Samstag, 28. Januar 2017

Riding Home Today



Manchmal denke ich schon, dass ich einen Spleen habe.
Ich mag keine fremden Badezimmer, erst recht nicht, wenn sie öffentlich sind.
Ich übernachte nicht gern woanders, ich schlaf am liebsten zu Hause.
Ich esse nicht gern vom Besteck oder Geschirr, das gerade ein anderer benutzt.
Ich mag nicht die Sachen anderer Menschen anziehen.
Ich mag nicht die Kosmetika anderer Menschen benutzen.
Ich mag nicht auf den Mund geküsst werden - außer vom Mann.
Ich mag nicht von Fremden angefasst werden.
(Insofern werde ich auch nie Kandidatin bei Shopping Queen werden.)

Aber es ist schon echt verrückt. Wenn ich M verlasse und auch nur einen, zwei oder mehrere Tage woanders verbringe, kann ich spätestens dann die Nächte voll durchmachen. Beinah so, als befände ich mich auf Speed. Dann sitze ich großäugig und putzmunter wahlweise auf Sofa oder Bett, mache die Nächte fast komplett durch (oder schlafe schlecht, wenn ich es doch versuche) und bin tagsüber dennoch nicht müde.
Kaum aber trete ich in M durch die Tür, fällt schlagartig alles von mir ab, kehrt die Ruhe in der Seele ein und falle ich wahlweise auf Sofa oder Bett - und stehe zumeist auch ein ganzes Wochenende nicht mehr wirklich auf.

Heute nun fahr ich wieder zurück nach M, den Schlafentzug bemerke ich insbesondere an der nun doppelt quälenden Intensität des andauernden Schmerzes, aber dann dreh ich den Regler nach rechts und die Musik vibriert durch den kleinen Raum. Den einzigen kleinen Raum, der für wenige Stunden mir ganz allein gehört, den ich mit Musik füllen kann, so laut und so viel ich will..
Und ja, ich hab auch gelesen, dass es jetzt Cannabis auf Rezept gibt, sofern man eine willige Kasse bedient und außerdem an den "richtigen" Krankheiten leidet. Aber ich frage mich grade, wenn ich das denn je beantragte und überhaupt bekäme, dann dürfte ich vielleicht kein Fahrzeug mehr führen? Und dann wärs vorbei mit diesen krachend musikerfüllten Stunden? Hm. Muss ich noch drüber nachdenken, was mir wichtiger ist. Oder wie Herr Blau immer sagt: "...dann tuts noch nicht genug weh."

Freitag, 27. Januar 2017

"Heute ist unser Tag." Jeden Tag!



Als ich zum allerersten Mal in Dein kleines Auto stieg und mich neben Dich setzte, glaubte ich noch für einen Moment, Du seist nur eine von den unzähligen Mitfahrgelegenheiten, derer ich mich bediente.
"Macht es dir etwas aus, wenn ich etwas esse?" hast Du mich gefragt und ich verstand die Frage nicht: "Ist doch dein Auto?"
Und dann hast Du sie ausgepackt, diese irre Brotbüchse mit fingerdick geschnittenem Brot und mit irgendwas belegt, das mindestens genauso dick war - und irgendwie habe ich mich fast sofort wie zu Hause gefühlt. Wie ganz früher als Kind, als ich noch klein war und in genau so einer Brotbüchse Kekse versteckte, die ich nicht mit den Brüdern teilen wollte. Du hast gegessen und wir haben geredet, erzählt, Erinnerungen hervorgekramt, als würden wir uns schon ewige Zeiten kennen und hätten uns nur mal eben wiedergesehen.

Noch heute erinnere ich mich an diese Begegnung; ich weiß zwar nicht mehr, ob es Frühjahr, Sommer oder auch schon Herbst war, aber es war sonnig und es ging uns gut.
Von da an sind wir bei jeder möglichen Gelegenheit gemeinsam gefahren, mal ich mit Dir, mal Du mit mir.

Auch als wir zu Deinem Geburtstag ans Meer gefahren sind, konnte es nur genau so gehen und kein bisschen anders. Und wir haben es beide geliebt, genau so wie es war. Chaotisch, planlos, aber kein bisschen ziellos. Wir wussten immer genau, was wir wollten und irgendwie haben wir auch genau das immer erreicht.

Heute schaue ich auf Dich und immer und immer wieder überkommt es mich, dieses Gefühl, so als würde sich mit Dir noch einmal mein ganzes Leben wiederholen. So als stünde ich neben mir und schaute mir selber zu.
Als Du mir heute Abend von Deinem neuen Plan schriebst, da lächelte ich einmal mehr ungläubig.
Es ist immer noch Dein Leben. Es ist immer noch Dein Weg.
Aber es war eben auch meins.
Wir glauben, dass wir lieben, weil wir eigentlich nur fort wollten aus dem Leben bisher. Weil wir glauben, das hier sei die Endlösung und das einzig Mögliche. Wir fühlen uns schuldig an Dingen, die wir nicht zu verantworten haben. Wir verbringen Stunden um Stunden beim Therapeuten, weil "in meine Praxis kommen nicht die, die es nötig hätten, sondern die, an denen es ausgelassen wird". Wir zerfressen uns und hadern mit uns, weil wir glauben, wir müssten dem Spagat aus Fulltimejob, Haus und Kind gerecht werden und können es doch nicht. Wir sehen in den Spiegel und sehen etwas ganz anderes als das, was uns eingetrichtert wird, und irgendwann verschwimmen dann doch die Linien, verschieben sich die Blickwinkel und dann glauben wir zu sehen, dass wir tatsächlich das sind, was er uns sagt: ein Nichts, ein Niemand, hässlich, scheiße und unfähig in allem.. Immer öfter denken wir: Nee, das ist es nicht gewesen, das kann es echt nicht gewesen sein. Nicht so.

Und heute Abend schreibst Du mir: "..Und ich kann mich orientieren, wie du alles geschafft hast."
Nein, mach das nicht. Mach Dein eigenes... Ich bin echt sehr gespannt, wohin Dich Dein Weg führt..
Nur für heute, jetzt und hier.. lass uns unbedingt ganz bald noch mal ans Meer fahren!!! Nur wir zwei!!




Dienstag, 24. Januar 2017

Die Flut an Farben, Gerüchen und Eindrücken - Jodhpur, Tag 9



Jodhpur ist, glaube ich, eine Stadt, die die Klischees von Indien erfüllt: laut, bunt, schmutzig; es ist heiß, es ist unfassbar staubig, und dennoch überrollt mich die Flut an Gerüchen und Farben, und immer wieder fällt mir auf: Das Bunte an Indien sind vor allem die Frauen. Sie kombinieren die verrücktesten, leuchtendsten Farben, die ich je gesehen habe, ihre Arme sind voller Reifen, kaum eine Frau, die nicht auch weiteren Schmuck an den Ohren, in der Nase, um den Hals und an den Händen trägt. Und es steht ihnen! Ich selbst bevorzuge Schlichtheit, aber wenn ich all diese Frauen sehe mit ihren bunten Kleidern und ihrem Körper voll Schmuck, dann bin ich fast versucht, auch so aussehen zu wollen - und das einzige, das mich zurückhält, ist das Bewusstsein, wie ein Christbaum auszusehen. Es passt einfach nicht zu uns Europäern, finde ich. 
Und dann denke ich: Es ist gut wie es ist. Würden wir alle gleich aussehen, wäre es ja langweilig.

Wie vor jeder größeren Stadt werde ich von Herrn Blau gebrieft: "Schau ihnen nicht in die Augen, das verstehen sie als Aufforderung, als Interesse, und dann wirst du sie nicht mehr los."
Offen gestanden, mir fällt das schwer. Menschen interessieren mich und Augen faszinieren mich. 
An ihnen erkennst du einfach sofort, ob ein Mensch tatsächlich lächelt oder nur die Zahnreihen freilegt. Und ich will doch entdecken, ich will sehen, ich will hinschauen und jedem, der mir etwas anbietet, lächle ich ein "No, thanks" entgegen. Ich kann nicht einfach vorbeigehen und so tun, als nähme ich sie gar nicht wahr. Es sind immer noch Menschen, die am Abend eines Tages etwas Geld vom Verkauf mit heimbringen sollen oder müssen. 

Jodhpur, eine Stadt mit rund einer Million Menschen - und man spürt es. Sobald das Auto irgendwo hält, sind sie da, die jungen Mädchen und Frauen mit den Kindern auf dem Arm, den Babies im Arm, und immer wieder krampft sich in mir alles zusammen, wenn ich die kleinen dürren Füßchen sehe, die ausgemergelten Körper der Frauen. 
"Die Frauen wollen nur Geld für Opium", werden wir vom Inder wiederholt gewarnt, wir sollen sie nicht beachten und die ganz hartnäckigen verscheucht er mit einer energischen Handbewegung und ein paar Worten auf Hindi. Noch heute verfolgt mich dieses Geräusch der ersten drei Finger an der Hand, mit der die Frauen und halbwüchsigen Kinder an die Scheiben klopfen. Tok Tok Tok. 



Und Inder sind unglaublich beflissen. Hast du erst einmal ihren Shop betreten, fragen sie nur kurz, wonach du suchst - und dann laufen sie hin und her, erzählen im Vorbeigehen auf Englisch und breiten eines nach dem anderen vor dir aus.
"Du musst sie stoppen", sagt Herr Blau, "du musst schon sagen, wonach du suchst, sonst haben wir hier bald den ganzen Laden ausgebreitet vor uns liegen."
"Ich weiß gar nichts mehr", entgegne ich, "ich bin... komplett überfordert gerade."
Am Ende kaufen wir nichts, denn während ich auf der Suche nach bestimmten Farben und Mustern bin, die ich trotz aller Fülle nicht finden kann, ist Herr Blau ernüchtert von den Preisen, die auf seiner letzten Reise vor 6 Jahren noch ganz andere gewesen waren.
Beinah haltlos benehme ich mich dafür im Gewürzshop, in dem ich vor allem eins wahrnehme: Kardamon. Kardamon soll schmerzstillend wirken, das wussten wir schon vor unserer Reise..



Und ich mag unseren Guide. Ein sehr höflicher und wohltuend unaufdringlicher Mensch; beinah der einzige, der mir in Erinnerung geblieben ist, ohne dass ich erst in unserem Tagebuch nachschlagen muss. Man merkt ihm an, dass er ein Programm abspult, zu oft hat er vermutlich Jodhpurs Geschichte schon erzählt und die Touristen in den Forts herumgeführt.
Im Schloss eines Maharadschas sind verschiedenste historische Uhren ausgestellt, und wir erkennen wieder, was wir einst in einer Reportage gesehen haben: Historische Uhren, für deren Wartung und Reparatur die besten Uhrmacher der Welt zusammenkommen, eine kleine Gruppe in einem Tanzsaal des Palastes, der für die rund zwei Wochen in eine Art Werkstatt umfunktioniert wird. Irgendwie ein cooles Gefühl, die Dinge, die man bislang nur aus dem TV kannte, nun auch live zu sehen.

Vor dem Eingang zum "Baby Taj Mahal", einer sehr kleinen Nachbildung des Originals.


Ein Zelt... Ein Zelt mit echtem Bad, echter Dusche und allem PiPaPo.
Sogar mit einer Klimaanlage ausgestattet, was angesichts der Temperaturen von fast 40 Grad angenehm ist,
besonders nachts.
Ich bin sehr dankbar dafür, aber die Bilder der Menschen draußen vor dem Tor gehen mir nicht aus dem Kopf.
Die Unterschiede können kaum... größer sein.


Montag, 23. Januar 2017

Da, wo wir zuhause sind



Der Ort, wo ich geboren wurde, ist so ganz anders als der Ort, an dem ich jetzt lebe.
Man sagt, man ist immer dort zuhause, wo man geboren worden ist, aber ich bin mir da gar nicht so sicher.
Ich würde nicht dorthin zurückgehen wollen.
Es wäre mir.. zu still in den Wintermonaten, und es wäre mir zuviel in den Sommermonaten.

Von diesem Zuhause ging ich vor über 28 Jahren nach L und tat mich unglaublich schwer mit diesem Ort. Genau genommen entdeckte ich ihn auch erst für mich, nachdem ich mich von meinem Mann trennte und aus diesem Zuhause ausgezogen war. Noch heute sehe ich mich manchmal dort sitzen, am Fenster dieser neuen Wohnung, noch ganz leer, mit nichts außer dem Sofa, dem großen Bild und der Musikanlage auf dem Holzfußboden. Sehe mich am Fenster stehen, auf die Kastanienbäume gegenüber starren und mich versuchen zu erinnern, wie die Farbe meiner Träume ausgesehen hatte.
Wie ich eigentlich leben wollte. Nicht die Frage dominierte, mit wem, sondern wie.
Wie Puzzleteile fielen nach und nach die Erinnerungen an diese Farbe der Träume in meinen Kopf zurück, hinter meine Stirn und fügten sich dort ebenso nach und nach zu einem Bild zusammen.

Ich habe noch nie so gelebt wie ich es mir erträumte.
Ich habe noch nie das Leben geführt, das ich eigentlich hätte führen wollen.
In einer Wohnung mit Holzdielen und viel Platz für Bücher, Schallplatten - und das Malen.
Noch nie in einer Wohnung mit einem Schild an der Tür, das Herz & Namen verbindet.
Noch nie in einer Wohnung, in der ich mich wie früher als Kind auf das Fensterbrett zurückziehen konnte, hinunterzuschauen auf Straßen und Menschen, wie sie ihr Brot einkaufen und gleich draußen vor der Tür hineinbeißen, weil es warm am besten schmeckt. Menschen, die sich zufällig wiedersehen und einander herzlich umarmen und zusammen weitergehen. Menschen, die einem anderen ungeduldig die Vorfahrt nehmen und über den wild gestikulierten Vogel lachen oder die Schultern zucken. Menschen, die abends heimkommen und im Haus gegenüber Licht machen, die Vorhänge zuziehen oder zu mir herüberschauen. Menschen, die in den Bus oder die Bahn steigen und zur Arbeit fahren oder von dort kommen. Menschen, die an ihrem Roller lehnen, reden, lachen, einander verliebt anschauen und sich eine Strähne aus den Augen streichen, während sie ob der Sonne die Augen zusammenkneifen.
Leben, inmitten diesem Leben wollte ich leben.
So sehr, wie ich auch wieder am Meer leben wollen würde, irgendwo.
Das Beste für mich wäre eine Metropole, nah genug am Meer und doch... lebendig genug, um die Abende auf Fensterbänken zu verbringen und Stimmungen aufzufangen. Vermutlich gibt es sie so nicht. Ich muss mich also entscheiden, was ich will. Die Metropole oder das Meer.
Eines Tages muss ich mich entscheiden..

Denn Zuhause.. ist irgendwie doch dort, wo unser "Herz" zuhause ist. Sowohl als auch.
Ich habe keine Angst vor dem Warten.
Auch wenn ich nicht wissen kann, wie viel Zeit einem bleibt.

Dienstag, 17. Januar 2017

...aber was fehlt, ist das Gefühl.


Wenn der Schmerz im Körper überhand nimmt und Wochen überdauert, dann geht mir irgendwann ein wenig die Energie aus. Irgendwann und ein wenig. Was ich bis dahin versuche zu verbergen, kostet Energie, und wenn diese ausgeht, verleitet es mich zu Postings wie unlängst bei FB, die ich einen Tag später wieder lösche und mich schäme für diese Schwäche, Schwäche zu zeigen. 
"Es wird nicht gejammert und es wird nicht gebettelt", hat mich mein Vater früher gelehrt - also versuche ich nichts zu sagen, so lange, wie ich es ertragen kann, so zu tun, als sei gar nichts. 

"Wenn Sie nicht sagen, dass Sie Hilfe brauchen, dann können Sie auch nicht erwarten, dass Sie Hilfe bekommen."
"Aber ich erwarte doch überhaupt nichts."

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Wo Entwicklungen - auch und insbesondere in der Medizin, in der Humangenetik und überhaupt - viel Gutes bewirken können, ist auch viel Missbrauch. Da, wo die Dinge eine Eigendynamik entwickeln, die man irgendwann gar nicht mehr kontrollieren kann..
Wo wir vor ein paar Jahren noch ein kleines Kärtchen besaßen, am Abend im schnell übergezogenen Kapuzenshirt, die ungekämmten Haare zu einem Zopf zusammengebunden im spärlichen Neonlicht Videofilme im Laden zwei Straßen weiter ausliehen, genügen heute die Onlineregistrierung und ein Klick mit der Tastatur, um das sehr schmerzhafte Strecken und Beugen der Finger, des Armes, des Beines auf dem Sofa zu umgehen und zu warten, bis das Level wieder erträglich wird. 
Ich gebe zu, derzeit möchte ich am liebsten kaum etwas anderes tun. Natürlich fragt das Leben nicht danach, die Arbeit muss erledigt werden, und auch das Leben zu Hause will ja gelebt werden. Am Leben teilhaben, nicht nur zuschauen und alles vorbeiziehen lassen. 
Aber ich genieße sie, die Abende, an denen wir uns die virtuelle Videothek auf den heimischen Bildschirm holen.
"Ex Machina" ist rein dem Titel nach nicht die Art Filme, die mich reizen - doch dieser hier überraschte mich. Ein fein konstruiertes Szenario aus Mensch und Maschine, aus Klang, Bild und Gefühlen.
Ich weiß gar nicht, wie alt der Wunsch des Menschen ist, künstliche Intelligenz zu schaffen. Diese Technik immer weiter zu vervollkommnen und zu perfektionieren - und demzufolge weiß ich auch nicht, wie alt die Gier des Menschen ist, diese perfektionierte Technik für sich und seine Zwecke zu missbrauchen.
Ich weiß auch nicht, ob es je einen Film gab, der uns nicht aufzeigte, dass selbst im ausgeklügelsten System der winzigste Programmierfehler zu verheerenden Folgen führte. Abgesehen von Baymax, vielleicht. 
"Ich versteh das Ende nicht", sagte Herr Blau, "warum hat sie das gemacht?"
Ich wandte meinen Kopf und schaute ihn nachdenklich an.
"Weil sie lediglich wusste, dass sie eines Tages abgeschalten würde. Ihre hohe Intelligenz signalisierte ihr, überleben zu wollen. Sie hat präzise funktioniert. Aber was ihr fehlte, war das Gefühl. Das ist etwas, das man nicht programmieren kann. Noch nicht jedenfalls. Stattdessen hat sich die Fehlbarkeit der Menschen gezeigt. Weil sie eben nicht nur denken, sondern auch fühlen."

Meistens bin ich froh, ein Mensch zu sein.
Manchmal aber denke ich, wenn die Maschine keine Gefühle haben kann, dann fühlt sie auch keinen Schmerz. Und manchmal.. wäre das besser für mich. 
Aber auch.. nur manchmal.

Montag, 9. Januar 2017

...Du bekommst ein Buch.

Urheber: Ryan McGuire
Quelle: http://www.gratisography.com/

Ich habe als Kind unglaublich viel und gern gelesen. Wenn ich daran denke, tauchen immer wieder dieselben Erinnerungsfetzen in meinem Kopf auf. Ich im Haus meiner Großmutter. Sie wohnte zu ebener Erde, kleine Zimmer, knarrende Dielen. Kleine Fenster, aber herrlich tiefe Fensterbänke, auf denen ich so oft saß, malte, spielte oder in Büchern blätterte. Ab und an hob ich den Kopf und dann konnte ich sehen, wie die Großmutter im Konsum gegenüber Milch und Spritzringe einkaufte.
Ich habe es geliebt, dort zu sitzen, ganze Tage konnte ich dort verbringen. Wenn ich aus dem Schrank rechts unten die Bücher hervorkramte, dann schlug er mir entgegen, der Geruch aus altem Holz, Pfefferminz und alten, verblichenen Buchseiten. Noch heute, wenn ich die Augen schließe und mich darauf zurückbesinne, kann ich mich an diesen Geruch erinnern, als würde er mich tatsächlich umgeben. An die Perlenketten in den Schatullen, von denen sie sagte: "Das kannst du alles haben, wenn ich mal nicht mehr bin."
Ich erinnere mich an ihr Schlafzimmer mit dem Gitterbett für mich, in das sie mich legte und ein Tuch über das Gestänge hängte, um mich vor dem einfallenden Licht aus der guten Stube zu schützen; ich erinnere mich an die dunklen Holzmöbel und dem Emailletopf unter ihrem Bett, denn ein Badezimmer gab es nicht. Man bediente das Plumpsklo im Hof, vor dem es mich immer gruselte, die Wäsche wurde im Topf gekocht und im Zuber gewaschen, gebadet habe ich in einer Zinkwanne auf dem Küchentisch.
Ich habe darin gesessen, den Schaum auf den Beinen verteilt und dann, weil mir das rechte Wort nicht einfiel, sagte ich zu ihr: "Oma, aber jetzt sind meine Federn ganz nass!"
Ihr Küchenbüfett habe ich geliebt, eins mit vielen kleinen Schubladen und -lädchen, alle habe ich geöffnet und hineingesehen, wann immer ich in den Ferien bei ihr war.
So lange ich denken kann, trug sie diese irren Kittelschürzen und darüber diese dunkelblaue grobe Strickjacke mit den braunen Hirschhornknöpfen. Doch das Haus verließen wir nie, ohne uns gut anzuziehen und das Haar sorgfältig zu kämmen.
In ihrem Haus duftete es immer nach Äpfeln, Frischgebackenem und eingekochten Johannisbeeren.
Sie hat sich die Männer genommen, die ihr gefielen, ohne sich aber je zu verschenken und sich auch überhaupt nicht darum gekümmert, was die Leute im Dorf über sie redeten. Ich glaube, sie hat ihr Leben tatsächlich geliebt, aber ich bin nicht sicher, ob die letzten Jahre so waren, wie sie es sich vorgestellt oder gewünscht oder erträumt hatte.

Ich bin schon lange kein Kind mehr und meine Großmutter ist vor rund dreißig Jahren verstorben. Jedoch diese Zeit mit ihr und bei ihr ist so lebendig in meinem Kopf, als müsste ich nur einige wenige Schritte zurückgehen, um nachzuschauen.
Aus diesen frühen Jahren gibt es keine gemeinsamen Fotos, gibt es nichts mehr, das mich an sie erinnert. Nichts außer den Erinnerungen in meinem Kopf. Sie sind die intensivsten meiner Kindheit, die ich habe. An kaum etwas sonst erinnere ich mich, seltsamerweise. Bei ihr jedoch geht meine Erinnerung so weit zurück, dass ich noch immer weiß, wo und wie sie mich wickelte und mich davon abhielt, in ihrer Nachttischschublade nach ihren Tabletten zu kramen.

Heute, viele Jahre später, entdecke ich, dass ich aus dieser Zeit mit ihr und bei ihr sehr viel mehr mitgenommen habe, als ich vielleicht je angenommen hätte.
In meinem Besitz befinden sich heute einige wenige, aber wunderschöne Holzmöbel aus längst vergangener Zeit.
Strickjacken sind für mich das, was anderen Frauen Schuhe oder Handtaschen bedeuten - und bei jeder grob gestrickten werde ich immer noch schwach..
Ich lese noch immer sehr gern und ich liebe es, an einem Fenster zu sitzen, eine Tasse Kaffee oder Kakao vor mir, und ein Buch aufzuschlagen. Nichts geht über den Geruch bereits vergilbter Seiten, nichts geht über diesen beinah liebevollen Handgriff, mit dem man eine Buchseite zwischen den Fingern hält, bevor man sie umschlägt. Nichts geht über die Taschenbücher mit ihren abgestoßenen, abgewetzten Rändern und dem zerknitterten Einband, weil man so oft in ihnen las, dass man sie beinah auswendig kennt und trotzdem möchte man immer wieder in ihnen lesen. Ähnlich einem Gesicht, eingebettet in Runzeln und Lachfalten, aus dem dir wache, aufmerksame Augen entgegenschauen, und dieses Gesicht erzählt dir so viel mehr vom Leben - und in dieses Gesicht möchtest du immer wieder schauen, weil du nicht aufhören kannst, dir diese Geschichten immer wieder anzuhören..
Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir heute nicht mehr an einem Waschbrett stehen, unsere Kinder in Zinkwannen baden müssen, indem wir das Wasser vorher auf dem Kohleofen erhitzten, dass das warme Wasser aus der Wand kommt und ich meine Toilette weder mit Spinnen und anderem Getier und auch nicht mit der halben Hausgemeinschaft teilen muss.
Entwicklung ist etwas ganz Tolles.
"Aber bitte, bitte schenk mir niemals einen eReader", bat ich Herrn Blau schon vor langer Zeit.

Sonntag, 8. Januar 2017

Jahrmarkt der Eitelkeiten



Ich liebe Inspiration. Ich liebe Kopfkino. Ich liebe es, wenn die Phantasie anregende Blüten treibt.
Dazu muss man mir nicht alles sagen oder zeigen - es genügt die Andeutung.
Das ist für mich wie mit einem nackten Körper. Komplett entblößt reizt er mich nicht.

Ähnlich empfinde ich es beim Schreiben und beim Lesen anderer Lebensgeschichten.
Ich wünsche mir, eintauchen zu können in die fremde Welt, die mir dargeboten wird. Aber ich will gar nicht alles wissen, nicht alles bis in das letzte Detail. Die komplett entblößte, nackte Seele reizt mich nicht. Sie lässt mir keinen Raum für Interpretation mehr, für das Spiel in meinem eigenen Kopf.
Damit erhebe ich natürlich keinen Anspruch auf die Rechtmäßigkeit meiner Interpretation - doch darum gehts mir auch nicht. Weil ich nicht bewerten, sondern mitgenommen werden möchte. Für einen Moment lang entführt in eine Welt, die mir möglicherweise fremd oder doch nicht so fremd ist, die anders ist vielleicht als meine oder auch nicht, in der ich aber immer etwas von mir wiedererkenne - oder glaube zu erkennen. Ich möchte lesen von anderem Denken, anderem Tun, möchte mich hineindenken, mich hineinfühlen können. Es gibt immer irgendetwas, das man für sich selbst mitnimmt. Das den Zugang zu den ureigensten Gedanken und Wünschen freilegt..

Über die Jahre des Schreibens und insbesondere Lesens hinweg überkam mich hin und wieder das Gefühl, auch das Schreiben, das Spiel mit dem Wort und die damit gekonnte Inszenierung von Gedanken und Gefühlen in anderen Köpfen gleiche zuweilen auch beinah einem Politikum. Manchmal verwunderte es mich, aber irgendwann verstand ich diese Form des Gedankenaustauschs letztlich auch als das sich Befinden inmitten von Menschen, die die Dinge nicht so sehen und empfinden müssen wie der Autor selbst. Dann liegt es an unseren Eigenschaften, nicht zuletzt auch an unserer Erziehung, wie wir darauf reagieren. Insofern ist es wie im realen Leben auch: Je erfolgreicher jemand ist, desto mehr gibt es Menschen, die es neiden. Je weniger erfolgreich man ist, desto eher neigt man zum Assimilieren, schlüpft in eine (Kunst-) Figur, die es so nicht gibt, aber dem Mainstream entspricht und damit eine möglichst große Zahl an Lesern lockt.
Ist es das, was ich sehen möchte?
Mir muss niemand folgen, nur weil ich mich bei ihm eintrug.
Ich entfolge niemandem, nur weil er bei mir nicht (mehr) liest.
Ich lese, was mich interessiert, und ich höre auf damit, wenn es mich nicht mehr interessiert.
Zugleich fehlt mir irgendwie.. immer mehr dieses.. wie soll ich es beschreiben.. wunderbar Normale. Ich vermisse den gleichnamigen Blog von Miss Friederike, den es nicht mehr gibt. Ich vermisse ihren Blog "Latenerezza", den es auch schon so lange nicht mehr gibt. Vermutlich hatten sie niemals den Anspruch darauf, etwas Besonderes zu sein - und war es womöglich gerade deshalb. Weil ihre Autorin es wie kaum jemand verstand, ihre Gedanken und Empfindungen des Alltags in Seidenpapier zu verpacken und einem beinah liebevoll über den Ladentisch zu reichen.

Stattdessen begegnen mir immer öfter Blogs, die sich in ihrer bis zum Perfektionismus getriebenen Ironie, ihrem geübten Zynismus gefallen und zu überschlagen versuchen, dabei längst real verblichene Autoren zitieren (wenn ich noch mal irgendwo Bukowski lese, erbreche ich mich!) oder sich auf ihn berufen, weil das jetzt einfach mal den Zeitgeist trifft - und nicht, weil sie ihn, respektive seine Werke tatsächlich kennen UND schätzen. Es mag zunächst faszinierend klingen, gekonnt auf alles und jedes zu schimpfen, alles und jeden zu diskreditieren - mich persönlich jedoch (und ich kann ja auch immer nur für mich selber sprechen) langweilt es. Weil es mir zu unecht ist. Weil es nichts auslöst. Worin ließe sich auch Inspiration finden, tagtäglich mit den Füßen in einem Eimer Gülle zu stehen und immer wieder eine weitere Kelle Abfall dazugeschüttet zu bekommen?
Für meine Inspiration kann ich mir natürlich selber meine Quellen auswählen.
Auch kann ich selber darüber entscheiden, ob ich meine Füße tagtäglich in Gülle baden will oder nicht.
In der Welt der mittlerweile unzähligen "lauten" Blogs fehlt mir nur immer mehr genau dieser Feingeist einer Miss Friederike oder einer Lou oder einer Elise, dieses Gespür für die Verbindung von Wort und Gedanken. Diese "stillen", aber unfassbar schönen Blogs der empfindsamen Menschen mit ihrer schönen Seele.
Die sich wohltuend abheben. Weil nicht jeder laut und schmutzig sein muss. Ständige Stille wäre wenig aushaltbar, das ist richtig. Ständige Schreierei aber auch.

Montag, 2. Januar 2017

Das Leben der Anderen

 Die letzte Nacht des Jahres 2016. Menschen setzen sich Partyhütchen auf oder kleiden sich in ihr kleines Schwarzes. Stellen den Sekt kalt und das Essen auf den Tisch, geben sich "Diner for one" zum zwölfunddrölfzigsten Male oder drehen die Musik auf und werfen Papierschlangen und Konfetti.
Während wir in der glitzerkalten Nacht ein Ticket am Parkscheinautomaten zogen und auf einem der vielen freien Sitze im Wartebereich der chirurgischen Notaufnahme Platz nahmen. Wie alle kann ja schließlich jeder. Wir also anders.
Angesichts eines verbliebenen Akkustandes von lediglich 3 Prozent ("Es waren doch grad noch 44?" - "Bei Kälte geht es zack runter, weißt du doch." - "Ich sag ja, Winter ist scheiße." - "Du sollst nicht immer fluchen." - "Du bist nicht mein Vaaaaa-ter.") beschränkte ich mich auf das Lesen einer angebotenen Zeitschrift aus dem Jahr 2011 und widerstand nur schwer der Versuchung, die letzten Groschen am Kaffeeautomaten neben mir einzulösen angesichts einer möglichen Verlängerung am Parkscheinautomat. Manchmal bin ich tatsächlich vernünftig.
Da war die junge Frau, äußerlich scheinbar unversehrt, aber verdammt blass um die Nase.
Da war die alte Dame mit dem blutigen Kinn. Beide in sich versunken, abwartend. Und eben allein. Oft denke ich in solchen Momenten an die Worte von Ella, die mir vor langer Zeit mal in einem Kommentar antwortete, dass man sich einfach nur trauen müsste, sich an einen Tisch mit anderen, fremden Menschen zu setzen - und dass man oft genug positiv überrascht würde. Vielleicht aber ist der Tisch in einem Gasthaus eben auch etwas anderes als der Wartebereich einer Notaufnahme? Weil man ohnehin schon mit sich zu tun hat und auch keinen Wert auf Konversation mit Fremden legt - auch nicht an einem Silvesterabend?
Sie kamen (vermutlich) allein, sie warteten allein, sie gingen allein, still und grußlos. 
Jeder für sich. Ob wohl jemand zu Hause auf sie wartete?

Ganz anders die fünf Menschen mit scheinbar rotgefrorenen Händen und einem offensichtlich ausreichenden Pegel an Alkohol - und einer Dose Sekt und Red Bull in der Hand.
"Muss das sein - mit Alkohol in der Hand in die Klinik?" flüsterte der Mann neben mir und ich kicherte: "Helau, es ist Silvester!" 
Diese fünf Menschen waren weder allein noch still noch leise und innerhalb der nächsten fünfundvierzig Minuten erfuhren wir alle so einiges über den Patienten, der erst lautstark seine Frau herunterputzte, dann mit ihr und der Truppe kurzzeitig verschwand und anschließend in einem Rollstuhl und deutlich ruhiger mit allen zurückkehrte. 
Wir erfuhren, dass er C. hieß, unter einem sehr schmerzhaften, wohl faustgroßen Abzess in der Leistengegend litt, bereits vor einem halben Jahr nach einer schweren Lungenentzündung zwei Schlaganfälle erlitten hatte, wonach er für drei Wochen ins Koma fiel. Und dass er und seine Frau in dieser Klinik ihr Kind verloren hatten.
"Warum wolltest du unbedingt in diese Klinik?" fragte ihn seine Frau immer wieder. "Diese scheiß Klinik!"
Unablässig streichelte sie ihm durch die Haare, nötigte ihn zum Trinken aus der Wasserflasche und redete unaufhörlich mit ihm, während er die Augen längst geschlossen hatte, dann und wann nur ein leises Grunzen von sich gab und vermutlich zwischendurch immer wieder einschlief. "Rede mit mir, C.! Verdammt, rede mit mir!"
"Ich mach mir Sorgen!" sagte seine Frau zur Krankenschwester, die im Beisein zweier weiterer Krankenschwestern eine andere Patientin aufrief.
"Sehen Sie denn nicht, wie schlecht es ihm geht? Er kann kaum noch laufen oder stehen."
"Ja das sehe ich, aber er sitzt ja jetzt im Rollstuhl. Sitzen geht ja noch, oder?"
Der Mann neben mir und ich wechselten einen Blick.
"Und ich sehe auch, dass er sich wohl was gespritzt hat. Deswegen ist er jetzt ja auch ruhig."
Der Mann neben mir und ich wechselten erneut einen Blick.
"Das ist hart", flüsterte ich.
"Vielleicht kennen sie das Paar ja schon", flüsterte er zurück. 
"Was soll das?" kreischte die Frau. "Was glauben Sie denn, wer wir sind? Ich habe studiert! Ich habe Abitur! Wir sind doch keine scheiß Junkies!"
"Das ist diese scheiß Stadt, in der sie alle glauben, sie seien etwas Besseres! Ich hasse diese Stadt! Ich hasse diese Klinik! Meine Schwester hat hier gearbeitet und gekündigt, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat!"
"Da hat sie aber recht", flüstere ich dem Mann zu, "ich denke auch oft, dass die Leute hier scheiße arrogant sind und dann frage ich mich, wieso eigentlich und mit welchem Recht?"
Eine Stunde später ist die Behandlung abgeschlossen, der Arztbrief gedruckt und ich gehe nicht, ohne den Patienten alles Gute zu wünschen. Nur eine Frau mit langen blonden Haaren, die sehr krank ausschaut, hebt den Kopf und lächelt. Wir lächeln uns an.
"Kennst du sie? Habt ihr miteinander gesprochen?" fragt der Mann. 
"Nein. Hab mich nicht getraut, das wirkt immer so aufdringlich."

Daran dachte ich auch heute, als wir im Cafe an dem einzigen Tisch mit noch ausreichend Sitzmöglichkeit Platz nahmen, an dem schon eine ältere Dame saß, eine Suppe aß und einen Tee dazu trank.
Irgendwann verabschiedete sich der Mann mit den Worten "Jetzt geh ich mal aufs Örtchen" und dann saß ich da mit der Dame, die ihre Suppe ausgelöffelt hatte und stumm an mir vorbeischaute.
Ich betrachtete ihren roten grobgestrickten Pullover, ihre verwaschenen blauen Augen, die mich an meine Großmutter erinnerten, dann dachte ich an Ellas Worte und ich dachte daran, wie blöd es doch irgendwie ist, dass man gemeinsam an einem Tisch sitzt und kein Wort miteinander wechselt.
Gib dir doch mal einen Ruck, sagte ich mir, und dann ging alles irgendwie wie von selbst.
"Hat Ihnen denn die Suppe geschmeckt?" fragte ich und die Dame schaute mich freundlich an.
"Ja, das machen sie hier schon sehr gut. Eine gute Tomatensuppe."
Wir unterhielten uns angeregt über Rezepte, über Gewürze, über Indien, über das Reisen, sie erzählte von ihrer Tochter, von Menschen, die über die Weihnachtszeit hier in die Stadt kämen, um alle möglichen medizinischen Anwendungen und Operationen zu bekommen. Und die ganze Zeit dachte ich, wie leicht das alles war, wie leicht das alles ging und wie wenig im Grunde dazu gehört, die Brücke zu einem anderen fremden Menschen zu bauen.
Ich hab mich noch mal zu ihr umgesehen, bevor wir den Raum verließen.
Unsere Blicke trafen sich und wir lächelten.

Das neue Jahr 2017, es ist noch so jung und für eine Zehntelsekunde hatte ich die Hoffnung gespürt, es könne vielleicht doch ein gutes Jahr werden?
Klappe ich FB auf, will diese kleine Hoffnung schrumpfen. Zunächst. Kaum ein Posting, kaum ein Statement, das ohne die Ereignisse von Silvester 2015 und 2016 auskommt. Kann man eigentlich überhaupt noch etwas richtig machen? Kann man überhaupt noch etwas sagen, eigener Meinung sein, ohne dafür mit dem Rücken an die Wand oder in eine unpassende Schublade gedrängt zu werden?
Doch dann stelle ich fest: Die Kommentare sind fast ausschließlich sachlich, sie zeigen Ansichten, sicherlich verschiedene Meinungen und Ansichten - aber sie bleiben trotz aller Emotionalität.. sachlich. 
Sollte das tatsächlich die erste zarte Wende andeuten? Dass Menschen einander wieder mehr zuhören und andere Meinungen zulassen, ohne sich verbal zu vergreifen? Dass man wieder miteinander diskutiert, argumentiert? 
Das Jahr 2016 - es ist vorbei. 
Ich schaue eher zuversichtlich auf das neue Jahr 2017 - und ich wünsche uns allen, dass es ein gutes Jahr wird. 

Dienstag, 27. Dezember 2016

"Intelligenz ist chaotisch"



Ich habe mich beim Lesen dieses Artikels köstlich amüsiert!
Kurz gefasst ließe es sich also so sagen: "Die Chaoten, die gerne fluchen und nachts nicht in den Schlaf finden, die überall alles rumliegen lassen haben und deren Freunde an einer Hand abzählbar sind, das sind die eigentlich Intelligenten."

Ein wenig fühle ich mich an die E- und Gasherd-Geschichte erinnert, nach der ich zweifelsfrei befand: "Ich bin ein Kombigerät!"
Denn auch jetzt fühl ich mich irgendwie komplett dazwischen:
Die jeweiligen länger andauernden Phasen der durchwachten Nächte oder die des Murmeltierverhaltens wechseln zuverlässig einander ab. Ebenso wie die Phasen des absoluten Chaotentums (wo liegt was und wieso liegt das alles rum? Das aber fragt meist Herr Blau!) und der dann wiederum schon wieder fast peniblen Anwandlungen, in der mit der Zahnbürste Fugen ausgeschrubbt werden und der ganze Nippes von Herrn Blau nach und nach unauffällig in die große Truhe abwandert, weil es mich nervös macht, wenn Regale und Kommoden zugestellt werden.
Noch am Samstag wunderte ich mich latent über das Rowdyverhalten meiner Mama im Straßenverkehr und während ich mich gleich heute darüber wunderte, über welch zweifelhaften Wortschatz auch ich tatsächlich verfügen kann, lachten die Söhne: "Du bist genauso wie Oma!"
Ich kenne vielleicht recht viele Leute, aber befreundet bin ich tatsächlich nur mit ganz wenigen. Dazu reicht tatsächlich eine Hand.
Also ließe sich vermuten, dass mein eigener IQ im guten Mittelfeld liegen wird. Reicht vielleicht auch. Der EQ reißts wieder raus ;)

Danke, Hessen, für diesen äußert amüsanten Artikel. Mir ist natürlich klar, dass Du dabei vor allem an Dich selbst gedacht hast. Sind wir Chaoten also auch noch Egomanen, aber nu ja, es hätte uns ja auch schlimmer treffen können! ;)

Montag, 26. Dezember 2016

"Manchmal wissen alle was und wissens doch nicht." (Lilyhammer)

Bildquelle: http://weheartit.com/entry/271591376/explore?context_user=thainasep1914&page=11

Das Jahr neigt sich immer mehr dem Ende zu.
In den letzten Jahren, das muss ich gestehen, habe ich zum Ende hin aufgeatmet und gedacht: "Gut, dass es vorbei ist. Jetzt kommt ein neues Jahr und es wird ganz sicher ein besseres."
Ob es nun auch immer so war oder eher doch nicht, ob alles war wie immer oder auch nicht - das mag je nach Blickwinkel so oder so gewesen sein.
Für mein Empfinden habe ich nur einmal mehr das Kindsein vermisst.
Die Unbedarftheit.
Das Entdecken wollen.
Einfach das.. Mensch sein.

Wann macht man dem anderen eine Freude, so außerhalb Weihnachten, Geburtstag?
Wie oft denkt man "Ich lieb dich wie verrückt" - und wie oft sagt man es?
Wie oft begegnet man sich an einer Kasse und schaut sich kaum in die Augen?
Wie oft lässt man sich einen Kaffee servieren und schaut sich kaum in die Augen, wegen dem Handy in der Hand?
Wie oft ist man versucht, am Klofräulein vorbeizuhuschen in der Hoffnung, dass sie grad unaufmerksam genug war zu bemerken, dass man einen Groschen einsparen wollte?
Wie oft hat man Blumen geschenkt bekommen und sich einfach nur gefreut, ohne zu denken: "Hat er ein schlechtes Gewissen?"
Wie oft schaut man Passagiere an, die in den Flieger oder die U-Bahn mit einsteigen wollen, und fragt sich: "Muss ich seine Tasche für verdächtig halten? Komm ich hier wieder lebend raus?"

Gedanken entstehen im Kopf.
Ängste entstehen aus Gedanken.
Ich meide die Medien, wenn es mir zuviel wird, und mir ist bewusst, dass die Welt nicht besser wird allein in der Vermeidungstaktik. Aber ich will sie nicht, diese eingepflanzten Gedanken, die Angst schüren. Ich will mich nicht fragen, ob ich einen Weihnachtsmarkt besuchen oder in eine Bahn steigen kann. Angst in der Dunkelheit hatte ich schon immer, schon als Kind, seit morgens auf dem Weg zum Bus der Mann in der Dunkelheit neben dem Baum stand, als habe er nur auf mich gewartet. Als habe er gewusst, dass da um diese Zeit jemand kommen würde. Der wohl einzige Morgen, an dem ich ohne meine Brüder zum Bus wollte. Bis heute vermeide ich es, allein in der Dunkelheit unterwegs zu sein. Bis heute fürchte ich mich allein in einer dunklen Wohnung. Verbrechen hat es auch bei uns immer schon gegeben, auch wenn die Dimension heute eine andere ist.

In diesem Jahr habe ich mehr Weihnachtskarten versendet als noch im letzten Jahr. Handgeschrieben, auch wenn meine Schrift dank Zitterpartie etwas schlechter geworden ist. Und wenn auch nicht in der Seelenruhe wie gehofft. Aber ich liebe es, Handgeschriebenes zu verschicken. Auch weil ich diese Sammelbildchen zum Beispiel bei FB nicht mag. Oder diese Kettennachrichten bei whatsapp.
Das Persönliche geht mir einfach zu sehr verloren.
Aber ein Bildchen ist natürlich leichter ausgewählt, Personen markiert und verteilt, als passende Weihnachtskarten auszuwählen, Adressen hervorzukramen und etwas aufzuschreiben, Briefmarken zu besorgen und die Karten aufzugeben.

Wann immer ich einen Kaffee oder auch mehr bestelle, schaue ich den Menschen in ihr Gesicht, in ihre Augen, wir lächeln uns an. Sage "Bitte schön" und "Danke schön" und kann auch, wie wir es in der Kindheit gelernt haben, in ganzen Sätzen formulieren "Ich möchte gern einen Milchkaffee, bitte."
Es war ein Inder übrigens, der mal zu uns gesagt hatte, dass er es so schön, so wohlklingend findet, unser "Danke schön." Nicht einfach nur ein hingerotztes "Danke", nein, ein "Danke schön". Es klinge wesentlich freundlicher und ehrlicher.
Dem Klofräulein habe ich heute meine gesamte vermünzte Barschaft auf den Teller gekippt, so wie auch schon mal zuvor einem Bettler in seinen Geigenkasten, und ihr noch ein paar schöne Feiertage gewünscht in der Hoffnung, da möge noch mehr kommen als die zum Teil unaussprechlichen Hinterlassenschaften von Nutzern. Sie hat mich angelächelt, sie mit ihren blauen Augen in einem freundlichen Gesicht voller Runzeln.
In Bussen, in U-Bahnen betrachte ich Familien mit Kindern. Kinder sind noch so... echt.
Dann denke ich an Churu, an all die Kinder und die Frauen, sehe mich wieder von ihnen umringt, wie sie mich berühren, meine Hand halten wollen, wie sie lachen, wie sie mich ansehen, spüre wieder diesen unvergesslichen Zauber und dieses wunderbare Gefühl frei von jeglicher Berührungsangst. Wo doch grad ich jemand bin, der es gar nicht mag, wenn man ihn einfach berührt. Und dann auch noch Fremde!
Dann lächle ich, dann lächeln manchmal die Eltern, zaghaft noch, weil unsere Sprachen einander so anders sind - aber wen interessiert das schon, denn ein Lächeln versteht jeder und überall..

Ich liebe es, wenn Herr Blau heimkommt und sagt: "Das ist so schön, wie du dich immer freust, wenn ich da bin."
Manchmal schaue ich ihn an, auf sein Lächeln, das ich so liebe, in seine blauen Augen, in denen ich versinken kann, und dann sage ich: "Hab ich dir eigentlich schon gesagt, wie sehr ich dich liebe?"
"Nö", blättert er in der Zeitschrift
"Na ja macht ja nüscht", zucke ich die Schultern.
Und dann lächeln wir.

Vermutlich hat Herr MiM recht und man muss zum Beispiel nur ein bisschen mehr auf die Kraft der (eigenen) Werte vertrauen.

Samstag, 24. Dezember 2016

Weihnachten in Familie!

Das Auto kommt mit so einem Zuck rückwärts aus der Garage förmlich geflogen, dass nur noch ein beherzter Sprung zur Seite mein Leben retten kann.

"Hast du es so eilig?"
"Wieso? Ich fahr doch ganz gemütlich? Ich schleich schon fast."

"Jetzt fahr doch mal, du Blödmann!"
"Drängeln kostet, Mama!"

An der Linksabbiegerampel dem geradeaus wollenden Gegenüber noch schnell die Vorfahrt genommen.
"Wenn ich warte, bis der fertig ist, hat der Laden inzwischen geschlossen!" werden die Schultern gezuckt.

Weihnachten mit der Mama - immer wieder eine Aufregung wert!


Eigentlich hatte ich mich in diesem Jahr mit einem Video über die Feiertage persönlich von Euch verabschieden wollen. Doch hatte ich dafür ein Gedicht von Loriot gewählt, das insbesondere angesichts von Berlin einfach nicht mehr passen mochte. Inzwischen sind die Söhne und ich auf die Insel gefahren und genießen das Miteinander, genießen das, was wir haben, dass wir soweit gesund sind und es uns gut geht - und das wünsche ich auch Euch von Herzen.

Bildquelle: http://previews.123rf.com/images/pauljune/pauljune1211/pauljune121100017/16477714-Eulenfamilie-Weihnachtsgru--Lizenzfreie-Bilder.jpg



Donnerstag, 22. Dezember 2016

...




"How rare and beautiful it is to even exist."

Ich gebe zu, ein bisschen macht er mich ja schon wuschig, dieser emsige kleine Kerl. Aber ich liebe es, weil ich einfach.. die Aussage dahinter liebe. 

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Es liegt immer nur an uns. Aber wie nun weiter?


Schon den halben Abend sitze ich irgendwie ratlos vor dem Bildschirm, ohne etwas geschrieben zu haben, ohne etwas zu tun, die Musik läuft leise, im Raum hängt noch der Duft des Abendessens. Die Jungs liegen satt und irgendwie zufrieden auf ihren Betten, schauen fern oder hängen an ihrem Telefon.
Ich scrolle mich wahllos, rastlos durch die Posts der abonnierten Blogs, lese nicht, überfliege nur, finde nichts, das mich heut Abend irgendwie.. einfängt. Mitnimmt. Irgendwohin.
Ich scheue mich davor, Nachrichten zu schauen, Nachrichten zu lesen, ganz gleich wo.

Ich wurde geboren in einer Welt, in der den Menschen das Denken abgenommen, sie des Denkens entwöhnt wurden - oder es werden sollten. In einer Welt, in der wir auf die Schulbänke die Frage ritzten: "Wie soll man eine Weltanschauung haben, wenn man sich die Welt nicht anschauen darf?"
In einer Welt, in der Atlanten herausgegeben wurden mit - nun sagen wir - neu definierten Ländergrenzen, die eben nur in diesen Atlanten existierten. In einer Welt, in denen Eltern die Kinder genommen wurden, sobald sie den Mut aufbrachten, ihre Fragen laut zu stellen und zugleich auch Antworten zu bewerten, zu hinterfragen.
Eine Welt, die zugleich aber auch eine scheinbare Sicherheit suggierte. Eine Sicherheit, das einem nichts wirklich passieren konnte, wenn man nur den Mund hielt und nicht wirklich nachdachte.
Der Weg schien klar. Man wird geboren, geht zur Schule, geht arbeiten, geht in Rente, stirbt, das wars. Friedlich und unaufgeregt.
Doch dann öffneten sich die Grenzen.
Tausende verließen ihr Zuhause.
Weg, nur weg.
"Ich geh hier nicht weg. Was soll  sonst hier werden, wenn wir alle abhauen?"
Mein damaliger Mann konnte mir diese Frage nicht beantworten, doch weil ich mich weigerte zu gehen, blieb auch er. Und wir schauten auf diese neue Welt, die sich uns eröffnete. Richteten uns darin ein. Uns war bewusst, wie viel Glück wir tatsächlich hatten..
Und irgendwann begann ich mich zu interessieren. Hörte genauer hin, genauer zu, schaute genauer hin. Weiß ich deshalb heute mehr? Nein, das tue ich nicht. Ich vermag vor allem.. inzwischen nicht mehr zu unterscheiden, was kann ich glauben, was ist ein Fakt, was ist ein Fake? Bin ich nun zu müde oder ist es zu schwierig geworden, Wahrheiten ausfindig zu machen? Die Welt ist voller Realisten, und jeder von ihnen geht davon aus, es sei so wie er es wahrnehme. Jeder von ihnen glaubt, er habe genug gelesen, sich genug interessiert.
Und hier steh ich. Und hab so viele Fragen. So viel Angst. Und immer noch.. Hoffnung.

Beinah möchte ich lachen über eines der ersten Statements aus der Politik zum gestrigen Abend, aber es wäre ein bitteres, ein zynisches Lachen - und eins, das mich selber glauben ließe, es gäbe ja doch keine Hoffnung mehr.
Und während die einen sich diesen Worten öffnen und Wählerstimmen "abwandern", wollen die anderen ausnahmslos ihre Arme öffnen.
Und hier steh ich. Und ich hab Angst. Vor dem, was kommt. Vielleicht. Ich frage längst nicht mehr, ob, ich frage mich, wann? Rund 23 Jahre existiert die EU, existieren offene Grenzen innerhalb Europas, innerhalb der Staaten, die in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Wir haben die Vorzüge gern angenommen und über anderes großzügig hinweggesehen. Wir haben die Kriege wahrgenommen, die in Jugoslawien, die im Irak, die in Afghanistan, wir haben gegen die Kriege demonstriert; es wurden Kerzen für Paris, für London, für New York, für Brüssel, München, Berlin und Frankreich angezündet. Profilbilder wurden farbig markiert, um "Flagge" zu zeigen.
"Ich mag solche Kettennachrichten nicht", schrieb ich erst heute via whatsapp, nachdem auch mir auf diese Weise so ein Bild zugeschickt worden war. "Ich glaube die Message dahinter nicht. Erschütternd ist das, was passiert ist, in jedem Fall. Das ganze Morden, diese grausame Brutalität, manchmal kann ich das kaum noch aushalten.. Dann will ich einfach nur noch ganz weit weg sein [...] Es ist soviel Hass unter den Menschen, ich frag mich, was ist mit der Liebe?"
Hier steh ich. Und frage mich: Was kommt wann? Was ist letztlich noch möglich, um aufzuhalten, dass wir uns alle gegenseitig an den Hals gehen? Wie viel kann ich bewegen, bis wohin kann ich mich bewegen?
Habe ich wirklich geholfen, indem ich Tausende Menschen aufnehme, die vor einem Krieg fliehen, den wir selber mit befüttern, ganz egal, auf welche Weise? Habe ich damit nicht eher nur mich selber beruhigt?
Seit 23 Jahren gibt es die EU, noch länger gab es Kriege - und nun kommen Millionen von Menschen? Tatsächlich mit einem Mal - oder doch schon lange angekündigt und nur zu lange ignoriert?

"Friedliche Zeiten sind eine Ausnahme. Nicht die Regel.
Aber es liegt an uns und wie wir uns einbringen werden, ob wir aus der Ausnahme eine Regel machen können."


Lese ich heute hier.
Nicht zum ersten Mal lese ich solche Aussagen.
Aber keiner sagt, WIE das geht. Keiner sagt, WIE kann ich mich einbringen? Nicht die AfD wählen - ja, aber das allein ist es  ja nicht.
Nicht zum ersten Mal stelle ich solche Fragen.

Als ich mich gestern Vormittag auf den Weg nach L machte, habe ich entgegen der letzten Wochen kein Radio gehört, nur Musik aus meiner eigenen Playlist. Ich sah nichts "anderes", ich hörte nichts "anderes". Ich fühlte mich ganz gut, es ging mir ganz gut soweit, die Sonne schien, alles schien friedlich. Von Berlin erfahre erst am späteren Abend. Es ist, als käme ich aus der einen Welt in eine ganz andere.
Beinah ist es wie ganz früher.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Only Love Can Hurt Like This



Gerade bist Du gegangen.
Alles hier atmet noch den Duft des Tees, den Du nicht mehr ausgetrunken hast.
Geblieben sind auch die Gedanken, die seit Deinem Besuch hier im Raum zurück blieben.

Wenn nur Liebe so sehr weh tun kann, impliziert es dann, dass wir nicht mehr lieben, wenn es nicht mehr schmerzt?
Ich bin mir der Antwort gar nicht mehr sicher.


Was habe ich denn schon groß gemacht?


In verschiedenen Blogs kann ich derzeit lesen, wie der eine oder die andere sein Jahr 2016 zusammenfasst und oft klingt durch, dass es kein gutes Jahr war.
Was mich betrifft, ich glaube, ich möchte in diesem Jahr darauf verzichten, mein Jahr zu beschreiben. Auch kann ich, wenn ich so darüber nachdenke, ohnehin nicht in Worte fassen: War es nun ein gutes oder ein weniger gutes Jahr? Es war zumindest nicht ganz so bedrückend wie 2015. Vielleicht war es auch nicht so sonnig, wie ich es mir wohl gewünscht hatte. Hätte.

Was habe ich denn schon groß gemacht?
Ich habe gelacht und geweint, geliebt und verachtet, wieder länger geschlafen und viel mehr dabei geträumt als sonst, mich aber auch wieder öfter nachts durch die Programme gezappt, mir das Haar wieder abschneiden lassen (entweder ist das eine Marotte von mir oder aber ich habe einfach noch nicht gefunden, was wirklich zu mir passt), meine Musikdatenbank weiter aufgefüllt und dabei wesentlich lebendigere Musik hinzugefügt als noch im letzten Jahr; habe mich von einem Traum verabschiedet und einen Ring unwiderruflich tief in einer Holzkiste vergraben; ich habe in diesem Sommer Entscheidungen getroffen, die ich aller Voraussicht nach in den nächsten Monaten umsetzen werde. Umsetzen kann. Damit werde ich mir nicht nur Freunde machen und vermutlich den einen oder anderen Abschied hinnehmen müssen.
Sieht also so aus, als würde sich mein ganz persönliches 2016 in 2017 fortsetzen.
Aber seit ich aus Indien zurück bin, fühle ich wieder mehr Gelassenheit und auch mehr Zuversicht.
Und die Hoffnung, dass es ein guter Weg wird.
"Wie finde ich nur meinen Weg?" hat J. mich heute gefragt.
"Deinen Weg finden..", habe ich nachdenklich geantwortet. "Wenn du mich fragst.. Man geht immer seinen Weg, gestern wie heute.. Die Frage ist aber: Wo will ich ankommen? Wo will ich sein - und mit wem?"
Manchmal muss man sich einfach nur was zutrauen. Sich trauen. Ja, man kann viel verlieren - man kann aber auch viel gewinnen. Und manches geht nie, egal, ob es noch da ist oder nicht. Manches.. bleibt einem für immer. Für mich ganz persönlich ist das etwas Positives.

Ich glaube an das Gewinnen. Immer noch. Auch in 2017. Auch wenn es in 2016 nicht funktioniert hat. Auch wenn die Arbeit daran härter ist als gedacht.

Nur jetzt grad - jetzt bin ich müde. Die letzten Nächte waren irgendwie... so kurz.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Reinste Kaffeesatzleserei!

Am Anfang hab ich es gar nicht soooo wahrgenommen. Aber nach der vierten, fünften Tasse Kaffee fiel mir auf, dass mir geheime Botschaften gesendet wurden... Und ab dann begann ich, sie zu fotografieren.

Sonntag
Also ich finde schon, dass man es immer noch erkennen kann!
Auch ohne schief gucken!

Montag
Hier fand ich es noch deutlicher.


Dienstag Morgen
Jetzt sogar ausgefüllt.
Mit voller Inbrunst also, könnte man jetzt interpretieren.
Ich begann mich zu fragen...
WER IST DA? Und meint der wirklich mich? 


Dienstag Nachmittag, 16:15 Uhr
Doch, wer auch immer - er meint mich:
Denn das C ist der Anfangsbuchstabe meines echten Namens.
Wie geil.
Ich kann Kaffeesatz lesen!
Natürlich nur in der Auslegung, wie sie mir gefällt. Da bin ich ganz selektiv!

Montag, 12. Dezember 2016

Happyness Is A Piece Of Cake



Bildquelle: https://stocksnap.io/photo/0JMXZQPFL9
Bildquelle: https://stocksnap.io/photo/G5MY3MM6YE

Ich bin ein Spätzünder, ich weiß.
Um Kritiken, irgendwelche Schreibereien kümmere ich mich nicht.
Ich will selber sehen, selber schmecken, tasten, ausprobieren.
Und dann sagen: Es war gut. Oder es war nicht gut. 
Ich kann nicht sagen, dass "Fifty Shades of Grey" DER Knaller war.
Ich kann nicht sagen, was Zuschauer sich erhofften zu sehen.
Ich kann auch nicht sagen, dass der Film nicht.. typische irreale Kitschromantik an sich gehabt hätte.

...aber ich mochte den Film. 
Mir haben die Bilder gefallen.
Mir hat die Verbindung zwischen Bild und Klang gefallen. 
In jeden einzelnen Moment habe ich mich mitnehmen lassen, die langen Strümpfe über die Knie gezogen und meine Arme um die Beine geschlungen. Und beinah regungslos geschaut, während in meinem Kopf tausend Bilder durcheinanderstürzten.



Bevor wir nach Indien flogen, fühlte ich mich aufgebracht, aufgewühlt - und wusste zugleich, dass es das alles.. nicht wert ist vielleicht. Dass es anders auch geht. Dass man nur den Mut aufbringen muss. Dass man nur den Mut vermitteln können muss - und da ist, wenn einer springt. 
Ich weiß nicht so genau, was in den Tagen passiert ist, in denen wir in Asien waren. Was genau in mir passiert ist. Ich glaube, ich möchte es mit einem Zitat von einer Frau ausdrücken, die ich sehr gern sehen mag - weil ich ihr jedes einzelne Wort, das sie sagt und das sie auch nicht sagt, glaube. 


“Ich habe keine Geduld mehr für bestimmte Dinge. 
Nicht weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach nur, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, an dem ich keine Zeit mehr mit dem, was mir missfällt oder mir wehtut, verschwenden will.
Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, für übertriebene Kritik und Forderungen jeder Art.
Ich hab den Willen verloren, denen zu gefallen, die mich nicht mögen; die zu lieben, die mich nicht lieben; und die anzulächeln, die mich nicht anlachen wollen.
Ich verschwende keine einzige Minute mehr an die, die lügen und manipulieren. Ich habe mich entschlossen, nicht mehr mit Verstellung, Heuchelei, Unehrlichkeit und billigem Lob zu koexistieren.
Ich toleriere weder selektive Gelehrsamkeit noch akademische Arroganz. 
Ich werde mich auch nie an den so beliebten Klatsch gewöhnen.
Ich hasse Konflikte und Vergleiche.
Ich glaube an eine Welt der Gegensätze und darum vermeide ich Menschen mit starren und unflexiblen Persönlichkeiten. 
In Freundschaften mag ich Mangel an Loyalität und Verrat nicht. Ich komme nicht klar mit solchen, die keine Komplimente oder ein Wort der Ermutigung geben können.
Übertreibungen langweilen mich und ich habe Schwierigkeiten Menschen zu akzeptieren, die keine Tiere mögen. 
Und obendrein habe ich keine Geduld für alle, die meine Geduld nicht verdienen.“
Meryl Streep
(Urheber: José Micard Teixeira)


Mir wurde so oft gesagt "Lös dich von dem, das dir nicht gut tut" - und es ist ja nicht so, dass ich nicht weiß, was das ist. Es ist nur so, dass es oftmals an der Konsequenz mangelt, aus welchen Gründen auch immer. 
Es ist auch nicht so, dass nicht auch ich dann und wann versucht hätte, jemand anderes zu sein. Überhaupt anders zu sein. Um wahrgenommen zu werden. Um gesehen zu werden. 
Womöglich habe ich nicht über Dinge mitgelacht, die ich nicht lustig fand.
Ganz sicher habe ich nicht all das mitgemacht, das andere wollten.
Aber ich wollte womöglich.. zu vieles tun, um dazugehören.
Und am Ende, irgendwann mitten auf dem Weg, da bleibt man stehen und erkennt: Man ist immer der, der man war, und wenn man auch noch so sehr versucht, jemand anderes zu sein - das eigene Ich kommt wieder, wenn man es lässt. Oder man verbiegt sich so lange, bis man bricht. 
Also lasse ich los. Also habe ich losgelassen. Mich freigemacht von den Gedanken und Erwartungen anderer. Was man über mich redet, will ich gar nicht wissen, es interessiert mich nicht. Was man von mir denkt, will ich auch nicht mehr wissen - weil ich nicht will, dass es mich beeinflusst. Dass es mich behindert. Ich will ich sein. Und das genießen, was ich bin. Wer ich bin. 
In manchem zu schnell, in manchem zu langsam, manchmal zu früh, manchmal zu spät. 
Das ist egal. 
Solange ich mich selber dabei fühlen kann.

Tu Dir den Hass auf die anderen nicht an, kleine J. Du kannst sie nicht ändern und sollst das auch gar nicht. Aber sie sollen Dich auch nicht ändern. Mach das, was sie sagen, nicht zu Deinen Gedanken, und mach das, was ihr Problem ist, nicht zu Deinem. Wenn sich eine Tür nicht völlig schließen lässt, dann lass sie einen Spalt offen. Nur ein bisschen. Nicht zu weit, damit Du sie jederzeit für einen Moment wieder schließen kannst.
Für den Moment, in dem Du Luft holst. Atmest. DICH spürst. Egal ob Du gerade tanzen oder in den Boxsack schlagen willst. Tus doch einfach. 
Und dann besinne Dich ganz auf Dich. Mach was nur für Dich.
Hier in der Wohnung gibt es überall kleine Dinge, Fotos, irgendwas, das mich an meine Träume und Ziele erinnert. Ganz bewusst hängen oder stehen sie hier und da, wie zufällig hingeordnet oder zwischen den Büchern, aber ich kann sie jeden einzelnen Tag sehen. Und inzwischen.. muss ich nur noch die Augen schließen - und dann bin ich da, wo ich sein will. In Millisekunden habe ich mich aufgelöst und bin irgendwo.. Und wenn ich die Augen wieder öffne, singe ich in der Küche, während ich mir einen heißen Kaffee aufgieße und daran denke, wie gut es ist, dass ich genau hier so stehen und genau das tun kann. 
Dann rolle ich die langen Strümpfe wieder über die Knie, öffne das Hemd, stecke mir das Haar zusammen und fühle mich für einen Moment.. federleicht und wunderschön und.. ein bisschen shade of grey. 
Du weißt, dass die Realität eine andere ist - und ich weiß das auch. Na und? 
Jetzt und hier fühle ich mich so und ich fühle mich damit glücklich - und das wünsche ich mir für Dich auch.
Für mich ist es zu schade geworden um all die Zeit, die wir mit zu vielem anderen vergeuden.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Do I Smell Weekend?



Wir schreiben Donnerstag Mittag und mir ist schon jetzt nach Wochenende.
Nutze meine Mittagspause nicht für Essen, nicht fürs Post wegbringen, sondern für einen herrlichen aromatischen Kaffee in der eisigen Mittagssonne (wooaarrr what a feeling!!), wiege mich im Takt der wunderbaren Musik und denke daran, dass das Wochenende doch irgendwie schon sachte anklopft.
Jedenfalls fühle ich das so.
Und dabei.. war es diesmal eine Woche voller angenehmer Überraschungen.
Jedenfalls empfinde ich das so!

Montag:
Ich lese in anderen Blogs von einem Wochenstart, den ich mir so nicht unbedingt wünsche. Genieße meinen Kaffee und pfeife das Hohelied aufs Homeoffice falsch und laut und schräg durch die Zähne.
Und so entspannt, wie dieser Montag begann, endet er auch.

Dienstag:
Es ist Dezember. Abrechnungsmonat also. Was für mich bedeutet: Noch einmal schnell das Labor besuchen, mich freuen, dass diesmal nix mit Vene und so suchen ist - Nadel rein, Blut raus, Rezept genommen, zack weg. So liebe ich das! Entdecke erst später einen Monsterbluterguss an der Einstichstelle und bin froh, dass der distinguierte ältere Herr in der U-Bahn vermutlich nur Smalltalk betreiben wollte, als er mich ansprach: "Verzeihen Sie, wenn ich Sie die ganze Zeit angestarrt habe."
"Kein Problem", lächle ich freundlich.
"Aber erlauben Sie mir die Frage: Sie sind doch nicht die, die von der Kripo gesucht wird, oder?"
Ich sage nur: Rush Hour. Vollbesetzte U-Bahn. Jetzt starren mich ALLE an!
"Äh.. nein! Ganz sicher nicht!"
Bin froh, dass ich weder Hände noch Arme vorzuzeigen hatte. Die offensichtlichen Stichwunden hätten womöglich noch Schnuffi, den Drogenhund auf den Plan gerufen?
Er lacht, ich lache.
"Darf ich Sie auf einen Glühwein einladen?"
"Äh.. nein! Danke! Ich habe noch zu arbeiten."
Auf diesen Schreck einen... Schokoriegel!
Betrete also schwungvoll und fröhlich den Supermarkt umme Ecke und als ich an die Kasse trete und die Verkäuferin anstrahle, strahlt sie zurück: "Ich hab da was für Sie!" und legt mir ein eingewickeltes Schokoladenei hin. Der Chef der Filiale guckt ihr dabei zu, guckt mich an und legt mir eine Apfelsine dazu: "Ist doch Nikolaus heute!"



Mittwoch:
Hat jemand was schreien hören? Zalando war da!
"Schon wieder?" stöhnt Herr Blau.
"Ist dir eigentlich mal aufgefallen, dass ich nicht eine einzige Winterjacke habe?" frage ich pikiert. "Seit Jahren schon nicht mehr, kein Wunder also, dass ich jedes Jahr im Dezember krank wurde."
"Wie soll mir das auffallen? Draußen hängt alles voll von deinen Jacken!"
"Ja aber da ist keine einzige Winterjacke dabei. Und wenn wir mal einen Winterspaziergang machen wollen, können wir das nicht, weil ich dann erfrieren würde."
Ich weiß ja, dass ich einen Jackentick habe.
Also eigentlich einen Strickjackentick. Was für andere Frauen die Handtasche, die Schuhe usw. sind, sind für mich eindeutig die Strickjacken. Am liebsten grobgestrickt, weil, ich wirke dann so zart darin!
Am Abend legt mir Herr Blau die Briefpost auf den Tisch. Dabei: eine Weihnachtskarte einer Bloggerin!! Angekündigt zwar (wie solls sonst auch gehen, wenn sie meine Adresse nicht kennt?) - aber ich freue mich wie irre!! Handgeschriebene Karten und Briefe - da kommt nix ran, egal, wie gut es gemacht wurde!

Donnerstag:
Nun. Zum heutigen Donnerstag gibts ja noch nicht so viel zu sagen, außer dass ich den ganzen Vormittag meine Kreativität ausleben durfte hinsichtlich eines Abschiedsgeschenks für einen Kollegen. Habe nach viel zu langer Zeit also mal wieder die zum Geburtstag geschenkten Stifte und so ausgekramt. So würde ich öfter arbeiten wollen!
Und dass die Sonne immer noch wie verrückt scheint! Den vierten Tag in Folge! Könnteste doch glatt närrisch werden, oder?
Freue mich schon auf den Feierabend, wenn Herr Blau und ich uns auf ein Weinchen treffen (wir ertragen uns auch nüchtern, wir gehn hier nur was verkosten) und ich dazu erstmals meine neue Winterjacke ausführen darf.
Frauen sind echt so... simpel gestrickt, ich fasse das gar nicht. Kann gar nicht nachvollziehen, dass die Männer uns nie kapieren.

Egal. Bald ist Wochenende. Wie gesagt: Ich kanns schon riechen!




Mittwoch, 7. Dezember 2016

Ich will doch nur spiel'n!

Letztens las ich irgendwo, dass nicht Facebook, Twitter & Co. die schlimmsten Enthüllungsmonster seien - sondern Vierjährige im Kindergarten.
Einem Spontanprusten unterlegen, hätte ich beinah das köstlichste aller guten-Morgen-Getränke verschüttet - in Erinnerung an meinen Vater, der diesen Satz vermutlich nicht nur doppelt und dreifach unterstrichen, sondern auch mit tonaler Vehemenz (ausreichend bis zum Stadtrand, ach nee, da wohnense ja, als sagen wir: bis zur Stadtmitte) bekräftigt hätte.
Meine Mama - Zeit ihres Lebens Erzieherin - hat, glaube ich, zwei Kardinalsfehler in ihrem Leben begangen: eine redselige Tochter zu bekommen und diese dann auch noch mit in ihren Kindergarten zu nehmen. Dass sie mich nicht in ihrer, sondern in der Gruppe ihrer Kollegin unterbrachte, war möglicherweise ein dritter Kardinalsfehler. Ich weiß heute nicht mehr, wie oft diese Erzieherin zu meiner Mutter schritt: "Sag mal, was war denn bei euch los, Helma hat da sowas erzählt?!" Ich weiß demzufolge auch nicht mehr, wie oft meine Mutter puterrot nach Ausreden gesucht und mein Vater abends die Augen verdreht und entnervt ausgeatmet hat: "Man kann sich ja nirgendwo mehr blicken lassen!"

Und weil ich auch heute noch dann und wann ganz gerne erzähle (lustigerweise im Blog mehr als im Realen, nu ja, immerhin), war dies jetzt die - zugegeben etwas längere - Einleitung zu dem, was ich eigentlich erzählen wollte. Nämlich was über meine Eltern.

Meine Mama ist ein Spieljunkie. Also nicht für Geld, das hat sie nie gemacht, wird sie auch nie. Aber Spielen just for fun ist einfach ihr Ding. Unzählige Abende und mitunter auch halbe Nächte haben wir "Mensch ärgere dich nicht" oder Rommé oder Bridge gespielt. Dann - vor rund 15 Jahren - hielt bei Ziggenheimers sen. der erste Computer Einzug - und mit Solitär fing dann alles erst so richtig an. Sie hat sich auch übrigens geschätzte zehn Mal bei Günter Jauch beworben. Eine Antwort ist leider nie gekommen. Und Lotto - ach, von Lotto muss ich nix erzählen. Aber da sind sich beide auch einig: Lotto muss.
Sie waren sich überhaupt in der Hinsicht meist einig: Der Papa schaut Fußball oder Dokumentationen aus Fauna und Flora und die Mama sitzt am PC und zockt. Der Papa hatte vielleicht nur nicht bedacht, dass die Mama dann NUR noch zocken würde.
"Ja wo soll deine Mutter schon sein? Am PC natürlich!" hat er zu oft entnervt ins Telefon geschrien, "ich kann froh sein, wenn ich hier noch was zu essen kriege!"
Die Mama hat gnädig lächelnd abgewunken: "Was regst du dich so auf? Du spielst ja nicht mit mir."
(Ich glaube, ich bin Mamas Kind!)
"JA und du weißt auch ganz genau, wieso!" hat er sich dann erst recht in Rage geschäumt.
Und dann lacht die Mama nur noch - genauso wie ich am anderen Ende der Leitung.

Es muss um die 20 - 25 Jahre (ja tatsächlich!) her sein, da saßen die Mama und der Papa abends gemütlich beim "Mensch ärgere dich nicht". Der Papa brachte drei seiner Kegel ins Häuschen, während die Mama drei ihrer Kegel noch nicht mal ins Spiel bringen konnte. Der letzte Kegel vom Papa stand vorm Häuschen und was ihm zu seinem Sieg noch fehlte, war der Würfel mit ner Eins. Siegessicher hat er gezählt: "Das schaffst du nie! Du müsstest jetzt drei Sechser und einen Fünfer würfeln, um mich hier rauszuschmeißen, aber eh du da bist, bin ich schon drin!"
Und die Mama würfelte.
Die erste Sechs.
Die zweite Sechs. (Da wurde der Papa leicht nervös.)
Die dritte Sechs. (Ich vermute leichten Blasenschlag des Papa-Blutes in den Adern.)
Als die Fünf kam, packte der Papa das Brett und warf es in so hohem Bogen in die Zimmerecke, dass noch Jahre später Kegel wiedergefunden wurden.
"DAS IST BETRUG!!" hat er gebrüllt und noch so einiges anderes, das ich trotz aller Schwatzhaftigkeit hier gar nicht wiedergeben möchte.
Die Mama hat sich gelassen amüsiert: "Ich glaube, du hast den Sinn des Spiels nicht verstanden."
(Ich BIN ihre Tochter!)

Fakt ist: Er hat seither kein Brettspiel mehr angefasst.
Und wir haben der Mama vor zwei Jahren ein Tablet zu Weihnachten geschenkt und ihr erklärt, wie sie damit sowohl offline als auch online spielen kann. Sie muss ja schließlich mit der Zeit gehen - auch beim Spielen.
Und unabhängig sein. Ich habe es bewusst vermieden, mich zu fragen, wie oft der Vater wohl seine drei Kinder verflucht hat. Zu essen wird er wohl immer noch bekommen haben, er sieht zumindest ganz danach aus!

Montag, 5. Dezember 2016

Szenen einer Partnerschaft: Reine Auslegungssache!

Ich gestehe: Unser Haus bleibt trotz aller Liebe zur Vorweihnachtszeit weitestgehend befreit von Klimbim und sonstigem Gedöns. Selbst mir als bezeichnende Liebhaberin des IKEA-Styles ist an dieser Stelle Weniger einfach Mehr - und Lichterketten zum Beispiel, die ein rastloses Hin und Her spielen, machen mich regelrecht aggressiv. 

Zu unserer Vorliebe gehört - wie kann es anders sein - ein gut gefüllter Adventskalender. Wir hatten sogar mal Marke Eigenbau, aber der hatte lediglich das 1. Jahr überstanden.. Im 2. Jahr hing er - zugegeben - eher nur noch als Deko an der Wand und ab dem 3. Jahr ward er nimmermehr gesehen.
Dafür schmückt in diesem Jahr der von Herrn Blau eigenhändig gekaufte, typisch bayrische Kalender, wo es leider keine Schokolade gibt, sondern Lose. 
"YEAAAAAHH!!" ging ich schreiend in Siegerpose, nachdem ich mit dem 4. Los satte zehn Euro Gewinn eingefahren hatte. "Das sind ja mindestens ZWEEIII Latte!"
Herr Blau hat leicht merkwürdig geschaut und dann gemeint: "Ne, ich würde eher sagen, das ist knapp die Hälfte des Kalenders wieder rein."
Ups. Okay. Na gut.





Donnerstag, 1. Dezember 2016

Da wird man glatt e bissl wie verrückt!

Quelle:
http://www.leipzig-leben.de/wp-content/uploads/2014/05/Hotel-Seeblick-Leipzig-e1470042820466.jpg

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein Mensch bis zu 7 Doppelgänger in der Welt hat. Ich fände es ja faszinierend, wirklich, wenn ich wenigstens mal einem von ihnen begegnen würde!
Ich fände es faszinierend, mich zu sehen - neben mir stehend, vor mir, agierend oder auch verweilend.
Ich fände es soooo spannend!
Leider hatte ich das Glück bislang nicht.
Und habe mich sehr amüsiert über einen Online-Suchtest, der mir bescheinigte: "Du bist leider mit niemandem vergleichbar." Kann man ja durchaus auch positiv sehen und erinnerte mich an den Dialog vor Jahren mit einem ehemaligen Kollegen, zu dem ich sagte: "Ich bin ein Unikat!" Er lachte und zwinkerte: "Ein Unikum, vielleicht!"

Heute Abend wollte ich ja aber eigentlich über etwas ganz anderes schreiben. Über die Begegnung mit meiner Freundin, die ich viel zu lange nicht mehr gesehen hatte.
Und weil ich auch nicht so der Freak bin, der stets und ständig und überall sein Essen oder Trinken fotografiert und via Facebook zum Beispiel in der Welt verteilt, habe ich es eher auch genossen, lediglich die Weißweinschorlen zu erheben, auf ihr Wohl anzustoßen - und ein Erinnerungsfoto glatt vergessen.
Also dachte ich, auch nicht schlimm, googel dir ein cooles Foto und schreib was dazu.
Und irgendwann blieb mir fast mein holperndes Herz stehen: "Bin das auf dem Foto da nicht ich??"
Ich meine, du guckst da so im Internet rum und dann fällst du buchstäblich über irgendein Foto aus dem Internet, das nicht ich da reingestellt habe - und das ich bis heute Abend auch nicht kannte!
Ich kenne nicht mal die Lokalität!
Natürlich habe ich diese erst mal gegoogelt, wo genau ist die, ist das überhaupt meine "Einflugschneise" und von wann ist dieses Foto?
Zumindest wurde es im Mai 2014 hochgeladen.
Zumindest ist es meine einstige Einflugschneise gewesen.
Aber ich kann mich nicht erinnern, je dort gewesen zu sein. Ich kann mich des Interieurs nicht erinnern! Zwar binde oder stecke ich das Haar oft zu einem Knoten zusammen, für gewöhnlich aber nicht auf die abgebildete Art & Weise. So'n Oma-Dutt - nääää - ich doch nicht! Außer... Doch... Warte mal, da war doch was... Diese komischen Haardonuts, Frauen kennen das, so ein Teil habe ich doch auch mal ausprobiert. Was weiß ich denn, ob das im Mai 2014 war?? Ich weiß ja nicht mal, was gestern alles los war! Ich weiß ja nicht mal mehr, was ich Sonntag zu Abend aß!
Trotzdem kann ich mich von diesem Foto nicht lösen... Diese Haltung, dieses Profil... So seh ich - meine ich zumindest - immer aus, wenn ich eine Speisekarte studiere!
Ich halbblindes, halbbetrunkenes Huhn habe das Bild nun auf satte vierhundert Prozent vergrößert - und ich würde in meiner Weißweinseligkeit beschwören: Ey, das bin doch ich?
Wer hat das fotografiert - wer hat mich da fotografiert - und wer stellt sowas ungefragt ins Internet!?
Was mache ich da und wieso bin ich da alleine?
Wie zum Teufel komm ich da hin??

Oder bin ich es am Ende doch nicht - und ich habe endlich eine von den 7 gefunden?
Weil - wichtigstes Indiz: Vor mir steht kein Kaffee, sondern offensichtlich Tee! Das kann also ja gar nicht ich sein! Oder?

Ich glaub, ich dreh durch :D