Als ich gestern Morgen mit dem Chef telefonierte und wir über die Gehaltsabrechnung für den November sprachen, da stellten wir auch fest, dass in gut fünf, sechs Wochen das Jahr rum ist. Natürlich ist das jedem bewusst und jedem klar - gleichwohl waren wir beide ein wenig erschrocken, wie schnell eben dieses Jahr rum war. "Und dabei ist gar nicht viel passiert", wunderte sich der Chef. "Das ist es ja", antwortete ich nachdenklich. "Wenn du ein ganzes Wochenende lang nur im Bett liegen und gar nichts machen würdest, wär man schockiert, wie schnell die zwei Tage rum sind. Packt man sich die aber voll mit Erlebnissen, dann fühlt es sich so an, als habe man vier Tage frei gehabt." Bald also ist Weihnachten, Jahreswechsel - und ich gebe zu, ich betrachte die kommende Zeit mit ein wenig gemischten Gefühlen. Und das gar nicht mal so wegen mir selber, sondern wegen Menschen zum Beispiel, die allein sind. Oder sich allein fühlen. Menschen, die sich jedes Jahr in den Weihnachtstagen noch mehr allein fühlen als sonst. Wie fühlen sie sich in diesem Jahr? Nicht mehr allein als sonst auch, weil sich für sie im Grunde nichts ändert? Und sie den Menschenmassen, den Familien nicht zusehen müssen, was ihr Einsamkeitsgefühl noch mehr befeuerte?
Heute Morgen hat der Mann mir gedankt, dass ich unser Zuhause so gemütlich gemacht hatte, vor allem abends, wenn er heimkommt. Es ist still und ruhig, warm und behaglich. Vor allem auch deshalb, weil ich mich an den vergangenen zwei Abenden schon vor sieben Uhr in mein Bett legte. Ich war tatsächlich todmüde, richtiggehend "durch", obwohl ich noch bis Mittwoch freie Tage genießen konnte. An denen auch nicht wirklich viel passierte. Zumindest nicht im außen.
"Warum tust du dir das immer an?" fragt der Mann öfter, wenn ich mich in Blogs oder Social Media zu aktuellen Themen auseinandersetze. Offen gestanden, habe ich mich das gestern und heute auch wieder selbst gefragt. Weil ich auch spüre, was es mit mir macht. Wie es in meinem Kopf hin und her geht und immerhin den Blutdruck fördert. Insgesamt aber stelle ich auch immer wieder fest, dass ich bei aller Diskussion - mit wem auch immer - wieder und wieder meinen eigenen Standpunkt hinterfrage. Schaue, ob ich etwas Neues erfahren kann oder aber wenigstens den Blickwinkel anpassen könnte. Oder müsste. Genau genommen ist das auch der einzige Grund, warum ich mich seit jeher für alles mögliche interessiere und dann auch die Diskussion nicht scheue. Manchmal aber auch dann, wenn ich etwas lese, sehe, höre, das ich für mein Empfinden als ungerecht einschätze.
Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Gewalt hasse und verabscheue. Gewalt in jeglicher Form, ob nun psychisch oder physisch. Auch weil ich es selbst durchlebt habe, sechzehn Jahre lang, um genau zu sein. Das hat mich nachhaltig geprägt, auch wenn ich schon vor diesen sechzehn Jahren das war, was man allgemeinhin als Pazifist bezeichnet. "Frieden schließen; befrieden, besänftigen" Hierbei unterscheide ich auch nicht, von welcher Seite Gewalt entsteht. Ob sie von rechts oder links kommt oder von mir aus auch von oben oder unten - Gewalt bleibt Gewalt und allein die Bereitschaft dazu verabscheue ich. Da gibt es auch nichts zu "verniedlichen", dass zB linke Gewalt ja eigentlich den Standpunkt vertritt, dass Unbeteiligte nicht zu Schaden kommen sollten. Darf sie deshalb tolerierbar sein? Nein, darf sie nicht. Weil sie inzwischen längst in Kauf nimmt, dass sie es tun - und taten. Und wenn jemand sagt "Ah ja, die verdammten Corona-Leugner, da bleibt ihr still, ihr Bullen, wo auch die Rechten ihre Reichsflaggen schwenken, aber kaum kommen die Autonomen in Connewitz zusammen, haltet ihr den Wasserstrahl drauf!" - dann wehrt sich irgendwas in meinem Bauch gegen diese Darstellung. Ich habe schon Videos gesehen, in denen sich die Polizei in Connewitz komplett defensiv verhielt - und Bewohner sich fragten: "Wieso? Wann gehen die endlich mal richtig dagegen vor?" Wenn aber Straßenzüge auseinander genommen und teils in Brand gesteckt werden, sorry, aber dann darf man da auch mit einem Wasserwerfer draufgehen. Das ist zumindest meine Meinung.
In den vergangenen zwei Tagen habe ich mir Videos von der Corona-Demo in Berlin angeschaut. Warum sich Eltern mit ihren Kindern vorn mit in die ersten Reihen stellen, erschließt sich mir nicht. Wir reden hier immerhin nicht von Friedensbewegungen - auch wenn es gerne so dargestellt werden möchte. Wir reden hier von Zusammenkünften, die jederzeit eskalieren könnten. Da nimmt man sein Kind nicht mit hin! In Berlin entschloss sich die Polizei (im Gegensatz zu Leipzig), ihre Wasserwerfer einzusetzen. Das sicherlich nicht "zielgerichtet" wie zB bei anderen Einsätzen, sondern eher als "Beregnung", da die Menschen auch nach mehrmaliger Aufforderung, den Platz ob der Nichteinhaltung der Auflagen zu verlassen, nicht nachkamen. Als ich dann heute ein Posting sah mit der Unterschrift:
"Presseanfrage an die Berliner Polizei: Haben Sie vor dem Wasserwerfer-Einsatz Mediziner konsultiert wegen gesundheitlicher Folgen, insbesondere im Hinblick auf Infektionsschutz (durchweichte Masken, Tröpfchen etc.) und Auswirkungen auf die Immunität? Was rieten Ihnen diese?"
da konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen, welche Masken denn gemeint gewesen waren (es gibt ja nun inzwischen genug Videobelege, dass fast ausschließlich alle keine Maske trugen) - und warum jetzt nach Infektionsschutz gefragt wird, wenn Menschen ohnehin ohne Maske und Abstand beieinander stehen? Fast zeitgleich veröffentlichte jemand ein Statement der Bundesregierung vom 12. März, wonach die Menschen zu Vertrauen und Besonnenheit aufgerufen wurden und man eindeutig dementierte, dass von Seiten der Regierung NICHT geplant wäre, einschneidende nationale Beschränkungen aufzuerlegen. Dass man Fake News nicht trauen solle. Hm. Nur weiß man ja inzwischen, dass bereits am 19. März der erste Lockdown in Bayern eingeführt wurde - und dass die anderen Bundesländer gut eine Woche später folgten. Hat man das im Ministerium am 12. März etwa nicht gewusst? ;)
Bis heute schaue ich mir keine entsprechenden Youtube-Videos an, ich lese auch nicht wahllos irgendwelche Statements - und ich werde misstrauischer, je reißerischer etwas angeprangert wird. Dennoch finde ich für mich persönlich bis heute keine schlüssige Argumentation für das, was seit März bei uns beschlossen und durchgezogen wird. Dabei bewerte ich gar nicht, ob Corona nun wirklich gefährlich ist oder nicht - weil mir das gar nicht zusteht. Weder kenne ich mich darin aus noch habe ich je in Richtung Medizin studiert. Aber ich höre auf das, was diejenigen sagen, die sich damit auskennen sollten. Bzw. höre ich denen zu, die sich damit auskennen und - anfangs vorsichtig und diplomatisch - wiederholt dazu auffordern möchten, sich weniger auf Infektionszahlen zu fixieren als vielmehr auf die Zahl der Schwererkrankten und die der Todesfälle und dass man insbesondere Risikopatienten schützt. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber ich denke schon, dass ich eine Auffassung zu allem haben darf, auch wenn ich nicht Medizin studiert habe.
Was heißt das konkret für mich? Ich finde es gut und richtig, dass wir alle im Frühjahr informiert worden sind. Damit wir eben auch wissen "Hey Leute, da gibts was, das wir noch nicht kennen und nicht einschätzen können - aber Ihr könnt was tun." Zum Beispiel besuche ich momentan meinen schwer herzkranken Papa lieber nicht und schiebe es auf. Das mache ich aber nicht nur bei Corona so, sondern jedes Jahr, wenn irgendeine Erkältungswelle rumgeht. Ich achte noch mehr aufs Händewaschen. Und wenn ich erkältet bin, halte ich mich fern von anderen. Also eigentlich alles Dinge... die wie immer sind und an die man sich grundlegend hält. Ich finde auch gut, dass auch gesagt wurde, es sei eben alles neu, es lägen keine Erkenntnisse vor etc. Dass man nur ausprobieren kann. Und natürlich ist es ein Unterschied, ob ich für eine 5köpfige Familie Verantwortung trage oder für rund 83 Millionen Menschen. Inzwischen aber weiß man schon etwas mehr, man spricht sogar vom ersten genbasierten Impfstoff. Wer möchte, darf meine Dosis gerne haben - jedoch ich möchte mir dieses Zeug nicht spritzen lassen. Zum einen habe ich mit meinem Körper schon genug zu tun. Zum anderen regen wir uns auf über gentechnisch entwickeltes Obst und Gemüse usw. - und jetzt lassen wir uns das Zeug freiwillig unter die Haut schieben? Mit Haftungsfreistellung für den Entwickler und ohne Erkenntnisse darüber, was das im Menschen überhaupt auslösen und bewirken kann? Versteht mich nicht falsch - zum Impfgegner zähle ich nicht. Ich bin geimpft und meine Kinder sind es auch. Mit abgeschwächten Erregern, die eine Immunreaktion im Körper hervorrufen und uns immunisieren sollten. Aber eine genbasierte Impfung? Und gerade weil man inzwischen etwas mehr über Covid weiß, habe ich echt nicht erwartet, dass ein zweiter Lockdown eingeführt wird. Vor allem nicht, an welcher Stelle. Da, wo Hygienekonzepte aufgestellt und teils für teuer Geld umgesetzt wurden - und das erfolgreich. Da, wo absolut nicht nachgewiesen wurde, dass da Infektionsherde brodelten. Sportzentren, Lokale. Muss ich das verstehen? Also treffen sich die Leute wieder vermehrt zu Hause. Da, wo man davon ausgeht, dass die Infizierung eher im privaten Bereich erfolgt? Ja, du darfst nur eine Familie treffen. Aber wer kontrolliert, ob ich jeden Tag oder jede Woche eine andere Familie treffe? Meine Eigenverantwortung? Oder der Denunziant von Tür Acht, dem die offizielle Plattform dafür eingerichtet worden ist?
Zu dem ganzen Thema gibt es übrigens auf ARTE eine sehr gute, sachliche Dokumentation. Die ist noch bis 8. Februar in der Mediathek verfügbar und heißt "Sicherheit contra Freiheit: Deutschland, Frankreich und Schweden in der Krise". Alternativ kann man sich die auch noch auf youtube anschauen. Ich hab sie mir angesehen. Und kann sie wirklich jedem nur empfehlen.
Ja.. In Tagen wie diesen kann man sich richtig die Köppe heißreden. Oder stattdessen auch einfach nur alle Themen ruhen lassen und einen entspannten Herbstabend mit dem Liebsten genießen. Wenn man denn einen hat.
Der Junge fragt mich (und sich), wo ich immer meine Energie hernehme. Die Kolleginfreundin bestaunt dasselbe und meint: "Das schaffst du auch noch, davon bin ich überzeugt." "DAS" meint: Lösen der alten und Anschließen der neuen Waschmaschine. Denn es ist ja so: Entweder Du ziehst Du irgendwo ein Steinchen raus und der ganze Haufen überrollt Dich - oder aber es ist, wie mein Opa immer zu sagen pflegte: Der Anschiss lauert überall. Denn als ich am Montag zeitig genug hier in L eintraf, ordnete ich zunächst die Wäsche und begann mit dem Waschen. Nur um nach der ersten Runde das Bullauge zu öffnen und deutlichen Qualm nicht nur zu riechen, sondern auch zu sehen. What? Also Wäsche entnommen, Deckel abgeschraubt, Rückwand abgeschraubt - aber es war nichts Verdächtiges zu sehen. Nichts Verschmortes, nichts Ungewöhnliches - alles trocken und ordentlich. Jedenfalls, soweit man überhaupt schauen konnte. Irgendwelche Betonteile jedenfalls schraubte ich nicht noch ab, das war mir nicht nur zu schwer, sondern erschien mir auch nicht wirklich sinnvoll. Ob zwischen Trommel und Waschmaschine etwas geraten war, ließ sich nicht eindeutig beantworten - aber jetzt noch eine Wäsche riskieren? Was mach ich, wenns nen ordentlichen Hieb gibt, von woher auch immer? Wie alt das Teil ist, weiß ich ohnehin nicht, wir hatten sie vor rund 6 Jahren gebraucht vom Opa übernommen. Also rief ich beherzt bei einem Freund an, der zugleich einen Gebrauchtwarenladen besitzt. Ich kenne seine Ware, der nimmt nur welche, die tipptopp ist - nur leider hat er im Moment keine Waschmaschinen in seinem Geschäft. "Dann musst du jetzt wohl mal in den sauren Apfel beißen", meinte er vergnügt und ich fragte mich grummelnd im Stillen, in welchen von den sauren in meiner ganz persönlichen Obstschale. Der Junge und ich gruben dann das Internet rauf und runter. Problematik war ja ohnehin: Der Wäscheberg hatte längst bedrohliche Ausmaße angenommen, also musste wenigstens zügig und zuverlässig geliefert werden. Und hierfür.. kommt eigentlich tatsächlich nur das große A in Frage.. "Da unterstützt du wieder die Amis", meinte der Mann. Stimmt zwar, nutzte aber dennoch nichts. Und dabei hatte ich erst vor kurzem in einem Blog gelesen, man solle doch einfach mal die Onlineriesen und überhaupt jene, die an einem Lockdown verdienen, boykottieren. Mir gefiel diese Idee ausnehmend gut - und kaum hatte ich diesen Entschluss gefasst, pinkelt mir das reale Leben vor die Füße.
Jedenfalls haben wir jetzt eine bestellt, heute soll sie geliefert werden - und den gestrigen Tag nutzten der Junge und ich, die beiden Zimmer komplett umzuräumen. Was bedeutete, die alten Möbel beim Großen zerlegen, in den Keller tragen, den Keller dazu für den Sperrmüll sortieren, die Wohnwand vom Jüngeren zerlegen, ins andere Zimmer befördern - und dann werkelte der Jüngere in seinem Zimmer weiter und ich im Zimmer des Älteren. Als der dann nämlich abends von der Arbeit kam, war alles fertig: die Wand gestrichen, die Möbel aufgestellt, die Schränke eingeräumt. Eigentlich hatte ich angenommen, dass wir die zwei freien Tage dazu benötigen würden - brauchten wir dann aber doch nicht. "Und wo schläfst du jetzt?" fragte der Mann abends, als ich ihm die Fotos schickte. Nun. Auf einer Gästematratze, aber nach der ersten Nacht war mir endgültig klar: Das ist nur ein Provisorium, hier muss eine Alternative her ;) So ähnlich sah das auch der Jüngere, der mich gestern schon fragte: "Bist du sicher, dass du das so willst?" "Wieso nicht? Ist erstmal das einfachste vom Auf- und Abbauen her und das Kostengünstigste." "Na ja... Aber du mit deinen Schmerzen. Und dann... na ja... du weißt, du bist ja..." Dann begann er zu lachen, duckte sich weg und verschwand. Frechheit! Dabei hatte erst am Mittwoch die Kolleginfreundin meinen Erklärredefluss unterbrochen, indem sie sagte: "Ey... Du siehst grad echt aus wie Mitte Dreißig!" Aussehen ist aber ja auch nicht sein, aber ich dachte einmal mehr, was so eine kleine Pille doch ausmachen kann. Also die Cortison-Pille. Neun Tage - und mir gehts schon echt besser. Was sich durchaus auch gestern beim Möbeltragen und vor allem Treppensteigen zeigte. Das ging wirklich wie geflutscht und ganz ohne Probleme. Nur die Schultern sind nicht besser geworden - aber hey: neun Tage! Das ist wirklich viel mehr als ich gedacht hätte. Aber natürlich war ich am Abend "grätenbreit", wie der Sachse sagt, und "kreuzlahm", wie der Fischkopp sagt. Also ließ ich mir erstmal ein Muskel- und Gelenkebad ein, bevor ich mich mit der letzten Energie des Tages daran machte, eine Kleinigkeit zum Abendessen zu zaubern.
Heute Morgen dann, nach dem Duschen, schaute ich mir die Anschlüsse der alten Waschmaschine an. Vor denen habe ich schon einigen Respekt. Die sind so "lawede", dass man denkt, hier geht nur vom bloßen Anfassen was schief. Wie der Junge auch gestern sagte "Das is eigentlich ne echt primitive Bude. Eins geht nach m anderen kaputt. Hier die Anschlüsse, dort die Steckdosen, die Wände bröseln, der Keller is morsch..." Und vermutlich hat er auch recht damit, aber es hilft ja nix. Dafür zahlen wir auch nur vierhundert Euro warm für zwei Zimmer mit Küche und Bad. Altbau eben. Die Steckdosenabdeckungen werden wir im kommenden Jahr nach und nach erneuern und auch die Silikonfugen an den Fensterbrettern. Für das kommende Frühjahr bzw. den Sommer haben wir uns dann noch den Balkon vorgenommen. Es gibt so viele kleine Möglichkeiten, mit denen man aber große Veränderungen herbeiführen kann. Ein gutes Gefühl, wenn man vieles allein machen kann und auch hinbekommt. Und wenn es anschließend wirklich schön wird.
"So einen Service hätte ich auch gern", sagte der Mann gestern Abend und ich antwortete: "Hast du doch. Ich liefer die Ideen und dann setzen wir sie gemeinsam um. Du machst nur vieles selber, um mich zu schonen." Und die Kolleginfreundin sagte zu den Fotos: "Geil! Jetzt kann ja die erste Freundin kommen." Einiges ist derzeit zwar noch ein Provisorium, aber spätestens Mitte Dezember sollte dann alles komplett fertig sein.
Und ich freu mich über zwei Dinge: dass es mit dem Jüngeren ein so harmonisches, entspanntes Arbeiten ist, weil der genauso gerne Dinge verändert wie ich, dass wir alles geschafft haben und es jetzt wirklich schön geworden ist, der Ältere damit ein cooles Zimmer hat - und dass ich entgegen der Planung zwei Tage übrig hab, um mich zu erholen. Ich werde mit einem richtig guten Gefühl am Sonntag wieder hier wegfahren.
Ich hatte es heute grad erst an Gretel kommentiert: Ich vermisse bestimmte Blogs - und im Gegenzug bin ich selber grad seltener mit dem Schreiben. Nicht, weil nichts passieren würde oder mir die Themen ausgingen. Und das auch, trotzdem das Schreiben neben der Musik "mein" Medium ist. Mein Medium, einen freien Kopf, eine freie Seele zu bekommen, damit ich - bildlich gesprochen - wieder in meiner Hängematte schaukeln kann. Vielleicht sollte ich es auch so machen wie Gretel es in ihrem Blog getan hatte: mehr Bilder sprechen lassen. Momente eines jeweiligen Monats einfangen und (auch für mich selbst) visualisieren. Dass ich auch ein Augenmensch bin, dürfte ja ohnehin bekannt sein ;) Vielleicht fange ich diesen Monat auch damit an, mal gucken, ich weiß noch nicht. Klar könnte ich auch zu Instagram wechseln - aber was soll ich da? Zwar bin ich eine Frau, aber ich bin eine Frau, die im Realen eher wenig spricht. Also meistens. Es kommt natürlich auf das Thema an. Dafür aber kann ich seitenweise schreiben, wenn ich will und Lust dazu hab. Und viel schreiben ist ja bei Instagram nun nicht wirklich ;)
Wenn Dinge in meinem Kopf unausgesprochen herumschwirren, dann beginne ich beispielsweise damit, die Dinge im Außen und um mich herum zu sortieren. Die Steuererklärung, die Bügelwäsche, das Putzen der Fugen im Bad. Dinge also, die man nicht jeden Tag sowieso macht. War ich früher ein Fan von kreativem "Chaos" so im Stile von Ikea, so bevorzuge ich inzwischen immer klarere Linien und Strukturen. Inzwischen sauge ich jeden Tag Staub, wo ich früher auch mal ganz entspannt einfach nur das Rollo herunterließ. Das einzige, das wohl unverändert ist, ist mein Hang zu Veränderungen. Ich bin ein Zugvogel - und würde am liebsten überall ein bisschen wohnen und leben. Da das nicht umsetzbar ist, könnte ich wenigstens in regelmäßigen Abständen den Wohnraum verändern. Also solche Veränderungen mit Farbe und Möbelumstellen. Accessoires neu anordnen oder auch ersetzen, da bin ich (leider) schmerzbefreit. Ich kann mich schnell und mühelos von etwas trennen, ausgenommen die Dinge, die eine persönliche Bedeutung für mich haben. Mich von etwas zu trennen, finde ich aber immer noch besser, als jedweden Ballast anzuhäufen. Trotzdem ist das etwas, was der Mann beispielsweise so gar nicht nachvollziehen kann - und mein Ältester auch nicht. Auch der Junge kann sich nur sehr schwer von Dingen lösen, und da muss er nicht mal einen persönlichen Bezug dazu haben. Im Lauf der Jahre aber fühlt es sich für mich mehr und mehr so an, als sei er weniger ein Gewohnheitsmensch als vielmehr jemand, dem Bekanntes vor allem eins vermittelt: Stabilität. Noch immer bin ich unsicher in der Antwort auf die Frage, ob er im Alter von dreizehn bis neunzehn zu vieles durchmachte und letztlich auch zuviel allein war und hieraus bestimmte Entwicklungen und Eigenschaften resultieren - oder ob sich da tatsächlich eine autistische Persönlichkeit zeigt. Möchte ich es genauer wissen? Muss man es genauer wissen? Ändert es etwas, wenn man einen Namen für etwas hat? Denn allgemeine Akzeptanz - das habe ich in den letzten fünf Jahren mehr als deutlich erfahren müssen - bedingt das Wissen noch lange nicht. Das Individuelle ist längst nicht mehr gefragt und wenn ich immer lese und höre "Sei du selbst", dann lächle ich inzwischen nur noch müde. Sei du selbst darfst du ja gar nicht. Andererseits... Schaue ich auf mich persönlich, hätte ich schon ganz gerne einen Namen für das, was da in meinem Körper abläuft. Wobei es mir weniger um den Namen geht als vielmehr darum, damit vielleicht auch endlich einen Ansatz für Besserung zu finden - wenn es schon keine Heilung gibt. Unlängst habe ich mich gefragt: Wenn ganz am Anfang, im Dezember 2004, die unbehandelte Infektion mit Streptokokken stand, ein Fakt, der sich (und hier muss ich sagen: glücklicherweise) im Labor ablesen ließ und immer noch lässt, dann weiß ich ja, dass diese Infektion bei den allermeisten Menschen komplikationslos wieder ausheilt. Manche haben Pech und ihr Herz wird schwer krank. Andere haben anderes Pech: Sie leiden unter Nervenschmerzen. Das lässt sich weder behandeln noch betäuben noch ist diesem Scheiß auch nur irgendwie beizukommen - und deckt sich mit der Aussage eines Uni-Professors vor vielen Jahren: "Nervenschmerzen sind die schlimmsten, die es gibt, weil man die nicht betäuben kann." Gestern Abend haben wir "Feuer im Kopf" gesehen. Der Mann fand den Film todlangweilig und schlief ein. Wiederum ich... Der Film erzählt die authentische Geschichte einer US-Amerikanerin, die nach und nach immer deutlichere neurologische Auffälligkeiten zeigt, von denen man zunächst ausgeht, dass sie entweder ihrem Stress geschuldet sind oder ihrem früheren Drogenkonsum - oder dass sie schlichtweg zuviel Alkohol trinke. Weil MRT, EEG, Blut und Liquor nur eines zeigen: nichts Auffälliges. Und kurz bevor sie in die Psychiatrie abgeschoben werden soll, findet sich ein Professor, der sich von der Patientin, die mittlerweile nicht mehr spricht und nur noch starr vor sich hinschaut, eine Uhr aufzeichnen lässt. Das runde Gebilde sieht noch gut aus - aber die Zahlen von 1 - 12, die sie richtig anordnen soll, schreibt sie lediglich auf die rechte Seite, von oben nach unten. Darin sieht er den bisher einzigen bewiesenen Anhaltspunkt, dass ihre Erkrankung keine Schizophrenie oder ähnlich psychischer Natur sein kann, denn: "Es gibt keinen einzigen Grund, warum eine psychisch erkrankte Person nur einseitig [darstellen] kann." Und nach der Biopsie ihres Hirns steht fest: Es handelt sich um eine Entzündung ihrer rechten Hirnhälfte. Die weder im Labor noch im MRT noch im Liquor zu sehen war - und die trotzdem da war. Und sie hatte den Namen, die Diagnose - und damit endlich die Hilfe, die noch rechtzeitig genug kam, bevor die Schäden irreversibel wurden. Auch wenn der Heilungsprozess Monate gedauert hat. Natürlich denke ich dabei auch an mich - ohne davon auszugehen, auch diese Erkrankung zu haben. Nein, diese nicht, denn meine Symptome sind bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei ihr - und auch ganz anders als meine. Was mich jedoch beschäftigte, ist, dass auch bei mir die meisten Laborparameter und sonstigen Untersuchungen unauffällig sind (sieht man jetzt mal von zB den Streptokokken und dem Hashimoto ab). Trotzdem geht es mir mit den Jahren nicht besser und kommen nach und nach immer weitere Symptome hinzu. Symptome, die irgendwie immer "unspezifisch" bleiben, weil: "Sie haben irgendwie nie von einem alles. Sie haben von einigem etwas, aber nicht alles, also ist es das nicht." In dieser Woche war ich nun beim Rheumatologen und er untersucht mein Blut innerhalb der kommenden zwei Wochen auf bestimmte genetische Anzeigen, hat meine Finger und Füße geröntgt (und für unauffällig befunden, während hingegen ich fand, grad das Röntgenbild der Finger sehe doch aus wie gemalt ;)) und mir eine Spritze in die linke Hüfte gegeben. Da, wo es aktuell am meisten (neben den Fingern) schmerzt. Und er verschrieb mir Cortison, nur halb so stark wie im Januar vom Hausarzt, aber dieselbe Sorte. Die nehme ich heute den fünften Tag und in den Fingern ist es schon deutlich besser geworden. In der Hüfte auch ein wenig. Schauen wir mal, wie es weitergeht. Der Ultraschall von den Schultergelenken jedenfalls war unauffällig und die Hüfte hat er nicht weiter angeschaut, weil es "außen" schmerzt und nicht im Leistenbereich. "Dann ist es der Schleimbeutel und nicht das Gelenk", hat er dazu gesagt und zack - gabs die Spritze.
Morgen fahre ich nach L und da brauche ich jetzt auch dringend die "Erleichterung" hinsichtlich Schmerz & Co. Denn der Junge hatte ja nun Geburtstag - und er hat sich gewünscht, dass wir sein Zimmer umbauen. Wir meint: er und ich. Was bedeutet: Erst muss der Keller aufgeräumt werden, dann muss Platz beim Älteren geschaffen werden (Bett raus, hässliche alte Wohnwand vom Vater raus), die moderne Wohnwand vom Jüngeren zum Älteren, eine Wand streichen beim Älteren, Kommoden beim Jüngeren streichen... Wir haben viel vor ;) Dafür habe ich mir zwei Tage Urlaub dazugenommen, denn abends nach der Arbeit wird nicht mehr viel. Und glücklicherweise beginnt der Urlaub des Jüngeren zeitgleich mit mir. Erst also zwei Tage Office-Zeit und dann den Urlaub nutzen und umbauen. Natürlich hab ich schon ein bisschen Respekt davor - aber noch mehr freue ich mich darauf. Dabei hatten wir ja in diesem Frühjahr erst unsere Wohnung hier in M fast komplett umgekrempelt und eigentlich müsste ich davon noch mehr als die Nase voll haben. Aber hey, das ist schon wieder ein halbes Jahr her, vergessen sind all die Mühen und Blessuren - und jetzt ist L dran. Am meisten erleichtert war ich vor allem, dass der Ältere zugestimmt hatte. Bisher wollte er nämlich nie ("Wieso wegschmeißen, das ist doch noch gut!") - aber da er die Wohnwand vom Bruder haben möchte, kann endlich der alte Mist raus und sein Zimmer wird... richtig schön werden. Zumindest in meiner Vorstellung - und meistens wurde es auch so :)
Diesen Schwung zu "aus alt mach neu" wollte ich dann heute auch auf mein iPhone ummünzen. Also nicht schon wieder ein neues Telefon kaufen (so bekloppt bin ich ja nun auch nicht) - für mich tat es auch das aktuelle Update. (Eigentlich bin ich nicht freiwillig auf diese Idee gekommen. Das Gerät zwingt mich dazu, weil nach und nach eine App nach der anderen nicht mehr sauber arbeitet oder permanent abstürzt, obwohl die wiederum alle up-to-date sind. Aber vielleicht schaffen es ihre Updates ja nicht mehr mit meinem 13er iOS?) Normalerweise ist es ja so: Man läd erst ewig lange das neue Update herunter, das sich ohnehin schon ungefragt auf dem Handy breitgemacht hat und kostbaren Speicherplatz frisst, dann installiert man und fertig ist der Lack. Nun. Heute nicht. Erst moserte die Technik herum, ich hätte zu wenig verfügbaren Speicher. Ich hatte zwar noch knapp 4 GB, aber na gut. Sparen konnte ich vor allem an der Musik: Da meine Favoritentitel mittlerweile in einer anderen (Streaming-) App liegen, fiel mir das ganz leicht, die Musik-App von knapp 7 GB auf nicht mal 100 MB zu reduzieren. (Wenn ich mal was suche, hab ich ja immer noch den Rechner.) Also dachte ich, so, jetzt haste Platz, guckst mal, obs jetzt geht. Ne. Ging immer noch nicht. Irgendein Fehler vermeinte: "Update konnte nicht installiert werden." Google befragt und die sagten: "Wenn dies und das nicht geht, dann aktualisiere über iTunes." Was soll ich sagen. Ne. Probiert. Ging nicht. Dann hat der Mann gemeint: "Du wirst vermutlich mal dein iPhone komplett resetten müssen." "Hä? Wieso?" "Weil du vermutlich inzwischen viel zu viel Datenmüll angehäuft hast. Browsermüll. Gelöschte Apps. All so n Kram." "Plattmachen musste ich doch noch nie!" "Ach, ich mach das öfter." Und da er nie Probleme mit seinen Apps hat, auch nicht mit der der ÖPNV, welche wiederum mich regelmäßig anfixt, hab ich gedacht: Okay, dann eben auf die harte Tour. Aktuelles Backup hatte ich ja - also auf in den Kampf. Alles plattgemacht, neu installiert, siehe da: Die Apps laufen (erstmal) wieder wie geschmiert. Und das Update selbst? Den halben Sonntag damit "verbraten" und nun doch nicht installiert. Weil der Mann meinte: "Lieber erstmal die Kinderkrankheiten abwarten und außerdem hab ich gehört, das neue Update frisst Batterie. Guck lieber mal die nächste Zeit, ob deine Apps jetzt besser laufen als vorher, dann brauchste das Update eh nicht." Genau. Was will ich auch damit. Ich will ja neben dem Üblichen eigentlich auch nur noch bei FB surfen und Knots und BlockuDoku zocken - und das kann ich ja jetzt wieder :) Ich kann nur nach wie vor keine Fotos mehr runterziehen, das ging weder vor noch nach dem Plattmachen. Aber dazu hab ich jetzt keine Lust mehr. Jetzt geh ich erstmal meine Tasche packen und vielleicht mach ich mir auch noch ein Käffchen. Es ist Sonntagabend, der muss entspannt ausklingen, das ist Pflicht.
Mein lieber Schmunzelhase, grad eben warst Du noch so klein und knuffig und jetzt bist Du 25 Jahre alt und ich frage mich nicht zum ersten Mal, wo die Zeit nur geblieben ist. Auch wenn Du auf diesem Foto ein bisschen bedröppelt guckst: Du warst von Anfang an ein Sonnenscheinchen, das viel gelacht hat und auch nicht viel brauchte, um zufrieden zu sein. Genau genommen ist es auch heute noch so - und noch heute brauchst Du vor allem eins: Harmonie um Dich herum. Dir ist es wichtig, dass Stimmungen ausgeglichen sind, dass Menschen "gut" miteinander sind und auch in Deinem Job als "Ordnungshüter" macht mich wahnsinnig stolz, dass Du Dir Deine Menschlichkeit und auch das Verständnis für Menschen bewahrst. In der Hinsicht bin ich wirklich, wirklich dankbar, dass sowohl Du als auch Dein Bruder in dieselbe Richtung schauen - auch wenn Ihr sonst aktuell eher auseinanderdriftet.
Du möchtest Dein Leben genießen, Du möchtest Spaß haben, ausgehen - doch was zunächst so klingt, als wärst Du ein bunter Hund, bist Du in Wahrheit eher verschlossen: Du brauchst nicht viele Freunde und Du öffnest Du auch nur schwer. Du achtest sehr genau darauf, wer Dir wie begegnet und Dein Vertrauen zu gewinnen ist echt schwer. Das spürt Dein Gegenüber oft nicht mal, denn in Gesellschaft bist Du zwar mittendrin und doch aber trotz allem eher der zurückhaltende Beobachter. In der Hinsicht bist Du wie Dein Bruder. Was Euch unterscheidet, ist die rauhe, zuweilen ruppige Schale, die Deinen Bruder umgibt. Da bist Du anders.
Manchmal schau ich mir Deine, Eure, unsere Fotos an und beinah hab ich wieder Deinen Babyduft in der Nase. Und ich muss gestehen, da ist schon etwas Wehmut dabei. Die Zeit ist so irrsinnig schnell vergangen und immer öfter denke ich, dass ich die Jahre mit Dir und Deinem Bruder viel zu wenig genossen habe. Dass viel zu viele andere Dinge im Vordergrund standen, obwohl es im Grunde nur eines gibt, das wirklich zählt: unsere Familie. Du, Dein Bruder - der Mann und ich. Gestern Abend musste ich wirklich lachen, als der Mann mir ein youtube-Video zeigte mit einer Eisenbahnanlage, die locker ein ganzes Zimmer füllte, und er sagte zu mir: "Da kannst du dich schon mal drauf einstimmen, wie das wird, wenn wir erstmal Enkel bekommen."
"Huch", hab ich geantwortet, "es ist doch noch gar nicht so lange her, da haben wir noch gesagt: Wie wohl ein Kind ausgesehen hätte, von dir und mir, wie es wohl wäre? Und jetzt reden wir nicht mehr von eigenen Kindern, sondern von Enkeln."
Keine Angst, wir hatten das nie wirklich auf dem Plan - aber es war schön zu empfinden, dass man die Wahl hatte. Und wenn man mich fragt: Ihr dürft Euch ruhig noch ein wenig Zeit damit lassen. :)
Heute bist Du es, der sich unsicher ist, wie und mit wem er seinen Weg gehen möchte, aber für den eines auf jeden Fall klar ist: Du möchtest eine eigene Familie. Du weißt auch ziemlich genau, wann.
Ich wünsche Dir ganz von Herzen, dass Du die richtige Entscheidung triffst, dass Du niemals bereust, wie Du etwas entschieden hast - und dass es der Weg ist, der Dich wirklich glücklich macht.
Für mich gibt es wirklich ehrlich nichts Größeres, als Euch glücklich zu wissen. Euch gut aufgehoben zu wissen. Von daher ist mir auch immer noch völlig egal, ob ich Euch die Bude (wieder) herrichte (wusstest Du eigentlich, dass das Chaos in den eigenen vier Wänden immer ein Ausdruck des inneren Chaos ist? Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Du da oft resignierst, aber... da lass uns nochmal drüber sprechen ;)), Eure Wäsche in Ordnung bringe, wenn ich nach L komme, ob ich für Euch koche und backe und Papierkram mit oder für Euch erledige. Für mich persönlich ist das keine Last, auch keine Belastung - mir persönlich ist es ein Bedürfnis. Ich würde das sicherlich nicht jeden Tag machen wollen oder können - aber ich sehe Euch einfach wenig. Zu wenig, weil ich so weit weg bin von Euch - und wenn ich dann da bin, muss ja jeder von uns auch noch die meiste Zeit davon arbeiten. Mir fehlt das Gefühl, dass ich Euch auf ein Käffchen am Wochenende einladen kann oder dass Ihr mal vorbeikommt, einfach so, mal ein bisschen ratschen und dann geht Ihr in Euer Zuhause. Oder ich schaue einfach mal bei Euch vorbei. Gerade weil Ihr beide noch nicht Euren Lebensmittelpunkt gefunden habt, bedeutet es mir so viel, für Euch da zu sein. Nicht als Ersatz für irgendwen oder irgendwas. Aber als einen wichtigen Bestandteil für Euch. Euch das Gefühl zu geben, dass Ihr nicht allein seid, nicht Euch selbst überlassen.
Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass ich zu Deinem Geburtstag nicht da bin und wenn ich an den Streit mit Deinem Bruder vor zwei Tagen denke, nach dem ich erstmals echt mit Herzschmerzen nachts schlafen ging, dann hoffe ich wirklich sehr, dass Du verstehst, dass es Dinge gibt, die er so nicht meint, auch wenn er es (leider) sagt. Dass Du weißt, dass Du auch für ihn das Allerwichtigste bist - und der einzige, dem er vorbehaltlos alles anvertrauen würde. Auf dessen Meinung er am meisten Wert legt. Und ich hoffe, dass Du - wenn es Dein Dienst denn überhaupt zulässt - vielleicht doch einen entspannten Abend wenigstens mit Deinem Bruder haben kannst. Vielleicht mal wieder einen Film streamen, Euch was zu Essen bestellen? Es muss ja nicht immer das Zocken sein, wo Ihr inzwischen ganz unterschiedliche Interessen verfolgt :) Es gibt aber immer noch Dinge und Interessen, die Euch verbinden. Es wird nur aktuell gerade niemandem leicht gemacht - aber auch das wird ja hoffentlich eines baldigen Tages wieder entspannter.
Mein Hase, auch wenn ich an Deinem Tag nicht bei Dir sein kann - in Gedanken bin ich immer da und wenn ich Montag zu Euch komme, dann, das verspreche ich Dir: Spätestens dann machen wir uns drei einen richtig schönen Abend. Ich hoffe, Dein Dienstplan lässt das zu :)
Gestern Abend hatten wir irgendwie Lust auf Film. Mein Tag war lang, der des Mannes nicht minder - und was blieb, war die Wahl entweder zu einem Abendspaziergang oder zu einem Film.
Auf den Abendspaziergang haben wir wortlos verzichtet und uns stattdessen lieber auf dem Sofa eingekuschelt. Irgendwie hab ich eh den ganzen Tag schon gefroren und auch am Abend wollte mir nicht warm werden, blieben die Finger eiskalt.
Grad nach dem langen Tag war uns dann eher nach etwas Seichtem, etwas Unterhaltsamem, wo man einfach nichts denken muss, sich einfach nur berieseln lassen kann. Aus dieser Stimmung heraus schlug ich vor "Nehmen wir doch Klassentreffen 1.0".
Natürlich weiß ich, dass Schweiger-Filme eher klebrig-süße Zuckerfilmchen sind, die vor allem immer nur eins hervorheben: ihn. Aber ich dachte, ach na ja, so für nen Abend... Nach ungefähr zehn Minuten oder maximal fünfzehn gestand ich dem Mann zu:"Orrr ne, bitte schalt ab, ich kann diese Grütze echt nicht mehr mit ansehen."
Wirklich, so einen Scheiß habe ich lange nicht gesehen.
Nicht nur, dass Schweiger die Story zum Film gab und die Produktion betrieb, ne, er musste natürlich auch die Hauptrolle haben. Er, der lässige DJ (natürlich ganz das Gegenteil zu seinen altbackenen, vermutlich eher latent erfolglosen einstigen Klassenkameraden), der gleich zu Beginn des Films den Groupie backstage vernascht und zusieht, wie sich dann gleich zwei um ihn zanken. Der der Freundin daheim beichtet, dass er den Groupie ja "nur mal ein bisschen" gevögelt hat, nix Ernstes, weil, er liebt ja nur sie - und sie tut ein bisschen empört und schickt ihn dann los "Morgen holst du deine ersten monogamen Brötchen." Kotz-brech-würg. Wirklich, das war nicht anzusehen. Dass er diesmal auch wieder seine Älteste mit "verwurstete", hats nicht besser gemacht. Ich hab selten ein so steifes, unglaubwürdiges Schauspiel gesehen wie von ihr.
Ich hab sogar kurzzeitig ernsthaft erwogen, ihm eine entsprechende Rezension an seine FB-Pinnwand zu kritzeln. Nur kurz erwogen, weil: Es wäre vergebene Liebesmüh. Der Typ ist so von sich eingenommen und hat obendrein (paradoxerweise) vermutlich ein so schwaches Selbstwertgefühl - da wärs schade um jegliche Energie. Der scheißt auf Kritiken von irgendwem. Der macht so lange weiter, bis auch das letzte Schwein den Schweiger nicht mehr sehen kann und will.
Nach ein bisschen Hin und Her in der Netflix-Wühlbox haben wir uns dann für "Alles außer gewöhnlich" entschieden - und was soll ich sagen: Ein Wahnsinnsfilm. Ein Film über Menschen mit Behinderungen, mit Einschränkungen - und in diesem Fall ein Film über und mit Autisten. Wer sich um sie kümmert und wie.. Ohnehin steh ich ja so auf Filme, die auf wahren Begegbenheiten beruhen oder tatsächlich eine verfilmte Biografie darstellen.
Oftmals werden im Abspann die realen Personen "dahinter" gezeigt - und dann bekommt das Ganze noch einmal eine ganz andere emotionale Dimension. Jedenfalls für mich.
Wie fast immer, las ich auch anschließend zu diesem Film über die Hintergründe und erfuhr dabei, dass sich beide Regisseure zwei Jahre lang im Vorfeld mit Autisten beschäftigten, um zu verstehen, wer sie sind, wie sie sind, wie ihre Welt sein könnte. Und ein ganzes Jahr lang haben sie sich mit einem Autisten im Theater befasst, bis jener Vertrauen zu ihnen fasste und eine Rolle in diesem Film übernahm.
Wenn Ihr mich fragt: Sowas zu wissen, fasziniert mich. Dass Menschen nicht nur etwas zeigen wollen, sondern dass sie die Zeit und die Mühe aufwenden, um auch selbst zu verstehen, zu erfahren, WAS sie da zeigen - das fasziniert mich. Es hat für mich soviel mit Respekt vor dem Menschen zu tun.
Für mich ist dieser Film ein unbedingtes Muss. Ein sehr gefühlvoll umgesetztes Thema, ohne auch nur an irgendeiner Stelle ins Kitschige oder Seichte abzudriften. Ein für mich sehr eindringlicher Film, auch ob der Musik (die ich natürlich sofort getaggt habe, ist ja klar).
Und dieser Film zeigt, dass es sich immer lohnt, für einen anderen einzutreten, sich zu bemühen..
Auch dann, wenn die Gesellschaft meint, dass das alles gar nicht lohnt, dass Wegsperren, notfalls Sedieren und ansonsten Dahinvegetieren sei das einzig Richtige, weil: ökonomisch.
Wenn jemand für sich selbst nicht (mehr) eintreten kann, dann braucht es starke Persönlichkeiten, die das für ihn übernehmen. Und es wär wirklich schön, wenn man es diesen starken Persönlichkeiten nicht noch schwerer macht als es ohnehin schon ist.
Grad las ich erst bei Juna über ihren Traum und dachte noch so bei mir: Irre, wie Leute so strukturiert und zusammenhängend träumen können.. Bei mir sind die Träume eher kurze Schnappschüsse.. Situationen, die zumeist "mit einem Wimpernschlag" abwechseln. Manchmal zusammenhängend, wie wenn man sich in einem großen Haus nur in ein anderes Zimmer bewegen würde; manchmal aber auch völlig unzusammenhängend, durcheinander und.. wirr.
Einen "richtigen" Traum, so von A - Z, habe ich eher sehr selten. Eigentlich.. fast nie, würde ich behaupten - oder habe es schlicht vergessen. Ich träume auch fast nie in Farbe, sondern eher nur in schwarz-weiß.
Heute Morgen bin ich erwacht, war erschrocken und irritiert zugleich, dass der Mann neben meinem Bett stand und sich ins Office verabschieden wollte. Gerade erst hatte ich mich doch von ihm getrennt, wir haben beide geweint, aber beide gewusst, dass es nur so und nicht anders gehen kann - und dass ich ihm gerade noch versichert hatte: "Ich habe dich nicht betrogen, es ist nichts anderes gelaufen, aber ich muss mich jetzt für den anderen entscheiden." Und er hatte mir geglaubt, hatte es verstanden, ich glaube, sogar genau so empfunden wie ich. Und dann bin ich gegangen... Eine völlig zusammenhängende, strukturierte Situation... Die Klärung mit "dem anderen", die Aussprache mit dem Mann, das Ende. Und das alles auch noch in Farbe.
...und dann steht er heut Morgen da, küsst mich sacht auf das Haar und verabschiedet sich mit den Worten: "Bis heut Abend dann."
Manchmal möchte ich echt gern wissen, was da in meinem Kopf vor sich geht ;)
Manchmal blättere ich in meinem Blog und denke: So ein bisschen ist er ja wirklich auch wie ein Tagebuch. Zumindest in den späteren Jahren. An manches erinnere ich mich erst wieder beim Lesen, manchmal lächle ich, manchmal amüsiere ich mich, manchmal bleibe ich nachdenklich.
Dieser Titel hier ist ein - was auch sonst - Zufallsfund am heutigen Abend. Und eigentlich wurde das Original für eine Frau gemacht, die am Nachmittag ihres Hochzeitstages den Kampf gegen ihre Erkrankung Mukoviszidose verlor. Dass es alle wussten, was kommen würde, macht es nicht leichter, gar nicht leichter. Denn diese Art von Abschied ist der mit Abstand schwierigste, weil er einfach nie mehr umkehrbar ist.
Bei jedem anderen Abschied bleibt immer irgendwie ein Gefühl, ein Gedanke, eine Hoffnung zurück: Man weiß niemals, wann man sich eines Tages doch wiedersieht. Diese Unwahrscheinlichkeit ist mir selber passiert und gerade darum... lebt bei jedem Abschied von einem geliebten Menschen auch immer ein wenig Hoffnung mit, dass man sich eines Tages wiedersieht.
Nur hier.. Wenn wir diese Welt verlassen, dann nicht mehr. Dann nie mehr.
Nicht nur in solchen Momenten, aber insbesondere dann denke ich: Sei einfach nur dankbar für jeden einzelnen Tag mit den Menschen, die du liebst..
Manchmal habe ich mich auch gefragt, warum ich eigentlich an irgendeinem Punkt begonnen habe, mehr von meiner eigenen, bisher immer noch "namenlosen" Erkrankung zu schreiben. Ich fragte mich, was ich mir davon versprochen habe - oder ob ich mir überhaupt etwas davon versprach.
Hatte ich gedacht, es würde irgendjemand lesen, der ähnliches durchlebte - und mich an eigenen Erfahrungen teilhaben ließ?
Hatte ich gedacht, es würde irgendjemand lesen, der ähnliches durchlebt und vielleicht auf der Suche ist nach.. Ideen?
Hatte ich gedacht, es würde irgendjemand lesen und mir einen Rat geben können? Eine Empfehlung?
Letzteres ist tatsächlich passiert und dafür bin ich nach wie vor dankbar, auch wenn ich da (noch) nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe.
Ein bisschen ist es einfach auch so, wie ich es gestern zum Doc sagte "Ich hatte das Thema Schmerz schon längst zu den Akten gelegt und mich damit abgefunden."
Er meinte, es sei genau der richtige Weg - und noch vor vier Jahren hätte ich ihm zugestimmt. Wenn man weiß, dass es sich nicht mehr ändern lässt, dann macht man das Beste aus dem, was man hat.
Nur ist es ja nicht dabei geblieben, haben sich weitere Symptome hinzugesellt, mit denen ich inzwischen sicherlich ganz gut umgehen kann. Aber für mich stellt sich die Frage: Bleibt es dabei? Oder kommt noch mehr? Werde ich irgendwo eines Tages auf einem Stuhl sitzen und mir sagen lassen müssen "Wären Sie mal eher gekommen"?
Was ist die Lösung bei einem nächsten heftigen Schub? Wieder eine Stoßtherapie Cortison und auf die mildere Jahreszeit warten, in der es mir dann grundlegend erstmal wieder etwas besser geht?
Es ist müßig, darüber nachzudenken, was kommen könnte. Ich lebe nicht im Konjunktiv. Aber bin ich auch ein Träumer, so bin ich ebenso Realistin, die sehr wohl wahrnimmt, was mit ihr geschieht, was sich verändert - und die auch weiß, dass ich für diesen ganzen Quatsch immer noch zu jung bin. Zumindest zu jung dahingehend, als dass man sagen könnte: Im Alter verändern sich die Dinge halt.
"Mein Gott, Sie haben aber schon echt viel mitgemacht", sagte der Doc gestern beim Blättern in Berichten und ich lächelte: "Genau deshalb will da auch niemand wirklich ran."
Wir haben sehr nah beieinander gesessen, schauten einander direkt in die Augen, als er versuchte, mir zu erklären, dass man auch dann, wenn die Ursache nicht auf psychisch-biografischen Störungen beruht und man keine Lösung findet, mit den Dingen leben kann - und leben muss. Seinem Blick wich ich auch nicht aus, als ich, glaube ich, ungefähr dreimal wiederholte, dass ich mir dessen bewusst bin, jedoch auch hinterfragen möchte, woher das alles kommt. Um einfach zu verstehen, ob ich mehr dagegen tun kann als weiter arbeiten zu gehen, meine Ernährung umgestellt zu haben, mein Leben zu leben - und zum Yoga zu gehen. Auf ausreichend Schritte pro Tag zu achten, lieber Treppen zu steigen als den Lift zu nehmen und so weiter.
Ich denke, die gute Nachricht ist: Neurologisch bin ich gesund. Für mich persönlich ist das schon eine wichtige Erkenntnis. Und verließ die Praxis mit einem Überweisungsschein zu einer rheumatologischen Untersuchung. Er vermutet immer noch, dass die Ursache aller Wahrscheinlichkeit nach dort liegt, die Reaktion auf das Cortison spräche dafür.
Der Mann ist unzufrieden mit dieser Entwicklung. Ich... nicht. Ich habe hier an der Stelle tatsächlich versucht, das Ganze von Anfang an als eine Verlaufskontrolle zu betrachten - und nicht als etwas, das neue Erkenntnisse hervorbringt. Offenbar ist mir das ganz gut gelungen, denn enttäuscht.. bin ich tatsächlich nicht. Stattdessen musste ich heut am frühen Morgen, weit vor dem Aufstehen müssen, echt lachen, als ich aus Langeweile an einem Spielchen teilnahm, das mir zeigen wollte, wie ich im Alter aussehen könnte. Natürlich weiß man, dass das alles Quatsch ist - aber ich fand es lustig, dass mir eine moderne Alte gezeigt wurde mit einem schwarzen Netzshirt und einem schwarzen Rock, über und über mit weißen Perlen bestickt. Eine pfiffige Kurzhaarfrisur und natürlich zurechtgemacht.
Und tatsächlich sehe ich mich selbst auch eher so als eine Omi mit umgebundener Schürze, weißem Haarknoten und süßem Backwerk im Ofen für die Enkel. Wobei: Nix gegen das Backen! Momentan könnte ich jedes Wochenende irgendwas Leckeres zusammenrühren.
Ich fand es auch deshalb lustig, weil es mich an den Spruch erinnerte: "Oma sagt immer: Je schlechter es dir geht, desto besser kleide dich. Toll! Jetzt sitz ich im perlenbestickten Ballkleid im Büro."
Und ich fand es lustig, weil ich selbst auch immer noch Spaß daran hab, mich zurechtzumachen, mal das Haar zusammenzubinden, mal auch nicht. Die Nägel in allen möglichen Rotfarben zu lackieren. Den Schlabberlook längst aufgegeben und wieder mehr dahin zurückgefunden zu haben, dass ich immer noch so etwas wie eine Form besitze, auch wenn sie nach wie vor gut gepolstert ist.
"Willst du mitkommen zum Yoga?" fragte der Mann gestern Abend. Klar, ich kann mich verstellen wie ich will, er weiß natürlich längst, wo das Schmerzlevel aktuell wieder hängt.
"Natürlich", antwortete ich.
Ich konnte vielleicht nicht jede Übung mitmachen, aber das muss ich auch nicht. Was geht, das geht; was nicht geht, geht dann eben beim nächsten Mal.
Entscheidend ist, dass ich mich anschließend nicht schlechter fühle als vor dem Sport.
Und kämpfe noch immer dafür, dass es eines Tages.. hoffentlich doch etwas leichter wird. Nur weil man zwischendurch andere Mittel wählt, bedeutet das ja nicht, dass man aufgegeben hat.
Ob wir unseren Urlaub beginnen könnten oder nicht, empfanden wir beinah bis wenige Tage zuvor als ziemlich unsicher. Immerhin zählte die Lombardei noch im Frühjahr dieses Jahres zu einem "besonders betroffenen Gebiet" und wie sich das mit Beginn des Frühherbstes gestalten würde, konnte niemand zuverlässig beantworten.
Wir sind glücklich, dass wir verreisen konnten, und den Wiederkommenstest, auf den der Chef besteht, kann man in Bayern glücklicherweise noch kostenfrei veranlassen.
Irgendwie ist es schon auch erstaunlich, wie sehr man alles hinter sich lassen kann, sobald man nur irgendwie weit genug weg ist. Noch am Freitag war ich derart von zittriger Wut bis unter die Haarwurzeln erfüllt, dass ich am liebsten auch entsprechende Wuttränen vergossen hätte - und es aber doch nicht tat. Unfairness ist eins der Dinge, die ich auf den Tod nicht abkann - und an jenem Freitag konnte ich so gar nicht damit umgehen. Wenn du seit vier Wochen eine Deadline kennst und alles mundgerecht und minutiös planst und vorbereitest, mindestens drei Wochen lang den Verantwortlichen nachläufst und sie immer wieder daran erinnerst: "Denkt dran, ich hab dann fünf Tage Urlaub!" und dass diese fünf Tage unmittelbar vor der Deadline enden - und dann trotzdem jeder nur an sich denkt, wirklich KEINER der Verantwortlichen den Arsch hochkriegt und sie es dann tatsächlich am letzten Tag wagen, dir wutentbrannt vorzuhalten: "Allen muss man hier am Arsch lecken, auch DIR! Du kannst ja schließlich auch mal zwei Tage eher aus dem Urlaub kommen", dann weißt du, dass dir nichts mehr dazu einfällt. Und dass am liebsten du das Telefon wutentbrannt in die Ecke feuern würdest und nicht der andere. Zwei Tage eher aus einem Urlaub von grad mal fünf Tagen, für den du hunderte Kilometer weit weg fährst - und das bloß, weil andere nicht aus dem Arsch kommen, ne also sorry.
Und schon Samstag am frühen Morgen, als wir unsere Reise begannen und die ersten Klänge meiner Songliste anstimmten, da war ich irgendwie ganz bei mir und ganz im Reinen. Diesen kleinen Urlaub hatte ich mir verdient, ganz gleich, was andere dazu sagten. Und ich nahm mir vor, mir das auch nicht kaputtmachen zu lassen.
Wenn man meinen Statusbildern folgte, könnte man glauben, wir würden den lieben langen Tag nichts anderes tun außer essen, Kaffee trinken - aber dazwischen passiert schon noch eine ganze Menge mehr. Ich muss ja nicht alles von mir zeigen ;)
Zum Beispiel aber auch - ganz unspektakulär - lese ich wieder mehr. Unter anderem ein Buch, das ich am Morgen unserer Abreise vor unserer Haustür fand. Da, wo für gewöhnlich immer mal Dinge abgelegt werden, die der Besitzer nicht mehr haben möchte. Ich nahm es mir für den Urlaub mit, es blieb keine Zeit, den Einband zu lesen und zu schauen, worum es eigentlich ging. Und als ich nun im Urlaub begann zu lesen, dachte ich erst "Och na ja, nö."
Die Geschichte eines Teenagers, der mit dem Tod des ersten Freundes nicht klarkommt und von den Eltern schlussendlich in ein besonderes Internat gebracht wird. Wo ihm beigebracht werden soll, es wieder zu lernen, das Leben. Ich muss gestehen, ich kämpfte mich irgendwie eher lustlos durch die Seiten, aber dann... Als ich entdeckte, dass das Buch eine Wendung nahm, eine gefühlt besondere Wendung; als ich herausfand, dass das Buch in eine eher - im wahrsten Sinne des Wortes - zauberhafte Richtung ging, da entdeckte ich auch wieder, wann mir etwas besonders gefällt: Wenn es vermag, Bilder in meinem Kopf zu zaubern. Wenn ich in Bilder eintauche, als wäre ich dabei. Als säße auch ich inmitten in diesem Klassenzimmer mit nur fünf Protagonisten, als sähe ich sie vor mir, die alte Lehrerin der Literatur kurz vor ihrer Pensionierung und ihrem besonderen Tagebuch für jeden einzelnen... (Diese Lehrerin übrigens sah für mich ein bisschen wie Judy Dench aus, aber das nur am Rande ;))
Inzwischen bin ich erst auf Seite 166 von über dreihundert angekommen - aber ich bin eingetaucht in einen Zauber, aus dem ich mich in den Abendstunden hier nur sehr schwer wieder lösen kann....
...und dann entschließe ich mich, weiter in anderen Blogs zu lesen, Stimmungen und Erfahrungen aufzufangen und für mich mitzunehmen, mehr oder weniger. In einem davon fand ich eine Art Stöckchen, das offensichtlich ein vordergründiges Ziel verfolgt: das Dokumentieren von Veränderungen... Also dachte ich, nehme ich mir etwas daraus mit - auch im Hier und Jetzt, obgleich ich gefühlt gerade in einem ganz anderen Raum, einer ganz anderen Zeit lebe - und genieße..
Vorherrschendes Gefühl (ich vermute, in diesem Jahr?)
Hoffnung, immer noch. Verbunden mit der Erleichterung, dass von den Menschen, die ich kenne, nur die wenigsten von den Ereignissen seit März wesentlich betroffen sind. Wie froh ich bin, dass meine Jungen erwachsen sind und ich mich wenigstens nicht mit dem Irrsinn auseinandersetzen muss.
Gleichwohl bin ich aber auch immer wieder irritiert, wie sehr Angst und phasenweise auch Hysterie um sich greifen. Ob wir hier nun Glück hatten oder Nutznießer einer Strategie oder was auch immer, lasse ich dabei außen vor.
Jedoch unterm Strich.. Hoffnung und Zuversicht - diese Kombination behält auch in diesem Jahr für mich die Oberhand, auch dann, wenn es gelegentliche "Ausschläge" gibt.
Corona gehabt? Oder jemand in Familie/Freundeskreis?
Nein, weder noch. Und ehrlich gesagt, geht es mir gerade wahnsinnig auf die Nerven, dass es außer Corona gefühlt gar keine anderen Erkrankungen mehr zu geben scheint. Als der Junge am vergangenen Donnerstag über 40 Grad auf seinem Thermometer ablas und sich am Freitagmorgen zum Doc begab, da dachte ich "hoffentlich nicht schon wieder eine Angina, die hat er echt zu oft".
Der Doc hingegen meinte "Na gleich so hohes Fieber und Halsweh, Sie haben vielleicht Corona" und ein entsprechender Test wurde veranlasst. Ergebnis sollte gestern kommen. Was aber aktuell niemanden mehr interessiert, denn seit Sonntag liegt er in der Uniklinik und wurde heute Nachmittag operiert.
Ein Abszess an den Gaumenmandeln, dank der eitrigen Angina, der sich weder mit intravenösen Schmerz- und Entzündungshemmern und auch nicht mit Antibiotika kleinkriegen ließ. Im Gegenteil. Letzte Nacht kletterte das Fieber wieder in bedrohliche Höhen und der Junge schwor kurz vor Mitternacht "Wenn sie mir die morgen nicht rausmachen, schneide ich sie mir selber raus."
BTW: Der Corona-Test war negativ.
Er hätte den Jungen einfach mal gründlicher untersucht, als gleich nach einem Corona-Test zu rufen. Dann wäre es vielleicht anders ausgegangen als es nun der Fall ist.
Unter Quarantäne gewesen und/oder Test gemacht?
Unter Quarantäne war ich nicht, aber einen Test hatte der Hausarzt im Frühjahr gemacht, als die schleichenden Erkältungsbeschwerden auch nach wenigen Wochen nicht weichen mochten.
Der Mann hat einen Test machen müssen, als er aus der Schweiz zurückkehrte - und der war auch negativ.
Ich bin auch noch nicht sicher, was ich davon halten soll, dass die Tests mehr oder weniger flächendeckend vorgenommen werden. Aber darüber habe ich mich mindestens schon zweimal ausgelassen, an dieser Stelle verzichte ich darauf.
Zum ersten Mal getan?
Mir selber eine Maske gekauft. Hätte mir gerne so eine graue gekauft mit der Aufschrift "Orrschwerbleede" - aber hab ich nirgends finden können. Dafür gibts jetzt ne komplett schwarze.
Bisher nutzte ich immer diese Einwegdinger vom Jungen, aber die kitzeln immer in der Nase und provozieren das Niesen. Mit dem Stoffteil funktioniert das wesentlich angenehmer - und leider Gottes werden wir die Dinger wohl auch die nächste Zeit nicht los.
Und auch wenn andere DAS nicht mehr hören mögen: Ich frage mich trotzdem, warum man das jetzt unter Androhung von Bußgeld tragen muss - und tatsächlich jahrelang in der Grippesaison Tausende Tote in Kauf genommen wurden, und dass das kaum mal in den Nachrichten erwähnt wurde.
Warum hat man sich da nicht auch schon für die Gesundheit der Allgemeinheit interessiert - und pocht jetzt auf das eigene Recht der Unversehrtheit?
Obwohl Ihr nie niemals wissen könnt, was schon morgen jemand auf Euch übertragen könnte?
Habe dazu gestern eine Diskussion auf FB verfolgt, weil in Italien darüber nachgedacht wird, das Masketragen auch im Freien für das ganze Land zu verordnen. Interessant, wie Befürworter immer wieder auf Kritiker losgehen. Dazwischen immer mal ein "Grüße aus Spanien, hier ist das schon normal so" und ein anderer fragt dazu "Ja und? Hats geholfen? Offensichtlich ja nicht (Stichwort Madrid)."
Ellenbogengrüße finde ich persönlich übrigens unangenehm und - sorry - auch albern. Dann winke ich eben nur - aber einen Ellenbogengruß wird es mit mir nicht geben, genauso wenig wie das Füßeln zur Begrüßung. Und Handwaschhygiene wurde mir bereits im Kindergarten beigebracht, das musste ich nicht neu lernen.
Ansonsten gabs tatsächlich noch nicht wirklich Neues in diesem Jahr. Außer vielleicht, dass ich den Mann endlich dazu bewegen konnte, dass wir unser Zuhause nicht nur renovieren, sondern auch gleich hier und da etwas umbauen. Wenn man bedenkt, wie wenig es dazu eigentlich bedurft hat - und wie groß der Effekt ist... Doch, ich finds geil :)
Ach ne, warte, doch na klar, Yoga! Yoga ist auch etwas, das in diesem Jahr was ganz Neues (für mich) ist. Und bisher komme ich damit auch richtig gut zurecht. Besser als gedacht jedenfalls. Hat der Mann doch recht behalten, auch wenn ich das nicht gerne zugebe ;)
Ach und mir fällt noch was ein (vermutlich muss ich nur lang genug drüber nachdenken ;)) - wir sind jetzt Netflix-Fans und dank der Empfehlung vom Finchen Fans der Serie "Suits" geworden. Harvey war übrigens von Anfang an mein ganz persönliches Schmankerl - und blieb es auch bis zum Schluss. Mike war mir irgendwie auf Dauer zu anstrengend - und manchmal einfach undankbar.
Nach langer Zeit wieder getan?
Gemalt. In diesem Jahr war ich tatsächlich produktiver als die Jahre zuvor. Und ich habe durchaus vor, noch mehr davon zu machen - aber die letzten Wochen haben meine Energie woanders abgeleitet. Immerhin mit Erfolg dahingehend, als dass sich ein langersehnter Weg aufgetan hat. Ob er zum Erfolg führt, wird sich zeigen...
Und wir sind in diesem Jahr endlich mal wieder mit dem Rad gefahren. Keine Ahnung, warum wir das so selten tun - aber ich liebe mein Hollandrad. Das mit der DingDong-Klingel und der rosa Blume. Auf dem ich dahinradeln kann, hoch oben auf dem Damm, mit geradem Rücken, der Sonne auf der Haut, dem Wind in den Haaren...
Leider gar nicht getan?
In diesem Jahr war ich noch nicht im Kino. Sicherlich auch dem gesetzlich verordneten Aus geschuldet, aber irgendwie mangelts einfach auch an Filmen, für die man gern in ein Kino geht, sich Popcorn in den Schoß stellt und eine gut gekühlte Coke dazu trinkt. Man kann darüber streiten, ob man das im Kino tun muss - aber für mich gehörts dazu. Kino ist Genuss. Popcorn ist Genuss, jedenfalls, solange es die Leute nicht auf den Sitzen und dem Fußboden verteilen. Die Schweine. Zuhause machen sies doch auch nicht, jedenfalls die meisten nicht.
Wenn ich so darüber nachdenke... Ich würde mir eine gut verfilmte Version des oben beschriebenen Buches wünschen..
Wort des Hamster-Jahres?
Covidiot. Das Wort verzeihe ich keinem, ders ausspricht. Ich kanns gar nicht haben, wenn man mit nur einem einzigen Wort Leute diskreditiert.
Beleidigungen sind wie Schreien: Demjenigen sind die Argumente ausgegangen - und er beansprucht für sich, dass er im Recht ist, ohne Wenn & Aber, Für & Wider.
Das ist ähnlich wie mit dem Wort Nazi nach 2015. Manchmal war ich tatsächlich erschüttert, wie inflationär mit diesem einen Wort um sich geworfen wurde, berechtigt oder unberechtigt.
Mein persönliches Wort zur aktuellen Situation?
Ich bleibe bei der Hoffnung...
Zugenommen oder abgenommen?
Weiß ich aktuell, ehrlich gesagt, wirklich nicht. In unserem Haushalt gibt es schon länger keine Waage mehr, seit die letzte das Zeitliche segnete. Eigentlich dachte ich, eher zugenommen - aber hier im Urlaub fand ich heraus, dass meinem Gürtel mindestens zwei Löcher fehlen - die lasse ich mir Freitag reinknipsen. Also zwei "Gürtelgrößen" fehlen mir jetzt aber nicht, das ist wirklich sicher. Vermutlich ist die für den Urlaub gewählte Jeans nur einfach etwas höher geschnitten als die anderen.
Bester Ort?
Bei den Menschen, die ich liebe. Ist mir grad völlig egal, wie das klingt. Aber wenn Du da bist, wo Dein Herz ist, ist Dir die Umgebung tatsächlich scheißegal.
Alkoholexzesse?
Ich bin langweilig - Alkoholexzesse gabs bei mir noch nie. Außerdem würde bei mir auch nur eh ein Glas Wein ausreichen, um mich auf dem Tisch tanzen zu lassen. Wer nicht trinkt, verträgt auch nix.
Klopapier und Mehl gehortet?
Never ever. Weder diese noch andere Dinge.
Wie primitiv der Mensch denkt und handelt, konnte man, denke ich, recht gut in den vergangenen Monaten studieren.
Haare länger oder kürzer?
Wieder länger, aber ich glaube, ich will sie gar nicht mehr länger. Ich glaube, dass das zu mir nicht mehr passt. Dafür lasse ich mir erstmals seit vielen Jahren den Pony rauswachsen und auch die Augenbrauen wieder dichter werden. Der Mann hat so lange darum gebeten, dass ich mich nunmehr doch mal auf das Experiment einließ. Ich fand ja meine Augenbrauen nie wirklich dünn, aber wenn er meint.. Dass es vor allem aber auch immer noch mir gefällt, darauf achte ich aber nach wie vor ;)
Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Also ohne Lesebrille wirds tatsächlich zunehmend schwieriger, kleiner Gedrucktes zu lesen. Alles andere funktioniert nach wie vor gewohnt gut.
Was bin ich da jetzt eigentlich? Weitsichtig? Diesen Unterschied kann ich mir irgendwie nie merken.
Mehr ausgegeben oder weniger?
Mal mehr, mal weniger. Mit dem Jahresschnitt bin ich tatsächlich zufrieden, auch wenn der Mann mir erst heute wieder beim Milchkaffee vorrechnete, wieviel ich hätte verdienen können, würde ich mich 2014 nicht auf das Home Office Projekt eingelassen, sondern in seiner Firma mit angefangen haben.
Die Zahlen mögen ja tatsächlich verlockend erscheinen, aber trotz allem: Geld ist nicht alles. (Das kann ich zumindest jetzt und in meiner aktuellen Position so sagen, weil ich mir eine erarbeitet habe, von der ich auch ganz gut leben kann. Aber auch ich hatte schon ganz, ganz andere Zeiten, vor allem die, in der ich alleinerziehend war und lieber zahlte als den eigenen Anspruch durchzusetzen, aus verschiedenen Gründen.) Und weil ich mir 2014 erlauben konnte, darüber nachzudenken und mich für die Home Office Variante des bisherigen Unternehmens zu entscheiden, hatte und habe ich die Möglichkeit, nicht nur finanziell für meine - damals finanziell noch nicht selbständigen - Jungen zu sorgen. Sondern auch mental und physisch für sie da zu sein, gerade auch für den Älteren. Die Zeit hat bewiesen, dass es gut so gewesen war - und derzeit immer noch ist. Das ist etwas, das ich mit einem doppelten Verdienst nicht aufwiegen kann. Ich hätte es mir niemals verziehen. Und das weiß ich, weil ich mir bis heute etwas nicht verzeihen kann.
Höchste Ausgaben?
Öhm...
Wobei ich sagen muss: Noch im letzten Jahr versenkte ich ziemliche Summen bei iTunes. Musik ist einfach mein Leben.. In diesem Jahr teilen der Mann und ich uns erstmals einen Musik-Stream-Account (Ich hatte erst den richtigen Namen drin stehen, hab ich aber wieder rausgenommen, sonst muss ich eingangs ACHTUNG: WERBUNG! schreiben - und auf so einen Scheiß habe ich keinen Bock). Der kostet uns beide gemeinsam jedenfalls fünf Euro monatlich. Seitdem muss ich nicht mehr jeden einzelnen Titel kaufen. Unterm Strich spare ich damit vermutlich eine nicht unbeträchtliche Summe, die ich zum Beispiel für mehr Milchkaffees in der Sonne aufwenden kann :)
Geliebte Herzensfreundin, wenn Du das hier liest: Ist Dir eigentlich bewusst, dass wir uns zuletzt auf dem Weihnachtsmarkt gesehen hatten? Weißt Du eigentlich, dass das eine verdammt lange Zeit ist? Und wusstest Du, dass ich kein Single-Genuss-Trinker bin?
Arztbesuche?
In diesem Jahr wieder etwas mehr - aber ich versuche nach wie vor, nicht wieder in diese Mühle zu geraten wie vor zwei Jahren. Mich nicht mehr zu verzetteln und damit meine Zeit nicht nur von einer Erkrankung bestimmen zu lassen, für die es nach wie vor keinen Namen und damit vor allem leider auch keine Lösung gibt. An dieser Stelle bedanke ich mich wirklich ganz von Herzen für Euch zwei Leser, die mir via E-Mail einige Anregungen und vor allem Angebote geschickt haben. Das letzte las ich hier im Urlaub - und die Beantwortung hebe ich mir für die Tage nach meinem Urlaub auf, wenn das in Ordnung so ist.
Mich freut das wirklich sehr, wenn Menschen Anteil nehmen und reagieren - und ich hoffe ganz sehr, dass es nicht als undankbar empfunden wird, wenn ich mich entweder dagegen entscheide - oder mir sage "Für den Moment noch nicht".
Es war 2018, das Jahr, in dem alles noch schwieriger wurde als es ohnehin schon war - und ich vor allem deshalb unbedingt nach Lösungen suchen musste. Dass mich das aber auch - auch ob der vielen Niederschläge - ganz schön ausbrannte, habe ich dann so Mitte 2019 gespürt - und die Notbremse für mich gezogen. Ziehen müssen. Was auch immer in meinem Körper steckt - daran kann ich zumindest nicht sterben, ganz gleich, wie schwierig sich der Alltag damit manchmal auch gestaltet. Und in dieser Position kann ich es mir durchaus leisten zu sagen "Ich muss eine Pause einlegen" oder "Ich muss priorisieren". Mir zu sagen, dass ich vor allem ein Mensch bin, der sein Leben genießen will - und nicht die ganze Zeit damit zubringen will, nach Diagnosen, Lösungen oder Erleichterungen zu suchen - und es mir im Gegenzug nur immer noch schwieriger zu machen.
Der Mann sieht das ja ganz anders. Er ist jemand, der sagt "Problem erkennen, Strategie zurechtlegen, Problem angehen, Problem lösen." Das ist vermutlich auch richtig so. Aber.. 16 Jahre Kampf.. Man kann sich nicht immer nur mit einem Problem befassen, wenn es sich eben nicht so einfach lösen lässt.
Verliebt? Ja. Das bin ich tatsächlich. Immer noch und immer wieder neu.
Getränk des Moments?
Muhaha!
Essen des Moments?
Der Mann hat mir einen Gurken- und Tomatenteller zelebriert und jetzt wird er langsam sauer, weil ich auch nach über einer Stunde immer noch keinen Hunger habe, eigentlich. Ihm zuliebe werde ich den Post aber langsam mal dem Ende zukommen lassen - und mir stattdessen sein liebevoll dekoriertes Gemüsebeet schmecken lassen. Jetzt, wo ich weiß, dass mein Junge seine OP gut überstanden hat, zwar aktuell nach wie vor am Tropf hängt, aber nun alles - so Gott will - in Ruhe heilen kann und will, schmeckts gleich besser.
Most called persons?
Meine Jungen. Nach wie vor und vor allem in diesen Tagen, wo sich für einen alles ändert und der andere das weiche Netz der Familienbande beansprucht :)
Die schönste Zeit verbracht mit?
Nicht nur mit den Menschen, die ich liebe. Vor etwa zwei Wochen besuchte ich beispielsweise nach ewiger Zeit eine Freundin - und blieb viel länger als ich eigentlich geplant hatte. Ich habe keine einzige Sekunde davon bereut, im Gegenteil. Ich habe mich unendlich wohl gefühlt - und möchte sie auch bald wiedersehen.
Die meiste Zeit verbracht mit?
..Musik.
Song des Moments?
Den da oben im Dauerrepeat, solange ich an diesem Post schreibe. Ansonsten habe ich keinen speziellen. Ich kann mich wie immer nicht auf nur einen einzigen Song festlegen. Und habe mir neben der "Car List" auch eine "1th" angelegt, wo nur wenige Titel drin sind, die ich aktuell am liebsten höre. Die kann ich mittlerweile auswendig.
Übrigens hat der Mann heute Morgen, während ich unter der Dusche stand, seine eigene Playlist angeworfen - Italo-Hits aus den 80ern. Irgendwo dazwischen hatte sich eine Band gemogelt, wo ich den Mann fragte "Modern Talking? Dein Ernst jetzt?" Er dachte erst, ich würde etwas verwechseln - aber zu meiner Schande musste ich mitsingen und konnte fast alles auch immer noch auswendig. "Atlantis is calling", na wenn Atlantis ruft, dann singt man halt mit..
CD des Monats?
Ich kaufe/ höre schon viele Jahre keine CDs mehr.
Buch des Jahres?
In diesem Jahr nicht gelesen - aber "Ein ganzes halbes Jahr" war mein Buch, bevor ich den Film dazu sah. Ein anderes ging mir kaum so unter die Haut. Weil ich mich mit kaum einer anderen Protagonistin so identifizieren konnte.
Ansonsten verhält es sich ähnlich wie mit Film und Musik: Mir gefällt vieles.
Konzert des Moments?
Das geplante Weihnachts-Konzert von City fällt in diesem Jahr leider aus.
TV-Serie des Moments?
Suits!
Erkenntnis aus sieben Monaten?
Die meisten von uns können verdammt froh sein - aber interessanterweise jammern gerade die am meisten.
Dinge, auf die ich verzichten musste?
Ich zähle mich zu den wenigen Glücklichen, die tatsächlich auf wenig verzichten mussten. Dafür bin ich wirklich echt dankbar.
Nachbar des Moments?
Ich mag unseren Nachbarn, auch wenn es manchmal laut ist da drüben oder abends der Zigarettenscheiß ins unser Schlafzimmer zieht, weil sein Balkon gleich neben unserem Schlafzimmer ist. Aber ich mag ihn. Ich glaub, das ist echt ein ganz Netter. Ein schräger Vogel, aber für die hab ich eh ne Schwäche :)
Deine Meinung zu Corona-Regeln und Grundrechtedemos?
Habe ich hier, glaube ich, schon einige Male zu Papier gebracht. Reicht.
Beste Idee/ Entscheidung?
Niemals aufzugeben.
Bester Moment allein?
Immer dann, wenn ich die Kopfhörer aufsetze. Dann bin ich in meiner eigenen Welt - und bin da, wo ich immer sein wollte..
Schlimmstes Ereignis?
"Wir sind mittendrin" - las ich als Beantwortung auf diese Frage. Und wunderte mich.. Weil.. Letztlich denke ich, haben wir tatsächlich eine Menge Glück gehabt. Du hast niemanden verloren, Deine Kinder sind gesund, Du bist gesund. Ich denke, die allermeisten von uns können das von sich sagen.. Oder? Und auch mit Einschränkungen hast Du immer noch etwas ganz Wertvolles: Dein Leben. In dem Du Dich zurechtfindest und Dir eine neue, andere Komfortzone zurechtbastelst. Ja, ich verstehe, was Dir noch immer fehlt zu Deinem ganz privaten Glück - aber wo immer ich mich umschaue... Begegnungen sind immer möglich, auch jetzt.
Für mich wäre das Schlimmste, wenn ich eins meiner Kinder verliere. Das könnte ich nicht aushalten. Für alles andere findet sich immer ein Weg und hoffentlich jemand, der einem beisteht.
Schönstes Ereignis?
Wenn sich die Jungen nach Wochen wieder miteinander vertragen - und einer auf den anderen bauen kann, wenn es drauf ankommt. Da geht mir das Herz auf.
"Manchmal muss man dich auch einfach mal zu deinem Glück zwingen", sagte der Mann hin und wieder. Und fügt dann gerne hinzu, dass ich ihm einfach auch nur mal vertrauen müsste. Wo ich dann oft auch denke: Hm tja, vertrau du mir doch erstmal.
Zum Beispiel, was den Sport betrifft. Wie lange hatte er mich dazu bewegen wollen, mit ihm zu joggen. Was ich immer (na gut, meistens) ablehnte. Nicht nur, weil er auf einem ganz anderen Level tourt als ich, sondern auch, weil Joggen nicht mein Sport ist. Ich kenne meinen Körper und mich besser, ich weiß, was ihm guttut - und was nicht. Auch wenns der Mann bis heute nicht wirklich glauben will. Doch ehrlich: Würde er ernsthaft mit mir joggen wollen, müsste er quasi rückwärts laufen. Er kann ja nicht mal normal neben mir gehen, ohne dass ich ihn wie gestern Abend, als wir beide vom Yoga kamen, erst wieder fragte: "Sag mal, wieso rennst du so?"
"Ich renne gar nicht, ich gehe ganz normal", wurde ich von der Seite angezischt.
Manchmal sagt er dann: "Schlag du doch was vor." Letzten Sonntag also schlug ich vor, wir könnten uns doch wieder mal beim Tischtennis duellieren. Das ist bei uns im Park gleich um die Ecke. Da, wo die Leute auch privat Fußball spielen können - was sie am Sonntag auch taten.
"Geh du auf diese Seite", sagte der Mann noch, "wenn der Ball geflogen kommt, ist es immer noch besser, wenn ich den abbekomme."
Vermutlich hat er das Ziggenheimersche Gesetz immer noch nicht verstanden. Denn der Ball kam auch geflogen - und wer bekam den mitten ins Gesicht? Genau. Ich. Inklusive aufgeplatzter Lippe, aber ich glaube, die neue (teure) Zahnfee lohnt sich: Da ging nix kaputt, alles hielt wacker stand - und das war letztlich die Hauptsache.
Lust hatte ich dann irgendwie trotzdem nicht mehr so richtig, also auf nach Hause und ich schlug vor: "Ich mach uns jetzt erstmal was Leckeres zu essen." Natürlich mit Musik und ein bisschen tanzen und singen in der Küche. Allerdings nur bis zu jenem Moment, in dem ich mit der Fußsohle ein Ministück Scherbe auflas, das der Mann am Morgen bei seinem Glasbruch nicht umsichtig genug beseitigt hatte. Und dieses Minischeißstück bohrte sich gleich richtig tief unter die Haut, so dass es nicht mehr zu greifen war. Natürlich: Wenn ich was mache, mach ich es schließlich richtig.
Unter Quetschen, Schieben und so weiter hat der Mann ("Jetzt beiß mal fest die Zähne zusammen!") den winzigen Zacken Glas dann schließlich doch "herausoperiert". Dem Himmel sei Dank. Immerhin hab ich ja rund dreißig Jahre ein Stück Nähnadel in meinem Fuß herumgetragen, da musste nicht noch das Glas dazukommen. Nicht dass ich irgendwann noch ein ganzes Service mit mir herumtrage!
Gestern Abend beim Yoga aber dachte ich einmal mehr, dass der Mann ab und an doch Recht hat und ich gar nicht bereue, dass er mich zu dieser Sportart überredete. Mir täte eher nur leid, dass ich nicht doch eher damit begonnen hab. Körperlich gehts mir natürlich noch nicht besser - aber ich fühle mich anders. Gestreckter. Aufrechter. Und das ist immerhin ein Anfang.
In der vergangenen Woche überkam mich das Gefühl, alles würde mich überholen, während ich dabei war, immer langsamer zu gehen. Das lag nicht zuletzt daran, dass ich viel mehr Zeit in L genoss als sonst. Es lag auch an der Musik, die mich begleitete.
Und da war diese Sache, diese eine, die mich schon seit Wochen, nein, Monaten begleitet, für die ich Lösungen wünschte und suchte.. Vermutlich habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten gewünscht, dass zumindest eines vergehen würde - die Ungewissheit. Und vermutlich habe ich mir auch ein wenig Beschleunigung in manchen Dingen gewünscht. Nicht zuletzt, weil das Vorantreiben eben diese Ungewissheit besiegen würde. Und dann war da jener Morgen, an dem ich das Haus verließ, die Stufen hinabstieg und mich irgendwie so eine Ruhe überkam.. So eine Gelassenheit.. Diese Gewissheit, dass sich alles fügen würde. Dass alles so kommen würde wie es kommen sollte. Es war dieser Moment, in dem ich mich spürbar, fühlbar entspannte.
Ich kann gar nicht sagen, woher das mit einem Mal kam, aber es war da. Und irgendwie.. fühle ich diese Sicherheit immer noch.. Ganz gleich, wie die Entscheidung ausfällt - es wird sein wie es ist.
Mit ähnlichen Gedanken begegnete ich heute Morgen auf Anraten meines Hausarztes nach ganzen zwei Jahren nochmal einem Doc, von dem ich mir auch diesmal nicht sicher war, wie ER mir begegnen würde. Vor dem ich mich wieder fast vollständig entkleiden musste (bei Gott, wie ich DAS hasse) und auf einer imaginären Linie laufen sollte, was ich inzwischen (wieder) nicht (mehr) kann. Der mich bat, auf der Liege Platz zu nehmen, was mir derzeit deutlich mehr Schmerz bereitet. Der mich bat, ihm den Rücken zuzuwenden, nur um mich energisch an Stellen zu berühren, von den ich glaubte, an die Decke springen zu müssen, in der Realität aber zusammenfiel wie ein Klappmesser.
So viele Jahre, in denen ich mich mit der ganzen Problematik herumquäle und kaum einen nennenswerten Schritt nach vorn komme, nehme ich sehr bewusst auf, wenn mir ein Mensch wie heute dieser begegnet: Einer, der MICH sieht. Der mich ernst nimmt. Der nicht nur den Patienten in mir sieht - sondern einen Menschen, der sich seit beinah sechzehn Jahren quält, in unzählige Schubladen gesteckt wurde und der zu mir heute wiederholt sagt "Es ist Wahnsinn, wie Sie sich quälen. Da müssen wir doch was tun."
In diesem Moment erinnerte ich mich daran, dass mir das vor vielen Jahren, noch lange vor all dem Irrsinn, schon einmal jemand gesagt hatte. Der staunte, wie ich ein so fröhlicher, unbeschwerter Mensch sein konnte bei dem Leben, das ich bis dahin geführt hatte. Irgendwann damals habe ich dann auch begonnen, mich das zu fragen. Aber eigentlich wusste ich die Antwort schon.
Ich liebe es, das Leben. Weil ich nur dieses eine habe und weil mir das niemand zurückgibt, wenn ich es verliere. Gibt es etwas anderes, das so voller Möglichkeiten ist wie dieses Leben? Wenn du feststellst, dass du im falschen Zug sitzt und weißt, dass du nur beim nächsten Halt aussteigen musst, um deine Richtung zu ändern? Na klar war das nicht einfach, es hat unfassbar viele Tränen und Schmerz gekostet, nicht nur mich - und mit der Erfahrung von heute würde ich rückblickend einiges anders machen. Heute würde ich vor allem die Menschen schützen, die am allerwenigstens für die Situation konnten.
Heute Morgen stand ich am Bahnsteig, nach eben jenen zwei Jahren, und ich war unsicher: Bin ich hier richtig oder bin ich es nicht? Ich wusste es nicht mehr so genau, in diese Richtung fahre ich für gewöhnlich nicht und die S-Bahn nutze ich normalerweise nie. Die Karte hinter Glas war so wenig aussagekräftig und so habe ich beherzt jemanden angesprochen, als die Bahn schon einfuhr. Und der senkte sein Handy, er schaute mich an, er lächelte, das konnte ich selbst hinter seiner Maske sehen, und er erklärte mir, wo genau ich hin musste.
Später, in der richtigen Bahn, lehnte ich den Kopf zurück, schloss die Augen und hörte die Musik.
Mir ging so vieles durch den Kopf. Wir haben nicht immer jemanden, der uns den richtigen Weg zeigt. Manchmal müssen wir uns auf uns verlassen, auf unsere Intuition. Manchmal können wir jemanden fragen, manchmal nicht, und manchmal steht jemand neben dir, den du gar nicht kennst und um den du gar nicht gebeten hast. Er ist aber trotzdem da und manchmal.. ist es nur ein einziger Blick, der eine Verbindung herstellt. Ein Lächeln.
Ich weiß nicht, ob der Doc mir helfen kann, aber ich erwarte auch nichts. Doch was mir heute Morgen unfassbar gut tat: das Gefühl, ernst genommen zu werden. GESEHEN zu werden.
Wie er die Maske abnahm und mir gestattete, es ihm gleich zu tun. Jetzt noch sehe ich sein Lächeln vor mir.
Ein Lächeln, mit dem ich noch immer das Gefühl genieße, nicht nur Patient Nummer XY zu sein. Sondern ein Mensch. Ein Mensch im richtigen Zug.
"Cortison ist nix auf Dauer", sagte er und ich antwortete: "Ist es auch nicht, da sind der Dr. [Hausdoc] und ich uns einig."
"Der Dr. [Hausdoc] ist wirklich ein Guter, der passt auf Sie auf."
Ich besitze ein ziemlich gutes Namensgedächtnis - und noch besser kann ich Gesichter "speichern". Das liegt vielleicht daran, dass Menschen mich interessieren. Grundsätzlich zumindest. Man darf mich jedoch niemals nach meinem Zeitgefühl fragen oder irgendwas schätzen lassen. Da versage ich jämmerlich und ich liege auch fast immer voll daneben. Dass das aber durchaus auch mal positiv sein kann, erfuhr ich erst vor kurzem wieder mit dem letzten amtlichen Bescheid. Ich schätze es gar nicht, wenn Menschen beispielsweise wissen, dass sie viel zu schnell gefahren sind - und dann trotzdem prozessieren, um die Konsequenz zu umgehen.
Wenn man schon Scheiße baut, soll man auch dazu stehen.
Insofern wappnete ich mich und rechnete ganz fest mit meinem ersten Fahrverbot. Bis ich vor gut zehn Tagen den gelben Bescheid im Kasten hatte: Ein teures Foto und ich rutsche auf meiner Punkteleiter eins weiter. Aber ich muss nicht vier Wochen pausieren. Was mich und vor allem meine Jungen dann doch irgendwie erleichterte ;)
Und ich hätte schwören können, dass ich 160 statt 120 gefahren war. Ja klar könnte man mich jetzt den sinnlosen Raser schimpfen - aber hey.. Dreispurig und super gut ausgebaut, dazu noch angenehm leer - und ich voller Gedanken. Und wenn die Musik natürlich sehr viel lauter ist als etwaige Motorengeräusche, dann kann man auch schon mal ein Begrenzungsschild übersehen. Ich habs wirklich übersehen. Und zahle nun den Gegenwert einer mit Milchkaffees gefüllten Badewanne - aber darf weiter fahren.
Woran ich heute am frühen Morgen dachte, als ich mich schlaftrunken aus der Decke räkelte, um den Mann noch einmal ganz sehr an mich zu drücken und ihm einen Kuss zu geben, bevor wir beide uns auf den Weg machten und in entgegengesetzte Richtungen davonfuhren.
Musik. Es ist die Musik, die mir irgendwie alles gibt, von dem mir gefühlt gerade ein bisschen was fehlt. Ein bisschen Mut. Ein bisschen Hoffnung. Ein bisschen von der Zuversicht. Und vom Urvertrauen. Den Motor starten, Spot(ify) an, der kleine Raum füllt sich mit Musik und dann beginne ich mitzusingen. Egal ob nun bei 50 in der Stadt oder 100 im Randgebiet oder 200 auf dem Highway. Oder auch im Stau, während die Finger so tun, als würden sie ein Klavier bedienen. Ob die Leute rechts oder links von mir zu mir rübergrinsen, weil ich singe oder weil ich meinen geduldigen Beifahrerteddy (hübsch angeschnallt, natürlich) den Kaffeebecher halten lasse, manchmal auch meine Sonnenbrille, das ist mir wurscht. Wenn meine Musik erklingt, dann gibt es nur noch mich und meine Musik.
Dem Mann geht es ähnlich, bei ihm funktioniert es aber eher mit Sport als Musik. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange er versuchte, mich zu überreden, auch mit zum Yoga zu kommen - und nun, nach etwa drei Jahren Überredungskunst (ja, bei mir muss man mitunter Geduld haben ;)) habe ich mich drauf eingelassen. Bisher ist es gar nicht mal so anstrengend wie befürchtet - aber ganz so untrainiert bin ich ja nun auch nicht. Dachte ich zumindest - bis ich mein Bein betrachtete und einen ziemlich großen, knubblig harten blauen Fleck zwischen Wade und Schienbein feststellte, von dem ich genau weiß, dass ich mich nicht gestoßen habe. Früher hat der Mann meinen Körper ja immer etwas argwöhnisch betrachtet, wenn ich mit blauen Flecken wieder nach Hause kam - inzwischen aber weiß er, dass ich dazu neige, ohne dass ich auch nur irgendwas gemacht hab.
Und jetzt bin ich angekommen, höre immer noch meine Songliste rauf und runter, öffne Türen und Fenster weit und lasse die unerwarteten, unfassbaren Sommertemperaturen ins Haus und genieße es, genau hier und jetzt zu sein.
Die Tage vergehen und inzwischen meldet sich sanft die Melancholie des beginnenden Herbstes. Ich liebe diese Zeit, die getränkt ist von goldenen Farben, dem Geruch nach indischem Tee und Gebackenem. Langsam beginnt diese Zeit, in der ich beginnen möchte, Kastanien aufzusammeln und die großen langfingrigen Blätter der Kastanienbäume. Es ist diese Zeit, in der ich mich ganz groß und zugleich unfassbar klein fühlen kann.
Und es ist eine Zeit, in der ich einfach nicht herausfinde aus meinem ureigensten, persönlichen Sorgenkarussell. Ganz gleich, wie oft ich denke und wünsche, einfach nur aussteigen, innehalten zu können.
Manchmal blättere ich ein wenig in meinem Blog und fühle eine bestimmte Leichtigkeit, eine bestimmte Unbeschwertheit zwischen den Zeilen früherer Jahre, die mir inzwischen irgendwie verlorengegangen scheint. Zumindest für den Moment. Obwohl sie, wenn ich mich an das eine oder andere erinnere, überhaupt nicht leichter und auch nicht unbeschwerter war. Da fühlte ich genauso Sorgen - nur waren sie anderer Natur. Nur irgendwie schien es mir leichter gefallen zu sein, die Dinge, die ich für den Moment nicht ändern konnte, von mir wegzuschieben. Oder bilde ich mir das im Nachhinein nur ein?
Ich bin nicht mehr sicher, muss ich gestehen. Mir ist bewusst, dass Rückblenden eine Vergangenheit gern rosa färben.
Tatsächlich ist es so, dass ich meistens in den letzten Tagen eines Jahres resümiere, für mich zusammenfasse - und ganz oft eine hoffnungsvolle Zuversicht an das neue Jahr richte. Es waren nur ganz wenige Jahre, von denen ich sagte, dass alles so bleiben könne wie es war.
Dass sich meine Farben des Jahres ändern, spüre ich auch an meiner Playlist, die ich vor kurzem neu aufgestellt hab und Song für Song sorgfältig zusammentrage. Der Klang dieser Songs ist ruhiger, sanfter geworden - so wie ich mich auch fühle. Vermutlich ist das auch ganz normal angesichts der beginnenden Herbstmelancholie, eine Zeit, die ich unfassbar und ganz sehr liebe. Weil sie für mich ausschließlich Positives mitschwingen lässt. Niemand kann immer nur vor Glück und Freude tanzen. Man muss auch mal hinabsteigen vom Gipfel, um erkennen zu können, wie wohl es da oben tat. (Das ist natürlich eine Metapher, Liebster, solltest Du das hier lesen!)
Es hat immer wieder Phasen gegeben, da hatte ich so viele Worte in meinem Kopf, die sich aneinander reihten, die raus wollten, die zu Papier gebracht werden wollten, selbst wenn ich es letztlich doch nicht vermochte. Und jetzt... sie sind nur nicht mehr da, ich fühle sie auch nicht mehr.. Es ist, als fielen sie mir aus dem Kopf mit jedem Morgen, den ich unter der Dusche stehe, die Augen schließe und mich berieseln lasse vom warmen Wasser. Über den Scheitel, über mein Gesicht. Manchmal so lange, dass der Mann schimpft oder zumindest knurrig wird. Gäbe es denn etwas zu sagen, zu erzählen? Ja, doch, genau genommen schon. Es ist ja nicht so, dass ich außer der eigenen Welt nichts anderes mehr wahrnehme. Nur dass das, was ich derzeit noch wahrnehme, mich eher erschüttert.
So wie zum Beispiel die jüngsten Ereignisse in L. Dass Menschen einen Stadtteil zerlegen können und dafür sogar politischen Zuspruch ernten, nur weil sie von der vermeintlich "guten" Seite kommen. Nur da, wo Gewalt einsetzt, ganz gleich, ob sie sich gegen einen Menschen oder Werte richtet, gibt es kein gut und kein böse mehr. Gewalt ist immer abscheulich, und das lasse ich mir auch von niemandem ausreden. Verdammt, es gibt keinen rechtsfreien Raum, für niemanden.
Als die Jungen erstmals ihren Führerschein in der Hand hielten und die ersten Strecken mit dem ersten eigenen Auto fuhren, da war es nur eine Frage der Zeit und der Gewöhnung. Natürlich, Gedanken macht man sich immer. Fahr vorsichtig, pass auf dich aufbitte- das ist für mich nicht nur eine Floskel, diese aber ist inzwischen eingebettet in ein gewisses Urvertrauen. Und das wird vermutlich eines Tages auch für jene Nächte zutreffen, in denen ich den Jungen im Einsatz weiß.
Das wird hoffentlich eines Tages auch für den anderen Jungen zutreffen. Das ist mein größter Herzenswunsch.
Im Moment sind die Abende bei uns ruhig, entspannt, zumindest nach außen. Erstmals haben wir begonnen, die Serie "Suits" für uns zu entdecken. (Eine modernere Auflage von "Ally McBeal", wenn Ihr mich fragt - aber mir gefällt sie wirklich gut.) Ein ganzes langes verregnetes Wochenende konnten wir stundenlang damit zubringen, auf der Sofalandschaft zu lümmeln, manchmal übereinander, manchmal nebeneinander. Manchmal kommentieren wir oder stellen fest "So bin ich auch."
So wie gestern Abend, als jemand meinte, er müsse immer weiter, er könne nicht ruhen.
"So bin ich auch", sagte der Mann, "ich muss immer weiter, ich muss immer Aufgaben lösen. Wenn die beendet sind, muss ich eine neue haben, damit ich aufstehen und weitermachen kann."
An ihn gelehnt, betrachtete ich ihn von der Seite.
"Ich wünschte, das würde aufhören", fuhr er fort, "aber ich weiß nicht wie."
"Die Frage ist", antwortete ich nachdenklich, "wovor du Angst hast, wenn du gerade keine Aufgabe mehr hast."
Er bedachte mich mit einem kurzen Seitenblick.
"Das möchtest du gar nicht wissen."
"Und wenn doch?"
"Nicht heute Abend, bitte."
Am Ende.. dachte ich gestern Abend so für mich.. trägt jeder Mensch etwas mit sich herum. Etwas, das er nicht preisgeben möchte oder kann. Etwas, mit dem er nicht umgehen kann oder möchte. Etwas, für das er ganz allein eine Lösung finden möchte oder muss. Wir alle sitzen in unserem ureigensten Karussell, mal dreht es sich langsamer, mal dreht es sich schneller. Mal wollen wir es vorantreiben, mal würden wir am liebsten mitten während der Fahrt aussteigen. Womöglich aber.. braucht es tatsächlich einfach nur ein bisschen mehr Urvertrauen. Wieder ein bisschen mehr Sicherheit in der Zuversicht. zum Beispiel ich das "Gottvertrauen" darin, dass er seinen Weg gehen wird, vermutlich sogar besser als ich selbst. Ich darf nicht nur sagen, dass ich an ihn glaube (was ich tatsächlich tue) - ich muss es genauso verinnerlichen. Dann, so fühlt es sich an, werden auch die Worte wiederkommen. Und nicht nur die.