich. Also ich meine, ich habe ihn ja schon wirklich gern, ich schwörs, aber verreisen SIE als Kaffee-und-vor-allem-Musik-Junkie mal mit einem Tinnitus-Patienten!

Vor kurzem las ich übrigens einen Post über ein Bloggertreffen, wonach die Frage gestellt wurde, wie man sich denn erkannt hätte, ob mit Namensschildchen oder so.
Das wiederum erinnerte mich an mein allererstes Klassentreffen nach - ich glaube - zwanzig Jahren. Natürlich macht man sich da im Vorfeld so seine Gedanken: "Erkennen wir uns wieder? Werden wir großartig rätseln, wer wer ist oder sieht man das sofort?"
Und - Hand auf mein Herz - natürlich habe ich mir das so vorgestellt: dass mich keine Sau erkennt. Dass jeder rätselt: "Wer war denn DAS noch gleich?" Auftritt einer großen Unbekannten sozusagen, ha ha!
Also wenigstens von meinen Grundschullehrerinnen hatte ich mir das erhofft!
Und wie war die Realität?
Ich betrete den Raum, gebe der Lehrerin die Hand und sage: "Ich bin übrigens die Helma."
"Joa, hab ich doch gleich gesehen", war die lakonische, arschtrockene Antwort.
Nun ja.
Dann musste ich mich auch nicht verstellen.
Dann konnte ich mich auch gleich so geben wie ich immer war: hinsetzen, Kaffee aufn Tisch und erst mal Kuchen essen!

Samstag, 7. Mai 2016

Die Sonnenanbeterin


...ist eigentlich ne Heuschreckenart, weiß ich. Nachgelesen habe ich aber erst jüngst, dass das Weibchen das Männchen während (!) oder direkt nach der Paarung frisst.
Huch.
Da bekommt die Wortwendung "Ich hab dich zum Fressen gern" ja gleich ne ganz neue Bedeutung! :)
Manchmal fressen die die Männchen auch schon vor der Paarung, doch das finde ich persönlich ziemlich kontraproduktiv. Aber na ja, wir Menschen machen ja auch genug Blödsinn.

Die letzten beiden Tage - ist das nicht irre? Letzte Woche noch hats geschneit - und jetzt laufen wir hemdsärmlig oder gleich ohne Ärmel durch die Straßen, die nackten Füße in Sandalen - und es ist fast immer noch zuviel an Kleidchen.
In all den Freisitzen der Stadt gibt es kaum freie Plätze, am Fluss tummeln sich all die anderen Sonnenanbeter und selbst draußen auf dem Land, ein ganzes Stück weit raus aus der Stadt, mitten im Wald, war es nicht halb so kühl wie befürchtet.
Woaarrr!
What a Wetterchen!

Da macht sogar das Besichtigen von Wohnungen Spaß, von denen wir dank des modrigen Geruchs, der uns bereits mit dem Öffnen der Haustür entgegenschlug bereits wussten: Das wird wohl nix.
Altbau ist eben Altbau - und ich wollte ja immer Altbau. Muss ich also wohl mit gewissen Konsequenzen leben. Wenn aber der Eigentümer den Keller aber nicht mal erst zeigen will, nu ja, das gibt dann schon zu denken. Entweder kommen wir für ihn schon gar nicht erst in Frage (trotz der 1 a ausgefüllten Selbstauskunft) - oder er befürchtete, dass wir vom etwaigen Mietvertrag zurücktreten, bloß WEIL wir den Keller gesehen haben.
Erst im Nachhinein ging mir auf, dass wir dem Eigentümer vermutlich auch nicht geheuer waren. Denn dass Herr Blau weiße Sneaker-Söckchen trug und auch ich nach dem Abstreifen der Sandalen weiße Füßlinge überzog, weil ich nicht barfuß in einer fremden Wohnung herumspringen wollte - das war wirklich reiner Zufall, konnte aber auch als "Wir testen mal, wie sauber die sind" ausgelegt werden?
Die Wohnung ansonsten hatte mich schon fast komplett für sich eingenommen, als ich entdeckte, dass der Balkon an der Küche in den Hinterhof führte, wo beinah zum Greifen nah ein riesiger Kastanienbaum stand. Jauchz!! Ich lieeebe Kastanienbäume! Ich bin ja sooo leicht glücklich zu machen!
Doch den handfesten Gegenargumenten musste ich mich schlussendlich doch geschlagen geben: Wir müssten die Waschmaschine des Vormieters übernehmen, weil die extra in die maßgefertigte Küche passt. Und was machen wir mit unserem gerade mal einjährigen Waschtrockner? Ist doch auch irgendwie blöd... Keine Tiefgarage für das historische Gefährt des Mannes. Kein Fahrradkeller für das Fahrrad des Mannes, das immerhin ein paar Tausend Euro gekostet hat. "Das stelle ich nicht in den Hof und auch nicht in einen nassen Keller", sagte er zu mir und ich grinste: "Ja siehste, was kaufst du auch immer das teure Zeuch, sag ich doch, dass teuer nicht immer gut ist."
"Das hier ist ein ruhiges Haus", sagte der Eigentümer, "und wir suchen entsprechend ruhige Mieter."
Da schauten wir uns an.
Ich weiß nicht, woran Herr Blau dachte.
Jedenfalls ich dachte an meine gelegentlichen Musik-Sessions.
Aus die Maus wäre es damit - denn der Eigentümer würde eine Etage über uns wohnen.
Ich glaube, damit war dann auch mein K.O.-Kriterium erreicht :)

Die Suche geht also in eine neue Runde.
Irgendwie bin ich aber derzeit - wohl aufgrund des wunderbaren Sonnenwetters - spürbar gelassener als sonst. Vermutlich war ich früher doch mal so eine Mehrbeinige mit dreieckigem Kopp, die ihren Liebhaber fraß. Also, lieber Herr Blau, überlege dir demnächst gut, ob du mich noch mal nachts weckst und mir unterstellst, ICH würde schnarchen!

Freitag, 6. Mai 2016

Die Gattung der Gemeinen Tinnitosa Mimosa

Mal eins vorweg: NEIN, ich mache mich hier NICHT lustig über Tinnitus-Patienten! Ich weiß das durchaus einzuschätzen, diese Belastung, auch wenn ich selbst nicht unter Tinnitus leide.
Aber was soll ich sagen... Ich leide trotzdem!
Nämlich unterm Patienten!
Es gibt sie ja, diese Co-Abhängigkeit oder - wie formuliere ich das mal in meinem ganz persönlichen Fall - diese Co-Betroffenheit.

Seit der Mann unter anerkanntem Tinnitus leidet (sowohl körperlich als auch mental), leide auch ich!
Warum? Er sagt, er habe immer schon sehr gute Ohren gehabt. Jetzt aber hört er ALLES. Überdeutlich ALLES. Selbst den allerleisesten Pups - den würde er nicht riechen, aber hören! Selbst drei Zimmer weiter! Und wir haben doch nur zwei, aktuell jedenfalls noch.
Und ich muss jetzt aufpassen, und zwar auf die Dezibel, mit denen ich lache und spreche.
Ich muss jetzt auch aufpassen auf die Dezibel, mit denen ich in der Küche zu Werke gehe - und selbst darauf, wie hart meine zarten Finger auf die Tastatur trommeln.
Manchmal sage ich was in ganz normalem Umgangston zum Mann - und er verzieht das Gesicht: "Nicht so laut, bitte!"


Whaat??
Laut? Ich? Ich - der so oft gesagt wurde, ich sei die sanfteste Stimme, seit es Susi von Herzblatt gab? Ich - der man so oft sagt, sie möge doch lauter sprechen, man verstünde sie gar nicht?
Ich - der selbst der Mann so oft sagt "Redest du nicht mehr mit mir?", weil er meine zart gewisperte Antwort gar nicht gehört hatte? Obwohl dreimal wiederholt?

Nun ja.
Es ist nicht einfach, das kann ich Euch sagen!
Die lebhafte Seite jedenfalls wird hier fast erfolgreich unterdrückt - und entsprechend nur noch im Office in L ausgelebt. Vermutlich hört man mich da über alle drei Etagen lachen, laut, lebhaft, herzlich. Weil, ich muss das ja echt ausnutzen!
Anfangs schützte der Mann sich mit Ohrenstöpseln, nicht nur zu Hause, nein, auch in seinem Büro und überhaupt. Selbst nachts schlief er damit, weil er darauf besteht, dass ich schnarche!
Manchmal fand ich ihn morgens auf dem Sofa statt im Bett neben mir, weil er meinte: "Du hast echt sooo geschnarcht!"
Anfangs habe ich mich darüber lustig gemacht, später, weil er partout nicht davon abzubringen war, dass ICH schnarche, bestand ich auf einem Beweis. Eine Tonbandaufnahme sozusagen.
Hat er auch gemacht.
Was soll ich sagen...
Ich habe mir sein Handy mit der Aufnahme fast in den Gehörgang gequetscht, weil ich nix gehört habe. Ich schwörs! Die Katzenbesitzer oder -liebhaber unter Euch werden wissen, wie das Schnurren einer Katze klingt, wenn sie sich wohlfühlt. So in etwa schnurre ich manchmal nachts, wenn ich aus dem Tiefschlaf komme und übergehe in den leichten Schlaf, der es mir ermöglichen würde, bei Gefahr im Verzug aus dem Bett zu springen. Oder der es mir ermöglicht, auch mal nachts aufzuwachen und nicht gleich wieder einschlafen zu können.
An einer solchen Stelle habe ich mich wirklich mal köstlichst amüsiert, als der Mann neben mir lag, auf dem Rücken, beide Arme von sich gestreckt, im Hals ein deutliches musikalisches Intermezzo - und dann wacht der auf, stupst mich an und sagt: "Orrr du schnarchst schon wieder, hör auf!"

Sein Tinnitus ist übrigens nicht das allseits bekannte Pfeifen im Ohr, sondern ein Brummen. Ein sogenannter Tiefton-Tinnitus. Möglicherweise heilbar sogar.
Ich kann wirklich gönnen, ehrlich, das schwöre ich, aber in dem Falle wünsche ich UNS BEIDEN, dass DAS gelingt!

Donnerstag, 5. Mai 2016

Kategorie Fundstücke: Die Entschuldigung!


Gerade beim PC-Aufräumen gefunden und herrlich breit geschmunzelt.

Manchmal vermisse ich sie doch wieder, diese Zeiten!

Aber immer vermisse ich Dich, mein Schmunzelhase!

Go your own way - solange Du immer wieder nach Hause kommst!

Mittwoch, 4. Mai 2016

Die Gefühle der Moderne



Vor einigen Tagen hat sich eine weitere Bloggerin für immer verabschieden müssen. In Posts verschiedener Blogs wird - was mir auffällt - immer wieder betont, dass jene Bloggerin nichts von Gefühlsduseleien, nichts von Sentimentalitäten hielt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der eine oder andere Nachruf sonst womöglich doch... gefühlsvoller ausgefallen wäre.

Ich lehne mich einmal mehr nach dem Lesen zurück, lege den Kopf nach hinten, fixiere irgendeinen Punkt an der Decke oder schließe für einen Moment die Augen.

Als ich noch ein Kind war, war ich vor allem eines: impulsiv und gefühlsbetont. Jede meiner Regungen waren überdeutlich ins Gesicht geschrieben, die positiven wie die negativen; in meinem Gesicht konnte man lesen wie in einem Buch, meine ganze Körpersprache war immer eine eindeutige, unmissverständliche. Das war auch dann noch so, als ich zur jungen Frau heranwuchs. Und ich war anhänglich. Keine Klette, aber anhänglich. Liebebedürftig.
Wann sich das verändert hat, weiß ich nicht sicher. Vielleicht in den Jahren, in denen ich allein mit meinen Söhnen lebte? Weil die Liebe zu den Kindern eine andere ist als die Liebe zu einem Mann? Und ich lernen musste, mit dem, das ich zu geben hatte, umzugehen und es bei mir zu behalten?
Und weil ich feststellen musste, dass es Menschen gibt, die mit einer gewissen Gefühlstiefe gar nicht umgehen können oder wollen? Weil ich feststellte, dass es besser war, das eine oder andere für mich zu behalten, weil es einfacher ist, mit einem Schmerz zu leben, wenn man sich vorher dafür nicht komplett entblößt hat?

Wenn ich so darüber nachdenke, dann bin ich heute in meinen Gefühlsbekundungen wesentlich reduzierter als noch vor Jahren. Wobei ich eher immer schon ein Mensch war, der schwer sagen kann: "Ich liebe dich" - aber der es liebt, das auszudrücken, in Gesten, in Umgangsweisen. So ein bisschen unterkühltes Nordkind steckt vielleicht auch immer noch in mir.
Inbesondere nach dem Lesen der letzten Nachrufe frage ich mich zugleich: Was ist eigentlich so falsch daran, Gefühl zu zeigen? Was ist so falsch daran, sein Gefühl, seine Liebe, seine Trauer auszuleben, auszudrücken? Warum müssen wir uns eigentlich ständig hinter einem Mantel aus Härte & Größe verstecken, anstatt uns genauso verletzlich zu zeigen wie wir sind? Warum können wir nicht offen zu uns selbst stehen und zu dem, das wir fühlen und empfinden?
Weil es uns verwundbar macht? Weil genug Arschlöcher kommen, die uns zerstören könnten? Weil es uns schwächt? Weil unsere Schwäche uns lähmt?

Sind die Menschen, die Gefühl, Liebe, Trauer zeigen, alle schwache Kreaturen - und nur die Harten, Unbezwingbaren die wahren Großen? Ich hoffe das nicht... Ich hoffe so sehr nicht, dass Gefühle "aus der Mode" gekommen sind.

Helen Nelson, eine Frau aus Conneticut, hat nach ihrem Nahtoderlebnis einen Satz ausgesprochen, der sich tief in mir eingeprägt hat:

"Die Liebe ist der innerste Kern unseres gesamten Seins, der Kern dessen, worum es im Leben wirklich geht."

Ich empfinde es völlig genauso. Sollten wir dann nicht aufhören, so zu tun, als hätten wir weniger oder auch gar kein Empfinden?

Dienstag, 3. Mai 2016

Feed Your Head




Ich kanns kaum beschreiben, aber diese Video-Trilogie mit ihrem Hauptdarsteller geht mir so unglaublich unter die Haut. Natürlich habe ich mir gestern Song 1 und 3 gekauft, aber ich höre die Musik weniger als dass ich bei youtube das Video schaue. Wieder und wieder.

"Keine Zeit für Träumer?" frage ich mich unablässig, und manchmal steigt dabei unfassbare Traurigkeit in mir hoch. Er will so gern von sich abgeben, von dem, was die Musik in ihm auslöst - und jeder stößt ihn zurück, tritt auf ihm herum - und nimmt ihm schlussendlich das, was ihm so wichtig ist: die Musik. 
Das dritte Video "Feed Your Head" geht mir demzufolge richtig nah, denn es scheint, dass er schlussendlich aufgibt. Ganz aufgibt.
Und dann sitze ich vor dem Schreibtisch, lehne mich zurück und starre auf das Video und denke an all die tausenden Menschen, die schon vor ihm den Kopf voller Träume, Musik und Liebe hatten - und daran zerbrochen sind. 

Mich entsetzt immer wieder, wie viele Menschen immer mehr nur noch an sich selbst denken. Die nichts von sich abgeben, solange sie nicht auch was dafür bekommen, das sich in ihren Augen lohnt. Die nicht darüber nachdenken, was SIE in einem anderen auslösen. Was IHR Verhalten in dem anderen Menschen bewirkt. 

Manchmal macht mich das krank. Wenn ein Mensch leidet, der ungerecht behandelt wurde, dann macht mich das krank.  Und dann ziehe ich mich zurück - in meine Welt der Musik und in das, was die in mir auslöst. Sonst würde ich das manchmal auch nicht mehr aushalten können. 

Warum - verdammt!! - gibt es so wenig Liebe unter den Menschen???

...und am Ende ist es immer die Musik.



Anna hat gefragt, was uns hilft, mit uns im Reinen zu sein. Was uns zurückhilft, wenn wir vom Thron gestürzt sind - für einen Moment.
Bei mir kann es einfach immer nur die eine Antwort geben, weil es das einzige ist: die Musik.
Nur die Musik erreicht, mich aus dem Off zurück in meine Mitte zu bringen. Mich zurückzubringen in den sanften Pendel einer Sandfigur, die nach allen Seiten schwingt und die dennoch weiß, dass sie immer zu ihrer Mitte zurückkehren wird.
Je älter ich werde, desto intensiver wird dieses Gefühl.

Manchmal erwache ich morgens und habe schon irgendeinen Song im Ohr, obwohl noch alle Radios ausgestellt sind. Ich öffne die Augen und die Musik ist da. In mir. In meinem Kopf. In meinem Bauch. Und dann lächle ich, noch bevor ich aufstehe.

Manchmal geht es mir total elend, dann höre ich Klaviermusik und weine so lange und so hemmungslos, bis es keine Tränen mehr gibt. Bis die letzte trocknet und sich die Traurigkeit in neue Hoffnung kehrt. Neue Zuversicht.

Manchmal geht es mir so la la, dann höre ich Musik wie diese - und dann denke ich manchmal, all meine Blutkörperchen sind wie kleine Noten, die hin und her vibrieren. Dann tanzt meine Seele, dann möchte ich die Arme ausbreiten und die Welt umarmen.
Möchte abgeben von einem wunderbaren Lebensgefühl, weil ich doch weiß, wie endlich dieser Moment ist.

...aber Menschen sind auch Schweine.  Sie wollen viel zu oft nichts von Dir, solange Du es ihnen freiwillig geben willst - und treten Dich weg. Sie wollen entscheiden, wann sie es nehmen - und dann ist es egal, ob Du es noch möchtest oder nicht. Und dann nehmen sie einfach und gehen weg. Während Du noch dastehst und glaubst, Du bekämst etwas zurück.

Montag, 2. Mai 2016

Und ich dachte es auch: Arschloch!


Ja ich weiß, ein hartes Wort. Eins, das normalerweise nicht zu meinem Sprachschatz zählt.
Es sei denn, ich bin mit dem Auto unterwegs.

Oder höre einer Frau zu, die gerade in ihrem Mantel und doch irgendwie nackt, so vollkommen entblößt am Ufer steht und für alles das, das ihr wichtig war und ist, einen Stein in das Wasser vor ihr wirft. Die Abschied nimmt, wo sie nicht Abschied nehmen wollte.

Sie erinnert mich Post um Post an die eigenen Jahre, in denen man allein durch die Welt und durch das Leben tingelte, hierhin schaute, dorthin schaute, hier einen entspannten Abend verbrachte, dort einen aufregenden Moment. Allein, wenn auch nicht einsam. Gemeinsam und doch nicht zugehörig.
Am Ende eines Tages ist man selbst es, der allein heimgeht, die Flasche Wein öffnet und mit sich selbst auf das Leben und die Liebe anstößt. Anfangs voller Zuversicht und Hoffnung, und mit jedem Monat, mit jedem weiteren Jahr, das sich auf diese Perlenkette reiht, verdichtet sich die Frage:
"Was ist falsch an mir? Was fehlt bei mir?"
Mit jedem Monat, jedem Jahr mehr streift man durch die Stadt, durch die Parks, lächelt den Pärchen zu, die sich verliebt in der Sonne küssen, man freut sich für sie, doch wenn man heimkommt, weint man in das Kissen und verzweifelt an sich selbst.
Man schaut den Pärchen zu, die händchenhaltend durch die Stadt bummeln, ein Eis essen, miteinander sprechen oder auch nicht; oder auch die anderen Pärchen, die einander überhaupt nicht mehr nur nicht sehen, sondern auch nicht mehr wahrnehmen, obgleich sie nebeneinander stehen und gehen. Nebeneinander eben, nicht miteinander, sie keifen sich an, bedenken sich mit Abwertungen - und man selber steht daneben und fragt sich: "Und wieso hat sie dann einen Mann und ich nicht?"
Was macht es, dass der Mann in jüngeren Jahren bindungsunwillig ist, weil er noch nicht alles im Bett hatte, das bei Drei nicht auf den Bäumen war, und dass er in älteren Jahren, wenn er dann doch mal in einer längeren Beziehung war, die dann endete, auch nur wieder mehr erleben möchte; alles, aber nicht binden?
Ja, ich weiß, das klingt pauschaliert und ich weiß auch, dass das nicht allgemeingültig ist.
Doch während einer Studie zufolge die Jugend mehr und mehr zur Stabilität und Geborgenheit einer Familie zurückkehren möchte, quellen die Singlebörsen gefühlt über vor Dreibeinern, die den gelegentlichen Sex präferieren, aber bitte bloß nicht verbindlich. Was frau auch nicht zwingend sofort erfährt, zu oft erst nach dem ersten Sex.
Mit welchem Recht bildet der Mann sich eigentlich ein, dass er mit den Jahren immer besser wird, während die Frau ab 40 nicht mal mehr einen Blick wert ist? Was glaubt er, das ihn besser macht? Dieselben Falten im Gesicht oder dass ihm Haare aus Nase und Ohren wachsen - im gleichen Verhältnis zum Bauch über Gürtel? Ob der Mann je darüber nachgedacht hat, wie albern er wirkt, wenn er betont jugendlich sein möchte, nur damit die Frau unter 30 ihn überhaupt eines Blickes würdigt? Ist doch alles Kinderkacke, wirklich.

Und während ich S. zuhöre, ihre Worte lese, das Ergebnis lese, denke auch ich spontan: Arschloch!
Auch wenn mein Gefühl mir sagt: Ist er nicht. Er ist keins dieser Arschlöcher. Weil er zu sich steht und zu dem, was er immer wollte.
Ich denke es trotzdem. Erst mal. Weil er ihr Schmerz zugefügt hat.

Und dann denke ich weiter. Denke an die Zeit früher, denke an die Zeit heute und versuche mir vorzustellen: Wie wäre es denn, wäre ich wieder Single?
Was wünschte ich mir für mein Leben?
Wie würde ich es leben wollen?
Ich weiß, dass ich keinen Mann brauche, um überleben zu können.
Aber ich weiß, dass es mit einem Mann einfach... vollkommener ist. Weil er etwas an mir und in mir ergänzt, das ich nicht habe und das ich nicht bin. Was ich vielleicht auch nicht möchte und auch nicht sein will - aber er ergänzt es wohltuend.
Aber würde ich dann noch mal mit jemandem zusammen leben wollen?
Ich denke an Herrn Blau und an unseren Nestbau. Schön ist das. Gerade muss ich lächeln, weil ich denke: Allein wäre es vermutlich in vielem unkomplizierter gewesen - weil er mehr Dinge sieht als ich - oder sie sehen will. Ob uns das manches Mal gerettet hat? Vielleicht. Wer weiß das schon.
Aber möchte ich das alles noch mal mit einem anderen Mann?
Nein.
Weil ich es mir nicht vorstellen kann.
Entweder mit ihm oder mit keinem mehr. Nicht der Frustration wegen. Aber ich habe es gelernt, allein zu leben. Ich habe es gelernt, mir selber genug zu sein. Ich würde es stattdessen genießen wollen, dieses Leben. Mit Malen, mit Musik, Milchkaffee nachts ein Uhr, während "Medical Detectives" über die Leinwand flimmert und ich argwöhnisch jede Bewegung draußen vor dem Fenster registriere. Erdgeschosswohnung? Niemals. Unter dem Dach, ja, kuschlig und heimelig.
Ich wäre dankbar für Freundinnen, die zu einem spontanen Städtetrip rufen oder mit einer Flasche Wein vor der Tür stehen.
Vielleicht würde ich zur Ergänzung auch einen Mann in meinem Leben wissen wollen.
Vielleicht, so genau weiß ich das nicht.
In meinem Leben vielleicht. Aber nicht mehr in einer gemeinsamen Wohnung. Nicht mehr so verbindlich.

Das wäre der Plan. Ein Arschloch-Plan?
Einer, der zwangsläufig verletzen muss, weil einem eines Tages eben doch die Gefühle einen Strich durch das alles machen?


Sonntag, 1. Mai 2016

Mama Don't Cry



Als ich am Dienstag durch das halbe Land fuhr, glaubte ich, ich würde spinnen. Hier war fast Frühling, entsprechend meine Kleidung. Unterwegs dann Schneetreiben über die Straßen hinweg, Schneeregen, Sturm - und als ich das Ziel erreichte, sprang ich bei herrlichstem Sonnenschein in meinen leichten Canvas-Turnschuhen aus dem Auto und begrüßte einen wundervollen Frühling, einen herrlich blühenden Kirschbaum und entwickelte eine solch erstaunliche Energie, die ich dann angesichts der Jungen-Behausung auch spontan umsetzte.

"Du musst das doch nicht machen", verdrehte Sohnemann I die Augen.
"Weiß ich", entgegnete ich fröhlich, "aber auch in den zwei Tagen will ich mich wohlfühlen und nicht zwischen leeren Flaschen, Stinksocken und Süßkrampapier schlafen."
Außerdem entdeckte ich bei dieser Aufräumaktion Sohnemanns Kassenbon für das defekte Headset. Ein Headset für immerhin 99 Euro.
"Du hast das immer noch nicht umgetauscht? Hast du zuviel Geld?"
Und ich entdeckte von Sohnemann II den Antrag auf Fahrtkostenzuschuss über immerhin 80 Euro - Abgabeschluss 2. Mai.
Sagte ich schon, dass ich die digitalen Zeiten mit ihren Erfindungen von digitaler Unterschrift und so liebe? Was man heutzutage alles gerade noch so regeln kann in Abwesenheit anderer....

Und dann war er wieder da, der "Kleine", geschafft nach einer Woche Biwak mit allem Drum & Dran, müde und k.o. - und dann hing er an meinem Hals "Ich bin echt froh, dich mal wiederzusehen."
Vier ganze Wochen hatten wir uns nun nicht mehr gesehen und je mehr wir darüber nachdachten, umso mehr erschloss sich uns, dass wir so lange noch nie voneinander getrennt gewesen waren.
Hier spürte ich einmal mehr dieses unsichtbare Band zwischen uns, so wundervoll stark und eng, und als wir uns am Abend voneinander verabschiedeten, ich wieder die Heimreise antrat, da fand ich, dass die Zeit mit ihm, so privat mit beiden Söhnen, irgendwie viel zu kurz gewesen war.
Wir hatten uns so viel zu sagen, so viel zu erzählen, während ich nebenbei Essen zubereitete und die Waschmaschine gemütlich grummelte. Irgendwie finde ich immer wieder, dass das Rummeln der Waschmaschine ein so wunderbares Gefühl von einem Zuhause vermittelt, in dem es warm, ordentlich und eben gemütlich ist. Wo es nach frischgebackenen Keksen, Kaffee und Tee atmet und der Junge seinen Kopf auf meinen Schoß bettet, er erzählt und beinah einschläft dabei.
Das sind genau die Momente, die ich so liebe, die nur den Jungs und mir gehören, in denen sie mir erzählen, wozu man in der Hast des Tages einfach nicht kommt, an die man nicht denkt, die man auf später verschiebt.
Ihnen mit fünf gespreizten Fingern durch das Haar zu fahren, während sie erzählen.

In einer Woche beginnt die Schießausbildung - für zwei Wochen.
"Diesmal mit scharfer Munition", sagt der Junge und er sagt auch, dass er Respekt davor hat.
"Da gibts schon Leute, die ziemlich konfus und unsicher sind. Wenn die die Knarre nicht richtig halten oder vor Schreck damit rumfuchteln, dann gute Nacht. Uns wurde von den Ausbildern schon gesagt, dass immer mal was passieren kann und auch passiert ist."

Ich habe sie an mich gedrückt, sie alle beide.
Ich bin nicht bereit, auch nur einen von beiden herzugeben. Für keinen Wahnsinn dieser Welt.
"Was auch immer du machst und was auch immer du tun willst - versprich mir nur, dass du immer auf dich aufpasst. Dass ihr auf euch achtgebt", sagte ich.
Im Herbst wird er sich erneut bei der Polizei bewerben.
Dass er in der letzten Runde - im Arztcheck - rausflog, weil sich sein Puls nicht innerhalb einer bestimmten Zeit auf einen bestimmten Wert korrigierte, sieht er nunmehr eher sportlich: "Wenn man eins beim Bund bekommt, dann Kondition. Das merke ich schon jetzt. Dann habe ich sicher bessere Chancen beim nächsten Mal."

Mir ist alles recht.
Solange es ihnen gut geht und sie glücklich sind.

"Mama don't cry"



Dienstag, 26. April 2016

Das bisschen Biwak ist doch nicht so schlimm, sagt mein Mann

Wenn ich in den letzten Wochen etwas "maulfauler" geworden bin, dann vor allem deshalb, weil ich an anderer Stelle viel (möglicherweise zuviel) geredet habe. Ja ich bin eine Frau; eine Gattung, der man ja ein gewisses Mitteilungsbedürfnis nachsagt. Ich bin aber zugleich auch ein Nordkind - vermutlich rettet mich dies - denn meistens... sage ich nichts. Oder nicht viel. Man muss ja auch nicht immer reden - auch ich kann genießen und schweigen.

In den letzten Monaten aber habe ich unendlich viel geredet.
"Denk an das deutsche Sportabzeichen, du brauchst das für den Zoll!"
"Hol dir endlich einen Termin für die Theorieprüfung, ich denk, du willst den Führerschein?"
"Wie war das denn nun mit dem Joggen? Wolltest du nicht bisschen Kardio machen vor dem Test bei der Polizei?"
Und so weiter und so fort. Habe nicht immer nur die Memory-Funktion übernommen, sondern gleichzeitig auch Konsequenzen aufgezeigt. Ach was, aufgezeigt - angedroht habe ich sie ihm! Über die Wochen und Monate hinweg war ich manchmal regelrecht schockiert von meinem Sohn, wie antriebslos der wurde. Dass er zwar dieses und jenes wollte und auch glaubhaft versicherte, es läge ihm totaaaal am Herzen - aber die Aktionen sprachen dagegen. Besser gesagt: Es folgten eben keine Aktionen. Oder nur halbherzige.
Irgendwann sagte er dann: "Jetzt kann ich die Leute irgendwie verstehen, die schon ewig lange zu Hause sind und eines Tages nicht mehr den Arsch hochkriegen. So wollte ich eigentlich nie werden."
Er hatte wenigstens schon mal ein Ziel. Eins, das ihn vermutlich auch davon abhielt, es all seinen Freunden gleichzutun: "Ich kenne grad irgendwie keinen, der nicht kifft."
"Und du? Schon mal probiert?" habe ich betont gelassen nachgefragt, während mir die innere Schreckhitze bis unter die Haarwurzeln schoss, weil meine spontane Phantasie recht merkwürdige Blüten kreierte und vor meinem inneren Auge spontan eben dieses Bild entstand: zugekifftes, arbeitsloses Kind liegt oberkörperfrei aufm Sofa und daddelt wahlweise am Handy oder an der Playstation. Manchmal ist es ein Glück, dass Phantasie und Realität meilenweit auseinanderklaffen!
"Ich doch nicht", antwortete der Sohn, "das kann ich mir gar nicht leisten, da bestehe ich keinen einzigen Eignungstest."

Zeitig genug im Voraus wusste er: Ab 4. April bin ich beim Bund. Dreimal dürft Ihr raten, wann mich die WhatsApp erreichte: "Können wir dann noch mal durchgehen, was ich alles brauche? Vielleicht hast du ja noch eine Idee?" Genau. Am späten Sonntagnachmittag, den 3. April.
Gnarf!
"Wo willst du noch was besorgen, wenn dir noch was fehlt???" habe ich geantwortet, dann frei aus dem Bauch heraus aufgelistet, was ICH einpacken täte, wäre ich er, und dann sicherheitshalber noch mal gegoogelt, was das Internetz dazu so hergibt - und ihm einen Link geschickt "Lies da mal nach, da schreibt einer, der selber beim Bund war. Blasenpflaster und so kannste dir jetzt zum Sonntag freilich abschminken!"
Als ich nach 20 Minuten nachfragte, ob er denn schon mal gelesen hätte, da hatte Sohnemann nicht nur gelesen, sondern bereits eine WhatsApp-Gruppe mit drei Typen vom Bund gegründet und so ein paar Internas ausgetauscht.
Manchmal überrascht er mich eben doch noch!

Nun ist er ja seit etwa 3 Wochen beim Bund und mit - ich gebe es zu - latenter Genugtuung verfolge ich, dass er sich - wenn überhaupt - nur noch an den Wochenenden meldet, weil er einfach zu müde ist. Gab es früher kopfschüttelnde Zeiten, wo ich sah, dass er oft zwischen 2 und 5 Uhr früh online gewesen war (nein, ich kontrolliere meinen Sohn nicht - ich stellte nur fest!), so ist er jetzt maximal 21 Uhr zuletzt online. Betreibt einen geregelten Tagesablauf von 4.30 Uhr aufstehen und 20 Uhr Dienstschluss. Salbte bereits in der ersten Woche die ersten Blasen - aber offenbar findet er sich erstaunlich gut zurecht. Kommt wohl auch ganz gut zurecht. Kein Jammern, kein Klagen, und wenn er dann so paar Sachen erzählt, von denen ICH weiß, dass ICH jämmerlich in die Knie gehen würde (aber ich bin ja auch eine zarte Frau, ich darf das *kreisch*), dann erinnere ich ihn gutmütig: "Denk dran, du bist jung und du brauchst das Geld!"

Diese Woche steht Biwak auf dem Programm. Ein 15 km Marsch in voller Ausrüstung, die irgendwas um 40 Kilo wiegen soll. Die ersten 500 m sind in dieser Ausstattung zu sprinten - und weil Kameraden niemals im Stich gelassen werden, sind die, die sich anschließend in den Sand schmeißen und sagen, dass sie nicht mehr können, aufzuheben und mitzutragen. Zusätzlich zum Eigengewicht und dem Gewicht der Verpackung. Er hat nicht gejammert - aber er gab zu, dass er ein bisschen Respekt davor hatte. Wie man ihn eben vor allem hat, das man (noch) nicht kennt.
"Ach was, ihr Mädchen", hat Herr Blau es belächelt, "da geht's euch heut schon viel besser als uns damals. Wir hatten nur ne Filzdecke. Ihr kriegt sogar nen Schlafsack."
Ich bin ja nun nicht so der Freund von "wir früher, da war alles noch viel härter"-Ansichten.
Früher... Früher standen auch die Frauen zum Beispiel am Waschbrett und taten nicht einfach nur die Wäsche in den Automaten und drückten auf den Knopf - und trotzdem steigt die Zahl der Menschen, die völlig ausgebrannt sind. Trotzdem steigt die Zahl der Stresserkrankungen. Weil das Leben zwar einfacher geworden ist, sich die Form des Stresses aber verlagert hat.
Oder ist der Mensch von heute einfach nur... verweichlicht? Vielleicht, in gewisser Weise.
Früher kämpften die Frauen ums Überleben ihrer Kinder, und tun wir Frauen im Grunde heute nicht genau dasselbe? Die Mittel sind vielleicht anders und die Umstände sowieso, der Effekt aber... mag wohl derselbe sein.

Was nächste Woche ansteht, habe ich vergessen, aber dann folgen zwei Wochen Schießausbildung. Damit - so hoffe ich - wird es ein bisschen entspannter für ihn, so dass er eventuell doch noch beim Bund das deutsche Sportabzeichen erwerben kann. Bis Juni hat er dazu noch Zeit, legt er es bis dahin nicht vor, wird seine Bewerbung beim Zoll null und nichtig.
Ich bin gespannt, ob die paar Wochen ausgereicht haben, um den Jungen in Gang zu bringen.
"Wenn nicht, ist auch nicht so schlimm", sinnierte er am Wochenende. "Dann verlänger ich beim Bund und bewerbe mich im Herbst noch mal bei der Polizei. Genug Kardio dürfte ich bis dahin ja dann trainiert haben." Damit dürfte er dann vielleicht doch den Arzt-Check bestehen, bei dem er im Januar durchgefallen war, weil sein Puls sich nicht innerhalb einer vorgegebenen Zeit auf einen vorgegebenen Wert regulierte.

Nun ja, wir werden sehen. Wichtig ist ja erst mal, dass er überhaupt in Gang gekommen ist.
Apropos...
In Gang kommen.
Ich muss doch noch packen.
Ich muss doch gleich los!

Montag, 25. April 2016

Ein ewiger Kreis



"I Love Leo". Gestern war wieder einer dieser entspannten Sonntage, an denen man sich mit Freunden im Kaffeehaus trifft, etwas isst, trinkt. Sagte ich schon, dass ich diese Sonntage liebe?
Und dann entdeckten wir dieses kleine Kleinod von Café, irgendwo am Ende einer Häuserzeile kurz vor dem Englischen Garten. Eben "I Love Leo" - so heißt es tatsächlich.
Eins, das nicht gar so rettungslos überfüllt war wie all die anderen Cafés, von denen man denkt: Die sind zwar schön, weiß aber auch nicht jeder. Tja denkste. Auch zum Sonntag mit Mistkackwetter hats die Leute vor die Tür getrieben. Oder besser gesagt: aus der einen in die andere.
So weit bin ich, glaube ich, noch nie für ein Stück Kuchen und einen Milchkaffee gelaufen, zwar im Mantel, aber im kurzen Rock und Stiefeln - und scheiße nee, ich habe gefroren! Blöder Schnee - und das so kurz vorm Wonnemonat Mai, das glaubt einem doch kein Mensch! Auch jetzt rieselt es dicke Flocken - und das, obwohl meine Wetter-App ihre Meinung änderte und aus "Schnee am Mo-Die-Mi" kurzerhand Regentage mit irgendwas um sechs Grad vermeldete. 
Echt blöd, dass ich morgen auf Reisen gehe.
Noch blöder, dass ich seit etwa 10 Tagen Sommerreifen drauf hab. Mäh!

Ja, ich habe gelesen, dass Prince gestorben ist - habe aber trotzdem nicht meinen whatsapp-Status oder mein Profilbild geändert. Weil ich keinen Bezug zu ihm hab, musikalisch nicht und auch sonst nicht. Natürlich ist es immer traurig, wenn sich jemand für immer verabschiedet, aber wenn ich ehrlich sein soll, hat mich der Abschied, von dem Nieselpriem schrieb, betroffener gemacht. Obwohl ich keinen von ihnen kenne. Prince nicht, Nieselpriem nicht - und Jessica auch nicht. 
Aber eine junge Frau mit einem kleinen Kind... Insbesondere als Mama denkt man an die eigenen Kinder, die immer die Kinder bleiben, egal wie erwachsen sie geworden sind. 
Leben und Sterben, der ewige Kreislauf, eins gehört zum anderen, das weiß man alles vom Kopf her. Das Schwierige an diesem Abschied ist, dass er für immer ist. Dass er der einzige ist, der nicht umkehrbar ist. Und je frühzeitiger er passiert, desto schmerzhafter ist das doch.
Fühlt es sich nur für mich so an, dass in den letzten Monaten so viel... "gestorben wird"?
"Wir sind jetzt in dem Alter, wo das immer häufiger passiert", empfindet es Herr Blau, aber ich weiß nicht, ist das so? Achten wir jetzt mehr darauf als vielleicht noch vor zehn, fünfzehn Jahren?
Eigentlich glaube ich das nicht, weil ich nicht auf Abschied fokussiert bin. Grundlegend nicht, in meinem Lebensprinzip nicht. Egal, ob ich 20, 30 oder 40 Jahre alt war. Ich bin es auch jetzt nicht. 
Und dennoch lese ich momentan gefühlt öfter, dass da jemand gestorben ist, den man entweder aus den Medien kennt - oder man liest es in verschiedenen Blogs. Oder es geschieht in der eigenen Familie.

Der Jüngste ist jetzt seit drei Wochen beim Bund - und hat inzwischen seine Einstellung zum Krieg und zum Leben revidiert. Von wegen "Ins Gras beißen müssen wir doch alle mal, ist doch egal, wo."
Inzwischen haben sie in Bild und Film zu sehen bekommen, was Kriegsführung bedeuten kann.
Und es hat ihm zunächst gehörigen Respekt vermittelt - vor dem Leben. Weil wir eben nur dieses eine haben.
Dennoch überlegt er, sich eventuell als Soldat auf Zeit verpflichten zu lassen. Sicher ist er sich darin noch nicht, weil er weiß: Jeder, der länger als ein Jahr beim Bund bleibt, ist automatisch auch zu Auslandseinsätzen verpflichtet. Ich will mein Kind nicht verlieren. Kein Vater, keine Mutter will das. Aber erst recht will ich ihn nicht verlieren in solchen sinnlosen Kriegen um Macht und Geld für die Gierigen der Welt, die selber immer sicher und geschützt hinter Panzerglas Auto fahren und in ihren Wolkenkratzern Kaffee trinken, während für sie draußen die Kinder anderer sterben oder ihnen Arme, Beine weggerissen werden - oder ihre Seele auf dem Schlachtfeld zugrunde geht. 

Ich wünsche mir, Sonntage so wie gestern verbringen zu können. Entspannt in den Kaffeehäusern sitzen, mit beiden Händen die Tasse Kaffee zum Mund führen, lachen, bis die Tränen in die Augen schießen und der Bauch schmerzt; mir den Kuchen genüßlich auf der Zunge zergehen lassen und mit den Söhnen ab und an ein bisschen darüber schnaken, wie ihr Tag so war und obs was Neues gibt. 
Jeder Mensch sollte das Leben genießen können. Und dürfen. 


Freitag, 22. April 2016

Wenn Du Lachst




Letztens in einer Kabarett-Veranstaltung gewesen.
Wir haben viel gelacht.
So oft habe ich ihn von der Seite angeschaut, ihm beim Lachen zugesehen und gedacht: "So ist es am schönsten."

Mittwoch, 20. April 2016

Man weiß ja nie!

Ein bisschen bekloppt bin ich aber auch! Kaum habe ich das erste Vierteljahr dieses neuen Jahres mit dem gesundheitlichen Hick-Hack hinter mir, renne ich los und greife in den nächsten Misthaufen.
Und das auch noch freiwillig!
Na ja, so ganz freiwillig vielleicht auch wieder nicht.
Herr Blau ist schuld! (Na klar, wer sonst! :)) Immerhin will ER nach Indien - und ICH muss mit. Was bedeutet: ICH muss mich impfen lassen. Er ist nämlich schon keimfrei. Sagen er und sein Impfpass.
Und weil mein eigener Impfpass irgendwo zwischen all dem Umzugszeugs vor 1,5 Jahren verlustig gegangen scheint (oder aber er ruht in einer der noch nicht ausgepackten Kisten, die dank Platznot treu im Keller ausharren), wurde mir am Montag beim Doc empfohlen, eben nicht nur die Tetanusimpfung nachzuholen, sondern am besten gleich die Vierfachkombi mit Diphterie und so'n Kokolores. Man weiß ja nie!

Und ganz ehrlich: Wenn das, was ich seit dem Stich am Montag Morgen bis heute Morgen hinter mir habe, nur die lässige Variante des echten Virus' ist, dann gehe ich doch lieber in zehn Jahren wieder freiwillig zum Impfen. Jedenfalls musste ich mich krank melden, Herr Blau bot an, daheim zu bleiben, was ich aber ablehnte, und er schrieb mir später: "Bitte pass auf dich auf, ich brauch dich noch!"
Meine letzte Tetanusspritze bekam ich 2006 nach dem Unfall dank der Kopf- und Beinverletzungen und obwohl ich schwor, dass mein Impfschutz noch aktiv sei (was er auch wirklich war). Aber man einigte sich dann auf "Man weiß ja nie, es schad' ja nix!" und zack - hatte ich eine Nadel mehr drin. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass es mich so umgehauen hat wie die letzten 1,5 Tage. Aber vermutlich hatte ich damals auch ganz andere Sorgen und überhaupt ja auch eine ich-schwebe-mal-auf-Wattewolke-sieben-Infusion intus.
Einmal mehr jedenfalls habe ich an meine Kollegin gedacht, die vor Jahren dank einer heftigen Angina ein recht heftiges Antibiotikum verabreicht bekam - und anschließend eine besondere, aber heftige Form der Schuppenflechte entwickelte. Wo Handflächen und Fußsohlen wie Wachs aussehen und sich auch so anfühlen und sie anfangs Probleme hatte, die Finger überhaupt zu beugen, ohne dass die Haut reißt. Zwar sind die aktuellen Erkenntnisse - aus Gründen - seither dahingehend gereift, dass es offenbar nicht am Antibiotikum lag, sondern vermutlich eher genetisch bedingt ist - aber nichts Genaues weiß man ja nie!
So ganz geheuer ist es mir jedenfalls nicht, dass es für alles und jedes heutzutage eine Pille gibt, wo man früher sagte: "Beweg dich einfach mehr an frischer Luft, sitze nicht so viel und achte auf deinen Wasserhaushalt!"

Jetzt ruht in meinem Kühlschrank schon die nächste Spritze, nämlich die Kombi Hepatitis A und B - die eigentlich wichtige Impfung für Indien, und Herr Blau freute sich: "Dann darf ich dich wohl mal pieksen?"
"Das hättest du wohl gern", habe ich ihn angeknurrt. "Das überlasse ich lieber der Frau Labor in 14 Tagen!" Sicher ist nämlich sicher - man weiß ja nie!

Montag, 18. April 2016

Schwarze Krähen



Erinnerungen können wie schwarze Krähen sein. Große dicke schwarze Krähen, die gefühlt um den Kopf herumkreisen, immer näher, immer dichter, dass man den Arm heben und sie verscheuchen möchte, bevor sie sich - gleich dem Film - auf einen niederlassen und lospicken.
Erinnerungen aber lassen sich nicht immer einfach so verscheuchen.

Auch meine Verdrängungsmechanismen funktionieren super, aber manchmal sind Erinnerungen, Taten, Worte trotzdem von einem Augenblick zum anderen wieder da. Bilder, die an einem kleben und die man einfach nicht losbekommt, so sehr man sich auch müht.
Momente, in denen man nach Atem ringt und sich verzweifelt fragt, ob man das, über das man nie niemals sprechen konnte und es vermutlich auch nie wird, je wieder in diese berühmte Kiste mit den sieben Schlössern zurückbekommt.

Gestern Abend schrieb mir meine Freundin von einem Film, der da und dort gerade liefe, eine Buchverfilmung, eine sehr schöne, eine gelungene, wenn auch traurige Geschichte.
Ich habe nicht umgeschalten. Den Film kenne ich nur vom Lesen der Kritiken - und ich wusste, jetzt hier in diesem Moment tut es mir nicht gut. Auch wenn zum Leben mehr gehört als eine Tasse Kaffee am Morgen, wohlig ausgestreckte Beine und die Musik. Ich weiß, dass zum Leben mehr gehört als ein paar rosarote Wolken und die Blümchenwiesestimmung, nach der ich mich im Augenblick so ein bisschen sehne. Ich weiß, dass das realitätsfremd wäre - und dass es vielleicht auch nicht richtig ist, sich eben der Realität zu entziehen. Aber andererseits habe ich das Gefühl, dass ich das so tun muss, weil es mich sonst erdrückt, dieses Leben. Es zerdrückt mich.
Nach gut acht Monaten ohne soziale Netzwerke, mit nur wenigen Nachrichten aus der Welt und aus unserem Land und mit nur wenigen Kontakten, die ich zulassen konnte, geht es mir inzwischen besser. Natürlich nehme ich nach wie vor Anteil - aber ich weiß auch, wie viel ich an mich heranlassen kann und wann der Moment gekommen ist, wo ich mich wieder mehr zurückziehe.
Früher fand ich es toll, viele Leute zu kennen - heute schätze ich mehr, nur wenige Menschen um mich zu haben, aber dafür verlässliche.
Menschen, deren Tür immer offen steht - egal, wie lange wir uns nicht gesehen oder gehört haben. Menschen, die nicht sagen: "Ist ja nett, dass du dich auch mal wieder meldest", sondern Menschen, die ihre Arme öffnen und ehrlich sagen: "Hey, schön, dich wiederzusehen; ich hab grad Kaffee gemacht, magst du auch?"

Schaue ich aus dem Fenster, macht mein Herz einen Hopser, weil ich mich so freue darüber, wie all die Knospen aufgeplatzt sind und ihr sattgrünes, noch so junges, frisches Blattgrün zeigen.
Zwischen all dem Regen der letzten Tage hat immer mal die Sonne hervorgelugt - und ich reagiere immer wieder völlig fasziniert darauf, sämtliche Lebensgeister erwachen, purzeln durcheinander und dann fühlt es sich so an, als könne mir nichts mehr in diesem Leben passieren. Ich lache viel mehr im Moment und bin fröhlich, bin vergnügt. So wie heute Morgen beim Termin, wo ich mir eine Mehrfachkombi Impfstoff abzuholen hatte: "Denken Sie dran, heute keinen Sport!"
"Na Gott sei Dank!"
So wie letztens mit Herrn Blau auf der Autobahn, so etwa siebzehn Uhr nach dem Einkauf: "So und jetzt hier lang, da auf die Autobahn drauf und dann zeig mir mal, was im kleinen Schwarzen steckt."
Nur um mich nach gefühlten dreihundert Metern zu erinnern: "Du hast aber schon gesehen, dass hier nur 120 kmh erlaubt sind?"
"Nu freilisch."
"Von 6 bis 22."
"Hab ich gesehen.
"Von s-e-c-h-s bis z-w-e-i-u-n-d-z-w-a-n-z-i-g!"
"Ja-ha, hab ich gese-hen."
"VON SECHS BIS ZWEIUNDZWANZIG!"
"Ach soooo, warte mal, das ist ja jetzt. Hättste doch auch gleich sagen können."

Ja ich weiß, das allein ist nicht das Leben und das allein ist auch nicht die Realität. Im Moment aber brauche ich besonders das und versuche konsequent zu meiden, das mir nicht guttut. Genauso meide ich Trigger, die die schwarzen Krähen erwachen lassen. So gut ich es kann zumindest.
Das Leben mit seiner Wucht kommt von ganz alleine zurück, das war schon immer so. Aber dann halte ich es besser aus.

Sonntag, 10. April 2016

...

"Wenn du da bist, geht es mir gut.
Wenn du nicht da bist, falle ich.
Dann zerfalle ich ins Nichts.
Es ist besser, wenn du da bist.
Ich möchte, dass du immer da bist."

"Ich bin da."

Aus "Birnenkuchen mit Lavendel"


Heute gesehen.
Ein Film, bei dem man anfangs auf die Uhr schaut und denkt: Wie lange geht der eigentlich noch?
Ein Film, wo man anschließend immer tiefer im Sessel versinkt - und die Zeit vergisst.
"Wir sind jetzt so still", sagt meine Freundin.
"Ist das schlimm?" frage ich.
"Nö", antwortet sie.
Wir lächeln.

Samstag, 9. April 2016

Kling Klang



Als ich heute Morgen aufstand und das Fenster öffnete, begegnete mir statt Sonnenschein und milden Frühlingstemperaturen Nieselregen. Kalt war es, so dass ich nur zu gern noch einmal unter die herrlich warme Decke kroch und mir diese bis zur Nasenspitze hochzog. Die Beine ausstreckte und die Füße wohlig aneinander rieb.
Ginge es nach mir, wäre dies ein Tag, den man durchaus im Bett verbringen konnte. Mit frühstücken im Bett, Zeitung lesen - oder auch mal wieder ein Buch.
Wie wäre es zum Beispiel mit... Hector? "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück"?

"Es war einmal ein junger Psychiater, der Hector hieß. Er trug eine kleine, intellektuelle Brille und verstand es, den Leuten mit nachdenklicher Miene und echtem Interesse zuzuhören.
Hector war ein ziemlich guter Psychiater. Und trotzdem war er mit sich nicht zufrieden. Weil er ganz deutlich sah, dass er die Leute nicht glücklich machen konnte... Kurz entschlossen begibt sich Hector auf eine Weltreise, in der Hoffnung, das Geheimnis des Glücks zu entdecken. Und allen, denen er begegnet, stellt er dieselbe Frage, die wiederum bei Männern meist Belustigung, bei Frauen eher Tränen hervorruft: 'Sind Sie glücklich?'
Warum träumen wir so oft von einem glücklicheren Leben? Liegt das Glück im beruflichen Erfolg oder im privaten? Hängt es von den Umständen ab oder von unserer Sichtweise? Am Ende seiner Abenteuer hat Hector dreiundzwanzig Antworten und erkennt: Nichts ist einfacher, als wahres Glück zu finden."

Beinah liebevoll habe ich über den Einband und die ersten Seiten gestrichen. Ich liebe es, ein echtes Buch in der Hand zu halten. Den Geruch der alten, papiernen Seiten. Sorgfältig Seite um Seite umzuschlagen.
Natürlich verbringe ich diesen verregneten Samstag nicht ausschließlich im Bett.
Schon deshalb nicht, weil mich der Kaffeeduft lockte.
Schon deshalb nicht, weil heut Nachmittag meine Freundin auf mich wartet - in der Innenstadt.
Schon deshalb nicht, weil es schade wäre um einen vermutlich wunderbaren Tag, den man eben nur im Bett verbrachte.

Donnerstag, 7. April 2016

Eins Komma Sieben Promille






Vor einigen Nächten konnte ich nicht schlafen, zappte mich durch die Programme, bis ich schlussendlich bei einer Reportage über Kinder in Russland hängenblieb. Kinder aus Gegenden irgendwo auf dem Land, wie vergessene Gegenden.
Kinder, die eingesperrt wurden, weil sie stahlen. Äpfel, Tomaten - um sie zu verkaufen für Alkohol.
Kinder, die eingesperrt wurden, weil sie Obst und Gemüse stahlen, um sich ein Hemd zu kaufen - weil die Mutter schwer krank und der Vater entweder tot oder abgehauen war.
Eingesperrt für mindestens ein Jahr oder länger.
Sie stehen morgens auf, sie bekommen Unterricht und zu essen, um alles andere, wie Sauberkeit, Ordnung, Geschirr abwaschen, Gänge und Zimmer wischen, müssen sie sich selbst kümmern. Wenn sie dann noch Zeit haben, spielen sie Fußball.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass man sich tatsächlich um sie kümmerte.
Ich hatte eher den Eindruck, dass sie sich um sich selbst kümmerten.
Niemand fragte, was in ihnen vorging, was sie bewogen hatte zu stehlen oder auch gewalttätig geworden zu sein.
Irgendwo in der Mitte der Reportage begann ich mich zu fragen: "Ist Russland hart zu seinen Kindern? Ist es zu hart? Es sind noch so kleine dabei, keine acht oder neun Jahre alt."
Hilft es ihnen, weggesperrt und sich selbst überlassen zu werden?
Einer weint vor der Kamera: "Ich will nach Hause zu meiner Mama."
Er hat noch keinen Besuch von ihr bekommen und schon einige Monate eingesperrt.
Die Mutter, die sie in ihrem Zuhause filmen, hebt die Schultern, sie sieht müde aus, resigniert. Ihr fehlt das Geld, ihren Sohn zu besuchen.
"Vielleicht ist es ja gut so wie es ist", sagt sie, "damit er lernt, auf den rechten Weg zu kommen."

Einer von ihnen ist in meinem Kopf geblieben.
Tolja.
Tolja, der Junge mit den großen, irgendwie sehnsüchtigen Augen. Der Dreizehn- oder Vierzehnjährige, der von sich sagte: "Am Anfang habe ich hier mit niemandem gesprochen. Aber ich habe gemerkt, dass man dann hier nicht überleben kann. Also habe ich irgendwann angefangen, mit ihnen zu sprechen."
Tolja, der Junge, von dem die anderen sagten: "Am Anfang schlief der gar nicht. Erst wenn alle anderen schliefen, dann schlief auch er. Aber das ist wohl so, wenn man jemanden umgebracht hat."
Und ich denke: "Umgebracht? Mit dreizehn? Mit Absicht?"
Sein Vater vor der Kamera, der seinen Sohn nicht besucht und auf die Briefe des Sohnes nicht antwortet. Der den Brief in der Hand hält und sagt: "Jetzt schreibt er. So gut, so gebildet."
Ein armes Zuhause, ein verwahrloster Hof. Der Vater, der indirekt zugibt, seine Frau geschlagen zu haben, weil sie ihm kein Essen kochen wollte, wenn er abends heimkam. Die ihn verließ und ihm das Baby überließ etwa in der Tonart: "Kümmer dich doch selber um das Balg."
Die fortging, eine neue Familie gründete, zwei Töchter bekam und ihren Sohn nicht bei sich haben wollte. Die in die Kamera schaute und erzählte, wie ihre vierjährige Tochter sich vor ihrem Sohn das T-Shirt auszog und sie den Jungen daraufhin wegschickte mit den Worten: "Du kannst hier nicht mehr herkommen. Geh weg, ich brauche dich nicht."
Tolja beginnt zu stehlen, alle gemeinsam in einer Bande von Kindern und Jugendlichen. Wird jedoch gemeinsam mit einem Freund zu Unrecht von der Polizei aufgegriffen und verprügelt. Wofür sie sich am Dritten rächen wollen. Und ihn schlussendlich erschlagen - mit einem Ziegelstein.
Der am Ende der Reportage in die Kamera lächelt und sagt: "Ich weiß nicht, ob ich ein besserer Mensch werde, wenn ich hier rauskomme. Vielleicht. Ich werde es versuchen. Aber ich weiß nicht, ob ich das schaffe." Und dann lächelt er.
Im Abspann ist zu lesen, dass 91 % dieser Kinder wieder ins Gefängnis (zurück)kommen werden - als Erwachsene.

Am Ende der Reportage zieht sich für mich wie ein roter Faden durch: Alle Kinder haben eines gemeinsam - die mangelnde bzw. fehlende Liebe insbesondere der Mutter.
Ganz offensichtlich bildet sie in all den Schicksalen die Schlüsselfigur.
Rechtfertigt das Verstehen darum ihre Taten?
Es hilft der Mutter nicht, deren Junge erschlagen wurde.
Es wäre - wenn ich ehrlich sein soll - auch mir egal, wenn man einem meiner Söhne Gewalt antun würde.

Und dann denke ich an sie, meine Söhne.
Der eine hat mit 16 im Supermarkt gestohlen.
Der andere hat im Kaufhaus gestohlen und mit 14 gemeinsam mit einem Freund eine Flasche Alkohol geleert. Eine Einliterflasche, die sein Freund in eine Saftflasche umgefüllt und mit in die Schule gebracht hatte. Von dem die Lehrerin glaubte, sie trinken Waldmeisterlimonade.
Von dem mein Sohn später sagte: "Was das war, weiß ich nicht. Es war grün, hat wie Lakritze geschmeckt und in den Adern gebrannt."

Jeder von ihnen trank schlückchenweise innerhalb von drei Stunden ca. 500 ml Absinth, so stands im Klinikbericht. Beide lagen mit 1,6 und 1,7 Promille bewusstlos erst im Sportunterricht und dann in der Klinik, wo ich ihn das erste Mal sah, nachdem die Schule mich angerufen hatte und neben der Schulleitung auch die Polizei wartete.
Damals stand ich Kopf vor Sorge, ob auch das Jugendamt zu uns käme, was auf uns zukommen würde.

Und es kam nichts.
Deshalb nicht, weil im Alkohol keine Drogen waren.
Deshalb nicht, weil dieser Vorfall der einzige war, den Junior mir bot.
Dieses Kind, das mir damals und auch später sagte: "Ich war ein glückliches Kind. Ich hab alles gehabt, was ich wollte und was ich brauchte, und ich habe mich immer geliebt gefühlt."
Dieser junge Mann, der seinem Vater so ähnlich ist, äußerlich und auch in vielen Charakterzügen - auch wenn er mit seinem Vater nur wenig zu tun hatte.
Und der große Junge, der wiederum mir so ähnlich ist, äußerlich und auch in vielen Charakterzügen. Der seinem Bruder oft sagte: "Glaub bloß nicht, dass ich das deinetwegen mach! Ich mache das alles nur für die Mama!" Dieser große Junge mit dem noch größeren Herzen, der großen Seele, in der man wohnen kann, solange man ihn nicht enttäuscht, sein Vertrauen nicht enttäuscht.

Ich schaue auf meine Söhne und bin glücklich und dankbar, dass sie so sind wie sie sind.
Dass sie geworden sind, was sie eben sind - auch wenn sie beide irgendwie noch nach dem richtigen Platz in ihrem Leben suchen; der Platz, wo sie hin wollen, wo sie sein wollen. Beide so unterschiedlich wie sie nur sein können - der eine im Büro, der Gewalt völlig ablehnt; der andere, der inzwischen beim Bund ist, der Dienst an der Waffe sozusagen.
Es wäre zu einfach zu sagen: "Habt eure Kinder einfach lieb, seid gut zu euren Kindern, dann sind sie es auch zu anderen."
Dennoch komme ich nicht umhin, mich zu fragen, was aus einem Jungen wie Tolja geworden wäre, hätten ihm seine Eltern von Anfang an einfach nur Liebe entgegengebracht? Kein Mensch wird schlecht geboren - und er hatte so sehnsüchtige Augen. Litt so darunter, dass sein Vater ihm nicht schrieb und ihn nicht besuchte, weil seine Mutter ihn schon als Baby ablehnte.

Ich schaue auf mich selbst und habe erst vor einigen Jahren erkannt, wie essentiell die Liebe meiner Mutter für mich war und ist. Auch wenn alle immer dachten, ich sei ein Papakind. Heimlich habe ich ihre Schuhe angezogen, ihre Kleider. Ich wollte sein wie sie, nicht jammern, nicht klagen, ich wollte so sein wie sie - stark und sanft zugleich.
Und ich glaube, ich bin sehr viel mehr von ihr geprägt, habe sehr viel mehr von ihr, als es auf den ersten Blick scheinen mag.
Sie ist meine Schlüsselfigur.

Montag, 4. April 2016

Reden wir doch mal über... Schuhe!

Frauenthema halt.
Heute Morgen, mit dem ersten.. na ja gut nein zweiten guten-Morgen-Kaffee wählte ich zur Morgenlektüre mal keine Zeitung oder den TV, sondern meine Lieblingsblogs.
Bei Anna stolperte ich dann über die Wahl der - in diesem Falle - Sneaker und was diese über einen selber verraten.

Insgesamt finde ich es ja ziemlich... wie soll ich sagen.. deutsch?, dass der Mensch immer versucht, die Menschen in Schubladen zu verpacken. Trägst du dies, bist du so eine. Trägst du das, bist du ne andere. Schläfst du auf dem Bauch oder Rücken? Dann bist du der und der. Und so weiter und so weiter. Und ich muss dann echt immer lachen, weil ich einfach in keine Schublade reinpassen will.
Ich ziehe an, was mir gefällt, bin mal durch und durch sportlich in Jeans und Chucks, oder eben auch mal im kurzen Schwarzen mit Chucks oder Heels (ja ich weiß, dass das "kleines Schwarzes" heißt, aber das klingt nach so edel, was ich wiederum einfach nicht bin. Ich bin die mit dem Wurstbrot in der Hand und nicht mit dem Gutfried-Teller vor sich.)
Ich bin immer so ein Mix-Dingens. Habe ich übrigens auch Herrn Blau gestanden, noch bevor er die vertraglichen Verhandlungen zum Eingehen einer Beziehung mit mir aufnahm: Im Buch "Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können" wird beispielsweise beschrieben, dass der Mann der typische Gasherd ist - ZACK AN, drei Minuten vollste Hitze, ZACK AUS. Während hingegen die Frau der typische E-Herd sei - lange Anwärmphase, dafür aber auch lange Abkühlphase. Mich hat das köstlichst amüsiert: "Dann bin ich wohl ein Kombi-Gerät!"

Insofern - weil noch ein bisschen Zeit bis Dienstbeginn war (man muss es ja auch zum Montagmorgen nicht gleich übertreiben, finde ich), stöberte ich ein bisschen auf der von Anna verlinkten Seite herum...


Und die Brigitte schreibt dazu eben:

"Die Chucks von Converse sind in den letzten Jahren zu wahren Turnschuh-Klassikern gereift. Ob zur Jeans oder zum Kleid, sie lassen sich vielseitig kombinieren und sind deshalb immer passend. Frauen, die sich für diese Schuhe entscheiden, gehen nicht nur in Sachen Mode auf Nummer sicher. Sie sind freundlich, offen und haben einen großen Freundeskreis. 
Modische Experimente liegen ihnen dagegen eher fern."

Chucks besitze ich beide, die hohe und die normale Sneaker-Variante. In mehreren Varianten und Farben (hoffentlich liest Herr Blau das hier nicht :))
Und ich glaube, die Beschreibung passt auch insgesamt ganz gut zu mir. Modische Experimente habe ich sicherlich keine ausprobiert. Meine Haar beispielsweise waren mal blond, mal schwarz, mal braun, mal rot - aber grün nie. Auch nicht magentafarben, obwohl ich finde, dass es Frauen gibt, die richtig klasse damit aussehen. Auch die, die nicht bei Telekom arbeiten. Aber ich finde auch Tattoos ziemlich geil und habe trotzdem keins. Will auch keins. 
Zwar ist mir völlig wurscht, was gerade mal wieder Trend ist. Ich kaufe bzw. ziehe an, was mir gefällt und von dem ich denke, dass es zu mir passt - und ich trage meine Tasche übrigens immer noch am liebsten quer über die Brust (weil bequem, Hände frei und kein Klau-Alarm oder lästiges Nachschieben bei Wegrutschen) und nicht in der Armbeuge (es gibt kaum etwas, das ich affiger finde als das). Aus der Rolle gefallen bin ich eben aber auch nie. Individueller Mainstream also vermutlich, ha ha. Mir auch egal, wie man das nennt. 
Und Sicherheit ist generell ein Thema, das bei mir mit den Jahren immer größer geschrieben wird. Zwar habe ich keine Ahnung, warum, aber es ist eben so.

Bei der Beschreibung zu diesem Paar Schuhe, die ich mir übrigens letzen Sommer in Berlin kaufte, weil ich da ja noch doppelt benadelt war sozusagen und entsprechend "softes" Fußwerk benötigte, wenn eine Tour durch die Stadt länger als eine halbe Stunde dauern sollte, habe ich dann aber doch ein wenig lachen müssen!

"New Balance:
Trägerinnen eines New Balance-Schuhs fühlen sich meistens jünger als sie tatsächlich sind. Diese Frauen lieben Ruhe und Komfort, sind aber zeitgleich auch sehr ehrgeizig und teilweise perfektionistisch. Nicht nur im Job, auch in ihrem Privatleben legen sie Wert auf Genauigkeit."






Also was ja durchaus zutrifft, ist der Passus mit Ruhe und Komfort. Hierauf tätsch mich sofort ausruhen wollen, ha ha.
Was aber so überhaupt gar nicht stimmt: sehr ehrgeizig und teilweise perfektionistisch. 
Von wem reden die da?
Herr Blau täte sich hier ausschütten vor Lachen und vermutlich auch ein bisschen weinen, denn meinen beispielsweise sportlichen Ehrgeiz findet er zum Weinen. Dieser Ehrgeiz meinerseits nämlich beschreibt sich am besten mit "Kiel":



Und perfektionistisch? Da muss selbst ich lachen! Ich, die Meisterin der Improvisation!
Ich, die nie weiß, wo sie schon wieder die Brille hingelegt hat, die sie doch gerade noch in der Hand hatte. Oder den Autoschlüssel. Oder das Portemonnaie. Oder das Handy. Zwar verliere ich selten etwas (nur das Genie beherrscht das Chaos, jawohl!), aber ich bin eben auch nicht nur zu Ostern auf der Suche. Insofern... ergänzen wir beide, Herr Blau und ich, uns eigentlich perfekt. Er bringt mir Ordnung bei, ich ihm Gelassenheit. 
Nun sagen wir: Wir sind beide noch in der Testphase. Man kann ja auch nicht alles haben!
Es gibt hingegen jedoch wiederum Dinge bei mir, wo ich an Pingeligkeit kaum zu überbieten bin. Während Herr Blau gerne mal vergisst, was er dann und wann sagte, arbeitet mein Hirn mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks - und hält ihm prompt den entsprechenden Spiegel vor.
Mein Hirn ist quasi ein Zuckerberg-Imperium: Es speichert sämtliche Daten und Bilder, auch die, von denen Herr Blau glaubte, sie längst gelöscht oder sie überhaupt je "ins Netz" gestellt zu haben. 
Es gibt aber auch Tage, da bin ich anstrengend klinisch. Da putze und wische ich, dass es keine Freude mehr ist, da nerven mich die tausend kleinen Dinge, die Herr Blau uuuunbedingt aufheben muss - als Andenken oder so oder "weil das zu schade ist zum Wegwerfen". 
Ich erzähle Euch jetzt nix von unserem Küchenschrank! Was DA alles drin ist! Habe ich mich schon zigmal aufgeregt. Tausend Geräte für den technikaffinen Hausherrn. Da könnste blöde werden - vor allem, weil man 80 % davon nie nutzt! Nie!
Oder wenn meine kleine Kommode, auf die eigentlich nur zwei Bilder und zwei, drei Bücher gehören plus maximal eine Vase mit Frühlingstulpen, zusätzlich vollgeramscht ist mit seiner Zweitbrille, Zeitschriften über Autos & Computer, der aktuellen Post und/ oder Einkaufsbelegen und dem Kerzenanzünder. Da kriege ICH Plaque von! Obwohl mir als Chaotin das ja eigentlich egal sein müsste. Neehehe!
Aber ich sags ja: Ich passe einfach in keine Kategorie, und ich glaube, jeder von uns ist ein Mischexemplar. Wieso also versuchen wir dann eigentlich immer, den Menschen zu etikettieren und zu katalogisieren? 
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich jetzt so viel geredet habe, dass mich grad eben wieder Kaffeedurst überkommt. Glücklicherweise besitzen wir nicht auch noch eine ultrahochmoderne Kaffeemaschine, für die ich erst den Technikkurs belegen muss. Wasser aufsetzen, Pulver in die Tasse, Wasser drauf, vieeeel Milch dazu, fertig ist der Lack. Ich bin zwar geruhsam und lasse mir oft und gerne Zeit, aber es gibt eben auch Dinge, die müssen einfach zackig gehen, sonst werde ich nervös.