Mittwoch, 23. Dezember 2015

An die Brotbüchsenfee




"...ich fand unsere Redenacht wieder sehr schön - auch, Dein Runterkommen zu spüren und Deine Fähigkeit zu reflektieren. Deine letzten Monate waren schwer, die kommenden werden nicht minder anders - sie werden Dir Licht in so manches Dunkel bringen und dafür drück ich Dich und alle Daumen! Deine Entwicklung über die Jahre begleiten zu dürfen, ist spannend und immer auch mit viel Herzschmerz zu den vielen Themen verbunden. Du bist daran jedoch gewachsen und nicht gebrochen - Respekt! ..."


Mit diesen Worten an mich wurde mir einmal mehr bewusst, was ich erst vor kurzem geschrieben hatte:
Was sind wir ohne Partner? Singles!
Was sind wir ohne Freunde? Nichts!

Als die Entscheidung fiel, von L fortzugehen, den Job aufzugeben (was zunächst so geplant war) und vor allem auch die Menschen hier aufzugeben, an denen ich hänge, da war mir schon bewusst, was ich hier aufgebe. Was ich bereit bin zu geben. Vermutlich habe ich auch mit dieser Entscheidung in Kauf genommen, dass die eine oder andere Bindung damit zerbrechen wird. Dass diese die Distanz nicht aushalten werden oder können. Vermutlich auch sind diese dann immer Bindungen, die nicht tief genug gegangen sind, egal, von welcher Seite.
Noch vor einigen Jahren glaubte ich, dass es gut und wichtig sei, viele Menschen zu kennen, mit etlichen Menschen befreundet zu sein. Gleichwohl erkannte ich mit der Zeit: Man ist nicht wirklich mit vielen Menschen befreundet. Nicht jeder meint es gut mit einem, auch wenn er es sagt.
Wirklich befreundet ist man nur mit den Menschen, die einen Platz für Deine Seele haben. Die Dir die Tür öffnen, ganz gleich, wie lange das letzte Mal her ist. Die dir den Sessel anbieten, in den Du Dich fallen lassen kannst wie in eine Umarmung, die Dir zuhören, ohne Dich zu ver- oder zu beurteilen, die Dir zuhören, Freude und Schmerz in jedem Augenblick mit Dir teilen und Dir dennoch nie das Gefühl vermitteln, dass Du selbst... versagt hättest. Dass Du als Mensch, als Frau, als Freundin untragbar seist.
Nicht, weil Jahresende ist und viele von uns sentimental werden.
Sondern weil das vergangene Wochenende hier in L erst wieder gezeigt hat, wie kostbar ehrliche Bindungen sind. Weil mich heute diese Zeilen erreichten, die mich nicht berühren, weil sie mir schmeicheln. Sondern die mich berühren, weil ich mich so... respektiert fühle. Mich mit meinen Ecken und Kanten, in einer so bedingungslosen Freundschaft, dass mir DAS eher Tränen in die Augen treibt.
Seit vielen Wochen lese ich in verschiedenen Blogs den Wunsch nach Liebe, nach Partnerschaft, nach Miteinander da, wo Freundschaft aufhört. Manchmal frage ich mich, wie meine Posts wohl aussehen würden, was sie beschreiben würden, lebte ich auch als Single. Vermutlich klängen sie genauso. Oder ähnlich. Ich weiß es nicht. Es hat Zeiten gegeben, da war der Wunsch nach einem Partner schier übermächtig. Nicht, weil ich nicht allein sein konnte. Sondern weil ich nicht wusste, wohin mit all der Liebe, die ich geben wollte.
Es hat Zeiten gegeben, da war mir bewusst, wie wertvoll Freundschaften sind - aber immer noch stand der Wunsch nach erfüllter Liebe darüber.
Wie ist die Zeit heute? Kann ich diese Frage noch objektiv beantworten, wenn ich seit Jahren ein Miteinander lebe? Bin ich dann noch glaubwürdig, wenn ich sage: Es ist vor allem wichtig, dass man wirkliche, echte Freundschaften hat? Die, die Du zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen könntest, wenn es die Situation verlangte. Die, die Dir ihre Tür zu jeder Tages- und Nachtzeit öffnen, ganz gleich, ob montags, donnerstags oder samstags. Die, die Dir eine Decke über die Beine breiten: "Bleib doch da, wenn du magst, du musst nicht wieder heimfahren." Die, die nichts fordern und nichts aufrechnen.

Und ich antwortete Dir.
"...Du bist einfach da und hörst zu, äußerst Gedanken, die niemanden angreifen und niemanden verletzen. Respekt vor den Menschen und Situationen - ich sehne mich so sehr danach!! Nach Akzeptanz! Dafür danke ich Dir so sehr! Ich denke nicht darüber nach, was das kommende Jahr bringen wird. Ich wünsche mir für den Moment einfach nur... ein wenig mehr Ruhe in meiner Seele als es in diesem Jahr gegeben hat..."

Ich bin so dankbar, dass Du ausgerechnet meine Freundin bist!

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