Donnerstag, 8. Juni 2017

Mittwoch, 7. Juni 2017

Freudentränen


Die erste Überraschung des Mannes am heutigen Tag, die mich vor Freude lachen und mir zugleich die Tränen in die Augen springen ließ.
Damit das allgemeine Lebens-Motto auch gleich mal klar ist ;)

Gepaart mit einer Tasse herrlich aromatisch duftendem Kaffee, einem Stück Schokoladenkuchen und einem Schälchen Heidelbeeren war für mich der Morgen perfekt. Ja, mit so kleinen Dingen bin ich glücklich zu machen ;)


Herr Blau begrüßte mich zwar mit einer moderneren Version dieses Songs,
aber den konnte ich leider nicht finden und habe im Moment auch keine Zeit für ausgiebiges Suchen ;)
Ich fands jedenfalls einfach nur wunder-wunderschön.

Übrigens, weil schon woanders der Hinweis kam: Der Spiegel - der ist nicht schmutzig. Ich habe ihn so vor Jahren gekauft, ein wundervoller honigfarbener, dreitüriger Bauernschrank, da war noch nix mit Nägeln und Schrauben, alles nur gesteckt, und man überließ ihn mir für schlappe 150 Euro. Da habe ich vor Freude getanzt, könnt Ihr glauben. Und pfeife da auf so paar blinde Fleckchen und Streifen, ich will das auch nicht auswechseln.
Weil ichs gar nicht perfekt haben will. Sind wir doch alle nicht.
Wäre auch viel zu langweilig.

Dienstag, 6. Juni 2017

Of All the Things We've Made




"Für die seelische Gesundheit ist es wichtig, 
zu irgendeinem Zeitpunkt einen Abschluss zu finden - 
im Sinne von Akzeptanz, nicht im Sinne von Vergessen."


Über die Mediathek des SWR habe ich mir gestern die Sendung "Was einen nicht loslässt" angeschaut. Nachhaltig im Kopf geblieben ist mir nicht die Geschichte eines Mannes selbst - sondern wie er sich im Augenblick des Erzählens gefühlt haben mag. Sichtlich aufgewühlt, die Hände ineinander gelegt, die Finger, die krampfhaft umeinander schlingen, das Hemd großflächig durchgeschwitzt - der ganze Körper irgendwie in Aufruhr. Er soll nicht nur, er will auch von sich erzählen, sonst säße er nicht dort. Weil er aufmerksam machen will, weil er die Aufmerksamkeit Dritter sensibilisieren will, um insbesondere die zu schützen, die sich noch nicht wehren können. Die Kinder.
Missbraucht als Kind über Jahre hinweg hat er all das Geschehene so lange verdrängt, bis es 2013 in einem Dialog mit einem Freund mit aller Kraft herausbricht. Das, was immer da war, was immer auch im Kopf war und dennoch nie nach außen durfte.

Gute vier Jahre sind seit jenem Ausbruch und gleichzeitigem Zusammenbruch des Mannes vergangen. Vier Jahre Kopf- und Seelenarbeit, die bei weitem für ihn nicht ausreichen, um das, was er erlebte, zu verarbeiten. Aber er ist auf einem guten Weg, denke ich, während ich ihm zusehe. Weil er nicht stehengeblieben ist. Weil er kämpft. Und währenddessen einen Weg geht. Seinen Weg.
Ich schaue auf ihn und denke: Beinah genauso habe ich auch dagesessen, wenn ich erzählen musste. Und sollte. Und irgendwie auch wollte.

Wie ist es heute? Wie ist es, wenn Themen heute hochkommen oder wenn ich erzähle, ganz Belangloses, und dann kommt eins ins andere? Natürlich spüre ich, was das mit mir macht. Natürlich erinnere ich mich. Aber es hat sich.. verändert.
Nachhaltig im Kopf geblieben ist mir auch der obige Satz der beisitzenden Therapeutin über die seelische Gesundheit.
Worte, die ich in meiner Kopfarbeit in all den Jahren immer wieder gehört habe, die ich vielleicht damals so nicht wahrhaben wollte in Verbindung mit der Schmerzproblematik. Mich dabei immer wieder erinnernd an meine Neurologin, die ich bis heute insbesondere aufgrund ihrer Akzeptanz, ihrer Menschlichkeit und auch ihrer Ehrlichkeit "Ich weiß nicht mehr, wie ich Ihnen helfen kann. Sagen Sie es mir, ich mache alles, aber ich weiß einfach nicht weiter" sehr schätze. Und die schon 2006 zu mir sagte: "Das Problem ist, dass man nicht Ihr Blut unters Mikroskop legt und genau ablesen kann, was Ihnen fehlt. Man muss wissen, wonach man suchen soll."
Vieles, das einem dabei begegnet, sind Zufallsbefunde. Abweichungen von einer Norm, die nicht immer einen krankhaften Befund darstellen. Oder die unser Leben im Alltag beeinflussen. Wie zum Beispiel das Ding in meinem Kopf. Mein zweites Hirn, wie ich es manchmal scherzhaft nenne, seit es sich auf 4 x 5 x 2 Zentimeter ausdehnte und sich seither unverändert in meinem Kopf ausruht. Jeder Mensch ist sein eigenes Individuum, sage ich ja immer, sowohl in der Psyche als auch in der Physis, und während man anfangs noch etwas irritiert auf Abweichungen reagiert, gewöhnt man sich mit der Zeit an den Fakt und lernt, damit umzugehen.

Die meisten Menschen haben Dinge erlebt, die ihnen das Leben schwer machen. Ganz unterschiedliche Dinge in unterschiedlicher Intensität und unterschiedlicher Ausprägung.
"Es mag sein, dass Sie es heute verstehen. Aber das ändert ja nichts daran, was es mit Ihnen gemacht hat, als Sie Kind waren."
Jeder versucht auf seine Weise zu verarbeiten, zu bearbeiten. Einheitlich wird es im Grunde erst, wenn er sich der Hilfe bedient. Weil wir ja alle irgendwie nach Mustern reagieren, auch wenn unser Erlebtes sich grundsätzlich unterscheidet.
Und ich gebe Dir, Waage, recht, wenn Du sagst, dass es viel Kraft und Mut braucht, den oder die Korken zu ziehen und die Dinge herauszulassen, anzusehen, anzunehmen. Aber gerade Du müsstest (vielleicht) wissen, dass ich mich genau all dem gestellt habe. Mit Hilfe und auch ohne Hilfe. All dem gestellt, was gesagt, was getan oder auch nicht gesagt und nicht getan wurde.
Wir kennen uns seit 2005 und ich bin nicht sicher, ob Du es wissen müsstest oder aber mich vielleicht doch nicht wirklich kennst (woran ja auch irgendwie was dran ist ;)): Aber gerade DU solltest zumindest wissen, dass ich mich gestellt habe. Dass ich bearbeitet habe - und dass ich phasenweise auf dem Zahnfleisch gekrochen bin dafür und deshalb.
Was macht Dich also so sicher, dass ich meine/n Korken nicht gezogen hätte?
Was macht Dich sicher zu glauben, dass ich meinen Abschluss nicht gefunden, meinen Frieden mit dem einen oder anderen nicht gemacht hätte?
Was macht Dich so sicher zu glauben, Du würdest mich kennen, wenn Du zugleich kürzlich so überrascht warst, dass ich beispielsweise meine Furcht nach dem Unfall 2006 längst überwunden habe und inzwischen mit einer Geschwindigkeit über die Straßen jage, die Deiner so ähnlich ist und die Du mir aber nicht zugetraut hattest? Bis vor kurzem glaubtest Du, ich sei noch immer gefangen in dem Misstrauen gegenüber der Technik, die mich im August 2006 so verließ, und dabei bin ich längst sehr viel weiter... Meiner Seelenarbeit traust Du gleiches nicht zu?

Ich weiß bis heute nicht, warum mir seit Februar 2005 mein Körper linksseitig unablässig schmerzt - und seit diesem Jahr beide Hände. Niemand kann es mir sagen, niemand weiß es.
Du aber auch nicht.
Niemand kann mir helfen - jedenfalls bis jetzt nicht.
Aber bitte sagt mir nicht, ich hätte all die Jahre nichts bzw. nicht das Richtige getan und würde noch immer nur mir selber im Wege stehen.
Wie verletzend und frustrierend das sein kann, versteht am Ende auch nur ein Betroffener, der sich jahrelang quält und müht, Wege zu finden. Lösungen zu finden und ähnlich nicht oder kaum vorankommt wie ein Tinnituspatient.
Die Therapien bescheinigten mir, stark genug zu sein, reflektiert genug zu sein, interessiert genug zu sein. Offen genug zu sein.
Das Biofeedback bescheinigte mir, in mir selbst ruhen zu können, mich selbst zur Ruhe bringen zu können.
"Ich hätte es nicht gedacht, aber sehen Sie selbst, hier die Kurven: Sie können es sogar sehr gut."
Ich selbst stelle an mir fest, dass ich inzwischen auf- und hochgewühlte Dinge betrachten und wieder zurücklegen kann. Sie sind da, natürlich sind sie da und sie bleiben es auch. Das habe ich akzeptiert, schon vor langer Zeit, und ich habe es auch angenommen. Das bedeutet nicht, dass es nicht immer noch Momente gibt, in denen das, was hochkommt, mir die Tränen in die Augen treibt. Aber es entmutigt mich nicht mehr. Es schwächt mich nicht (mehr). Ich habe nichts vergessen - aber ich kann heute damit leben. Und muss es auch nicht ständig thematisieren.
Ich habe Methoden gefunden, mit denen es mir besser geht, vor allem auch physisch.
Nicht nur, was den Sport betrifft.
Ich kann neben Dir stehen und mich dennoch in meine eigene Welt zurückziehen. Mich auf meine Wiese denken und mich in die Blumen legen, wenn mir alles zuviel wird.
Ich kann noch immer hoffen, träumen, wünschen, glauben.
Ich kann immer noch leben.

Schmerztherapie, Waage, besagt am Ende nichts anderes als das.

Aber geholfen hat mir leider nichts davon. Gar nichts. Egal, wie viel besser es mir heute geht und was immer ich auch angegangen bin: Der Schmerz ist da, seit 12 Jahren jeden Tag, jede Nacht, jede einzelne Sekunde. Er ist das einzig Konstante der letzten 12 Jahre.
Also sage mir bitte nach all den Jahren und all der Arbeit nicht, ich müsse nur den Korken ziehen.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Besiegelt



Ich sitze hier und starre auf den Monitor. Eigentlich müsste ich arbeiten und eigentlich... will ich das auch. Also ich könnte es. Die Finger ruhen auf der Tastatur und ich starre auf das Video, sehe mir selber zu, wie ich da am Meer stand, barfuß trotz der Kälte, und irgendwie habe ich immer nur dort das Gefühl, dass mir nichts und niemand etwas anhaben kann. Dass ich am Ende immer kraftvoll genug bleiben würde, allem zu trotzen.

Die gute Nachricht ist, und ich empfinde sie als eine ausgesprochen positive Nachricht:
Der Küsten-Doc hat nichts gefunden. Alles ist so wie es sein soll, jedenfalls dem Labor und der Genetik nach.
Nichts zu haben, das den Körper oder das Leben lähmt, ist so unfassbar viel wert, weil Gesundheit... einfach das höchste Gut ist, das wir besitzen.
Insofern nahm ich das, was mir die Dame via Telefon mitteilte, auch durchweg optimistisch auf.

Doch nun sitze ich hier, nachdem ich Herrn Blau davon schrieb, ganz regungslos, und meine Augen füllen sich langsam mit Tränen. Denn nach und nach sickert mir in mein Bewusstsein, dass dies mein letzter, nein, mein allerletzter Versuch war, etwas zu bewegen, etwas zu erreichen, etwas zu tun gegen den Schmerz. Wie soll man etwas bekämpfen, das... im Grunde nicht existiert?

Für mich persönlich steht damit fest: Lebe mit dem scheiß Schmerz im Körper, so gut Du es kannst. Solange Du es kannst. Denn ein weiterer, ganz entscheidender positiver Aspekt bleibt ja trotz alledem: Er wird mir nicht das Leben nehmen. Nicht das Leben, an dem ich so hänge und in dem ich so unglaublich gerne bin. Meistens jedenfalls.
Aber selbst wenn ich tatsächlich einhundertundvier Jahre alt werden könnte: Ich werde nie mehr schmerzfrei sein. Seit zwölf Jahren und nun für den Rest meines Lebens.

Ja, mir ist bewusst: Es gibt vielfach Schlimmeres. Dieser Gedanke erdet mich. Aber immer hilft er mir auch nicht.

Running Around Part II




...es gab eine Zeit, in der ich in mir ruhte. Es war viel zu lange her, um mich daran zu erinnern, wie das war. Dieses Gefühl. So wie ich mich nicht mehr zu erinnern vermag, wie sich Schmerzlosigkeit anfühlt.

...es kommt wieder, dieses Gefühl, in mir ruhen zu können. Es bleibt nicht, vielleicht kann es das nicht, vielleicht darf es das auch nicht - damit ich selber in Bewegung bleibe und mich auch außerhalb von mir um das kümmere, was wichtig ist.
Und selbst so ruhlose Nächte wie diese... erinnern mich an alles, was gut war. Was gut ist. Und was gut werden soll.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Running Around



In den vergangenen Tagen hatte ich mich ein wenig verloren. Es war nicht so sehr, dass ich mich... schlecht gefühlt hätte. Vielleicht war es aber auch nicht so, dass ich mich völlig eins mit mir gefühlt hätte. Hier und dort höre oder lese ich vom Leben anderer. Wie sie gerade an einem Punkt in ihrem Leben festhängen oder gerade einen Schritt weitergegangen sind. Wovon sie träumten und träumen, was sich davon erfüllen ließ oder sie es auf  Niemalswiedersehen verabschiedet glauben.

In wenigen Tagen werde ich ein weiteres Jahr älter und beinah bin ich versucht, es so zu halten wie in einem Film gestern Abend: Er kam einfach nicht nach Hause, an diesem Tag nicht, in dieser Nacht nicht, und er glaubte, wenn er diesen seinen Tag nicht feiern würde, dann würde er vielleicht auch nicht dieses eine Jahr älter werden.
Tatsächlich werde ich auch nicht an diesem Tag zu Hause sein, doch wie ich konkret diesen Tag erleben werde, wie ich ihn erleben möchte, wie ich ihn überhaupt gestalten möchte in der Zeit, die mir von diesem Tag bleiben wird - das weiß ich nicht. Weil ich es weder plane noch mir überhaupt irgendetwas vornehme. Und mir wird bewusst, dass mein halbes Leben lang genauso verlaufen ist:
Ich habe einfach nichts geplant.
Ich hatte Träume, ich hatte Wünsche - und das einzige, was mich in all den Jahren unverändert begleitete, war der Traum von und der Wunsch nach der echten Liebe. Nach der Liebe, die nichts fragt und nichts fordert. In die ich mich hineinfallen lassen wie in ein übergroßes Netz, nicht zu straff gespannt und auch nicht so, dass ich auf dem Boden aufkommen würde.
Und doch tat ich es.
Mehrfach.
Und es hat verdammt geschmerzt.
Ich stelle mir nicht die Frage, ob das Herz nur ein Muskel und die Liebe lediglich aus einem Cocktail aus Hormonen und chemischen Verbindungen in meinem Kopf besteht. Ich will das auch gar nicht wissen.
Weil mir an dieser Stelle genügt, was ich fühle, wie ich empfinde - und wie groß sich das Loch in der Brust anfühlt in dem Moment eines Abschieds.

Wie wir alle werde ich ein Jahr älter und ich beginne mich zu fragen, ob ich vielleicht nicht wieder zwanzig sein wollen würde, aber dennoch gerne... jene Sorglosigkeit zurück hätte, mit der ich daran glaubte, dass am Ende einfach alles gut werden würde. Und ob es daran liegt, dass ich eben älter geworden bin, Dinge bewusster wahrnehme, in mir, um mich herum und in jedem Moment, in dem ich Nachrichten schaue oder lese. Und mich frage, ob das alles immer schon so war, irgendwie, oder ob der Mensch tatsächlich immer verrückter geworden ist. Ob ich es mit meinen zwanzig, siebenundzwanzig, dreiunddreißig Jahren nur nicht so wahrgenommen hatte, weil ich insbesondere mit meinen dreiunddreißig Jahren damals ernsthaft glaubte, mir selber die Tür geöffnet und damit mir selber alle Möglichkeiten in meine Hände gelegt zu haben, mit denen ich mir jetzt einfach alles vorstellen konnte. Alles, was sich gut und richtig anfühlen würde. Dass ich es jetzt eben nur richtig machen musste. 



Vielleicht machte es den Eindruck, ziellos, planlos durch die "Welt" gelaufen zu sein, hierhin, dorthin, Menschen kennen gelernt zu haben, weitergezogen zu sein, ruhlos, rastlos, während im Weitergehen das Bisherige verarbeitet werden soll. Was nicht immer so geht, was mich zuweilen auch hemmte, mich zurückhielt und mich an einen Satz denken ließ, den ich einst auf einer Papiertüte las:
"Manchmal, wenn man gar nicht weiß, wohin man gehen soll, bleibt man am besten da, wo man gerade ist."
Und ich kann nicht mal sagen, ob sich das allgemein hin so feststellen lassen kann. Was, wenn ich nicht erkennen würde, dass es Zeit war, weiterzugehen? Was, wenn ich ewig feststehen würde, verharren würde und glauben würde, es gäbe kein... anders mehr? Was, wenn alles am Ende doch umsonst gewesen war? Für mich fühlte sich jeder Tag, jedes Jahr, das ich nicht vorankam, wie Stillstand an. Stillstand, der mir zäh an den Zehen klebte und es mir unmöglich machte, auch nur einen Fuß vor den anderen zu setzen.
All die zergrübelten Nächte.
All die zerbissenen Kissen.
All die Tränen, die ungeweinten tief drinnen  und die, die ich mir aus den Augen und von den Wangen wischte, während ich auf Knien vor der Keramikschüssel hockte.
Erst im Nachhinein begriff ich: Das musste genau so sein. Für MICH musste das genau so sein.
Weil ich mich begriff.
Weil ich mich in all der Zeit aus all den Häuten schälte, in die ich mich gehüllt hatte über all die Jahre hinweg, damit ich.. einfach nicht zerbrechen würde. Damit.. einfach nichts umsonst gewesen war.

Ich glaube nicht an Schicksal. Ich glaube auch nicht an Zufall. Ich glaube an Energie/n.
Das ist mir auch bewusst geworden, als mir mal jemand schrieb, dass meine roten Kleider dementsprechend wären. Ich will mich in nichts ergeben, das sich für mich nicht gut anfühlt - und das tue ich auch nicht. Aber ich habe gelernt zu warten. Auch in dem Bewusstsein, dass es vermutlich nie DEN richtigen Moment, den passenden Moment geben wird. Aber dass man in sich selbst genau den Punkt findet, in dem die Entscheidung steht - und dass sich ab diesem Augenblick auch jeder weitere Schritt richtig anfühlen wird.
Wenn mich all die vergangenen Jahre eines gelehrt haben, dann das, vor allem gut zu mir selber zu sein. Und zu begreifen, wie elementar das ist. Weil wir nichts von uns abgeben können, wenn wir leer sind. Weil wir niemanden glücklich machen können, wenn wir es selber nicht sind.
Mit dieser Begründung habe ich mich aus meiner Ehe verabschiedet. Weil ich es so dachte und so empfand.
Doch was das wirklich bedeutet, haben mir erst die folgenden Jahre und jede einzelne Begegnung danach gezeigt. Und das Gute... das Gute aus den Jahren... Das nimmt man mit sich mit und lässt den Rest irgendwann.. einfach zurück. Jedenfalls wünsche ich uns das.

Dienstag, 30. Mai 2017

"...aber Du bist schon speziell..."

Wenn ein militanter Raucher und eine leidenschaftliche Nichtraucherin einen Dialog beginnen, fängt mindestens die leidenschaftliche Nichtraucherin irgendwann an sich zu fragen, ob es nicht besser für ihr eigenes Seelenheil sei, sie ließe es ganz einfach sein und rede beispielsweise übers Wetter. Obwohl... Wetter... Ist ja auch so was, wo ich immer schmunzeln muss, wenn ich Facebook aufschlage: Es ist immer irgendwas! Kannste den Menschen einfach nie recht machen. Entweder ist es zu kalt oder es ist zu heiß - kaum dass Temperaturen nach oben oder unten ausgeschlagen sind.

Jedenfalls bekam ich gestern via whatsapp ein Bierglas aus irgendeinem Straßencafe (vermutlich) zugesendet - und schickte prompt das Gegenbild aus dem Biergarten.
"Cholera oder Pest - oder warum ist der Biergarten so leer??" wurde ich umgehend gefragt.
Und beging den Kardinalsfehler, der alsdann die Diskussion übers Rauchen im Freien und Rauchen allgemein auslöste, indem ich antwortete: "Ne, der war nicht leer, wir saßen im hinteren Teil, der nur zur Hälfte besetzt war. In der Meute sitzen macht weniger Laune, wenn ringsrum alles quarzt." Noch als ich das tippte, dachte ich für einen Augenblick "Lass! Es! Lieber! Es führt eh zu nix!" Aber ne, der Finger war schneller, außerdem stehe ich ja auch zu meinen Überzeugungen, solange man mich nicht eines Besseren belehren kann, also senden, zack, weg wars - und ebenso zack entbrannte die Diskussion bis in die Abendstunden und munter weiter heute Morgen.

"Frage mich, wie du bis heute überlebt hast.. Bis vor paar Jahren haben doch alle geraucht.. überall."
Ja das stimmt. Das war selbst in meinem Elternhaus so. Eltern, Brüder, Oma - alles hat geraucht und da wurde auch auf nix Rücksicht genommen. Nicht mal am Essenstisch. War der Papa fertig, ging die Zigarette an, egal, ob da noch jemand aß oder nicht.
"Das hier ist mein Zuhause, hier kann ich machen, was ich will."
Ähm. Ne! Wir alle wohnen hier! Es ist unser aller Zuhause. Diesen Widerspruchsgeist jedoch entwickelte ich erst mit der Pubertät, die bei mir wohl erst um den 15. oder 16. Geburtstag rum eingesetzt hatte. Glaube ich. Insofern war die Zeit bis zu meinem Auszug eine.. äh.. doppelt anstrengende für uns alle, aber wie die, die mich persönlich kennen, ja wissen: Es war keine lange Zeit mehr.
Mein heutiger Ex-Mann war auch Raucher, der es gar nicht einsah, zum Qualmen die Wohnung zu verlassen. OK, da war ja auch nix mit Terrasse oder Balkon, und für jede Zigarette ausm Dachgeschoss runter vor die Tür zu gehen.. Da kann man schon mal vom eigenen Schweinehund überwältigt werden, nicht wahr? Außerdem war ich mit meinen gerade 20 Jahren noch eine ganz andere Persönlichkeit, die sich überhaupt nicht durchzusetzen vermochte.

Aber mal ganz ehrlich: Warum tut sich ein Raucher so schwer damit zu akzeptieren, dass eine Zigarette nun mal nicht "duftet", wie mir der Schreiber der abendlichen whatsapp wiederholt weismachen wollte - mal abgesehen davon, was es für die Gesundheit bedeuten kann? Es mag ja sein, dass es dem Raucher allgemein nicht einfach gemacht wird: Tabaksteuer, Preise überhaupt (ich "heule" jedesmal, wenn ich sehe, was Junior I für diese Qualmstengel hinlegt und wie viel Milchkaffee man beispielsweise dafür bekommen hätte), überall frei rauchen darf er auch nicht mehr, und wenn er das tut, beklagt sich das Umfeld etc. pp. Er kriegt permanent auf die Nuss - und eigentlich will der Raucher ja nur genauso genießen wie ich meinen Milchkaffee. Aber!
Das Blöde ist eben... Mit meinen Vorlieben für zum Beispiel Milchkaffee belästige ich niemanden, auch dann nicht, wenn er neben mir sitzt. Ich kann trinken, wie viel ich will - es stört niemanden! Mit meinen Vorlieben für ein Stück Kuchen belästige ich auch niemanden.
Ich dusche regelmäßig und benutze ebenso regelmäßig ein Deo (OK, das mach ich in erster Linie für mich selbst, aber immerhin!) und etwaige... äh.. Methanverpuffungen passieren auch nicht in der U-Bahn oder im aufgeheizten Bus. Nur mal so als Beispiel.
Warum ist ein bisschen Rücksicht an dieser Stelle so schwierig - und warum führen solche geäußerten Gedanken unter Rauchern und Nichtrauchern immer wieder zu Streit? (Also in unserem Falle diesmal nicht, gestern Abend schlief ich einfach ein und heute Morgen.. Ich nehme an, es war dem Herrn einfach noch zu früh ;))
Natürlich wurde früher überall geraucht - weil sie es einfach auch konnten bzw. durften. Die Raucher hats nie interessiert, ob da Nichtraucher saßen oder nicht, und die wiederum hatten nur eine Wahl: gehen oder bleiben und es hinnehmen. Aber mit welcher Berechtigung? Ich kacke dem anderen ja auch nicht vor die Füße, weil ich grad wollte, musste, konnte. 

"Deine Nikotinallergie ist schon anstrengend", bekam ich heute Morgen vorgesetzt - aber da lache ich ja nur drüber. Für mein Empfinden hat das mit Nikotinallergie tatsächlich gar nichts zu tun. Mir stinkt das einfach nur im wahrsten Sinne des Wortes - und wenn ich was genüßlich essen oder trinken will, dann will ich das nicht in einer blauen stinkenden Schmauchwolke tun.

"Ich kenne ja einige Nichtraucher, aber Du bist schon speziell."
Dass das ironisch gemeint war und vielleicht auch diplomatisch ausgedrückt sein sollte, war mir durchaus bewusst. Aber lieber bin ich speziell als Einheitsbrei, auch in dieser Hinsicht - und drehte seine Worte für mich einfach als Kompliment rum. Ist schließlich so ein sonniger Tag heute!

Donnerstag, 18. Mai 2017

Herzlich Willkommen im Club der Angearschten

Nach dem Abendessen heute legte ich mich ein wenig aufs Kanapee und beschloss, dass ich grad irgendwie nur mal ein paar Minuten Pause brauchen würde. Es war der Aufschrei von Herrn Blau, der mich hochschrecken ließ: "Das DARF doch wohl nicht WAHR sein!"
Erst dachte ich ja, es habe ihm ein wenig seine Börsensuppe versalzen, aber huch nee, das war nicht die Börsenseite, die er da fassungslos auf dem iPad anstarrte, sondern seine Kreditkartenabrechnung.
Und die besagte, dass Avis (Ihr erinnert Euch auch? Da war doch was :)) trotz wiederholtem mündlichen und schriftlichen Einspruch munter den unberechtigten (freilich zu hohen) Betrag eingezogen hatte.
"Ich hab der Kreditkartenfirma extra das Widerrufsformular per Fax geschickt."
"Aaah, wer weiß, wo das Fax jetzt liegt?"
"Mir doch egal! Ist doch ihr Service."
"Und dein Geld."
Womöglich besitzt das Faxgerät ja eine Schnittstelle mit dem Papierspender im Toilettenraum nebenan? Nichts Genaues weiß man ja schließlich nie!

Kreditkarten haben es so an sich, dass der Buchungszeitraum für gewöhnlich mitten im Monat beginnt und mitten im Folgemonat endet. Alles, was nach der "Endung" passiert, erreicht einen also erst zum Ende des Folgemonats. Für mich als.. äh.. treue Onlinekundin ist das eigentlich ein ganz guter Kniff, wenn man mit der einen oder anderen Rechnung bisschen jonglieren kann. Aber wenn man was zurückhaben will, isses natürlich blöd. Weils Geld erst mal weg ist vom Konto und man maximal 4 Wochen warten muss, eh mans wiedersieht.
Jedenfalls war ich nun wach und wurde latent genervt genötigt, aufzustehen und mich online an Avis zu wenden, da dieser ganze Buchungsvorgang über mich als ADAC-Mitglied lief. Wer über ADAC bucht, kommt nämlich günstiger. Also eigentlich. Also wenn alles reibungslos läuft. Also vielleicht.
Denn ich war ja eben nun wach und surfte ein bisschen im Internet herum. Gerne auch in Begleitung des Weißweins, den der frustrierte Herr uns beiden alsdann einschenkte.
Was man DA alles zu lesen bekam! Hättenmer mal vorher gelesen, nicht wahr? Nur angearschte Bürger wie wir unterwegs, und die Geschichten ähneln sich alle irgendwie.
Ich schwöre, es liegt am Weißwein, dass ich diese Geschichten amüsiert vorlas, insbesondere etwaige, sich stereotyp wiederholende Statements von Avis gleich dazu.

Irgendwann hatte ich jedenfalls in meinem inzwischen deutlich angeschickerten Zustand eine E-Mail an den Kundendienst abgeschickt, prophezeite angesichts der Stimmung des Mannes nur im Geiste eine Antwort in 10 - 15 Tagen (weil, der Kundendienst liegt denen doch am Häärzen, hamse gesagt!), und weil ich nun wach war, wollte ich auch Blogs lesen (Keine da! Was is los hier? Faul, oder wie?), kommentieren bei Wordpress geht momentan mal wieder gar nicht. Dafür ist die Stimmung des Mannes beim Herumsuchen im Netz besser geworden, nachdem er ein paar Stilblüten von Kindern fand, zum Beispiel "Mein Vater ist ein Spekulatius, er verdient das Geld an der Börse" oder "Schwanger werden ist einfach, man pinkelt auf ein bisschen Papier, das wars" oder "Wenn eine Frau ein Baby bekommt, wird sie eine Gebärmutter". Süß, nicht wahr? Jetzt kichern wir hier herum und jetzt hör ich mal auf mit Schreiben.
In der Hoffnung, dass wir demnächst aus dem Club der Angearschten austreten dürfen.

P.S. Nötige Deinen angeschickerten Partner nie niemals dazu, noch mal auf die nächtliche Terrasse zu kommen. Von wegen Sternenhimmel und so. Weiß doch jeder, dass Sauerstoff alles nur noch schlimmer macht. 
Als er mich beispielsweise ganz harmlos berührte, legte ich eine filmreife Harry & Sally Nummer hin.
Der Nachbar jedenfalls sitzt jetzt immer noch draußen und raucht.
Und ich werde diesen Post vermutlich morgen löschen, wenn ich wieder nüchtern bin!