Sonntag, 23. Juni 2019

Par Procuration



"Ich liebe dich in jedem Fall - selbst wenn es kein Ich und keine Liebe und nicht einmal ein Leben geben sollte - ich liebe dich."
Zelda an F. Scott Fitzgerald, per Brief 


Der Tag heute versprach Regen, eine Menge Regen. Das bedeutete, mir nach dem genüßlichen Frühstück ein Kleid überzustreifen, eine Strickjacke darüberzuziehen und mir ein Buch auf die Beine zu legen. Was es mir bieten würde, war ich mir nicht so ganz sicher. Von den bisher drei Büchern, die ich von ihr besitze, gefallen mir zwei ganz sehr. Insofern blieb eine leise Skepsis, während ich begann zu lesen. Mit jeder Seite, die ich umwendete, verblasste die Skepsis und vertiefte sich die Anspannung in mir: Wie würde es enden?
Obgleich ich ahnte, wusste, wie es enden würde - denn eigentlich endet es doch immer auf dieselbe Art..

"Par Procuration", sagte sie gedankenverloren. "Sie werden mir erklären müssen, was das bedeutet, Anthony."
Die Art, wie sie seinen Namen aussprach, rief eine gewisse Vertrautheit hervor. Darin lag ein Versprechen, die Aussicht auf eine Wiederholung irgendwann in der Zukunft. 
"Es bedeutet..." Anthonys Mund war trocken geworden.
"Es bedeutet, sich am Glück von jemand anderem zu erfreuen."

[1960. Jennifer sollte glücklich sein. Ein sorgloses Leben mit ihrem wohlhabenden Mann. Nur dass sie eben erkennt, dass sie ihn nicht liebt. Und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten.

2003. Der Journalistin Ellie fällt im Archiv ein 40 Jahre alter Brief in die Hände: Der unbekannte Verfasser bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen. Die Journalistin stellt daraufhin Nachforschungen an: Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Mehr als nur eine Handvoll Worte?]


Es gibt nicht viele Bücher, die ich in die Hand nehme und so lange nicht wieder zur Seite lege, bis ich es zuende gelesen habe. "Eine Handvoll Worte" war heute so ein Buch. Vielleicht, weil es so unfassbar viele Erinnerungen erweckt, wieder hervorholt. Vielleicht, weil das Buch ob dieser Erinnerungen eine Intensität hervorruft, die es mir ermöglicht, all die Protagonisten, all die Ereignisse vor mir zu sehen. Mitzufühlen in all den Ereignissen. In den ersten Begegnungen. Nach der Begegnung. In all der Hoffnung und all dem Warten.. Und in der eigenen Erkenntnis, dass nichts umsonst geschieht. Und dass nichts jemals umsonst gewesen ist. Dass alles seinen richtigen Platz bekommt - solange man daran glaubt.

Als ich das Buch am Abend zur Seite legte, klopfte mir das Herz bis in den Hals hinauf.

"Ein Teil von ihm wusste schon in diesem Augenblick, dass sie sein Verderben sein würde. "Sag mir, dass ich aufhören soll", flüsterte er, eine Hand an ihrer Brust, schwer atmend. Es wäre die einzige Möglichkeit, das hier noch aufzuhalten, "Sag mir, dass ich aufhören soll." Sie schüttelte nur stumm den Kopf. "O Gott", murmelte er. Es gab kein Zurück mehr, ihr Atem kam stoßweise, sie schlang ein Bein um ihn. Er fuhr mit den Händen unter ihr Kleid, die Handflächen glitten über die Seide und die Spitze ihrer Unterwäsche. Er spürte ihre Finger in seinem Haar, eine Hand griff nach seiner Hose, und ein Teil von ihm war leicht schockiert, als habe er erwartet, dass ihr Gefühl für Anstand eine solche Gier ausschloss.
Die Zeit schien stehenzubleiben, sie bewegten sich wie in einem luftleeren Raum, ihr Atem vermischte sich. Stoffe wurden zur Seite geschoben. Beine wurden feucht, er hatte seine gespreizt, um ihr Gewicht zu tragen. Und dann - o Gott - war er in ihr, und einen Moment lang setzte alles aus: Jennifers Atem, ihre Bewegungen, sein Herz. Wahrscheinlich auch die Welt. Er spürte ihren offenen Mund auf seinem, hörte, wie sie einatmete. Und dann bewegten sie sich, und er war eins mit ihr, konnten nur noch sie fühlen, war taub gegenüber den klappernden Bügeln, der gedämpften Musik auf der anderen Seite der Wand, dem leisen Ausruf, als jemand im Flur einen Freund begrüßte. Nur er und Jennifer existierten, bewegten sich langsam, dann schneller, ihr Griff wurde fester, das Lachen war verstummt, seine Lippen auf ihrer Haut, ihr Atem an seinem Ohr. Er spürte die zunehmende Kraft ihrer Bewegungen, spürte, wie sie in einem fernen Teil ihrer selbst verschwand. Der letzte Rest seines Verstandes sagte ihm, dass sie keinen Laut von sich geben durfte. Und als er hörte, wie sich der Schrei in ihrer Kehle ankündigte, während sie den Kopf nach hinten bog, hielt er ihn mit seinem Mund auf, fing er den Laut ab, nahm ihre Lust in sich auf, so bestimmt, dass sie zu seiner eigenen wurde.
Par Procuration."

"Lieber J - ich weiß, ich war eine blöde Kuh, und es tut mir leid. Ich weiß, du kommst morgen nach Hause, aber ich werde nicht da sein, um dich zu sehen. David und ich heiraten in ***, und ich werde dich nicht mehr treffen. Im Grunde meines Herzens liebe ich dich, aber David liebe ich noch mehr. Machs gut."
Frau an Mann, per Brief 

Par Procuration...

Mittwoch, 12. Juni 2019

Szenen einer Partnerschaft: die Unterschiede zwischen Mann und Frau

In einigen Tagen gehts auf nach Berlin. Wir sind eingeladen zu einer Party anlässlich einer bereits im letzten Jahr stattgefundenen Hochzeit. 
Natürlich weiß der Mann seit Monaten, was er anzieht, während ich erst heute ein passendes Kleid erjagt habe. 
„Du hast doch schon so viele Kleider“, wird er sagen und ich werde antworten: „Ja aber keins von denen passt zum Anlass UND zu Gastgebern und Gästen.“
Außerdem beauftragte er mich, das nötige Verpackungsdingens (Geschenkfolie) und die Glückwunschkarte zu besorgen. Schließlich hab ich ja Urlaub und damit Zeit im Überfluss. (So die Denke eines Mannes! Als wüsste er nicht, dass ich die Zeit super vertrödeln kann auch ohne großartige Aktivitäten. Die neue Nachbarin findet das übrigens gut, denn ich traf sie beim Losgehenwollen. „Man muss sich regelmäßig Auszeiten schaffen“, versteht sie mich. Sie scheint sympathisch.)
Er hat ruft an, als ich mich bei einem Milchkaffee XL im Straßencafe vom Kaufrausch erhole. (5,50 €! So langsam kann ich gar nicht trinken, um auch jeden teuren Schluck einzeln zu würdigen. „Hast du denn nicht vorher gefragt?“ rügt der Mann. 
„Öhm. Ne.“ Genüßlichkeit kennt ja eigentlich keine Grenzen, finde ich so im Allgemeinen.“)
„Hast du das Verpackungsdingens erledigt?“
„Äh... Ich habe statt der Folie doch lieber eine Schachtel gekauft, cremefarben mit goldenen Herzen, passend dazu Schleifenband, creme und golden. Und eben die Scherenschnittkarte.“
„Ein einfaches Ja hätte auch gereicht!“

Dienstag, 11. Juni 2019

Der Junge muss an die frische Luft



Ich wollte das ja nie, doch wenn ich so weitermache, werde ich wohl eines Tages eine Empfehlungsfibel für Film & Buch ;) Dabei.. will ich einfach nur erzählen.
Vor einigen Tagen waren wir im Kino. Ich liebe Kino, weil ich die Atmosphäre liebe. Großer dunkler Saal, die Beine ausgestreckt, das Popcorn auf dem Schoß (ja, das ist ein Muss, sonst kann man auch daheim bleiben) und das Warten auf den Beginn nach all der Werbung.. Mit all den Menschen, die um einen herum auch Popcorn essen, erzählen, lachen und genauso warten wie wir.
Ich mag das sehr.



Diesen Film habe ich mir ausgesucht, weil es der einzige war, von dem ich mir versprach, dass er zu meinem Geburtstag passen und eine bestimmte Leichtigkeit mit sich bringen würde.
Vielleicht, weil dieser Film einen Ausschnitt über die Kindheit Hape Kerkelings sein würde.
Vielleicht, weil ich den Humor Hape Kerkelings sehr mag. So wunderbar feinsinnig und.. sehr gut beobachtet.

Irgendwann vergaß ich, dass ich Popcorn auf dem Schoß hatte. Ich vergaß, dass wir etwas zu trinken mitgebracht hatten. Ich saß einfach nur im Stuhl, die nackten Beine von mir gestreckt, als der Mann neben mir leise sagte: "Irgendwie weiß ich immer noch nicht so richtig, was der Film mir eigentlich sagen soll", und ich flüsterte: "Na.. Er erzählt uns einfach nur seine Geschichte."
Eine wundervoll berührende Geschichte, wundervoll berührend erzählt - und am allerschönsten fand ich die Schlussszene. Ein Film über die ersten Jahre Hape Kerkelings mit der Mama bei der Oma auf dem Land, die kommenden Jahre mit der Mama bei der Oma in der Stadt - und eines Tages mit der Oma vom Land in der Stadt..
Niemand kann den Schmerz ermessen, den ein Mensch fühlt, wenn es ihm nicht mehr gut geht - und wenn Dinge nicht mehr so sind wie sie einst waren. Was fehlt, begreift man ohnehin erst wirklich, wenn man es nicht mehr hat. Niemand darf darüber urteilen, wann einem die eigene Kraft ausgeht - und ob sie es darf. Umso mehr verneige ich mich heute vor dem Menschen Hape Kerkeling.

Als wir das Kino betraten, waren wir vollkommen allein in dem riesigen Saal. Viel mehr Menschen sind dann auch nicht hinzugekommen. Vielleicht noch drei oder vier oder fünf.

Dieser Film.. verdient volle Sitzreihen. Aber gut, er läuft ja schon seit nem halben Jahr. Ich selbst hab ihn erst in diesen Tagen entdeckt. Wie immer ein bisschen spät.

Freitag, 7. Juni 2019

33+



Heute ist der erste Tag einer Woche, die ich mir freigenommen habe. Vielleicht werde ich ganz viel von diesem und jenen machen, vielleicht werde ich aber am Ende doch nur einen ganzen Tag lang auf dem Holzfußboden liegen, die nackten Beine an die Wand gelehnt, ich werde an nichts und an so vieles denken... Vielleicht werde ich dann und wann dabei lächeln oder blicklos in die Weite schauen... und ganz nah bei mir selber sein.

Warum 33+?
Es ist keine dieser typischen Eitelkeiten, die ängstlich das eigentliche Alter hüten. Es ist... dass sich so vieles veränderte, als ich 33 geworden war. Die Jahre, die folgten, waren die schmerzhaftesten, glücklichsten, einsamsten, berührendsten, schwächsten und stärksten Jahre meines Lebens. Es sind die Jahre, die ich nicht missen möchte, auch wenn ich Dinge darin viel mehr zum Guten wenden wollte.
33 ist das Alter, mit dem mein Leben eigentlich erst wirklich begann. Ein Leben, das mir erlaubte, so zu sein wie ich eben bin; so zu genießen wie ich es eben liebe; so zu lieben wie es mich eben erfüllt. Jeder Mensch sollte genau so leben und lieben dürfen wie er es für sich selber braucht.
Die 33 ist unfassbar tief in mir verankert, im Kopf, in der Seele, ich fühle mich noch immer wie 33, ich bewege mich noch immer wie 33....



...und nur, wenn ich in den Spiegel schau, wunder ich mich: "Huch, was ist da über Nacht hinzugekommen?" :)
Vielleicht ziehen sich seither mehr feine Linien um die Augen, silberne Fäden durch das Haar und spätestens dann weiß ich, dass ich eben doch keine 33 mehr bin. Aber es fühlt sich bis heute so an.. Als sei ich, als sei meine Seele keinen einzigen Tag älter geworden seither.
Vielleicht will ich es ja gar nicht, vielleicht kann ich es aber auch gar nicht...

Heute und Hier.
Das größte Geschenk des Lebens an mich.

Happy Birthday to me.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Nachts, wenn schon alles schläft..



Ich würd jetzt gern ein bisschen tanzen.
Nur.. hier schläft schon alles.
Ob es die beiden stört, wenn ich hier so bisschen.. herumspringe? Ich mach auch ganz leise. Und vorsichtig.

"I always seem to hesitate
too little always comes too late
there is a sound that resonates
a melody of love.

Do you have faith to feel in this world
cause it gets hard to see in this world.

All you need is here, its moving in the air.
All you need is here, beyond this blue despair."



Dienstag, 4. Juni 2019

Halt And Catch Fire



Durch das dann und wann nächtelange Stöbern bei youtube, immer auf der Suche nach irgendwelchen neuen alten Songs, die irgendetwas in mir auszulösen vermögen, entdeckte ich eines Tages diese Serie für mich.
Ich bin kein Computerfreak, ich kann auch nicht sagen, dass ich mich auf diesem Gebiet auskennen würde. Auch wenn ich zugebe, dass ich gern mehr wüsste, sehr viel mehr Ressourcen erfahren, herausfinden und nutzen könnte.
Dennoch hat mich diese Serie schon in der ersten Staffel für mich eingenommen - auch wenn sie (zugegeben) dann und wann etwas langatmig daherkommt.

Ich bin zwar kein Computerfreak, aber eine Frau mit Augen im Kopf - und ich gestehe: Für große Männer in Anzügen habe ich eine ziemlich große Schwäche ;)

Was mich jedoch viel mehr reizt an dieser Serie:
Du hast eine Idee, du hast eine Vision - und du verstehst es, Menschen an einen Tisch zu bringen, die das erschaffen, wozu dir selbst die Fähigkeiten fehlen. Es muss ja auch nicht jeder alles können - solange nur die Richtigen zueinander finden.
Und selbst wenn du auch selbst immer wieder über eigene Befindlichkeiten, eigene Eitelkeiten, den eigenen Egoismus - oder denen der anderen stolperst - du stehst wieder auf und gehst weiter. Hier lang oder dort lang, Umwege oder direkt darauf zu, es findet sich immer wieder eine neue Lösung, ein neuer Weg.
Eine Tatsache, die ich eben so sehr an diesem Leben liebe: Jeder einzelne neue Tag ist so voller Möglichkeiten. Alles ist möglich - oder auch nichts. Es hängt ganz allein an dir - ob du gehst oder stehst, ob du dich traust oder auch warten kannst... Es hängt ganz allein an dir, ob du etwas bewegen, verändern willst - oder lieber doch nicht.

Auch darum fasziniert mich diese Serie.

Ich habe nicht nur eine große Schwäche für große Männer in Anzügen - ich habe auch eine verdammt große Schwäche für die Liebe. Die, die dich unvermittelt lächeln lässt, während du gerade ganz was Belangloses machst. Die, mit der dir nichts mehr fehlt, solange sie bei dir zu Hause mitwohnt.
Diese Liebe gewinnt erst so ab Mitte der dritten Staffel ein wenig mehr Oberhand, nur um zu Beginn der vierten Staffel ein Level ganz nach meinem persönlichen Geschmack zu erreichen.
Denn seien wir doch ehrlich zu uns selbst: Du kannst scheiße erfolgreich sein - aber ohne wirkliches Lieben.. ist das alles.. am Ende nichts.

Ich bin gespannt, wie sie endet. Die letzten Folgen fehlen uns noch ;)

Montag, 3. Juni 2019

Was hat mich die letzten Tage...



...wieder zum Leben erweckt?
Die Mucke im Stil der 80er. Hach ja, waren das noch Zeiten. Nicht alle schön - aber im Vergleich zu heute einfach.. so herrlich unbeschwert.. Wenn ich Musik wie diese höre, sehe ich mich wieder mit 15, 16, wie ich vor dem Spiegel stand, den letzten Lidstrich zog, das Haar zurechtzupfte und natürlich nichts zu Abend gegessen hatte, damit der Bauch flach blieb ;) Und dass das im Großen & Ganzen zu der Zeit meine einzige "Sorge" war.
Ich hab soooooo Lust, das alles wieder viel öfter zu machen. So wie ich schon vergangenen Samstag einen ersten Vorgeschmack bekam - wenngleich ich mich für den Anlass selbst dann doch noch irgendwie zu jung fühlte ;) Ich meine.. Gala-Abend sagt ja auch alles, oder? Das klingt nicht nur nach 60+, das war es überwiegend auch - aber es war ein schöner Abend, und nur das zählt.
Ich hatte übrigens eine Weinschorle bestellt. Weil ich dachte: "Kannst jetzt hier nicht schon wieder mit Käffchen anfangen - das ist ein Ausgeh-Abend!"
Als das Glas kam, schaute ich dann aber doch etwas irritiert: "Ich hatte aber keine Holundersaftschorle bestellt, oder?"
"Nein. Eine Weinschorle. Das ist eine Weinschorle. Die gibt es so bei uns."



...gefreut und genervt?
Meine Familie wiederzusehen. Brüder, deren Familien, Eltern, meine Söhne... Dafür habe ich gerne eine rund eintausenddreihundert-Kilometer-Tour in Kauf genommen - auch wenn ich dank dessen einige Abende lang danach derart müde war, dass ich einschlief, kaum dass mein Kopf auf auch nur irgendeine Unterlage gebettet wurde.
Und irgendwie finde ich auch cool, dass ich mit meinem A1- Black Beauty - trotzdem er der kleinste seiner Klasse ist - auf dem Highway ganz anders respektiert werde als zuvor mit anderen Kleinwagen. Wenn sogar mal BMW oder Mercedes für mich Platz machen... Doch, cooles Gefühl ;)
Nach diesem Ritt jedenfalls saß ich zwei Tage später ziemlich ruhig bei einem Neurologen, der mir  schon am liebsten eine gewisse Antriebslosigkeit attestiert hätte.
Ich war einfach nur müde, du Hirni. Hättst mich ja mal fragen können, was ich so die letzten Tage gemacht hatte. Als ich beide Hände auf die  Beine schlug und sagte: "Okay, wissen Sie, ich wollte eigentlich gar nicht herkommen. Aber die Heilpraktikerin war so überzeugt von Ihnen und hat mir das mehrfach so ans Herz gelegt, unbedingt hierher zu kommen, dass ich mich überreden ließ."
Statt Psycho- hat er mir daraufhin eine Physiotherapie verschrieben und gesagt, dass wir uns gleich im Juli wiedersehen (nicht wie alle anderen erst im September).
Zwar wird Herr Blau wieder schimpfen und sagen "Ja ja, du weißt natürlich wieder alles" - aber ich sags Euch trotzdem: Ich weiß schon jetzt, dass es schade ist um Zeit und Aufwand.
Aber die Physio nehme ich trotzdem. Schaden kanns nicht, erste Termine sind bereits fest ausgemacht.

...erleichtert?
Dass die Blutwerte von Sohn I zwar in mancherlei Hinsicht alarmierend, aber insoweit erstmal nicht dramatisch, weil ursächlich behandelbar sind. Unverständlich bleibt dennoch nach wie vor für mich, dass der Hausarzt trotz deutlicher Anzeichen keine Veranlassung zu Aktionen sah, nicht mal zu einem Blutbild. Also habe ich den Jungen mit zu meiner HP "verschleppt"; zahlen wir die Labor- und Medikamentenkosten eben selbst. Hauptsache, es geht ihm besser und es geht voran.

...geärgert?
Als ich mir im Januar nach dem ungewollten Badewannentrip ein neues iPhone erwerben musste, wählte ich unwissenderweise eines aus, das über keinen AUX-Eingang mehr verfügt. Es gibt nur noch diesen einen Lightning-Anschluss, über den man nun alles erledigen muss: Musik hören und Laden. Musik hören allerdings mit nem Extra-Adapter (was diese Erfindung soll, erschließt sich mir echt nicht. Kabel sind Sollbruchstellen, das weiß ja nun auch jeder.). Blöd nur, wenn man hunderte Kilometer unterwegs sein will und dann beides braucht - Musik UND Laden. Der normale Extra-Adapter kostet irgendwas zwischen 10 und 12 Euro, wenns ein Original Bauteil sein soll. Und da ich mir natürlich dachte, dass es auch einen Kombi-Anschluss geben muss (auch wenn der Mann sagte "ne, gibts nicht" - doch, gibts), ergoogelte ich mir den, war aber auch nicht bereit, 45 bis 52 Euro dafür auszugeben. Für ein kleines Kabel?? Haben die noch alle Latten am Zaun?
Also erwarb ich mir ein no name nachgebautes Teil - für 12 Euro.
Was soll ich sagen... Wer billig kauft, kauft an dieser Stelle tatsächlich zweimal. Was für ein Schrott!
Wenn man innerhalb von 10 min viermal gemeldet bekommt, dass das "iPhone das Zubehör nicht erkennen kann" und deshalb die Musikwiedergabe unterbricht, dann... kann auch ich schon mal einem wütenden Schrei-Anfall unterliegen ;)

...erinnert?
Dieses Bild fand ich bei der Suche innerhalb meines Blogs wieder, aus einem Eintrag aus 2014. Und mir fiel wieder ein, was ich mir schon vor Jahren zurechtgelegt hatte..


GO WHERE THE LOVE IS!
Nichts anderes habe ich in den letzten Jahren gemacht, und ich kann nur sagen.. Es war die beste Reise meines Lebens. Die nachhaltigste. Und damit meine ich mal nicht nur die Liebe zu einem Mann.

...erstaunt?
Dass ich wieder auf Absatzschuhen laufen kann, die mit rund zehn Zentimetern für meine Verhältnisse auch wirklich ziemlich hoch sind, hat mich zwar auch erstaunt - mehr noch aber, wie schmal die ganze Silhouette dadurch wird. Für die, die das Kasper-Video, das Herr Blau am Gala-Abend noch vor Beginn der Veranstaltung von mir aufnahm, auf FB gesehen haben: Sooo zart bin ich in Wirklichkeit nicht, echt nicht. Aber: Ich sollte öfter hohe Schuhe tragen *harhar*

...gewundert?
Wie ich drauf gekommen bin, weiß ich gar nicht - aber als ich heute Nachmittag nach einer etwas nervigen Tour von M nach L kam und dort den Supermarkt um die Ecke besuchte, da habe ich mal mitgezählt: Fünfmal habe ich mit meinem Einkaufswagen Menschen Platz gemacht, sie in ihrer Hast an mir vorbeigehen lassen. Sie angelächelt und "Bitte schön" gesagt. Nicht ein einziger hat "Danke" gesagt. Dieses Völkchen hier genießt eigentlich nicht den Ruf, unhöflich, unfreundlich oder so zu sein, eher im Gegenteil. Vielleicht wars ihnen aber auch zu heiß? Immerhin zeigte die Uhr 35 Grad, da kann man auch schon mal maulfaul werden. Kennen wir im Norden ja auch, selbst im Winter ;)
Wirklich, wirklich gelacht habe ich aber, als am anderen Ende des menschenleeren Ganges eine Oma erschien, die sich zu Obst und Gemüse im Glas drehte und derart einen fahren ließ, dass ich erst glaubte, ihre Hose habe einen gewaltigen Riss bekommen. So schnell wie sie kam, huschte sie dann auch wieder weg zu ihrem Einkaufskorb, während ich am oberen Ende wartete ob der Ahnung, dass der Furz womöglich nicht so schnell wie sie ums Eck biegen würde.
Tja, ihr Gurken und Tomaten im Glas, schon mein Opa pflegte immer zu sagen: "Der Anschiss lauert überall!"

Montag, 20. Mai 2019

"Magst du auch so gerne Schokokekse wie ich?"

Bildquelle: https://www.thebestsocial.media/de/doch-schlauer-als-erwachsene-16-weise-momente-mit-kleinkindern/

Vergangenen Samstag besuchte ich eine Freundin, und als ich anschließend heimkehrte, hielt es mich nicht zu Hause. Ich musste noch mal raus, in die Sonne, unter Menschen, ich wollte Bewegung, Ablenkung und dafür ein bisschen weniger Karussell im Kopf. Weil sie so still war, so ruhig, so traurig, und sagte "Aua, das tut mir auch weh", als ich sie an mich drückte. Das wurde ich irgendwie nicht los. Ungefähr vier Stunden lief ich draußen herum, immer die Musik im Ohr, fremde Menschen, die einen anlächelten oder auch nicht. Ich dachte an die früheren Jahre, an die Jahre dazwischen und an das Jetzt.
Müde saß ich irgendwann auf einer Bank und wartete auf die U-Bahn. Neben mir ein älterer Herr, überaus akkurat geschnittenes Haar, glatt gebügeltes Oberhemd, sorgfältig gepflegt und - in Jogginghosen und Badelatschen. Ich fand das irgendwie cool.
Ich hatte die Kopfhörer abgenommen, schaute irgendetwas nach, da sprach er mich an. Eine sehr bedachte Ausdrucksweise, sehr ruhige Stimme, immer ein Lächeln um die Mundwinkel, und er wies auf die Menschen, die versuchten, unbedingt noch in die U-Bahn zu kommen.
"In zwei Minuten kommt doch schon die nächste U 6."
"Ja und in fünf Minuten noch eine U 6."
Er nahm die dritte U 6 und bis dahin amüsierten wir uns über die hektischen Menschen, philosophierten über Formel 1 und den Fußball, bis er sich verabschieden musste. Er nahm Platz in der Bahn, wir lächelten einander an, dann fuhr er heim zu seiner Frau.
Ich lehnte mich zurück, ich fühlte mich irgendwie besser und dachte.. "Du solltest öfter ohne Kopfhörer laufen."

In solchen Momenten denke ich, es kann alles so einfach sein, so entspannt. Ist es nicht scheißegal, woher jemand kommt und wohin er fährt? Wie belastbar wir sind oder auch nicht? Wieso hegen wir spontan Vorurteile, nur weil jemand anders aussieht, woanders herkommt? Wieso erniedrigen wir Menschen, anstatt ihnen zu helfen?

Aufmerksam geworden durch einen Kommentar meiner Nichte las ich einen Bericht der AfD, respektive des BR über ein Gewaltverbrechen im vergangenen Jahr in Bayern. Sie bedienten sich des Berichts, aber natürlich gaben sie ihn ganz anders wieder. Schon beim Lesen konnte ich mich des Gefühls eines Bildzeitungsniveaus nicht erwehren - und dann las ich auch noch vereinzelte Kommentare. Das hätte ich einfach bleiben lassen sollen. Es ist erschütternd, was dem Elfjährigen passiert ist - darüber nachdenken darf ich nicht. Ehrlich gesagt, erschütterte mich aber auch, dass die meisten (bekennenden) AfD-Wähler lediglich den Post der AfD lasen, ohne den verlinkten Beitrag des BR aufzurufen. Was aus meiner Sicht zwar nicht die Tat verändert oder beschönigt, aber die Polemik weglässt, mit der der Post durch die Blauen inszeniert worden ist, die einfach nur dazu dient, die Leute aufzubringen nach dem Motto "Seid Ihr blind und seht das nicht - mit uns wird alles anders." Anders kann ichs irgendwie gerade nicht beschreiben. Ich fragte mich, soll ich was dazu sagen, ja, nein, letztlich sind wir alle erwachsen, wir haben alle ein Recht auf unsere Meinung und alle die Freiheit, wählen zu dürfen, wen wir für richtig empfinden. Es wird sowieso kein überzeugter Blau-Anhänger seine Meinung ändern. Oder mehr nachdenken.
Aber es erschüttert mich, wenn jemand schreibt, dass die Leute mit den zwei Buchstaben wieder her sollten. Das kann niemand ernst meinen - aber ich fürchte, er tut es doch. Auch wenn ich weiß, Trolle im Netz gibt es genug.
Es erschreckt mich auch, wenn die Leute blind kommentieren "Die Eltern gehören bestraft, die holen sich die Gefahr ins Haus." Nur weil im Post von "bei sich aufgenommen und Integrationshelfer" geschrieben wird - was aber gar nicht der Wahrheit entspricht. Sie wohnten lediglich im selben Haus. Ins Kinderzimmer geschlichen hat er sich auch nicht - und ob er "Stirb Stirb Stirb" gerufen hat, bezweifel ich. Macht die Darstellung einen Unterschied? Ja - ganz offensichtlich, wenn man die inzwischen knapp zweitausend Kommentare und über sechstausend Likes betrachtet.
Jeder weiß auch, wie schwierig die deutsche Sprache ist. Sieht man ja auch bei den Rechtschreibkünsten der ach so supertollen Deutschen. Jeder weiß auch, wie umständlich die deutsche Bürokratie ist.
Ich erinner mich da noch an meinen 1. Antrag auf Elterngeld - ein ungefähr 10seitiges Pamphlet und die Dame vom Amt meinte damals "Geben Sies erstmal her, wir korrigieren eh immer noch was, aber dann haben wir es erstmal und fordern nach, was uns noch fehlt." Stolz wie Bolle war ich, dass bei mir nix nachgefordert oder nachgefragt werden musste. (Manchmal hat Genauigkeit ja doch was Gutes ;))
Und warum soll ich jemandem nicht helfen, der Probleme mit seinen Formularen hat? Wie soll ich ahnen können, dass derjenige eines Tages auf mein Kind losgeht? Ich erinner nur noch mal an 2013, als der Paketbote (ein deutscher Hühner-Landwirt, übrigens) viel zu aufdringlich wurde und dann noch mit Blick auf meinen Jüngsten meinte, dass Kinderarme bei Kannibalen übrigens eine Delikatesse seien. Und warum? Weil der mal dringend musste und fragte, ob er mein Badezimmer benutzen dürfe. Hätte ich Nein sagen müssen? Oder sagen müssen "Kack doch in den nächsten Busch?"
Warum soll ich immer erst mal von etwas Schlechtem ausgehen, wenn ich Pakete für Nachbarn annehme, egal welcher Herkunft? Der mit Migrationshintergrund übrigens, der hat sich ganz freundlich ganze dreimal bedankt für die Annahme eines Paketes, während hingegen der Deutsche auch nach drei Tagen noch nicht da war, um es abzuholen, sondern darauf wartete, dass man es ihm brachte. (Seitdem überlege ich mir, für wen ich was annehme.)
Jemandem beim Formular auszuhelfen - ist das nicht einfach auch Nachbarschaftshilfe? So wie man sich Mehl oder Eier borgt?
Ja, ich habe Angst im Dunkeln und ich habe auch Angst spätabends allein auf der Straße. Wenn ich kann, vermeide ich das. Woher das kommt, weiß ich - und es hat überhaupt gar nichts mit Menschen anderer Kulturen zu tun. Es hat etwas mit einem Mann zu tun, der übrigens deutsch war. Es schützt mich gar nicht, obs ein Deutscher ist oder nicht - das hatte es damals vor vielen Jahren ja auch nicht.
Beschönigen.. will ich gar nichts. Es gibt viele Probleme mit Integration, es gibt No Go-Areas in Großstädten und auch ich halte es noch heute immer noch für falsch, 2015 so vielen Menschen die Einwanderung erlaubt zu haben, ohne einen Plan zu haben, wie ich das Ganze umsetze und löse - für alle Beteiligten. Es soll aber bitte auch niemand so tun, als hätten wir keine deutschen Kriminellen und keine deutschen Arbeitsscheuen und Sozialschmarotzer, die lieber mit weniger Geld leben, aber dafür nicht einen Finger krumm tun.

Dreimal ist mir beim Lesen der Kommentare der Kragen geplatzt, dreimal hab ich etwas geschrieben. Und wie wirklich immer bei kontroversen Themen keine Antwort bekommen. Wie auch. Dann müssten die Leute ja nicht nur Text lesen, sondern auch antworten - und wer antworten will, muss (oder sollte zumindest) nachdenken. Aber das.. scheint viele auch zu überfordern.
Wenns den Kopf anstrengt, ist es schon zuviel (verlangt). Und solche Leute wählen eine Partei, die das Leben aller verändern kann. "Mir scheißegal, ich bin Protestwähler", höre ich öfter.
Ja dann wählt doch die Tierschutzpartei oder die Freien Wähler! Dann nehmt Ihr den Alteingesessenen auch die Stimme, aber Ihr gebt sie nicht den Falschen. Die sind Euch zu klein? Man hat doch bei der kackblauen Partei gesehen, wie schnell man stark wird. Dann geht das auch bei anderen.

Leider Gottes sind nicht alle Kinder so unbedarft wie der Junge im Twitter-Zitat. In dem Alter machts noch die Erziehung.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Szenen einer Partnerschaft: Schönheit im Auge des Betrachters

"Meinst du, du wirst mich immer lieben?" frage ich, während ich kritisch in den Kalender schaue.
"Natürlich. Auch dann, wenn du hässlich bist und Warzen hast."
"Hässlich? Hast du jetzt gerade hässlich gesagt?"
"Na ja, du weißt doch, wie ich das meine."
"Ich dachte eigentlich, ich könnte nie hässlich für dich werden, egal, wie ich mal aussehe."
"Ich meinte auch nicht hässlich. Ich meinte, wenn du so Warzen im Alter kriegst oder so."
Ich muss wirklich lachen und winke ab: "Lass gut sein, Komplimente kannst du einfach nicht."
"Waaaaas? Kann ich nicht? Und was habe ich gestern zu dir in der Küche gesagt?"
"Das Brot ist alle!"

Dienstag, 14. Mai 2019

Oops I did it again



Im Januar war ich noch Bild 1 - das war der Ursprung, den ich so nicht mehr wollte. Im April war ich dann Bild 2 - einen Friseur hier in M ausprobiert, zum allerersten Mal und... äh.. nun ja. Technisch hat sies super gemacht, aber optisch wars irgendwie nicht das, was ich wollte.
Also versuchte ich mich letzte Woche bei meinem bisherigen Haus- und Hof-Friesemeister - und bin jetzt Bild 3. Etwas, das ich nun so gar nicht wollte. Ich werde wohl beim neuen Friesemeister bleiben..

Das Blöde ist, es dauert jetzt wieder rund 1 Jahr, bis ich da hinkomme, wo ich hinwollte.
Das Gute ist, es dauert nur rund 1 Jahr.

In der Firma wurde letzte Woche natürlich sofort gefrozzelt: "Du bist ganz schön oft alleine unterwegs im Moment, fährst hierhin, dahin... Und jetzt haste dir auch noch das Haar abschneiden lassen. Bei Frauen hat das ja einiges zu sagen."
Nö. Bei mir nicht. Bei mir heißt das lediglich, dass mir grad mal wieder nach Veränderung war. Wie immer aller zwei Jahre. (Alle anderen Veränderungen brauchen bei mir viel länger, das weiß man doch eigentlich, wenn man mich kennt ;)) 

Aussehen sollte das Ganze übrigens so:

Bildquelle: https://www.leithprimary.org/damen-frisuren-pagenschnitt/damen-frisuren-pagenschnitt-25-schon-frisuren-mittellang-frauen-bild/
Nun ja. Mit ein bisschen Geduld und Spucke komm ich da vielleicht sogar im Sommer schon hin. Und bis dahin... könntsch mir die Zeit mit ein bisschen Kaffee trinken und tanzen und so verbringen ;)

Montag, 13. Mai 2019

Die hohe Kunst des Pizzabodens aus Blumenkohl




Es gab Zeiten, da hatten wir nur Bücher und Zeitschriften zum Lesen und dachten im Traum nicht daran, dass es eines Tages so selbstverständlich sein würde, uns in einer virtuellen Welt so zu bewegen, als sei sie ein Zuhause.
Ich hab sie vom ersten Moment an geliebt, diese virtuelle Welt. Es ist genial, wie sich nunmehr Menschen kennenlernen können, die sonst einander vermutlich niemals begegnet wären.
Das denke ich über den Mann, der sich gerade nebenan die Zähne putzt.
Das dachte ich über mein Gegenüber vom vergangenen Samstag.
Das denke ich über all die Menschen, die ich über das Netz kennenlernte und denen ich irgendwann auch in der Realität begegnete.
Wilde Zeiten, mitunter, aber gute Zeiten. Viel Möglichkeit, über alles Mögliche zu reden, zu lachen, Spaß zu haben. Viel Möglichkeit für mich  zu lernen.

Ich will soviel wissen, aber nicht alles blind glauben. Wenn ich Dinge lese, die mir irgendwie nicht schlüssig erscheinen, hinterfrage ich sie. Nicht alles und jedes, aber... das eine oder andere eben.
Dabei will ich gar nicht streiten, sondern einfach nur.. lernen.
Und ich lerne. Zum Beispiel über Zusammenhänge von Klima, Landeis und Meereis ;) Ich erfahre aber auch, dass ich offenbar anstrengend sein kann - wenn ich Themen nachlese und dann kommentiere.
Worauf nicht jeder Lust hat.
"Ich will nicht diskutieren, ich will nur was teilen, aus reinen Info-Zwecken... damit alle Seiten zu Wort kommen."
Wenn aber Informationen weggelassen werden, die zum Thema, zur Meinungsbildung wichtig wären?
Bin ich dann zu genau? Wollte ich es zu genau wissen?

Mein AfD-Kollege schickt mir schon lange keine Videos oder Textausschnitte mehr, weil ich möglicherweise auch ihm zu anstrengend geworden bin. Ich hab mir die Videos und die Textausschnitte angeschaut, aber ich hab sie kommentiert. Oder argumentiert. Jetzt schreibt er nix mehr, wir grinsen uns nur noch an, wenn wir uns mal über den Weg laufen.

Hänge ich mich zu sehr rein? Verstehe ich es falsch, dass ein in die virtuelle Welt geschriebenes Wort nicht immer eines Kommentares bedarf? Wozu schreib ichs dann da rein? Könntsch doch auch zu Hause ganz analog in ein Tagebuch kritzeln? Ich sag ja nicht zu allem und jedem was - nur zu Themen, die mich interessieren. Oder um einer Person beizustehen, auf die sich grad drei, vier andere gestürzt haben. Ist es okay, eine Meinung zu haben, aber noch mehr okay, wenn jeder die für sich behält? Und wozu haben wir dann beispielsweise soziale Medien? Um uns virtuell zuzuwinken und lustige Bildchen auszutauschen? Stay connect - aber nicht zuviel?
Gestern sagte ich zu jemandem, dass ich dieses "neugierig, wach, intensiv" könnte - aber auch nicht jeden Tag. Weil das selbst mir zu anstrengend würde.
Wenn ich über Dinge nachdenke, die ich lese, kommentiere ich sie ganz oft mit einem Schmunzeln. Weil ich oftmals das Gefühl hab, ich sitz jetzt hier in einem Cafe bei einer Tasse Kaffee, und wir ratschen. Einfach so. Das ist das, was ich darin sehe - einen Austausch. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber.. wer weiß. Vielleicht sollte ich einfach das tun, was ich am besten kann - und still sein :)


Sonntag, 12. Mai 2019

Szenen einer Partnerschaft: Ich wollt, ich wär ein Kranich

Wir lümmeln auf der Sofalandschaft, zappen durch die Programme, erfahren auf einem Zwischenstopp irgendeiner Doku, dass irgend so eine Kranichart mit irgendeiner Art Tanz um die Liebste buhlt. Und trotzdem der dann einmal geschlossene Bund bis zum Ende des Lebens reicht, wirbt der Kranichmann jedes Jahr erneut um seine Liebste.
Ich wende den Kopf zum Mann, die Augenbrauen bedeutsam erhoben, und grinse vielsagend.

Hups, der Mann hat Nachrichten geschrieben, gar nicht gesehen. Dann hat er angerufen - hups, gar nicht gehört.
Zurückgerufen - aber ich weiß schon beim Drücken auf "Anrufen", dass er nicht rangehen wird. Ist immer so. Der ruft an, Du rufst zwei Minuten später zurück - nix. Wahrscheinlich wurde er gerade beim Auflegen von Aliens entführt und zwei Stunden später zurückgebracht. (Kann mir auch durchaus vorstellen, wieso. Er war eins dieser Kinder, die alles zerlegten, was irgendwie nach Technik aussah. Er ist einer dieser Männer, die da nie erwachsen werden ;) "Nur so lernt man", verteidigt er das immer.)
"Ich hab grad was anderes gemacht und nicht gesehen, dass du zurückgerufen hast."
"Das habe ich gemerkt!"
"Bist du jetzt sauer? Ich ruf dich an, schreib dir Nachrichten und eeeewig kommt keine Antwort - und ich muss sofort reagieren, wenn du dich meldest?"
"Ja natürlich. So will es das Gesetz!" :)

Samstag, 11. Mai 2019

Oh wie schön ist Panama



Als ich 15, 16 Jahre alt war, im ersten Liebeskummer meines Lebens, da lief ich durch die Welt, sah die vielen Ehepaare und glaubte: Wenn ich selbst eines Tages verheiratet bin, dann hat das alles ein Ende, dieser Schmerz, diese Tränen, diese unerfüllte Sehnsucht. Für mich war die Ehe etwas, zu dem man Ja für den Rest des Lebens sagt.
Als ich 19 Jahre alt war, war ich verheiratet.
Als ich 32 Jahre alt war, hatte ich endlich verstanden, dass Schmerz, Tränen und unerfüllte Sehnsucht auch mit einer Ehe nicht enden - im Gegensatz zur Liebe.
Und ich wollte mehr. Oder nein, mehr wollte ich nicht. Ich wollte es anders - oder lieber allein leben.
Es ist jedoch sehr gut möglich, dass ich diese Erkenntnis eher fühlte als dachte - denn nachgedacht habe ich kaum, als ich die Augen schloss und sprang. Eine Entscheidung, gereift in neun langen Jahren.
Eine Entscheidung gleich einem gereiften Apfel, der eines Tages entweder am Baum vertrocknet oder von allein ins Gras plumpst - und nicht vorzeitig gepflückt wird.
Ich habe meine Entscheidung selbst in den dunkelsten Momenten nicht bereut, weil ich mir zumindest hierin immer sicher war: Sie war richtig. Eine Lehre, die ich mir bis heute mitgenommen habe. Tiefgreifende Entscheidungen, die mitunter alles verändern, werden nicht im Affekt getroffen. Sie werden auch nicht getroffen, weil andere Dir sagen, dass Du es tun solltest, weil es das richtige sei. Ich selbst musste erst an diesen Point of no return kommen, ich selbst musste es nicht nur wissen, sondern auch fühlen. Die Entscheidung musste nicht in meinem Kopf, sondern in meinem Bauch getroffen werden. Nur dann werde ich sie nicht bereuen.
Es gibt so einige Entscheidungen, die ich im Affekt traf - und die unwiederbringlich sind, die nicht umkehrbar sind.
Seitdem lasse ich mir Zeit.
Seitdem lasse ich den Menschen um mich herum ihre Zeit. Auch kleine Schritte sind Schritte.

Heut Nachmittag wurde mir ein Spiegel vorgehalten - und mir wurde klar: Mein Gegenüber hat recht. Auch nonverbal ist es möglich, Druck in einem anderen Menschen zu erzeugen. Auch nonverbal ist es möglich, in einem anderen Menschen das Gefühl zu erzeugen, versagt zu haben.
Dabei spielt gar keine Rolle, dass man selbst genau das gar nicht wollte.
Auch wenn ich immer sage "Lasst ihm die Zeit, die er braucht. Er macht sein Ding schon."
Ich sage das, ich denke das über meinen Sohn - aber es gibt auch Momente, in denen meine nonverbalen Reaktionen etwas anderes ausdrücken (können).
Und dass ich mich zuviel kümmere, zuviel abnehme, zuviel mitsteuere.
Dass er sich darauf ausruht, dass ich da bin. Dass ich tue. Diese Dinge höre ich nicht zum ersten Mal.
Der heutige Trialog jedoch.. brachte einen entscheidenden Gedanken hervor, den ich all die Jahre über mehr fühlte als dachte: Ich trage ihn nur auf diesem Stück seines Weges, auf dem ihm der Atem ausgegangen ist.
Oft betrachte ich ihn und denke, wie glücklich es mich macht, wenn er lächelt mit seinen wundervollen Grübchen, die ich so liebe. Und ich wünsche ihm ganz viel mehr Lächel-Momente. Dafür möchte ich alles geben. Nicht als Wiedergutmachung.. Ich war nicht bei ihm, als es ganz schlimm für ihn war. Als mir das klar wurde, schwor ich mir: Nie wieder.. das passiert mir nie nie wieder.. Ich war nicht bei ihm als er mich brauchte. Heute bin ich es. So lange, wie er es braucht.
Heute trage ich ihn, so lange, wie er es braucht.
Und ich weiß, dass er es kann. Dass er es wird. Wir alle wissen: Solange wir in einer schlimmen Phase stecken, regiert vor allem eins - unser Überlebenswille. Und nur weil die schlimme Phase endet, ist es anschließend nicht alles gut. Im Gegenteil: Erst dann spüren wir sie, diese überdimensionale Ermüdung. Wir machen nur noch das Aller-allernotwendigste. Weil wir nur noch das aller-allernotwendigste schaffen. Alles braucht seine Zeit.

"Du trägst ihn so wie früher den Jüngeren, und jetzt scheint es, als hole er sich diese Zeit zurück. Damals der Jüngere, heute ist er dran, der Ältere. Und du weißt, dass das nicht für immer ist. Bis er von alleine weitergeht."
"Ja", antwortete ich dankbar. "Ja genau."

Donnerstag, 9. Mai 2019

Schnelltest


Während ich - wie heute Nachmittag - seit über einem Jahr wiederholt höre, dass ich einfach nirgendwo reinpasse, dass nicht mal klassische Laborparameter zusammenpassen, fand ich diese Diagnose heute Abend ziemlich leicht:
Melone mit eindeutigem Vitamin D-Mangel!
Klarer Fall von zu wenig Sonne, Frollein!
Der Schnelltest hats gezeigt: Messer raus, zack, geteilt - alles klar.

Die hat übrigens auch so geschmeckt wie sie aussieht. Örks. Darf man sowas eigentlich reklamieren?

Montag, 6. Mai 2019

Das Löwenmädchen



Wir glauben immer, dass wir mit unseren Erfahrungen unsere Kinder schützen können vor all dem, das sie verletzen könnte. Wir glauben immer, dass wir mit unseren Erfahrungen das Richtige für unsere Kinder entscheiden.
Aber das Leben.. findet seinen Weg - und das muss es auch.

Ich gebe zu, streckenweise war der Film vielleicht ein wenig.. langatmig erzählt.. Aber es bleibt eine gelungene, eine besondere Geschichte über ein besonderes Mädchen, deren Mama bei der Geburt stirbt und deren Vater es zunächst nicht annehmen kann - bis er mit den Jahren mehr und mehr seine Hände schützend über der Tochter ausbreitet, so sehr, dass es ihr irgendwann zu eng wird darunter.. Sie sucht ihren eigenen Weg und sie geht ihren eigenen Weg, auch wenn das bedeutet, alles hinter sich zu lassen, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, und den Papa dazu..
Die am meisten berührendste Szene war für mich die Schlussszene.
"Er hat sie gemalt", flüsterte ich, noch bevor sie sein posthumes Geschenk an sie öffnete, und dann bekam ich eine wahnsinnige Gänsehaut.

Wie sehr wir jemanden lieben, können wir vielleicht nicht immer sagen, vielleicht nicht immer so zeigen - aber dass wir es tun, dass sollte der andere wissen.
"Das musst du doch fühlen, das musst du doch in meinen Augen sehen, wenn ich dich anschaue", ist nicht immer dasselbe.
Nicht immer..
Der andere sollte es immer wissen und fühlen, solange wir da sind. Wir verschenken soviel, wenn wir bis danach warten (müssen).

Sonntag, 5. Mai 2019

Kindeswohl



Es ist grad nicht meine allerbeste Zeit.
Vor einigen Tagen kam ein Blutbefund ins Haus. Drei fragliche Diagnosen, nachdem ich die erste ergoogelte und las, dass es nicht heilbar ist, schlug ich die Seiten wieder zu und beließ es auch dabei.
Aus verschiedenen Gründen haben wir die Bluttherapie nun auch unterbrochen, vor vierzehn Tagen schon - und ob direkt abgebrochen, kann ich noch nicht sagen. Mir ging es tatsächlich gut, wenn auch mit den üblichen Schwankungen. Und ich sagte mir "Komm, du kannst das, du musst das jetzt auch ohne Hilfe schaffen."
Nach und nach wird langsam wieder deutlicher, warum ich überhaupt damit begonnen habe.
Dass mich das alles sorgt, kann ich nicht sagen, tatsächlich nicht - aber es stimmt mich nachdenklich.
Was haben wir erreicht? Haben wir überhaupt etwas erreicht? Wie geht es weiter?
"Achthundert Euro für nichts", kopfschüttelt der Mann. So pessimistisch sehe ich das nicht.
Es ist ja nicht alles wie vorher. Und ich glaube noch immer, dass mein Körper es auch allein schaffen kann. Vielleicht ist er ja nur ein wenig.. irritiert, dass man ihm von jetzt auf gleich nicht mehr hilft? Da darf man schon ruhig ein wenig verschnupft reagieren, denke ich.
Und reagiere meinerseits darauf, indem ich alles noch ein wenig ruhiger angehe. Mir mal hier, mal dort einen Tag freinehme, mich in die Badewanne lege, gefühlte Ewigkeiten lang, wieder mehr lese und nach einer Inspiration für ein neues Bild suche.. Die Leinwand, das dicke Papier, die Staffelei, alles steht und liegt bereit, es wartet nur auf mich...


Die ersten Tage im Mai haben mit unerwarteter Kälte begonnen, grad heut schaute ich gedankenverloren auf das viele Grün vor dem Fenster - und auf den einsetzenden Schneeregen.
Schnee. Im Mai! Und wenn ich es auch noch so bedaure, die Kleidchen bleiben damit im Schrank, die Strickpullover oder auch die geliebten Strickjacken meine treuen Begleiter.
Abends werden wieder mehr Kerzen entzündet, streamen wir uns vermehrt durch die Mediatheken, und so entdeckte ich am gestrigen Abend, dass derzeit "Kindeswohl" kostenfrei angeboten wird.

Was soll ich sagen... Abgesehen davon, dass Emma Thompson eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist, empfand ich diesen Film als sehr berührend... Sie in der Rolle einer Familienrichterin, die bei Streitigkeiten mit Eltern und um Kinder immer für das Wohl eines Kindes zu entscheiden hat. Wie im Fall des noch minderjährigen 17jährigen Adam, der nur drei Monate vor seinem 18. Geburtstag an Leukämie erkrankt. Seine Eltern und er als Zeugen Jehovas lehnen zwar nicht die Behandlung selbst, jedoch eine dabei überlebenswichtige Bluttransfusion ab.
Die nach einem - wie ich finde - wunderbaren Plädoyer für das Leben gerichtlich angeordnet und durchgeführt wird.
Adam überlebt zunächst - und empfindet alles auf den Kopf gestellt, er hat so unfassbar viele, tiefgehende Fragen, auf die er keine Antwort bekam - und die er sich nun von Emma erhofft. Indem er wiederholt ihre Nähe sucht, Grenzen überschreitet - und sie ihn aus Gründen der Professionalität zurückweist..

Natürlich hat mich das vorhersehbare Ende sehr berührt, mich hat jedoch ebenso berührt.. wie wichtig es ist, einander zuzuhören. Miteinander zu sprechen. Über Dinge, die wir denken, über Dinge, die wir fühlen. Warum wir uns verhalten wie wir uns eben verhalten. Warum manchmal anderes wichtiger ist als das eigentlich Liebste im eigenen Leben..
"Ich kann ihren Mann verstehen", sagt der Mann neben mir.
"Hm", antworte ich nachdenklich, "irgendwie schon. Aber ich kann auch sie verstehen. So einen Job macht man nicht einfach so. Sollte man jedenfalls nicht. Sowas sollte man immer mit Herzblut machen. Mit Leidenschaft."
Wenn es um einen Menschen geht, sollte man niemals etwas einfach nur so machen.. Und wenn doch, dann mit den Konsequenzen leben. Wenn das nur nicht zuweilen so schwierig.. und so schmerzhaft wäre.

Freitag, 12. April 2019

Was hat mich die letzten Tage...



...amüsiert?
Die Erkenntnis, dass es mir erlaubt ist, zum Erhalt meiner Arbeitsfähigkeit mittags das Büro zu verlassen, mir etwas zu essen zu kaufen - wenn mir dabei etwas passieren sollte, ist das berufsgenossenschaftlich versichert. Das Essen selbst aber im Office ist nicht versichert. Wenn ich mir also beim Essen die Zunge abbeiße, habe ich eben Pech. Merke: Nur gucken, nicht anfassen :)

...Geld gekostet?
Der Trip nach Bonn letztlich weniger als geplant - aber in den letzten Tagen habe ich deutlich mehr Geld für Musik ausgegeben als für gewöhnlich. Habe mir zum Geburtstag von der Firma nun einen Musik-Gutschein gewünscht. Ist zwar noch bisschen Zeit bis dahin, aber.. kluge Frau baut vor ;) Und alles ist  besser als eine Flasche trockener Rotwein, den ich maximal als Gesichtswasser nutze, oder eine Orchidee, die es unter meiner Pflege noch nie länger als sechs, acht Wochen bei mir ausgehalten hat. Außerdem.. Orchideen sind eh nicht so mein Fall.

...nachdenklich gestimmt?
Die Aussage in einem Blogpost, dass jeder Steuerzahler aus Solidaritätsgründen in die Sozialkassen einzahlen soll - aber wer Homöopathieleistungen beanspruchen will, solle die bittschön selber zahlen und dieses Begehr nicht auf dem Rücken aller austragen.
Nun. Ich bin geneigt zu glauben, dass derjenige, der so denkt, entweder nicht weiß, dass Homöopathie weitaus mehr ist und kann als Globuli schlucken oder mit der Wünschelrute den Beelzebub auszutreiben - oder dass er schlichtweg einfach noch nicht selber betroffen ist. (Sei froh.)
Inzwischen sollte man vielleicht wissen, dass auch die Schulmedizin ihre Grenzen hat, nicht alles leisten kann - und dass die gesunde Kombination in eben einer Kombination aus beidem besteht, Schulmedizin und Naturheilkunde.
Ich meine, schaut mich an.. Schulmedizinisch gelte ich seit Jahren entweder als austherapiert oder als ein Mensch mit einem psychischen Problem. Wenn ich betrachte, wie halbherzig in den letzten zwei Jahren Untersuchungen stattgefunden haben - und vor allem: wie punktuell, ohne mich ganzheitlich zu betrachten, nur um mir dann zu sagen, ich habe lediglich ein psychisches Problem, dann weiß ich nicht recht, was ich dazu sagen soll. Und wenn dann auch auf meinen Einwand hin "Leute, die Psychosomatik habe ich schon durch - zweimal stationär, zweimal ambulant, in einem Zeitraum von insgesamt fünf oder sechs Jahren" mir geantwortet wird: "Gut, aber irgendwas muss da ja noch sein" - dann fällt mir nur noch eine einzige Antwort dazu ein: "Ich werde mich jetzt aber nicht dafür entschuldigen, dass ich Ihnen keine Lebensumstände präsentieren kann, die nicht längst schon bearbeitet worden sind. Meiner Seele geht es gut, nur meinem Körper nicht. Seit vierzehn Jahren nicht."
Es war bisher allein der Weg der Bluttherapie, die erste sichtbare Erfolge zeigt. Meine rechte Hand zittert nicht mehr, mein Gang ist deutlich sicherer geworden, ich ermüde auch nicht mehr, kaum dass ich auch nur irgendwas bewegt habe.
Aber es ist ein teures Pflaster, ein wirklich teures. Monatlich wendet man dafür Kosten zwischen 320 und 640 Euro auf, hinzu kommen Kosten für etwaige weitere Medikamente. Zum Beispiel Entzündungshemmer. Das muss man sich tatsächlich leisten können. Noch vor fünf Jahren für mich undenkbar.
Aber warum darf derjenige, der es finanziell nicht stemmen kann, keinen alternativen Heilungsweg versuchen?
Wie sagte der Neurologe letzten Herbst? "Wenn man sich Ihren Verlauf anschaut, kann man sagen, dass es langsam, aber stetig immer schlechter wird."
Das ist richtig. Nur helfen konnte er mir nicht. Weil ich ihm - vermutlich - zu teuer bin, um dem Ganzen auf den Grund zu kommen. Also überweist er mich in die Fachklinik. Die mir wortwörtlich ins Gesicht sagt: "Man muss ja nicht gleich mit dem Teuersten anfangen. Wir fangen erst mal beim Einfachsten an."
Und das ist für sie die Psychosomatik. Die Station, die ich längst mehrfach erfolgreich absolviert habe. Erfolgreich nur nicht dahingehend, was meinen Körper betrifft.
Wenn wir also den Solidargedanken haben - warum bleibt dieser dann beschränkt auf etwas, das längst schon nicht mehr die ganze Wahrheit ist?
Es hat mich übrigens überrascht, dass ich in sämtlichen Apotheken nie auf ein homöopathisches Präparat warten musste, seien es Schmerzmittel oder Entzündungshemmer gleich welcher Art und Dosierung. Alles war immer vorrätig, was man von schulmedizinisch verordneten Medikamenten weiß Gott nicht sagen kann.
Da sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.

...beschäftigt?
Ein Familienmitglied. Seit ein paar Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht schreiben, hin und wieder auch telefonieren. Ich freu mich sehr, dass sie sich mir anvertraut mit Dingen, die sie zu Hause nicht sagen kann, weil sie sich dort nicht verstanden, stattdessen oftmals abgewertet fühlt.
Manchmal reden wir selbst über politische Dinge, und gestern schickte sie mir die Einladung zu einer Gruppe, die sich gegen die AfD positioniert. Ich hab mir das angeschaut, diese Gruppe ist öffentlich, aber später antwortete ich ihr, dass ich nicht beitreten möchte.
Ich glaube, das liegt hauptsächlich daran, weil ich nicht jeden Tag mit irgendeinem Statement gegen irgendeine bekloppte Aussage konfrontiert werden möchte. Ich möchte mich nicht jeden Tag mit der ganzen Scheiße befassen müssen, weil ich glaube, dass mich das irgendwie.. "vergiftet".
Insgesamt... Wenn ich von ihr höre oder lese, muss ich immer wieder daran denken, wie ich einst auf die Pinnwand schrieb "Jeder sollte jemanden haben, der bedingungslos an einen glaubt."
Aber manchmal genügt das, glaube ich, nicht. Manchmal muss man einfach auch ein paar Kilometer Distanz bekommen. Oder auch ein paar Kilometer mehr.
"Alles steht dir offen", sagte ich ihr vor wenigen Wochen. "Du kannst gehen, wohin du willst."

...erschüttert?
Vor zwei Tagen habe ich einen Post bei FB gelesen, in dem es darum ging, dass Mütter, die mit einem oder mehreren Kindern zu Hause sind, sich erschöpft fühlen, während ihr Umfeld fragt "Was hast du für ein Problem? Du bist doch nur zu Hause."
Was mich daran erschütterte, war die Tatsache, wie Frauen auf Frauen bzw. Mütter auf Mütter losgingen, einander demontierten, reduzierten, eine sich über die andere erhob, indem sie sich zu übertrumpfen versuchten darin, wer mehr Kinder, mehr Krankheiten, weniger Beistand etc. hatte und es trotzdem geschafft habe, ohne zu jammern.
Seit wann ist es Jammerei, wenn jemand sagt "Ich kann (gerade) nicht mehr"? Seit wann ist man ein Jammerlappen, wenn man signalisiert, dass man es allein nicht (mehr) schafft? Das finde ich nicht nur erschreckend, sondern vor allem höchst bedenklich.
Wenn sich niemand mehr einem anderen anvertrauen darf - oder einfach nur über seine eigenen Kotzgrenze sprechen darf - wohin soll das dann führen?
Müssten wir Frauen, wir Mütter nicht einander am ehesten verstehen? Müssten gerade wir nicht einander am ehesten wieder auf die Beine helfen, anstatt aufeinander loszugehen? Warum wird vergessen, dass jeder Mensch nicht das gleiche, sondern sein ganz individuelles Leistungsvermögen hat? Ist er deshalb schlechter als der andere?? Wohl kaum!
"Schämt Euch", schrieb ich darunter, "schämt Euch Ihr alle, die Ihr über Menschen urteilt, deren Persönlichkeit und Lebensumstände Ihr nicht kennt."

...gewundert?
Immer öfter lese ich in verschiedenen Blogs, dass man Blogs, die man einst abonnierte, nie oder nicht mehr liest. Ich schmunzle dann: Warum abonniert man sie dann? Um Leser zu akquirieren?
Seid Euch gewiss: All meine abonnierten Blogs lese ich auch tatsächlich - auch wenn ich nicht immer kommentiere ;) Bei manchen geht übrigens das Kommentieren auch nicht mehr. Entweder, weil sie die Kommentarfunktion abschalteten oder weil ihr Wordpress-Blog ein Wordpress-Konto verlangt, das ich nicht habe oder nicht angeben möchte. Oder ein FB-Konto, das ich erst recht nicht angeben möchte.
Es gibt so einige Blogs, die inzwischen leider still und verwaist sind - aber ich kann warten. Manchmal bin ich tatsächlich geduldig :)

Donnerstag, 11. April 2019

Klönsnack in Bonn

Copyright: Helma Ziggenheimer und Miri Quidi


Wenn Frauen einander begegnen, die sich kennen oder auch gut kennen, dann sagt man ihnen wohl nicht zu unrecht nach, dass sie schnattern, als gäbs kein Morgen mehr.
Wenn ich an das vergangene Wochenende zurückdenke, dann muss ich schmunzeln, weil das allerhöchstens für die Abende zutrifft, während wir die Tage dafür nutzten, durch die Stadt zu streifen, die bislang nur eine von uns kannte, und zwar so lange, bis - wie eine von uns es formulierte - wir "gehsteigmüde" wurden.

Ich liebe Städtetouren, weil ich mir gern was Neues, Anderes anschaue, auf mich wirken lasse - und dann weiterziehe. Das muss nicht Gott-weiß-wo sein, das geht auch hier bei uns.
Was die Geselligkeit betrifft... Nun, ich gebe zu, da bin ich etwas eigen geworden. Früher fühlte ich mich im Getümmel wohl, ich blühte erst richtig in Gesellschaft auf. Inzwischen ist mir vieles zu viel, zu laut - und auch zu unpersönlich geworden. In der Menge unterzugehen ist kein Problem für mich, aber es ist dann eins für mich, wenn es eigentlich anders gedacht war. Heute bevorzuge ich die exklusive Begegnung. Klein, aber fein und persönlich.
Und genau so habe ich es am vergangenen Wochenende erlebt: Klein, aber fein und persönlich. Sehr persönlich. Nicht nur der Themen wegen, die wir spätestens in den Abendstunden bei einem Glas Wein (nicht ich) oder einem Pott Kaffee (natürlich ich) auf den Tisch legten, betrachteten..
Es ist für mein Empfinden auch etwas sehr Persönliches, wenn man jemandem die Tür des eigenen Zuhauses öffnet und sich entschließt, die eigene private Behaglichkeit für gut zwei Tage miteinander zu teilen.. tags und nachts.
Es war ein ständiger Austausch, ohne dass auch nur einer von uns zuviel oder zu wenig sprach, ein mitunter sehr persönlicher, intimer Austausch, ohne sich nackt zu machen. Etwas, das ich als eine sehr positive Schwingung wieder mit nach Hause genommen habe. So positiv, das ich ausreichend beflügelt war, um die Heimreise mit letztlich 920 Kilometern zu absolvieren, ohne zu müde oder auch unaufmerksam zu werden. (Ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich die anschließenden 3 Abende auch nicht wirklich zu etwas zu gebrauchen war ;))

Es war geplant, uns zu viert zu treffen. Am Ende waren wir zu dritt - aber solange die zweite nicht auch absagte, hielt ich am Vorhaben, das Rheinland zu besuchen, fest. Ich war einfach noch nie im Rheinland, ich war noch nie in Bonn - und ich gestehe: Die Ecke "Bundestag - Platz der Nationen" habe ich mir wesentlich aufregender, spektakulärer vorgestellt. Auch wenn der Regierungssitz ja längst verlegt worden ist - aber irgendwann war er ja mal dort.
Der allererste Ausflug führte uns auf einen Friedhof. Dort, wo auch Clara und Robert Schumann begraben liegen. Ich kann nicht beschreiben, warum Friedhöfe eine gewisse Faszination auf mich ausüben - aber sie tuns. Ich liebe diesen Hauch von Friedlichkeit, von Ruhe, von Stille, dem Vogelgezwitscher und sattgrünen Bäumen an diesem Ort.. Nicht zuletzt auch eine gewisse Besinnlichkeit, die von so einem Ort ausgeht.
Hatte ich überhaupt eine Vorstellung von Bonn? Ja, irgendwie schon - und irgendwie ist die Stadt auch so wie ich es mir vorstellte. Das einzige, das mich deutlich positiv überraschte, war die Vielzahl an Mietwohnungen aus der Gründerzeit und im Jugendstil. Sehr, sehr geil.
Ich gebe auch zu, dass die zuvor angepriesene Kirschblüte mir erst ein Lächeln abgerungen hatte: "Was sie nur mit ihrer Kirschblüte hat? Die gibts doch fast überall."
Ja, vermutlich - aber der Anblick hat mich tatsächlich umgehauen... In einer so gewachsenen Stadt eine Allee mit Kirschblüten in voller Pracht zu erleben - das ist tatsächlich ein Erlebnis.
Vermutlich auch ein ganz bekanntes, wenn man all die Instagram-Models bei ihren Fotosessions beobachten konnte - neben all den ganz normalen Besuchern wie wir es waren.
Wir haben wohl auch nicht alles von der Liste "Dinge, die du gesehen haben musst, wenn du herkommst" abhaken können - aber ganz ehrlich: So bin ich auch nicht. Ich bin niemand, der alles minutiös plant und auch niemand, der derart verplant werden möchte. Ich halte es eher entspannt und locker - und ich denke, wir haben dennoch mehr gesehen als ursprünglich gedacht. Und das Frauenmuseum, das holen wir später nach.
Gestaunt und geschmunzelt habe ich über mich, wie entschieden ich mich weigerte, bei einem nächsten Besuch das Siebengebirge hochzukraxeln. Ohne mich. Da wäre der Mann vermutlich auch schwer enttäuscht, wenn ich mit anderen Berge hochkraxle und mit ihm nicht ;) Da kann mir die Bonnerin auch noch so versuchen, schmackhaft zu machen, dass es sich um höchstens hundert Höhenmeter handele. Mir egal.
"Ich warte am Fuß des Berges auf euch und suche mir ein lauschiges Plätzchen im Cafe", lehnte ich schmunzelnd, aber eben konsequent ab.
Ich war deshalb überrascht über mich, weil ich mich noch vor wenigen Jahren vermutlich der Allgemeinheit gebeugt oder irgendeine Befindlichkeit vorgeschützt hätte ;) Nein sagen zu können und dazu auch stehen zu können, ist ein wirklich gutes Gefühl. Ein wichtiges Gefühl.

Grad stell ich fest, dass ein Foto versehentlich auf den Kopf gestellt ist. Leider kann man eine einmal gespeicherte Collage in der App nicht mehr ändern - also lasse ich das jetzt einfach mal so stehen ;)

Wir haben ungefähr 3 Jahre gebraucht, um unser einst geplatztes Date nunmehr in die Tat umzusetzen. Dafür legen wir aktuell ein ordentliches Tempo an den Tag: Das nächste folgt in wenigen Wochen - in L. Und darauf freue ich persönlich mich sehr, weil ich da jemanden kennenlerne, den ich bislang nur virtuell kenne.
Also dann, Ladies, auf geht es!

Mittwoch, 10. April 2019

Das Versprechen, das wir geben


Es war im Jahr der Trennung vom Vater meiner Kinder, es war wohl auch nur wenige Wochen danach. Nur kurz wollte ich eine Freundin besuchen, ihr etwas übergeben, glaube ich, vielleicht auch abholen, ich weiß es nicht mehr so genau.
"Wir warten hier im Auto auf dich", sagten die Kinder und der Große schaute mich an: "Du kommst doch auch gleich wieder, oder?"
"Ja", versprach ich, "es dauert nicht lange. Ich bin gleich wieder da."
Aber so war es nicht. Sie fragte mich, wie es mir ginge, und zu jener Zeit war das wie wenn man einen prall gefüllten Ballon ansticht: Er lässt alles raus.

Erst viel später erfuhr ich, dass in der Zwischenzeit der Große aus dem Auto gestiegen war und vor dem Grundstück der Freundin auf und ab lief. Dass er immer wieder sagte "Du hast gesagt, es dauert nicht lange, und jetzt kommst du gar nicht. Du hast mich belogen. Genauso wie der Vater, ihr habt mich beide belogen."
Offen gesagt, es ging mir durch und durch, als ich das erfuhr. Es ging mir so durch, warum ich so unüberlegt versprochen und gehandelt hatte. Vielleicht hatte ich die Uhr nicht im Blick, vielleicht hatte ich auch nicht im Blick, wie lange der Besuch bei der Freundin tatsächlich gebraucht hatte. In jedem Fall mehr als etwas zu übergeben und abzuholen.
Wenn ich überhaupt heute so über die vergangenen Jahre nachdenke.. über Versprechen, die ich gab in dem guten Glauben, die auch einhalten zu können - um sie dann doch dann und wann aufzuweichen, abzuändern, der aktuellen Situation anzupassen.
Damals glaubte ich tatsächlich, das bedeute Flexibilität im Denken und Handeln. In Wahrheit ist es schlichtweg Unzuverlässigkeit.
Mein eigenes Kind hatte aufgehört, mir zu vertrauen, indem es sich nie sicher sein konnte, ob gegebene Versprechen auch eins zu eins eingelöst oder doch abgeändert würden. Mein eigenes Kind fühlte sich von mir verraten und belogen. Ich sehe noch heute sein kindliches Gesicht vor mir, die großen enttäuschten Augen.

Ich habe nie wieder etwas versprochen, von dem ich mir nicht sicher war, ob ich es würde einhalten können. Entweder habe ich mit Vorbehalt zugesagt - oder ich habe nur noch Dinge versprochen, deren Einlösung keine Frage war. Natürlich gibt es auch Situationen, die sich ändern, worauf Du selbst auch keinen Einfluss hast. Dann müssen Pläne, Vorhaben, Zusagen manchmal angepasst oder schlimmstenfalls auch zurückgenommen werden. Das dann aber in beiderseitiger Absprache.

Ansonsten gilt seither für mich:
Ein Versprechen ist ein Versprechen. Und wenn du es nicht halten kannst, dann gib es auch nicht.