Sonntag, 21. Februar 2010

Die Einen Geh'n Zum Karneval...


...die and'ren geh'n ins Hospital.Hatte ich mir nach gut zwanzig Jahren vorgenommen, mich herrlich schräg und verrückt angezogen mal wieder ins närrische Treiben zu stürzen, Faschingsluft zu atmen und wunderbar ausgelassen zu sein, so fand ich mich statt dessen eines schönen Abends in der Notaufnahme eines Klinikums wieder, stundenlang liegend auf einer Unterlage, mit der man mich bequem über diverse Gänge zwischen den Abteilungen "Urologie" und "Innere" hin und her schob, ehe man sich einigen konnte, wohin ich denn nun gehörte. Zwischendurch lag ich auch mal irgendwo auf einem Gang, wie bestellt und nicht abgeholt. Offen gesagt, mich selbst kümmerte das inzwischen herzlich wenig, befand ich mich doch auf dem Weg zwischen Himmel und Erde, zwischen Fiebertraum und Wirklichkeit, schlief ich auch mal mit angezogenen Beinen auf eben dieser Unterlage ein, ehe mich eine Krankenschwester wie zufällig fand und in das nächste Untersuchungszimmer schob und sich mal der eine, mal der andere Arzt mit dem Ultraschallkopf Einblicke in meinen Körper verschaffte, mir Blut genommen oder Substanzen injiziert wurden, ehe man sich entschloss, der Einfachheit halber doch mal einen ständigen Zugang zu legen.Für diesen Zugang war ich spätestens dann echt dankbar, nachdem der Assistenzarzt seine Untersuchungen an mir bestimmt zum vierten Mal schlagartig unterbrach, fluchtartig das Zimmer zum nächsten Notfall verließ und statt seiner eine Schwester mit gezückter Spritze erschien: "So, jetzt gebe ich Ihnen mal ein bisschen CDA!"Was auch immer CDA sein mochte (sofern ich es richtig verstanden hatte in meinem ganz persönlichen Nirvana) - der Assistenzarzt kehrte noch rechtzeitig zurück, um zu erklären, dass jene Spritze zur Patientin im Nebenzimmer gehörte ;-)Ich weiß noch, den ersten Tag, den ich mich wieder auf meinen Beinen bewegen konnte, orientierte ich mich in diesem Krankenhaus nur mit zurückgelegtem Kopf: Etwas anderes als die Deckenmalereien hatte ich ja bis dato noch nicht kennen gelernt ;-)Die unangenehmen und unschönen Details, wie man sich ansonsten noch Einblicke in das Innere eines Menschen verschaffen kann, erspare ich Euch an dieser Stelle ;-) Wichtig ist ja ohnehin, dass ich inzwischen die Klinik verlassen konnte mit einem halbwegs wiederhergestellten Gesundheitszustand, dass ich auch wieder auf meinen Beinen stehen und gehen kann und in hoffentlich alsbaldiger Zeit auch sonst alles wieder so ist wie es vorher war. Als lustig empfand ich dennoch jenen Abend, als die Nachtschwester zu mir ans Bett trat und mir nach einem Blick auf die Spritze in ihrer Hand schlagartig die Vorzüge einer adipösen Bauchdecke bewusst wurden. Trotzdem tat sie weh - aber was dann passierte, war einfach nur genial: "Jau Helma, du kannst fliegen! Los, ab offs Fensterbrett und hoch die Arme, mach die Flatter!" Mir war so leicht und goldig zumute, dass ich das am liebsten auch getan hätte, einzig die Infusionskabel hielten mich zurück und auch der Gedanke, dass es im Gegensatz zu meinem Bett draußen eisig kalt war.
"Was für ein Teufelszeug", erklärte ich begeistert der Frühmorgenschwester, "sagen Sie, war das ein Mittel zur Verjüngung? Soll ich mich wieder wie vierzehn fühlen? Schauen Sie sich mal mein Gesicht an - so viele Pusteln hatte ich aber da nicht mal in der Pubertät!"
Geantwortet hat sie nicht, sich aber auf dem Absatz rumgedreht und mir ob der heftigen allergischen Reaktion auf das Medikament den nächsten Klinikarzt an den Hals geschickt ;-)
Und wenn ich heute so meine Arme beschaue, dann bin ich froh, dass keine Sommerzeit ist, wo ich mit Sicherheit Gefahr gelaufen wäre, an der Straßenbahnhaltestelle als Drogenjunkie aufgegriffen zu werden.

Und so kehrte Yeti Helma eines Tages wieder nach Hause, zurück in eine menschenleere, kalte Wohnung ohne Blumen zur Begrüßung, dafür aber mit einem gut geleerten Kühlschrank, in dem die hinterlassenen Reste fröhlich vor sich hingammelten, und auch sonst mit einigem zu tun, um es halbwegs wieder heimelig zu bekommen. Anschließend gönnte ich mir ein Bad und entfernte jeglichen Haarwuchs, der in der Klinikzeit munter vor sich hingewuchert war. Immerhin hatte ich einen Freund in der Nachbarschaft gebeten, mir so einen Einwegrasierer in der Klinik vorbeizubringen, woraufhin er mich entgeistert fragte: "Sach ma, hast du keine anderen Sorgen?" und ich antwortete: "Nur weil ich mich scheiße fühle, muss ich ja nicht auch so aussehen und ich hab leider meine Pinzette nicht dabei." Mir diesen Rasierer zu bringen hat er leider bis heute nicht geschafft - aber nun bin ich ja wieder daheim und somit in Besitz von Pinzette, Epilierer & Co. ;-) Und nach einigen sehr unschönen Telefonaten und Anrufen, die Erkrankungen zuweilen mit sich bringen können, sperrte ich meine Wohnungstür ab, verbarrikadierte mich an diesem wundervoll milden Wochenende in meiner Wohnung, verließ sie nur einmal, um etwas Futter heranzuschaffen und verkroch mich ansonsten, um meine Wunden zu lecken, brav meine Medikamente zu nehmen und ansonsten neue Lichtungen in den Wald zu schlagen, der sich ungetüm und scheinbar undurchdringlich vor mir aufgetan hatte. Aber eben nur... scheinbar... Manchmal können wir Dinge und Entscheidungen ewig lang vor uns herschieben und dann genügt ein einziger Moment, um uns auf die Beine zu bringen. Nun, vielleicht sollte ich doch die Lesung "Aufschieberitis" besuchen und mir dort das letzte Handwerkszeug in die Hand legen lassen, das mir noch fehlte, um endlich aktiv zu werden. Die Erinnerung dazu jedenfalls lag in meinem Postkasten und entsorgt habe ich sie noch nicht. Vielleicht aber... sollte ich einfach auch endlich mal mit der Theorie aufhören und in die Praxis übergehen. Mit oder ohne Lesung, schließlich weiß ich doch, was ich will. Und was vor allem nicht!
Denn eins ist mir klar geworden: Werde ich nicht aktiv, trage ich das ganze Jahr die Narrenkappe - ob nun Fasching oder nicht. Und was es mit diesem "aktiv werden" genau auf sich hat, erzähle ich Euch... zu gegebener Zeit ;-)
Jetzt lege ich mich erst mal schlafen, das macht nämlich auch gesund.

Eure Helma

Dienstag, 9. Februar 2010

Globale Eiszeit

Also mich wundert ja echt, dass in diesem Winter noch niemand diesen Begriff geprägt hat: "Globale Eiszeit". In weiten Teilen Deutschland schneits, in den meisten anderen Teilen haben wir knackige Eiseskälte und durch festgefrorene Schneereste arschglatte Wege.
Hört man sich so um: Beinah ein jeder hat die Nase voll von Peterchen Frost.
Grad muss ich beim Schreiben ein bisschen lachen, weil mir einfällt, dass man es uns Deutschen vermutlich wirklich niemals recht machen kann: Haben wir Sommer, ist es zu heiß; haben wir Winter, ist es zu kalt und wenn wir all das eine kurze Weile ertragen haben, beginnen wir zu jammern und uns nach dem zu sehnen, das wir gerade nicht haben ;-)
Also wenn Ihr mich fragt: Auch ich hab das meiste meiner Winterausstattung aus dem Schrank geworfen und gegen die farbenfrohe Frühlingskollektion eingetauscht. Jetzt ruht es da und wartet nur darauf, tagtäglich aus dem Schrank genommen zu werden.
Ich kann ja aber noch nicht!
Und jedesmal, kurz bevor auch ich in das allgemeine Jammern einstimme, besinne ich mich darauf, dass wir ja gerade mal Februar haben, es also durchaus zeitgemäß und rechtens ist, morgens in ein ausgekühltes Auto zu steigen, wo Dir fast die Finger am Lenkrad festkleben, wo es erst so langsam warm wird auf dem Sitz, wenn Du nach 30 km Fahrt das Büro bereits erreicht hast, Dir nach ein paar Metern Fußweg die knackige Kälte durch sämtliche Lagen Deines Zwiebellooks kriecht und Du nach eben diesen wenigen Schritten derart verfrorene Wangen herumträgst, dass Du spielend als "The Next Tomato-Top-Model" durchgehen könntest.
Und was tun wir in solchen Situationen? Genau. Dasselbe wie in den meisten anderen Situationen auch: das Beste aus allem machen.
Treffen uns abends mit Freunden bei einem Glas heißen Tee, entblättern unter einer Schicht Winterklamotten die ersten zaghaften Frühlingsfarben.
Kaufen einen Arm voll Tulpen.
Beginnen schon jetzt mit dem Frühjahrsputz, damit dann, wenn es soweit ist, genug Zeit zum Genießen statt Putzen bleibt.
Malen die Wände in der Wohnung kunterbunt - gegen all die Tristesse und Trübseligkeit der kahlen grauen Umwelt.
Fahren in ein Wellnesswochenende und nehmen uns Zeit nur für uns selbst. Oder gehen einfach mal wieder in die Sauna.
Und ehe Du Dich versiehst, sind vier Wochen um und der Frühling ist da.
Und wenn nicht... Dann gibts nen Plan B! Und für die Medien einen neuen Grund zur Massenhysterie :-)

Montag, 8. Februar 2010

Verdammt Lang' Her

...ist der Moment, an dem mein Großer auf die Welt kam. Um genau zu sein: Am heutigen Vormittag vor zwanzig Jahren war er endlich da, nach eineinhalb Tagen Wehen, und ich weiß noch, was mein allererster Gedanke war, als man mir das kleine Bündel Mensch in den Arm legte: Gott, der sieht ja aus wie mein Papa, nur in Miniatur :-)
Und was haben wir nicht alles mit ihm erlebt.
Ein nachtaktives Schreikind, das mit sieben Monaten die Kraft seiner nächtlichen Schreiattacken entdeckte und erst ein paar Tage vor seinem dritten Geburtstag schlagartig damit wieder aufhörte. Fragt mal meine damaligen Nachbarn, selbst die aus dem Haus gegenüber - die können Euch Lieder singen aus dieser Zeit - und das sind mit Sicherheit keine gute-Nacht-Lieder.
Ein Kleinkind, das Bugs Bunny abgöttisch liebte und mit knapp drei Jahren sämtliche Typen von Autos bereits an kleinen Details erkannte.
Ein Kind, das mit einer Komplettausstattung an Schal, Mütze & Co. von Hansa Rostock begeistert aus den Ferien von Oma und Opa wiederkehrte und dessen Briefe voll waren von neuesten Fußballergebnissen und -ereignissen, mit denen Mutter und Vater nun so gar nichts anzufangen wussten ;-)
Ein Schulkind, das schneller dachte als es sprechen konnte, das in der Feinmotorik völlig ungeschickt war, aber wunderschön zeichnen konnte. Von dem man uns sieben Jahre lang in dem Glauben ließ, es leide an Epilepsie, bis durch einen Zufall die Wahrheit ans Tageslicht kehrte, so wie wir der Psychologin den Rücken kehrten, die mit ihrem unübersehbaren Interesse für ondulierte gebleichte Locken, Perlenketten und Neckermann-Kataloge allen Ernstes vorschlug: "OK, keine Epilepsie, aber in die Sprachheilschule könnten Sie ihn doch wenigstens schicken."
Ein Teenie, der uns mit seinem fotografischen Gedächtnis begeisterte und bis heute ein Sozialverhalten entwickelte, von dem sich so einige ein Scheibchen abschneiden könnten.
Auf dieses Kind, das inzwischen längst kein Kind mehr ist, das gelassen auf mich herunterschaut, wenn ich mal wieder nervös werde; das mit aller Lässigkeit einen ganzen Wocheneinkauf auf Händen balanciert; das gerne eine Freundin hätte, sich aber nicht die Bohne für Dinge interessiert, die heute so angesagt sind; das noch mit dreizehn Jahren in die Klamotten des sechs Jahre jüngeren Bruders steigt, weil es glaubt, dass mitten im Februar Zeit für kurze Hosen ist ;-); das lieber auf sein erstes Mal verzichtet als es "nur so" und mit "irgendwem" zu tun - auf dieses und mit diesem goldigen Kind im Manne habe ich heute beim Italiener mit einem Kräutertee angestoßen, weil das Auspieseln jeglichen teuren Prickelwassers derart schmerzhaft ist, dass es das Wohlgefühl beim Hinuntergießen selbigen in die durstige Kehle nicht einmal annähernd kompensieren könnte.

Und so verabschiedet sich für heute eine müde, sich ausgelaugt und kränklich fühlende, in die Jahre gekommene Helma, die aber mächtig stolz ist auf das, was sie da in den zwanzig Jahren so hinbekommen hat. Und den Zweiten... kriegen wir auch noch so hin ;-)

Freitag, 5. Februar 2010

Höhenrausch

...heißt eines der Bücher meiner Lieblingsautorin Ildiko von Kürthy. Lieber Niels Holgersson, leider habe ich damit Deine Buchempfehlung knapp verpasst (der Titel war ähnlich, aber eben anders - und ich habe ihn noch immer vergessen).
Auch muss ich sagen, dass "Höhenrausch" ein bisschen den Esprit von "Herzsprung" vermissen lässt (soweit ich das nach den ersten siebzig Seiten vermelden kann).
Fakt jedoch ist: Nach so einem beschissenen Tag wie gestern, einem nur minder beschissenen Tag wie heute hellt sich die Stimmung in der Tat um einiges auf, wenn die emanzipierte, gleichberechtigte Frau von heute entspannt im heißen, duftigen Badewasser liegt, eines der Bücher besagter Autorin zur Hand nimmt und in der Zwischenzeit ihre Kinder in den Supermarkt schickt, damit das Abendessen gesichert ist.
TUI - das habe ich mir verdient. So.

Der Blitz Schlägt Immer Dreimal Ein

Zumindest kenne ich diesen Spruch so seit meinen Kindertagen.
Aber wie die meisten von Euch wissen, sind genau diese Kindertage seit ewigen Zeiten her, inzwischen hat sich so ziemlich alles revolutioniert - die Gleichberechtigung der Frau (sie konnte den stinkenden Kohleherd gegen einen mit umweltfreundlichem Ceranfeld tauschen, spart Zeit, in der sie dann entweder baden, lesen oder putzen kann - und kein Geld - weil, sie könnte in der Zeit ja auch shoppen gehen), das Wasser kommt warm "aus der Wand", die Wäsche muss nicht mehr auf dem Brett geschrubbt werden, Frau von heute fährt außerdem in nem schicken Mini statt auf nem rostigen Fahrrad und die Wohnung gleicht einem Hightech-Shop, wo für mindestens einen Handgriff mindestens zwei elektrische oder elektronische Hilfsmittel zur Verfügung stehen.
Das bedeutet nun aber - nach der langen Einleitung - ebenso, dass sich auch... der Titel meines heutigen Eintrags revolutioniert hat. Und während zu damaligen Zeiten der Blitz eben dreimal einschlug, so geschieht das mitunter heute fünfmal oder sechsmal - und ehe Du richtig Luft geholt hast, kracht es gleich noch einmal hernieder.
So siehts aus.
Und wie sieht das ganz konkret im Alltag aus?

  1. Menschen kündigen Dir die Freundschaft (dagegen bist Du machtlos, aber egal, wie weh es tut, Du nimmst es hin, weil manche Wege vielleicht eben einfach auch zuende sind).
  2. Neckigkeiten im Job schlagen eines Tages in handfeste Streitigkeiten um (es fehlte nur noch eine Handbreit Schlamm zum Catchen).
  3. Angestellte mit Bürokratenstatus erteilen Dir einen Sperrvermerk, weil die Anlage C zum Schreiben B des Bürokraten A noch fehlt - aber sagen Dir nix davon (Du merkst es nur, wenn der Lohn für harte Arbeitstage ausbleibt) - sie sind so überarbeitet, dass drei wohlgenährte Damen in einem Raum an jeweils einem gut ausgestatteten PC-Arbeitsplatz sitzen, neben sich eine halb geleerte Tasse Kaffee und sonst nix - gar nix - aber klimpern wie wild auf ihrer Tastatur herum, so dass Du genau weißt: Die Beschäftigung heißt "Internetsurfing" oder "Solitaire".
  4. Beim Einstieg in Dein Auto brummt es Dich derart laut an, dass Dir schlagartig klar wird: JETZT ist der nächste Besuch in der Werkstatt fällig - macht ja nix, der letzte ist ja erst drei Monate her.
  5. Beim Eintritt in Deine Wohnung brummt Dich noch lauter Dein pubertierendes Kind an, weil Du gewagt hast, seine angeregte Chat-Kommunikation mit der Liebsten zu unterbrechen, nur um so unnötige Dinge zu erfragen wie den Blick in das Hausaufgabenheft und auf etwaig gelöste Hausaufgaben. Doch schon beim Blick in das Hausaufgabenheft bist Du wie vom Donner gerührt: Drei Einträge in zwei Tagen - und zwei Einträge davon wegen flegelhaftem (möchte-gern-obercool, sagt Mutter Helma dazu) Benehmen Schülern und Lehrern gegenüber, wegen Null-Bock-Stimmung und leider Gottes auch entsprechenden Benotungen. Als es dann noch wagt zu fragen, wieso es nicht beim Freund übernachten darf, bricht ein Donnerwetter über das Haus Ziggenheimer herein - eins, von dem Du selber weißt: Es war lange, lange fällig. Doch wenn das Kind dann äußert: "Bin ich froh, wenn ich wieder beim Vater bin!" oder "Vielleicht sollte ich doch lieber beim Vater wohnen!" dann ist das ein Gefühl wie mindestens drei Blitzeinschläge auf einmal.
  6. Dich erreicht ein Anruf einer Lehrerin Deines Kindes - und Du erfährst so nebenbei noch ein paar Dinge aus der Rubrik "Was Sie über Ihr Kind noch nicht wussten, aber vielleicht wissen sollten."
  7. In der Nacht überfällt Dich Freund Schmerz so derart, dass Du weder schlafen noch atmen kannst und irgendwann vor lauter Selbstmitleid zu heulen anfängst, weil Du Dich alleine fühlst mit allem und einfach nicht weißt, wie Du alles und jederzeit bewältigen sollst.
Ja... Sieben Dinge - und alle sieben Dinge auf einen Schlag, sprich: an einem Tag. Irgendjemand sagte mir: "Dein Schmerz macht dich dünnhäutig und anfällig für Dinge, die du gar nicht nötig hast, so an dich heranzulassen." Hmm. Also ich weiß nicht. Wenn ich alle sieben Punkte so betrachte - bin ich dann eher nicht nur optisch ein Dickhäuter?
Denn Fakt ist eins: Wie es sich anfühlt, schmerzfrei zu sein, habe ich beinah vergessen.
Und wie sich Tage anfühlen, die einfach mal ruhig und seicht verlaufen... das weiß ich auch schon nicht mehr.
Aber habe ich mich deshalb jemals unterkriegen lassen?
Oder überhaupt jemandem von Euch gezeigt, wie es mir wirklich geht?
Näää, nämlich nicht - weil niemandem damit geholfen wäre - auch mir nicht. Und auch DAS kostet verdammt viel Energie.
Nun ja, oder ich bin ein klarer Fall für die psychologische Streckbank. Auskotzen auf Rezept.
Aber vielleicht... sollte ich ja einfach nur ein bisschen schlafen. Zwei Stunden in der Nacht sind definitiv zu wenig. Mit ein bisschen mehr Schlaf hätte ich mich heute Morgen jedenfalls nicht im Bad versteckt und geheult, nachdem ich den Anschiss der Obrigkeit mit aufs WC genommen hatte.
Sondern einfach mal gezeigt, was ne Harke ist, anstatt mich hier zum Hampelmann der Nation machen zu lassen.
Vermutlich aber... liegt das Problem darin, dass es sich bei meiner Harke eher... um eine dreizinkige Mini-Gartenkralle handelt.
Gut. Jetzt hab ich mich bei Euch ausgekotzt (bis zum nächsten Streckbank-Termin vergehen noch vier Wochen), trinke einen Kaffee mit viel Milch darauf und spüle - so gut es geht - den letzten Rest des Trübsals mit hinunter. Schließlich steht das Wochenende vor der Tür. Na also.

Dienstag, 26. Januar 2010

Das Ganze Leben Ist Ein Quiz

Zumindest kommt es mir so vor, wenn ich meine Facebook-Seite betrete, alle Bekannten offline oder anderweitig besser beschäftigt sind und ich an langen Abenden entweder nicht müde genug bin oder trotz ausreichend Müdigkeit nicht in den Schlaf finden kann - dann spiele ich ein Quiz.
Ich meine, sowas wie "Wer wird Millionär" dürft Ihr dort weiß Gott nicht erwarten, das Niveau ist derart niedrig, dass ich die meisten Ergebnisse gar nicht erst veröffentliche aus lauter Scham, dass die anderen dann wüssten, was ich da so alles spiele.
Ich meine, wer will schon ernsthaft wissen, wann ich schwanger werde, wann ich heirate und wie der Anfangsbuchstabe meiner großen Liebe lautet? Das will höchstens ich selber wissen - aber beantworten kann mir das mit Sicherheit kein Quizmaster, dessen Rechtschreibung noch schlimmer ist als das Englisch unseres EU-Kommissars Oettinger :-)



Jedenfalls habe ich heut Abend mal das Quiz befragt, welches Produkt von McDonalds ich denn sein könnte (Leute, mir muss echt langweilig gewesen sein ;-)). Ich hätte ja so was erwartet wie Big Mac oder Bic Rösty (zumindest in den Zeiten, als ich noch wöchentlich unter der künstlichen Sonne lag ;-)) oder vielleicht sogar n McFlurry :-) - aber ein stinknormaler Chickenburger zu sein... Nun ja, ich trugs mit Fassung, zumal mir meine beinah-dreißig-Freundin versicherte: "Normal bist du weiß Gott nicht." :-)
Und wir uns ohnehin darin einig waren, dass Hühner ja sowieso irgendwie ein bisschen verrückt sind ;-)

Und ich widerstand der Versuchung, das nächste Quiz zu befragen, welcher Prominente mich heiraten würde. Weil - ich weiß nicht, ob Ihr es schon wisst, aber... - Brad Pitt soll wieder zu haben sein. Ich meine, wenn der den Zickenbart abrasiert, könnten wir ja gern mal darüber verhandeln. Aber ich weiß nicht, was ich zur Antwort "Woody Allen" gesagt hätte - immerhin schwirrt mir noch dieses Schlagwort "sich selbst erfüllende Prophezeiung" im Kopf herum. Und mal ehrlich: Wer will schon jemanden haben, der seine Adoptivtochter zur Frau nahm? Biologisch vielleicht nicht inzestös (oder so), aber mental... näää, also das muss nicht sein.
Dann gibts ja noch so ein Quiz "Wie hieße ein Film über Dein Leben?" Spontan fiel mir dazu ein "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" - Name ist schließlich Programm ;-) Immerhin war ich die einzige Dumme, die in der Reha sage und schreibe ein Kilo zugenommen hat. Aber manchmal genügt sogar einfach nur ein raffinierter Haarschnitt, um das Gegenteil zu behaupten und die bittere Wahrheit sehe einzig und allein ich, wenn ich morgens in die eine oder andere Jeans zu steigen versuche.
"Also wenn ich die Wahl hätte, wäre ich gerne die Carrie aus Sex & the City", schwelgte ich in Abendträumen, woraufhin meine bald-dreißig-Freundin meinte: "Stimmt, daran dachte ich auch damals, als ich die Serie gesehen hab!" Worauf ich entgegnete: "Obwohl zu dir vielleicht eher die Charlotte gepasst hätte. Wobei... So brav bist du vermutlich auch wieder nicht" und wir gackerten ein bisschen herum und erfanden in nullkommanix die fünfte Figur der bisherigen vier Freundinnen, für die es sich vielleicht lohnte, ein neues Drehbuch zu schreiben.
"Also was ich heut wieder in der S-Bahn erlebt habe, darüber könnte ich ein Buch schreiben", stöhnte meine Freundin und ich ermunterte sie: "Dann schreibs doch auf! Wer sowas lesen will? Es kommt immer drauf an, wie man es verpackt! Am meisten empfänglich sind die Leute doch für die Dinge, die sie selber auch kennen, und wenn du es mit Augenzwinkern schreibst, liest das jeder Betroffene gern."
Auch wenn ich selber gestehen muss, dass ich - vor allem, als ich noch klein war ;-) - mit Vorliebe Filmchen geschaut hab oder Bücher las, die das zeigten, was ich eben nicht hatte oder kannte, das ich aber gerne gehabt hätte ;-)
Nebenbei informierte mich meine Freundin, das unser gewünschtes Appartement leider nicht verfügbar ist, dafür eins, das sich mit "Windspiel & Windgeflüster" auch recht schmackhaft anhört und vor allem zum Spottpreis für 99 Euro für ein ganzes Wochenende zu haben ist. Ostsee - ich komme! OK - wir kommen!

Und jetzt hab ich echt nen Mordsappetit auf ein McFlurry mit Smarties :-)

Stichwort Englisch

Also das muss ich Euch zeigen. Heute bei Facebook gefunden und was für uns Facebooker ja richtig köstlich ist, ist für den Rest Deutschlands eigentlich nur noch peinlich...






Pisa-Studie, Investitionen in Bildung usw. - Mann o Mann, solche Schlagwörter bekommen echt ne ganz neue Bedeutung, wenn man so sieht, wie sich die Politiker nach außen präsentieren. Es muss ja nicht jeder alles können, geht auch gar nicht, wissen wir selber. Aber wie hieß es doch früher in der Schule immer so schön: Übung macht den Meister!
Genau. Na dann - Herr Oettinger - ran an den Speck!

Und Ihr, liebe Leserinnen und Leser, habt Euren Spaß :-)

Montag, 25. Januar 2010

Sonnenschein & Sonnenschön

...heißt übrigens das Appartement, in das meine Freundin und ich uns einquartieren. Passt irgendwie, oder? *smile*
Großzügig habe ich ihr das Schlafzimmer überlassen, so hat sie genügend Platz zum Schlafen. Aber mal ehrlich - bei DEM Wohnzimmer sagt doch jeder gern: "OK, ich schlaf auf der Couch!" Na oder? :-)

Ach, wäre es doch nur schon soweit ;-)

National Girlfriends Day


Look at this picture - this can happen to you after rehab ;-)
Or: Thats me in hundred years *smile*

Ach, ich kann ja auch deutsch reden, sorry, war nur so über mich gekommen, weil die Begleitzeilen zu diesem Foto auch in Englisch waren und meine durstigen grauen Zellen begeistert in die Hände klatschten, dass es mal wieder etwas zu tun gab - abweichend von jeglicher Routine ;-)
Jedenfalls fand ich das Foto so geil, dass ich es gleich zum Anlass nehmen musste, dieses mit ein paar taufrischen Zeilen aus meinen frisch geputzten Fingern in den Blog zu bringen. Amüsiert hatte mich schon die Einleitung über dem Bild:
"I am only as strong as the coffee I drink, the hairspray I use and the friends I have.
To the cool women who have touched my life. Here's to you!"
Jau! Ich bin genauso stark wie der Kaffee, den ich trinke, und alle die, die unseren Bürokaffee made by engineer kennen, wissen spätestens jetzt, dass mich somit rein nichts mehr umhauen kann ;-)
Noch lustiger aber fand ich die Anmerkung unter dem Bild:
"Wenn du diese E-Mail zweimal bekommst, weißt du, dass du mehr wie eine Freundin hast!"
Na das will ich doch mal stark hoffen ;-) Wobei ich sagen muss: Lieber nur eine Freundin als zwanzig, aber dafür eine richtige!

Ehrlich gesagt, ich habe überhaupt keine Ahnung, ob es diesen National Girlfriends Day gibt, wann es diesen gibt und überhaupt und sowieso. Aber eigentlich... Kann dieser Tag ruhig einmal im Monat sein. Und nicht dass Ihr was Falsches denkt: Nein, es geht nicht um die Menstruation!! Es geht einfach um einen Tag im Monat, der nur den Freundinnen gehören darf. Wäre doch mal cool, oder? Aber bei all meinen Freundinnen ist es wie bei mir auch: Entweder gehört Monat für Monat den Kindern, dem Liebsten oder all dem anderen Wahnsinn, nur den Fröhlichkeiten des Lebens wird viel zu wenig gefrönt. Und bevor man es doch mal schafft, sich zu verabreden, muss erst mal entweder das Outlook oder die Agenda aufgeklappt werden... Wir sind Sklaven unserer selbst, der Technik und überhaupt und sowieso.
Da bin ich schon echt happy, dass dieses Jahr eine meiner Freundinnen ihren Dreißigsten feiert - und mit wem will sie wegfahren? Noooiiiiinnn - nicht mit ihrem Liebsten - mit mir! Und was hab ich vorgeschlagen? Natürlich das MEER!!!!! Drei Tage Ostsee, drei Tage das Tosen der Wellen, das in meinen Ohren wie die wunderbarste Musik der Welt klingt!! Obwohl... Anfang März... Obs da schon tosende Wellen gibt? Also meine Mama sagte gestern, dass weite Teile direkt noch zugefroren sind... Jedenfalls freu ich mich wie Bolle auf diesen Trip und als meine Freundin mich fragte, was wir denn alles mitnehmen, fielen mir spontan nur meine Zahnbürste, mein Fön, diverse Kosmetika und die Kamera ein, woraufhin sie sprach: "Pah, na das ist doch klar!" :-) Dann fielen uns noch ihre Inliner und meine Rollschuhe ein (Tatsache, ich hab mir selber welche zu Weihnachten geschenkt, inlinern kann doch schließlich jeder und Frau Helma hatte schon immer was gegen Mainstream ;-))

Aber Mensch, mir fällt grad ein - eigentlich wollte ich Euch ja peau a peau von meinen Fortschritten in der Rehabilitation (klingt irgendwie wichtiger wie Kur ;-)) erzählen. Hätte ich ja auch gerne gemacht - wenn dieser vermaledeite Surfstick mich nicht so kläglich im Stich gelassen hätte. Mit ner langsamen Verbindung konnte ich ja noch leben - aber mit gar keiner? Und leider ließ das "Internetcafe" das Betreten des Blogs aus Jugendschutzgründen nicht zu. Das fand ich denn doch ziemlich affig, denn sicherlich waren auch einige Kinder mit an Bord, die aber durch die Bank weg in einem Alter, wo sie höchstens mit ein paar Stullen oder Brötchen auf den Gängen Fußball spielten, nicht aber Geduld für das world wide web aufgebracht hätten. Es war schließlich eine Rehab - und nicht das Zuhause von Ziggenheimers ;-) Diese Eigenkritik muss ich mir selber zugestehen, weil mittlerweile meine kleine süße Wohnung so voller Technik verwanzt ist, dass ich mir manchmal vorkomme wie in einer Cyber-Welt, die wir uns vor dreißig Jahren im Kunstunterricht nur ansatzweise vorstellen konnten. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Roboter, der mir die Kloschüssel dahin bringt, wo ich gerade stehe und mal muss :-)
Jedenfalls bin ich super super begeistert vom Erfolg der Rehabilitation, mein Körper hat sich nicht nur erholt (dazu sollte er ja eigentlich im vergangenen Jahr auch genug Zeit gehabt haben, wenn man mal großzügig darüber hinwegsieht, dass ich statt der vorgesehenen 4 bzw. 6 Stunden pro Tag 8 oder 10 gearbeitet habe - und das nicht gerade selten. Selber schuld, weiß ich, ich jammer auch gar nicht. Ehrenwort. Ich wollts nur mal gesagt haben. Wie gesagt, ich habe mich nicht nur erholt, sondern vor allem endlich das Licht am Ende des Tunnels bekommen. Also dass ich eines Tages gesund werde, daran glaubte ich ja sowieso, ich wusste halt nur nicht wann und wie. Also "wann" weiß ich immer noch nicht, aber "wie"! Eine Kombination aus Rückenschule, Reha-Sport, Reha-Nachsorge, Elektrotherapie, Schmerztherapie und Homöopathie - Chef, ich kann leider nicht mehr arbeiten kommen, bei all dem Privaten bleibt kein Raum für Dienstliches mehr ;-)

Kennt Ihr eigentlich auch dieses Wort "selbsterfüllende Prophezeiung"? Einer meiner letzten Beiträge wurde sinngemäß kommentiert: "...nur Mut, das Jahr (2010, Anm. der Redaktion) wird ein Sonnenjahr." Also ich weiß nicht, wie Ihr das seht, aber mir gehen, seitdem ich diese Worte las, genau die immer wieder im Kopf herum und entsprechend motiviert (nein, doppelt motiviert) begann ich das Jahr. OK, anfangs war das etwas mühsam und ich stellte auch fest: Zu Hause ankommen ist nicht gleich zu Hause angekommen. Irgendwie fiel es mir dieses Mal schwerer, obwohl ich dieses Mal nur vier Wochen von daheim weg war und nicht gleich acht Wochen wie vor einem Jahr. Doch langsam... hat mich das Alltags- und Berufsleben im Griff, die ersten Termine sind aufgestellt, ein wichtiger bei der Rentenversicherung fehlt noch (ich brauche unbedingt einen Helma-gerechten Stuhl, damit ich auch morgen noch kraftvoll Platz nehmen und vor allem auch dort sitzen bleiben kann!) und irgendwie... kehrt mehr und mehr die Sonne zurück in jeden Winkel meiner 176 Zentimeter Lebendgewicht. Irgendwie macht einfach alles mehr Spaß, Stück für Stück. Wenn ich an 2009 denke, war vieles einfach nur klebrig, zäh und dunkel. Jedenfalls kommts mir im Nachhinein so vor, auch wenn mich mein Galgenhumor dann und wann schon aus der einen oder anderen Situation rettete. Jeder kleinste Windhauch, der nicht wie gewohnt von rechts, sondern von links kam, hat mich verunsichert, verängstigt, und bis zum Dezember hin hatte sich das dahingehend hochgeschraubt, dass ich drauf und dran war, mein bisheriges Leben komplett zu verändern, in eine ganz andere Richtung zu gehen und die eine oder andere Brücke komplett hinter mir abzubrechen. Kennt auch Ihr das Gefühl, wenn sich Dinge manchmal in eine Richtung entwickeln, wo Ihr mittendrin das Gefühl habt: "Irgendwie fühlt sich das grad total falsch an!"? Nicht aus Angst vor Verlust oder sonstwas - sondern einfach... eher dieses verwunderte... Innehalten "Hmmm..." Kennt Ihr das?
Na jedenfalls bin ich immer noch hier, und alles ist gut so, wie es ist.
Und... ich schreibe von nun an auch wieder in den Blog. Jetzt, wo ich hier so lieg und klimper, merk ich erst mal, wie ich das vermisst habe :-) Und noch was hab ich in der Rehab gelernt: Ohne TV kann ich locker leben, ohne mein Internet aber nicht ;-)

Eure Helma, die sich jetzt erst mal nen lecker Cappu zubereitet und auf das Leben anstößt, weil sie nicht für Nachschub bei der Weinschorle gesorgt hat ;-)

Sonntag, 13. Dezember 2009

Snägg Idjott

Wer von Euch kann auch noch ein paar Brocken Russisch?
Für die, die es nicht mehr wissen: Es schneit :-)
Über Nacht hat es begonnen zu schneien. Ich habe festgestellt, dass ich, seit ich hier bin, viel mehr schlafe oder zumindest vollkommen müde bin als ich das daheim bin. Woran das liegt, weiß ich nicht, ist mir eigentlich auch egal - ich genieße aber auch die Ruhe, die man mir hier zugesteht. Nach all den Behandlungen, selbstverständlich. Heute Mittag jedoch, als ich endlich aufstand (das geht natürlich nur sonntags so, an allen anderen Tagen finden immer Behandlungen statt) und mein Bett aufschüttelte, musste ich unwillkürlich lächeln, als ich das zerwühlte Laken sah. So unruhig schlafe ich daheim für gewöhnlich nicht - vielleicht komm ich ja auch nur nicht dazu, weil ich eben viel zu wenig Ruhe hatte. In mir und um mich herum.
Jetzt liege ich hier auf dem Bett, habe inzwischen an der wiederholten mittäglichen Fütterung teilgenommen, habe die Einladung auf den 50 km entfernten Weihnachtsmarkt abgelehnt mit der Begründung, dass das für meine Seele jetzt nicht grad das richtige sei, habe mir statt dessen lieber einen Kaffee geordert (auf den Bechern steht immer "Enjoy" :-)) und mich auf mein Zimmer zurückgezogen, die Tür verriegelt und verrammelt und nun lieg ich eben hier, schaue dem Schnee draußen zu und blogge ein bisschen, obwohl mir das System gerade schrieb "Limit von 100 MB für GPRS im Monat erreicht - trotzdem verbinden?" Ich hab erst mal auf Ja geklickt und muss mich aber morgen mal bei unserem IT-Fritzen kümmern, was das denn sein soll - ein Limit von schlappen 100 MB trotz Flatrate? Na ja, sollten sich alle weiteren MB als kostenpflichtig herausstellen, werde ich mich wohl demnächst an die Warteschlange zum klinikeigenen Internetcafe anstellen. Internetcafe... Klingt nach angenehm beleuchteter und mit kaffeearoma-durchwirkter Klick-Atmosphäre, aber IWO! Zwei PC-Plätze in eine Ecke der Empfangslobby geklemmt, einer davon ist außer Betrieb, der andere somit unter Dauerbeschlag...
Bibliothek ist leider auch nicht möglich, hätte ich ja gerne mal versucht. Aber nur 2 x pro Woche vormittags geöffnet, und wer da grad ne Anwendung hat, ist leider in den Arsch gekniffen. Sorry, s klingt komisch, is aber so.
Na dann... klemme ich mich jetzt mal ab vom world wide web und ziehe mir eine DVD rein. Wenn ich über Weihnachten heimfahre, werde ich mir noch ein paar DVDs dazupacken und vielleicht auch das eine oder andere Buch.

Nun ja, dann... enjoy coffee ;-)

Samstag, 12. Dezember 2009

Unsterblich

...ist der wohl schönste, innigste Song aus dem Nachfolgefilm zum "Keinohrhasen"...
Heute Abend hab ich ihn endlich in den Weiten von Youtube finden können (den gibts nämlich nicht mal auf der CD zum Soundtrack), ausgerechnet heute, als ich anschließend zur allabendlichen Fütterung ging und in beiden Speisesälen nicht nur Patienten und Patientinnen mit oder ohne ihren Kindern, sondern auch dazugehörige Partner Platz genommen hatten. Wow... Ich hatte eh schon Schlagseite nach der lieben E-Mail einer Freundin, die mir heute Nachmittag schrieb "...große, schöne Frau, ich glaube, Dir gehts nicht gut."

Echt, das war nix für Helma, die an ihrer Vollkornschnitte würgte wie an einem Stück Papier; auch mit all dem ganzen Tee rutschte es nicht besser.

...aber der Song - der ist dennoch wunder-wunderschön (ich frage mich gerade, wie oft ich Euch das schon bei diversen Titeln sagte; aber egal, hört doch selber...)




Unter Tränen lachte ich dann doch, als meine Mama mir am Telefon sagte: "Nee, mit dem Kleinen kannst du nicht sprechen, der trifft sich gerade mit seiner Freundin." Das holte mich glatt vom Stuhl. Hatte das Kind doch wochenlang, ach was, monatelang nur Chat-Kommunikation betrieben, obwohl die Angebetete lediglich zwei Straßen weiter wohnte, so sollte es sich nun, kaum dass die Mama mal für ein paar Wochen nicht daheim ist, ebenso ausgeflogen sein, sich bereits gestern und heute nun endlich auch real mit seiner Süßen treffen?
"Und dein Großer", fuhr die Mama fort, "saß fassungslos am Tisch und meinte, also wenn sein kleiner Bruder sich schon mit Mädels trifft, dann muss er doch auch endlich mal was machen!"
Und während ich mich darüber amüsierte, verdrückte ich mir eine weitere wehmütige Träne...
Nun werden sie doch groß... und immer größer... und ich wünsche ihnen so von Herzen, dass sie ihr Glück im Leben und in der Liebe finden - alles, das sie glücklich macht... und unsterblich.

Oh Du Fröhliche

Nun sitze ich hier in einer Klinik für Psychosomatik und Probleme des Bewegungsapparates (cooles Schlagwort, oder?) und bevor es zur allgemeinen mittäglichen Fütterung geht, nutze ich die Zeit, hier ein paar Zeilen zu schreiben.

Wenn ich ehrlich sein soll, so dachte ich in den letzten Wochen mehrfach daran, diesen Blog zu schließen - aus verschiedenen Gründen. Genau genommen dachte ich das bis heute Morgen. Doch dann... stöpselte ich mir nach dem Frühstück den iPod in die Ohren, machte mich auf den Weg zu einer kleinen Besichtigungstour des Städtchens, in das es mich nunmehr verschlagen hat - und irgendwie fühlte ich mich mit einem Mal besser. Wohler, ausgeglichener.
Und ich sagte mir: Wieso soll ich mit dem Schreiben aufhören, wenn es mir doch guttut? Und solange Ihr noch lesen wollt... schreibe ich eben einfach auch weiter.

Anfangs, als es hieß, dass ich wieder einmal ein Weihnachten in einer Klinik verbringen sollte (wahrscheinlich werden dann umso mehr Plätze frei, weil kein normaler Mensch um diese Zeit hierher finden will ;-)), war ich schon ziemlich... ja... bestürzt und hab selbstverständlich auch versucht, zumindest den Zeitpunkt zu verschieben. Eher oder später, Hauptsache, nicht an Weihnachten, der wohl innigsten, besinnlichsten und irgendwie auch... intensivsten Zeit eines Jahres (jedenfalls gilt das für mich). Aber wie sagte doch die Dame am anderen Ende der Welt: "Was Sie wünschen, danach geht es hier nicht." Und die andere, wesentlich freundlichere Dame der Krankenkasse sagte mir: "Frau Ziggenheimer, Sie können gern versuchen, den Termin zu verschieben. Aber dann gibt es Probleme mit Ihrer Wiedereingliederung, Sie müssten dann vor der Reha wieder vollzeit arbeiten - und Ihr Krankengeld endet doch auch bald."
Ja. Wo sie recht hatte, hatte sie recht.
Also in den sauren Apfel gebissen - Augen zu und durch. Schließlich gehts ja in der Tat um mich. Endlich gesund werden oder wenigstens einen weiteren Schritt in diese Richtung tun.

Und was soll ich sagen: Ich bin jetzt erst wenige Tage hier - und dieses Mal fühlt sich der Aufenthalt in so einer Klinik wesentlich besser an. Unsere Seelen werden behandelt, ja, immerhin... toben darin genug Kämpfe :-(
Doch auch unsere Körper werden behandelt und ich kann hier endlich DEN Sport machen, der mir auch wirklich guttut. Nicht so ein bisschen Tanztherapie, sondern wirklich gelenkschonendes Training, das die Muskeln aufbaut, die ich zu lange geschont habe.
Ich kann Euch sagen, das tut schweineweh - aber irgendwie... habe ich auch das Gefühl, das ich weiterkomme. Diesen berühmten Schritt nach vorn. Und das Beste daran ist: Jeder Patient hier bekommt das auf ihn speziell zugeschnittene Sportprogramm, auf sein individuelles Problem bezogen. Das ist echt cool! Endlich weiß ich, was ich "richtig" mache. Wie ich es "richtig" machen kann, ohne mir noch mehr zu schaden.
Ab nächster Woche wird Helma dann auch wieder unter Strom gesetzt, Dauerimpulse quasi. Hoffentlich stehen mir nicht die Haare zu Berge wie beim Struwwelpeter - oder aber ich kriege damit die Dauerwelle frei Haus ;-)
Was mir hier echt auch gefällt, ist, dass jeder Patient sein eigenes Zimmer hat. Gemeinschaft ist gut für soziale Kontakte, aber ich bin auch echt dankbar dafür, dass ich gerade jetzt auch meine Rückzugsmöglichkeiten habe. Ich kann heulen, schreiben, Musik hören wie ich will - oder einfach mal ganz ungeniert einen Pups lassen.
Dank Laptop und Surfstick bin ich auch irgendwie beteiligt an der Außenwelt, auch wenn es dank des "es gibt nur das GPRS-Signal" (so ist das nun mal hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen ;-)) nur sehr eingeschränkt und manchmal eben auch gar nicht funktioniert. Doch in den lichten Momenten nutze ich diese Möglichkeit der Kommunikation bzw. des Betrachtens der Außenwelt vom Arsch der Welt aus.
Und die "sozialen Kontakte" hier... Also wenn Ihr mich fragt, ich unterhalte mich gern bei Tisch über dies und das und hab da echt auch schon lustige, kurzweilige und auch interessante Gespräche geführt. Zu mehr aber fühle ich mich nicht bereit. Noch nicht jedenfalls. Auch eine Zwillinge-Geborene wie ich braucht Zeiten, in denen sie sich zurückziehen und ihre Ruhe haben kann.

Und wenn es das GPRS-Signal zulässt und Ihr überhaupt auch Interesse dran habt, dann lass ich Euch gern über die Fortschritte hier auf diesem Wege wissen.
Das Tolle ist ja, dass ich nicht allzu weit weg von daheim bin und dass ich Weihnachten nach Hause darf, wenn ich denn will.
Ja, ich will.
Da bin ich zwar auch bloß alleine, aber wenigstens in meinen eigenen vier Wänden, kann in meinem eigenen Bett schlafen. Und vielleicht findet sich ja doch noch die eine oder andere Möglichkeit, sich irgendwo anzuschließen. Schaun mer doch einfach mal :-)

Eure Helma, die sich im Leben nicht unterkriegen lässt

Mittwoch, 25. November 2009

Sag Einfach Nur Ja

Wie oft im Leben ist es uns schon passiert, dass wir glaubten, uns würde die Hand gereicht - und noch ehe wir richtig zufassen konnten, war sie schon wieder entzogen. Und wie oft bekamen wir statt dessen eine Hand gereicht, über die wir uns nie zuvor Gedanken machten, ob es sie überhaupt gab.
Wenn du Glück hast, passiert das sogar noch am selben Tag, oft aber auch... einfach nur etwas später.
Wenn Ihr mich fragt, ich habe so oft in meinem Leben erlebt, dass nichts umsonst passiert.
Glaube ich an Schicksal? Nein, das tue ich nicht.
Aber ich glaube daran, dass am Ende immer alles seinen Sinn macht. Auch wenn es erst mal weh tut. Seinen Sinn macht es - früher oder später...
Je mehr ich mir das verinnerlichen kann, umso weniger schnell werfen mich die Dinge aus der Bahn.
Natürlich bedeutet das nicht, dass es nicht schmerzt.
Natürlich bedeutet das, dass wir immer noch stolpern und stürzen.
Nur... verloren habe ich erst dann, wenn ich auch nicht mehr aufzustehen vermag.
Wie oft hab ich mir bei einem solchen Sturz die Knie aufgeschlagen.
Meine Knie sind vernarbt, aber nicht bewegungsunfähig.
Und so bin ich bis heute immer wieder aufgestanden - und das wird auch in Zukunft nicht anders sein.
Was mir dabei zuallererst neue Kraft schenkt, das ist die Musik. Sie ist noch niemals auf die Idee gekommen, mir die Hand zu entziehen. Das wäre ja auch noch schöner.
Und wenn Ihr mich noch mal fragt - ich finde diesen Song geil. Sowohl als auch.



Sonntag, 15. November 2009

Keine Macht Den Medien

Heute - an diesem Sonntag - hat die große BLÖD-Zeitung (sorry, ich übernehme diesen Begriff zwar von der Allgemeinheit, aber auch nur, weil ich genau so über diese Zeitschrift denke) zu einer Online-Trauerfeier für Robert Enke aufgerufen. Die BLÖD-Zeitung reiht sich damit ein in ich-weiß-nicht-wieviele-Institutionen, die hier etwas aufgreifen, das für sie - und das unterstelle ich ihnen jetzt einfach - nur das Mittel zum Zweck ist. Stimmung machen, etwas sagen wollen, mitreden wollen.
Dass alle diejenigen, die ihn aus dem TV oder woher auch immer kannten, bestürzt, betroffen waren über seinen Freitod, ist die eine Seite. Dass aber dieser, aus seiner Sicht letzte Ausweg so derart ausgeschlachtet wird, hat das wirklich noch etwas mit aufrichtigem Mitgefühl zu tun? Mit aufrichtigem Interesse an der persönlichen Qual eines Menschen, der nicht mehr weiter wusste und der - aus welchen wahren Gründen auch immer - nicht wagte, sich offen seinem Problem zu stellen?
Ich finde es immer ganz furchtbar und schlimm, wenn ein Mensch beschließt, nicht mehr leben zu wollen.
Es erinnert mich an eine Zeit in meinem Leben, in der ich am Fenster stand, die Stirn an das Glas lehnte und dachte... "Wenn du dich jetzt einfach nur runterfallen lässt, dann ist alles vorbei... bevor es ein anderer tut"
Ich habe es nicht getan, weil ich meine Kinder hatte.
Ich habe es nicht getan, weil ich wusste, dass es eines Tages auch wieder anders sein würde.
Ich habe es nicht getan, weil ich das Leben liebe.
Ich habe es nicht getan, weil ich niemals die Chance bekommen würde, zurückzukehren, die Entscheidung umzukehren. Es wäre vorbei, endgültig - und was auch immer danach käme, so es denn käme, könnte den Schmerz derer, die bleiben, nicht lindern, weil sie es nicht wüssten.

In solchen Momenten wie dem, als Robert Enke entschied, sich vor einen Zug zu werfen, hat er sicherlich an alles mögliche gedacht. An seine Frau, seine Tochter, seine Familie. Aber ob er wohl auch an den Zugführer dachte, an die Menschen, die ihn bergen mussten? Diese Diskussion hatte ich vor einigen Tagen schon und musste mich belehren lassen, dass Zugführer regelmäßig belehrt und darauf vorbereitet werden, dass ihnen so etwas passieren kann - immerhin werfen sich pro Tag 3 Menschen in Deutschland vor einen Zug. Heißt: Wenn ich also Zugführer werden will und so was erlebe, muss ich stark genug sein, das auszuhalten oder aber einen anderen Job wählen...
Kann man sich das wirklich so einfach machen?
Bin ich also selber schuld, dass ich vor 3 Jahren diesen schweren Verkehrsunfall hatte, weil doch jeden Tag ich-weiß-nicht-wieviele-Menschen im Auto sterben und das Auto an sich mit zu den unsichersten Verkehrsmitteln gehört?
Ich weiß nicht recht.
Ebenso unschlüssig bin ich mir, ob Robert Enke wirklich gewollt hätte, dass die Medien sich auf seine private, persönliche Tragik stürzen und ausschlachten.
Wenn Ihr mich fragt - ich finde das alles ziemlich verlogen. Nicht umsonst schließlich hat Robert Enke sich zurückgehalten gefühlt, überhaupt in eine Klinik zu gehen und seine Depression behandeln zu lassen - eben aus der Angst heraus, von den Medien zerrissen zu werden.

Und mal Hand aufs Herz - könnt Ihr noch den Begriff "Vogelgrippe" oder "Schweinegrippe" hören? Schon wenn ich diese blondgelockte RTL-Moderatorin mit ihrer Lispelstimme das Wort aussprechen höre, schwillt mir der Hals in nullkommanix auf beinah das doppelte an. Was gab es nicht für ein Morden unter der geflügelten Bevölkerung - und hat das letztlich wirklich Sinn gemacht? Hat jemals eigentlich jemand über die Tragödie derjenigen Bauern gesprochen, die damit die Existenzgrundlage verloren? Aber Hauptsache, in den Kassen der Pharmaindustrie hats geklingelt und die Leute sind mal wieder so richtig schön verrückt gemacht worden.
Vor ein paar Tagen saß ich mit meinem Jungen in der Notaufnahme der Uni-Klinik und um uns rum Kinder, die herumsprangen oder gelangweilt mit den Beinen wippten (aus erster Hand weiß ich, dass Patienten und/ oder Besucher in den Kliniken klauen wie die Raben; seitdem gibts nur noch Spielzeug, das so groß ist, dass man es nicht unbehelligt forttragen kann - oder eben gar keins) , ihr "Mama, ich hab Durst" oder "ich muss mal" maulten, Mütter und Väter mit angestrengten, besorgten Gesichtern - und als wir nach über einer Stunde, in der das gelbgesichtige Kind sich unter heftigen Bauchkrämpfen und mit der Brechschale in der Hand auf dem Stuhl gequält hatte, aufgerufen wurden - erklärte mir die Schwester: "Das ist echt Wahnsinn. Seit man im Fernsehen nur noch Schweinegrippe hört, ist jedes zweite Kind hier, weil die Eltern denken, vielleicht hat mein Kind ja auch sowas..."
Ist das nicht verrückt?
Ist das nicht verrückt, dass Menschen zuweilen Schlange stehen, um sich eine Spritze setzen zu lassen, von der sie weder wissen, was sie bei ihnen bewirkt und von der auch nicht gesichert ist, ob sie überhaupt wirkt. Versicherungstechnisch weiß man: Man kann sich nicht gegen alles und jedes versichern.
Gesundheitstechnisch sehe ich es ebenso: Man kann sich nicht gegen alles und jedes impfen lassen, auch wenn die Damen und Herren Pharma noch so dringend Geld brauchen.
Wer braucht das nicht?
Wer fragt eigentlich die alleinerziehenden Eltern z. B. bei Aldi oder Lidl oder Putzkräfte, wie sie ihre Kinder durchbringen und sichern können, dass sie eine gute Ausbildung bekommen und es eines Tages besser haben wie sie selbst?
Wer fragt eigentlich Tausende Menschen in Deutschland nach ihren persönlichen Ängsten vor dem Versagen trotz Arbeit und Minijob ? Nach ihren Ängsten vor Erkrankungen, die ihnen kein gesichertes Einkommen mehr ermöglichen?
Man kann zu allem eine Meinung haben, jeder kann seine eigene persönliche Auffassung vertreten.
Man kann sich aber auch sinnlos verrückt machen lassen.
Oder glaubt wirklich einer von Euch, dass das Thema Depressionen nun einen anderen Stellenwert bekommt wie vorher? Wobei ich es auch ziemlich fatal finde, Depressionen allein mit "endloser Leere, Traurigkeit, Antriebslosigkeit" zu beschreiben. Depressionen hat "tausende Gesichter", hatte mir mal meine Ärztin auseinander gesetzt. Und wenn Robert Enke mit seinem Schicksal erreichen würde, dass dieses Thema kein Tabu-Thema mehr würde, dann wäre wirklich etwas erreicht. Aber glaubt Ihr das wirklich?
Vermutlich werden es am Ende die betroffenen Menschen selber sein, die dieses Tabu brechen - denn die Zahl der Depressionserkrankten steigt und steigt...

Ich würde eher sagen: Behaltet Euren eigenen Sinn und Verstand, Eure eigene Auffassung - das Herz auf dem rechten Fleck. Dann haben BLÖD & Co. auch nicht mehr die Macht, die sie jetzt genießen.
Das wäre zumindest aus meiner Sicht wünschenswert.

Samstag, 14. November 2009

"Lights Will Guide You Home"

...ich habs ja letztens schon zitiert... "Es geht immer nur ums Licht"... Wundervoller Song...


Life Is Beautiful

...das ist es wirklich, jeden Tag und mit jedem Schluck aus dem Glas des Lebens... Wenn es nur nicht manchmal so schwierig wäre, durchzuatmen... Aber wenn wir dann jemanden neben uns wissen, der uns das Gefühl zurückschenkt, dass jeden Tag irgendwie die Sonne scheint, dann... wirds auch wieder...




Ich glaube, dass Menschen nicht dafür gemacht sind, allein zu sein und auch nicht allein zu leben. Es eine Zeitlang genießen zu können - das ist unbestritten. Aber auf Dauer... tut uns das nicht gut.

Und auch deswegen liebe ich diese Serie... Weil es neben der einen oder anderen Katastrophe vor allem um eines geht - die Liebe. Mit ihr sind wir alles - aber ohne sie ist alles nichts...

Montag, 9. November 2009

Was Männer Von Frauen Wollen

So oder so ähnlich heißt das neue Buch von Helmut Karasek.
Und er - als Vertreter seiner Gattung - (heißt, er muss es ja wissen) stellt klar:
"Männer wissen nicht, was sie von Frauen wollen."
Diesen Satz kundgetan in einer Runde von Frauen, die begeistert und zustimmend in die Hände klatschten - und ich, die vom Bett aus mit dem Mund voller Apfelsinenscheiben mit heftigem Kopfnicken ebenfalls Zustimmung sendete.
"Es ist doch so", fügt Karasek hinzu, "jeder Mann wünscht sich eine starke Frau, aber wenn sie so eine haben, macht ihnen das Angst."
Also wenn Ihr mich fragt - das ist auch das Ergebnis meiner jahrelangen Fallstudien an lebenden Objekten. Wobei aus meiner Sicht noch etwas hinzugefügt werden muss: Schwach sein darf die Frau aber auch nicht; sie muss ebenso immer weiter wissen, sie muss am besten alles ganz allein bewältigen, sie muss ebenso eine starke Schulter zum Anlehnen besitzen und... und... und...
Denn dieses sheepworld-Klischee "Wie kann man einen Mann glücklich machen? Komm nackt, bring Essen mit!" ist so einfach nämlich auch schon lange nicht mehr. Also zumindest dann nicht, wenn der Mann die Frau geehelicht hat oder wenigstens sowas wie ne langfristige Partnerschaft mit ihr eingegangen ist.
Nun könnte man sich ja auch hinstellen und sagen:
"Dadurch, dass ich dir nicht alles abnehme, fordere ich dich auch und du lernst, Dinge zu tun, die du sonst nicht gemacht hättest und an denen du dann auch nicht gewachsen wärst."
Auch wieder wahr.
Aber weiß man auch, wo die Grenze ist?
Die Grenze zwischen "den anderen fordern" und "den anderen sich selbst überlassen"?
Ich finde nämlich, dass das gar nicht so einfach ist und dass ich mich viel zu oft in meinem Leben allein- bzw. zurückgelassen fühlte. Sicherlich hat mich das stark gemacht... Oder... Mir gezeigt, wie viel Kraft ich wirklich besitze. Aber es hat mich auch - und das muss ich so sagen - irgendwie müde gemacht. Und wenn ich mich immer nur auf mich selbst stützen kann - wozu brauche ich dann einen Mann? Nur für den Sex? Na das kann ich dann vielleicht auch noch alleine ;-)

Summa summarum... Mein Internetprofil habe ich wieder gelöscht.
Irgendwie fehlte mir einfach der Schwung, der Pepp - aber kann auch gut sein, dass ich selbst zu wenig "Macher" war und im Gegenzug zu viel erwartet hab von den Männern, die eh nicht wissen, was sie von uns wollen... :-)
Vielleicht versuche ich es ja später noch mal, schreibe einen kleinen, bescheidenen Wunschzettel (damit Ihr Herren nicht gleich wieder Angst bekommt) und dann klappts vielleicht doch noch mit dem Weihnachtsmann ;-)

Dienstag, 3. November 2009

November Rain

Drei Tage November haben wir jetzt und seit zwei Tagen macht dieser Monat seinem Namen alle Ehre: Den ganzen Tag lang Sprühregen, der einen schon beim Zusehen frieren, das goldene Laub von den Bäumen fallen lässt und die Straßen glitschig glatt macht.
Gehts nun doch langsam, aber sicher auf den Winter zu. Auf nasskalte Tage, Frost, Scheiben kratzen, Schneeberge... Umso gemütlicher wird es daheim, wenn ich die gestrickten Socken der Mama, den herrlich aromatischen Masala-Chai-Tee (diese ausgesprochen leckere Mischung gibt es übrigens derzeit bei Nanu-Nana - ist das jetzt eigentlich Schleichwerbung? was solls, ich bin ja kein Promi) trinke - jeder Schluck ein besonderer Genuss ;-) - da und dort ein paar Kerzen brennen und dann noch die Musik dazu, dann brauche ich wirklich fast nichts mehr. Sowieso auch nicht die Online-Helden der Nation, die sofort bei der Frage "was machst du eigentlich so?" ... "ich schreibe!" ... "aha... wie... was schreibst du denn?" ... "zum Beispiel Kolumnen" - zack - verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Nun könnte man ja beim zweiten oder spätestens dritten Ereignis dieser Art dazu übergeben, schnöde zu antworten: "Ich bin Tippse, ich habe lange blonde Haare, große blaue Puppenaugen, einen Schmollmund wie die japanischen Zeichentrickmädchen, mein Busen ist größer als deine Hand fassen kann und meine Hausschuhe sind ausschließlich von Louboutin und Manolo Blahnik."
Pah!
Als hätte ich so einen Quark nötig!
Also schreibe ich auch beim vierten Mal: "...ich schreibe..."
Was nützt mir ein künstlich aufgeblasenes Traumbild, das zerplatzt wie eine Seifenblase, weil man eines Tages - spätestens jedoch beim ersten Date - feststellen muss, dass man sich gegenseitig so viele Bären aufgebunden hat, dass es zwar keinen Erfolg in der Liebe gibt, dafür aber einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde unter der Rubrik "die Bärenfängerin vom Bodensee". Oder so ähnlich jedenfalls.

Das einzige, was ich im Moment brauche, ist ein bisschen Rückhalt oder Zuspruch (für meine kleine bescheidene Seele) und ansonsten einen Arzt, der mich von Freund Schmerz befreit bzw. mir dabei hilft (so anspruchsvoll bin ich schon, dass ich nicht mal mehr den einzigen treuen Freund behalten will, den ich überhaupt habe ;-)). Und da ich keinen Zuspruch bekomme, habe ich mir wenigstens neue Bettwäsche gekauft, super weich dank Fleecebezug und dann auch noch im Sparangebot. Winter, du kannst kommen! Gestern Abend rollte ich mich zum ersten Mal in diese herrliche Wäsche ein und fühlte mich in der Tat wie umarmt.
Solcherart gesinnt, schritt ich erwartungsvoll zur nächsten Arztsitzung, verweilte einen Augenblick im Vorzimmer des Doktors, bei dem mich einem Wortwechsel zwischen beiden Schwestern mittleren Alters nicht entziehen hätte können, ohne mir demonstrativ die Ohren zuzuhalten.
"Karla... ich brauch eine Überweisung in die Psychiatrie."
"Waaaas? Wieso das denn?"
"Na, ich wollte gestern zu meiner Gynäkologin und statt der Chipkarte holte ich meine EC-Karte hervor. Und das Schlimmste ist, als ich danach zur Bank ging, wollte ich mit der Chipkarte Geld abheben."
"Ach so, na wenns nur das ist", meinte die andere mit wegwerfender Handbewegung, "ich wollte letztens ne Gurke aus'm Kühlschrank holen und was lag da? Mein Knirps! Wo ich die Gurke schließlich gefunden hab, kannst du dir ja denken!"
Während beide herzhaft zu lachen begannen, verkrampften sich in leichter Panik meine Finger um das Tütchen mit den Ampullen, die ich eigens mitgebracht hatte, drückte ich das Beutelchen an mich in der Gewissheit, es nie - niemals aus der Hand zu geben und nach dem Spritzen wieder mitzunehmen... Bei den soeben gehörten Ereignissen im Alltag beider Damen war ich mir nicht mehr sicher, ob sie meinem Doktor die rechte Mischung zureichten, die er mir jedesmal mit Wonne in die Muskulatur jagte. Nicht dass mir eines Tages noch zusätzliche Körperteile wuchsen oder ich einen Ganzkörper-Bart bekäme oder... oder... ein drittes Auge vielleicht. Dann käme ich zwar auch ins Guiness-Buch der Rekorde, aber das Vorhaben mit dem Liebsten fürs Leben hätte sich damit dann endgültig zerschlagen. Mein Waage-Aszendent lässt mich derzeit auch ziemlich schwanken: Will ich - will ich nicht - will ich - will ich lieber doch nicht... Diese typische Unentschlossenheit spürt man vermutlich auch in meinem Online-Profil und wenn jeder halbwegs normale Mann mit halbwegs Schmackes im Kopf das spürt, dann... muss ich mich ja nicht wundern angesichts der spärlichen Besucherzahlen und der noch dürftigeren Schreiberzahlen. Aber vielleicht... sollte ich ja doch einfach nur ein Foto reinstellen. Irgendwie... beweisen sie mir jeden Tag das Klischee, dass sie einfach besser gucken wie lesen können ;-)

So, und jetzt schäle ich mal die Kartoffeln, bevor sie schrumplig und ungenießbar werden. 'S Kind hat Appetit auf Spinat und ich - ich irgendwie auch. Na dann... mal ran an das völlig reale Leben.

Sonntag, 1. November 2009

Kindheitserinnerungen

Es war einmal...
So fingen einst nicht nur die Märchen an, so... fängt im Grunde... die Geschichte eines jeden von uns an.
...und ich - ich wollte schon immer ne Prinzessin sein ;-)

Gerade heut, im Gespräch mit einer Freundin, fielen mir so Begebenheiten wieder ein... bei deren Erinnerung ich immer wieder denke, wie viel man eigentlich über sich selbst noch weiß und wie vieles davon schon ins Vergessen geriet.


Im Grunde eigentlich ein lustig begonnenes Gespräch: "...ich hab früher viel mit Puppen gespielt!"
"...ich auch!"
"Ich hab meine Puppen immer gepierct mit Stecknadeln."
"Ich auch!"
"Echt? Ist ja cool."
"Ich weiß noch, einmal hab ich die Füße der Puppe in die Nähmaschine meiner Mutter gehalten, nur um zu sehen, was passiert. Die Puppe hab ich nicht mehr herausbekommen... und dafür Stress mit der Mutter..."
"Also sowas... habe ich nun nicht gemacht... was das wohl psychologisch zu bedeuten hatte?"
Gelacht haben wir alle beide.

Und schon tauchten sie wieder auf - Bilder aus der Kindheit. Bilder, die ich irgendwie... vergessen hatte. Bilder, von denen ich mich zuweilen auch frage, was sie bis heute in mir hinterlassen haben. Was von diesen Bildern mich geprägt hat, sowohl im Guten als auch im Schlechten.
Woher kommt die tiefe Angst, einen Menschen, den man liebt, zu verlieren?
Woher kommt es also, dass man sich immer wieder weh tun lässt, anstatt die Konsequenzen zu ziehen?
Wie viele Frauen lassen sich verprügeln und bleiben dennoch bei ihrem Mann?
Wie viele Kinder lassen sich von ihren Eltern quälen und hängen dennoch an ihnen?
Wie viele Menschen lassen sich emotional immer wieder von ihrem Partner zerstören - und gehen dennoch nicht?
Was ist es also, das uns formt?
Und wenn diese Formung bereits in der Kindheit geschieht - sind dann meine Kindheitserinnerungen gar nicht so schön wie ich es heute denke? Sind in den Jahren, an die ich mich entweder gar nicht oder nur wenig erinnern kann, Dinge passiert, die ich sorgsam verdrängt habe?
Es gibt Erinnerungen, die wie ein Spotlight aufblitzen und die so weit zurückgehen, dass ich noch weiß, dass meine Oma mich als Kind gewickelt und mit Babypuder eingestiebt hat.
Dass ich in ihrer Zinkwanne auf dem Küchentisch badete und sagte: "Oma, du machst meine Federn ganz nass", weil mir das Wort "Haare" nicht einfiel ;-)
Dass sie mich abends in das Gitterbett legte und ein Handtuch über das Gitter hängte, damit das Licht aus dem Wohnzimmer mich nicht weckte, wenn sie die Tür öffnete.
Und diese Erinnerung an meinen 6. Geburtstag, an dem mein Opa auf dem Sofa lag und wir Kinder alle rausgeschickt wurden. War es dieser Geburtstag, an dem er starb?
Aus der Zeit später, mit 8 Jahren, mit 10, Jahren, mit 12 Jahren, gibt es nur wenige Erinnerungen...

"Würden Sie mir die Hypnose empfehlen?" hatte ich diese Woche meine behandelnde Ärztin gefragt.
"Ich weiß es nicht", hatte sie ratlos entgegnet, "ich kenne mich auch nicht so gut damit aus. Doch... Ich hätte die Bedenken, dass Sie vielleicht etwas über sich erfahren, das Sie zu Ihrem Schutz verdrängten. Und womit Sie heute vielleicht nicht umgehen könnten, wenn Sie es wüssten."
Genau diese Bauchschmerzen habe ich nämlich auch, wenn ich daran denke. Aber was, wenn dieses Wissen mich vielleicht von diesem Schmerz erlöste, für den sich bis heute keine Erklärung finden lässt?

Doch insgesamt... empfinde ich meine Kindheit als unbeschwert. Bis auf die ewige Angst im Dunkeln, die ich schon früh entwickelt habe und die mich noch heute quält ;-)
Ich abends allein in den Keller gehen - ein no go :-)
Ich abends allein durch die City - nur im Renngang wie ein Schisshase ;-)
Noch als Erwachsene habe ich unters Bett geguckt, bevor ich das Licht löschte und mich hineinlegte ;-)
Und noch heute hab ich Angst, mich im Dunkeln durch meine eigene Wohnung zu bewegen.
Aber vielleicht... habe ich ja auch nur zuviele falsche Filme geguckt, in denen selbst das Unmöglichste möglich war :-)
Ich meine, ich selber glaube ja auch an viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die so... abgefuckt klingen - sorry -, dass sie schon wieder wahr sein könnten.

Doch vielleicht... sollte ich mich jetzt ganz irdischen Dingen - zum Beispiel dem Zubereiten des Abendessens - zuwenden. Denn wenn die Kinder hungrig werden, passieren auch zuweilen Dinge, die ich manchmal einfach nicht glauben kann ;-)

Freitag, 30. Oktober 2009

...Am Ende Ist Es Immer Nur Das Licht

Diese Betreffzeile ist ein Zitat aus einem wunderbaren Liebesfilm, und natürlich hat er mit diesem Song hier überhaupt nichts zu tun.
Es passt nur... thematisch... finde ich...





...auch wenn mein eigenes Licht heut... ziemlich klein brennt. Egal. Es brennt - und das ist die Hauptsache.


Donnerstag, 29. Oktober 2009

...You Can Always Count On Me...

...Manchmal ist es nur eine einzige Zeile in einem Song, die mich berührt, die mich erinnert an Zurückliegendes. An schlimme, an traurige und auch an fröhliche Momente.

Als ich heute diesen Song hier hörte...




hat es... mich irgendwie nachdenklich gemacht.
Es ist nicht die Intention dieses Songs, dieses Abschiednehmen müssen auf jene unwiderrufliche Weise, die mich gedankenvoll stimmt. Es ist eben... eher diese eine Zeile "...you can always count on me...", die mich so berührt.
Ich weiß nicht, wie Euch das geht, aber... ich hab mich immer total über die Dinge gefreut, die mir ein anderer Mensch von sich gab und in dieser Geste die Freude des anderen über das Geben zu lesen, zu entdecken war.
Aber noch schöner finde ich es, etwas von mir zu geben, das den anderen überrascht.

Manchmal denke ich lange darüber nach, wie ich jemandem eine Freude machen kann, manchmal kommen die Ideen ganz spontan. Manchmal dauert auch die Umsetzung ein Stück länger und manchmal wird die Freude daran verdorben, bevor es überhaupt vollendet ist - und dann lasse ich es sein.
Schon vor einigen Jahren als auch jetzt wieder im Netz lese ich beinah überall "...mein Traummann/ meine Traumfrau soll mich so nehmen wie ich bin..." Klingt gut, ja ja... Aber die Realität ist zumeist eine andere...
Jeder Mensch bringt seine Ideen, seine Wünsche, seine Vorstellungen mit - und auch seine Erwartungen.
Das Kreuz mit den Erwartungen...
Auch für mich selbst war genau das eine verdammt harte Nuss - und sie zu knacken hat mich extrem viel Kraft gekostet. Vor allem, wenn man in einen solchen Prozess hineingerät und kaum etwas hat, an das man sich halten oder auch... festklammern kann.
Ich kann mich noch bis ins Detail an jenen Tag erinnern, als ich meine erste eigene Wohnung bezog, meinen ersten eigenen Mietvertrag unterschrieb - und da war ich bereits einiges über dreißig Jahre alt... und erschrak dennoch vor der eigenen Courage. Bereut habe ich diesen Schritt niemals, nicht einen Atemzug lang - und ich habe es geliebt, allein zu leben, mein Nest zu bauen, mich allein darin wohlzufühlen. Ich habe es geliebt, weil ich endlich atmen konnte. Frei - so gut es die damaligen Umstände zuließen.
Das war vor gut sieben Jahren.
Auf meiner Reise von damals bis heute ist es mir immer wieder passiert, dass der wirkliche Halt von den Menschen kam, die es nicht versprachen und von denen ich zuweilen nicht einmal ahnte, dass sie da sein würden.
Ich habe Freundinnen "wiederentdeckt", deren Freundschaft ich verloren glaubte.
Und... Zwischen Frauen und Männern kann doch eine tiefe Freundschaft entstehen, die so ganz ohne Sex auskommt - und sie ist wunderschön!
Vor gut fünf Jahren überfiel mich Freund Schmerz, von einem Februartag auf den anderen - und wie lange hat er mich gequält, ehe ich darüber sprechen und vor allem... um Hilfe bitten konnte... Ja, ich gebe zu, ich tue mich ziemlich schwer damit, jemanden um Hilfe zu bitten. Es gab lange Zeiten, in denen niemand da war - niemand für die Antworten auf meine Fragen; niemand für einen Dialog; niemand mit einer Schulter zum Ausweinen; niemand mit beiden Armen zum Anlehnen - und auch in diesen Zeiten musste es ja weitergehen. Ich glaube, daran habe ich mich irgendwann ein Stück weit gewöhnt. So wie ich mich auch ein Stück weit daran gewöhnt habe, weniger über die Dinge zu sprechen, die ich empfinde, die mich bewegen. Glich ich früher einem offenen Buch, dem jeder Zeile ein neuer Impuls entsprang, so fühle ich mich bis heute eher... geschlossen... verschlossen... und nur vorsichtig lasse ich mich öffnen und in mich hineinschauen und nachlesen... Manch einer übrigens mag den Blog nicht lesen, weil er zu allgemein geschrieben ist ;-)

Meinen körperlichen Schmerz kann ich mit doch recht viel Fassung (er)tragen, doch mentaler Schmerz kann mich schnell zerbrechen. Dann ertrage ich den körperlichen Schmerz auch nicht mehr, aber ich glaube, das ist wohl völlig natürlich. Ist es dann ebenso natürlich, dass ich manchmal überhaupt nichts tun möchte, dass ich mich manchmal einfach nur fallenlassen möchte - ohne dabei auf den Arsch zu fallen?
Was für die meisten von Euch eine Selbstverständlichkeit ist - morgens aufstehen, in die Arbeit gehen, abends heimkehren, den Alltag bewältigen und abends die Seele baumeln lassen - das kostet mich inzwischen extrem viel Kraft. Jeden einzelnen Tag. So wie es mich irrsinnig Kraft kostet, mich jeden Tag selbst immer wieder auf die Beine zu stellen und nicht den Mut zu verlieren, selbst meinen Lieben Mut zuzusprechen, obwohl mir im Grunde zuweilen ihr Zuspruch fehlt... Was es bedeutet, jeden einzelnen Tag mit dem Schmerz im Körper zu leben, das... kann eben wirklich nur verstehen, der es selber durchmacht(e). Irgendwie verstehe ich Euch Gesunde sogar.

Trotzdem...
Im Grunde ist es doch traurig, dass man nur dann liebenswert ist, wenn man auch genug geleistet, gegeben hat.
Wenn ich so zurückschau, dann kann ich sagen, dass ich den einen oder anderen Menschen liebte einfach nur für den Respekt, den er mir entgegenbrachte. Für mich geht kaum etwas über die aufrichtige Beziehung zu einem anderen Menschen, die davon lebt, dass man auch im Alltag liebevoll miteinander umgeht.
Und über alles das, was ich dafür von mir gegeben habe, hab ich niemals nachgedacht. Ich wollte es doch so und es hat mir immer Freude bereitet! Vorgerechnet zu bekommen, was einer für den anderen tut, damit kann ich nur schwer umgehen. Wenn man etwas tun möchte, dann aus eigenem Bedürfnis heraus. Oder nicht?
Jedenfalls... bis heute habe ich es gelernt, um Hilfe zu bitten. Zu erkennen, dass ich nicht alles allein schaffen, nicht alles allein bewältigen muss. Ich muss nur noch lernen, genauer hinzuhören, wer auch wirklich meint, was er sagt.
So, und jetzt ist es 1:17 Uhr, ich beende meinen Blog, die Arme werden wieder schwer, die Spritzen wirken anders wie sie sollten und die Nacht wird hoffentlich nicht so alptraumbelastet wie zuletzt. Das Kind hat sich nämlich schon gewundert, dass die Mama heute morgen auf seinem Kinderzimmersofa schlief. Doch das Lauschen auf seinen gleichmäßigen ruhigen Atem ließ mich wenigstens alle Angst zurückdrängen und noch ein wenig Schlaf finden bis zum Morgengrauen - nur mich mit in sein Bett zu legen, also DAS wäre mir nun doch zu albern geworden;-)
"Du bist halt ein Familienmensch, du kannst auf Dauer eben doch nicht alleine leben - sei doch froh!" war die Auskunft meines selbsternannten Therapeuten. Na wenn das so ist... dann ists ja gut ;-)

Good Night.









Mittwoch, 28. Oktober 2009

Schlag Auf Schlag

Irgendwie ist es komisch: Kaum ist die Bundestagswahl vorbei und die von Ärzten & Co. favorisierte Partei wieder am Zug, kehrt auch frischer Wind in die Krankenakte zurück.
Hatte sie sich in den letzten Monaten kaum bewegt und hat nunmehr auch ein neues Quartal begonnen, so bekam ich die ersten Auswirkungen beinah sofort zu spüren: Sämtliche Untersuchungen werden noch im November wiederholt bzw. neu angestellt - noch immer im Kampf gegen Freund Schmerz (die Spurensuche... glaube ich... hat man inzwischen aufgegeben). MRT, EEG, MEP - du lieber Gott, mir schwirrte richtig der Kopf und leichte Übelkeit stieg in mir hoch, als mich meine Frau Ärztin gestern fragte: "Und wie geht es Ihnen? Gut aussehen tun Sie jedenfalls!" Na wer hört das schon nicht gern ;-)
"Mir gehts gut", reagierte ich demnach höchst erfreut, "nur der Schmerz, ich glaub, ich krieg nen neuen Schub, also ehrlich... ich geh heut schon ziemlich am Stock."
"Tja", sie hob ihre schmalen Schultern, klatschte mit den Händen auf die adipösen Schenkel ;-) und verzog das hübsch geschminkte Gesicht, "ehrlich gesagt, ich weiß überhaupt nicht, was ich noch tun soll."
"Das macht doch nichts", entgegnete ich gut gelaunt, "ich weiß es nämlich auch nicht."
Außer dass ein Termin für eben jene Untersuchungen fixiert und ein neuerlicher Schein zur "stufenweisen Wiedereingliederung" ausgefüllt wurde (wahrscheinlich bin ich die einzige Patientin, die seit einem dreiviertel Jahr stufenweise wiedereingliedert, ohne dass Besserung in Sicht ist - meine Krankenkasse tut mir schon beinah richtig leid ;-)), passierte erst mal nix und entsprechend gewappnet und gefasst schritt ich heute zum Hausarzt zur Auswertung des Herzechos (aber das Ergebnis kannte ich ja schon) und mit der Maßgabe, noch einen spezifischen Blutwert zu testen.
Denkste Puppe.
So zimperlich und zögerlich Frau Neurologin zuweilen schien, so beherzt erscheint der Hausarzt.
Betrat ich noch nichtsahnend und lediglich auf Papierkrieg eingestellt die Praxis, wurde ich innerhalb von Sekunden eines Besseren belehrt.
Ich glaube, ich war noch niemals in meinem Patientenleben so schnell oberkörperfrei gemacht, gespritzt und wieder angezogen wie heute.
Trigger-Punkte gefühlt, gedrückt, Schmerzreaktion betrachtet und zack, zack saßen beide Spritzen.
"Wann müssen Sie zur Kur? Okay, bis dahin kommen Sie zweimal pro Woche zum Spritzen, Rezept gebe ich Ihnen gleich mit." Währenddessen klärte er mich über meine völlig verkrampfte Muskulatur auf, die insbesondere an den Ansätzen, eben den Gelenken, sehr schmerzhaft in Erscheinung tritt - ein Ergebnis jahrelanger und extremer Anspannung.
Nur - Sorgen und Probleme haben wir doch alle und warum schmerzt mir dann seit 5 Jahren nur die linke Seite und nicht die rechte?
Ich war jedoch so verdattert, dass mir diese Frage erst in den Sinn kam, als ich die Praxis längst wieder verlassen hatte.
"Kommen Sie unter der Woche morgens zwischen 8 und 9 Uhr, da nehmen wir noch Blut ab", verabschiedete er sich.
Vielleicht hätte ich hierher viel eher und öfter kommen sollen, ging es mir durch den Kopf, als ich nach nicht einmal zehn Minuten die Praxis wieder verließ, kaum dass ich sie betreten hatte.
Aber hätte, wenn und wäre ist ja nicht und so liege ich nun hier, warte noch auf die Wirkung der Spritzen und freue mich über die ersten Zuschriften erster Interessenten im web, die nicht einmal nach einem Foto von mir fragen und trotzdem erste Selbsteinschätzungen von sich preisgeben. Na ja - das ist doch was, oder?
"ein taffes Profil" oder "ich mag Frauen mit Selbstbewusstsein" - wenn frau eine solche Reaktion bekommt auf z. B. ihre Antwort zur Frage "Wie stellst du dir deinen Traummann vor" und sie entgegnet "reich, gesund und potent" - dann ist der Gegenüber zumindest einer, der mitnichten Humor versteht. Oder nicht?
Oh, ich glaube, die Spritzen wirken, meine Arme werden so schwer und auch schmerzmäßig scheint eine Wirkung einzutreten. Na die wollen wir doch nicht kaputtmachen, indem wir hier pausenlos herumklimpern, oder? Also machts mal gut für heute und lassts Euch gut gehen.
Ihr wisst ja: Jeden Schluck genießen aus dem Glas des Lebens! Prost!

Eure Helma

Sonntag, 25. Oktober 2009

Was Kommt Eigentlich Nach Einem HappyEnd?



Diese Frage stelle ich mir immer, also wirklich immer, wenn ich einen wunderschönen, romantischen Film gesehen habe, mit den Helden der Story mitgesehnt, mitgeschluchzt, mit"geschmerzt" habe, nur um dann dankbar und voller inniger Freude das HappyEnd anzuschauen und sich für das Paar zu freuen, das vielleicht nur fiktiv ist... Doch... ist die Welt nicht voller Paare, die sich finden wollen und manchmal nicht recht können?
Also ich hab bestimmt noch eine ganze Menge zu lernen, aber in einem... bin ich, glaube ich, ganz gut geworden: im Warten.
Das Warten auf den richtigen Moment.
Das Warten auf den richtigen Menschen.
Woher weiß man eigentlich überhaupt, dass es DER Richtige ist? Ich meine, wir begegnen so vielen Menschen - und nur ein einzelner davon soll der wahrhaft richtige sein? Woher nehmen wir denn die Gewissheit?
Versteht mich jetzt bloß nicht falsch - ich will weiß Gott nicht "herumprobieren", überall mal kosten und sich dann doch nicht entscheiden können... Obwohl... Wäre ja typisch für nen Waage-Aszendenten wie mich ;-)
Die überlegen zuweilen so lange, bis andere für sie entschieden haben - und dann müssen sie diese Entscheidung tragen wie ein Mann, ob sie wollen oder nicht, ob es ihnen passt oder nicht ;-) Fragt mich - ich kenn mich damit aus. Leider.
Die vergangenen Jahre haben es mir doch immer wieder gezeigt: Du schaust in das Gesicht eines anderen Menschen und zuweilen hast du das Gefühl, du könntest darin versinken. Versinken in dem, was du meinst zu sehen. Das gelingt nämlich nicht immer, manches Mal auch prallst du förmlich zurück von dem, was du in den Augen, im Gesicht eines anderen Menschen entdeckst.
Doch das, was dich anzieht und was dich fasziniert - auf den ersten Blick (die Wissenschaft gibt dir dafür übrigens die entscheidenden vier Sekunden) - bewahrheitet sich nicht immer... Ab und an stellst du auch fest, dass du in den anderen Augen etwas finden WOLLTEST, weil irgendetwas an diesem Menschen dich wiederum an einen anderen Menschen erinnerte, von dem du bloß nach außen losgelassen hattest. Oder loslassen musstest.
Obwohl... Man sagt ja immer... Wenn etwas gehen will, lass es gehen... Kommt es zurück, ist es auf immer Dein; kommt es nicht zurück, war es niemals Dein...
Gibt es ihn also wirklich, diesen berühmten Kugelmenschen, die nach der Kunde von Plato von Gottes zorniger Hand gespalten wurden und die seither auf der Suche nacheinander sind? Gibt es also nur diese eine Hälfte, nach der wir suchen?
Und was kommt nach diesem HappyEnd?
Der Alltag, der uns zerfrisst? Seine Socken auf dem Fußboden, die uns nerven? Unsere Haare in der Bürste, die ihn nerven? Oder ist die wahre Liebe über solch profane Dinge erhaben? Geben wir den Socken einen wütenden Schubs, verstecken wir die Haarbürste in der Schublade und entkorken eine Flasche Weißweinschorle mit einem Prost auf bessere Tage?
Ich hab eine viel bessere Idee: Ich drehe einfach die Mucke auf (z. B. so eine wie die heute gezeigte ;-)), erinnere mich an all das, was ich an dem einen Menschen liebe und während ich durch die Wohnung tanze (wusstet Ihr eigentlich, dass es neuerdings Hausschuhe gibt, mit denen man gleichzeitig den guten alten Parkettfußboden staubwischen kann, wenn man drüber tanzt oder läuft? :-)), sammle ich das eine oder andere Corpus Delicti ein, lasse es galant in den Wäschekorb fallen, singe mit, während ich die Haarbürste säubere und wenn der Liebste heimkehrt, ist die Wohnung ordentlich und die Stimmung immer noch gut.
Ach ja... Wenn nur die Realität auch immer so funktionieren würde ;-)
Und... Solange meine vier Wände auch mir allein gehören, kann ich ja liegenlassen, was ich und wo ich will :-)

Das einzige jedenfalls, was ich Euch mit tausendprozentiger Sicherheit sagen kann... Ab 3. Dezember kommt Zweiohrküken in die Kinos, der Nachfolger von einem meiner Lieblingsfilme, nämlich Keinohrhasen - und DEN Film schau ich mir an, wirklich tausendprozentig!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Ahnenforschung - Der Knall Des Frosches

Heute, an einem weiteren überaus sonnigen Inseltag, stieß ich auf ein weiteres "Geheimnis" meiner Herkunft. Glaubte ich bislang, zu 25 % Französin und zu mindestens weiteren 25 % irgendwie... polnisch angehaucht zu sein, so wurde ich heute Morgen am Frühstückstisch eines Besseren belehrt: Nicht polnisch, nein, während die eine Seite meiner Medaille tatsächlich französisch ist, so ist die zweite Seite holländisch - entstammt einem alten Landadel. Ja ja, glaubt es nur - ich wollte es auch erst nicht glauben, aber so im Nachhinein erklärt es ja so einiges. Zum Beispiel, dass ich gerne Käse esse... :-) Es erklärt aber auch meine überaus entspannte Lebensweise, eine Mentalität, die mir beinah mit jedem "wahren" Holländer entgegentrat, der meinen Weg kreuzte. Also ich weiß nicht, wie Ihr das empfindet, für mich aber ist so ein bisschen Ahnenforschung hochinteressant. Ich finde es nicht nur spannend, sondern irgendwie auch wichtig zu wissen, woher man eigentlich kam...
Wie unser Weg weiterführt, wissen wir ja noch nicht - aber das Thema hatten wir ja schon.
Vielmehr durchstreiften wir heute in der herrlichen Frühnachmittagssonne meine geliebte Insel, erinnerten uns an Kinderbücher und daraus an eine Geschichte, in der das Schulkind einen Aufsatz ohne zusammengesetzte Wörter zu schreiben hatte.
"Au ja", schrie mein bis dahin maulendes ("gehen wir jetzt zum Auto zurück?"), weil fußfaules Kind begeistert, "lasst uns das auch mal so machen!"
Und so kam es, dass wir uns in die Stätte des Gastes begaben, die Bohne des Kaffees tranken und dazu leckere Sahne der Torte der Mandarine naschten.
Dabei entwickelten wir einen solchen Spaß, dass wir die Blicke der anderen Gäste auf uns zogen und wir an den Ober des Hauptes der Familie dachten, das auf dem Sofa des Schlafes lag, beim Läuten der Klingel vermutlich auf den Boden der Hose fallen und dabei vielleicht einen Furz des Schreckens lassen würde.
Natürlich artete das Ganze über kurz oder lang aus, wir bedachten uns gegenseitig mit Worten der Liebe: "Du Frosch des Knalles!" oder "Du Pilz der Fliege!" und so weiter und so weiter... :-)
"Ich! Kann! Nicht! Mehr!" schrie ich irgendwann vor Lachen, "mir schmerzt der Bauch des Lachens!" und erneut kreischten wir, dass es eine Freude war :-)
Ich weiß gar nicht mehr, wann wir das letzte Mal so herrlich und herzhaft gelacht hatten, dass nicht nur der Bauch schmerzte, sondern auch die Tränen in die Augen traten.
Versucht es selber mal, es ist sicherlich der größte Blödsinn, aber es befreit so herrlich! :-) Und hat so ganz nebenbei den Effekt, dass die Muskeln des Bauches trainiert werden. Wo ich doch dem Fett der Decke des Bauches den Kampf angesagt hatte und nunmehr morgens und abends je zehn Meter der Kilos auf dem Rad des Fahrens strampelte.
Aus mir wird wohl doch noch eines Tages ein Guru der Ness des Fittes werden, der mit der Krone des Adels des Landes die Tasse des Kaffees der Bohne erhebt und mit dem Genuss des Franzosen den Durst der Kehle stillt :-)

In diesem Sinne - das Rad des Fahrens ist soeben frei geworden und Helma darf arbeiten am Speck der Hüften :-)

Dienstag, 20. Oktober 2009

Slumdog Millionaire






...ein Song zum Niederknien schön... *seufz*

...nach vielen Wochen und Monaten bin ich auf meine Heimatinsel zurückgekehrt, habe heute den wunderbaren Sonnenschein am Meer und den Spaziergang auf der Promenade (der Milchkaffee dazu war natürlich ein must-have :-)) genossen und in Erinnerung an den jüngst gesehenen Film bei eben jener Tasse Kaffee daran gedacht, wie gut es mir geht, wie gut ich es habe, dass ich hier lebe, dass ich meine Familie habe, meinen Sohn neben mir, mit dem leider kein ordentliches Foto zustande zu bringen war (so ist das eben, wenn man einen Kasper frühstückt). Manchmal ist es schon erstaunlich, dass man nur einige Kilometer fahren muss, um sich selbst im eigenen Land wie in einer anderen Welt fühlen zu können.
Heißt: Die letzten Tage meines Urlaubes sind angebrochen, und so genieße ich jeden einzelnen Tag besonders bewusst und intensiv, freue mich über den ersten Besucher meines ich-werde-dich-schon-finden-Profiles, der mir auch ohne Foto eine nette Zeile schrieb (doch muss ich gestehen, dass meine Eitelkeit siegte; ein erneutes Profilfoto ist bereits in Bearbeitung bei den zuständigen Behörden ;-)) und habe mir außerdem vorgenommen, nunmehr jeden Tag ein bisschen laufen zu gehen. Und vielleicht eines Tages immer ein Stück mehr laufen zu können... Noch vor einem Jahr ging schließlich überhaupt nichts in dieser Richtung und nun habe ich festgestellt... Es geht doch... Es geht irgendwie... alles. Wenn man nur will...
Und glaubt mir- ich will. Aber sowas von ;-)

Sonntag, 18. Oktober 2009

Manchmal, Wenn Man Gar Nicht Weiß...

...wohin man gehen soll, ist es am besten, man bleibt, wo man ist.
Diesen Spruch habe ich irgendwo mal gelesen und auch auf einer dieser Papiertüten aufgedruckt gesehen, die man zuweilen beim Erwerb von Büchern mit auf den Weg bekommt.
Heute Mittag wusste ich jedoch genau, wohin ich wollte - heim. Heim in mein kleines Reich, ich freute mich darauf, neu erworbene Duftquellen in meinen eigenen vier Wänden aufzustellen, noch ein wenig mehr Ordnung zu schaffen, die Musik durch die kleine Wohnung perlen zu lassen, nebenbei Badewasser einzulassen, meinen Lieblings-Kaffee zu kochen, genüßlich etwaige E-Mails oder den Besuch virtueller Gäste zu checken...
Doch so wunderbar zuweilen Vorstellungen sein können - die Realität erwischt uns manches Mal eiskalt. Oder... siedendheiß. Wie in meinem Fall heut. Kaum sechzig Kilometer auf der Autobahn vorangekommen, erhitzte sich der kleine Grüne in null-komma-nix bis ins Nirvana, so dass ich das erste Mal in meinem Leben in die Verlegenheit kam, mit dem kleinen orangefarbenen Leuchtmäntelchen hinter der Leitplanke zu posieren, auf und nieder zu gehen und auf erhoffte Rettung in Gelb zu warten.
Der erste, der erschien, fragte nichts, schaute nichts, knibbelte nur kurzerhand das Abschleppseil an seinen Transporter und hätte mich mal eben für schlappe zweihundert Euro ins nächste Dorf geschleppt und mich an irgendeiner Pension abgeladen.
Abschleppen.
Abladen.
Aber doch nicht Helma. Hallo? Das passt doch nun wirklich nicht zu mir, also ehrlich mal.
Ich wehrte mich mit Händen und Füßen und gegen seine unter Augenverdrehen und mit ausreichend Herablassung in der Stimme vorgetragenen Argumente, dass es doch Sonntag sei, keine Werkstatt geöffnet habe und man mir frühestens morgen früh hilfreich unter die Arme greifen könne, stellte ich mich stur und taub, rief zwischendurch über den privaten Äther Hilfe heran, so dass der erste gelbe Geier wutschnaubend davonbrauste: "...die Rechnung kommt dann aber noch! Ausgerückt ist ausgerückt!"
Der zweite gelbe Engel nach knapp zwei Stunden machte seinem namen alle Ehre: Nicht bestellt, trotzdem gekommen, Problem angehört, Problem erkannt: "Junge Frau, Sie sind ja fast erfroren, ich bring Sie rüber zur Tankstelle, da gibt es heißen Kaffee für Sie!", dann die Motorhaube geöffnet, ein Griff - Fehler gefunden und nach dreißig Minuten war der kleine Grüne wieder einsatzbereit. Doch inzwischen hatte sich die Dämmerung gesenkt, ich war sowas von durchgefroren, bis zurück in die Heimat würde ich es vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr schaffen - und ob ich es nunmehr überhaupt so weit schaffen würde, dessen war ich mir auch nicht mehr sicher - also... trat ich die Rückreise an und verweile nun einen Abend länger dort, wo ich schon seit einigen Tagen verweile: fernab der Heimat... und irgendwie... trotzdem daheim...

Übrigens träumte ich letzte Nacht von einem weißen klapprig-kranken Pferd, das mich permanent verfolgte, so dass es mich beinah ängstigte, und während dieses Traumes hörte ich immer wieder einen Song, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt "Kiss Me" :-)
Heute nachgelesen, erfuhr ich, dass es Glück und Erhebung bedeutet, wenn man von einem weißen Pferd träumt. Doch was es bedeutet, wenn es alt und klapprig ist und es mir auf einem Pferdeschlachthof permanent hinterherrennt, DAS erfuhr ich leider nicht aus diesem Buch.
Wollte mich also ein kleines, bescheidenes Glück küssen, dem ich nicht über den Weg traute und dem ich beharrlich zu entfliehen versuchte?
Alles in allem... Der Tag heut ist komplett anders verlaufen wie gedacht, schon vom ersten Augenaufschlag an. Aber wenn man es genau besieht... habe ich irgendwie richtig Glück gehabt. Ein heißer, aber nicht geplatzter Motor, eine lecker Tasse Kaffee auswärts, einen sehr netten Menschen kennen gelernt... und zurückgekehrt zwar nicht nach Hause, aber dennoch einen Wohlfühlort.
Na dann... erhebe ich jetzt das letzte Glas Weißwein für heute und stoße mal wieder auf das Leben an. Manchmal... kann man doch einfach nicht genug bekommen, oder?


Samstag, 17. Oktober 2009

Es Ist 17.38 Uhr...

...am vorletzten Tag meiner vorletzten Woche Urlaub :-)
Und während sich die Dämmerung senkt, im Player ein wenig Bollywood-Musik liegt (och doch, manches Mal höre ich auch das ganz gern - da lässt sich so gut ein gewisser Hüftschwung üben ;-)) Aus der Küche schnuppert schon der auf indische Weise zubereitete Tee, die ersten Kerzen sind entzündet - und hier im kleinen Zimmer entfaltet sich gerade die erneute Lebensfreude. Die Lust am Tanzen, sich Bewegen, die Lust auf das Leben und all die Pläne, die ich darin noch verwirklichen will.
Und ebenso kommt mir in den Sinn: Vermutlich ist es völlig idiotisch, sich auf einer virtuellen Plattform nach was auch immer umzusehen - wo bleibt denn da der Puls des Lebens, die Inspiration? Mein noch nicht freigegebenes Foto habe ich erst einmal wieder gelöscht und überlege gerade, ob ich statt meines Konterfeis eher das Abbild einer magischen Kugel reinstellen soll. Vermutlich wird mich dann gleich jedermann für ne Eso-Zicke halten. Vielleicht bin ich das ja. Vielleicht bin ich aber auch jemand ganz anderes.
Ich meine, es ist doch so: Im Netz kann ich sein, wer ich will. Der Vamp, die Schlampe, die Hausfrau mit zehn Kindern oder das Mauerblümchen, das zu gern wachgeküsst werden wollte.
Frei nach dem Motto: Sag mir, wer ich für dich sein soll und ich bin es für dich ;-)
Am Alter habe ich jedenfalls nicht geschwindelt (was machen schon drei Jahre mehr oder weniger), die Angabe des Körpergewichtes habe ich galant ausgelassen und mich bei der Beantwortung des Fragebogens auf die aller-allerwichtigsten Daten beschränkt:
Mein Traummann soll groß, humorvoll, unvorstellbar reich sein, trotzdem genügend Zeit für mich haben, aufmerksam sein, mir jede Woche Blumen schicken, mich jede Nacht in den Schlaf singen (oder besser gute-Nacht-Geschichten erzählen? schont vielleicht das Zwerchfell ;-)), an jeden unserer Jahrestage denken (ganz von allein, versteht sich), mich beschützen, wenn ich mich ängstige, für mich da sein, wenn es mir schlecht geht, Verständnis haben, wenn ich aus Gründen weine, die ich selber nicht verstehe, nachsichtig lächeln, wenn ich mal eben hysterische Anwandlungen bekomme, sowieso Augen nur für mich haben... und überhaupt...
Wer von Euch Männern, die hier lesen sollten, hat mitten in der Aufzählung aufgehört zu lesen und statt dessen nur die Augen verdreht? :-)
Nein nein, die Traummann-Liste geht auch ganz schnell und ganz einfach aufzuschreiben:
reich, gesund und verständnisvoll.
OK?
Aber vielleicht... sollte ich statt der diversen Netzbesuche einfach mal wieder in das reale Leben eintauchen. Ich könnte ja... zum Beispiel mal wieder ohne Kinder, aber in Kriegsbemalung in den Supermarkt gehen :-)
Am besten, ich trinke erst einmal eine Tasse des fertigen, leckeren Tees und überlege mir dann jeden weiteren Schritt. Na dann Prost! :-)


Freitag, 16. Oktober 2009

George Michael

Also wenn ich ehrlich sein soll, zähle ich zu jener Gattung "Fans", die man sich erst erobern muss. So war das auch mit dem guten alten George. Vor Jahren zum ersten Mal gehört, vermochte ich mit seiner Musik nicht wirklich viel anzufangen. Mir fehlte der Pep, mir fehlte der Swing, der Move - irgendwie alles. Die Musik plätscherte seicht dahin und glattweg an meinem Ohr vorbei.
Heute ist es völlig anders.
Heute bin ich um Jahre gereift ;-) und was an meinem Ohr vorbeigeht, bleibt heut auch gern mal hängen. Oder ist es der stete Tropfen, der den Stein höhlt?
Wie auch immer - heute liebe ich seine Musik. Ich liebe es, morgens zu erwachen, die sanften Klänge durch die kleine Wohnung perlen zu lassen, im Bett zu liegen, Zeitung zu lesen oder aber auch... seit gestern auf die Ergebnisse meiner virtuellen Kontaktanzeige zu schauen, nebenbei einen ersten guten-Morgen-Kaffee zu genießen...
Hatte ich nicht dem ersten Besucher meines gesichtslosen Profiles einen Preis versprochen?
Pah, dieses Versprechen ist hiermit gebrochen.
Oder wollt Ihr vielleicht jemanden beschenken, der sich auf Euer Profil verirrt und nur die Zeilen "Melde dich mal, wenn du ein Bild hier drinnen hast" dalässt?
Was - bitte schön - ist mit meinem Kunstwerk von Fragebogen?
Was - bitte schön - ist mit dem Esprit in meinen Worten und dem Augenzwinkern zwischen den Zeilen?
Oder stimmt in der Tat das Klischee, dass Männer besser sehen wie lesen können?
Von meiner gestrigen Spontanaktion beinah ein wenig erschrocken, liege ich nun hier, schaue mich um und frage mich:
Will ich allen Ernstes mein schönes gemütliches Leben aufgeben?
Immerhin kann man sich an das allein leben gewöhnen, und ich muss sagen: Es hat schon so seine Vorteile. Du kannst kommen und gehen, wann Du willst, Du frühstückst im Bett oder auch nicht, Du wischt Staub oder lässt einfach nur die Jalousie herunter, Du kannst shoppen bis zum Exzess und nebenbei einen Milchkaffee trinken, Du kannst dich durch die Fernsehprogramme zappen, wie Du willst; auch wenn Du zehnmal bei Rosamunde Pilcher hängenbleibst, riskierst Du kein Augenverdrehen oder Stöhnen oder gar Protestgeschrei.
Andererseits... An den Wochenenden bist Du in der Regel allein.
An Weihnachten bist Du allein.
Wenn es Dir nicht gut geht, bist Du auch meist allein.
Wenn Du Dich freust und übersprudelst vor Glück - kannst Du es auch oft nicht teilen, weil da einfach... niemand ist.
Wenn Du ein neues Kleid kaufst, sagt keiner "Hey Süße, das gefällt mir."
Wenn sich Dein Bedürfnis nach Zärtlichkeit ins Unermessliche steigert... hast Du halt Pech.
Pro und Contra.
Nun, wenn ich ehrlich sein soll: Meine Pro-Liste ist länger, während ich über das Contra großzügig hinwegschau.
Seien wir doch ehrlich, ganz gleich, ob Mann oder Frau: Im Grunde unseres Herzens wollen wir alle nur geliebt und begehrt werden - und das nicht nur für gelegentliche fünf oder maximal zehn Minuten.
Im Grunde unseres Herzens wünschen wir uns alle jemanden, der jede unserer Falten liebt, der neben uns liegt und noch nach zehn Jahren zu uns sagt: "Ich liebe jedes einzelne graue Haar an dir." Ich glaube es jedem Menschen, der sagt, er sei gerne Single. Oh doch, diese Phase habe auch ich kennen und lieben gelernt. Aber ich glaube keinem einzigen Menschen, der sagt, er möchte auf immer und ewig so leben. Niemals. Eine Zeitlang - ja. Aber auf Dauer fehlt das Entscheidende: die Liebe. Die wärmende, herzliche, wunderbare, süße Liebe.
Ich habe übrigens mal gelesen, dass die Beziehung nach einer langen Beziehung, die zumeist bereits in jungen Jahren eingegangen wurde, wesentlich tiefer und inniger sei wie eben jene erste "Ehe". Eigentlich... ist das ziemlich logisch. Nach dem Ende unseres ersten Lebens wissen wir soviel mehr über uns selbst, was wir uns wünschen, wovon wir träumen, wonach wir uns sehnen. Natürlich heißt das nicht, dass jede jung begonnene Beziehung scheitern muss. Nur... oftmals stellen wir halt fest, dass der Mensch, den wir einst liebten, nicht mehr der Mensch ist, den wir heute lieben (können). Manche Menschen bleiben dort stehen, wo sie sind, andere gehen in verschiedene Richtungen. Denen, die miteinander wachsen, gehört meine aufrichtige Bewunderung.
Und ich - ich suche mir jetzt einen, der mit mir mein zweites Leben lebt. Und wehe, der will nicht ;-)
Ach George... Wenn ich früher geahnt hätte, zu welchen Gedanken du mich inspirierst... Ich hätte dich glattweg geheiratet ;-)