Mittwoch, 21. April 2010

Es Gibt Tage

...da fallen mir solche Sprüche ein wie "Büroschlaf ist doch der gesündeste" oder "Lieber acht Stunden Büro als gar kein Schlaf". Nach wochenlang, ach was, monatelang andauerndem Stress kehrt langsam Ruhe in unsere heiligen Hallen ein, zanken wir zwei Frauen uns beinah täglich darum, wer sich heute im Frauenruheraum niederlassen darf (oder wir nicht doch zu zweit aufs Sofa passen ;-)). Von den dramatisch ansteigendem Kaffeeverbrauch ganz zu schweigen ;-)
Doch wenn alle Arbeit erledigt, das Büro aufgeräumt, selbst Putzaufgaben, die uns normalerweise gar nicht obliegen, erledigt wurden - ja was will man dann noch mit diesem angebrochenen Tag anfangen, an dem sich keine, aber auch so gar keine Tätigkeit mehr finden lässt - sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass mit Beginn der milden Frühlingstemperaturen Chef & Ingenieur draußen auf den Baustellen toben, während das Hauspersonal sich genüßlich und entspannt zurücklehnt und die Kekse auspackt.
Apropos "finden"... Jeder von Euch kennt sicherlich solche Situationen wie: "Wo ist denn das nur, ich habs doch grad hierher gelegt..." Ganz egal, um was es sich handelt, seien es Dokumente, Nagelscheren, Eierwärmer... Letzteres kann man(n) in der Tat suchen und als mir das heut ein männlicher Vertreter meiner Freundesgattungen erzählte, konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen und erst recht nicht die Anmerkung: "Ich hoffe, du hast die nicht mit deinem Slip verwechselt!" ;-)
Nagelscheren sind übrigens im Hause Ziggenheimer ein ganz großes Thema. Was wir diese Dinger schon gesucht, niemals wiedergefunden und regelmäßig nachgekauft haben... spottet eigentlich jeder Beschreibung. Vor allem Ziggenheimer "der Kleine" ist ganz berühmt-berüchtigt dafür. Erst vor wenigen Tagen schwor er Stein & Bein: "Ich hab sie nicht gehabt, ääääärhlich!"
Eine neue Schere habe ich dennoch nicht nachgekauft, mir war schon klar, dass wir sie über kurz oder lang wiederfinden würden. Und wie das zumeist mit solchen Sachen ist: Man findet sie genau dann, wenn man gerade etwas ganz anderes sucht. Auf diese Weise fand sich besagte Nagelschere vor vier Tagen wieder an - sie klemmte zwischen Matratze und Bettgestell von Ziggenheimer Jr., bereit zum Absturz auf das Laminat. Super, oder?
Vermutlich aber muss ich ganz still sein, ohne auch nur den Hauch des Vorwurfes wehen zu lassen. Immerhin wusste schon vor einigen Jahren eine meiner Bürofreundinnen: Wenn Helma Ziggenheimer ihren Schreibtisch aufräumte, tat sie das nicht aus Sauberkeits- und Pflichtbewusstsein. Sondern weil sie einfach wieder etwas suchte ;-)

Montag, 19. April 2010

Die Jagd Nach Kaffee

Vor allem montags, dem ersten Tag nach dem Wochenende, erscheinen die Kollegen lustlos, müde und ausgesprochen kaffeedurstig. Ich selbst nehme mich davon gar nicht aus, auch wenn ich zu der Gattung gehöre, die selbst am frühen Wochenbeginn in der Lage sind, auf dem Weg in die Arbeit das Radio aufzudrehen und eine Hymne nach der anderen mitzuschmettern, als ginge es darum, Deutschlands nächster Superstar zu werden.
Gleichwohl ärgert es mich verdammt, wenn ich den Kaffee schon koche und trotzdem das Nachsehen genieße, weil die anderen schneller waren und sich des Kaffees bedienen, ohne sich aber auch veranlasst zu sehen, wenigstens neuen aufzusetzen, sobald die Kanne glorreich geleert wurde.
Inzwischen nun ist die dritte Kanne Kaffee gekocht, Frau Helma hat ihren zweiten Kaffee plus Stulle genossen, ist ensprechend besänftigt (Hunger - und Durst - machen ja in der Tat böse ;-)) und fühlt sich bei der Thematik "Kaffee" an längst vergangene Zeiten erinnert, in denen der damalige Chef um einen Kaffee bat, den ich zwar flugs auch aufsetzte, jedoch in blinder Arbeitswut vergaß, selbigen auch zu servieren. Bis auf einmal der Chef neben mir stand, in Jackett und mit der Tasche unter dem Arm, während ich ihn irritiert anschaute:
"Wo willst du denn jetzt hin?"
"Na ich muss noch mal los."
"Du kannst jetzt nicht weg", widersprach ich, "du hast in zehn Minuten einen Termin!"
"Ja... Schon wahr. Aber ich muss mal gucken, obs Streit auf der Plantage gibt - vor einer Stunde hatte ich Kaffee bestellt, aber es kommt keiner!"
Es waren nur wenige Tage vergangen - selbes Szenario: Chef bestellt Kaffee, Assistentin kocht, arbeitet weiter und vergisst zu servieren...
Dieses Mal stellte er sich nicht in kompletter Montur in meine Tür, diesmal blieb er dahinter stehen und winkte zu mir heraus nur mit dem Jackett ;-)
Als mir selbiges wiederum nur ein paar Tage später passierte, dieses Mal jedoch im Rahmen eines Meetings, bei dem Gäste und Kollegen mit langen Zähnen am Tisch warteten, servierte ich nach einem Anruf des Chefs den Kaffee und brach das dortige Eis mit einem Lächeln an den Chef: "Entschuldigt die Verspätung, aber es gab schon wieder Streik auf der Plantage."
Alles lachte - und seither vergaß ich niemals mehr, den Kaffee nicht nur zu kochen, sondern auch anschließend zu servieren ;-)

Freitag, 16. April 2010

Kindermund

...Obwohl... Kindermund... Bei einem Jungen, der noch in diesem Jahr fünfzehn Jahre alt werden will, heißt es wohl nicht mehr Kindermund. Eher... Rotzlöffel - oder so ;-)
Sagte ich doch gestern zu eben diesem Löffel: "Ich zieh mal ein Kleid an und du fotografierst mich, ok?"
Warum - wieso - weshalb - frag nicht, tu einfach.
Er knipste also und nach jedem Foto verzog er erneut den Mund: "Nää... Sieht scheiße aus."
Super Kompliment, dachte ich mir, besah mir jeden einzelnen Versuch und musste ihm recht geben: "OK - löschen! Neuer Versuch!"
Er knipste und knipste, mittlerweile verzog er nicht mehr das Gesicht, sondern begann nach jedem Foto nunmehr zu lachen. Woraufhin ich sprach: "Jawoll, Junge, bau mich nur richtig auf!"
"Mutter, ich kann nichts dafür, du guckst so komisch!"
Hallo? Komisch? Ich habe nur das eine Gesicht!
Er knipste, löschte, knipste, löschte. Beide hatten wir unseren Spaß dabei, aber das gewünschte Abbild konnte trotz aller Bemühungen nicht aufs Zelluloid gebannt werden.
"Kann ich aufhören? Bringt doch eh nix."
Junge Junge. Bei solcherart Komplimenten braucht frau ein Selbstbewusstsein, das durch kein Erdbeben dieser Welt zu erschüttern wäre. Tapfer trug ich weiter ein mittlerweile zum Garfield-Grinsen verzerrtes Lächeln im Gesicht und presste durch die Zähne: "Du kannst erst weitermachen, wenn wir wenigstens ein Foto haben. Versprochen ist schließlich versprochen."
"Wem versprichst denn du sowas?"
"Jetzt mach einfach!"
"Mutter... Können wir nicht den Kopf weglassen? Dann könnts gehen!"
Klasse... Kopflos war ich sicher schon einige Male in meinem Leben. Aber solcherart enthauptet zu werden?
Das war ja fast wie bei Germanys Next Topmodel, wo die Heidi zu ihrer Kandidatin meinte: "Ein Model ist dann gut, wenn man nicht erst zwanzig Bilder machen muss, nur um ein einziges verwertbares Foto zu bekommen!"
Gut. Bin ich eben kein Model. Damit kann ich echt gut leben. Ich wäre nur gern wenigstens für meine Liebsten die Coole & Schöne usw. ;-)
...Und falls es einen interessiert: Ein vorzeigbares Foto ist schlussendlich doch noch zustande gekommen - nach hundertfünfzig Millionen Versuchen :-)

Mittwoch, 14. April 2010

Im Visier

...der Fahnder befand ich mich heut Morgen, irgendwie noch gar nicht richtig wach, noch gar nicht richtig anwesend in der realen Welt, aber wenigstens schon mal im Wagen unterwegs in das Büro - und während mein rechter Fuß schlaftrunken niedersinken wollte auf dem Speedpedal, damit ich wenigstens noch ein Schlückchen heißen Bürokaffee bekommen konnte, bevor die durstigen Kollegen den letzten Rest wegtranken und nur darauf warteten, dass die Dumme endlich käme, um neuen zu kochen - da wurde ich ausgebremst von einer Horde Polizistenbusse, die sich mit Tempo 80 auf ner Autobahn mit "freigegebener" Geschwindigkeit wie auf einer Perlenkette gezogen und mit Warnleuchten davonbewegte.
Zwar fuhren sie brav rechts, vorbeizukommen war dennoch ein Ding der Unmöglichkeit - dank eines neutralen Busses - ebenfalls mit Warnleuchten, Tempo 80 und aber auf der linken Spur - an dem sich urplötzlich die rechte Tür öffnete und eine Kamera herauslugte.
Ooops, dachte ich leicht irritiert und während ich noch überlegte, ob vielleicht mein Sicherheitsabstand zu gering war oder ich einfach nur die Sonnenbrille abnehmen sollte, mit der ich möglicherweise an Angelina Jolie in Tomb Raider und damit einen Staatsfeind erinnerte, deroben vielleicht recht ansehnlich aussehen mochte, im Strumpfband jedoch alle möglichen Waffen trug - bereit zum Einsatz gegen den Rest der Welt, verschwand die Kamera wieder und die Tür schloss sich.
Tempo 80 wurde dennoch beibehalten, so dass ich irgendwann leicht entnervt und mit auf das Lenkrad trommelnden Fingern die Autobahn verließ, das Büro erreichte und tatsächlich noch einen Kaffee plus frischem Pfannkuchen (ich LIEBE meine Kollegen ;-)) serviert bekam. Genüßlich zurückgelehnt erkundigte ich mich bei den Allwissenden, ob vielleicht derzeit eine Mittwochs-Demo oder dergleichen anstand und während ich noch daran dachte, vielleicht doch öfter die Nachrichten als "Vera am Mittag" zu schauen ;-), lachten die Kollegen und sprachen:
"Ach Helma... Das war mit Sicherheit ne Übung oder sollte ein Lehrfilm werden und jetzt bist du auch noch mit drauf!"
Schade eigentlich - ich hätte ergo nicht so grimmig dreinschauen, sondern lieblich lächeln sollen. Aber wen interessiert das schon - im Zeitalter von digitaler Bildbearbeitung und hochintelligenten Cuttern ;-)

Dienstag, 13. April 2010

Lesermeinungen

Kaum hatte ich meinen heutigen Beitrag veröffentlicht, kam zuerst die Frage: "Seit wann bistn du politisch?" und die zweite folgte auf dem Fuße: "Was hastn du gegen die Angie?"
Zum "regulären" Leser scheinte der Kritiker nicht zu zählen, sonst wüsste er, dass ich mich diesbezüglich hier nicht zum ersten Mal verewigt hatte ;-)
Also: Politisch bin ich vielleicht nicht gerade - doch zumindest hab auch ich ne Meinung zu den einen oder anderen Dingen. Und klar ist doch auch: Wofür heute die griechischen Olivenpflanzen herhalten mussten, das gilt gleichermaßen und stellvertretend für überhaupt den ganzen gequirlten Sumpf auch in unserem Staate.
Nur kann ich nicht pausenlos darüber schreiben, wo tagtäglich (Steuer)Gelder verschwendet werden, wo wir ja wissen, dass sich am besten immer das Geld ausgeben lässt, das man (selber) gar nicht hat (das stöhnt zumindest unser Chef nach jeder Büromaterialbestellung und Sichtung der entsprechenden Rechnung ;-)), ohne nicht eines Tages mindestens ein Magengeschwür mit mir herumzutragen. Bestenfalls.
Und nein - gegen "uns' Angie" hab ich auch nix - im Gegenteil, ich fands schon ansehnlich, wie sie aus dem gewichtigen Schatten Kohls trat, lernte zu reden und sich zu kleiden und sich bis heute ihren Platz an der Sonne eroberte.
Klingt ironisch, meine ich aber aufrichtig. Ich finde es gut, dass sie da steht, wo sie steht. Deswegen muss ich ja nicht alles gut und richtig finden. Punkt.

Nur mal ehrlich: Ich bin weder der "Stern" noch der "Focus", ich bin nur die Helma und liefer hier keine politischen Debatten, sondern nur meine eigene Meinung zu dem einen oder anderen Thema und höchstens... wenn überhaupt... dann und wann nen Denkanstoß ;-)
Und beschließe das heutige Blog-Werk nun endgültig mit einem weiteren Zitat, diesmal von Harald Schmidt:

"Hans Eichel sagt, das Gleichgewicht ist gestört.
Das kennen Sie von Ihrem Girokonto mit dem Dispokredit:
Wenn der Bankangestellte Aschenbecher nach Ihnen wirft,
dann ist das Gleichgewicht gestört!"

Eben. Weil wir vielleicht einen dreitausender Dispo überziehen. Na dann krempeln wir jetzt mal die Ärmel hoch. Auf vierhundert Millionen oder gar 1,7 Billionen Miese zu kommen, ist nämlich noch ein ganzes Stück Arbeit. Und ich will doch den Westerwelle ;-)

Es Kocht Das Blut, Es Weht Das Haar...

...ich hätt es gern, wie's früher war ;-)
Die Zeilen gingen mir heut morgen bei der Erkundigung nach meiner Befindlichkeit so spontan durch den Sinn - so angesichts des alltäglichen Wahnsinns, den es immer wieder zu bewältigen gibt. Wobei... alles wie früher? Wäre ja auch nur n Rückschritt, und wer will schon nen Schritt zurück?
Es gibt echt Schlimmeres als das Heute, Jetzt und Hier, also wirklich, und wer hier glaubt, ich würde jammern... Iwo!
Ich doch nicht! Hab ich Grund dazu?
Also ich hab keine 400 Millionen Euro Schulden und mich mit Lug & Trug in eine Gemeinschaft geschmuggelt, die mir nun - ob mit zusammengebissenen Zähnen oder nicht - aus diesem Schlamassel hilft und auch noch dafür sorgt, dass nicht nur meine Rente mit 55 gesichert bleibt.
Olé - kann ich da nur sagen... aber nein... Halt... Moment... Spanien ist ja noch gar nicht dran, die kommen ja erst, wenn die Griechen ihren Teil abgesahnt haben. Oder Portugal?
Einer machts vor, die anderen machens nach und bei 27 EU-Staaten...
Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht - und daran musste ich wieder denken, als ich heut Morgen punktgenau zum frischen Käffchen die Gazetten aufschlug und folgenden Beitrag las: "Wie lässt man einen griechischen Beamten hungern? Man versteckt einen Geldschein unter seiner Schuhsohle"...
Nun kann man ja alles Mögliche lesen, sich aufregen, sich hineinsteigern.
So wie der Ossi, der auf den Wessi schimpfte: "Das Volk muss auf die Straße, aber ihr feigen Schweine traut euch nicht!"
Und der Wessi dagegenhielt: "Halt mal ganz still, ihr habt auch weit mehr gekostet als uns erzählt worden war."

Also mein Fazit am heutigen Tag, nachdem "uns' Angie" von ihrem Standpunkt vor zwei Wochen von "Wir geben nichts!" über "OK, höchstens zweieinhalb Milliarden" bei nunmehr Acht Komma Nochwas Milliarden Euro Finanzspritze für unsere griechischen Freunde angelangt war (Wieso sind wir Frauen eigentlich immer so inkonsequent?) ist jedenfalls folgendes:
"Wieso strampel ICH mich eigentlich ab? Helma... datt geht doch auch ganz annersch..."
Hatte doch nicht umsonst der Dieter Nuhr einst gemeint: "...bei fünfhundert Euro Miese hast du Stress mit der Bank ... bei fünfzigtausend Euro Miese bekommst du bei deiner Bank erst mal ein Käffchen und bei fünf Millionen Euro Miese kommt Frau Merkel zu Besuch!"
Na ja, oder so ähnlich jedenfalls und mit einem ironischen Grinsen im Gesicht lehnte ich mich entspannt in meinem ergonomisch geformten Bürostuhl zurück, erhob die Tasse Kaffee zum nächsten genussvollen Schlucke und befand, dass ich mir ab heute keine Sorgen mehr um auch nur irgendwelche möglichen Finanzdefizite mache: Wenn sich genug angehäuft hat, hoffe ich, dass Angie nicht höchstpersönlich zu Besuch kommt, sondern ihren Westerwelle schickt. Treue Leser meines Blogs wissen schließlich: Ich wollt schon immer nen schwulen Freund zur besten Freundin haben und vielleicht wird ja dann endlich was draus!
Irgendwas Positives gibts an Krisen schließlich immer.

Das Schlusswort zu diesem Thema übergebe ich heute und hier an Richard Rogler, der im "Radenden Kabarett" im SWR folgendes zum Besten gab:

"Ich glaube, Angela Merkels Kanzlerschaft, das wird noch wie bei Agatha Christie:
Eine wird ermordet, und alle haben ein Motiv!"

Mittwoch, 7. April 2010

Das Beste War Die Feile

Irgendwann mal im TV gesehen und nun bei youtube gefunden - möchte ich Euch diesen Spaß nicht vorenthalten ;-)




Mehr gibts heut Abend von mir nicht - es ist Mittwoch und alle eingefleischten Fans wissen, dass Grey's Anatomy wieder begonnen hat :-)

Liebeskummer Lohnt Sich Nicht, Mein Darling

...schade um die Tränen in der Na-hacht...

Wer kennt ihn nicht, diesen Song von Siw Malmkvist aus dem Jahr 1964. Nun, Ziggenheimer Junior kennt diesen Song sicherlich nicht, zu der Zeit gabs ja noch nicht mal seine Frau Mama :-)
Gleichwohl scheint er sich genau diesen Slogan zu eigen gemacht zu haben, nachdem die unsterblich große Liebe nach bereits zwei Monaten wieder im Sande versickert war und er selber nicht einmal so recht wusste, warum, wieso, weshalb.
Lediglich auf die Frage einer Bekannten, ob es wohl doch nicht "das Richtige" gewesen sei, grinste er schelmisch und meinte: "Nö!"
Über diese neuesten Ereignisse jedenfalls hatte er mich während der Osterfeierlichkeiten informiert. Ha - und ich hatte mich schon gewundert, wie auffällig schmuse- und anlehnungsbedürftig das Kind wieder geworden war ;-)
Darüber hinaus informierte es mich im selben Atemzug über ein bevorstehendes Date in den nächsten Tagen - und damit darüber, dass er dringend ein neues Outfit benötigte.
"Wow", mehr fiel mir zunächst zu dem Ganzen nicht ein und irgendwie war ich doch erleichtert, dass mir befürchtete Hysterieanfälle durchaus erspart wurden. Wer kann schon zusehen, wenn das eigene Kind leidet wie ein Hund? Und wissen wir nicht alle selber, wie wenig auch noch so gut gemeinter Trost hilft, zumindest so lang, wie der Schmerz akut ist?
So opferte ich gern den heutigen, letzten freien Tag voller Sonne und milder Frühlingstemperaturen, um das Kind neu auszustatten. Es durfte wählen: Schuhe oder Jeans oder Shirt - und mit Engelszungen und teuflischen Hintergedanken redete ich ihm eine neue Jeans ein, nur um anschließend unbemerkt zwei reichlich verschlissene Lieblingsjeans um die Ecke zu bringen ;-)
OK OK, mit dem Entsorgen warte ich noch - damit das Drama nicht allzu groß wird, sollte er diesen hinterhältigen Versuch zu zeitig bemerken. Wozu hat man schließlich Abstellkammern?
Jedenfalls kehrten wir nach Stunden des Bummelns und des Beine baumeln lassens in der Sonne wieder heim, beide müde, ich voller Kaffeedurst und er voller erwartungsfreudiger Glücksgefühle auf das morgige Ereignis und während ich müde auf mein Kanapee sank, musste ich belustigt daran denken, wie wenig Zeit er doch zu verlieren hatte und wie ähnlich mir mein Filius damit zuweilen war ;-)

Dienstag, 6. April 2010

Was Woods Du?

Schlägt man heutzutage die Gazetten oder einfach nur das Internet auf, kommt man derzeit kaum an neuen Beiträgen über Woods & Co. vorbei. Wo mehr oder weniger Prominente bzw. deren Partner bekunden: Ja, ich habe ihn/ sie betrogen - ich bin sexsüchtig, ich muss eine Therapie machen.
Hatte sich noch vor ein paar Monaten die Meute auf Tiger Woods gestürzt und Geschichten ans Blitzlichtgewitter gezerrt, von denen kein Schwein weiß, was davon überhaupt wahr ist und was nicht, so kommen beinah täglich immer neue Geschichten - und keiner fragt danach, ob wir das alles überhaupt wissen wollen.

Was mir an diesen Berichten nur immer wieder die Augenbraue hochzieht, ist diese Art Gruppenzwang: Hat es einer vorgemacht, kommen nach und nach die anderen mit ihrer Beichte und der Ankündigung, sich mal eben in einer Klinik gegen Sexsucht behandeln zu lassen. Aber ist jeder Betrug auch immer gleich die Ursache einer Sexsucht?
Vermutlich kennt jeder zweite oder dritte von uns aus eigener Erfahrung, wie es zu so etwas kommen konnte. Das Verstehen dessen mildert nicht den Schmerz, den wir zufügten oder zugefügt bekamen. Aber ich glaube, das Verstehen hilft uns, das Geschehene zu verarbeiten, damit umzugehen - und Erkenntnisse für das Jetzt und Hier und für die Zukunft mitzunehmen.
Was ist im Jetzt & Hier und in der Zukunft möglich und was nicht?
Manchmal gehört auch dazu, etwas zurückzulassen, aufzugeben.
Mit Sucht hat das Fremdgehen wohl nur in den wenigsten Fällen etwas zu tun und mit jeder neuen Schlagzeile wünschte ich, man möge doch die Menschen in Ruhe ihr Leben ordnen lassen - das braucht schließlich genügend Zeit und Kraft, auch Vertrauen neu zu fassen - aber sicherlich niemanden von außen, der mit dem Finger darauf zeigt. Wenn z. B. jeder "Woods-Berichterstatter" keinen Artikel schreiben dürfte, der sich selbst etwas vorzuwerfen hätte, würde es vermutlich auch keinen neuen Artikel mehr geben.

Vertrauen lässt sich im übrigen auch auf andere mannigfalte Weise missbrauchen, das Urvertrauen lässt sich auch auf anderem Wege als den Betrug elementar erschüttern - und mich verwundert schon ab und an, wie schnell die Menschen eigene Unzulänglichkeiten unter den Teppich kehren können und dafür anderen Menschen das Leben schwermachen.
Wie heißt es doch so schön? "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen."
Das bitte ich doch mal schön zu berücksichtigen.

Montag, 5. April 2010

Sie Kennt Den DJ

...und manchmal hat das auch nen Vorteil. Nämlich nicht nur den, dass man den einen oder anderen Drink aufs Haus spendiert bekommt, sondern auch den, dass man kostenlos und nebenbei ein bisschen Mucke abstauben kann, die sich so richtig cool zum stundenlangen Autofahren macht.
Tanzen habe ich verlernt, es sei denn, ich hab zwei, drei Gläser Wein genossen.
Es liegt mir irgendwie auch nicht, nach irgendwelchen merkwürdigen Klängen herumzuzappeln, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob hier jemand gerade an motorischen Störungen leidet oder doch tatsächlich tanzt. Insofern bin ich dann auch eher der stille oder kommentierende Beobachter ;-) wenn nicht eigentlich überhaupt der Bar- und Kaffeehausgänger - aber wenn der große Bruder nun schon mal auflegt... ;-)
Als ich gestern nun die heilige Halle meines Bruders betrat und diesen Song hier hörte, blieb ich einfach nur wie gebannt am Tresen stehen, noch im Mantel und in der Hand das erste gesponserte Glas Kirschsaft - und ich stand da, schaute auf die Menschen und sah doch nichts... Hörte nur die Klänge, hörte die Worte und mich überrieselte eine Gänsehaut, die es mir beinah unmöglich machte, etwas zu sagen oder gar zu denken.




Ihr könnt Euch ja sicher denken, dass genau dieser Titel der erste war, der auf meinen USB-Stick wanderte und den ich heute im Auto rauf und runter hörte. Nachdem ich nach den ersten Ortschaften beschämt vom Fahrer- auf den Beifahrersitz geklettert war, nur um mit dem großen Kind zu tauschen, das mich mit seinen Fahrkünsten derart beeindruckte, dass ich glatt neben ihm auf dem Sitz einschlief.

"Ich bin dabei, du bist dabei, wir sind dabei, uns zu verlieren..."
Manchmal erschreckt mich, dass Menschen, die nebeneinander stehen, dennoch nicht miteinander sind. Manchmal erschreckt mich der leere, nichtssagende Blick von Pärchen, die sich an den Händen halten und doch nicht halten. Manchmal erschreckt mich, wie lieblos Mann und Frau sich unterhalten, sich anherrschen, einander zurechtweisen.
Manchmal erschreckt mich, wenn Männer sagen: "Ich versteh gar nicht, warum sie abgehauen ist. Sie hatte doch alles - ein schönes Heim, den neuesten Herd, die neueste Bügelstation..."
Manchmal überrascht mich, wenn Männer ihren Frauen Blumen mit nach Hause bringen und sich darüber beklagen, dass die Frauen das nicht zu schätzen wissen.
Es überrascht mich, dass Menschen nicht sehen, dass man da sein kann, neben einem sein kann und trotzdem... nicht da ist. Mit den Gedanken ganz woanders, bei einem neuen Automobil, beim Kontostand, beim neuen Telefon - oder manchmal im schlimmsten Fall bei einem bestimmten anderen Menschen.
Man kann jeden Morgen miteinander erwachen und abends miteinander einschlafen - und entfernt sich dennoch immer weiter voneinander.
Diese Gefahr ist sicherlich umso größer, je größer der Raum zwischen einem Paar ist.
Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass es manchmal nur wenige Worte, wenige Gesten vermögen, den tatsächlichen Raum derart zu verkleinern, dass man meint, man müsse sich nur umwenden und könne den anderen erblicken. Manchmal muss der andere nicht wirklich da sein, um zu spüren, dass er dennoch da ist. Nur manchmal reicht genau das eben auch nicht. Wenn zwei Menschen beginnen, immer mehr ihr eigenes zu machen, immer mehr Erlebnisse mit anderen Menschen statt dem Partner zu teilen, dann... muss man sich schon eines Tages fragen: Wollen wir unseren Weg überhaupt noch gemeinsam gehen?
Oft ist es ja so, dass die Entfremdung zunächst eher andere Menschen feststellen als man selber. So wie meine Mama das Ende meines bisherigen Lebens vor gut sieben Jahren kommentierte: "Ich hab schon vor zwei Jahren gespürt, dass von euch beiden immer mehr jeder seins machte... Und es somit nur doch eine Frage der Zeit war."
Versteht mich nicht falsch: Ich muss mit einem Partner nicht gemeinsam aufs Klo gehen und an seinen Beinen häng ich weiß Gott auch nicht, wenn er ohne mich das Haus verlässt. Ich möchte genauso ohne ihn gehen und atmen und dann heimkehren können mit einem guten Gefühl, dass man aneinander kuschelt und sich erzählt. Vermutlich ist das Ganze eine Gratwanderung, die man erst lernen muss zu beherrschen. Aber wahrscheinlich ist das alles eher auch eine Frage der Priorität.

Ich geb' nicht auf. Gehst du mit mir?
Gehst du mit mir mit auf uns zu?

Fällt dir nichts ein? Komm leg nicht auf,
komm reg dich auf und komm zur Ruh'..

Noch immer, nach dem hunderttausendsten Male Hören bekomm ich Gänsehaut bei den Klängen, bei den Lyrics... Erst heute las ich wieder ein Zitat: "....Die Summe des Lebens sind die Stunden, in denen wir lieben..." Das ging mir genauso unter die Haut. Ehrliches, aufrichtiges Lieben. Eins, das keine Ausreden oder Lügen birgt. Das genug Raum für jeden lässt, ohne dennoch voneinander zu entfernen...

Ich brauch jetzt einen Kaffee - wer noch?

Samstag, 3. April 2010

Meyers Erleuchtung

Das Wichtigste (für mich jedenfalls) zuerst - obwohl Ihr das ja auch von allein merken müsstet (ohne Laptop schließlich kein Blog, zumindest nicht an Zeiten, die außerhalb der Bürotätigkeit liegen ;-)):
Mein Laptop ist wieder dicke da, genauso wie ich selbst. Daten gerettet, dann einmal plattgemacht und wieder neu installiert. Daran habe ich sage und schreibe elf Stunden gesessen - ja wirklich - elf ganze Stunden. Begonnen um 18 Uhr, zu Bett schlich ich morgens kurz nach fünf und auf dem Weg dahin den Gedanken verwerfend, mir stattdessen einen Kaffee zu kochen und Frühstück zuzubereiten.
Aber wie Ihr seht - die Mühen haben sich gelohnt und noch einmal sende ich einen dicken fetten Dankesgruß nach... na er weiß schon wohin ;-)

Das Frühstück in dieser herrlichen Morgensonne bereitete dann Frau Ziggenheimer Seniorin ;-) und der Herr Papa mir als "Neu-Nichtraucher" (ganz eisern seit drei Jahren) einen Spaß zum Morgen, den ich Euch hier einfach nicht vorenthalten kann, der die Raucher unter Euch königlich amüsieren wird und uns eiserne Nichtraucher milde und nachsichtig lächeln lässt...

Also ich zitiere Auszüge aus Meyers Erleuchtung (Chin Meyer, ein Satiriker, der wöchentlich in einer deutschen Illustrierten zu Worte kommt): "Rauchen gegen die Krise!"

"...Rauchen in öffentlichen Räumen kostet jetzt sogar ein Bußgeld. Bis zu 1000 Euro! Das ist drastisch. Wenn Rauchen in öffentlichen Räumen bereits 1000 Euro kostet - was kostet dann Furzen in geschlossenen Fahrstühlen?
...Über die Tabaksteuer kann ein einzelner Raucher im Laufe seines kurzen Lebens bei nur vier Schachtel am Tag bis zu 17 Kindertagesstätten finanzieren! Da sollte man Nikotinsüchtigen nicht mehr so gemeine Begriffe an den Kopf werden wie z. B. "Kettenraucher" - es handelt sich vielmehr um einen hochengagierten Staatssponsor! Wir sollten auch nicht mehr vom Raucherhusten sprechen, sondern von einer temporären Finanzschwäche! Und eine Kippe ist keine Kippe, sondern ein Restguthaben!
...Man könnte sagen, der Penner unter der Brücke ist der Motor der Konjunktur. Wenn Sie also das nächste Mal einem Bettler einen Euro zustecken, fürchten Sie bitte nicht, dass er das gleich wieder versäuft - beten Sie lieber, dass er sich keine Karotte kauft!"

Wie gesagt, dieser Artikel zum sonnigen Morgen hat mich köstlich amüsiert und während ich mir genüßlich zum Essen den Karottensalat schmecken ließ, dachte ich daran, wie dankbar ich als ewiger Nichtraucher bin, dass ich heutzutage in einem Lokal speisen kann, ohne von Rauchern geruchsbelästigt zu werden. Oder was glaubt Ihr, würden die Raucher sich echauffieren, wenn wir in den Lokalen unseren Darmbewegungen freien Lauf ließen?

So, ich muss dann mal - es schnuppert grad nach lecker Käffchen ;-)

Donnerstag, 1. April 2010

Happy Easter!

...to all...

...und der Song, den Ihr hier hört, ist der - so glaube ich - neue von Grand Avenue, die, so las ich gestern Abend noch im Internet, bevor augenscheinlich ein Virus zuschlug und meinen Laptop lahmlegte, am 13. Mai in die Moritzbastei kommen! Ich glaub, da geh ich hin!! Wer das auch möchte, melde sich bei mir: Adresse Hinter dem Deich 7 in Kleinfinstmichnich!

Diesen Song jedenfalls legte ich mir gestern Abend in den Player, bevor ich durch die Stadt düste, wütend und traurig zugleich, die Lautstärke bis zum Anschlag und ein Fahrstil, bei dem ich inständig hoffte, dass extra für mich an diesem Abend sämtliche Blitzer ausgeschalten seien und unsere grünen Freunde am Straßenrand schliefen, anstatt Temposünder aufs Korn zu nehmen - und selbst wenn - ich hätte wohl dennoch nicht anders fahren können oder mögen und im E-Fall gehofft, auch mit 40 Jahren noch mit einem gekonnten Augenschlag beeindrucken zu können.

Frustmucke... nennt man das wohl :-( Und genau diese Mucke nehme ich auch mit, wenns in schätzungsweise drei Stunden auf Reisen geht. Sollten wir uns also die Tage nicht mehr lesen können (oder so), dann wünsche ich Euch allen sonnige freie Tage, genießt sie, ob mit oder ohne Kleid - Hauptsache genießen. Das tu ich nämlich auch. Und erwerbe nebenbei noch ein paar neue Lautsprecher fürs Wägelchen.

Mittwoch, 31. März 2010

Dolce Vita

Ist die Katze aus dem Haus... na Ihr wisst schon :-)
Ja - und das sieht dann auch genauso aus wie auf dem Foto. Dazu die Mucke von den Eagles (ihr "Tequila Sunrise" ist für mich der absolute Hörgenuss!!), in der einen Hand die Tasse Kaffee, in der anderen die Kamera fürs Foto, den mit Wonne verspeisten Pfannkuchen im Bauch (wozu gibt es schließlich eine Urlaubskasse? :-)), in der Tasche der diesmal ohne Zögern und Murren unterzeichnete Urlaubsschein und im Kopf schon
auf den gepackten Taschen sitzend - auf zur Reise an mein geliebtes Meer!! Ich weiß nicht, wie Ihr das seht - für mich ist das ein süßes Leben ;-)
Im Gepäck die neue Kamera, Akku nicht vergessen - sonst wirds nix mit Erinnerungsfotos. Immerhin sagte mir einst jemand auf meine Aussage: "Ich hab Angst davor, dass ich eines Morgens erwache und nicht mehr weiß, wer ich bin und wohin ich eigentlich wollte; ich hab Angst, mich eines Tages nicht mehr an meine Träume zu erinnern" folgendes: "Mach Fotos oder schneide Bilder aus, sammle Dinge, die dich an all deine Träume erinnern. Und sei dir sicher, so vergisst du sie nie."
Noch heute denke ich an diese liebevollen Worte, noch heute muss ich dann und wann unwillkürlich lächeln, wenn ich Steine sammel, Muscheln... Dreimal hat der Chef gesagt, ich soll die Steine vom Schreibtisch nehmen, sie passten nicht ins Ambiente. Dreimal plagte mich eine unglaubliche Taubheit auf genau diesem Ohr. Inzwischen hat er sich an uns gewöhnt :-)

Ich glaube, es gibt ziemlich vieles, an das man sich gewöhnen kann.
Und wie schnell es geht, sich an Schönes zu gewöhnen, überrascht und erstaunt mich immer wieder. Auch an mir selber ;-)
Ob im Alltag, ob in der Liebe - ich sehe vor allem letztlich eine Gefahr darin. Sich an etwas zu gewöhnen und sich zu wünschen, dass es immer so bliebe, birgt für mich das Risiko, stehenzubleiben, sich nicht mehr zu entwickeln. Manchmal, so glaube ich, muss sich aber etwas verändern, damit es erst wirklich schön werden kann. Wie schwer es ist, sich aus Gewohntem zu reißen, weiß ich wohl selbst am besten. Nicht immer ist das einfach - aber wer hat das schon auch versprochen?
Wenn ich mich so umhöre, dann erschreckt mich immer wieder auch : Jede(r) will (Ver)Änderungen, aber kaum einer möchte wirklich auch etwas dafür tun. So, wie es immer leicht ist, andere Menschen für etwas verantwortlich zu machen, anstatt bei sich selbst zu beginnen, so leicht ist es auch, Veränderungen zu fordern und sich selber zurückzulehnen.
Schon in der Kindheit wurde mir beigebracht: "Wer A sagt, muss auch B singen." :-)
Andererseits... Kann es wirklich schwer sein - wenn man dabei das Augenmerk darauf richtet, was man dafür bekommt?

Wenn ich gewusst hätte, was mir alles bevorsteht, als ich vor nunmehr sieben Jahren entschied, aus meinem bisherigen Leben auszusteigen, dann... hätte ich vielleicht doch noch gezögert. Andererseits... Jeden einzelnen Tag, den ich morgens aufstehe und die Sonne begrüße, jeden Abend, den ich heimkehre und entspannt die Schuhe von den Füßen streife, die Musik anstelle, Badewasser einlasse, nebenbei (natürlich) ein Käffchen aufsetze und das Abendessen zubereite, denke ich... "Helma... Allein für DIESES Gefühl hat sich dieser Weg gelohnt."
Denn - so schnell, wie wir uns an das Schöne gewöhnen, so schnell verblassen für mich auch die Bilder dessen, das nicht gut, das nicht schön war in meinem Leben. So als hätte ich keine Zeit mehr, mich auf Schmerzhaftes zu konzentrieren. Es gibt ja nun wirklich auch Wichtigeres, nicht wahr?
Natürlich könnte ich jetzt auch über die Ostertage was Nützliches machen, meinen Keller entrümpeln zum Beispiel oder meinen Balkon salonfähig machen. Ich wüsste nur nicht, warum ich das tun, warum ich die schönen Tage so leichtfertig verschenken sollte. Sperrmüll darf man eh nicht mehr an die Straße stellen, den tragen die Leute sogar eigenhändig raus - und nun harre ich geduldig dem Termin entgegen, den mir die Stadtverwaltung zugedenkt und fahre in der Zwischenzeit lieber hinaus in die Welt :-) Vor einigen Tagen stöberte ich in alten CDs (und entdeckte meine "Eagles"-CD wieder ;-)) und Fotos und stellte fest... "Helma - vieeel zu viele Sofa-Fotos, in allen möglichen Variationen zwar - aber dennoch ab dem zehnten Foto langweilig ;-) - ab mit dir, raus ans Meer oder wohin auch immer dein Herz dich trägt - und dann lass dich von der Kamera einfangen!" Und genau das werde ich tun. Damits dann mit Freundinnen und einem Glas Weißweinschorle auch was gibt, worin man stöbern kann :-)
Schade nur, dass das süße, französische Sommerkleid, das ich mir nach dem Liebesbrief vom Finanzamt geordert hatte, nun wohl bis morgen nicht mehr kommt. Ihr kennt das ja - der Schrank ist voll und irgendwie hat man trotzdem nichts Rechtes anzuziehen ;-)
Na gut, dann geh ich heut wenigstens zum Friseur :-)

Montag, 22. März 2010

Himmelhochjauchzend Zu Tode Betrübt

Als eine im Sternzeichen Zwillinge Geborene kann ich aus erster Hand berichten, dass das Gute an diesem Sternzeichen ist, dass ihr Himmel zwar sehr schnell einstürzen kann, aber mindestens ebenso schnell vermögen sie es, ihn wieder zusammenzusetzen (zumindest nach außen hin) und ein Grinsen durch die Welt zu tragen.
Manch einer vermutet dahinter reine Oberflächlichkeit, andere wiederum bezeichnen uns gern als Menschen mit zwei Gesichtern. Wobei ich Letzteres nicht immer zwingend als negativ empfinden würde. Dass wir nicht immer sagen und auch nicht immer zeigen, was wir denken und wie wir uns fühlen, ist ja... nicht immer auch gleich eine Lüge. Zumindest sagen wir nichts, das wir nicht denken - und DAS finde ich entscheidend ;-)
Aber wenn Ihr mich fragt, dann finde ich es schmeichelnder ausgedrückt, wenn ich sage: Zwillinge haben einen gesunden Selbsterhaltungstrieb, sie wollen leben, lieben & genießen und sich gar nicht lang mit Dingen aufhalten, die sie daran hindern ;-) Nicht umsonst sage ich auch immer, dass ich nicht in der Lage bin, einen anderen Menschen wirklich zu hassen. Hass bedeutet für mich eine solch unvorstellbar negative Energie, die ich einfach nicht besitze. Jedenfalls glaube ich das, denn wer auch immer mir in meinem Leben begegnet ist, was auch immer ich erlebt habe: Ich kann mich abwenden und meiner Wege gehen, aber Hass... hab ich so noch niemals erlebt.
Einst vor vielen Jahren bezeichnete mich meine Freundin als Menschen, der mit der Leichtigkeit eines Schmetterlings von Blüte zu Blüte fliegt. OK, aus dem Schmetterling wurde inzwischen ein ordentlicher Brummer und das Fliegen ist mir langsam auch etwas zu anstrengend geworden...
Doch noch heute, wenn Schwerter zum Kampf gezückt werden, stehe ich eher da wie's Gänseliesel auf der grünen Wiese: "Nu dabei habsch mir goar nix gedacht!"

Jedenfalls, der Himmel, der schon in den letzten Tagen wieder ins Wanken geriet und durch das gestrige Video einige Turbulenzen mehr erfuhr, hängt heut wieder zusammengesetzt über mir. Nicht weil sich irgendwas verändert hätte im Gegensatz zu den letzten Tagen. Nein nein, das wohl nicht. Aber weil ich meine Gedanken zunächst erst mal wieder auf das Positive in meinem Leben richte. Alles andere findet sich, so oder so. Und wenn ich grad selber mal nicht dran glauben kann, dann findet sich immer jemand, der mir die Zuversicht und die Hoffnung zurückschenkt ;-)

Und was heißt hier überhaupt: zwei Gesichter?! Ich hoffe doch, es sind noch ein paar mehr. Nur zwei Gesichter fände ich dann doch ziemlich facettenarm, meint Ihr nicht auch? ;-)

Sonntag, 21. März 2010

Wenn Wir Uns Nicht Selber Lieben

...warum sollte es dann ein anderer tun?

Wer schon jemals in Schwierigkeiten mit sich selbst gekommen ist und - mehr oder weniger - dankbar die Hilfe derer in Anspruch nahm, die sich damit auskennen, wird diesen Satz zur Genüge um die Ohren gehauen bekommen haben.
Ob man nun aber etwas "nur hört" oder es auch für sich verinnerlichen kann - das ist eine große Frage. Natürlich weiß man voller Inbrunst, was ein "go" ist und was ein absolutes "no go" bleibt. Komisch nur, dass wir bei unseren Freunden und Freundinnen immer wissen, was zu tun ist, und aber mit Blindheit geschlagen sind, sobald es um uns selber geht.
Als ich heut nun dieses Video hier im Internet entdeckte, von dem ich zwar den Song kannte, nicht aber die Grafiken dazu (wobei ja auch bei youtube für jeden User die künstlerische Freiheit besteht, Bilder in ein Video zu verwandeln, das nicht unbedingt das "offizielle" sein muss - aber das hier ist ein wirklich richtig tiefgehendes, wunderbares Video, das ich Euch unbedingt zeigen muss), da überkam er mich, dieser wohlverpackte Schmerz, den ich sorgsam verschnürt und verkettet wüsste und dessen Schnüre aber noch immer schmerzhaft zerren können...

Was ist die Liebe?
Wie fühlt sich die Liebe an?
Wo beginnt die Liebe, wo endet sie?
Wenn es wirklich Liebe ist, endet sie dann überhaupt eines Tages?




Liebe ist mit Sicherheit nicht, zu einem kleinen Karton zusammengeprügelt zu werden, auf dem Dein Name steht, in dem Du aber nicht mehr Du selbst bist. Liebe kennt keine blauen Flecken auf dem Körper und aber auch nicht auf der Seele.
Liebe ist nicht, wenn wir mit einem Möbelstück nach dem anderen werfen oder nach dem anderen treten.
Liebe ist auch nicht, wenn wir jeden Tag hören, wie sehr wir versagt haben, nur damit der andere sich sagen kann: ER/ SIE hat versagt, ich nicht...
Ist es noch Liebe oder (nur noch) Gewohnheit, wenn wir vorausstürmen und nicht mehr danach schauen, wo der andere bleibt?

In guten wie in schlechten Tagen - aber das Thema hatten wir ja schon.
Ich persönlich erlebe die Liebe z. B. auch so, als dass der andere Mensch in meinen Gedanken ist, sobald ich morgens erwache. Dass der Gedanke an ihn mich am Tag begleitet, wenn auch nicht immer bewusst, zuweilen auch einer Ahnung gleich - aber immer da... Dass der Gedanke an ihn bis zu dem Moment bleibt, in dem ich abends einschlafe. Dass ich in den Armen des anderen einzuschlafen vermag mit dem Empfinden: Genau hier möchte ich sein und nirgendwo anders.
Dass ich in der Nacht aus wirren Träumen erwache, die Gegenwart des anderen spüre und mit dem wohlig durchrieselnden Gefühl von Geborgenheit wieder einschlafen kann, sobald meine Hand auf dem Bauch des anderen ruht... Dass ich jeden Tag weiß: Hier bin ich sicher, ganz gleich, ob ich zu weit nach oben steige oder tief nach unten stürze...
Es sind nicht die Bekenntnisse, die wir mit Worten formen und die von unserem Bewusstsein gelenkt sind.
Es sind genau die Bekenntnisse, die wir dann erleben, wenn wir einfach nur reagieren, ohne nachzudenken.

Kennt Ihr z. B. diesen denkwürdigen Witz?

"Als sie jung verheiratet waren, sagte der Mann zu anderen:
Können Sie sich vorstellen, DAS ist MEINE Frau!
Nach zehn Jahren sagte der Mann zu anderen:
Kann ich Ihnen meine Frau vorstellen?
Nach zwanzig Jahren sagte der Mann zu den anderen:
Können Sie sich mal vor meine Frau stellen?"

Nichts ist immer gleich, nichts ist immer möglich. Nicht immer lässt der Alltag zu, uns wie der Prinz oder die Prinzessin des anderen zu empfinden. Aber wenn wir auch in diesen Momenten einfach nur wissen, DASS wir eben der Prinz oder die Prinzessin sind, dann ist auch das für mich Liebe.
Als ich nun heute dieses Video sah... da wusste ich es einmal mehr: Es ist dann Liebe, wenn sie alles andere überdauert. Ihr mögt es anders empfinden, auf Euch mag auch das Video anders wirken. Ich jedoch hab unvorstellbar geweint - und es hat mir gut getan. Emotional zugänglich zu sein, aus Freude oder Schmerz weinen zu können - das hat nichts mit Schwäche zu tun. Schwach ist für mich, wenn Du Gefühle erst gar nicht wirklich zulassen kannst und Dich hinter der Angst versteckst, dass man Dir wehtut. Oder wenn das, was Du sagst, konträr ist zu dem, das Du tust.
Eine Bekannte schrieb mir vor zwei Tagen, dass sie sich nun von ihrem Mann scheiden lässt - nach zehn oder zwölf Jahren Ehe, einem gemeinsam gebauten Haus und drei gemeinsamen kleinen Kindern. Wenn sie die Liebe zu ihrem Mann nicht mehr spürt, dann ist es nur fair und konsequent, sich und dem anderen die Möglichkeit zu schenken, eines Tages neu zu beginnen. Glücklich zu sein und glücklich zu leben - wie auch immer das aussehen mag. Genau das wünsche ich jedem von Euch und auch mir selbst. So wie es mir meine Freundin vor ein paar Tagen schrieb "...irgendwann, das weiß ich. Weil Du offen bist, Dich hinterfragst, die Sonne in Dir trägst. Lass Dich vom Frühling umarmen und von mir..."

Mittwoch, 17. März 2010

Die Angst Treibts Rein...

...die Blase wieder raus...
Also aus Angst vor einer erneuten schweren Nierenbeckenentzündung, die mich noch im Februar bis kurz vor die Uro-Sepsis gebracht hatte, trinke ich seitdem zum Spott meiner Kolleginnen und Kollegen jeden Tag mindestens drei Liter Brennessel-Tee, besuche entsprechend oft das WC, auf dem schon bald ein Schild prangen dürfte "Reserved for Helma" und stelle mit zunehmender Begeisterung fest, dass diese Unmengen an Tee vor allem auch der Haut einen ausgesprochen guten Dienst erweisen. So wurde auf natürlichem Wege jede Zelle meiner Haut derart gepuscht, dass Gram- und sonstige Falten energisch aus dem Gesicht gepresst wurden :-)

Was ich aber heute von einer Kollegin serviert bekam, hat meine Haut unter dem Druck des Lachens derart gespannt, dass vermutlich nun auch die letzten Falten am Arsch geglättet sind.

Seht selbst!

Spätestens jetzt, nach Sichtung dieses dokumentarischen Filmches ist mir auch klar, warum ich am 16. März 2010 eine Eingangsbestätigung (!!) seitens der Deutschen Rentenversicherung zugestellt bekam, die hiermit kundtat, dass sie meinen Widerspruch vom 19. Januar 2010 (!!) bekommen hätten und bearbeiten würden - ich möge doch von Zwischenfragen absehen...

Spätestens jetzt wundert mich auch nicht mehr, warum ich das Übergangsgeld seitens der Deutschen Rentenversicherung für den Monat Januar (!!) am 6. März 2010 (!!) erhalten habe und die Zahlung für den Monat Februar 2010 noch immer aussteht...

Macht ja nichts - wir haben ja bald wieder Weihnachten und wer hat schon was gegen eine kleine Gratifikation...

Tja... Kinners... Humor ist, wenn man trotzdem lacht... Ich jedenfalls wische mir noch immer die Lachtränen von den Wangen und habe soeben die dritte Kanne Tee aufgesetzt :-)

Dienstag, 16. März 2010

Falsche Zähne, Falsche Haare, Falsche Brüste - Alles Falsch


Just found in world wide web...
Ein Designer namens Patrick Mohr stellte auf der Fashion Week neue Mode vor - aber was für welche...

In Zeiten des ewigen Streits um Mager- oder Proper-Models (solange die sich nicht entscheiden, wähle ich die Zwischenausgabe auf nem verdammt schmalen Grat ;-)) und dem scheinbar ständig steigenden Drang nach "Auffallen um jeden Preis" (klar, in Zeiten der Inflation kauft kein Schwein mehr einen Hauch aus Nichts für 5000 Dollar) muss man den Leuten ja irgendwie schmackhaft machen, dass Geldausgeben zwar wehtun kann, aber wenigstens schön aussieht.

Aber mal Hand aufs Herz: Findet Ihr DAS schön?

Lt. Designer Mohr waren Hasenzähne und Alien-Schminke ein Muss. Nun... falsche Titten vermutlich auch!

Schwester Bleifuss

Alle diejenigen unter Euch, die wie ich das Auto benötigen, um täglich in die Arbeit zu kommen, kennen das sicher auch: Morgens ein bisschen getrödelt, weil der Lidstrich verwackelte (Mutter Helma) oder man nach dem Bücken von versehentlich fallengelassenen Utensilien die Frisur neu ordnen musste (Junior - doch, wirklich, das ist neuerdings so ;-)) - und so versucht man mit dem Fuß auf dem Gaspedal kleine Verzögerungen wieder zu korrigieren ;-)

Wenn man dich denn lässt: Auf cirka dreißig Kilometer Autobahn hast du einfach IMMER einen LKW- oder Sonntagsfahrer dabei, der nicht nur stur & gemütlich auf der rechten Spur tuckert, sondern der auch ebenso stur & gemütlich mal eben von rechts nach links schwenkt und es - heureka - nach ungefähr zwölf Kilometern schafft, einen anderen LKW-Fahrer zu überholen. Elefantenrennen nennt man das, glaube ich. Manchmal, wenn ich trotz der ersten guten-Morgen-Tasse-Kaffee noch müde bin, bleibe ich entspannt und gelassen, singe ein Liedchen nach dem anderen aus dem Radio mit - aber manchmal, wenn ich statt einem gleich zwei Lidstriche neu zeichnen muss oder das Kind sich partout nicht vom Spiegel trennen konnte und die Zeit dahinflutschte wie ein Eis in der Augustsonne, dann stellen sich in Stufe Eins die Nackenhaare auf, in Stufe Zwei wachsen die Eckzähne, in Stufe Drei werden alle noch vorhandenen Zähne gefletscht - und in Stufe Vier rauscht Helma Ziggenheimer schlussendlich mit tellergroß aufgerissenen Augen am "Hindernis" vorbei, das Pedal am Bodenblech, eine Hand am Lenkrad, die andere Hand bezeichnend an die Stirn gekloppt, nur um in der nunmehr noch verbliebenen Zeit jegliche Verzögerungen aufzuholen, die es ermöglichen, nicht mit "Mahlzeit!" von den lieben Kollegen begrüßt zu werden :-) Ja klar, auch bei uns gibt es Gleitzeitarbeit - aber die Kernarbeitszeit liegt laut Chef noch immer zwischen 8 und 17 Uhr ;-)

Ach übrigens... Es gibt da so ein chinesisches Sprichwort (oder wars japanisch? na irgend sowas fernöstliches jedenfalls ;-)), das da lautet: "Wer's eilig hat, soll langsam gehen."
Hmm. Ich, die schon einige Crash's überstanden hat, weiß, dass das stimmt. Aber leider entfällt mir dieser Satz, wenns Adrenalin hochschießt - und kommt demzufolge auch erst zurück, wenns wieder sinkt. Und wir alle wissen: Die Erregungskurven bei Frauen sinken langsam ;-)

Montag, 15. März 2010

Arbeit Macht Spass Oder: In Guten Wie In Schlechten Zeiten

...aber wer kann schon immer Spaß vertragen, nicht wahr?
Diesen Spruch rezitiere ich in Gedanken des öfteren, um nicht zu sagen: in aller Regelmäßigkeit - spätestens nach einem genussreichen Wochenende Montag Morgens in der Früh, wenn mich um 5.40 Uhr der noch so lieblich eingestellte Wecker aus dem Bett federt und ich weiß, dass ich nunmehr täglich nicht vor zwölf Stunden später wieder heimkehre.

Genuss ist für mich zum Beispiel, mich Freitagabend auf die Piste zu begeben, um auf Einladung hin eine kleine Bar mit Live-Musik zu erkunden, die ich bis dato noch nicht kannte, was aber möglicherweise unter Insidern eine Bildungslücke darstellt. Mir hats super gefallen - bis auf die Tatsache, dass der Raum, ausgelegt für cirka 140 Gäste, schätzungsweise 240 Gäste versuchte aufzunehmen, dass in solchen Etablissements (für mich: leider) kein Rauchverbot herrscht und ich somit bereits nach fünf Minuten stank wie ein Wiedehopf.


Genuss ist für mich inzwischen aber auch wieder, mich warm anzuziehen, Wind & Wetter zu trotzen und durch eine stürmische, morastige Pampa zu stürmen, Musike in de Oooohrn und nach gar nicht allzu langer Zeit ein unbändiges Lebensgefühl zu spüren, so dass ich - inzwischen mit roten Pausbacken ;-) - die Arme ausbreiten und vor Glück und Freude schreiend weiterstürmen wollte ;-) Selbstverständlich habe ich solcherart Gelüsten nicht nachgegeben (wobei... wieso eigentlich nicht? :-)), sondern bin mit durchweichten Schuhen, demzufolge nassen Füßen, zerzausten Haaren und einem glücklichen Gesichtsausdruck in das nächste Cafe eingekehrt, habe eine Tasse lecker heißen Milchkaffee geordert und bin anschließend, als ich nach mehreren Stunden heimgekehrt war, in die heiße, duftige Badewanne gesunken. Dieses Gefühl, dass kaum etwas im Körper schmerzt außer vielleicht ein wenig Muskelkater und so ein bisschen "Rest-Freund" - ich glaube, dieses Glücksgefühl kann kaum ein Mensch nachempfinden, der nicht Ähnliches selbst durchlebte...
Insofern... berührte mich die Reportage über eine junge Frau mit jahrelangen schweren Schmerzzuständen umso mehr, als dass sie mit Tränen in den Augen sagte: "Ohne meinen Partner hätte ich das alles nicht überstanden." Oder der Mann, der nach einem Sturz in seiner Küche vor über einem Jahr vom Hals abwärts gelähmt im Klinikbett liegt, nur zeitweise des Sprechens mächtig, wenn man ihm den Luftröhrentubus entfernte... Und der nach all dieser Zeit, die er dort zugebracht hatte, noch immer ungebrochenen Optimismus empfand und seiner Partnerin dankte: "Das Wichtigste ist in solchen Situationen, dass du jemanden neben dir hast, der ohne Wenn und Aber zu dir steht." Und der Reporter fragte: "Haben Sie denn so jemanden?" Und er lächelte ein stilles, aber unglaublich glückliches Lächeln: "Oh ja, das habe ich."

Wenn Ihr mich fragt... Es ist das Leben, das uns beinah täglich vor Augen führt: Wenn Du glaubst, dass Du alles hast und alles bist, weil Du einen guten Job und damit ein stolzes Einkommen hast, eine warme Wohnung und viele Freunde, die sich letztlich... zumeist nur noch als Bekannte entpuppen - dann bist Du eine ganz arme Sau, weil Dich Dein Konto nicht besucht und Dir auch nicht hilft, wenn Du am Boden oder im Krankenbett liegst, wenn Du nicht weißt, ob und wie Du am nächsten Morgen aufstehen sollst - und wenn auch niemand da ist, der Dich stützt, wenn Dir der Atem ausgeht, der sich ebenso mit Dir freut, wenn Du neuen Atem schöpfen kannst. Eine Zeitlang lässt sich vieles kompensieren - aber eben nur... eine Zeitlang...
Die junge Frau gestern, die hat es richtig gemacht: Die hat ihren Liebsten geheiratet. Ich beneide sie nicht und neide es ihr nicht - ich habe mich einfach nur für sie gefreut. Und gedacht: "Richtig so, Mädel." In guten wie in schlechten Zeiten. In guten Zeiten bleibt jeder gern. Aber wer auch in schlechten Zeiten bleibt - den hätte auch ich sofort geheiratet!

Freitag, 12. März 2010

Frühling, Ick Hör Dir Trappsen

Jedenfalls möchte man das meinen: Morgens, wenn ich das Haus verlasse, zwitschern in der Morgensonne herrlich die Vögel um die Wette, dass ich glaube, ich müsste um die Ecke biegen und blühende Lindenbäume erblicken. Nach dem ersten guten-Morgen-Kaffee, dessen Effekt schätzungsweise eine Stunde, maximal eineinhalb Stunden anhält, werde ich so unsagbar müde, dass ich für den Rest des Tages dagegen unglaublich machtlos bin, mich ebenso unglaublich nach meinem Heim & meinem Bett sehne - doch wenn ich dann abends endlich heimgekehrt bin, erwacht die Lust auf City & Co., auf lecker Milchkaffee in der Feierabendsonne und auf Beine baumeln lassen.
Aber vielleicht... sollte ich ja einfach nur mal wieder ausschlafen, anstatt hier einen auf Frühjahrsmüdigkeit zu machen ;-)
Jedenfalls bei meinem Filius scheinen sich ebenso typische Anzeichen von Frühlingsgebaren einzustellen: Schrieb er seiner Liebsten noch vor vier Wochen mit tausendprozentiger Inbrunst an die virtuelle Pinnwand: "M., ich liebe dich über alles und will dich niemals mehr in der Welt verlieren!!!", so stellte Mutter Ziggenheimer vor einigen Tagen fest, dass das Geschenk für die Liebste zum Valentinstag geschlagene vier Wochen später noch immer im Kinderzimmer herumlag und auf Nachfrage eine nur leicht überraschte und nicht einmal beschämte Aussage zurückbekam: "Ach daaaaaa ist das, ich hab mich schon gewundert."
Argwöhnisch beäugte die Mama ohne jeglichen Kommentar ihr Miniatur-Mannsbild, das sich in den letzten Wochen (leider) nicht nur optisch (zum Stolz der Mama ;-)) gemausert hatte, nur um am nächsten Morgen auf der Fahrt zur Schule schlussendlich der Neugierde nachzugeben: "Sag mal... ist wirklich alles in Ordnung mit dir und deiner Freundin?"
Ein kurzes Überlegen (die Pause war zu lang! :-)), dann ein langgezogenes: "Jooooaaaaa..."
"Wirklich?"
"Ja. Wieso fragst du?"
"Nun ja... Ich wunder mich nur... Sich in vier Wochen nur ein einziges Mal zu treffen, das Geschenk vergessen zu geben... zeugt nicht grad von großen Gefühlen. Das war am Anfang ganz anders." (Das ist es ja immer, aber das weiß das gute Kind noch nicht ;-))
Das Kind antwortete nicht, grinste nur.
"Also?" bohrte ich nach (ich konnts einfach nicht lassen ;-))
Und er sprach: "Alles gut."
Das war mir natürlich nicht genug Antwort :-)
"Alles gut? Ist also eure Sehnsucht nacheinander nur nicht mehr so groß?"
(Anmerkung: Natürlich ist mir bewusst, dass sich das Kind inmitten der Pubertät befindet und sich vielleicht noch hundertmal in seinem Leben verlieben wird. Doch erstens will auch ein 14jähriger Junge mit seinen Gefühlen ernst genommen und obendrein aber auch der Wissensdurst der Mama gestillt werden. Frau muss ja schließlich wissen, was in ihrem Kind so vorgeht ;-))
Die Antwort jedenfalls war ein Schulterzucken, ein Grinsen und eine Wiederholung: "Alles gut!"
Normalerweise hätte ich ja spätestens an dieser Stelle mit meiner Befragung geendet, wäre das Kind bis vor eben diese vier Wochen nicht beinah täglich zu mir gekommen, nur um mir stolz verliebte Pinnwandeinträge, E-Mails oder Komplimente zu zeigen und zu erzählen, so dass ich mir sagte: Also das Finale will ich schon auch miterleben ;-)
"Könnte es vielleicht sein... dass du dich für ein anderes Mädel interessierst?"
Bei dieser Frage schwirrten mir so einige Namen im Kopf herum, die er zuletzt "fallenlassen" hatte, und das Kind begann nunmehr zu lachen: "Könnte sein!"
Aha! Wusste ich es doch ;-)
"Ist es die J.?"
Er grinste: "Vielleicht. Könnte sein."
Hier musste ich nicht mehr weiter fragen. Was es auch immer demnächst zu sagen gab, er würde es mir schon erzählen. Und die Antworten ließen ohnehin vermuten, dass es sich bei besagtem Mädchen um einen "Treffer" meinerseits handelte, nur dass die Gegebenheiten noch nicht klar waren - und über ungelegte Eier spricht man ja bekanntlich nicht ;-)

Zusammengefasst jedoch: Wenn ich hier jeden Tag mit meiner Müdigkeit ringe, während meinem Heranwachsenden die Hormone durchgehen, dann, liebe Leser, kann der Frühling in der Tat nicht mehr weit sein. Egal, wie sehr es grad draußen schneit ;-)

Kameradenbetrüger

Gestern habe ich diesen Ausdruck zum ersten Mal in meinem Leben gehört. Wahrscheinlich ist das bei Euch anders, jedenfalls ich bin dafür von beinah allen Kollegen ausgelacht worden: "Was, das kennste nich? Wo kommste eigentlich her?"
Nun war ja der Raum Dresden zu Ost-Zeiten als "Tal der Ahnungslosen" verschrien (kein Empfang von West-Fernsehen und durch den ausschließlichen Empfang wohlpräparierter Nachrichten von DDR1 und DDR2 minder-informiert über die Geschehnisse im Rest der Welt ;-)) und das, wo ich herkomme, bezeichnete man oft und gern als "Insel der Ahnungslosen". Wir hatten nicht nur keinen Empfang von westlichen Wellen, wir waren gern auch mal so richtig abgeschnitten von der Außenwelt, wenns z. B. so arg schneite wie in diesem Winter (ich erinnere da nur mal an 1978 - jaaaaaa, daran kann selbst ich mich erinnern - so alt bin ich schon ;-)) - da stiegen die Erwachsenen hinab in ihre Keller und zählten besorgt die Vorräte und die Tage, die sie damit ausharren konnten, bis Nachschub vom Festland kam. Ich meine, wer will schon Kreide vom Felsen fressen? Viel anderes "Eigenes" hatte die Insel ja zumindest im Winter nicht zu bieten ;-) Macht zwar ne liebliche Stimme (Ihr kennt doch noch das Märchen vom bösen Wolf ?), aber eben nicht satt ;-)
Und wer weiß - die einen oder anderen Ausdrücke sind wohl aus selbigen Gründen ebenfalls am Rügendamm gescheitert ;-)
Jedenfalls erreichte mich am gestrigen Nachmittag der Anruf der obersten Behörde: "Bin in zehn Minuten im Büro - mach mir mal den Kameradenbetrühscher!"
Leicht verwirrt wurde ich alsbald von Regierung und mithörenden Untergebenen aufgeklärt, dass es sich bei einem solchen um einen "Kameraden" handelte, der von allen die größte Tasse Kaffee begehrte und die anderen damit um mindestens die Hälfte des gesamten Kaffees betrog ;-), steckte darüber hinaus den Spott & Hohn über die Unwissenheit der Insulaner ein, während einzig und allein ein hiesiger Kollege zugab, diesen Ausdruck selbst auch noch niemals gehört zu haben.
"Also ich hätte gedacht, das ist vielleicht jemand, der mit der Tasse Kaffee nach den anderen schmeißt."
"Na also DANN", entgegnete ich mit denkwürdigem Blick, "wärste kein Kameradenbetrüger, sondern ein KameradenSCHWEIN." :-D
In diesem Sinne - Prösterken! :-)

Dienstag, 9. März 2010

Wellengang - oder: Aber Nicht Hier Bei Uns!

Als es am vergangenen Wochenende hieß: Ostsee - wir kommen!!! da ließ allein der Beginn der Reise vermuten, dass nicht nur alles laufen würde, wie ich es von mir gewohnt bin, sondern dass auch meine angehende Dreißigerin mir derart ähnlich ist bzw. ich ihr, dass ich heimlich schon Vermutungen anstellte, ob wir irgendwie... entweder im früheren oder in irgendeinem späteren Leben Schwestern waren oder sein würden...
Als Frau J. aus M. pünktlich vor meiner Haustüre stand, war meine Tasche noch nicht fertig gepackt, die Kinder noch nicht final instruiert, der Wagen nicht betankt und das Navi noch nicht auf den Norden gepeilt. Typisch ich, grinste ich, während Frau J. genüßlich abwartend auf meinem Bettsofa Platz nahm und noch kurz vor dem Einschlafen meinte, ob es nicht doch besser sei, wir verbrachten unser Wochenende hier und gingen in irgendein Lokal.

Natürlich blieben wir nicht in Hometown, verließen eine Stunde später als geplant das Heim und orderten neben einer ordentlichen Tankfüllung entsprechenden Vorrat an Cola, Kaffee & Co.
Nun könnt Ihr Euch vorstellen, wenn Frauen sich die Ewigkeit von einer Woche nicht gesehen oder gehört haben, dann gibt es unvorstellbar viel zu erzählen - jedenfalls bei uns beiden war das rein zufällig so - und während wir einander das Herz ausschütteten, zwischendurch Musik hörten, sangen und die letzten Strahlen einer untergehenden Sonne genossen, kam nach schätzungsweise dreihundertundnochwas Kilometer, also etwa fünfzig Kilometer vor dem Ziel, der Gedanke auf: "Wie kommen wir eigentlich in unsere gemütlich angepriesene Meeresmuschel?"
"Weißt du das vielleicht?" fragte mich Frau J. und ich, Frau H., entgegnete erstaunt: "Nein, wieso ich, du hast doch die E-Mails." Woraufhin Frau J. antwortete: "Sie hat nur geschrieben, dass es egal ist, wann wir ankommen, sie hat aber nicht gesagt, WIE das läuft."
Offen gesagt - ich war so sonnig und wohlig aufgelegt, dass ich nicht einmal nur den Hauch eines Schockes verspürte, im Gegenteil - ich wedelte Bedenken kurzerhand zur Seite: "Egal, lass uns erst mal ankommen, dann werden wir schon weitersehen."
Gesagt, getan.
Nächstes Problem: Der Warnowtunnel - mautpflichtig. Darüber waren wir informiert, aber nicht darüber, ob wir eine (Jahres-) Vignette brauchten und ob es die eventuell auch an einer Tanke gab. Wo war eigentlich die letzte Tanke und kam hier überhaupt noch eine? Waren wir denn auch willens, das Geld für die vielleicht einzige Durchfahrt des Jahres auszugeben? Wobei ich mir überaus gern etwas an die Frontscheibe gepappt hätte, das Gott und der Welt meinen Besuch an meinem geliebten Meer preisgab. Wer macht schon nicht gerne Werbung für etwas, das er von Herzen liebt? ;-)
"Am besten, du fährst kurz vorher mal ab. Dein Navi leitet uns schon, außerdem kenne ich das hier noch, ich war vor einer Weile hier", versprach Frau J. Gesagt - getan. Nur um nach cirka zwanzig Kilometern Umweg festzustellen, dass Frau Navi uns stur auf die Autobahn zurück- und von dort ebenso stur vor den Tunneleingang führte. Vor uns prangte das Schild "KASSE" und zum ersten Mal kam uns der Verdacht, dass wir zwar voller Freuden, Enthusiasmus und was weiß ich nicht noch alles auf Reisen gegangen, eben diese aber doch - ums vorsichtig auszudrücken - recht planlos begonnen hatten.
Nicht dass uns das wirklich gestört hätte - es amüsierte uns eher.
Treu und brav führte uns Frau Navi in eine Gegend, die trotz mittlerweile Nacht, Eiseskälte und entsprechend trostloser Natur vielversprechend einladend aussah und als wir die einzige Parklücke der Straße erhaschten und erwartungsvoll vor einem Schlösschen standen, das die Aufschrift "Seniorenresidenz" trug, brachen wir in befreiendes Gelächter aus und beschlossen, uns in genau fünfzig Jahren hier niederzulassen.
Unsere Meeresmuschel jedenfalls entpuppte sich als frisch angemaltes Mehrfamilienhaus mit einigen Familiennamen und Namen von Appartements, die uns noch aus den Inseraten bekannt vorkamen. Nur - wo bitte durften wir denn klingeln? In unserer "Meeresmuschel" öffnete selbstverständlich niemand und während ich darüber noch kicherte, drückte Frau J. beherzt auf den Klingelknopf zum "Seepferdchen" und begehrte Einlass: "Entschuldigen Sie die Störung, aber wir haben hier eine Wohnung gebucht und kommen nicht rein."
"Ja", entgegnete eine leicht konsternierte Männerstimme, "aber nicht hier bei uns!"
Immerhin war er so freundlich, unverzüglich in ein paar Klamotten zu steigen und uns eine Telefonnummer herauszugeben und als wir nach einigem Hin & Her müde, aber glücklich unser Appartement betraten und begutachteten, gackerten wir noch immer über "...aber nicht hier bei uns!"



Ja... Was soll ich sagen... Ich bin noch niemals in meinem Leben allein mit einer Freundin verreist oder überhaupt mit jemandem, der nicht mein Partner oder mein Kind war ;-) - und während ich an eine Postkarte denken musste, auf der drei oder vier Frauen so um die siebzig/ fünfundsiebzig Jahre in einem Cabrio und mit flatternden Seidentüchern um Hals & Kopf die Straße entlangfuhren, genoss ich genau diese Erfahrung und sowieso ein unsagbar sonniges Wetter an meinem geliebten Meer, während wir uns in das Nachtleben der Küste stürzten und erwartungsfroh und ausgelassen in den - ich muss es noch mal wiederholen, sorry - dreißigsten Geburtstag von Frau J. feierten. Aufsehen erregten wir mit Sicherheit mit unseren eigenwilligen und zugleich lebensfrohen Tanzeinlagen ("Ich kann gar nicht tanzen!" - "Egal, komm, trink noch nen Schluck, dann gehts!") - aber gekümmert hat uns das kein bisschen. So lange nicht, bis wir müde wurden, der Alkohol uns längst nicht nur zu Kopf gestiegen, sondern auch in die Knie gesunken war und wir entsprechend den Heimweg aufsuchten. Nein, wir haben uns nicht verlaufen, nein, wir haben in keinen Winkel gekotzt und uns auch sonst in aller Manierlichkeit in der Öffentlichkeit benommen. Und während Frau J. verdächtig schnell in ihrem Bett verschwand, lag ich verwundert auf meinem Sofa und überlegte, wer nur dieses Zimmer anhalten könnte, das sich hier so drehte.

Nicht dass Ihr denkt, wir haben nur gefeiert, nein nein, natürlich sind wir echte Frauen und waren demzufolge auch shoppen. Ich bin ja eigentlich in der Hinsicht keine typische Frau, die einen Schrank voller Schuhe oder Handtaschen besitzt- also auch keine, die sich hysterisch und begeistert schreiend auf ein Paar Schuhe stürzt, die sie lange schon immer haben, aber nicht finden konnte. Zumindest aber habe ich an diesem Wochenende ein letztes Paar Peeptoes entdeckt, die ich gelassen genug war, zu einem Wahnsinnspreis von acht (!!) Euro ohne Geschrei und Aufhebens aus dem Regal zu nehmen und aber hysterisch genug war, sie nicht anzuprobieren, obwohl ich wusste, dass sie eine Nummer zu groß waren, nur um damit zur Kasse zu eilen.
Augenmaß ist alles, sagte ich mir voller Glücksgefühle, nur um jenes Paar Schuhe mit hängenden Ohren schätzungsweise drei Stunden später dem begeisterten Geburtstagskind in die Hand zu drücken und zu sagen: "Rucke di guh, kein Blut ist im Schuh - sie passen mir aber leider trotzdem nicht."

Und natürlich haben wir auch einen herrlichen (wenn auch begleitet von eisigem Wind) Spaziergang am Ufer des Meeres gemacht - und während die Möwen unser Haupt verschonten, ließ es sich die eine Freche nicht nehmen, mir auf das frisch geputzte Auto zu kacken.
"Was solls, bringt Glück", sagte ich mir, während wir am Sonntagnachmittag mit leiser Wehmut, aber angefüllt mit unglaublich viel Energie und Zuversicht die Heimreise antraten und uns schworen: "Das machen wir wieder! Sofort!" Natürlich hatten wir uns auch vorgenommen, das nächste Mal besser zu planen, vorzubereiten und zu organisieren, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke... Was will man denn eigentlich mit einem perfekt durchgeplanten Trip, wo Du Dich am Ende über all die tausend Kleinigkeiten ärgerst, die nicht so laufen wie gedacht, anstatt es entspannt anzugehen und auf sich zukommen zu lassen?
Für den E-Fall sollte man zumindest einen Plan B haben, aber hey - dazu sind wir doch jung und spontan genug, uns genau den auch einfallen zu lassen, wenn es soweit ist - oder etwa nicht?
Und wenn Ihr mich fragt - ich fand das geil genau so wie es war, eine wunderbare, tolle Erfahrung, ein schönes Wochenende und noch jetzt, einige Tage danach, vermuten meine Kollegen, dass ich nach über zwei Jahren wohl doch wieder mit den Psychopillen angefangen habe - ich sei einfach zu gut drauf.
Nein - ich schwörs - ich scheiß auf alle Pillen wie die Möwen auf mein Auto - ich muss nur einmal an mein geliebtes Meer fahren - DANN gesunde ich schneller als ich gucken kann ;-)
Und gerade überlege ich mir, ob ich Euch hier nun den Mund genug wässrig gemacht habe, um selbst einmal ans Meer zu fahren - und wenn mir das gelungen sein sollte, dann überlege ich mir weiterhin, ob ich vielleicht Reiseberichte schreiben und mir damit ein Zubrot für das Finanzamt verdienen sollte ;-)

Schlaft gut - ich zieh mich jetzt auch mal eben für die Dauer von ungefähr sechs Stunden zurück :-)
Eure Helma

Sonntag, 28. Februar 2010

Ich Sehe Was, Das Du Nicht Siehst

Also das Wichtigste gleich mal zuerst: Ich bin vollständig rehabilitiert.
Heißt: Ab dem morgigen Tag hat die Welt mich wieder, vor allem die Arbeitswelt - von früh bis spät. Ob sie das erträgt, weiß ich nicht. Ob ich das ertrage, weiß ich erst recht nicht ;-)
Ich weiß nur, dass das vergangene Jahr mich extrem viel Kraft gekostet hat, in so ziemlich jeder Hinsicht. Und ich bin froh, dass ich 2009 hinter mir lassen konnte. Dass ich irrsinnig viel Lebensfreude in jedem Zentimeter von mir von dem Moment an verspürte, kaum dass die ersten Sonnenstrahlen einen Hauch von Frühling mit sich brachten. Nein, ich bin keiner, der mit der Masse meckert und sagt: "Schluss mit Winter, genug davon." Dennoch genieße ich es sehr, morgens in mein Wägelchen zu steigen und nichts freikratzen zu müssen, nicht in die eiskalten Hände hauchen zu müssen, keine Angst haben zu müssen, von der vereisten Straße zu rutschen. Ja, gehört auch alles zum Winter, trotzdem bin ich froh. So wie ich auch froh war, als ich nach einigen Stunden Fahrt heut Abend in mein kleines süßen Zuhause kehrte und sah, dass die Tulpen noch längst nicht verblüht waren.




Und so öffnete ich Türen und Fenster, ließ milde Abendluft in mein Heim, drehte die Musik auf, entpackte Taschen und Tüten, sang und tanzte durch die Räume und lebte eine Freude, die mir in den letzten Wochen und Monaten ziemlich abgegangen war.




Also bitte versteht mich nicht falsch: Auch aus gegebenem Anlass muss ich hier unbedingt anmerken, dass es mich zuletzt oftmals in die Knie gezwungen haben mochte, jedoch niemals, wirklich niemals habe ich mit dem Gedanken gespielt aufzugeben. Mich selbst aufzugeben. Für den einen oder anderen mochte ich so geklungen haben. Für den einen oder anderen mochte ich auch nicht mehr die Helma gewesen sein, die sie im Grunde kannten. Und vielleicht bin ich es auch gar nicht mehr. Vielleicht bin ich heut ein anderer Mensch. Ich stelle mir hier gar nicht die Frage, ob besser oder schlechter - nur anders. Früher zum Beispiel war ich wesentlich impulsiver, ich hab einfach drauflos gelebt, gelacht, geredet, wie es mir gerade in den Sinn gekommen war - und ohne darüber nachzudenken, wie ich auf die Menschen gewirkt haben mochte. Klar, dass hat nicht nur Missverständnisse mit sich gebracht. Ebenso musste ich die Erfahrung machen, dass es zuweilen auch Verletzungen mit sich bringen kann, auch wenn es niemals meine Absicht gewesen war.
Wie ist es heute? Heute neige ich dazu, meine Empfindungen und Gedanken in mir selbst und mit mir selbst zu verarbeiten. Ich erlebe die Menschen und die Welt um mich herum, lasse sie oft auf mich wirken, oft ohne zu fragen oder etwas zu sagen. Zumindest brauche ich heute mitunter eine ganze Weile, ehe ich meine Gedanken zum Ausdruck bringen kann. Ich nehme es an, als ein Geschenk oder nicht, doch was mich immer berührt, ist das Dazwischen...
Das, was zwischen den Zeilen steht.
Das, was in den Gesten steckt.
Das, was unausgesprochen im Raum hängenbleibt.
Das, was ich sehe und Du nicht.
Mit all diesen Eindrücken, Gedanken und Empfindungen vergrabe ich mich in meiner Musik, schwinge mich auf meine Rollschuhe, male, schreibe - oder dekoriere meine Wohnung neu. Und wenn ich gar nicht mehr weiter weiß, dann laufe ich zu einem Menschen, dem ich alles sagen kann, wo ich meinen Kopf auf seine Beine legen und weinen kann, ohne mich auch nur für irgendetwas schämen zu müssen, ganz gleich, ob es recht oder unrecht war, das ich tat.
Inzwischen habe ich gelernt, dass es nicht immer etwas zu sagen, nicht immer etwas zu tun gibt. Ich habe gelernt, dass manches die Zeit mit sich bringt - oder auch nicht. Und dass es entscheidend ist, dass man immer jemanden bei sich, mit sich, um sich weiß, zu dem man eben gehen kann. Das ist mit nichts zu bezahlen. Ich weiß noch, in früheren Zeiten... Da hatte ich ein Einkommen, ein Auskommen, eine - wie man so sagt - gut situierte Familie (zumindest nach außen). Oder - wie man auch sagt - ein goldener Käfig. Als ich diesem Käfig entflohen war, fand ich mich beinah ganz allein wieder. Mein erster Geburtstag in "Freiheit", auf den ich mit mir selber anstieß. Mein erstes Weihnachten in "Freiheit", auf das ich mit soviel Rotwein anstieß, bis es nicht mehr schmerzte.
Dennoch... Wie heißt es doch so schön: "Der Schmerz ist es, der dich lehrt, wer du wirklich bist."
Heut bin ich ein Mensch, der gern allein ist, der aber nicht allein leben, sein Leben nicht allein verbringen möchte.
Heut bin ich ein Mensch, der mitunter allein, aber nicht einsam ist - weil es Menschen gibt, die an den guten Dingen in mir graben wie die Schatzjäger - und die sich nicht nur mit mir freuen, wenn es mir gut geht, sondern auch mit mir weinen, wenn es mir nicht gut geht.
Heut bin ich ein Mensch, der sich mehr und mehr von Vergangenem löst und auf das Neue freut.
Heut bin ich ein Mensch, der noch immer gern Dinge vor sich her schiebt, bis es beinah pressiert; der - wenn überhaupt - erst beim dritten Mal Klingeln ans Telefon geht; der Gewohnheiten gern mal zu ungeschriebenen Gesetzen umfunktioniert, wenn es ihm passt; der beinah täglich seine Überzeugungen ändern kann, nicht aber die Dinge, an die er wirklich ehrlich glaubt; der auch zum tausendsten Mal seine Schere sucht, weil er nicht weiß, wo er sie zuletzt hingetan hatte; der so gut mit Improvisationen leben kann, bis es ihm erscheint, als sei es niemals anders gewesen - und der aber noch immer tolerant genug ist, Euch allen genau das auch zuzugestehen und so ziemlich jede Lebensform zu akzeptieren und zu tolerieren - solange es niemanden verletzt.
Ob das nun gut ist oder schlecht, genauso wie früher oder doch anders... Wie gesagt, ich finde entscheidend, dass man immer jemanden mit sich weiß, auf den man sich verlassen kann.
Ich pack mir jetzt erst mal ein paar Gelee-Bonbons aus. Das ist die so ziemlich einzige Konstante, die ich mir aus dem früheren Leben bewahrt habe ;-)


Sonntag, 21. Februar 2010

Die Einen Geh'n Zum Karneval...


...die and'ren geh'n ins Hospital.Hatte ich mir nach gut zwanzig Jahren vorgenommen, mich herrlich schräg und verrückt angezogen mal wieder ins närrische Treiben zu stürzen, Faschingsluft zu atmen und wunderbar ausgelassen zu sein, so fand ich mich statt dessen eines schönen Abends in der Notaufnahme eines Klinikums wieder, stundenlang liegend auf einer Unterlage, mit der man mich bequem über diverse Gänge zwischen den Abteilungen "Urologie" und "Innere" hin und her schob, ehe man sich einigen konnte, wohin ich denn nun gehörte. Zwischendurch lag ich auch mal irgendwo auf einem Gang, wie bestellt und nicht abgeholt. Offen gesagt, mich selbst kümmerte das inzwischen herzlich wenig, befand ich mich doch auf dem Weg zwischen Himmel und Erde, zwischen Fiebertraum und Wirklichkeit, schlief ich auch mal mit angezogenen Beinen auf eben dieser Unterlage ein, ehe mich eine Krankenschwester wie zufällig fand und in das nächste Untersuchungszimmer schob und sich mal der eine, mal der andere Arzt mit dem Ultraschallkopf Einblicke in meinen Körper verschaffte, mir Blut genommen oder Substanzen injiziert wurden, ehe man sich entschloss, der Einfachheit halber doch mal einen ständigen Zugang zu legen.Für diesen Zugang war ich spätestens dann echt dankbar, nachdem der Assistenzarzt seine Untersuchungen an mir bestimmt zum vierten Mal schlagartig unterbrach, fluchtartig das Zimmer zum nächsten Notfall verließ und statt seiner eine Schwester mit gezückter Spritze erschien: "So, jetzt gebe ich Ihnen mal ein bisschen CDA!"Was auch immer CDA sein mochte (sofern ich es richtig verstanden hatte in meinem ganz persönlichen Nirvana) - der Assistenzarzt kehrte noch rechtzeitig zurück, um zu erklären, dass jene Spritze zur Patientin im Nebenzimmer gehörte ;-)Ich weiß noch, den ersten Tag, den ich mich wieder auf meinen Beinen bewegen konnte, orientierte ich mich in diesem Krankenhaus nur mit zurückgelegtem Kopf: Etwas anderes als die Deckenmalereien hatte ich ja bis dato noch nicht kennen gelernt ;-)Die unangenehmen und unschönen Details, wie man sich ansonsten noch Einblicke in das Innere eines Menschen verschaffen kann, erspare ich Euch an dieser Stelle ;-) Wichtig ist ja ohnehin, dass ich inzwischen die Klinik verlassen konnte mit einem halbwegs wiederhergestellten Gesundheitszustand, dass ich auch wieder auf meinen Beinen stehen und gehen kann und in hoffentlich alsbaldiger Zeit auch sonst alles wieder so ist wie es vorher war. Als lustig empfand ich dennoch jenen Abend, als die Nachtschwester zu mir ans Bett trat und mir nach einem Blick auf die Spritze in ihrer Hand schlagartig die Vorzüge einer adipösen Bauchdecke bewusst wurden. Trotzdem tat sie weh - aber was dann passierte, war einfach nur genial: "Jau Helma, du kannst fliegen! Los, ab offs Fensterbrett und hoch die Arme, mach die Flatter!" Mir war so leicht und goldig zumute, dass ich das am liebsten auch getan hätte, einzig die Infusionskabel hielten mich zurück und auch der Gedanke, dass es im Gegensatz zu meinem Bett draußen eisig kalt war.
"Was für ein Teufelszeug", erklärte ich begeistert der Frühmorgenschwester, "sagen Sie, war das ein Mittel zur Verjüngung? Soll ich mich wieder wie vierzehn fühlen? Schauen Sie sich mal mein Gesicht an - so viele Pusteln hatte ich aber da nicht mal in der Pubertät!"
Geantwortet hat sie nicht, sich aber auf dem Absatz rumgedreht und mir ob der heftigen allergischen Reaktion auf das Medikament den nächsten Klinikarzt an den Hals geschickt ;-)
Und wenn ich heute so meine Arme beschaue, dann bin ich froh, dass keine Sommerzeit ist, wo ich mit Sicherheit Gefahr gelaufen wäre, an der Straßenbahnhaltestelle als Drogenjunkie aufgegriffen zu werden.

Und so kehrte Yeti Helma eines Tages wieder nach Hause, zurück in eine menschenleere, kalte Wohnung ohne Blumen zur Begrüßung, dafür aber mit einem gut geleerten Kühlschrank, in dem die hinterlassenen Reste fröhlich vor sich hingammelten, und auch sonst mit einigem zu tun, um es halbwegs wieder heimelig zu bekommen. Anschließend gönnte ich mir ein Bad und entfernte jeglichen Haarwuchs, der in der Klinikzeit munter vor sich hingewuchert war. Immerhin hatte ich einen Freund in der Nachbarschaft gebeten, mir so einen Einwegrasierer in der Klinik vorbeizubringen, woraufhin er mich entgeistert fragte: "Sach ma, hast du keine anderen Sorgen?" und ich antwortete: "Nur weil ich mich scheiße fühle, muss ich ja nicht auch so aussehen und ich hab leider meine Pinzette nicht dabei." Mir diesen Rasierer zu bringen hat er leider bis heute nicht geschafft - aber nun bin ich ja wieder daheim und somit in Besitz von Pinzette, Epilierer & Co. ;-) Und nach einigen sehr unschönen Telefonaten und Anrufen, die Erkrankungen zuweilen mit sich bringen können, sperrte ich meine Wohnungstür ab, verbarrikadierte mich an diesem wundervoll milden Wochenende in meiner Wohnung, verließ sie nur einmal, um etwas Futter heranzuschaffen und verkroch mich ansonsten, um meine Wunden zu lecken, brav meine Medikamente zu nehmen und ansonsten neue Lichtungen in den Wald zu schlagen, der sich ungetüm und scheinbar undurchdringlich vor mir aufgetan hatte. Aber eben nur... scheinbar... Manchmal können wir Dinge und Entscheidungen ewig lang vor uns herschieben und dann genügt ein einziger Moment, um uns auf die Beine zu bringen. Nun, vielleicht sollte ich doch die Lesung "Aufschieberitis" besuchen und mir dort das letzte Handwerkszeug in die Hand legen lassen, das mir noch fehlte, um endlich aktiv zu werden. Die Erinnerung dazu jedenfalls lag in meinem Postkasten und entsorgt habe ich sie noch nicht. Vielleicht aber... sollte ich einfach auch endlich mal mit der Theorie aufhören und in die Praxis übergehen. Mit oder ohne Lesung, schließlich weiß ich doch, was ich will. Und was vor allem nicht!
Denn eins ist mir klar geworden: Werde ich nicht aktiv, trage ich das ganze Jahr die Narrenkappe - ob nun Fasching oder nicht. Und was es mit diesem "aktiv werden" genau auf sich hat, erzähle ich Euch... zu gegebener Zeit ;-)
Jetzt lege ich mich erst mal schlafen, das macht nämlich auch gesund.

Eure Helma

Dienstag, 9. Februar 2010

Globale Eiszeit

Also mich wundert ja echt, dass in diesem Winter noch niemand diesen Begriff geprägt hat: "Globale Eiszeit". In weiten Teilen Deutschland schneits, in den meisten anderen Teilen haben wir knackige Eiseskälte und durch festgefrorene Schneereste arschglatte Wege.
Hört man sich so um: Beinah ein jeder hat die Nase voll von Peterchen Frost.
Grad muss ich beim Schreiben ein bisschen lachen, weil mir einfällt, dass man es uns Deutschen vermutlich wirklich niemals recht machen kann: Haben wir Sommer, ist es zu heiß; haben wir Winter, ist es zu kalt und wenn wir all das eine kurze Weile ertragen haben, beginnen wir zu jammern und uns nach dem zu sehnen, das wir gerade nicht haben ;-)
Also wenn Ihr mich fragt: Auch ich hab das meiste meiner Winterausstattung aus dem Schrank geworfen und gegen die farbenfrohe Frühlingskollektion eingetauscht. Jetzt ruht es da und wartet nur darauf, tagtäglich aus dem Schrank genommen zu werden.
Ich kann ja aber noch nicht!
Und jedesmal, kurz bevor auch ich in das allgemeine Jammern einstimme, besinne ich mich darauf, dass wir ja gerade mal Februar haben, es also durchaus zeitgemäß und rechtens ist, morgens in ein ausgekühltes Auto zu steigen, wo Dir fast die Finger am Lenkrad festkleben, wo es erst so langsam warm wird auf dem Sitz, wenn Du nach 30 km Fahrt das Büro bereits erreicht hast, Dir nach ein paar Metern Fußweg die knackige Kälte durch sämtliche Lagen Deines Zwiebellooks kriecht und Du nach eben diesen wenigen Schritten derart verfrorene Wangen herumträgst, dass Du spielend als "The Next Tomato-Top-Model" durchgehen könntest.
Und was tun wir in solchen Situationen? Genau. Dasselbe wie in den meisten anderen Situationen auch: das Beste aus allem machen.
Treffen uns abends mit Freunden bei einem Glas heißen Tee, entblättern unter einer Schicht Winterklamotten die ersten zaghaften Frühlingsfarben.
Kaufen einen Arm voll Tulpen.
Beginnen schon jetzt mit dem Frühjahrsputz, damit dann, wenn es soweit ist, genug Zeit zum Genießen statt Putzen bleibt.
Malen die Wände in der Wohnung kunterbunt - gegen all die Tristesse und Trübseligkeit der kahlen grauen Umwelt.
Fahren in ein Wellnesswochenende und nehmen uns Zeit nur für uns selbst. Oder gehen einfach mal wieder in die Sauna.
Und ehe Du Dich versiehst, sind vier Wochen um und der Frühling ist da.
Und wenn nicht... Dann gibts nen Plan B! Und für die Medien einen neuen Grund zur Massenhysterie :-)

Montag, 8. Februar 2010

Verdammt Lang' Her

...ist der Moment, an dem mein Großer auf die Welt kam. Um genau zu sein: Am heutigen Vormittag vor zwanzig Jahren war er endlich da, nach eineinhalb Tagen Wehen, und ich weiß noch, was mein allererster Gedanke war, als man mir das kleine Bündel Mensch in den Arm legte: Gott, der sieht ja aus wie mein Papa, nur in Miniatur :-)
Und was haben wir nicht alles mit ihm erlebt.
Ein nachtaktives Schreikind, das mit sieben Monaten die Kraft seiner nächtlichen Schreiattacken entdeckte und erst ein paar Tage vor seinem dritten Geburtstag schlagartig damit wieder aufhörte. Fragt mal meine damaligen Nachbarn, selbst die aus dem Haus gegenüber - die können Euch Lieder singen aus dieser Zeit - und das sind mit Sicherheit keine gute-Nacht-Lieder.
Ein Kleinkind, das Bugs Bunny abgöttisch liebte und mit knapp drei Jahren sämtliche Typen von Autos bereits an kleinen Details erkannte.
Ein Kind, das mit einer Komplettausstattung an Schal, Mütze & Co. von Hansa Rostock begeistert aus den Ferien von Oma und Opa wiederkehrte und dessen Briefe voll waren von neuesten Fußballergebnissen und -ereignissen, mit denen Mutter und Vater nun so gar nichts anzufangen wussten ;-)
Ein Schulkind, das schneller dachte als es sprechen konnte, das in der Feinmotorik völlig ungeschickt war, aber wunderschön zeichnen konnte. Von dem man uns sieben Jahre lang in dem Glauben ließ, es leide an Epilepsie, bis durch einen Zufall die Wahrheit ans Tageslicht kehrte, so wie wir der Psychologin den Rücken kehrten, die mit ihrem unübersehbaren Interesse für ondulierte gebleichte Locken, Perlenketten und Neckermann-Kataloge allen Ernstes vorschlug: "OK, keine Epilepsie, aber in die Sprachheilschule könnten Sie ihn doch wenigstens schicken."
Ein Teenie, der uns mit seinem fotografischen Gedächtnis begeisterte und bis heute ein Sozialverhalten entwickelte, von dem sich so einige ein Scheibchen abschneiden könnten.
Auf dieses Kind, das inzwischen längst kein Kind mehr ist, das gelassen auf mich herunterschaut, wenn ich mal wieder nervös werde; das mit aller Lässigkeit einen ganzen Wocheneinkauf auf Händen balanciert; das gerne eine Freundin hätte, sich aber nicht die Bohne für Dinge interessiert, die heute so angesagt sind; das noch mit dreizehn Jahren in die Klamotten des sechs Jahre jüngeren Bruders steigt, weil es glaubt, dass mitten im Februar Zeit für kurze Hosen ist ;-); das lieber auf sein erstes Mal verzichtet als es "nur so" und mit "irgendwem" zu tun - auf dieses und mit diesem goldigen Kind im Manne habe ich heute beim Italiener mit einem Kräutertee angestoßen, weil das Auspieseln jeglichen teuren Prickelwassers derart schmerzhaft ist, dass es das Wohlgefühl beim Hinuntergießen selbigen in die durstige Kehle nicht einmal annähernd kompensieren könnte.

Und so verabschiedet sich für heute eine müde, sich ausgelaugt und kränklich fühlende, in die Jahre gekommene Helma, die aber mächtig stolz ist auf das, was sie da in den zwanzig Jahren so hinbekommen hat. Und den Zweiten... kriegen wir auch noch so hin ;-)

Freitag, 5. Februar 2010

Höhenrausch

...heißt eines der Bücher meiner Lieblingsautorin Ildiko von Kürthy. Lieber Niels Holgersson, leider habe ich damit Deine Buchempfehlung knapp verpasst (der Titel war ähnlich, aber eben anders - und ich habe ihn noch immer vergessen).
Auch muss ich sagen, dass "Höhenrausch" ein bisschen den Esprit von "Herzsprung" vermissen lässt (soweit ich das nach den ersten siebzig Seiten vermelden kann).
Fakt jedoch ist: Nach so einem beschissenen Tag wie gestern, einem nur minder beschissenen Tag wie heute hellt sich die Stimmung in der Tat um einiges auf, wenn die emanzipierte, gleichberechtigte Frau von heute entspannt im heißen, duftigen Badewasser liegt, eines der Bücher besagter Autorin zur Hand nimmt und in der Zwischenzeit ihre Kinder in den Supermarkt schickt, damit das Abendessen gesichert ist.
TUI - das habe ich mir verdient. So.

Der Blitz Schlägt Immer Dreimal Ein

Zumindest kenne ich diesen Spruch so seit meinen Kindertagen.
Aber wie die meisten von Euch wissen, sind genau diese Kindertage seit ewigen Zeiten her, inzwischen hat sich so ziemlich alles revolutioniert - die Gleichberechtigung der Frau (sie konnte den stinkenden Kohleherd gegen einen mit umweltfreundlichem Ceranfeld tauschen, spart Zeit, in der sie dann entweder baden, lesen oder putzen kann - und kein Geld - weil, sie könnte in der Zeit ja auch shoppen gehen), das Wasser kommt warm "aus der Wand", die Wäsche muss nicht mehr auf dem Brett geschrubbt werden, Frau von heute fährt außerdem in nem schicken Mini statt auf nem rostigen Fahrrad und die Wohnung gleicht einem Hightech-Shop, wo für mindestens einen Handgriff mindestens zwei elektrische oder elektronische Hilfsmittel zur Verfügung stehen.
Das bedeutet nun aber - nach der langen Einleitung - ebenso, dass sich auch... der Titel meines heutigen Eintrags revolutioniert hat. Und während zu damaligen Zeiten der Blitz eben dreimal einschlug, so geschieht das mitunter heute fünfmal oder sechsmal - und ehe Du richtig Luft geholt hast, kracht es gleich noch einmal hernieder.
So siehts aus.
Und wie sieht das ganz konkret im Alltag aus?

  1. Menschen kündigen Dir die Freundschaft (dagegen bist Du machtlos, aber egal, wie weh es tut, Du nimmst es hin, weil manche Wege vielleicht eben einfach auch zuende sind).
  2. Neckigkeiten im Job schlagen eines Tages in handfeste Streitigkeiten um (es fehlte nur noch eine Handbreit Schlamm zum Catchen).
  3. Angestellte mit Bürokratenstatus erteilen Dir einen Sperrvermerk, weil die Anlage C zum Schreiben B des Bürokraten A noch fehlt - aber sagen Dir nix davon (Du merkst es nur, wenn der Lohn für harte Arbeitstage ausbleibt) - sie sind so überarbeitet, dass drei wohlgenährte Damen in einem Raum an jeweils einem gut ausgestatteten PC-Arbeitsplatz sitzen, neben sich eine halb geleerte Tasse Kaffee und sonst nix - gar nix - aber klimpern wie wild auf ihrer Tastatur herum, so dass Du genau weißt: Die Beschäftigung heißt "Internetsurfing" oder "Solitaire".
  4. Beim Einstieg in Dein Auto brummt es Dich derart laut an, dass Dir schlagartig klar wird: JETZT ist der nächste Besuch in der Werkstatt fällig - macht ja nix, der letzte ist ja erst drei Monate her.
  5. Beim Eintritt in Deine Wohnung brummt Dich noch lauter Dein pubertierendes Kind an, weil Du gewagt hast, seine angeregte Chat-Kommunikation mit der Liebsten zu unterbrechen, nur um so unnötige Dinge zu erfragen wie den Blick in das Hausaufgabenheft und auf etwaig gelöste Hausaufgaben. Doch schon beim Blick in das Hausaufgabenheft bist Du wie vom Donner gerührt: Drei Einträge in zwei Tagen - und zwei Einträge davon wegen flegelhaftem (möchte-gern-obercool, sagt Mutter Helma dazu) Benehmen Schülern und Lehrern gegenüber, wegen Null-Bock-Stimmung und leider Gottes auch entsprechenden Benotungen. Als es dann noch wagt zu fragen, wieso es nicht beim Freund übernachten darf, bricht ein Donnerwetter über das Haus Ziggenheimer herein - eins, von dem Du selber weißt: Es war lange, lange fällig. Doch wenn das Kind dann äußert: "Bin ich froh, wenn ich wieder beim Vater bin!" oder "Vielleicht sollte ich doch lieber beim Vater wohnen!" dann ist das ein Gefühl wie mindestens drei Blitzeinschläge auf einmal.
  6. Dich erreicht ein Anruf einer Lehrerin Deines Kindes - und Du erfährst so nebenbei noch ein paar Dinge aus der Rubrik "Was Sie über Ihr Kind noch nicht wussten, aber vielleicht wissen sollten."
  7. In der Nacht überfällt Dich Freund Schmerz so derart, dass Du weder schlafen noch atmen kannst und irgendwann vor lauter Selbstmitleid zu heulen anfängst, weil Du Dich alleine fühlst mit allem und einfach nicht weißt, wie Du alles und jederzeit bewältigen sollst.
Ja... Sieben Dinge - und alle sieben Dinge auf einen Schlag, sprich: an einem Tag. Irgendjemand sagte mir: "Dein Schmerz macht dich dünnhäutig und anfällig für Dinge, die du gar nicht nötig hast, so an dich heranzulassen." Hmm. Also ich weiß nicht. Wenn ich alle sieben Punkte so betrachte - bin ich dann eher nicht nur optisch ein Dickhäuter?
Denn Fakt ist eins: Wie es sich anfühlt, schmerzfrei zu sein, habe ich beinah vergessen.
Und wie sich Tage anfühlen, die einfach mal ruhig und seicht verlaufen... das weiß ich auch schon nicht mehr.
Aber habe ich mich deshalb jemals unterkriegen lassen?
Oder überhaupt jemandem von Euch gezeigt, wie es mir wirklich geht?
Näää, nämlich nicht - weil niemandem damit geholfen wäre - auch mir nicht. Und auch DAS kostet verdammt viel Energie.
Nun ja, oder ich bin ein klarer Fall für die psychologische Streckbank. Auskotzen auf Rezept.
Aber vielleicht... sollte ich ja einfach nur ein bisschen schlafen. Zwei Stunden in der Nacht sind definitiv zu wenig. Mit ein bisschen mehr Schlaf hätte ich mich heute Morgen jedenfalls nicht im Bad versteckt und geheult, nachdem ich den Anschiss der Obrigkeit mit aufs WC genommen hatte.
Sondern einfach mal gezeigt, was ne Harke ist, anstatt mich hier zum Hampelmann der Nation machen zu lassen.
Vermutlich aber... liegt das Problem darin, dass es sich bei meiner Harke eher... um eine dreizinkige Mini-Gartenkralle handelt.
Gut. Jetzt hab ich mich bei Euch ausgekotzt (bis zum nächsten Streckbank-Termin vergehen noch vier Wochen), trinke einen Kaffee mit viel Milch darauf und spüle - so gut es geht - den letzten Rest des Trübsals mit hinunter. Schließlich steht das Wochenende vor der Tür. Na also.