Montag, 9. April 2018

Zuhause ist es am schönsten..


Ostersonntag bei der Mama und dem Papa
Angereist mit Mann und zwei Mädchen, 8 und 11 Jahre, was sich für mich - so sehr ich Kinder auch liebe - in dieser Woche als doch recht gewöhnungsbedürftig herausstellt. In jeder Minute des Tages gefordert zu sein, ist eben doch.. eine Herausforderung, die ich schon fast wieder vergessen hatte.
Angereist mit meinem kleinen Schwarzen (nein, nicht der auf dem Bild, der gehört mir nicht), wegen dem wir extra gebeten hatten: Bitte nur das Nötigste mitnehmen, wir haben diesmal nur das kleine Auto dabei, mussten wir feststellen: Die zwei Mädchen bringen mehr mit als wir beiden Erwachsenen. Von dem sie letztlich nicht mal ein Drittel benötigten. Netter Vorgeschmack für später, denke ich.
Die Mama stellt mir wortlos und mit verstehendem Blick das Käffchen hin, während der Mann draußen im Schnee Kind 1 und 2 bespaßt, die nach der stundenlangen Anfahrt erst mal Auslauf brauchen. Sie laden uns für Sonntag ein und ich nehme dankbar an. Eine Einladung bei der Mama bedeutet immer eins: Selbstgebackener Kuchen - Schlemmerpotential bis in die Ewigkeit. Ich werde nicht enttäuscht!
Und weil der Schneefall immer dichter wird, beschließen wir: Wir fahren nicht erst ins Feriendomizil und laden aus (von wegen Platz schaffen und so), sondern bewegen uns Richtung Seebad, kaufen dort was Essbares für die kommenden 2 Tage und bringen dann alles in einem Satz ins Domizil.
Nun ja. Ich sage nur... A 1. Zwei Erwachsene. Zwei Kinder. Sechs Reisetaschen (ja, ich dachte auch, ich krieg nen Föhn!), ein Fresskorb, zwei Rucksäcke voll mit Spielzeug (ich denke, ich war da mit meinen Jungs echt verwöhnt: Jeder sein Gameboy und sein mp3-Player - schon warnse glücklich) - und dann noch der Einkauf? Packmonster Mann beschaut die Lage und urteilt: "Wir schaffen das!"
Und verteilt Milchtüten, Ananas, Brot und was man eben so braucht an Kind 1 und 2: "Packt das bei euch irgendwo mit hin, wo noch Platz ist."
Angekommen in der Tiefgarage des Domizils argwöhnt Kind 1 beim aussteigenden Mann: "Mach jetzt bloß nicht den Sitz nach vorn!" Augenblicklich habe ich die Szene aus "Manta Manta" vor Augen, wo Klausi die Wagentür öffnet und mit ihm immer erstmal unzählige Bierdosen etc. mit aussteigen - und amüsiere mich köstlich.
Immerhin - wir sind gut angekommen und beschließen angesichts des nunmehr hereinbrechenden Schneesturms: "Wir gehen nicht mehr vors Haus, wir legen die Beine hoch und machen nix mehr. Nur noch was zu essen."

Ostermontag
Der Schneesturm hat sich gelegt, auf Eis & Schnee plätschert fröhlich der Aprilregen und ich fühle mich entsprechend müde und ein wenig durchgematscht. Dennoch nutzen wir die Gunst einer ruhigen Stunde und suchen zu viert das Ufer nach Hühnergöttern ab. Es ist arschkalt, irgendwas um drei Grad, und als mir die Freundin schreibt: "19 Grad Grüße aus M", da bin ich kurz vor dem Schnee-im-April-ist-sowas-von-Kacke-Koller und erwäge nur für den Bruchteil einer Sekunde, das Telefon im Meer zu versenken. Entsprechend missmutig motiviert finde ich natürlich auch keinen Hühnergott, dafür aber gleich drei Steine in Herzform.
"Willst du mir was damit sagen?" fragt der Mann.

Dienstag und Mittwoch
Diese Tage stehen nun ganz im Zeichen des Frühlings - Sonntag noch Schneesturm um den Nullpunkt, Mittwoch klettert das Thermometer bereits auf satte 17 Grad. Das bedeutet Strandwanderung, wo Kind 1 und 2 sich mit nackten Beinen in der Kneippkur üben, während ich entspannt im Sand liege und die Sonne genieße. Das bedeutet Kaffee & Kuchen im Straßencafe - und auch einen Besuch bei den Großeltern: Der Opa starb einst an meinem 7. Geburtstag, die Großmutter vor 13 Jahren nach einer missglückten Herz-OP.
"Was heißt missglückt?" fragt der Mann.
"Sie haben die Herzklappen falsch rum eingenäht. Als sie merkten, dass das Blut in die falsche Richtung pumpt, wars zu spät."
"Ernsthaft jetzt? Die muss man doch verklagen!"
"Das wollte meine Mama nicht. Das bringt mir meine Mama auch nicht zurück, hat sie damals gesagt."
Er schweigt und legt nach einer Weile den Arm um mich.
Der Besuch im Meeresmuseum begeistert nicht nur Kind 1 und 2. Es hat sich einiges verändert, seit ich Kind war - aber vieles ist auch geblieben. Ich erinnere mich, wie ich als Kind vor den Aquarien stand und die bunten Fische in ihrer Vielfalt fasziniert betrachtete. Heute stehe ich davor und denke: "Drei Haie in einem Becken, fünf Schildkröten in einem Becken - der Platz reicht doch nie."
Von der Skulptur des Schwarzen Anglerfischs bin ich hingegen begeistert. Ich dachte immer, den gibts nur im Film!
Hoffentlich gibt das keinen Alptraum, denke ich, als Kind 1 und Kind 2 diesen Fisch betrachten. Immerhin erzählt uns Kind 2 jeden Morgen am Frühstückstisch, dass sie einen Alptraum hatte.
Am beeindruckendsten für mich bleibt der überdimensionale Schaukasten mit dem am Meer gefundenen Unrat - und den beiden Möwen, die diesen fressen, weil sie glauben, dass das Nahrung sei - und die wahlweise daran ersticken oder verhungern, trotzdem ihr Magen prall gefüllt ist.
Ich habe ohnehin null Verständnis für Leute, die ihren Abfall gleich welcher Art auf Straßen und Wegen entsorgen - jedoch hier packt mich die echte Wut: Der Mensch ist und bleibt das größte Sauschwein von allen.

Donnerstag
Kind 2 hat Geburtstag - 8 Jahre - und draußen rauscht das Thermometer zurück auf 8 Grad.
"Du musst aber auch ein Kleid anziehen", verlangt es von mir, "den ganzen Tag lang! Heute ist nämlich mein Geburtstag, da darf ich bestimmen!" Und so springe ich aus der Jeans zurück in das einzige Kleid aus meiner Tasche.
"Hast du nur das Schwarze? Hast du kein helles Kleid?"
"Äh... Ne. Nicht hier im Urlaub. Aber guck mal, es hat doch immerhin weiße Streifen!"
Zwar friere mir damit draußen den Arsch ab - aber das Kind ist glücklich!
Und während die drei später stundenlang das Spaßbad unsicher machen, gehe ich ein wenig im Ort spazieren, alten Erinnerungen auf der Spur und immer dem zarten verlockenden Kaffeeduft nach.
"Die Helma kann nämlich nicht mit", ruft Kind 2 fröhlich in den Videochat mit ihrer Oma, "die hat nämlich ihre Tage!"
Stille am Tisch.



Freitag
Abreise. Endlich. Irgendwie bin ich froh, auch wenn wir insgesamt 11 Stunden brauchen, ehe ich meinen kleinen Schwarzen wieder zurück auf die heimische Parkebene stelle.
Zuhause ist es irgendwie doch am schönsten..

That is the "Oh..oh, I am in trouble" (the good kind) face . =)
Bildquelle: https://www.pinterest.de/source/fuckingtotheweeknd.tumblr.com/

Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Hallo Helma, "Sauschwein" ist ein wunderbares Wort, dem ich bedingungslos zustimme.
Sind denn die beiden Kinder in gerader Linie mit deinem Mann verwandt?
Das GIF macht mir ja rote Ohren :-)
Du bist - nach meinem Empfinden - immer noch mehr ein Küstenmensch als ein Berg- und Bayernmensch.
Schön zu lesen und deine Beine in der Sonne sind natürlich die schönsten.
Tschüss sagt Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Rote Ohren? Dabei habe ich noch das harmlose genommen - für die anderen (wo MIR die Ohren heiß wurden ;)) müsste ich meinen Blog auf "keiner unter 18" umstellen, was ich aber nicht möchte :)
Ja, es sind beide Kinder seines Bruders.
Hatte mich im Vorfeld etwas mokiert darüber, dass wir mit unseren Kindern nie im Urlaub waren - was ich mir immer gewünscht hatte (irgendwas war immer, meist dasselbe..) und nun mit "fremden" fahren - aber nun ja. War eben keine einfache Zeit, die früheren Jahre mit uns.
Und ja: Ich bin und ich bleibe ein Küstenmensch, deshalb werde ich hier auch niemals glücklich werden. Eingewöhnt habe ich mich interessanterweise schneller als damals in L, aber wirklich heimisch fühle ich mich nur da, wo ich über das weite Meer schauen und Muscheln und Steine sammeln kann. Zwei Hühnergötter habe ich übrigens dann doch noch gefunden - an einem anderen Tag :)
Sobald die Sonne scheint, geht mir das Herz auf. So war das schon immer und wird wohl auch für immer so bleiben.

Christine Himmelhoch hat gesagt…

Das mit der Küsten Sehnsucht ist doch nicht das schlimmste, dann hast du wenigstens du ein Heimatgefühl im Bauch, denn ich habe keins.