Montag, 5. März 2018

...would you lie with me an just forget the world?

Ich bin die, die nie großartig plant, zurechtlegt oder schon drei Wochen im Voraus weiß, was sie wann wie machen will. Was sie machen wird. Was sie heute anziehen wird. 
Vieles lasse ich auf mich zukommen, in vielem improvisiere ich - und in den allermeisten Dingen verlasse ich mich auf den Moment und auf mein Bauchgefühl.
Mit Details halte ich mich kaum auf, das dauert mir viel zu lange; ich besitze zwar eine Menge Ruhe und Gelassenheit in mir, jedoch Ausdauer besitze ich nur in den allerwenigsten Situationen.
Unlängst musste ich lachen, als ich las, dass Junigeborene wie ich immer irgendwie ein wenig Inspiration brauchen. Dass man sie kaum auf einer Bowlingbahn antreffen wird, lieber in Ausstellungen und Vernissagen. (Ich habe von Kunst aber sowas von gar keine Ahnung, mir gefällt, was mir eben gefällt.) Dass man mit mir nie ein Haus bauen wird, weil es mir zu langweilig ist, das von A bis Z durchzuziehen - viel eher hebe ich lieber eine Baugrube nach der anderen aus. Ist ja auch viel aufregender, man könnte schließlich einen Schatz finden oder wenigstens ein paar antike Tonscherben.
Am Sonntag zog ich mich ein wenig in mich selbst zurück und in die Musik, legte mir den Skizzenblock auf die Knie und nahm die Stifte in die Hand. Nach der ersten Skizze verlor ich ein wenig die Geduld, weil ich viel zu lange nicht mehr gemalt hatte und so ein wenig aus der Übung gekommen war. Nach der dritten Skizze legte ich das Malzeug endgültig zurück in das Fach, weil mir die Idee und die Energie ausgegangen waren.
Jedes Jahr hingegen werde ich schon Ende Januar latent hibbelig, wenn ich die Eisblumen am Fenster sehe. Werde ich im Februar unruhig ob der geschlossenen Schneedecke und kaufe mir Anfang März trotzig einen Strauß Tulpen und ein Sommerkleid. Liege in der Märzsonne hinter dem Fensterglas auf dem Holzfußboden, schließe die Augen und träume mich ganz weit fort.
Für einen Moment die Welt und alles um mich herum vergessen, nur auf den Klang tief in mir zu lauschen, auf das zarte Ping und mich zu erinnern, wahrzunehmen.. Zu sagen, was man sagen möchte. Zu zeigen, was man fühlen kann. Auszukosten, was man Schönes in seinem Leben hat. Auszublenden, was sich in diesem Leben nicht gut angefühlt hat, wenigstens für diesen einen Moment..
In diesem Jahr ist das.. irgendwie anders.
Natürlich träume ich schon seit Wochen sehnsüchtig vom Frühjahr, von sattgrünen Bäumen, lausche ich frühmorgens auf das Vogelgezwitscher, lege dem schlafenden Mann meine Hand auf seinen Bauch und schließe wieder die Augen, genieße die Ruhe, die Stille, die Behaglichkeit und stelle mir vor, wie es wäre, wenn man nach dem Frühstück hinausgehen und in das Meer springen könnte..
Dennoch.. ist es in diesem Jahr irgendwie anders.. Immer noch ist tief in mir alles ruhig.. Ein Gefühl wie.. auf einer Schaukel zu sitzen, mich sacht hin und her zu bewegen, gedankenverloren, jedoch nicht verloren, ohne ein Wort, jedoch nicht wortlos, nicht in Eile, jedoch bereit, jederzeit von der Schaukel zu springen, wenn der Moment gekommen ist.. Ob ich gelernt habe zu warten?
Es ist ja nur gar nicht mal so, dass ich tatsächlich auf etwas warten würde. Es fühlt sich eher an wie die Gewissheit, dass etwas kommen wird. Eine wunderbare Zuversicht, die an nichts Bestimmtes geknüpft ist. Und sie ist dennoch da. Ähnlich der Gewissheit, dass es mit jedem Tag ein wenig mehr Frühling wird..

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sonntag war ich mit meinem Sohn drei Stunden im Wald und an einem zugefrorenen See und die Sonne hat alles strahlen und glitzern lassen und der blaue Himmel hat sich im Eis gletscherblau gespiegelt und es sah ein bißchen aus wie die Südsee und alles war Hoffnung und Aufbruch und eine wunderbare Ruhe war über allem. Im Hier und Jetzt sein nennt man das wohl und nicht in Gedanken immer schon zwei Schritte weiter. :)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ich habe mir Deine Fotos angesehen - und ich mag sie wirklich. Sie erinnerten mich daran, wie gern der Mann und ich aus der Stadt rausfahren aufs Land. Dorthin, wo der Trubel nachgelassen hat, wo der Kuchen noch selbst gebacken wird und auch so schmeckt und wo wir uns über den Rand der Kaffeetasse hinweg anlächeln.
Jedoch wohnen möchte ich trotzdem nicht auf dem Land. Für jeden Tag wäre es mir dann zu ruhig.