Donnerstag, 5. Januar 2023
Im Wandel
Dienstag, 20. Dezember 2022
Von M zu L
Im Januar 2014 haben der Mann und ich beschlossen, dass wir zusammenziehen. Nach all der Zeit, all den Höhen und Tiefen, den On-and-Offs unserer Beziehung haben wir entschieden, dass wir nunmehr einen Schritt weiter gehen müssten. Uns trennten etwas über vierhundert Kilometer - und wir waren beide an einen Punkt gekommen, wo wir müde geworden waren. Im Job beide voll beansprucht, jeder mit seinem Alltag - wir wussten: Wir müssen JETZT etwas entscheiden, ansonsten werden wir uns verlieren, weil uns nach gut 7 Jahren Fernbeziehung die Energie ausging.
Habe ich diese Entscheidung bereut?
Nein. Ich denke, sie war wichtig für mich und auch für ihn - und auch für meine Söhne. Das einzige, was mir immer nachhing, war die Trennung von den beiden. Ich bin jetzt keine Übermama, die auf ihren Kindern hockt und nicht loslassen kann oder will. Aber ich wollte, dass es ihnen gut ging. Ich wollte, dass sie sich ihre Wünsche und ihre Träume erfüllten - und ich wünschte mir für sie, dass jemand in ihrer Nähe war, wenn es ihnen gerade nicht gut ging. Dass jemand greifbar war, wenn sie es brauchen würden.
M ist eine Stadt, in die ich mich sehr, sehr schnell eingelebt habe. Mich persönlich hat das wirklich überrascht: M ist eigentlich bekannt für Schickimicki, für sehen-und-gesehen-werden, für den schönen Schein nach außen, während es im Inneren modert. Das ist nicht meine Welt. Mich interessiert nicht, was jemand an Hab & Gut besitzt und welches Label er spazieren führt. Das beeindruckt mich nicht. Bussi Bussi und falsches Getue widern mich an, genauso wie diese Mädels mit ihren Taschen in der Armbeuge.
Was mich fasziniert und interessiert, sind Menschen, keine Darsteller.
Nichtsdestotrotz ging es mit M und mir wirklich rasant. Ich gewöhnte mich in Nullkommanix ans U-Bahn-Fahren, obwohl Enge und Gedränge schwierig sind für mich. Nach Japan sollte ich da vermutlich nicht auswandern wollen ;)
Es gibt so einige Ecken, in die ich mich verliebte - und die ich auch vermissen werde.
Aber es war immer klar: Ich werde nicht für immer in M bleiben, auch nicht dort begraben werden. Es war immer klar, dass ich notfalls auch allein wieder weggehen würde.
Das Jahr 2022 hat so einiges an Überraschungen für mich bereitgehalten. Die eine war der Antrag vom Mann - und dass wir dann auch wirklich geheiratet haben.
Die andere - für mich große - Überraschung war, dass wir eine Wohnung gefunden haben und im März umziehen werden. Und zwar nicht innerhalb von M - sondern zurück nach L.
Anfangs konnte ich wirklich nicht glauben, dass der Mann dazu bereit sein würde. Ich war mir sicher, dass er spätestens dann, bevor es wirklich ernst würde, einen Rückzieher machen und genug Gründe finden würde, nicht wegzugehen.
Aber auch er überrascht mich immer wieder - auch nach so vielen Jahren noch.
Bei unserem vorletzten Besuch in L haben wir uns gemeinsam ein paar Wohnungen angeschaut - und uns für eine von diesen entschieden. Sie hat alles, was uns wichtig war (na gut, nicht ganz, ich vermisse mein Mal-Schreib-Musik-Zimmer, also ein Zimmer ganz für mich allein). Sie liegt in einem der beliebtesten Stadtviertel in L, wir können fußläufig zur Mama oder auch auf einen Kaffee in die Innenstadt, ich habe einen entspannten Weg ins Office - und wenn der Mann seine sportlichen Anfälle bekommt, kann er sich im angrenzenden riesengroßen Park austoben nach Lust & Laune. Und ich kann jederzeit meine Söhne sehen oder sie zu mir einladen, wenn sie es möchten.
Wir haben den Zuschlag bekommen, obwohl die Wohnung von einem anderen Paar reserviert worden war. Das muss aber wohl schon länger her sein - und jetzt haben wir sie genommen und bekommen.
Preiswert ist sie nicht, das muss man sagen. Aber auch hier hat mich der Mann überrascht, als er zu mir sagte: "Du hast nie wirklich schön gewohnt, ich hab nie wirklich schön gewohnt. Wir haben unser ganzes Leben lang viel gearbeitet und sollten uns jetzt einfach mal etwas gönnen."
Zurück in M, kündigte der Mann die dortige Wohnung, den dortigen zusätzlichen Tiefgaragenstellplatz, fand in Nullkommanix einen Nachmieter, entwickelte Pläne und Ideen, dass selbst ich kaum hinterher kam. Und natürlich sind wir auch fast sofort in einen Ehekrach gestrandet, weil jeder von uns seine Ideen und Vorstellungen einbringen will, die - klar - nicht zu den Ideen und Vorstellungen des anderen passten.
"Wir könnens auch lassen und hierbleiben", hat der Mann gefaucht.
"Wir werden uns schon noch einig", hab ich geantwortet, "aber nicht dahingehend, dass alles nur nach deinem Kopf geht."
"Aber auch nicht nur nach deinem!"
"Natürlich nicht", habe ich breit gegrinst.
Am Freitag kommt er nach L, am Montag fahren wir zur Wohnung, geben den unterschriebenen Mietvertrag ab, messen alle Räume nochmal genau aus.
Auf unserer virtuellen Liste stehen bereits eine Menge Dinge, die wir brauchen werden.
Auf Instagram haben wir einige Dinge im Speicher, die uns inspirieren.
Früher war es ja immer so: Ich habe ungefähr einen Tag vor dem Umzug alles zusammengepackt, am Umzugstag alles transportieren lassen und dann bis in die frühen Morgenstunden so lange geräumt und geputzt, bis ich todmüde ins Bett fallen konnte, irgendwann später wieder aufstand und alles an seinem Platz fand: Vom Kaffeelöffel und Kaffeebecher bis zur Zahnbürste war alles an seinem Platz. So liebte ich das!
Dass das hier eine ganz andere Nummer werden wird, ist mir bewusst.
Fest steht für mich nur, dass es bei mir und mit mir keine Kisten geben wird, die ungeöffnet irgendwo rumstehen. Der Mann kann sowas - ich nicht. Das stört mein ästhetisches Auge *kreisch*
Insofern steht auch fest, dass zwar alles schnell seinen Platz bekommen wird - aber es steht auch fest, dass wir für das Gestalten unseres neuen Zuhauses etwas mehr Zeit brauchen werden. Es muss reifen - mit all den Ideen, die wir jetzt schon haben.
Im März ist es soweit, dann gehen wir weg von M zurück nach L und ich denke, dass wir im Juni vielleicht oder auch erst im Juli oder August unsere Einzugsparty feiern werden.
Aber Fakt ist vor allem: Wir freuen uns beide wahnsinnig auf diesen Schritt - auch wenn ich es irgendwie noch immer nicht glauben kann - und im Gegenzug der Mann langsam Muffensausen bekommt und auch schon erste Anwandlungen von "Wollen wir nicht vielleicht doch hier in M bleiben?"
Nein, wollen wir nicht :)
Montag, 19. Dezember 2022
Wolkig mit der Aussicht auf Wattebällchen
Wäre alles nach Plan verlaufen, würde ich heute Abend in M meine Tasche packen und mich morgen früh auf den Weg nach L machen.
In der Realität aber bin ich von L beim letzten Mal gar nicht erst weggefahren. Sondern buchstäblich im wahrsten Sinne des Wortes einfach liegengeblieben - mit Blick zum Fenster hinaus. Dort ist quasi das Leben an mir vorübergezogen: Sonne, Sturm, Nebel, Regen, Schnee. Begleitet von kannenweise Tee jeden Tag, Fieber, Mörder-Halsweh und Husten.
Und ja, es ist Corona. Hat der Sohn aus der Klinik mit nach Hause gebracht. Ausgerechnet derjenige, der sich übervorsichtig verhält. Der Coronapatienten nur im Vollschutz betreuen darf - und auch abseits der Coronapatienten empfindlich darauf geachtet hat, nichts ohne frische Handschuhe zu berühren und sowieso niemandem näher als notwendig zu kommen. Das Bubbelchen.
Woher er dann trotzdem die Infektion bekam, kann er sich partout nicht erklären.
Jedenfalls meine ist von ihm und begann nachts buchstäblich von einem Moment auf den anderen mit ordentlichem Schüttelfrost.
Wie fühlt sich Corona momentan für mich an? Wenn ich ehrlich sein soll, nicht anders als früher, wenn eine Virusgrippe ihre klebrigen Griffel nach mir ausstreckte. Damit möchte ich weder etwas relativieren noch verharmlosen. So fühlt sichs einfach an. Und mir sind zwei Dinge aufgefallen: Das Schmerzlevel ist in diesen Tagen deutlich niedriger als sonst. Und ich schwitze natürlich nach wie vor, grad als das Fieber so hoch war - aber ich habe null Schweißgeruch. Ich war immer sicher, dass ich jeden Tag ein Deo nutzen muss - ohne war überhaupt nicht denkbar für mich, auch wenn der Mann noch so beschwor: "Ich weiß gar nicht, was du hast, du riechst nicht!" ICH bildete mir ein, da wäre was; also habe ich jeden Tag Deo benutzt - und aktuell brauche ich das Null.
Der Junge brauchte 1,5 Wochen, um wieder fit zu sein - bei mir sinds aktuell auch 1,5 Wochen und ich bin noch nicht ganz so weit wie er. Natürlich hab ich drüber nachgedacht, warum das so ist, unabhängig von dem Bewusstsein, dass ja jeder Mensch anders mit denselben Dingen umgeht.
Ich denke, dass es bei mir insbesondere an den Spritzen liegt, die ich mir seit ungefähr einem Jahr jede Woche setzen muss und die mein Immunsystem unterdrücken. Genau das Immunsystem, das ich jetzt eigentlich bräuchte. Stattdessen liegt es sozusagen in der Ecke und guckt mir knurrend wie ein widerwillig gebändigter Kettenhund zu, wie ich mich hier abmühe, meinen Feind quasi mit Wattebällchen zu bewerfen.
Der Mann schrieb vor ein paar Tagen, es erinnere ihn an unsere früheren Zeiten - er sei dort, ich sei hier, er könne sich nicht um mich kümmern und es würde zwei oder drei Wochen dauern, bis wir uns wiedersehen. Damit wird er nun recht behalten. Wenn er zu Weihnachten nach L kommt, werden wir uns drei Wochen nicht gesehen haben.
Dass wir uns also nichts schenken, stimmt damit auch in diesem Jahr nicht wirklich: Wenn ich bis dahin negativ bin, wird er mein Geschenk zu Weihnachten sein. Ich empfinde das umso mehr, wenn ich sehe, was aktuell in anderen Beziehungen um mich herum los ist - und warum. Betrachte irgendwie mit Wehmut, mit einer gewissen Traurigkeit, wie Menschen miteinander umgehen. Die aneinander hängen (bleiben), weil sie Angst vor dem Alleinsein haben, Angst vor einer ungewissen finanziellen Zukunft, aus Unsicherheit. Aus allem möglichen - aber am allerwenigsten aus Liebe. Liebe ist sicherlich nicht alles - aber sie sollte der wichtigste Grund sein, zusammen sein zu wollen.
Das Jahr 2022 ist fast vorüber, fast geschafft. Viel ist passiert, ganz viel Schlimmes, viel Nachdenkenswertes - und für viele von uns auch viel Schönes. Meine Dankbarkeit dafür möchte ich nicht verlieren. Das, was wunderbar ist, möchte ich auch morgen noch sehen können, sehen dürfen - und wertschätzen. Auch im Jahr 2022 bin ich erschüttert vom Egoismus, der mich mehr oder weniger nah umgibt; von der Gleichgültigkeit und von Desinteresse an Dingen, die für bestimmte Menschen nicht uninteressant sein dürfen. Ich bin enttäuscht von manchen Menschen - und im Gegenzug positiv überrascht von anderen, auf die ich aktuell eher weniger gekommen wäre. So ist es wohl, dieses einzige Leben, das wir alle haben.
Manchmal beißt man sich durch mit der Kraft eines Löwen - und manchmal kämpft man mit Wattebällchen.
Montag, 28. November 2022
Mein Leben mit 300 Kilo
Als ich mir irgendwann mal vor einiger Zeit diese Sendung mit obigem Titel anschaute, da schimpfte der Mann irgendwas von Unterschichten-TV und forderte vehement: "Mach das aus!"
Er fragte mich, ob ich nichts anderes hätte, mit dem ich sinnvoll den Tag füllen könnte - und ob mir meine Lebenszeit dafür nicht zu schade sei; ihm nämlich schon.
Was mich an dieser Sendung interessierte, war jedoch der Mensch: Was ist es, das einen Menschen dazu bringt, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren? Dass Essen der einzige Mittelpunkt im Leben eines Menschen wird? Wie fühlt sich das Leben für einen Menschen an, der aus eigener Kraft teils nicht einmal mehr aufstehen kann, teils nur unter größtmöglicher Anstrengung unter die Dusche findet oder auch von Familie oder Freunden im Bett gewaschen werden muss?
Was muss passieren, damit im Kopf ein Umdenken entsteht und auch der Wille: Ich muss und ich will runter von diesen dreihundert Kilo?
Am meisten jedoch faszinierte mich an dieser Sendung, wozu ein Mensch tatsächlich in der Lage ist, wenn er wirklich will. Wenn er ein Ziel hat. Wie er sich durchkämpft, auch wenn es Rückschläge gibt.
Und wie er sich im Gegenzug aber auch herausreden kann, wenn der Wille nicht stark genug ist.
Heute Morgen telefonierte ich mit meiner Kolleginfreundin im Office. Sie meinte was von "erstmal ein Käffchen" und fügte hinzu, dass es doch tatsächlich Kolleginnen gäbe, die den steten Vorrat an Nüssen, Gummibärchen und - ganz brandaktuell - mit Lebkuchen immer wieder auffüllten.
"Da isses doch kein Wunder, wenn man hier im Büro immer breiter wird", meinte sie und ich musste derart herzhaft lachen, weil mir spontan obige Sendung wieder einfiel und ich kreischte begeistert: "Das is ja genial, dann muss ich die Sendungen nicht mehr im TV anschauen, dann haben wir das live im Büro!"
Ebenso begeistert erzählte ich ihr, dass der Mann, der vergangene Woche gemeinsam mit mir in L verbrachte (aus Gründen, erzähle ich aber ein anderes Mal), von einer überdimensionalen unsichtbaren Hand in einen kleinen Tante-Emma-Laden gezogen wurde, der noch echte Pulsnitzer Lebkuchen und sowas verkauft. Als wir Freitagnachmittag wieder zu Hause ankamen, fragte ich vorsichtig an, ob die Lebkuchen eigentlich bis Weihnachten ausharren müssten oder schon jetzt zum 1. Advent entkleidet werden könnten.
Letzteres wurde zwar gnädig gestattet - doch als wir Samstag unseren Einkauf erledigten, knurrte er mich an: "Wehe, du kaufst irgendwas Süßes, wir haben wirklich mehr als genug!"
Letzte Nacht, als der Mann schon längst schlief und ich irgendwie noch einen Kaffeedurst entwickelte, besah ich mir im Küchenregal die süßen Vorräte und musste grinsen: Wir haben wirklich genug da. Weiß zwar keiner, wie lange, aber erstmal haben wir genug da.
Wobei ich dazu sagen muss: Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass der Schrei nach Süßem im Grunde ein Schrei nach Liebe sei. Ob das stimmt, weiß ich zwar nicht, aber aktuell gelüstet es mich ziemlich heftig nach einer bestimmten Sorte Apfel - nach Süßem tatsächlich eher wenig. Was das jetzt über den Mann und mich aussagt, führe ich an dieser Stelle nicht weiter aus.
Jedenfalls, Stichwort Investitionsplan der Firma: Kollegin 1 hatte um einen Laptop gebeten, damit sie auch mal von zu Hause aus arbeiten kann. Mit zwei kleinen Kindern sei sie ja doch öfter mal nicht da und könne aber dann von daheim aus was machen. (Ob sie diese Entscheidung nicht doch irgendwann mal noch bereut, wird sich zeigen ;))
Kollegin 2 hingegen meinte heute Morgen, sie bräuchte einen neuen Drehstuhl. Einen mit Stahl verstärkt, schließlich sei bald Weihnachten und aktuell damit ohnehin die Zeit, in der man mehr naschen würde und so. Wir haben beide richtig herzhaft gelacht, entschieden, dass es sowas wie Montags-Blues bei uns gar nicht gäbe - und es nun aber Zeit für ein Käffchen sei.
Käffchen.. ist ja immer noch eine richtig gute Idee. Bin dann mal in der Küche.
Sonntag, 6. November 2022
27
Als ich vor ein paar Tagen dieses Foto von uns dreien fand, da ging mir das ziemlich unter die Haut, aus zweierlei Gründen. Zum einen war das eine Zeit, in der zumindest für Euch noch die Welt in Ordnung war. Für Euch gab es die Familie, den Vater, die Mama, den Bruder und Euer Zuhause, Euer gemeinsames Zimmer mit den Dinosauriern, Machbox-Autos und den gefühlt tausenden kleinen Schnipseln, auf denen Ihr aufgemalt habt und ausgeschnitten habt, was Ihr real nicht besessen habt.
Für Euch habe ich mir gewünscht, dass Ihr eine unbeschwerte, glückliche Kindheit habt - und auch wenn ich selbst die Entscheidung zu gehen niemals auch nur eine Sekunde bereute, so schmerzt mich der Gedanke daran, was es für Euch bedeutet haben muss, wie Ihr Euch gefühlt haben müsst, tatsächlich bis heute.
Inzwischen bist Du nicht nur erwachsen, Du hast nicht nur Deinen Job, sondern mittlerweile auch ein eigenes Zuhause mit Deiner Liebsten. Mit ihr entdeckst und bereist Du die Welt, besprichst nun mit ihr den Alltag, teilst ihr Deine Gedanken mit und so ganz leise wie über Nacht bist Du nicht mehr mein Baby, bin ich nicht mehr Dein erster Anlaufpunkt, nicht mehr das Wichtigste in Deinem Leben.
Nicht dass Du mich falsch verstehst: Mir tut es nicht weh und ich hadere nicht mit dieser für mich neuen Situation. Du bist glücklich - und das ist es, was mich glücklich macht!
Was ich fühle, ist die Wehmut, wie schnell letztlich doch die Jahre vergangen sind, in denen Du nachts mit Deinem Kuscheltier an meinem Bett standest und fragtest, ob Du bei mir schlafen dürftest; Du hättest schlecht geträumt und würdest nicht mehr schlafen können. Wie schnell die Jahre vorbei sind, in denen ich Dir vom Fieber durchschwitzte Schlafanzüge auszog, gute-Nacht-Geschichten vorlas, Deine Hausaufgaben kontrollierte, Dich so lange zum Kinderarzt begleitete, bis wir feststellten, dass die mysteriösen Bauchschmerzen keine körperliche Ursache, sondern mit der Situation auf dem Gymnasium zu tun hatten; Dich in Deinen Ferien immer zu Oma und Opa ans Meer und später ins Ferienlager brachte, weil ich etwas anderes einfach nicht bezahlen konnte; Deine kleinen Liebesbriefe so lange aufgehoben hatte, bis die Farbe rettungslos verblasst war. Es gibt so vieles, von dem ich so oft denke, das sei doch noch gar nicht so lange her.. Wie Du zwei Monate lang auf meiner Heimatinsel zur Schule gingst, weil ich in der Klinik war. Mein Antrag auf Haushaltshilfe wurde abgelehnt mit der Begründung, dass Du schon 12 seist. "Aber ich kann doch einen Zwölfjährigen nicht zwei Monate lang allein zu Hause lassen", hatte ich verblüfft reagiert. "Das ist uns bewusst, aber das ist eine Gesetzeslücke der Politik." Im Gegenzug empfindest Du die Insel bis heute als Dein zweites Zuhause und würdest auch am liebsten dort leben. Am allerliebsten in so einem Mehrgenerationenhaus, wo wir alle zusammen wären, wenn auch jeder mit seinem eigenen abschließbaren Wohnbereich. Aber eben.. alle zusammen. Welch wundervoller Gedanke!
Vielleicht lässt sich dieser Wunsch eines Tages erfüllen, vielleicht auch nicht in dieser Form. Wichtig ist im Grunde auch nur eins: dass es Dich gibt. Dass Du glücklich bist. Dass Du so ein wunderbarer Mensch bist, der es am liebsten hat, wenn es harmonisch und entspannt ist. Ich liebe diese Ruhe in Dir, die Gelassenheit, Deinen Mut, Deine Zuversicht, Deine Unbeschwertheit. Ich liebe es, wie Du Deinen Weg gehst, unbeirrt, scheinbar mühelos. Ich liebe Deine Freundlichkeit anderen Menschen gegenüber. Ich liebe Dein Lachen. Ich liebe Dein offenes, sonniges Wesen.
Früher habe ich Euch auf die Beine gestellt, Euch das Laufen gelehrt. Das Radfahren. (Nie werde ich vergessen, wie Du damals, kaum sieben Jahre alt, sagtest, du könntest es nicht, ich also immer mit Dir mitlief und Dich am Gepäckträger hielt - und irgendwann auch mal losließ. Prompt schlugst Du einen Bogen, bist mit dem Rad ins stachlige Gebüsch gekippt und wütend kamst Du rausgestiefelt: "ICH HAB DOCH GESAGT, DASS ICH DAS NICHT KANN!" Von da an konntest Du es dann aber ;))
Ich hab Euch durch den Schnee gezogen, ganz gleich, wie anstrengend das zuweilen gewesen war.
Es wird die Zeit kommen, da werde ich es sein, die Du auf die Beine stellst. Die Du an das Laufen erinnerst (vielleicht), an das Essen und Trinken (vielleicht). Es wird die Zeit kommen, in der ich Dich brauche wie Du mich brauchtest, als Du ein Kind warst (vielleicht). Es wird die Zeit kommen, in der ich Deine Kraft brauche (vielleicht). Aber soll ich Dir was sagen? Es ist ein wahnsinniges Glücksgefühl, wenn man weiß, dass am Ende des eigenen Lebens jemand da ist - so jemand wie Du.
Alles Liebe zu Deinem Geburtstag ♥️
Deine Mama
Dienstag, 18. Oktober 2022
Catch Me I'm Falling
Jedenfalls lächelte ich: "Ja weiß ich."
Er legte sich wieder schlafen, ich stöberte noch ein bisschen und ging dann gegen halb vier ins Badezimmer. Eher der Vernunft geschuldet denn der Müdigkeit, denn ich lag auch im Bett noch eine ganze Weile wach, wühlte mich hin und her, richtige Schlafposition, ne, doch nicht, andersrum, Beine raus, Beine rein, zu warm, zu kalt, ach es war nervig irgendwie :)
Jedenfalls habe ich in dieser Nacht eine neue Playlist zusammengebastelt. Alle meine ganz persönlichen Hits aus der Zeit der Achtziger in meiner ganz persönlichen Liste. Im Dauerrepeat, so viel und so lange und so oft ICH möchte. Ach, was kam DA alles an Erinnerungen hoch!
Als der Mann gestern Abend nach Hause kam, spielte gerade genau dieses Lied Catch Me I'm Falling - und ich tanzte ausgelassen und vergnügt vor seinen Füßen, egal, wohin er ging. In der Küche, im Wohnbereich, im Schlafbereich und wieder zurück.
Nein, es hat ihn nicht genervt, ganz im Gegenteil. Ich liebe seinen Blick, wie er mich dann anschaut, wie er dann lächelt, wie er sich über mich freut und wie er sich anstecken lässt.
Wir haben gestern Abend den ganzen Abend Musik gehört, getanzt, gesungen, es war einfach wunderbar.
Es war fast so wie früher, nur in erwachsen.
Donnerstag, 6. Oktober 2022
Schlag auf Schlag
Als ich mir heute Morgen nach dem Duschen in den Fuß schnitt, das Blut auf die weißen Fliesen tropfte, da dachte ich: Okay, schlimmer wirds heut nimmer.
Schon länger vermeide ich es, im Blog zu schreiben, wenn ich mich gut fühle. Schon länger antworte ich auch auf die Frage, wie es mir geht, eher verhalten mit "Joar, passt schon." Weil die Erfahrung einfach immer wieder bewies, dass genau dieses wunderbare Lebensgefühl durch das Außen ins Gegenteil verkehrt wurde.
Insofern habe ich heute Morgen auf dem Weg ins Büro die Morgensonne genossen, das Goldgelb an den Bäumen genossen, die Musik genossen - und in jenem Moment gedacht: Grad fühlt sich alles irgendwie rund an. Wundervoll rund.
"Ich frag dich heute nicht, wie es dir geht", begrüßte mich anschließend auch die Kollegin. "So wie du aussiehst, geht es dir super."
Vergangene Woche habe ich ein Blutbild anfertigen lassen. Das ist Standard, wenn man sich jede Woche eine Spritze setzen muss. Drei Werte passen nicht, aber der Doc maß dem nicht all zu viel Bedeutung bei.
"Ich geh mal davon aus, dass wir bei Ihnen keinen Schlaganfall oder Herzinfarkt befürchten müssen."
"Na jaaaa... Also wenn ich mir so meine Familie anschaue, würde ich das vielleicht jetzt nicht so unterschreiben", scherzte ich noch.
"Wieso? Gibts da Häufungen?"
"Meine Großmutter ist nach einem Schlaganfall verstorben, mein Vater hatte einen Herzinfarkt und anschließend einen Schlaganfall - und mein Sohn hatte auch einen in diesem Jahr."
Vom Sohn war er erschrocken und überrascht, auch über die Information über den ärztlicherseits vermuteten Auslöser, die Impfung.
"Dann werden wir Ihre Werte doch lieber genauer überwachen", meinte er.
Am Montag ist noch ein weiteres Familienmitglied hinzugekommen, das habe ich erst heute erfahren.
Heute Abend habe ich dann mit ihm telefoniert.
Er ist runter von der Intensivstation, sprachlich habe ich meinen großen Bruder auch schon besser verstanden - aber es geht ihm besser. Wie sehr mich das "angefasst" hat, wurde mir erst in dem kurzen Telefonat mit ihm bewusst - und in den Stunden danach.
An meinem jüngeren Bruder hänge ich, weil ich dessen trockenen Humor so liebe.
An meinem älteren Bruder hänge ich, weil er mir so ähnlich ist - in seinem Denken und in seinem Handeln.
Glück ist verdammt zerbrechlich.
Dienstag, 4. Oktober 2022
Lebenslinien
"I`m twenty nine.
Every time anybody asked me
how old you are? I say: twenty nine.
And they say: Nooooo!
A long time ago
I got a birthday card from Snoopy,
and he said:
The way to keep from getting older
was to pick an age you like and stick with it.
And so I did."
Quelle: Instagram/seniorlivingstories
Vor kurzem haben wir aus der Mediathek ein Porträt über Anna Lang ausgegraben. Als sie ihr erstes Kinderfoto zeigte, erinnerte ich mich wieder an sie und daran, dass ich diesen Beitrag vor langer Zeit schon einmal gesehen hatte. Ich hab ihn mir dennoch noch einmal angeschaut und war erneut tief berührt von einer Frau, die Zeit ihres Lebens das Leben anderer gelebt hatte - aber nicht ihr eigenes.
Ihren Vater kannte sie zunächst nicht, ihre Mutter heiratete stattdessen einen Mann, der das Kind völlig ablehnte, weil es nicht sein eigenes war - und dies dem Mädchen auch in jeder ihm zur Verfügung stehenden Form zeigte. Warum, wird in diesem Beitrag nicht beleuchtet, aber auch ihre Mutter war nicht in der Lage, ihrem eigenen Kind das grundlegendste zu vermitteln: Liebe.
Im Gegenteil: Sie hat zu gehorchen und sie hat den Weg zu gehen, der ihr vorgegeben wird. Sie hat die Ausbildung zu machen, die Geld verspricht - und nicht den Weg ans Theater zu gehen, was eigentlich ihren Neigungen entspricht.
Sie hat einen Mann zu heiraten, den die Mutter ihr vorgibt, auch wenn sie diesen nicht liebt.
Sie hat das Leben mit diesem Mann zu führen, der tut, wonach ihm ist - und im Gegenzug erwartet, dass sie arbeiten geht, den Haushalt führt, das Kind erzieht, seine Wäsche wäscht und ihm das Essen zubereitet. Sie darf nicht sein, wer sie ist. Ihre eigentliche Fröhlichkeit ist nicht gewünscht, erst recht nicht außerhalb der eigenen vier Wände. Es gibt keinen Raum für ihre Wünsche, für ihre Bedürfnisse.
Anna Lang hat sie alle überlebt: den Stiefvater, die Mutter, den Ehemann.
Sie ist etwa neunzig Jahre alt gewesen, als der Mann starb und sie vor allem eins war: frei.
Endlich einfach nur noch frei.
Mit ihrer Tochter hat sie nachgeholt, was ihr in all der Zeit verwehrt geblieben - und was jetzt noch möglich war: Sie hat sich die Welt angeschaut, so gut das noch möglich gewesen ist. Sie hat das Leben genossen, das ihr jetzt noch möglich war. Sie war 107 Jahre alt, als dieses Porträt aufgenommen worden ist. Mit 107 hat sie noch in ihrer eigenen Wohnung gelebt und sich ihr eigenes Essen zubereitet.
Etwa genau ein Jahr später hat sie sich dann für immer verabschiedet.
Doch wenn man sich das genau vor Augen führt... War es Glück? War es ihr unbedingter Wille, nicht von dieser Welt gehen zu müssen, solange sie nicht gelebt hatte? Was braucht es, um sie alle zu überleben, sie alle hinter sich zu lassen, bei denen man zu Lebzeiten nicht die Kraft hatte, sich durchzusetzen? Was, wenn sie keine einhundertundsieben Jahre alt geworden wäre?
Der Mann und ich, wir konnten zunächst nicht wirklich etwas sagen.
"Das ist genau der Grund, warum ich mich von meinem ersten Mann getrennt habe", sagte ich schließlich zu ihm. "Es war genau das, dass ich ein Leben führte, das nicht meins war. Wir wissen nicht, wie alt wir werden. Werde ich wirklich die hundertvier, die ich immer werden wollte - oder bereue ich diesen Wunsch vielleicht noch? Und hätte ich wirklich warten können, bis ich vielleicht achtzig oder neunzig werde und erst nach dem Tod des Mannes wirklich mein Leben hätte führen können? Ne... Ich bin froh, ich bin wirklich sehr froh, dass ich damals gegangen bin und noch genug Zeit hatte, ein neues Leben anzufangen."
Der Mann schaute mich an und sagte dann: "Ich bin auch sehr froh, dass du gegangen bist damals."
Ich war 33, als ich die Entscheidung traf.
Es war meine allererste Entscheidung, mit der ich mich durchsetzte.
Mein allererstes konsequentes "Nein."
Was dieser Entscheidung folgte, waren die - für mich - bis dahin traurigsten, schwierigsten, aufregendsten, tiefgründigsten, lehrreichsten, hoffnungsvollsten, einsamsten, zuversichtlichsten, zweifelndsten, zerrissensten - und liebevollsten Jahre. Sie alle haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Heute, wo der Mann manchmal belustigt den Kopf schieflegt, manchmal verblüfft lacht, manchmal sprachlos ist und dann sagt: "Warst du eigentlich immer schon so oder lerne ich dich immer wieder neu kennen?"
Manchmal bedauert er, dass wir uns nicht damals schon kennengelernt hatten. Damals, mit zwanzig, als alles noch vor uns lag. Dann schlinge ich meine Arme um seinen Hals: "Hauptsache, wir haben uns jetzt."
"Ja, aber jetzt sind wir alt."
"Wir sind nicht alt. Wir werden niemals alt."
Natürlich: Wenn ich mich heute im Spiegel betrachte, dann sehe ich die feinen Linien um die Augen, neben den Mundwinkeln, die tiefe Falte rechts und links der Nase.
Aber.. Wann immer ich in den Spiegel schaue, sehe ich irgendwie immer nur das Mädchen mit 33 Jahren. Keinen einzigen Tag älter. Genauso habe ich mich damals gefühlt: wie ein Mädchen, das die Welt beginnt zu entdecken.
"Das, was du heute erlebst, hatten wir alle mit sechzehn oder siebzehn", hat A. damals zu mir gesagt. Möglicherweise habe ich mich deshalb auch mit 33 noch wie ein Mädchen gefühlt. In meinem Kopf, in meiner Seele war ich das einfach auch.
Auch wenn ich mich manchmal wundere, weil das Spiegelbild nicht ganz zu dem Bild passt, das bis heute in meinem Kopf und in meiner Seele ist: Bis heute bin ich keinen einzigen Tag älter als 33 - und ich werde eines Tages im Alter von 33 sterben; ganz gleich, welche Zahl tatsächlich in meinem Pass steht.
Donnerstag, 29. September 2022
Musik im Kopf
Mittwoch, 21. September 2022
Auf Reisen
Mittwoch, 7. September 2022
Die Summe aller Dinge
Freitag, 2. September 2022
Das kleine Licht der Geborgenheit
Samstag, 25. Juni 2022
Mr & Mrs
Dienstag, 7. Juni 2022
Liebes Universum
Was ich in der letzten Nacht träumte, weiß ich nicht mehr. Hab ich überhaupt etwas geträumt? Immerhin war die Nacht recht kurz. Der Junge rief mich gestern an und fragte, wann ich eigentlich wieder in L sei - und hieraus entwickelte sich wie schon vor einigen Tagen ein Telefonat von gut eineinhalb Stunden. Und wie schon vor einigen Tagen beschränkte ich mich fast ausschließlich auf das Zuhören.
"Mein Auskotz-Stream", benannte der Junge unser Telefonat und ich dachte, was für ein Glück, dass er das überhaupt tut. Viel zu vieles frisst er in sich hinein, macht er mit sich selbst aus. Was grundsätzlich vielleicht positiv sein mag, kann einen aber auch irgendwann von innen heraus zerfressen. Ich hatte das Gefühl, dass er so sehr wie lange nicht darauf wartet, dass ich wiederkomme - und ich musste daran denken, wie der Mann und ich aktuell Wohnungsinserate rauf und runter suchen, um lang gehegte Pläne nun endlich in die Realität umsetzen zu können.. Wie gut das hoffentlich auch für meinen Jungen werden könnte.
Bis 3.30 Uhr lag ich auf dem Sofa, ließ mich berieseln vom Nachtprogramm und der Kopf war so hellwach, die Gedanken drehten so derart im Kreis, dass ich einfach nicht in die Schlafruhe fand. Dass ich mich dann irgendwann doch ins Badezimmer aufraffte, war eher der Vernunft geschuldet und der Tatsache, dass ja heute wieder ein Arbeitstag ist.
"Guten Morgen Geburtstagskind" flüsterte der Mann mir heute Morgen in aller Herrgottsfrühe zum Abschied zärtlich in das Ohr, "wir sehen uns dann heut Nachmittag".
Ich lächelte, mummelte mich tiefer in die Decke, dehnte und streckte mich wie ein Kätzchen - und schlief noch einmal ein. Nicht ohne daran zu denken, wie eigentlich mein Leben früher war. Wie wenig erfüllt. Wie zerfressen von der Sehnsucht nach einem Leben, in dem ich mich wohl und glücklich fühlte. Ich wusste nicht, was es bedeutete, "angekommen" zu sein, weil ich es noch niemals vorher erlebt hatte. Das Leben vor dem Mann war eher eins, das immer vom Wunsch dominiert wurde, nicht nur die Randfigur zu sein. Nicht nur zusehen zu müssen. Nicht das zur Gewohnheit gewordene Möbelstück und aber auch nicht nur der Ersatzspieler zu sein. Sondern einfach... ich. Mit all dem, das mich ausmacht. Dass das jemand genau so haben wollte - und dass mir mit diesem Menschen auch keine Wünsche mehr offen bleiben würden.
Und jetzt.. Heute Morgen, in dem Halbdunkel unseres Schlafzimmers, in dem Bett, das ich so liebe, weil ich darin so gut wie kaum sonst irgendwo schlafe, da fühlte ich mich einmal mehr angekommen. Einmal mehr glücklich mit dem Leben, das ich hier führen kann und mit dem Mann, der mir pünktlich zur Aufstehzeit noch einen Screenshot seiner heutigen Terminerinnerung schickte.
"Was wünscht man denn jemandem, der schon alles hat?" fragte mich der Chef heute Morgen und ich lächelte, antwortete darauf aber nicht. Es sind sehr persönliche Dinge, die ich mir wünsche: Dass es meinen Jungen gut geht. Dass der eine nicht zu sehr vereinnahmt wird, so dass alles komplett hinten runterfällt - und der andere aus seinem Tief wieder herausfindet und endlich auch mal so etwas wie ein bisschen Glück hat. Es gibt so viele Menschen, die so wenig Glück im Leben haben, obwohl sie es einfach verdienen - und er gehört absolut dazu.
"Ach was solls, ich hab mich damit arrangiert", hat er gestern gesagt.
"Wenn das so wäre, würde es dir ja nicht so weh tun", hab ich leise widersprochen.
Liebes Universum, wenn Du mich also hörst.. Ich wünsche mir einfach nur ein bisschen Glück für meine Jungen. Denn wenn es ihnen gut geht, dann kommt alles andere ganz von selbst.
Freitag, 3. Juni 2022
Phänomene allerorten
Nr. 1
Dieser Spruch "Erst auflegen, dann Arschloch sagen" wird für mich heute zur peinlichen Realität. Aber ist mir an der Stelle tatsächlich nur ein ganz klein wenig peinlich. Sorry Guy, aber kam von Herzen :)
Nr. 2
Sich Rhabarberkompott in der Mittagspause kochen zu wollen, ist eine nette, aber schlichtweg dumme Idee. Stichwort: Telefonterror. Stichwort: Rauchmelder im Arbeitszimmer ;)
Nr. 3
Bin ich eigentlich der einzige Depp, der trotz intermittierenden Fastens (6/18) eher zu- statt abnimmt?
Zum Kotzen ist das. Ungerechte, blöde Welt.
Und nein, ich nehme in den 6 Stunden nicht mehr Kalorien als "erlaubt" zu mir, viel zu oft sogar weit unterm erlaubten Schwellenwert. Und ja, ich mache auch immer noch Sport (muss ich auch, sonst rächt sich das bitter auf der Schmerzskala). Und nein, ich stelle kein Muskelwachstum an mir fest. Und nein, die Klamotten passen jetzt auch nicht viel besser als sonst. (Aber wenigstens auch nicht schlechter ;))
Nr. 4
Menschen, die ihr Leistungslevel schon vor Jahren von hundert auf schätzungsweise maximal fünfzig Prozent runtergefahren haben, beklagen sich noch immer, dass sie zuviel arbeiten und es ihnen keiner dankt.
Das sind übrigens die, die aus Lust & Laune heraus Immobilien und Luxusschlitten kaufen, dich rund um die Uhr anrufen, wochentags, an Wochenenden und Feiertagen - und das meistens wegen ihrem Privatkram, egal ob du beispielsweise grad mit eigenem Kummer oder zum Beispiel auch unter Magenkrämpfen auf der Porzellanschüssel um dein Leben kämpfst *harhar*, während du beinah täglich bis in den Abend hinein damit beschäftigt bist, deren berufliches und auch privates Chaos zu ordnen.
Nr. 5
Wer billig kauft, kauft zweimal?
Pfff. Ich kenne einen, der fährt nen hunderttausend-Euro-Schlitten - und ruft mich regelmäßig auf seinen langen Fahrstrecken an, weil sein Navi ihn wahlweise unbegründet von der Schnellstraße leiten oder ihn blindlings in nen kilometerlangen Stau reinfahren lässt. S gibt da so ne Webseite, nennt sich verkehrslage.de - super zuverlässig - fast so gut wies Google-Navi ;) Und mindestens für letzteres brauchste keine teure Kutsche mit super modern eingelassenem Navi, das auch bloß Quark erzählt, wenns denn überhaupt was erzählt.
Nr. 6
Der Empfindlichkeitssensor bei Menschen ist schon recht erstaunlich ausgeprägt.
Stichwort: Das Gleiche ist nicht dasselbe.
Nr. 7
Was ich immer wieder feststelle: Kaum etwas ergreift Menschen mehr als der Gedanke an ihren eigenen Edelmut 😉
Was lerne ich aus allem?
Nicht aufregen, nur wundern.
Und: Ein Käffchen löst keine Probleme. Schmeckt aber tausendmal besser als ein blöder Grüntee - und das entspannt - jedenfalls bei mir - markant den Blutdruck.
In diesem Sinne:
Holladiarrhö - es ist langes Pfingstwochenende, zelebrierts oder lasst es bleiben, aber egal wie: Lassts Euch gut gehen :)
Dienstag, 31. Mai 2022
Backen für den inneren Frieden
Daran dachte ich einmal mehr, als der Junge dank Medikamenten auch den Krankenhauskeim überstanden hatte - und gleich im Anschluss an Corona erkrankte.





