Dienstag, 13. März 2018

Rot - Gelb - Grün










Mein Lieblingsplatz ist momentan der hinter dem Fensterglas, insbesondere, wenn die Sonne scheint und die Vibration der Musik über den Holzfußboden bis hin zu mir kriecht. So könnte ich derzeit Stunden verbringen, müsste ich nicht am Schreibtisch sitzen.
Ich schaue auf aufgerissene Wolkenbänder, auf den Schwarm Vögel, wie sie im vergangenen Herbst erst in den Süden flogen und nun genauso wieder zurückkehren.
Schaue den roten und schwarzen Eichhörnchen zu, wie sie das Futter holen, das eigentlich für die Vögel bestimmt gewesen war, als die Eiseskälte noch so um sich griff.
Schaue den ersten Insekten zu, wie sie bereits nach den Blumen suchen, die wir für gewöhnlich jedes Jahr vor dem Fenster haben.
Ich schaue, lächle versonnen und versuche.. an nichts zu denken. All das der letzten Monate von mir zu streifen wie ein zu eng gewordenes Kleid. Versuche, nicht an die Momente zu denken, die mich in die Knie zwangen, sondern vielmehr an all die hoffnungsvollen Momente, die es hier und da immer noch gegeben hat - und gibt.

Gerade lösen sich Knoten, löst sich zugleich die Anspannung in mir. Die unerwartete neue, andere Chance für Sohn I - und das Gefühl, dass sich hier alles richtig für ihn anfühlt. Die zarte Hoffnung auf etwas wirklich Gutes. Die zugleich aber auch noch zittrige Befangenheit ob der Erfahrungen der letzten vergangenen Jahre. Der unerwartet gute Verlauf der Ausbildung von Sohn II, die trotz aller anfänglichen Anstrengung und Anspannung in ihre richtige Bahn gekommen scheint. Mühen und angespannte Nächte bereiten lediglich hier und da Probleme mit dem neuen alten Fahrzeug, das er erst im Oktober kaufte und wo wir aktuell zum zweiten Mal die Gebrauchtwagengarantie in Anspruch nehmen müssen. Ich wünsche mir, dass es auch dieses Mal so entspannt und zuverlässig abläuft wie beim ersten Mal. "Bei so einem Wald- und Wiesenhändler würde ich niemals kaufen", hatte der Mann noch im Oktober gesagt. Aber wer weiß - manchmal trügt eben doch der äußere Eindruck.
Der Mann und ich... Wir schweigen unsere Probleme nicht tot, thematisieren sie aber derzeit auch nicht. Grundsätzlich bin ich ohnehin davon überzeugt, dass es für alles eine Lösung gibt, sofern man nicht nur an eigenen Vorstellungen festhalten und diese auch genauso umsetzen möchte, ganz gleich, wie es dem anderen dabei ginge. Wie gut es uns auch jetzt schon mit allem im Grunde geht, wird für mein Empfinden ohnehin viel zu oft und zu sehr aus den Augen gelassen.
Ich lehne mich zurück, schließe für einen Moment die Augen und denke an all den Behördenkram der letzten Monate, die privat und beruflich geführten Auseinandersetzungen, die schlaflosen Nächte und meine Bereitschaft, noch einmal meine Sachen zu packen und ganz woanders hinzugehen, noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Noch gestern habe ich vor Freude hier getanzt, als Sohn I anrief und sagte "Der Vertrag ist unterschrieben". Und jetzt sitze ich hier und fühle... wie all die Anspannung von mir herabrieselt und zugleich eine wohlige Müdigkeit in mir aufsteigt.
Geschafft. Ein weiteres Ziel erreicht. Erst jetzt fühle ich diese Müdigkeit und mag sie auch zulassen. Und ich glaube, ich darf das.
Das Rot der Ampel vor einigen Wochen hat sich auf Gelb gestellt  - und nun mag ich zuschauen und warten auf das Grün.. Hier an meinem perfekten Platz.

Kommentare:

Zigeunerblut hat gesagt…

Schööön!
Ich wünsche dir eine sehr lange Grün-Phase!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ich danke Dir sehr - mir würde das auch echt ganz viel geben! :)

DrSchwein hat gesagt…

Klingt gut.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ja Herr Doktor, ich finde auch, das tut es. ;)

ganga hat gesagt…

Was für eine Erleichterung.
Liebe Grüße
Ganga

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

So fühlt es sich grad wirklich an, Ganga, und ich wünschte mir wirklich sehr, dass dieses Gefühl auch mal ein bisschen bleiben mag.

gretel hat gesagt…

Ich freue mich über deine leicht heiteren Zeilen. Irgendwie wird mit dem Frühling vieles besser und wenn es dann nicht nur das Gefühl ist, sondern es auch Hand und Fuß hat - gut. So solls weitergehen!
Liebe Grüße

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Gretel, ja das wärs, wenns so weiterginge :) Aber ja, mit Sonne und Wärme wird ohnehin vieles leichter. Auch wenn die Wärme dieser Tage wieder zurückgeht, leider. Aber man kann eben nicht alles haben :)