Freitag, 18. Oktober 2019

Manchmal, wenn mir langweilig ist

Haha, schöner Witz. Bei der derzeit immer noch andauernden Arbeitsauslastung kommt sowas wie Langeweile gar nicht erst auf, weil ich vom Schreibtisch direkt aufs Sofa zum Abendessen und von dort direkt in mein Bettchen katapultiert werde. Zwar kann ich so gar nicht sagen, ich wäre in den letzten Monaten nicht produktiv gewesen, dennoch profitiert davon lediglich der Job, während Seele und Kopf anhaltend zu wenig gefüttert werden mit Dingen, die ICH gerne habe. Zu wenig Musik, zu wenig Malen, zu wenig Lesen. Hm. Memo an mich: So geht das aber nicht weiter, Frollein!

Irgendwie sehnen der Mann und ich gerade beide die Weihnachtstage herbei, und das aber auch nur aus dem einzigen Grund, weil wir da mal ein paar Tage länger frei haben als nur fünf Tage. Viel vorgenommen haben wir uns zwar auch für jene Zeit, aber insgesamt.. dürfte das genug Seelenfutter geben. Und uns das Jahr 2019 abschließen lassen, das sich im Gegensatz zum Jahr 2018 nicht so federleicht angefühlt hatte.
Während der Mann vor allem Jobstress beklagt, sind es bei mir eher private Dinge, die mich nachts manchmal gar nicht oder nur unruhig schlafen lassen. Mit Jobstress kann ich ganz gut umgehen, das stört mich eher nicht. Privat sind es aber eher eigentlich nur Ungewissheiten, die mich da in die Knie zwingen wollen. Für mein Empfinden zu viele unklare, ungelöste Knoten, ich komme da irgendwie nicht recht voran. Und vermutlich werde ich es auch erst in der Woche vor Weihnachten schaffen, die Steuer für die Jungs und mich noch für 2017 und 2018 zu machen. Grad für Sohn I, der letztes Jahr gleich 3 verschiedene Arbeitgeber hatte, da brauche ich ein bisschen Konzentration und Zeit, und von letzterem habsch ja grad nicht wirklich viel. Dabei täte vor allem meinen Söhnen ein etwaiger Extra-Groschen sicherlich ganz gut, vor allem dem Großen. Aber der kommt grad genauso zu nix. 10 - 12 Stunden pro Tag sind keine Seltenheit, dazu regelmäßig Samstage. Er ist froh, wenn er daheim ist und niemand ihn anspricht, während ich, wenn ich in L bin, schon besorgt auf den Nikotinverbrauch schaue, der sich im Eimerchen auf der Terrasse stetig füllt.
"Woher willst du wissen, ob ich viel oder wenig rauche?" misstraut er meiner Einschätzung.
"Weil ich regelmäßig dein Eimerchen leere", grinste ich ihn an. "Und wusstest du eigentlich, dass das ein Übertopf für Pflanzen ist? Allerdings nicht für Nikotinpflanzen."
Schlecht sieht er aus, und das "Hühnerei" an seinem Unterkiefer wird auch nicht wirklich kleiner. Seiner Seele scheint es trotz allem aber besser zu gehen. Und mit seinen Zähnen ist alles in Ordnung, endlich hat ers auch mal wieder zum Zahnarzt geschafft. Dank Google und der Tatsache, dass die ihre Praxis bei den Jungen um die Ecke und wochentags auch mal bis 19 Uhr geöffnet hat. Allerdings müssen alle vier Weisheitszähne herausoperiert werden. Ich hab das erst angezweifelt, ob das wirklich sein muss, aber als ich das Röntgenbild sah, wurds selbst mir als Laien klar: Das muss.
"Na prima", sagte er, "der eine will mir die Schilddrüse rausnehmen, der andere meine Zähne. Ein tolles Jahr."
"Die Zähne kannst du mal machen, wenn ich da bin. Dann nehme ich mir dazu noch zwei Tage Urlaub, dann kann ich dich hinfahren, dich abholen und zu Hause Pudding kochen."
"Na das sind ja tolle Aussichten!" hat er die Augen verdreht.

Er weiß auch schon jetzt - sofern sich nicht vorher was anderes ergibt, dass er an Weihnachten wieder arbeiten muss. Prinzipiell stört ihn das nicht - in der aktuellen Firma - aus Gründen - aber irgendwie schon. Da kann ich ihn verstehen. Und prinzipiell finde ich okay, wenn Familien mit Kindern bevorzugt werden in der Arbeitseinteilung bzw. in der Nichteinteilung für die Feiertage. Dennoch: Auch Singles haben Familie, die sich freuen würde, an Weihnachten zusammen sein zu können.
Sohn II wird definitiv dieses Jahr nicht da sein, der ist im Praktikum am anderen Ende des Bundeslandes und an Heiligabend zum Spätdienst eingeteilt.
Bei Sohn I hoffe ich immer noch, dass er nicht wieder bis 21 Uhr arbeiten muss wie letztes Jahr.
Aber mal gucken. Ein bisschen Wasser fließt bis dahin ja immer noch den Berg hinunter, und gerade in diesen Tagen versuche ich, meine Zuversicht noch etwas mehr zu beleben und mir selbst ein wenig mehr Leichtigkeit in den Kopf zu bringen.
"Du denkst zuviel", wird mir oft gesagt. Das mag schon sein. Es ist vor allem Ungewissheit, die einen am meisten quält. Was wird? Wie wirds?
"Das Wichtigste ist für mich, dass ihr glücklich seid", hatte ich gestern zum Sohnemann gesagt. "Dann schaffe ich auch alles andere.
Er hat gelächelt, das konnte ich sogar durchs Telefon hören.

Bei der ganzen Arbeit, die auf meinem eigenen Tisch liegt, müsste ich eigentlich froh sein, wenn ich nach Dienstschluss mal nicht in den Rechner schaue. Paradoxerweise kann ich aber auch gut "herunterfahren", wenn ich den Rechner nicht herunterfahre (haha), sondern ein bisschen da und dort lese. Und "manchmal, wenn mir langweilig ist", bleibe ich dann hier oder dort "hängen".

So wie an den folgenden Seiten, die mir - zum Beispiel - ein bisschen was über mich selbst erzählen wollen. Zum Beispiel darüber, wie Menschen mit dem Sonnenzeichen "Zwillinge" zum Beispiel mit Verlust umgehen:

Quelle: https://www.herzstueck-mag.de/so-gehen-die-sternzeichen-mit-verlusten-um/

Ja, das stimmt sogar - so empfinde ich es wirklich. Hier fehlt aber, aus meiner Sicht jedenfalls, ein ganz entscheidendes Detail: dass ich manchmal sehr lange (zu lange?) an etwas festhalte. Weil ich immer an allem festhalte, an das ich glaube. Solange man mir oder ich mir nicht das Gegenteil beweise oder vielleicht auch einfach nur das Interesse verliere, ist der Lösungsprozess ansonsten ein bisschen eher wie ein Fliegenfänger: Einmal angefasst (aus Versehen natürlich, zum Beispiel beim Anbringen eines solchen), bekommst du das Ding zwar wieder los, kriegst aber die Scheiße nie wieder von den Fingern. Oder wie ich es auch unlängst bei FB gelesen (und geteilt) hatte: "Alles kommt wieder, das nicht bis zum Ende gelitten und gelöst wurde."
Kann ich aus mehrfacher Erfahrung bestätigen.
Manches braucht eben seine Zeit. Aber dann! Und der Gedanke, dass jede Tür, die sich schließt, immer auch für eine neue Möglichkeit steht, ist die Antriebsfeder für mich. Immer schon gewesen.


Oder ich erfahre über meine Sitzgewohnheiten zum Beispiel. Ich habe da tatsächlich drei Vorlieben. Was mich wiederum lachen lässt, weil ich einfach nie in nur eine Kategorie passe. (Aber wer passt auch schon in nur eine Kategorie, das wäre ja auch ziemlich langweilig, wiederum.) Das hatten der Mann und ich schon in unserer allerersten Nacht festgestellt, als ich ihm vorlas aus dem Buch "Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können":





Quelle: https://fribbla.de/insiders/das-sagt-ihre-sitzposition-ueber-ihre-persoenlichkeit-aus/4/

Nun. "Sie sind nicht so direkt mit ihren Äußerungen"... Fahrt mal mit mir Auto. Also fahrt nur mit, setzt Euch nicht selbst hinters Steuer, sondern lasst mich. Da werdet Ihr erleben, dass ich sehr wohl sehr direkt sein kann. Aber okay, da hörts der Betreffende ja auch nicht.
"Sie handeln immer aus reiner Ehrlichkeit." Ja. Ne. Das stimmt nicht. Ich bin nicht immer ehrlich gewesen in meinem Leben. Paradoxerweise hat mir vermutlich das aber mein Leben gerettet.
Stolz darauf bin ich nicht - aber ich stehe dazu und zu mir.
Ehrlich bin ich zum Beispiel bei der Steuer oder beim Eintragen meines Leistungsnachweises selbst im Home Office. Schlafe ich versehentlich bis 8.15 Uhr, trage ich auch tatsächlich 8.20 Uhr in den Bogen ein. Mehr Zeit braucht man ja nicht, um aus dem Bett zu springen und erstmal den Rechner zu starten. Und obwohls keiner merken würde, sage ich ehrlich zur Begrüßung "Sorry, habs verpennt heute." Seit der Chef die Videofunktion seines iPhones herausgefunden hat, hat er zweimal darüber angerufen. Hab ich ihn zweimal weggedrückt. Soweit kommts noch. Anrufen muss reichen, sehen muss ich das Elend nicht auch noch. Er übrigens auch nicht :D
Dass ich aber zu jeder Tages- und Nachtzeit ans Telefon gehe und immer für meine Liebsten da bin, kann der Mann bestätigen. Er tut es nicht gern, denn ich tue das nicht nur für ihn.
Dass man meine Liebe und Freundschaft aber missbrauchen kann, hat gestimmt bis zu jener Nacht vor Jahren im August, als mich jemand anrief und ihm währenddessen sein Haus um die Ohren flog. Das ganze Davor und Danach hat mich sehr lange gequält. Viel zu lange. Aber es hat mich dazu gebracht, mehr auf die eigenen Grenzen zu achten - und zu respektieren. Ich würde nicht behaupten, dass sowas mir heute nicht mehr passieren könnte, aber ich kann sagen, dass ich heute viel besser auch auf mich aufpasse.


Quelle: https://fribbla.de/insiders/das-sagt-ihre-sitzposition-ueber-ihre-persoenlichkeit-aus/3/


"Zudem ist es eine echte Herausforderung, eine Person mit dieser Persönlichkeit zu verführen."
Hier musste ich wirklich, wirklich lachen.
Es stimmt - und es stimmt nicht. Das lasse ich jetzt mal so.. ähm.. stehen.

Was in jedem Fall zutrifft, sind die gerne geführten tiefsinnigen Gespräche. Habe ich schon öfter festgestellt, dass aus einem Plausch voller Jux und Dallerei - huch - ein tiefsinniges Gespräch wurde, in dem man stundenlang philosophieren könnte und ich dann von Modus "albern" in Modus "ernsthaft" umgeschaltet habe, ohne mir dessen gleich bewusst zu sein.
Und was auch zutrifft, ist die Unvoreingenommenheit. Wenn mir jemand irgendwas von jemandem erzählt, vor allem Negatives, dann glaube ich das nicht unbesehen. Ich will mir den Menschen, die Situation selber anschauen, bevor ich mir selber eine Meinung bilde oder ein Gefühl entwickle.
Jemanden oder eine Sache "mieszumachen", erweckt bei mir eher Interesse als alles andere.
Ob man allerdings an mir festhalten sollte, kann ich nicht sagen. Ich habe auch meine Ecken, Kanten und Schwächen. Fragt den Mann. Seit wir uns kennen, haben seine grauen Haare deutlich zugenommen :)


4 Kommentare:

Grit hat gesagt…

Hallo Helma,
einmal Mutter immer Mutter, man sorgt sich ein Leben lang, das fällt mir zu Ihren Zeilen im oberen Bereich ein, wo sie über Ihre Söhne erzählen. Mein Sohn ist noch nicht so alt, er ist noch schulpflichtig, aber es fallen auch immer wieder neue Probleme und Sorgen, zwar zu einer anderen Thematik an. Uns beschäftigt momentan der ständige Unterrichtsausfall, allein Mathematik bisher 50%!! Furchtbar. Unvoreingenommen bin ich auch, ich sehe mir den Menschen oder das Problem gern selbst an und bilde mir dann mein eigenes Urteil. Auch versuche ich immer in einem Menschen ganz viel Positives zu sehen, mein Mann meint dann immer zu mir, zuviel "Gutmensch" ist auch nicht immer von Vorteil. Mit den grauen Haaren ist es bei uns umgekehrt, mein Mann hat kein einziges, graues Haar, wo ihn seine Arbeitskollegen schon misstrauen :) und meinen, ob er er nicht doch "Renature" nimmt. :) Dafür habe ich einige grauen Haare mehr zu bieten, bei mir dürfen sie gefärbt werden.
Ein wunderbares Wochenende wünscht Ihnen Grit.

Dies und Jenes hat gesagt…

Liebe Helma,
ja die lieben Kinderlein... hier genauso immer ist noch was, das eine Kind bekommt wieder nur einen befristeten Folgevertrag. Diesmal wenigstens 2 Jahre und nicht nur 1 Jahr, das andere kommt irgendwie gar nicht in die Gänge nach der Schule und ist nur zu Hause.
Und ich nun ja ganz ehrlich Weihnachten brauch ich nicht. Mir graut schon davor von den Zwangsbesuchen die zu tätigen sind, der Laune derjenigen die wir nicht besuchen werden, den vielen Menschen beim Einkaufen, Einkaufen für mehrere Tage für mich ist das purer Stress obwohl ich es ja schon so einfach wie möglich mache in dem ich Vorkoche, einfriere etc. Wegfahren leider keine Option da wir zwischen diesen Feiertagen arbeiten müssen quasi Urlaubssperre und bei jedem von uns die Hauptarbeitszeit.

Ich mach mir auch gerne selbst ein Bild und verurteile gar niemand denn jeder hat sein eigenes Päckchen und Gründe warum und wieso. Im Gegensatz zu denen wenn es um meine bzw. unsere Kinder geht hier kommt dann alleshabenwirichfalschgemachtundmanhättedochmehrverbietenschlagenundsiehstdudasnicht.... Ey gehts noch. Wo wart ihr die letzten 20 Jahre auf jeden Fall nicht bei uns.

In diesem Sinne. Einen schönen Restsonntag und alles gute für Sohnemänner.

Liebe Grüße
Ursula
PS: Ja Weihnachten ist so ein Thema bei mir das sitzt sehr tief und geht zurück bis in meine Kindheit.


Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Grit, zu Ihren Zeilen fällt mir die Zeit der ersten Ausbildung von Sohn II ein. Zwei Jahre Ausbildung, das Fach Englisch nur im allerersten Halbjahr. Eineinhalb Jahre gab es keinen Englischunterricht, weil Lehrerin dauerhaft erkrankt und keine Vertretung. Und dann trotzdem ne Abschlussprüfung. Glücklicherweise hatte das Kind noch genug Wissen aus dem Schulunterricht mitgenommen und noch nicht zu viel vergessen.
Früher dachte ich immer, wenn sie erstmal im Berufsleben sind, wirds leichter (für mich). Diesen Zahn habe ich mir inzwischen längst gezogen. Denn wie Sie selber sagen: Einmal Mama, immer Mama.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Ursula, wenn ich mich so auf dem Arbeitsmarkt umschaue (was wir ja grad bei Sohn I gefühlt ständig tun seit Jahren), geht gefühlt nichts mehr ohne befristete Verträge. Und am liebsten auch nur mit reduzierten Stunden, am allerliebsten 20, 25 oder max. 30 Wochenstunden. Aber welcher erwachsene Mensch soll davon sein Leben finanzieren können? Und ist es damit okay, dass immer mehr Menschen mehrere Jobs betreiben? Nein, ich finde das nicht okay! Ich finde das eine scheiß Entwicklung. Mal abgesehen davon, dass man selbst mit vielen "Einzeljobs" das Leben allein nicht finanzieren kann. Und dann wundert sich die Politik über den Geburtenknick. Man muss ja das Leben aber auch bezahlen können, erst recht mit Kindern.
Und es muss auch nicht jeder studiert haben. Oder glauben die Leute ernsthaft, irgendwann, wenn sie 90 und im Pflegeheim sind, wischt ihnen einer mit Diplom in der Tasche den Allerwertesten?

Oh je, wenn Weihnachten ein so tiefgehendes Thema ist, klingt das nicht gut :(
Ich selbst habe da nur glückliche Zeiten erlebt, vielleicht schreibe ich auch mal darüber.
Den Stress jedenfalls habe ich mir längst abgewöhnt. Was aber auch daran liegt, dass ich nie den Platz hatte, um Gäste einzuladen. Ich hatte ja nur eine winzige Küche mit nem Tisch und max. zwei Stühlen (der 3. saß immer auf nem Hocker). Hier in M ist es ähnlich, aber auch viel zu weit für die meisten, uns zu besuchen. Für meine Eltern wärens um 900 Kilometer, und das schafft mein Papa nicht mehr. Für die war dafür immer Stress, wenn wir auf die Insel gefahren sind. Deshalb hatten wir es bei den letzten beiden Besuchen so gemacht, dass wir uns eine Übernachtung auswärts gebucht und auch dort gefeiert haben. Jeder hat was mitgebracht und man war zusammen. So wars schön.
Dieses Jahr bleiben der Mann und ich in L. Dort hat er seine Familie und ich hoffentlich wenigstens meinen Ältesten. Ihn ganz allein an Heiligabend zu wissen, das krieg ich einfach nicht übers Herz. Auch dann nicht, wenn ihm von dem Tag vielleicht nur drei, vier Stunden Freizeit bleiben sollten. Mir aber vorzustellen, er kommt abends in die dunkle, kalte Bude, schmeißt sich aufs Bett und das wars.. Ne. Das kann ich nicht.