Dienstag, 5. März 2019

Hauptsache glücklich


Heute bei Herrn Glumm gelesen: Alle 7 Jahre legt man die alte Schale seiner Psyche, seiner Seele ab, formiert sich neu, innen wie außen. Ich las seinen Post, als läse ich davon zum ersten Mal, doch im Laufe der Stunden danach fiel mir wieder ein, dass ich tatsächlich zuvor schon mal davon gehört hatte. Wie war das - erneuert sich nicht auch das Blut aller 7 Jahre? Ich habs mal gegoogelt - und dabei erfahren, dass es sich hier um ein Mythos handeln soll. Zumindest, was das Blut betrifft.
Das einzige, das sich erneuert, sind alle möglichen Zellen, und das aber in verschiedenen Rhythmen.
Nu ja, gut. Sonst hätte man ja glatt eine Veranschaulichung gehabt, wie dicke Körper und Seele tatsächlich miteinander sind.

Das Thema an sich hat mich dann aber doch so beschäftigt, dass ich mich heut Abend mal dahersetzte und meine ganz persönliche Zeitschiene aufmalte. Ich war ja schon so ein bisschen neugierig, inwieweit diese 7 Jahre auf mich zutreffen - oder ob sich hier einmal mehr bewahrheiten würde, was ich ja längst schon von mir weiß: Ich bin meiner Zeit hinterher. Immer schon gewesen ;)
Beim Aufmalen der Zeitschiene und den Anmerkungen, die ich daneben kritzelte, musste ich dann aber doch lachen: Ich bin beides. Mal bin ich meiner Zeit voraus und mal hinke ich ihr hinterher. Was mich persönlich so überhaupt nicht überrascht, schließlich kenne ich mich seit Jahren.
Ich sage nur E-Herd, Gas-Herd - und Kombigeräte ;)

Mit meiner Geburt änderte sich ja vor allem das Leben meiner Eltern, und schon sieben Jahre später mit meiner Einschulung fing dann auch für mich ne ganz neue Welt an. Das zählt ja auch, oder?
Immerhin lernte ich dort das Lesen und Schreiben (okay, rechnen auch, aber das ist bis heute etwas, das sich mir niemals wirklich erschließen wird. Wurzel ziehen - wer macht denn so nen Scheiß? Ich weiß nur, dass das verdammt schmerzhaft ist und mir 7 Tage Flüssigpudding durch nen Strohhalm ziehen bescherte. Ach ne, das war ja ne andere Wurzel. Ihr seht - Mathe und ich, das geht nicht ;))
Ich war eine ausgesprochene Leseratte - und meine überbordende Phantasie fand endlich im Schreiben ihr Ventil. Ich liebe es bis heute, lesen und schreiben. (und Mathe immer noch nicht)
Immerhin war es genau diese Schreiberei im Internet, die Herrn Blau auf mich aufmerksam machte.
"Wenn ich deine Zeilen lese, denke ich, ich wär selbst dort gewesen", schrieb er zum Beispiel damals.
Da muss ich gleich mal noch ein Zitat einwerfen, das ich letztens bei FB las:
"Unfassbar. Es ist sagenhaft, was unser Leben für Zufälle bereit hält. Du kommst auf die Welt, einem Zufall zufolge, irgendwo am Mississippi. Und ich bin das Ergebnis der Vereinigung von Sam und Jetta Yellnikoff. In der Bronx. Jahrzehnte vorher. Und durch eine astronomische Aneinanderreihung von Umständen, laufen wir uns über den Weg. Zwei Ausreißer im riesigen, schwarzen, unbeschreiblich brutalen, gleichgültigen Universum."
(Boris Yellnikoff - Whatever Works/Woody Allen)
Ich kommentierte dazu, dass ich persönlich nicht an Zufälle glaube - und mir grad deshalb das eine oder andere umso wunderbarer erscheine.
Und besehe ich mein Leben: Die bisher wichtigsten Menschen in meinem Leben sind alle nicht in meinem jeweiligen Wirkungskreis geboren, aufgewachsen und so weiter. Man begegnete sich einfach eines Tages irgendwo - ganz woanders, dazwischen konnten viele, unendlich viele Kilometer liegen. Es gibt da einfach irgendwas, das die Menschen dennoch zueinander führt, und ich finde das was richtig Schönes. Und eben das Spannende an diesem Leben. Jeden Tag kann irgendwas Schönes passieren, irgendeine Wendung, auf die Du nie gekommen wärst.
Natürlich gibt es auch Tiefschläge. Aber vielleicht muss das auch so? Wer immer auf dem Gipfel steht, der weiß doch irgendwann gar nicht mehr um das Glücksgefühl, da oben angekommen zu sein...

Die dann darauf folgenden sieben Jahre später blieben (meiner Erinnerung nach) ereignislos, meine erste große Liebe begegnete mir nämlich erst im Jahr darauf.
Dafür hielt ich mich dann wieder an die 7 Jahre später: Ich wurde selbst Mama, und das zum allerersten Mal. Für damalige Verhältnisse nicht ungewöhnlich jung - aus meiner heutigen Sicht aber vieeel zu jung. Ich hätte erstmal selber erwachsen werden sollen ;)
Die 7 Jahre danach hänge ich meiner Zeit wieder hinterher, ich denke nämlich erst ein Jahr später ernsthaft und ganz konkret über Scheidung nach. Und mache es dann doch nicht. Konsequenz war auch nie meine Stärke, aber auch das ist keine neue Erkenntnis für mich. Heute klappt das in vielen Bereichen besser, aber das hilft dem Damals jetzt auch nicht mehr. Egal.
Offenbar gehen meine Uhren ab diesem Zeitpunkt noch langsamer als sonst, 2004 hätte ich mich seelisch erneuern müssen - tat dies jedoch erst (unbewusst, aber das ist ja meist unbewusst) mehr als 2 Jahre später. Ich verunglückte schwer mit dem Auto und ich weiß noch heute, dass mein erster fassbarer Gedanke im KTW war "Wer weiß, wozu das jetzt gut war, was das jetzt bringt". Nichts Gutes - es hat sehr viel in mir verändert, und ich denke, dass das auch seither in vielerlei Hinsicht meinen Weg bestimmte und immer noch bestimmt. Ich habe mein Urvertrauen verloren, in die Technik, in die Menschen, ich hab dran gearbeitet, nein, ich habe dran geackert - aber es ist seither einfach nichts mehr wie es war. Irgendwann habe ich es akzeptiert, ich habe mich darin akzeptiert. Und ich glaube, es ist auch ein guter Entwicklungsschritt, wenn man mit Vergangenem nicht hadert, sondern sich auf das Positive konzentriert. Das wiederum kann ich tatsächlich immer noch richtig gut.
Insofern passt dann die innere Uhr wieder mit den anschließend vergangenen 7 Jahren super: Ich begreife endlich, dass auch ich trotz allem ein nicht wertloser Mensch bin - und richte mich endlich auf: Bis hierher, weiter nicht mehr, so will ich nicht mehr, so macht es mich nicht glücklich. Jahr 7 und Jahr 8 gehen insofern fließend ineinander über, im Zwischenmenschlichen verändert sich alles und für mich fühlt es sich an wie: So hatte ich mir das eigentlich immer vorgestellt. So hatte ich mir das gewünscht.
Und eile an dieser Stelle meiner inneren Entwicklungsphase vier Jahre voraus: Ich ziehe von L nach M, etwas, das ich nicht bereue - auch wenn mir eines immer klarer wird mit den Jahren: Dort begraben werde ich nicht. Sowieso nicht, weil ich wünsche, verbrannt und über dem Meer verstreut zu werden (wie kann man auch einen Freigeist in eine kleine Kiste sperren und dann noch drei Zoll unter die Erde buddeln? Das muss man doch wissen, dass das absolut nicht geht) - aber möglichst schon davor nicht. Ja sicher hatte ich schon immer diese Vorstellung von einem kleinen, alten reetgedeckten Haus mit ausgelatschten Stufen vor der Tür, grün bemalten Holzläden, einen Garten nur mit Wiese und wild wachsenden Blumen und diesem kleinen Pfad hinunter zum Meer...
Aber seien wir doch mal ehrlich: In einem Haus würde ich mir jeden Abend, jede Nacht, die ich dort allein verbringen müsste, in die Hosen machen. Ich würde den Mann dazu verdammen, ja nie auf die Idee zu kommen, abends das Haus zu verlassen, jedenfalls nicht ohne mich - und mal ehrlich: Was soll DAS für ein Leben sein? Jemanden zu lieben heißt ja nicht, dass man permanent an dessen Rockzippel hängen muss. Oooarrr ne! Soll schon jeder auch seins machen können, so einer ohne den anderen. Aber das wird dann halt.. schwierig ;)
Am Ende wirds wohl eher eine Altbauwohnung irgendwo in der Altstadt werden, so eine Wohnung mit herrlich knarrenden Dielen, Kerzen auf dem Fensterbrett vor den hohen schmalen Fenstern, in anderen Fenstern Lampen oder Fische aus Treibgut - und zum Strand fahren wir mit dem herrlichen Hollandrad, das mit der Ding-Dong-Klingel und den Schnittblumen im Korb, dazu dem Wein und dem Käse... Den wir dann mit arthritischen Fingern auseinanderbrechen und hoffen, dass er weich genug ist, damit der Zahnersatz hält. Seis drum.

Hauptsache, glücklich.

Der Song passt zwar nicht zum Post, is mir aber sowas von wurscht. Er hat mich heut auf der Fahrt nach L begleitet. Sooooo sooo geil!! Leider habe ich jetzt irgendwie ein Problem mit den Lautsprechern im Fond. Hm. Blöd, das, irgendwie. Aber hey - es war trotzdem geil!!! :)

Kommentare:

Frau Eiskalt hat gesagt…

Du wirst lachen, das Thema hatte ich vor einer Weile mit meiner Therapeutin und mir ging es ähnlich wie Dir. Es haut auch bei mir vielleicht nicht immer genau in diesem Rhythmus hin, aber im großen und ganzen schon und das fand ich so unglaublich spannend. Aktuell befinde ich mich wieder voll im Wandel und auch, wenn es anstrengend ist. Ich finde es großartig und bin gespannt, wo die Reise hingeht. Wie Du sagst, Hauptsache glücklich. Ich lerne momentan wieder so viel über mich und habe offenbar ein paar grundlegende Dinge endlich begriffen, die in den 37vorherigen Jahren wahrscheinlich noch nicht möglich waren. Ich war mir selbst vermutlich noch nie näher und das fühlt sich gut an. Ich mag diese 7Jahre :D

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Oh ja, das stimmt, ein Wandel kann mega anstrengend sein - aber wenn man einmal mitgekriegt hat, dass das durchaus was Positives bewirkt, dann kann man viel zuversichtlicher damit umgehen. Wahrscheinlich hätte ich aus Furcht zurückgezuckt, wenn ich gewusst hätte, was da alles auf mich zukommt. Heute bin ich so so froh, dass ich es eben nicht wusste, dafür aber einfach gemacht hab.
Letztens hörte ich von einer Buchvorstellung, ich weiß leider nicht mal mehr, wie es heißt, aber es geht darum, sich trennen zu können. Warum viele Menschen das nicht tun, obwohl sie nicht glücklich sind. Es gibt ja so arg viele Facetten, warum jemand etwas tut oder nicht.
Und wenn ich dann an mich denke.. Ich bin so scheiße froh, dass ich niemals finanziell abhängig gewesen bin, auch wenn mich die Scheidung letztlich mehr kostete als ich verdiente. Aber immerhin habe ich immer gearbeitet, nie in geringfügig bezahlten Jobs, ich war nie nur Hausfrau. Ich wollte es einfach auch nicht, mir wäre das viel zu langweilig, so ohne eine Aufgabe. So aber ermöglichte es mir auch den Sprung, den Sprung vom Zehnmeterbrett (ich springe nicht mal vom Beckenrand ;)) - und bis heute hierher zu mir gekommen, das wäre mir in der Ehe nie niemals geglückt. Weil er es einfach nicht zugelassen hätte und ich mich weiter unterdrücken lassen hätte. Denn wenn Du etwas nicht anders kennst, handelst du auch nur ganz selten anders..
Von daher... bin auch ich verdammt froh, so nah an mir selber dran zu sein. Alles hat sich gelohnt, allein dafür.
Freundinnen in ihren schlechten Beziehungen rate ich niemals zur Trennung einfach so. So eine Entscheidung trifft man nicht ohne innere Überzeugung. Aber ich rate ihnen immer, auf sich selbst zu schauen - und wie sehr sie sie selbst sein können. Ob und was sie daraus machen, können sie nur selbst entscheiden.

gretel hat gesagt…

Ich wollte dir nur mal schnell einen kurzen Gruß hier lassen, weil Bloggerland und ich gerade eine Krise haben.
Mal kurz nen Zahlenstrahl auf die Bürotischablage gekritzelt und ja - kann man so ungefähr schon gewisse Perioden im 7er Rhythmus feststellen, nur die letzte hab ich irgendwie ausgelassen oder ausgeweitet :-)
Liebe Grüße

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Gretel, ich hoffe, Deine Bloggerlandkrise hält nicht allzu lange an, ich vermisse Dein Schreiben wirklich. Es hat trotz allem immer etwas von einem Sonnenschein.