Da hamse mich nun auch drangekriegt.
Nach 4 von 6 nötigen Infusionen fällt auf, dass ja der geforderte Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Spritzen geben wäre vielleicht noch einfacher: Man macht sich nackig, stellt sich an die Wand, breitet die Arme aus und die Schwestern werfen die Spritzen wie Dartpfeile oder so.
Aber mit Infusionen sollte man doch genauer treffen.
Ich meine, ich verstehe hier und an der Stelle die Notwendigkeit des Mundschutzes und auch die Logik. Da brauchts keine Worte.
Was mich aber in Harnisch brachte, war die Art und Weise der Empfangsdame:
"Haben Sie Ihren Mundschutz dabei?"
"Welchen Mundschutz?"
"Den, den Sie letzte Woche von mir bekommen haben."
Letzte Woche hab ich die Dame in der Praxis gar nicht gesehen, aber geschenkt.
Ich lächle freundlich: "Da verwechseln Sie mich wahrscheinlich. Ich hab noch keinen Mundschutz bekommen."
Dass in der letzten Woche überhaupt niemand dort Mundschutz trug - auch geschenkt.
"Natürlich haben Sie einen bekommen, das weiß ich ganz sicher! Den hab ich Ihnen gegeben, als Sie da saßen!" und zeigt aufs Labor. Da war ich zuletzt zur Blutentnahme vor etwa zwei Monaten - aber was solls.
"Dann gebe ich Ihnen jetzt eben noch mal einen!"
Und DAS regt mich auf, sowas! Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, hätte ich mich geäußert im Sinne von "Echt? Und ich hätt schwören können, ich hätte Ihnen schon einen gegeben" oder sowas.
Aber die Patienten da so abzukanzeln und denen zu unterstellen, dass sie döspaddlig sind, sowas kannsch überhaupt nicht leiden. Mir ist ja vieles oft wurscht, über das der Mann sich aufregt. Aber bei der Tonmusik bin ICH empfindlich!
Genauso wie am Wochenende, als mir in einer Diskussion eine ostalgische, noch immer gut funktionierende Gehirnwäsche von anno dunnemals attestiert wurde. Nur weil ich anders denke als der Gesprächspartner? Man kann mir Naivität oder Gutgläubigkeit oder auch mangelnde Informiertheit vorwerfen. Realistisch betrachtet stimmt das eine wie das andere je nach Situation. Aber dieser sich bei Gelegenheit immer wieder wiederholende Vorwurf, ich sei ja immer noch so hirngewaschen und bei mir habe diese Art der Gehirnwäsche offenbar nachhaltig funktioniert - sowas macht mich aggressiv. Und zwar so, dass ich die Diskussion irgendwann abbrach und sagte "Ich geh jetzt hier raus, das wird mir jetzt zu blöd."
Ich lasse mir gerne ein Gegenteil beweisen bzw. Fakten aufzeigen, die ich noch nicht kenne. Aber ich lasse mich nicht abkanzeln. Da bin ich tatsächlich empfindlich. Und ich glaube, am meisten regt mich neben dieser herablassenden Einschätzung auf, dass mein Gegenüber denkt, nur seine Sichtweise sei die richtige. Und alle anderen die Unwissenden - oder eben Ost-Geschädigten. Natürlich war die DDR ein Unrechtsstaat, darüber muss man gar nicht diskutieren. Doch wenn ich mich zurückerinnere, erinnere ich mich an Momente aus der Kindheit. Von Unrechtsstaat habe ich da oben auf der Insel genau genommen gar nichts mitbekommen. Es war auch zu Hause nie ein Thema. (Wobei ich denke, dass das Selbstschutz meiner Eltern war. Man konnte mir nicht trauen! In meiner Unbedarftheit habe ich einfach immer alles erzählt. Zum Beispiel, dass mein Vater die Unterkleider meiner Mama gehasst hat. Er fand die höchst unsexy und morgens, als sie sich ankleiden wollte, lupfte er daran, um zu sagen: "Und DAS findest du toll?" Er hat wohl ein bisschen doller dran gezogen, denn das Unterkleid zerriss. Und genau das habe ich dann im Kindergarten zum besten gegeben "Der Papa hat der Mama das Kleid kaputtgerissen!". In dem Laden, wo meine Mama als Erzieher wirkte. Mein Vater schüttelt heute noch den Kopf, wenn er erzählt, wie oft die Kolleginnen zu meiner Mama gingen "Sag mal, was war denn bei euch wieder zu Hause los, die Helma hat da was erzählt?")
Das sind so Sachen, an die ich mich erinnere. Dass meine Eltern oft Geldsorgen hatten, davon wussten wir Kinder im Grunde nichts. Sie haben uns da einfach rausgehalten. So wie sie uns eben auch aus politischen Themen rausgehalten haben.
Insofern.. kann man mir sicher einiges nachsagen. Aber nicht von oben herab und so tun, als sei ich einfach ein bisschen dumm - da sehe ich rot.
Dienstag, 14. April 2020
Montag, 13. April 2020
Square Rooms
Ja hätten wir die mal! In meiner kleinen süßen Wohnung in L habe ich zwei quadratische Zimmer und habe die mindestens aller 6 - 7 Monate gemalert und umgebaut. Meine Besucher dachten dann immer "So, das wars jetzt, noch mehr geht nicht" - aber i wo. Irgendwie fand ich immer wieder neue Möglichkeiten.
Die Räume hier in M sind jedoch rechteckig und mit ihrer Aufteilung.. schwierig zu gestalten. Also schwierig, wenn zwei Menschen zusammenziehen und jeder "seins" mitbringt. Wobei ich da den deutlich schlechteren Part hatte - denn ich zog in ein "bestehendes System" ein. Früher hat der Mann meine Wohnung und meine Ideen immer bewundert und gesagt "Wenn wir mal zusammen wohnen, darfst du alles gestalten."
Er hat nur nicht hinzugefügt, dass er sich.. nun sagen wir.. nur schwer von Dingen trennen kann.
"Das ist noch gut!"
"Das ist doch nicht kaputt!"
"Das hat mal fünfhundert Mark gekostet!"
Man kann sich aber nicht alles aufheben. Und zwanzig Jahre im selben Mief wohnen.. mag ich irgendwie auch nicht. Ich trag ja auch nicht zwanzig Jahre dieselbe Mode oder dieselbe Frisur. Auch dann nicht, wenn ich mich für Trends nicht interessiere. Ich setze meine eigenen *kreisch*
Nun ja. 2014 zog ich bei ihm ein. Erst 2018 konnte ich einen kleinen Teilerfolg erringen. Ein Regal durfte aus dem Lebensraum nur weichen, weil ich diesem eine Alternative bot: in der Küche. Dort macht es sich sogar ganz gut, konnten wir also beide gut mit leben.
Eingezogen in den Lebensraum ist dafür ein moderneres, in dem unsere Bücher und seine Vinyls ihren Platz gefunden hatten.
Seitdem ist alles wieder geblieben wie es war. Nicht mal mit Farbe an der Wand durfte ich mich austoben - und ich finde es soooo langweilig, wenn alles überall nur weiß ist.
Beispielsweise bin ich verliebt in zartes Hellgrau. Richtig kombiniert sieht das schon geil aus. (Und ist so leicht überzumalen, wenn mans überhat ;)) Wir haben also lieber gar nicht gemalert, weil wir uns einfach nicht einigen konnten.
Um dann irgendwann nach neun heute Morgen aus dem Bettchen zu fallen, da saß der Mann schon längst auf dem Sofa und durchsuchte das Netz nach der Umsetzbarkeit unserer Ideen.
Zum Beispiel wünsche ich mir das Bett unters Fenster. Doch dann ist die Raumbreite schon ausgefüllt. Also muss vorn an der Tür Platz für meinen geliebten honigbraunen Antikschrank bleiben - und für eine Alternative zu seinem wuchtigen Ikea-Eckschrank *kreisch*
Damit einen der schmale Raum optisch nicht erschlägt, schlug ich ein offenes Schranksystem vor.
Und genau nach diesem erkundigte er sich am heutigen Morgen.
Uns beiden war das am Ende viel zu teuer. Und so entschieden wir uns, einen Teil anzukaufen, einen Teil selber zu bauen. Den halben Tag habe ich gesurft, mir Ideen und Inspirationen geholt, aufgemalt, verworfen, neu aufgestellt... Wenn die Platz- und Stellmöglichkeiten jedoch sehr begrenzt sind, aber Stauraum gebraucht wird, dann geht der Spaß erst richtig los ;)
Sonntag, 12. April 2020
Mit Geduld und Spucke
...na ja oder so ähnlich sagt man bei uns im Norden. Jedenfalls musste ich in den letzten Tagen öfter daran denken. Ich habe mir nämlich ein neues Kopfkissen gekauft. Der Mann tat das ja schon vor einigen Wochen. Sein und mein Kaufverhalten unterscheiden sich dabei in jeder Hinsicht.
Er liest und prüft wo-chen-lang, vergleicht Rezensionen und Preise, beratschlagt sich dann auch noch im Umfeld - und dann irgendwann entscheidet er.
Da bin ich ganz anders. Wenn ich irgendwelche Empfehlungen bekomme, belese ich mich maximal einen Nachmittag oder Abend - und am Ende entscheidet bei mir meistens der Preis. Bis heute rechne ich um in D-Mark und dann frage ich mich: Ist es mir das wert oder nicht?
(Hätte ich das mal heute beim Eis gemacht! Angepriesen mit "original italienisch" und "Sorbet! Vegan!" und die Geschmacksprobe war auch wirklich ultra lecker. Aber umgerechnet zwanzig Mark dafür, dass jeder von uns ein Eis in die Hand bekam... Huiuiuii! So langsam kann man gar nicht genießen, um wirklich jeden Bissen zu zelebrieren, sonst kann man die ganze Grütze aus der Waffel trinken statt schlecken.)
Jedenfalls hatte der Mann oft genervt "Kauf dir doch auch eins, ich empfehle es dir!", dann probierte ich drei, vier Tage lang mal sein Kissen aus und gab mich geschlagen.
Ich hab mir aber nicht das Gleiche gekauft. 90 Euro für so ein kleines Viereck mit einer kleinen Kuhle für den Kopf.. Ich hab mich jetzt auch nicht für billigste China-Ware entschieden, aber 45 Euro - finde ich - reichen auch. Außerdem mit 90 Tagen Testzeit angepriesen. (In Wahrheit sinds vermutlich nur 30, glaubt man den Rezensionen.) Die Variante, für die ich mich entschied, besteht aus drei ineinander angepassten Lagen, von denen man die mittlere rausnehmen kann, wenn einem das Kissen zu hoch ist. Nach dem Probeliegen am Nachmittag entschied ich, die mittlere Lage rauszunehmen. Das Kopfende ist etwas höher als die Seite, wo man mit der Schulter liegt. Ergonomisch geformt, sozusagen.
Die ersten zwei Nächte, so der Mann, hätte ich angeblich so ruhig geschlafen, dass er sich manchmal fragte, ob ich überhaupt noch lebe. Hatte ich mich monatelang nachts oft hin und her gewälzt, war oft erwacht, wieder eingeschlafen, erwacht... so legte ich mich jetzt abends schlafen und stand morgens oft wie hingelegt wieder auf.
Nach der dritten Nacht aber bekam ich derart Nackenschmerzen, dass ich kaum den Kopf zu drehen vermochte. Etliche Rezensenten haben genau dasselbe beklagt und das Kissen postwendend zurückgeschickt. So leicht wollte ich aber nicht aufgeben. Zwei, drei, vier Tage lang massierte der Mann die schmerzhaftesten Stellen, salbte mich mit Zeug, das an alte Omas erinnert - aber es half. Auch weil wir die Zwischenlage wieder eingebaut haben. Ich bin ja nun keine zarte Elfe, sondern habe für Größe und Breite einen entsprechend großen und schweren Kopf und breite Schultern *kreisch* - ich brauche als das Komplettpaket - und damit schlafe ich tatsächlich um Längen besser. Schlafe viel ruhiger, träume besser und ruhiger und muss nachts auch nicht mehr aufstehen. Hat sichs also doch ausgezahlt, bisschen Geduld zu beweisen. Wenn das also mit dem gesunden Schlaf so weitergeht, werde ich in Nullkommanichts wieder dreißig sein *harhar*
So und jetzt muss ich weiter "Merida" mit dem Mann gucken. Wir lieben ja Trickfilme - und seit der Mann ihn anlaufen lassen hat, gackert er die ganze Zeit vor sich hin "Haha, das bist sooo du, erkennst du dich auch wieder?" Na dann gucke ich mir das jetzt auch mal genauer mit an :)
Er liest und prüft wo-chen-lang, vergleicht Rezensionen und Preise, beratschlagt sich dann auch noch im Umfeld - und dann irgendwann entscheidet er.
Da bin ich ganz anders. Wenn ich irgendwelche Empfehlungen bekomme, belese ich mich maximal einen Nachmittag oder Abend - und am Ende entscheidet bei mir meistens der Preis. Bis heute rechne ich um in D-Mark und dann frage ich mich: Ist es mir das wert oder nicht?
(Hätte ich das mal heute beim Eis gemacht! Angepriesen mit "original italienisch" und "Sorbet! Vegan!" und die Geschmacksprobe war auch wirklich ultra lecker. Aber umgerechnet zwanzig Mark dafür, dass jeder von uns ein Eis in die Hand bekam... Huiuiuii! So langsam kann man gar nicht genießen, um wirklich jeden Bissen zu zelebrieren, sonst kann man die ganze Grütze aus der Waffel trinken statt schlecken.)
Jedenfalls hatte der Mann oft genervt "Kauf dir doch auch eins, ich empfehle es dir!", dann probierte ich drei, vier Tage lang mal sein Kissen aus und gab mich geschlagen.
Ich hab mir aber nicht das Gleiche gekauft. 90 Euro für so ein kleines Viereck mit einer kleinen Kuhle für den Kopf.. Ich hab mich jetzt auch nicht für billigste China-Ware entschieden, aber 45 Euro - finde ich - reichen auch. Außerdem mit 90 Tagen Testzeit angepriesen. (In Wahrheit sinds vermutlich nur 30, glaubt man den Rezensionen.) Die Variante, für die ich mich entschied, besteht aus drei ineinander angepassten Lagen, von denen man die mittlere rausnehmen kann, wenn einem das Kissen zu hoch ist. Nach dem Probeliegen am Nachmittag entschied ich, die mittlere Lage rauszunehmen. Das Kopfende ist etwas höher als die Seite, wo man mit der Schulter liegt. Ergonomisch geformt, sozusagen.
Die ersten zwei Nächte, so der Mann, hätte ich angeblich so ruhig geschlafen, dass er sich manchmal fragte, ob ich überhaupt noch lebe. Hatte ich mich monatelang nachts oft hin und her gewälzt, war oft erwacht, wieder eingeschlafen, erwacht... so legte ich mich jetzt abends schlafen und stand morgens oft wie hingelegt wieder auf.
Nach der dritten Nacht aber bekam ich derart Nackenschmerzen, dass ich kaum den Kopf zu drehen vermochte. Etliche Rezensenten haben genau dasselbe beklagt und das Kissen postwendend zurückgeschickt. So leicht wollte ich aber nicht aufgeben. Zwei, drei, vier Tage lang massierte der Mann die schmerzhaftesten Stellen, salbte mich mit Zeug, das an alte Omas erinnert - aber es half. Auch weil wir die Zwischenlage wieder eingebaut haben. Ich bin ja nun keine zarte Elfe, sondern habe für Größe und Breite einen entsprechend großen und schweren Kopf und breite Schultern *kreisch* - ich brauche als das Komplettpaket - und damit schlafe ich tatsächlich um Längen besser. Schlafe viel ruhiger, träume besser und ruhiger und muss nachts auch nicht mehr aufstehen. Hat sichs also doch ausgezahlt, bisschen Geduld zu beweisen. Wenn das also mit dem gesunden Schlaf so weitergeht, werde ich in Nullkommanichts wieder dreißig sein *harhar*
So und jetzt muss ich weiter "Merida" mit dem Mann gucken. Wir lieben ja Trickfilme - und seit der Mann ihn anlaufen lassen hat, gackert er die ganze Zeit vor sich hin "Haha, das bist sooo du, erkennst du dich auch wieder?" Na dann gucke ich mir das jetzt auch mal genauer mit an :)
Donnerstag, 9. April 2020
Und dann..
..war ich fertig mit Ordnung machen, der Mann war fertig mit Telefonieren - und dann habe ich ihn zum Tanzen aufgefordert. In unserer kleinen Hütte. Wie die Irren. Herrlich.
Thank God it's Friday!
..also na ja fast, beinahe - und da das Fußvolk heute mit einem unerwartet zeitigen Feierabend beglückt wurde, während der Mann im Zimmer nebenan immer noch arbeiten muss, mache ich das, was man an so einem Nachmittag auch machen kann: ein bisschen herumsurfen.
Ich meine.. ich könnt jetzt auch schon nen Kuchen backen oder das Abendessen vorbereiten. Oder schon ein bisschen bügeln. Und noch ein bisschen Ordnung machen.
Ja könnte..
Dann fand ich obiges Goldstück und schon allein vom Zusehen bekam ich Lust auf ein paar ordentliche Tanzeinlagen. Ich denke, wir müssen doch noch einen Tanzkurs belegen, der Mann und ich. Er hat ja sowas schon mal gemacht, damals, bevor wir uns kennenlernten. Wie konsterniert er über das so offensichtliche Balzverhalten der Frauen war, hat er mir dann später erzählt und ich habe mich köstlich amüsiert darüber. Ich selber war noch nie dort und hätte vermutlich eher immer mit der Angst gekämpft, dass ich immer "übrig bleibe" und dann mit jemandem tanzen muss..
Ich kann beispielsweise nicht mit einer Frau tanzen. Das wäre mir zu nah, viel zu nah. Tanzen hat für mich immer - unabhängig von der Art des Tanzes - etwas Erotisches. Das muss man ja gar nicht direkt mit dem Gegenüber verbinden, aber... Ja ne, ich kann das nicht. Da muss ich auch gleich an jene Sitzung denken, früher in den Jahren der Schmerztherapie, als wir uns verbunden fühlen sollten mit einer anderen Person im Raum. Verbunden durch ein imaginäres Gummiband. Tja was soll ich sagen.. Ich hatte immer eine extrem lange Leine, ich wollte den anderen weit genug weg von mir wissen. Damit fühlte ich mich am wohlsten. Während mein Gegenüber anschließend beklagte, dass ich immer weiter weg wollte, je näher man an mich herankam - und dass das sinnbildlich für dessen Leben war. Irgendwie war es aber auch sinnbildlich für meins. Es gibt inzwischen nur wirklich sehr wenige Menschen, die ich ganz nah an mich heranlassen kann. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die ich ganz nah bei mir ertragen kann. Ich selbst bin auch nicht der Mensch, der permanent am anderen hängt. Das war nicht immer so. Sondern ist die Summe der Erlebnisse. Die Beziehungserlebnisse in Kombination mit den Single-Jahren.
Je mehr Nähe ich wünschte, desto weniger bekam ich.
Irgendwann habe ich mich daran gewöhnt und heute.. habe ich ein Bedürfnis nach Freiheit und Freiraum entwickelt, das ich insbesondere in den letzten Jahren weiter kultivierte.
Aber ach, so tiefgründig wollte ich heute gar nicht werden, denn danach ist mir eher auch nicht. Draußen vor dem Fenster ist so herrliches Wetter, ich schreibe, nasche den letzten Zitronenkeks und in meinem Kopf rotieren immer noch etliche Ideen, wie wir unsere Wohnung umgestalten könnten. Zwar kann ich mit Provisorien ausgezeichnet leben, das aber auch nur, wenn sie gut sind. Halbfertiges hingegen macht mich irre. Räume, die sich nicht wohnlich anfühlen, machen mich irre.
Mindestens zwei Jahre habe ich um die Entscheidung gekämpft, dass und vor allem wie wir die Wohnung umgestalten. Und jetzt, wo ich den Mann endlich so weit hab, dass er meinen Vorschlägen zustimmt, dürfen wir in keinen Baumarkt und auch in keinen Ikea. Da könntste doch ausrasten! Ich hatte ja auch schon mal die Vorstellung, den Mann auf Wanderurlaub zu schicken, so ein, zwei Wochen - und wenn er wiederkommt, bin ich fertig mit allem. Nur - ich komme an kein verdammtes Material!
Und für die eine oder andere Vorstellung - so musste ich erst gestern Abend wieder feststellen - ist unsere Wohnung immer noch zu klein. Und die Wohnungen in M immer noch viel zu überteuert.
Dafür habe ich heute richtig geile Dachgeschosswohnungen in L gefunden! Kosten: Im Schnitt nur ein Drittel dessen, was man vergleichsweise in M berappen müsste. Doch auch in L schreitet die Preisentwicklung voran.
Im Kopf hatten der Mann und ich ja einige Modelle in den letzten Monaten durchgesponnen und würden wir nach L gehen, würde ich sogar die geliebte Freiheit des Home Offices aufgeben, um sie ihm zu überlassen. Vielleicht könnte ich mich dann doch mal dazu durchringen, ihn abends mit "Mein König" anzusprechen *kreisch* Davon träumt er nämlich schon lange. Aber nu ja. Hat halt jeder so seine Träume, nicht wahr?
Ich denke, ich werde jetzt ein bisschen Ordnung machen. Die besten Ideen kommen immer, wenn ich in Bewegung bin ;) Und mit cooler Mucke. Wenn die da oben kein geiles Lebensgefühl macht - welche dann?
Dienstag, 7. April 2020
We don't have forever. So celebrate Life. Enjoy being alive.
"Wann gibt es eigentlich wieder einen Post?" wurde ich gestern Abend gefragt.
"Wenn ich aufhöre, so müde zu sein", antwortete ich.
Die wöchentlichen Infusionen sollen eigentlich ein paar Werte auf die Beine stellen, den seit mindestens 3 Jahren leeren Eisenspeicher zum Beispiel - und vielleicht tun sie das auch, aber ich bin seither müde ohne Ende. Könnte schlafen ohne Ende. Wollte so vieles tun und... schlafe am Ende nur. Ob dieses Schlafbedürfnis auch so ein wenig zur noch mehr entspannten Haltung beiträgt, von der ich mich manchmal frage, ob bei mir eigentlich noch alles stimmt? Ich meine, wenn ich mich so umschaue und umhöre, wenn ich höre oder lese, was die Menschen derzeit und allgemein so aufregt, dann zucke ich meist nur mit den Schultern, scherze über das Meiste hinweg oder bediene mich meiner Lieblingsmusik. Und male. Oder lese Bücher. Die wenigen Fluchtmöglichkeiten, mich der Dauerbeschallung und Dauerversorgung mit dem gegenwärtigen Kotz-Thema Nummer Eins entziehen zu können. Zu dem sich die Kritik, die anfangs unterdrückt werden konnte, mehrt und leise, aber nachhaltig immer offener und auch fundierter wird.
Mich erschreckt, wie beeinflussbar Menschen sind.
Mich erschreckt auch, wie beeinflusste Menschen agieren und reagieren. Wie sie aufeinander losgehen und gegeneinander ins Feld ziehen, nur weil Nachbar A nach wie vor seine Liebhaber empfängt und Nachbar B im Erdgeschoss seine Grill-Party feiert, während Mütter mit ihren Kindern im Gemeinschaftsgarten im Sand spielen. Wie oft jemand die Polizei ruft oder ihr auf die Pinnwand schreibt, wohin sie bitte überall schauen soll. Adressen, Personen gemeldet werden. Oder wie Menschen einen Bogen umeinander machen bzw. erwarten, dass man diesen Bogen um sie schlägt - so als wüsste man nicht inzwischen, dass eine Übertragung gar nicht möglich ist, solange nur jemand an mir vorbeigeht. Wie viele mit Mundschutz und Handschuhen rumlaufen, so als wüsste man nicht, dass man sich einfach nur die Hände waschen muss, eben halt nur noch öfter bzw. regelmäßiger als sonst. Noch bis vor kurzem wurde begründet, dass ein Mundschutz einen Gesunden nicht schützt.
Inzwischen wird empfohlen oder gar verlangt, Mundschutz zu tragen, weil ja die Dunkelziffer so hoch sei und man ja selbst jemanden infizieren könnte. In Jena ist Mundschutz inzwischen Pflicht. In Österreich auch. Söder denkt inzwischen auch noch darüber nach, während immer mehr Menschen auf eine Lockerung hoffen und warten. Aber ehrlich: Wie soll ich mich infizieren, wenn ich seit dem 19. März zu Hause sitze und niemanden livehaftig kontaktieren darf? Wie soll ich eine Dunkelziffer sein oder werden, wenn ich das Haus maximal zum Einkauf und zum Arztbesuch verlasse? Oder noch zum Spazierengehen?
Mitte März gefror mir das Lächeln, als der Mann mir eröffnete, dass seine Firma so gut wie alle Angestellten ins Home Office geschickt hätte - und wir nun beide auf unbestimmte Zeit von daheim aus arbeiten würden. Mein geistiges Auge sah alle meine in den nunmehr fast sechs Jahren des Home Office gut gepflegten Angewohnheiten gefährdet - und in Konsequenz dessen mich mit der Schaufel im Garten eine ausreichend große Grube ausheben. Mindestens aber fürchtete ich ein wenig um die häusliche Harmonie.
Inzwischen nun läutete die vierte Woche des gemeinschaftlichen Eremitendaseins ein - und zumindest ich wundere mich, dass die Grube nicht mal ansatzweise gegraben wurde und wir uns darüber hinaus sogar immer noch gut verstehen. Dass wir immer noch harmonisch miteinander umgehen und keiner von uns wenigstens gedanklich die arthritischen Finger am Hals des anderen vergräbt. Ich denke, dass dies nicht nur auf meine allgemeine lecks-mi-am-Mors-Stimmung zurückzuführen ist. Sondern auch darauf, dass bei aller Arbeitsintensität auch der Mann ausgeruhter ist. Auch wenn er mindestens genauso müde ausschaut wie ich mich derzeit fühle. Immerhin steht er mindestens eine Stunde später auf als sonst, der Arbeitstag endet für gewöhnlich viel eher als sonst und wenn es das Tagesgeschäft zulässt, joggt er oder fährt mit dem Rad draußen rum.
Als er gestern Abend vor dem Fenster die Korbstühle frühlingsfertig zurechtmachte und nicht nur mit einem lecker Käffchen, sondern auch noch einem leckeren Eierlikörchen lockte, da dachte ich für einen Moment: "Ja.. Ja genau, warum eigentlich nicht." Ließ das Diensttelefon in der Schublade verschwinden, natürlich auf lautlos gestellt "Ach.. du hast angerufen? .. Hups, gar nicht gehört.", ließ mich im Korbstühl nieder, streckte die Beine aus und genoss den wunderbar milden Frühlingstag. Mit dem Grillgeruch aus dem Erdgeschoss und den Kindern im Sandkasten. Ich schloss die Augen, genoss das Vogelgezwitscher, während der Mann sich neben mir niederließ, die Socken auszog und ebenfalls die Beine hochlegte.
"Ruf mich mal an", begehrte er, "irgendwas stimmt grad meinem Mobile nicht."
Mit dem Blick auf seine nackten Füße wartete ich auf das Pling seiner Mailbox und sang dann irgendwas von "...und dann spra-hach der alte Weißfuuuußindiaaaaaner" und so ins Telefon. Amüsierte mich köstlich, als er erschrocken mit den Händen wedelte: "Lass den Quatsch! Ich hab meiner IT die Berechtigung gegeben, meine Mailbox abzuhören!"
Na dann, lehnte ich mich zufrieden zurück, konnte er ja noch froh sein, dass mein Text diesmal harmloser Natur gewesen war.
Wir verbrachten den Abend im Korbstuhl, bis es kühl wurde und wir zurück ins Haus gingen. Dort schlief ich irgendwann auf dem Sofa ein, während der Mann noch Börsennachrichten las und im Netz surfte. Und so.. in etwa vergehen unsere Tage.. Entspannt, gleichmütig, relativ unaufregend. Einem Gefühl gleich, wie wenn man genüßlich in einer Hängematte schaukeln und darauf warten würde, eines Tages wieder aufzustehen und weiterzumachen.
Es wird vermutet, dass die Menschen jetzt in dieser (inneren) Ruhe zu sich selbst finden und sich zurück auf eigentliche Werte besinnen. Auf dieses "Was ist wirklich wichtig im Leben?" und so. Auch das sehe ich etwas kritischer. Ich persönlich denke ja, dass die Leute aufatmen und innerhalb kürzester Zeit genauso weitermachen werden wie zuvor auch. Da nehme ich mich auch nicht raus.
Ich habe vorher nicht auf Kosten anderer gelebt oder fremde Leute angeschissen - ich werde es auch jetzt und auch nachher nicht tun. Bitte und Danke war mir zuvor schon wichtig und mein ganz persönlicher Rückzugspunkt ebenso. Ich kann immer noch Nein sagen, wenn ich etwas nicht möchte, ohne mich dafür millionenfach zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Rücksichtnahme ist noch immer kein Fremdwort für mich und buchstabieren kann ichs auch.
Aber ich würde mir wünschen, dass ich es schaffe, auch in Zukunft mehr darauf zu achten, mich insbesondere im Dienstlichen abzugrenzen. Dass ich nicht zulasse, wie oft ich angerufen werde, wenn ich krank bin oder gar Urlaub habe oder es nach 21 Uhr geworden ist. Nur um beispielsweise die Frage zu beantworten, wem man welche Post gibt und wo man was findet. Ich hab schon auch an Wochenenden oder freien Tagen den Chef angerufen, um ihn an etwas zu erinnern oder ihn auf etwas hinzuweisen. Aber ich muss noch durchsetzen, dass eine gereichte Hand nicht bedeutet, dass man mich ganz selbstverständlich und völlig vereinnahmen darf. Dass ich niemandes Eigentum bin. Dass mir Raum für mich selbst bleiben muss. Zum Malen. Zum Singen, während ich Essen zubereite, Gemüse schneide oder Kartoffeln schäle. Zum Tanzen auf dem Holzfußboden, während ich die Kommode und das Regal abstaube.
Wie sehr ich es liebe, mit dem Auto unterwegs zu sein, die Lieblingsmusik so laut es geht, das Fenster heruntergelassen, der herrlich warme Wind in meinem Haar und mit diesem wunderbaren Lebensgefühl. Wie sehr ich mich auf den warmen Frühling, die Kleidchen und die Sandalen freue. Wie sehr ich mich auf die Straßencafes freue und das Radeln auf dem Deich. Egal ob am Meer oder am Rand des breiten Flusses. Dass ich mir dafür die Zeit nehme, ohne an den nächsten Schritt zu denken.
Die vierte Woche Lock-Down und ich habe nicht mehr telefoniert als sonst. (Ich mag Telefonieren eh nicht so.) Ich habe nicht mehr Briefe geschrieben als sonst und auch nicht öfter gefragt als sonst "Wie gehts?" Ich wünsche nicht standardmäßig "Bleib schön gesund", sondern maximal, wenns passt "Lass es dir gut gehen" oder bei meinen Söhnen "Passt auf euch auf." Das aber eher im Sinne von zum Beispiel am Steuer. Jetzt, wo Sohn II auch noch ein neues Auto mit einer PS-Zahl hat, die fast doppelt über der meinen liegt. Und ich bin ja nun auch.. äh.. kein Schleicher. Woran er mich übrigens auch immer wieder gerne erinnert: "Das sagt mir die, die in drei Stunden von M nach L fährt!" Öhm. Tja nun. Man will ja auch ankommen, irgendwann ;)
Ich habe mir auch noch keine neuen Bücher gekauft, trotz Empfehlungen zaudere ich noch.
Lediglich meinen Kleiderschrank habe ich sortiert, aufgeräumt und natürlich das eine oder andere Kleidungsstück für die Kleiderkammer vorgesehen. Der Mann hat das wie immer kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen: "Was DAS alles mal für Geld gekostet hat!" Auf jeden Fall nicht viel, denn exquisit eingekauft habe ich noch nie. Sollte ich vielleicht aber mal? Mich auf ein paar Basics konzentrieren und dafür ein paar erlesene? Die man gut miteinander kombinieren kann?
Ich bin aber nicht nur Basic. Mal ist mir nach verspielt, mal nach romantisch, mal nach klassisch, mal nach sportlich und mal nach bequem. Es versteht sich von selbst, dass diese Stimmungslagen nicht in zwei Regalreihen seines Kleiderschrankes passen können.
Das Leben zu genießen - für diese Erkenntnis braucht es diese aktuelle Situation nicht. Entweder kommt diese Weisheit von allein mit der Zeit - oder sie kommt mit bestimmten Lebensereignissen bzw. Lebenserfahrungen, auf die man gerne verzichtet hätte. Wie oft hat sich der Mann echauffiert über Dinge, die mir maximal ein müdes Lächeln abringen konnten. Und wie oft sagte ich dann "Was du dich da aufregst.." So oft, dass ich mich tatsächlich fragte, wie durcheinander mein Hormoncocktail tatsächlich ist und ob sich die angeborene Arschruhe des Nordens noch in einem gesunden Level bewegt. Nur... Es ist nicht meine Aufgabe, anderen Menschen etwas vorzugeben. Wer sagt denn, dass mein Lebensprinzip das Richtige ist? Für mich ist es das Richtige - weil es mir guttut. Aber jeder Mensch hat sein eigenes Prinzip und solange er dies nicht auf Kosten anderer tut... Who cares?
Für mein Empfinden ist nicht das Wertvollste, was wir mit Geld bezahlen (können). Das Wertvollste, das wir haben oder bekommen können, ist.. Zeit. Zeit miteinander und füreinander. Ganz gleich, wen wir da vor uns haben. Den Mann. Die Frau. Die Kinder. Die Menschen, an denen unser Herz hängt.
Einem der Kommentatoren unter obigem Video bin ich gefolgt und habe mir die Kopfhörer aufgesetzt, die Augen geschlossen - und zugehört. Und ich konnte nicht aufhören, Gänsehaut zu haben.
"We don't have forever... So celebrate Life... Enjoy being alive."
Ich persönlich wünschte mir, Menschen würden aufhören, einander zu belauern, aufeinander loszugehen oder einander anzuschwärzen. Oder uns gegenseitig hochzuschaukeln. Uns allen täte es gut, ein bisschen mehr bei uns selbst zu bleiben, in uns zu ruhen. Glaube ich.
Montag, 30. März 2020
Aufgerappelt
| |||
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen
Dank für Ihr Schreiben, das ich ebenfalls dem Hausarzt Dr. [Hausarzt] für
seine Akte übergab. Nach Rücksprache mit Herrn Dr. [Hausarzt] habe ich mich
nunmehr entschieden, Ihnen auf Ihr Schreiben zu antworten.
In
Ihrem Schreiben legen Sie dar, dass die bisherigen
Untersuchungsmöglichkeiten den Rahmen des Möglichen ausgeschöpft hatten
und Sie aufgrund der Ergebnislage davon ausgehen, dass die von mir
beklagten Symptome psychosomatischer Natur seien.
Ihrer
Argumentation könnte ich tatsächlich sogar folgen, wenn ich mich einer
solchen Behandlung nicht schon längst unterzogen hätte. Dies ist den
Ihnen vorliegenden Unterlagen durchaus zu entnehmen.
Es
irritiert mich persönlich immer wieder, dass diese fortlaufenden
psychosomatischen Behandlungen im Zeitraum von Januar 2007 bis Anfang
2011 immer wieder übersehen werden. Vier Jahre psychosomatische
Behandlung bzw. Begleitung bzw. Verhaltenstherapie mit einem
ausgesprochenen Erfolg für die Entwicklung meiner eigenen
Persönlichkeit. Ich bin sehr dankbar für diese vier Jahre, ich habe sehr
viel gelernt. Unter anderem habe ich dabei auch gelernt, mich weder in
Schubladen hineindenken noch mich so behandeln zu lassen.
Was
bis heute trotz allem nicht gelungen ist, ist eine Verbesserung der
körperlichen Entwicklung, von der der behandende Neurologe Dr. [Neuro],
M, im Herbst 2018 zu mir sagte: "Wenn man sich den Verlauf
nebeneinander legt, kann man sagen, dass es langsam, aber stetig immer
schlechter wird." Er verwies darauf, dass das Feld der Neurologie
unfassbar weit sei und es entsprechend viele Erkrankungen gäbe, von
denen man nur wenig oder auch gar nichts wisse. Aus diesem Grund
überwies er mich in das Klinikum [xx]. Das Ergebnis dessen
setze ich als Ihnen bekannt voraus. Dem Besuch dort verdanke ich
zumindest die im Nachgang bestätigte Diagnose Hashimoto Thyreoiditis.
Herr
Dr. [Neuro] bescheinigte mir im Januar 2019, dass "man" Patienten wie
mich genau da würde haben wollen, wo ich heute schon sei: dass ich
weiter am Arbeits- und persönlichen Leben teilhabe, dass ich mich
sportlich betätige, dass ich mich abgrenze und auch für mich persönlich
sorgen kann.
"Machen Sie genau so weiter", sagte er.
In
all den Jahren habe ich nichts anderes getan, jedoch auf die
körperliche Entwicklung habe ich nach wie vor keinen positiven Einfluss
nehmen können.
Mit dem linksseitigen Schmerz in den
Gelenken lebe ich also. Mein Fokus liegt schon sehr lange nicht mehr auf
dem Schmerzempfinden oder überhaupt auf meiner körperlichen Verfassung.
Doch wenn ich eines Tages aus dem Stand aus einer völlig ruhigen,
entspannten Position heraus einfach umfalle und anschließend deutlich
Schwierigkeiten habe, meinen Gang zu koordinieren, sollte es mir
gestattet sein, Ursachen herausfinden zu lassen und diese aktiv angehen
zu dürfen.
Ob die beiden Dinge, Schmerz und
Tremor/Gangunsicherheit, zusammengehören oder einzeln zu betrachten
sind, kann ich als Laie nicht beantworten. Für mich persönlich spielt
auch keine Rolle, inwieweit das eine mit dem anderen zusammenhängt oder
auch nicht. Ich fühle mich jedoch auch in meinem Alter noch viel zu
jung, um mich schon morgens beim Aufstehen wie betrunken zu bewegen.
Also habe ich mich schlussendlich im Sommer 2018 der Alternativmedizin
zugewandt, obwohl ich dieser sehr skeptisch und zurückhaltend
gegenüberstand. Der Erfolg der Ozon-Blutbehandlung mag schulmedizinisch
fragwürdig sein, ist aber dennoch - für mich - überraschend deutlich
(vollständige "Ausheilung" des Tremors bis heute). Die Heilpraktiker in
L als auch M sahen darin ein infektiöses Geschehen im
Nervensystem als bestätigt.
Ich
kann nicht einmal sagen, dass ich an Ihr Zentrum eine besondere
Erwartung hatte. Erwartungen habe ich mir schon vor sehr langer Zeit
abgewöhnt. Doch was ich hatte, war Hoffnung. Eine Hoffnung, die nicht
eine vorliegende seltene Erkrankung oder Störung beweisen muss. Aber die
Hoffnung auf einen möglichen Weg. Auf einen Aspekt, der bisher
eventuell noch nicht betrachtet worden ist. Zumindest hätte ich mir
gewünscht, dass Sie wenigstens hinterfragen, inwieweit sich zum Beispiel
die Kortison-Behandlung auf die beklagten Symptome auswirkt. Diese
Behandlung wurde im Januar 2020 zum allerersten Mal getestet (auch den
Ihnen vorliegenden Unterlagen zu entnehmen) - und hatte bei der
Tagesdosis von 40 mg sicherlich einige Nebenwirkungen, vor allem aber
eine sehr deutliche Verbesserung in der Gangsicherheit, in der fast
vollständig aufgehobenen Schmerzintensität der Finger und auch eine
allgemeine Besserung des Schmerzempfindens. Für Herrn Dr. [Hausarzt] ist
dies ein Hinweis auf ein infektiöses Geschehen im Körper. Leider Gottes
hat zumindest die Schmerzintensität in den Fingern und auch in den
linksseitigen Gelenken nach dem Ausschleichen und Absetzen des
Medikaments wieder deutlich zugenommen. Unbeantwortet ist auch die
Frage, warum eine schubweise deutliche Verschlechterung der körperlichen
Verfassung überwiegend in der kalten Jahreszeit auftritt. Je kälter,
desto intensiver die Symptome. Ein Umstand, der in der Ihnen übergebenen
Chronologie zumindest für mich relativ deutlich wurde.
Eine Dauerlösung ist Kortison jedoch nicht und darum wandten wir uns an Sie.
Am Grad der Enttäuschung wird immer deutlich, wie groß die Hoffnung letztendlich doch war.
Von
meinen Zeilen verspreche ich mir insofern gar nichts - aber ich wollte
Ihr Schreiben und die darin aufgestellten Annahmen dennoch nicht
unbeantwortet stehenlassen. Für die von Ihnen in den Raum gestellte
fragliche Sarkoidose fehlt Herrn Dr. [Hausarzt] insbesondere eine
symptomatische Beteiligung der Lunge. Auch Ihrer Einschätzung zum
psychosomatischen Geschehen folgt er (nach wie vor) nicht. Hierzu würde
ich gerne auch auf den Ärztlichen Entlassungsbericht der [Reha]-Klinik vom
Januar 2012, Seite 6, verweisen. Es ist tatsächlich schade, dass ich
die meisten dieser Aussagen bzw. Einschätzungen nicht schriftlich
nachweisen kann.
Ich frage mich nur: Wenn Lösungen immer
so einfach wären, wozu braucht es dann Zentren für seltene Erkrankungen,
die Ergebnisse lediglich an gängigen Laborparametern ablesen? Diese
Frage ist nicht zynisch, sondern tatsächlich ernst, aber
selbstverständlich rhetorisch gemeint.
Haben Sie einen schönen Tag.
Mit freundlichen Grüßen
So. Und jetzt fickt Euch, Ihr Drecksäcke.
Freitag, 27. März 2020
Fimffalabim!
Der Mann und ich haben in der aktuellen Situation beschlossen, unseren Wocheinkauf auf freitags morgens Punkt 7 zu verlegen. Damit sind wir sicher, dass sich die Leute nicht gegenseitig auf die Zehen treten (dagegen ist er ganzjährig allergisch, nicht nur in Zeiten etwaiger Infektionen), aber wir sind auch sicher darin, nicht anstehen zu müssen, ehe man den Markt überhaupt erst betreten darf.
Ich Naivling nahm ja auch an, die Hysterie würde sich nach der ersten Aufregung nun ein wenig legen - aber ach. Gefühlt jeder Zweite begegnete mir heute mit dieser albernen Maske und Handschuhen.
Versteht mich nicht falsch: Es gibt Menschen, die sich ernsthaft vor einer Ansteckung schützen, aber ja trotzdem auch für sich einkaufen müssen. Und sicherlich sieht man diese Notwendigkeit auch nicht jedem an.
Aber wenn die Kassiererin beispielsweise, bestückt mit Mundschutz und Handschuhen, nach der Wasserflasche greift, diese wiederholt mit ihren Handschuhen öffnet (nachdem sie fortlaufend Zeug anfasst, das ja potentielle Virenträger berührt haben) und schließt und über den Mund fährt - sorry. Dann brauchts auch keine Handschuhe. Das Zauberwort ist und bleibt: Hygiene.
Wir haben übrigens jetzt wieder die gute alte Handseife im Bad, denn das Regal mit der Flüssigseife ist nach wie vor leergefegt und in der Babyabteilung bediene ich mich nicht.
In unserem Unternehmen - und damit zählen wir wohl zu den wenigen derzeit - ist aktuell weder Kurzarbeit angemeldet noch kann ein Großteil der Angestellten im Home Office arbeiten. Also haben wir vergangene Woche eine Arbeitsbescheinigung für jeden Mitarbeiter erstellt und herausgegeben, damit jeder ungestraft in die Firma kommen darf.
Meine Arbeitsbescheinigung kam heute mit der Post. Ich hatte sie mir vorsorglich schicken lassen, weil noch nicht feststand, ob ich nun kommende Woche nach L tingele oder doch erst nach Ostern.
Und schon, als ich zur Lieblingskollegin sagte "Schick mir meins mal mit der Post, dann bin ich zumindest auf der sicheren Seite, wenn sich der Plan ändert", da wusste ich, sie wird irgendwas dazutun. Als der Mann mir vorhin den Umschlag gab, grinste ich schon - und als ich ihn öffnete, amüsierte ich mich.
Sie hingegen hat mir vor Lachen ins Ohr gekreischt, als ich ihr prompt über whatsapp meine Antwort schickte und hinzufügte: "Guckste mal, ich kann wirklich zaubern - Fimffalabim!"
Ich wusste doch immer, dass ich mit meinen Händen Großes erschaffen kann ;)
Donnerstag, 26. März 2020
Tag was-weiß-ich
Ich stamme ja aus dem Norden. Daher, wo man sagt, dass die Kühe schöner seien als die Mädchen.
Daher, wo man sagt, die Leute hätten eine begnadete Arschruhe.
Daher, wo man, wie ich finde, den herrlichsten Dialekt spricht und wo man, wenn man das Plattdeutsch denn auch beherrscht, den besten trocknen Mutterwitz aller Zeiten findet.
Von daher.. dauert es schon ein bisschen, um mich aus meiner gemütlichen Arschruhe herauszulocken.
Ein bisschen was Nordisches muss ich mir ja schließlich bewahren - damit sie mich auch wiedererkennen, wenn ich eines Tages wieder dort lebe.
Dennoch gibt es Dinge, die mir mitunter wahnsinnig auf die Nerven gehen - und die mich auch ganz schnell mal fuchtig werden lassen können.
Unfairness und Ungerechtigkeit, aber das hatten wir schon, alter Hut.
Was mir aktuell tierisch auf die Nerven geht, ist, dass man an keinem einzigen Tag und nirgendwo vom Thema verschont bleiben kann, das derzeit alle Welt beschäftigt.
Ich mags ja nicht mal aussprechen.
Fast schon wieder belustigend empfinde ich, dass Menschen, die die aktuell vorangetriebenen Maßnahmen langsam immer kritischer sehen und auch so empfinden, beschimpft werden mit "Du hast doch den Schuss immer noch nicht gehört" oder "Denk mal ein bisschen nach, dann kommste vielleicht noch drauf" oder "Unsere Großeltern haben einen Weltkrieg überlegt und ihr jammert rum wegen drei Wochen Sofa!" und so weiter und so fort.
Erst gestern tauschte ich mich mit einer Bekannten über dieses Thema aus - und auch sie, deren Schwester als Ärztin beschäftigt ist, kann diesem medialen Aufschrei und der daraus resultierenden Hysterie nicht folgen. Leergekaufte Klopapierregale, man glaubts nicht. Nachbarn, die die Polizei rufen, wenn innerorts eine Freundin die andere besucht, um was Eingekauftes abzuholen. Die dann auch kommt und erstmal mündliche Verwarnungen ausspricht, beim nächsten Verstoß kostets Geld. Ich würds nicht mal glauben, wenn ichs nicht selber "gesehen" hätte.
"Dein gesunder Menschenverstand ist so erfrischend", schrieb sie mir. Das ist freilich Ansichtssache.
Gestern las ich in einem sehr interessanten Artikel (leider weiß ich nicht mehr, wo) über Otto Normalbürger aus Australien. Befragt zu ihrem panikartigen Einkaufsverhalten, bestätigten sie das, was ich tatsächlich einige Tage zuvor im Dialog mit dem Mann gemutmaßt hatte: "Wir machen das so, weils der andere auch macht. Wenns der andere so macht, muss das ja einen Grund haben."
Herdenverhalten.
Nicht nur einmal ist in den letzten Tagen öfter an die Geschichte vom Kaiser mit den neuen Kleidern erinnert worden.
Aber seis drum.
Fakt ist, dass ich vor etwa zehn Tagen nicht schlecht staunte und eher missmutig zur Kenntnis nahm, dass nun auch der Mann in den nächsten zwei Wochen dem Home Office frönen würde.
Wir zwei! Hier! Zu Hause!
"Ruf mich Freitag noch mal an", sagte ich zu einer Freundin Anfang letzter Woche, "wir gucken dann mal, wer von uns beiden das Ganze hier überlebt hat!"
Haben gegackert und uns amüsiert.
Aber ganz so abwegig... erschien mir das nicht! Wir zwei hier auf so engem Raum, mit nur einem Schreibtisch und einer... nun sagen wir... ziemlich unterschiedlichen Auffassung zur Tagesgestaltung (er geht in den Pausen joggen oder Radfahren, ich packe meine Kekse aus und schaue zum Beispiel Kriminalgeschichten öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten).
Aber nun haben wir Tag 9 der verordneten Ausgangsbeschränkung - und wir leben beide immer noch. Von Lagerkoller ist im Grunde nicht wirklich etwas zu spüren. Ich finde sogar, dass wir uns dafür sogar ganz gut arrangiert haben: Wir gehen uns überwiegend aus dem Weg *kreisch*Tatsächlich sehen wir uns zumeist nur morgens und abends, weil jeder in seinem Zimmer über den PC gehockt sitzt, das Headset übergestülpt und festgefangen in Konferenzschaltungen oder pausenlosen Anrufen von Mitarbeitern und Vorgesetzten. Wenn er mal Pause hat, telefoniere ich - oder umgekehrt. Da hilft tatsächlich manchmal nur noch die stille Post. Und manchmal isst trotzdem jeder für sich zwischen zwei Telefonaten oder wartet auf den anderen, bis sich schon die Stullenränder leicht nach oben biegen.
Insgesamt bin ich aber doch positiv überrascht, wie gut wir uns hier vertragen.
Wir zwei, die ihre Freiheit lieben und Freiraum über alles schätzen.
Ebenso erfrischend empfand ich auch das kleine Video meiner Freundin heute Abend. Sie hat mit ihren zwei Kindern einen Parcours im Gemeinschaftskeller gebaut und ab ging die Luzy. Ich fand das total witzig und ich fand aber auch irgendwie toll, wie man so "zurückfinden" kann zu all den einfachen Sachen, die wir früher als Kinder gespielt haben - und den Spaß unseres Lebens hatten.
Ich fand das wirklich toll!
Auch wenn ich trotzdem sehr, sehr froh bin, dass meine Söhne groß sind und ich sie nicht auch noch ganztägig bespaßen oder ihren Frust ertragen muss. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen nicht nur flammende Schimpfworte hin und her flogen!
Ich finde cool, was man alles so wiederentdeckt, wenn man die Zeit dafür hat.
Warum nicht einfach mal das Positive in all dem sehen? Warum nicht einfach mal das Positive leben in einer Zeit wie dieser? Warum mich jeden Tag fluten lassen von Zahlen, Nachrichten, von denen inzwischen kein Schwein mehr nachvollziehen kann, was jetzt davon stimmt und was nicht? Warum mich nicht auch mal dem ganzen Hype entziehen und einfach mal auf sich konzentrieren? Gerade in einer Welt wie dieser, die immer schneller und schneller wurde, so dass man Gefahr lief, sich beinah selbst zu überholen?
Mit einem beinah stoischen Gemüt kann ich mich in Dinge fügen, die ich ohnehin nicht ändern kann, und aber das Beste daraus machen.
Irgendwie habe ich den Eindruck... dass der Mensch immer einen Grund zum Jammern findet. Dass es immer etwas gibt, das ihm nicht passt und das beklagt werden muss.
Ich finde das echt anstrengend.
Viel anstrengender als ein gemeinsames Home Office mit dem Mann und dem damit einhergehenden Verzicht auf liebgewordene Rituale ;)
Samstag, 21. März 2020
Szenen einer Partnerschaft: Wasserblaue Augen und braunes Haar
Vermutlich angeregt durch die Vinyl-Challenge auf FB, bei der der Mann meine Chronik ja mitverfolgt, und meine sichere Erinnerung, dass er mir vor Jahren sehr wohl eine Vinyl geschenkt hatte ("Hab ich nicht!" "Doch, hast du wohl, ich bin mir sicher." "Die steht gar nicht in meiner Excel-Liste." Dafür schaute ich in seine Sammlung und fand sie gleich beim dritten Zugriff: "Tja!"), wurde ich heute Morgen vom Kaffeeduft geweckt, begleitet mit der aufgelegten LP.
"Der Kaffee ist fertig" hätte zwar besser gepasst, gibts aber auf dieser Scheibe nicht.
Trotzdem saß ich mit Herzchenaugen, noch ganz verwuschelt vom Schlaf und warm eingemummelt in meiner Strickjacke auf dem Sofa, die Kaffeetasse in beiden Händen, schaute hinaus auf die ersten zarten grünen Blätterknospen im Garten, auf die dicken Regenwolken - und fühlte mich so richtig wohl und entspannt.
"Wenn du magst, konvertier ich dir deine Lieblingssongs in mp3. Such dir deine Titel aus."
Hängengeblieben bin ich dann an diesem hier. Fast vergessen über all die Jahre, bekam ich heute Morgen eine Wahnsinns-Gänsehaut, aber dann musste ich auch lächeln.
"Der Song passt ja auch auf uns", sagte ich.
"Wieso?"
"Na.. du hattest auch immer Angst um deine Freiheit und glaubtest, wenn du in einer Beziehung bist, würdest du deinen ganzen Freiraum verlieren. Und dann kam ich. Mit wasserblauen Augen und braunem Haar."
"Ja. Stimmt. Und vorbei war sie, die Freiheit."
Beinah hätte ich den gerade genommenen Schluck guten-Morgen-Kaffee vor Lachen zurück in die Tasse oder gleich ganz über den Tisch geprustet.
"Mein Lieber, du hast alle Freiheit der Welt."
Sein "Kummer" ist heute nämlich eher, dass er mich viel mehr dabei haben will als ich das wollte :)
Vinyl-Challenges 2 (10)
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| Bildquelle: https://recordsale.de/de/kuenstler/peter-cornelius/albums/du-entschuldige-i-kenn-di |
Oh mein Gott, was war ICH verliebt! In diese himmelblauen, sehnsuchtsvollen Augen!
Sobald der TV lief und es erklang dieser Titel, ließ ich tatsächlich alles stehen und liegen und rannte - haste was kannste - ins Wohnzimmer zu den Eltern, stand völlig entrückt und mit seligem Blick in der Tür und ging nicht eher von der Schwelle, bis er nicht mehr zu sehen war.
Zumindest kann ich sagen, dass er derjenige war, der diese Sehnsucht in mir auslöste, die bis heute in mir lebt. Die Sehnsucht nach etwas Wundervollem, nach Einzigartigem - und vor allem nach Liebe.
So ist das auch bis heute: Ich weiß nicht, was in ist, was angesagt ist - es kümmert mich auch nicht. In Musik verliebe ich mich spontan und sofort, sobald sie etwas in mir auslöst. Seien es Tagträume. Seien es Empfindungen. Seien es Erinnerungen. Sei es die Sehnsucht. Die sich in meiner Seele und in meinen Augen spiegelt. Bis heute reagiere ich demnach auf alles und jeden, der Sehnsucht in mir auslöst.
Ich liebte, liebte und liebe noch immer diesen Song.
Die meisten kleinen Mädchen träumen davon, eine Prinzessin zu sein. Ich auch, als ich noch vier, fünf, sechs Jahre alt war.
Aber schon lange, bevor ich überhaupt meinen ersten Freund hatte, fand ich den Gedanken, dieses Gefühl einfach nur schön, für einen anderen Menschen etwas ganz Besonderes zu sein. Damals wusste ich noch längst nicht, wie sich das in der Realität anfühlen würde. Lange auch habe ich geglaubt "Wenn du erstmal einen Mann hast und verheiratet bist, dann geht es dir immer gut, dann wirst du nie wieder Liebeskummer haben, weil, du hast ja dann jemanden und bist glücklich."
Hach ja, so herrlich naiv...
Trotzdem habe ich dieses Gefühl, diesen Gedanken, diese Sehnsucht immer mit mir mitgenommen - und verliebe mich bis heute in jeden Song, der mich daran erinnert.
Das erklärt vielleicht auch, warum ich keinen Zugang zur damals gängigen Mucke fand - Puhdys, Karat und wie sie alle hießen. Denn West-Mucke durfte man ja nicht hören, jedenfalls nicht offiziell. Und die Insel, auf der ich wohnte, ja da war nix mit West-Empfang. Maximal Radiowellen sind zu uns aufs Eiland geschwappt. Hachz! Was waren DAS noch für Zeiten, wenn man bäuchlings auf dem Fußboden lag, die Antenne des Radio-Kassettenrecorders mit beiden Händen fest umklammert hielt und die Augen zupresste unter dem Gebet: "Bitte! Lass! Es! Nicht! Rauschen! NICHT! JETZT! NUR DIESES EINE MAL!!", während man verzweifelt versuchte, wenigstens ein bisschen vom Lieblingssong mitschneiden zu können. Ein bisschen Qualitätsrauschen konnte ich ja locker in Kauf nehmen, aber wenn der halbe Titel im Äther verschwand, ja, das konnte manchmal schon weh tun. Vor allem dann, wenn man das eigene Zimmer zur Bühne erklärte, sich im Spotlight vor zig Zuschauern wähnte und lautstark, falsch und fröhlich sang, Lied zurückspulen, singen, wieder zurückspulen...
Vor einigen Jahren hat der Mann mir einen langgehegten Traum erfüllt und ist mit mir nach Wien gereist. Auch die Stadt natürlich, in der Peter Cornelius lebt. Ich habe mich im Vorfeld nicht gekümmert, ob er überhaupt noch dort lebt und wo man ihm vielleicht begegnen könnte. In irgendwelchen Clubs, Kaffeehäusern, was weiß ich. Dennoch hatte ich irgendwie immer ein klein wenig die Hoffnung, es könnte irgendwo passieren. Ganz unvorbereitet, unverhofft und überhaupt.
Es war für mich völlig okay, dass es natürlich nicht so war.
Aber heute und insbesondere im Zusammenhang mit dem Herauskramen von Musik für diese Challenge muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, dass der Mann, den ich heute liebe, der Sehnsucht von damals, als ich noch ein Kind war, tatsächlich ähnlich ist. Als ich ihm zum allerersten Mal gegenüberstand, war da etwas, das ich.. wiedererkannt habe. Bezeichnenderweise war mein Ex-Mann ganz anders. Der ähnelte meinem Vater.
Donnerstag, 19. März 2020
Kein Entkommen
Ich soll mein Leben ordnen, hatten sie gesagt.
Ich soll Stress reduzieren, hatten sie gesagt.
Ich soll Nein sagen lernen, hatten sie gesagt.
Ich soll mich abgrenzen lernen, hatten sie gesagt.
Mein Leben habe ich erstmals aktiv geändert, als ich im Januar 2003 aus der ehelichen Wohnung auszog und drei Jahre später endlich die Scheidung durchsetzen konnte. Für mich gab es von Anfang an kein Zurück, das Thema war zumindest für mich endgültig vom Tisch.
In schier endlosen Therapiesitzungen arbeitete ich nicht nur die Ehe und den Rosenkrieg auf, sondern auch Dinge, die noch sehr viel länger her waren. Man spürt nicht sofort die Erleichterung. Oder dass sich etwas (ver)ändert. Das kommt erst mit der Zeit, mit den Jahren.
Ein weiteres Mal änderte ich mein Leben mit meiner Entscheidung, von L nach M zu ziehen und überwiegend nur noch im Home Office zu arbeiten.
Beide Entscheidungen haben ziemlich tief in mein jeweils bisheriges Leben eingegriffen - und beide Entscheidungen habe ich nicht eine einzige Sekunde lang bereut. Im Gegenteil.
Mittendrin, okay, relativ am Anfang dieses neuen Lebens ist mir die Schmerzgeschichte passiert. Den Auslöser bestreitet niemand. Diese Infektion mit Bakterien. Was mir nur seither immer wieder geschieht, ist, dass es eben nicht sein kann, dass der Körper auf der linken Seite immer noch schmerzt. Seit dem Februar 2005 jeden einzelnen Tag, jede Minute, jeden einzelnen Augenblick. Wobei, ne, ganz so ist es nicht. Seit Februar 2005 hat der Körper komplett geschmerzt. Nach der Behandlung mit zwei verschiedenen Antibiotika schmerzt er nur noch links. Ob das einen Unterschied macht? Für mich schon. Weil rechts mich daran erinnert, wie das Leben vor dem Schmerz war. Weil rechts mich mahnt: Gib nicht auf, mach alles, dass es wieder gut wird.
Es ist doch behandelt worden, haben sie gesagt.
Es ist doch alles untersucht worden, haben sie gesagt.
Da ist nichts mehr, haben sie gesagt, und wenn es jetzt noch weh tut, dann liegt es an Ihnen.
Das habe ich so oft gehört, dass es mir zu den Ohren rauskommt. Manchmal habe ich vor Enttäuschung geweint. Manchmal habe ich vor Wut irgendwas vom Tisch gefegt. Manchmal habe ich etwas zu diesen Einschätzungen gesagt. Meistens aber habe ich es hingenommen und das gemacht, was sie sagten: Kümmer dich um deine Seele. Lerne, es auszuhalten. Lerne, damit zu leben.
All das habe ich gemacht. Nachweislich und aktenkundig. Und vor allem erfolgreich. Manche haben gesagt "Sie sind schon da, wo wir die Patienten hinhaben wollen. Noch mehr können wir Ihnen nicht beibringen."
Manche haben in ihren Bericht geschrieben, dass sie die psychosomatischen Aufnahmediagnosen geändert haben zugunsten einer somatischen Störung, von der man nur noch nicht weiß, was die Ursache ist.
Das habe ich markiert, bevor der Doc und ich alle Unterlagen an das Zentrum für seltene Erkrankungen in Leipzig übermittelten. Das einzige, das das Zentrum nicht wissen konnte, ist, dass mir der im Januar verordnete Cortisonschub tatsächlich spürbar half. Nicht nur schmerzmäßig. Auch einige der deutlichen neurologischen Auffälligkeiten sind seitdem so gut wie weg. Ein Wahnsinnserfolg, fand ich. "Das ist DER Hinweis auf eine Infektion im Nervensystem", bestätigte mein Doc. Und fragte, ob ich denn von Leipzig schon was gehört hatte. Das war letzten Freitag. Nein, hatte ich bis dahin nicht.
Hatte ich Hoffnungen? Wenn ja, worauf? Oder hätte ich es wissen müssen?
Heute war der Brief aus Leipzig in der Post. Nur wenige Zeilen, mit denen sie mir alles Gute wünschen und davon ausgehen, dass laut den vorliegenden Unterlagen "alle einschlägigen, derzeit verfügbaren Methoden gut ausgeschöpft sind". Dass sie mir empfehlen, vielleicht doch die psychosomatische Klinik hier in M aufzusuchen. Und dass ansonsten noch eine Sarkoidose erwogen werden könnte, was aber aufgrund des einseitigen Schmerzmusters und dem sehr langsamen Verlauf eher untypisch sei.
Den Brief habe ich in die Ecke geworfen und dann habe ich ziemlich bitter geweint. Nicht aus Frust, nicht aus Wut. Einfach nur.. aus Enttäuschung.
Der Mann hat mich in die Arme genommen und gesagt, dass ich trotzdem nicht aufgeben darf und soll. Denn dann würde ich all denen recht geben und alles wäre umsonst.
"Ist doch auch so umsonst", begehrte ich auf, "denn du siehst, ich komme einfach nicht weiter. Ich komme aus dieser verdammten scheiß Schublade einfach nicht raus."
"Aber die wissen nichts vom Cortison und wie dir das geholfen hat. Das wäre doch ein neuer Ansatz."
"Ich habe keinen Bock mehr", antwortete ich und meinte es auch so. "Wirklich, ich habe keine Lust mehr. Dann lebe ich eben weiter mit allem und wenns wieder schlimmer wird, nehme ich ein paar Wochen lang Cortison. Fertig."
"Das ist doch keine Lösung", sagte er.
"Natürlich nicht. Aber eine andere gibts nicht", antwortete ich und versetzte dem heruntergefallenen Brief nochmal nachdrücklich einen Fußtritt.
Das Klinikum mit der psychosomatischen Abteilung hier in M, an die ich mich wenden soll, ist übrigens die, die die vor zwei Jahren aufgetretenen neurologischen Ausfälle auf die psychische Belastung aufgrund des Umzugs von L nach M schiebt. Auf die ja doch einschneidende Änderung der Lebensumstände.
"Entscheidet euch doch mal, was ihr wollt", reagierte ich damals kopfschüttelnd. "Ich sollte mein Leben ändern und vor allem den Stress abbauen - und wenn ich das mache, findet ihr auch darin wieder einen Grund, mich in die Psychoecke zu schieben?"
Ja, fanden sie. Weil ein möglicher weitergehender Weg die Suche in der Genetik wäre, so der Assistenzarzt. Doch diese Suche ist vor allem eins: teuer. Er durfte das nicht entscheiden. Und der Oberarzt hatte mir wortwörtlich gesagt: "Man muss ja nicht gleich mit dem Teuersten anfangen. Man kann es ja auch erst mal mit der Psyche versuchen."
Unrecht hat er damit sicherlich nicht. Nur dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Jahre erfolgreich Psycho-Streckbank hinter mir hatte. Erfolgreich, was Seele, Geist, persönliche Entwicklung und auch körperliche Energie betrifft. Nur "der Rest", der wurde nicht. Der Rest, für den ich eigentlich dort hingegangen war.
Aber wer weiß. Vielleicht verwächst sich das ja dann doch noch in den nächsten zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren.
Aber so wie ich das sehe, gibt es kein Entkommen.
Ich soll nicht pessimistisch sein, sagt der Mann.
Bin ich doch gar nicht. Ich bin realistisch.
Ich soll Stress reduzieren, hatten sie gesagt.
Ich soll Nein sagen lernen, hatten sie gesagt.
Ich soll mich abgrenzen lernen, hatten sie gesagt.
Mein Leben habe ich erstmals aktiv geändert, als ich im Januar 2003 aus der ehelichen Wohnung auszog und drei Jahre später endlich die Scheidung durchsetzen konnte. Für mich gab es von Anfang an kein Zurück, das Thema war zumindest für mich endgültig vom Tisch.
In schier endlosen Therapiesitzungen arbeitete ich nicht nur die Ehe und den Rosenkrieg auf, sondern auch Dinge, die noch sehr viel länger her waren. Man spürt nicht sofort die Erleichterung. Oder dass sich etwas (ver)ändert. Das kommt erst mit der Zeit, mit den Jahren.
Ein weiteres Mal änderte ich mein Leben mit meiner Entscheidung, von L nach M zu ziehen und überwiegend nur noch im Home Office zu arbeiten.
Beide Entscheidungen haben ziemlich tief in mein jeweils bisheriges Leben eingegriffen - und beide Entscheidungen habe ich nicht eine einzige Sekunde lang bereut. Im Gegenteil.
Mittendrin, okay, relativ am Anfang dieses neuen Lebens ist mir die Schmerzgeschichte passiert. Den Auslöser bestreitet niemand. Diese Infektion mit Bakterien. Was mir nur seither immer wieder geschieht, ist, dass es eben nicht sein kann, dass der Körper auf der linken Seite immer noch schmerzt. Seit dem Februar 2005 jeden einzelnen Tag, jede Minute, jeden einzelnen Augenblick. Wobei, ne, ganz so ist es nicht. Seit Februar 2005 hat der Körper komplett geschmerzt. Nach der Behandlung mit zwei verschiedenen Antibiotika schmerzt er nur noch links. Ob das einen Unterschied macht? Für mich schon. Weil rechts mich daran erinnert, wie das Leben vor dem Schmerz war. Weil rechts mich mahnt: Gib nicht auf, mach alles, dass es wieder gut wird.
Es ist doch behandelt worden, haben sie gesagt.
Es ist doch alles untersucht worden, haben sie gesagt.
Da ist nichts mehr, haben sie gesagt, und wenn es jetzt noch weh tut, dann liegt es an Ihnen.
Das habe ich so oft gehört, dass es mir zu den Ohren rauskommt. Manchmal habe ich vor Enttäuschung geweint. Manchmal habe ich vor Wut irgendwas vom Tisch gefegt. Manchmal habe ich etwas zu diesen Einschätzungen gesagt. Meistens aber habe ich es hingenommen und das gemacht, was sie sagten: Kümmer dich um deine Seele. Lerne, es auszuhalten. Lerne, damit zu leben.
All das habe ich gemacht. Nachweislich und aktenkundig. Und vor allem erfolgreich. Manche haben gesagt "Sie sind schon da, wo wir die Patienten hinhaben wollen. Noch mehr können wir Ihnen nicht beibringen."
Manche haben in ihren Bericht geschrieben, dass sie die psychosomatischen Aufnahmediagnosen geändert haben zugunsten einer somatischen Störung, von der man nur noch nicht weiß, was die Ursache ist.
Das habe ich markiert, bevor der Doc und ich alle Unterlagen an das Zentrum für seltene Erkrankungen in Leipzig übermittelten. Das einzige, das das Zentrum nicht wissen konnte, ist, dass mir der im Januar verordnete Cortisonschub tatsächlich spürbar half. Nicht nur schmerzmäßig. Auch einige der deutlichen neurologischen Auffälligkeiten sind seitdem so gut wie weg. Ein Wahnsinnserfolg, fand ich. "Das ist DER Hinweis auf eine Infektion im Nervensystem", bestätigte mein Doc. Und fragte, ob ich denn von Leipzig schon was gehört hatte. Das war letzten Freitag. Nein, hatte ich bis dahin nicht.
Hatte ich Hoffnungen? Wenn ja, worauf? Oder hätte ich es wissen müssen?
Heute war der Brief aus Leipzig in der Post. Nur wenige Zeilen, mit denen sie mir alles Gute wünschen und davon ausgehen, dass laut den vorliegenden Unterlagen "alle einschlägigen, derzeit verfügbaren Methoden gut ausgeschöpft sind". Dass sie mir empfehlen, vielleicht doch die psychosomatische Klinik hier in M aufzusuchen. Und dass ansonsten noch eine Sarkoidose erwogen werden könnte, was aber aufgrund des einseitigen Schmerzmusters und dem sehr langsamen Verlauf eher untypisch sei.
Den Brief habe ich in die Ecke geworfen und dann habe ich ziemlich bitter geweint. Nicht aus Frust, nicht aus Wut. Einfach nur.. aus Enttäuschung.
Der Mann hat mich in die Arme genommen und gesagt, dass ich trotzdem nicht aufgeben darf und soll. Denn dann würde ich all denen recht geben und alles wäre umsonst.
"Ist doch auch so umsonst", begehrte ich auf, "denn du siehst, ich komme einfach nicht weiter. Ich komme aus dieser verdammten scheiß Schublade einfach nicht raus."
"Aber die wissen nichts vom Cortison und wie dir das geholfen hat. Das wäre doch ein neuer Ansatz."
"Ich habe keinen Bock mehr", antwortete ich und meinte es auch so. "Wirklich, ich habe keine Lust mehr. Dann lebe ich eben weiter mit allem und wenns wieder schlimmer wird, nehme ich ein paar Wochen lang Cortison. Fertig."
"Das ist doch keine Lösung", sagte er.
"Natürlich nicht. Aber eine andere gibts nicht", antwortete ich und versetzte dem heruntergefallenen Brief nochmal nachdrücklich einen Fußtritt.
Das Klinikum mit der psychosomatischen Abteilung hier in M, an die ich mich wenden soll, ist übrigens die, die die vor zwei Jahren aufgetretenen neurologischen Ausfälle auf die psychische Belastung aufgrund des Umzugs von L nach M schiebt. Auf die ja doch einschneidende Änderung der Lebensumstände.
"Entscheidet euch doch mal, was ihr wollt", reagierte ich damals kopfschüttelnd. "Ich sollte mein Leben ändern und vor allem den Stress abbauen - und wenn ich das mache, findet ihr auch darin wieder einen Grund, mich in die Psychoecke zu schieben?"
Ja, fanden sie. Weil ein möglicher weitergehender Weg die Suche in der Genetik wäre, so der Assistenzarzt. Doch diese Suche ist vor allem eins: teuer. Er durfte das nicht entscheiden. Und der Oberarzt hatte mir wortwörtlich gesagt: "Man muss ja nicht gleich mit dem Teuersten anfangen. Man kann es ja auch erst mal mit der Psyche versuchen."
Unrecht hat er damit sicherlich nicht. Nur dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Jahre erfolgreich Psycho-Streckbank hinter mir hatte. Erfolgreich, was Seele, Geist, persönliche Entwicklung und auch körperliche Energie betrifft. Nur "der Rest", der wurde nicht. Der Rest, für den ich eigentlich dort hingegangen war.
Aber wer weiß. Vielleicht verwächst sich das ja dann doch noch in den nächsten zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren.
Aber so wie ich das sehe, gibt es kein Entkommen.
Ich soll nicht pessimistisch sein, sagt der Mann.
Bin ich doch gar nicht. Ich bin realistisch.
Mittwoch, 18. März 2020
Vinyl-Challenges 1 (10)
Dank einer treuen Leserin, mit der ich seit einiger Zeit nicht nur auf privaten Kanälen, sondern auch über FB verbandelt bin, darf ich nun teilnehmen an einer Preisgabe meiner zehn persönlichen Musik-Vinyls, die mich von früh an bis heute (glaub ich) begleitet und geprägt haben. Meine allererste Vinyl war aber keine Musik-LP, sondern ein Hörspiel vom Burattino - die ostdeutsche Variante des Pinocchio. Ich glaubte doch glatt, damit raus zu sein aus dieser Nummer, aber mehrheitlich wurde dann beschlossen, dass auch Hörspiel-Vinyls zählen! Nun soll ich an zehn aufeinanderfolgenden Tagen die Hosen runterlassen (sie sagt ja: s Kleidchen heben :)) und nach anfänglich beschämter Ziererei sagte ich mir dann: Ach was solls, steh einfach dazu.
Ich glaube, ich war hier noch nicht mal ein Schulkind, aber ich kanns noch immer ganz deutlich vor mir sehen: die dunkelbraune Schrankwand der Eltern mit dem weißen Korpus, der Fernseher darin und darüber der Plattenspieler, an den ich damals aus eigener Kraft und Größe noch nicht heraufreichte. Also musste mir immer die Mama die LP auflegen und dann lag ich bäuchlings vor dieser Schrankwand auf dem Fußboden, den Kopf in beide Hände gestützt. Nur in Strickstrumpfhosen und einem Pullover bekleidet. Am ehesten noch erinnere ich mich an das Gegacker vom Burattino, als er mit Rizinus aus einem Schlaf wiedererweckt wurde. Das hab ich tatsächlich noch immer im Ohr.
Das ist übrigens etwas, das ich bis heute noch so gerne tu: auf dem Holzfußboden liegen, die Vibration der Klänge über das Holz bis in den tiefsten Punkt meines Seins zu fühlen, die Augen schließen und ganz woanders sein...
Grad kommt mir so der Gedanke, dass ich früher tatsächlich noch Geduld und Ausdauer besessen haben muss. Heute wäre für mich nicht vorstellbar, schätzungsweise dreißig Minuten lang einem Hörspiel zu folgen, ohne auch nur irgendwas anderes nebenbei zu machen. Wohl auch deshalb telefoniere ich überhaupt nicht gern. Weil ich dann gezwungen bin, nichts anderes nebenbei zu machen, sondern mich hundertprozentig auf das Gegenüber einzulassen. Und bei allem, das über ein, zwei Minuten hinausgeht, werde ich hibbelig. Laufe dann wenigstens auf und ab, schaue nebenbei hinaus in den Garten oder auf die Fingernägel, von denen der frisch aufgetragene Lack schon wieder beginnt abzublättern, kratze mich am Kopf oder an der Nase, baumle mit de Beene in der Hoffnung, der andere möge zum Ende kommen und den Rest vielleicht lieber doch schriftlich mitteilen wollen.. Das gilt natürlich nicht für alle Telefonate. Nicht für jenes vom Montagabend zum Beispiel, das mir ganz sehr unter die Haut ging. Aber so für die alltäglichen.
Wohl auch deshalb liebe ich Chatprogramme. Ich kann mir da problemlos ein paar Fenster nebeneinander legen und auch bedienen, nebenbei TV schauen und was essen - und keiner der Beteiligten merkts. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Schade eigentlich. Aber heutzutage beschränkt sich die Kommunikation immer mehr auf das Teilen von Bildchen und maximal dreizeiligen Kommentaren. Beklagen will ich das nicht - wie dürfte ich auch - angesichts meiner Telefonie-Unlust. Dafür habe ich heute aber wieder viel mehr Bock auf Ausgehen, Freunde treffen, schwatzen, lachen, was trinken, anderen Leuten zusehen... Hier in M sind die Möglichkeiten jedoch sehr, sehr begrenzt - und in L mangelt es mir an Zeit. Aber der Wille ist ja schon mal das, was zählt ;)
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| Quelle: https://picclick.de/LP-Schallplatte-Burattino-DDR-Vintage-M%C3%A4rchen-LITERA-124043583395.html#&gid=1&pid=1 |
Das ist übrigens etwas, das ich bis heute noch so gerne tu: auf dem Holzfußboden liegen, die Vibration der Klänge über das Holz bis in den tiefsten Punkt meines Seins zu fühlen, die Augen schließen und ganz woanders sein...
Grad kommt mir so der Gedanke, dass ich früher tatsächlich noch Geduld und Ausdauer besessen haben muss. Heute wäre für mich nicht vorstellbar, schätzungsweise dreißig Minuten lang einem Hörspiel zu folgen, ohne auch nur irgendwas anderes nebenbei zu machen. Wohl auch deshalb telefoniere ich überhaupt nicht gern. Weil ich dann gezwungen bin, nichts anderes nebenbei zu machen, sondern mich hundertprozentig auf das Gegenüber einzulassen. Und bei allem, das über ein, zwei Minuten hinausgeht, werde ich hibbelig. Laufe dann wenigstens auf und ab, schaue nebenbei hinaus in den Garten oder auf die Fingernägel, von denen der frisch aufgetragene Lack schon wieder beginnt abzublättern, kratze mich am Kopf oder an der Nase, baumle mit de Beene in der Hoffnung, der andere möge zum Ende kommen und den Rest vielleicht lieber doch schriftlich mitteilen wollen.. Das gilt natürlich nicht für alle Telefonate. Nicht für jenes vom Montagabend zum Beispiel, das mir ganz sehr unter die Haut ging. Aber so für die alltäglichen.
Wohl auch deshalb liebe ich Chatprogramme. Ich kann mir da problemlos ein paar Fenster nebeneinander legen und auch bedienen, nebenbei TV schauen und was essen - und keiner der Beteiligten merkts. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Schade eigentlich. Aber heutzutage beschränkt sich die Kommunikation immer mehr auf das Teilen von Bildchen und maximal dreizeiligen Kommentaren. Beklagen will ich das nicht - wie dürfte ich auch - angesichts meiner Telefonie-Unlust. Dafür habe ich heute aber wieder viel mehr Bock auf Ausgehen, Freunde treffen, schwatzen, lachen, was trinken, anderen Leuten zusehen... Hier in M sind die Möglichkeiten jedoch sehr, sehr begrenzt - und in L mangelt es mir an Zeit. Aber der Wille ist ja schon mal das, was zählt ;)
Mittwoch, 11. März 2020
Besser spät als nie
Die Brüllmaus stellt ja freitags immer Fragen, die ich zwar bisher noch nie mitgenommen habe (glaube ich), für die mir aber insbesondere wegen Frage 3 Anlass genug dazu war. Auch wenn wir inzwischen schon wieder Mittwoch haben :)
1. Wie war Deine Woche?
Nehmen wir also die vergangene Woche ;) Sie war durchwachsen, das kann ich sagen. Angereist schon in der Woche zuvor, um teilzuhaben an der feierlichen Ernennung von Sohnemann II in seinen Berufsstand, genoss ich ein entspanntes Wochenende, nachdem alles Chaos beseitigt, Essen zubereitet und auch alle Wäsche fröhlich auf der Leine im Wind wehte.
Überhaupt habe ich gestaunt, dass nur ein einziger Tag genügt, um mit beinah allem wieder von vorn zu beginnen. Bad putzen, Staub saugen, Wäsche waschen, Löcher und abgerissene Haken in diversen Klamotten vernähen.. Unglaublich, diese Jungs.
Vier Tage Office hatte ich mit dem Chef ausgehandelt, um nicht an drei aufeinanderfolgenden Wochen nach L verreisen zu müssen. Grundsätzlich fahre ich leidenschaftlich gern Auto. Aber wöchentlich würde dann doch anstrengend für mich, zumal im Mai und Juni extra noch Fahrten um jeweils etwa 1000 Kilometer geplant sind.
Und vier Tage Office... Ich habe echt vergessen, wie anstrengend das ist: Morgens eine genau organisierte Taktung, wenn drei Erwachsene zu etwa derselben Zeit aus dem Haus müssen. Pünktlich ins Office stürmen, ständig ruft jemand nach dir oder will was von dir - du springst gefühlt minütlich von einer Thematik in die andere.
Überhaupt: "Wir geben uns nicht mehr die Hand, wegen Corona" wurde ich gleich Montagmorgen begrüßt. Mir recht. Aber: "Aha. Trotzdem trocknen wir uns alle weiter am selben Handtuch die Hände ab? Genau mein Humor!" Konntsch mir nicht verkneifen. Mir doch egal, ob sie hinter meinem Rücken lästern. Das machen sie doch sowieso.
Abends aus dem Office rausstürmen, an einem Abend Sohn II im Autocenter seiner Wahl abholen, wohin er sein Bisheriges zum Check lieferte, damit er das Künftige noch in derselben Woche abholen durfte.
Er kommt, lässt sich auf den Beifahrersitz fallen und beäugt mich, wie ich die Blitzer-App aktiviere.
"Muddiiii... Hundert Euro und ein Punkt."
Ähm..
Dann ruft der Chef an, während ich den Motor starte.
"Muddiii... Willst du da jetzt echt rangehen? Ohne Freisprech?"
"Nur mal kurz, das geht schnell."
"Macht noch mal achtzig Euro und ein Punkt!"
"Halt die Klappe."
Beiderseitiges Gelächter.
Ebenso lacht er kopfschüttelnd über mein temporäres Autofahr-Tourette.
Daheim angekommen, steigt er aus und meint: "Ich bin eindeutig dein Sohn. Ich hab auch die App, ich telefonier ganz selten auch mal am Steuer, ich fahre manchmal auch zu schnell und rege mich über die Sonntagsfahrer auf - und Audi-Fan bin ich auch!"
An anderen Abenden der Woche nach Hause stürmen, Essen zubereiten, was einkaufen, Wäsche bügeln, Formulare ausfüllen.. Irgendwas ist einfach immer - und ich staune, wie viel.
Mega gefreut habe ich mich aber dann über den Steuerbescheid für Sohn I. Ich selbst durfte für die vergangenen zwei Jahre jeweils knapp vier Euro nachzahlen. Für Sohnemann aber habe ich über achthundert Euro rausbekommen, das hat mich wirklich wie verrückt gefreut. Diesen Extra-Groschen kann er super gut gebrauchen.
Er ist nach wie vor auf 6-Stunden-Basis beschäftigt und bezahlt, ackert in der Realität aber regelmäßig zwischen 9 und 11 Stunden. Was auch bedeutet: Er schafft es nie zu seinem Hausarzt, obwohl er müsste. Also versuche ich für ihn die Dinge zu erledigen: Rezept besorgen, Rezept einlösen, Gespräch mit dem Arzt führen, der eigentlich kein Rezept mehr ausstellen, stattdessen unbedingt die Schilddrüse des Sohnes rausnehmen lassen will. "Solange er raucht, braucht er nicht mal auch nur darüber nachzudenken, ob er eine Chance auf Besserung der Werte hat."
Er glaubt nicht, dass er es schafft - aber zumindest hat Sohnemann einen weiteren Versuch des Aufhörens mit dem Rauchen gestartet. "Juhu!!" habe ich über den ersten rauchfreien Tag gejubelt.
"Ja ja Ju hu", knurrte es missmutig zurück.
Alles in allem war es eine anstrengende Woche mit einem kurzfristig geänderten Wochenendplan.
Die nicht besser wurde mit der Begrüßung des Mannes, kaum dass er mich wiedersah: "Okay, doch, jetzt sieht man das Cortison. In deinem Gesicht."
Na toll. Ich weiß das ja selber - aber ist es das, was man hören will, wenn man sich eine Woche nicht sah? Tzz.
2. Womit kann man Dir eine Freude bereiten?
Mit nem lecker Käffchen am Morgen und wenn man mich erstmal in Ruhe lässt :)
Wie heißt es doch so schön? "Kaffee schmeckt am besten, wenn man ihn morgens trinkt und alle ihr Maul halten." :)
Zwar bin ich kein Morgenmuffel, aber am liebsten starte ich gemütlich in den Tag.
3. Hast Du Angst vor dem Coronavirus?
Nein! Dreimal Nein! Ich habe mich informiert über empfohlene Verhaltensweisen, die eigentlich auch nicht wirklich neu sind in Zeiten von Erkrankungswellen. Und natürlich setze ich mich nicht wissentlich irgendwelchen Situationen aus - aber ich lasse mich auch nicht bekloppt machen.
Was mich inzwischen wirklich richtig nervt, ist, dass man aktuell nirgendwo mehr an diesem Thema vorbeikommt. Dass man täglich darüber hört und sieht - und der Mensch im Kopf selbst überhaupt keine Ruhe mehr findet. Was der eine heute "ganz dringend" empfiehlt, wirft morgen ein anderer über den Haufen. Und alle Thesen sind natürlich wissenschaftlich begründet bzw. von einem hochseriösen Wissenschaftler kundgetan, von dem vorher noch nie ein Schwein gehört hat.
Gestern Abend habe ich mich mit einer Freundin und auch dem Mann auch über meine ureigene Diskussionskultur unterhalten.
Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Und wenn jemand diese kundtut, kann ich darüber entscheiden, ob ich sie hinnehme und so stehenlasse - oder ob ich mich damit auseinandersetze.
Hinsichtlich Corona entschied ich mich vor zwei Tagen letztmalig dazu, mich auseinanderzusetzen. Mir geht es gar nicht darum, Recht haben zu wollen. Mir geht es darum, den anderen zu verstehen. Warum denkt er wie er denkt? Mich interessieren seine Argumente - und setze meine dagegen. Weil ich mich austauschen will. Auch um den eigenen Standpunkt zu hinterfragen.
Das kann durchaus anstrengend für den anderen sein oder werden. Je nachdem, wie sehr mich ein Thema interessiert oder fesselt, lasse ich auch nicht locker - bis ich es verstehe oder das Thema eben durch ist. Wie gesagt, das ist sicherlich anstrengend für den anderen. Nicht umsonst sagt ja auch der Mann manchmal "Kannst du denn nicht einfach mal so stehenlassen, was ich sage?" (Ne! Wieso erzählt er mir denn was, wenn ich nix dazu sagen darf?) oder "Ja natürlich, du weißt natürlich wieder alles besser." (Ne! Alles auch nicht, bin ja nicht Doktor Allwissend. Aber manches weiß ich tatsächlich, weil ich über diese Themen bereits mehrfach gelesen hatte. Das wird man doch noch sagen dürfen? ;)) oder auch "Wieso darf ich so nicht denken?" (Natürlich darfst du - das ist nur wie vorhin gesagt: Wenn du mir etwas erzählst, willst du mir was mitteilen, also hör ich mir das an und habe eine Auffassung dazu. Und die wiederum gebe ich kund. Macht man das nicht so? Ob ich etwas gut und richtig oder auch falsch finde, heißt doch noch lange nicht, dass der andere deswegen im Unrecht ist. Ich kanns ja genauso gut sein.)
Übrigens habe ich seit ungefähr einer Woche wieder Hals- und Kopfweh und so. Und denke gar nicht an Corona, sondern: "Verdammt! Du hättest letzte Woche weniger kurze Kleidchen, dafür mehr warme Sachen anziehen sollen!"
Ich sage ja nicht, dass man das Thema permanent herunterspielen sollte. Mir ist aber auch noch keine einzige Situation bekannt, in der Panik und Hysterie Leben gerettet hätten. Ganz im Gegenteil - leider. Siehe Düsseldorf, Love Parade, 2011. Nicht vergleichbar, die Situationen? Vielleicht nicht, aber: Meiner ganz persönlichen Auffassung nach hört man auf zu denken, sobald man panisch und/ oder hysterisch wird. Und dann wirds erst wirklich gefährlich. Wenn jetzt schon Leute - wie jüngst in Australien - um die letzte Packung Arschwischpapier streiten, so dass der Ladenbesitzer einschreiten muss... Aber wie gesagt - das ist nur meine ganz persönliche Auffassung.
4. Die Wahl der Qual: Kein warmes Wasser für 2 Wochen haben oder Handwerker in der Wohnung für eine Woche?
Ich denke, ich nehme die Handwerker. Eine Woche ist schneller um als zwei Wochen. Und abends sind die wieder weg, aber ich hab warmes Wasser zum Baden oder Duschen. Wie sehr man sich nämlich an etwas gewöhnt hat, merkt man erst, wenn man es nicht mehr hat ;)
1. Wie war Deine Woche?
Nehmen wir also die vergangene Woche ;) Sie war durchwachsen, das kann ich sagen. Angereist schon in der Woche zuvor, um teilzuhaben an der feierlichen Ernennung von Sohnemann II in seinen Berufsstand, genoss ich ein entspanntes Wochenende, nachdem alles Chaos beseitigt, Essen zubereitet und auch alle Wäsche fröhlich auf der Leine im Wind wehte.
Überhaupt habe ich gestaunt, dass nur ein einziger Tag genügt, um mit beinah allem wieder von vorn zu beginnen. Bad putzen, Staub saugen, Wäsche waschen, Löcher und abgerissene Haken in diversen Klamotten vernähen.. Unglaublich, diese Jungs.
Vier Tage Office hatte ich mit dem Chef ausgehandelt, um nicht an drei aufeinanderfolgenden Wochen nach L verreisen zu müssen. Grundsätzlich fahre ich leidenschaftlich gern Auto. Aber wöchentlich würde dann doch anstrengend für mich, zumal im Mai und Juni extra noch Fahrten um jeweils etwa 1000 Kilometer geplant sind.
Und vier Tage Office... Ich habe echt vergessen, wie anstrengend das ist: Morgens eine genau organisierte Taktung, wenn drei Erwachsene zu etwa derselben Zeit aus dem Haus müssen. Pünktlich ins Office stürmen, ständig ruft jemand nach dir oder will was von dir - du springst gefühlt minütlich von einer Thematik in die andere.
Überhaupt: "Wir geben uns nicht mehr die Hand, wegen Corona" wurde ich gleich Montagmorgen begrüßt. Mir recht. Aber: "Aha. Trotzdem trocknen wir uns alle weiter am selben Handtuch die Hände ab? Genau mein Humor!" Konntsch mir nicht verkneifen. Mir doch egal, ob sie hinter meinem Rücken lästern. Das machen sie doch sowieso.
Abends aus dem Office rausstürmen, an einem Abend Sohn II im Autocenter seiner Wahl abholen, wohin er sein Bisheriges zum Check lieferte, damit er das Künftige noch in derselben Woche abholen durfte.
Er kommt, lässt sich auf den Beifahrersitz fallen und beäugt mich, wie ich die Blitzer-App aktiviere.
"Muddiiii... Hundert Euro und ein Punkt."
Ähm..
Dann ruft der Chef an, während ich den Motor starte.
"Muddiii... Willst du da jetzt echt rangehen? Ohne Freisprech?"
"Nur mal kurz, das geht schnell."
"Macht noch mal achtzig Euro und ein Punkt!"
"Halt die Klappe."
Beiderseitiges Gelächter.
Ebenso lacht er kopfschüttelnd über mein temporäres Autofahr-Tourette.
Daheim angekommen, steigt er aus und meint: "Ich bin eindeutig dein Sohn. Ich hab auch die App, ich telefonier ganz selten auch mal am Steuer, ich fahre manchmal auch zu schnell und rege mich über die Sonntagsfahrer auf - und Audi-Fan bin ich auch!"
An anderen Abenden der Woche nach Hause stürmen, Essen zubereiten, was einkaufen, Wäsche bügeln, Formulare ausfüllen.. Irgendwas ist einfach immer - und ich staune, wie viel.
Mega gefreut habe ich mich aber dann über den Steuerbescheid für Sohn I. Ich selbst durfte für die vergangenen zwei Jahre jeweils knapp vier Euro nachzahlen. Für Sohnemann aber habe ich über achthundert Euro rausbekommen, das hat mich wirklich wie verrückt gefreut. Diesen Extra-Groschen kann er super gut gebrauchen.
Er ist nach wie vor auf 6-Stunden-Basis beschäftigt und bezahlt, ackert in der Realität aber regelmäßig zwischen 9 und 11 Stunden. Was auch bedeutet: Er schafft es nie zu seinem Hausarzt, obwohl er müsste. Also versuche ich für ihn die Dinge zu erledigen: Rezept besorgen, Rezept einlösen, Gespräch mit dem Arzt führen, der eigentlich kein Rezept mehr ausstellen, stattdessen unbedingt die Schilddrüse des Sohnes rausnehmen lassen will. "Solange er raucht, braucht er nicht mal auch nur darüber nachzudenken, ob er eine Chance auf Besserung der Werte hat."
Er glaubt nicht, dass er es schafft - aber zumindest hat Sohnemann einen weiteren Versuch des Aufhörens mit dem Rauchen gestartet. "Juhu!!" habe ich über den ersten rauchfreien Tag gejubelt.
"Ja ja Ju hu", knurrte es missmutig zurück.
Alles in allem war es eine anstrengende Woche mit einem kurzfristig geänderten Wochenendplan.
Die nicht besser wurde mit der Begrüßung des Mannes, kaum dass er mich wiedersah: "Okay, doch, jetzt sieht man das Cortison. In deinem Gesicht."
Na toll. Ich weiß das ja selber - aber ist es das, was man hören will, wenn man sich eine Woche nicht sah? Tzz.
2. Womit kann man Dir eine Freude bereiten?
Mit nem lecker Käffchen am Morgen und wenn man mich erstmal in Ruhe lässt :)
Wie heißt es doch so schön? "Kaffee schmeckt am besten, wenn man ihn morgens trinkt und alle ihr Maul halten." :)
Zwar bin ich kein Morgenmuffel, aber am liebsten starte ich gemütlich in den Tag.
3. Hast Du Angst vor dem Coronavirus?
Nein! Dreimal Nein! Ich habe mich informiert über empfohlene Verhaltensweisen, die eigentlich auch nicht wirklich neu sind in Zeiten von Erkrankungswellen. Und natürlich setze ich mich nicht wissentlich irgendwelchen Situationen aus - aber ich lasse mich auch nicht bekloppt machen.
Was mich inzwischen wirklich richtig nervt, ist, dass man aktuell nirgendwo mehr an diesem Thema vorbeikommt. Dass man täglich darüber hört und sieht - und der Mensch im Kopf selbst überhaupt keine Ruhe mehr findet. Was der eine heute "ganz dringend" empfiehlt, wirft morgen ein anderer über den Haufen. Und alle Thesen sind natürlich wissenschaftlich begründet bzw. von einem hochseriösen Wissenschaftler kundgetan, von dem vorher noch nie ein Schwein gehört hat.
Gestern Abend habe ich mich mit einer Freundin und auch dem Mann auch über meine ureigene Diskussionskultur unterhalten.
Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Und wenn jemand diese kundtut, kann ich darüber entscheiden, ob ich sie hinnehme und so stehenlasse - oder ob ich mich damit auseinandersetze.
Hinsichtlich Corona entschied ich mich vor zwei Tagen letztmalig dazu, mich auseinanderzusetzen. Mir geht es gar nicht darum, Recht haben zu wollen. Mir geht es darum, den anderen zu verstehen. Warum denkt er wie er denkt? Mich interessieren seine Argumente - und setze meine dagegen. Weil ich mich austauschen will. Auch um den eigenen Standpunkt zu hinterfragen.
Das kann durchaus anstrengend für den anderen sein oder werden. Je nachdem, wie sehr mich ein Thema interessiert oder fesselt, lasse ich auch nicht locker - bis ich es verstehe oder das Thema eben durch ist. Wie gesagt, das ist sicherlich anstrengend für den anderen. Nicht umsonst sagt ja auch der Mann manchmal "Kannst du denn nicht einfach mal so stehenlassen, was ich sage?" (Ne! Wieso erzählt er mir denn was, wenn ich nix dazu sagen darf?) oder "Ja natürlich, du weißt natürlich wieder alles besser." (Ne! Alles auch nicht, bin ja nicht Doktor Allwissend. Aber manches weiß ich tatsächlich, weil ich über diese Themen bereits mehrfach gelesen hatte. Das wird man doch noch sagen dürfen? ;)) oder auch "Wieso darf ich so nicht denken?" (Natürlich darfst du - das ist nur wie vorhin gesagt: Wenn du mir etwas erzählst, willst du mir was mitteilen, also hör ich mir das an und habe eine Auffassung dazu. Und die wiederum gebe ich kund. Macht man das nicht so? Ob ich etwas gut und richtig oder auch falsch finde, heißt doch noch lange nicht, dass der andere deswegen im Unrecht ist. Ich kanns ja genauso gut sein.)
Übrigens habe ich seit ungefähr einer Woche wieder Hals- und Kopfweh und so. Und denke gar nicht an Corona, sondern: "Verdammt! Du hättest letzte Woche weniger kurze Kleidchen, dafür mehr warme Sachen anziehen sollen!"
Ich sage ja nicht, dass man das Thema permanent herunterspielen sollte. Mir ist aber auch noch keine einzige Situation bekannt, in der Panik und Hysterie Leben gerettet hätten. Ganz im Gegenteil - leider. Siehe Düsseldorf, Love Parade, 2011. Nicht vergleichbar, die Situationen? Vielleicht nicht, aber: Meiner ganz persönlichen Auffassung nach hört man auf zu denken, sobald man panisch und/ oder hysterisch wird. Und dann wirds erst wirklich gefährlich. Wenn jetzt schon Leute - wie jüngst in Australien - um die letzte Packung Arschwischpapier streiten, so dass der Ladenbesitzer einschreiten muss... Aber wie gesagt - das ist nur meine ganz persönliche Auffassung.
4. Die Wahl der Qual: Kein warmes Wasser für 2 Wochen haben oder Handwerker in der Wohnung für eine Woche?
Ich denke, ich nehme die Handwerker. Eine Woche ist schneller um als zwei Wochen. Und abends sind die wieder weg, aber ich hab warmes Wasser zum Baden oder Duschen. Wie sehr man sich nämlich an etwas gewöhnt hat, merkt man erst, wenn man es nicht mehr hat ;)
Dienstag, 10. März 2020
Einmal aber sollte ich..
Einmal sollte man seine Siebensachen
fortrollen aus diesen glatten Gleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
und früh am Morgen unbekannt verreisen.
Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müsste sich zu Baum und Gräsern neigen,
als ob das immer so gewesen wär.
Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müsste Konfession und Stand verlassen
und eines schönen Tags das Leben schwänzen.
Es gibt beinahe überall Natur,
man darf sich nur nicht sehr um sie bemühen.
Und soviel Wiesen, die trotz Sonntagstour
auch werktags unbekümmert weiterblühen.
Man trabt so traurig mit dem Trott,
die anderen aber finden, man müsste.
Es ist fast, als stünd' man beim lieben Gott
allein auf der schwarzen Liste.
Man zog einst ein Lebenslos "zweiter Wahl".
Die Weckeruhr rasselt, der Plan wird verschoben.
Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
Einmal aber sollte man....
Mascha Kaleko
Als ich dieses wundervolle Gedicht heute Abend eher zufällig in einem Kommentarfeld fand, da musste ich es einfach mit mir mitnehmen - damit ich es nicht wieder vergessen würde.
Und ich fühlte sie, die unfassbare Sehnsucht nach Frühling, nach Meer, nach Kleidchen, nach Möwengeschrei, nach Wellen mit Schaumkronen, nach nackten Füßen im Sand, nach Muscheln sammeln, nach frischgebackenem Kuchen und einer Tasse Kaffee dazu, während der Blick über den Horizont schweift und alle meine Gedanken sich verlieren in dieser unendlichen Weite..
..als ich dieses Gedicht las, hatte ich spontan irrsinnig viele Bilder in meinem Kopf. Und das richtig Schöne ist, dass wir schon bald ein paar davon umsetzen können.. Und unmittelbar danach gleich noch einmal. Und wenn der Mann dann in die Berge verreist, werde ich.. mir das Ganze noch einmal gönnen. Wohin genau, das suche ich mir noch aus.
Sicherlich spricht die Kaleko nicht von Reisen, nach denen man wiederkommt. Aber ich.. war schon immer ein Zugvogel. Vermutlich kann ich gar nicht (mehr) für immer irgendwo verweilen. Irgendwohin zieht es mich immer, mal nach da, mal nach dort. Irgendwie wärs auch geil, wenn man immer mal irgendwo leben könnte, so lange wie man mag. Wo es einem gefällt. Und wenn man genug hat, zieht man weiter..
Für genau jetzt wäre das nicht möglich.
Behutsam verpack ich mein kleines Ideal. Einmal aber sollte ich...
Montag, 9. März 2020
Where the Heart is
Heute hab ich ein wunderbares Kompliment bekommen von einer Frau, deren Bilder ich vergöttere - und die mir eins von ihren Bildern tatsächlich mit der Post geschickt hat. Ich war auf den ersten Blick sofort verliebt - eine Elefantenmama mit ihrem Kind... Eine Phantasiefigur mit herrlichen strahlenden Farben und Mustern. Sie hat es mir geschenkt, weil sie weiß, wie sehr ich meine Kinder liebe und dass ich alles für sie tue.
Seitdem ich selber meine Malstifte wieder hervorgekramt habe und versuche, mich wieder daran zu erinnern, wie das alles so funktioniert mit den Farben, den Linien, den Konturen und den Proportionen, da poste ich manches auch auf FB. Und heute schrieb sie mir, ich solle unbedingt weitermachen - und dass ich mein Gefühl malen würde.
Natürlich freu ich mich arg über ein Kompliment, auch wenn es mir zugleich unangenehm ist, weil ich nicht damit umgehen kann, lieber albern darauf reagiere oder es herunterspiele. Aber bei ihr freut es mich wirklich besonders, gerade weil sie selbst so wundervolle phantasievolle Bilder zeichnet..
.. und zugleich hat sie absolut recht.. Ich male mein Gefühl.. Ich reagiere auf Bilder, die meine Empfindungen widerspiegeln.
Der Mann hat heut Abend gesagt, er möchte den Block haben, wenn er voll ist. Da sind noch ganz viele Seiten drin - und mit jeder Skizze entdecke ich, dass ich neben den noch fehlenden Fertigkeiten vor allem noch nicht die passenden Utensilien habe. Dabei habe ich in letzter Zeit einiges ausgewählt, egal ob online oder hier im Künstlerladen in der Stadt. Alte Farben waren mir eingetrocknet, und inzwischen könnte ich mich dumm & düselig kaufen an Airbrush-Stiften, Aqua- Stiften, Acryl-Stiften, Graphit-Stiften aller möglichen Stärken. Heute Abend habe ich mir noch ein paar Manga-Stifte ausgesucht und noch ein paar andere.. Nur an Pinsel & Co. wage ich mich noch nicht wieder heran. Dafür brauche ich noch viel Zeit.
Trotzdem: Ich werde arm werden, fürchte ich. Aber das ist es eben.. Wenn du einmal dein Herz verschenkt hast, dann kannst du nicht anders.. Dann musst du es auskosten.. bis zur Neige.
In zahllosen Bildern und Skizzen... Mit den Kopfhörern auf den Ohren oder auch - wenn der Mann mal unterwegs oder beim Sport ist - ruhig aus der kleinen Bassbox, deren Sound ich so liebe. Bei mir muss es grummeln ;) Musik, Malen, Lesen, Meer - das ist meine Passion.
Der Mann wird bald bereuen, dass er mir eine Staffelei schenkte und mich so oft darum bat, wieder mit dem Malen zu beginnen ;)
Augenblicke
"Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Macht etwas daraus."
(Aus "Lucy")
Jedes Jahr freue ich mich immer wieder neu auf den Frühling, kann ihn im Grunde kaum erwarten - und doch bin ich jedes Jahr neu erschrocken, wie unfassbar schnell die Zeit verfliegt... Gerade noch die Weihnachtstage verplant, ist schon wieder ein Vierteljahr herum. Ein Vierteljahr wie ein Wimpernschlag. Hat man gegessen, getrunken, geliebt, gelacht oder auch geweint?
Es ist nicht so, dass ich Panik hätte. Dass ich das Gefühl hätte, etwas verpasst zu haben, unwiederbringlich, und dass ich jetzt drauflos leben müsste. Mir jetzt und gleich alles nehmen und erfüllen müsste, das noch immer in meinem Kopf herumschwirrt.
Aber manchmal denke ich... Dass wir alle glauben, uns bliebe noch so viel Zeit für dieses und jenes.
Aber ist das auch so?
Die Zeit.. Sie vergeht so unfassbar schnell. Im Kopf und im Herzen noch immer dreiundreißig Jahre alt, bin ich in Wahrheit längst schon viel weiter. Nein, ich habe nicht das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Aber ich möchte es mir bewahren können, die 33 in meinem Kopf und in meiner Seele. Mir Zeit nehmen für die Menschen, die mir wichtig sind. Für die Dinge, die mir wichtig sind. Nicht alles immer nur aufschieben. Aber mich auch nicht immer nur (ein-)fügen..
Vor zwei Tagen musste ich entscheiden, den Plan für das Wochenende zu kippen - und bin zurück nach Hause gefahren. Ich fühlte mich erinnert an jene Nacht vor vier Jahren, die ich im Mantel auf dem Sofa verbrachte, kaum dass ich zur Tür hereingekommen war, zurückgelehnt, die helle Wand anstarrend, nichts mehr denken können.. Alles stand still, irgendwie..
Ich muss mich nicht fragen, wann ich ihm zuletzt gesagt hatte, dass ich ihn sehr liebe.
Aber ich fragte mich, ob wir schon alles gesehen hatten, das wir gemeinsam hatten anschauen wollen.
| Bild: von mir nach einer Idee von Gilly Dickinson pinterest.de/pin/82832768909865186/ |
Nach einem langen Spaziergang heute in der wunderbaren Sonne habe ich am Nachmittag meine Malstifte wieder ausgepackt, die neuen Zeichenstifte, von denen die letzten in den kommenden zwei Tagen geliefert werden. Ich habe so viele Ideen in meinem Kopf, so viele Bilder - und ich denke, es ist Zeit, endlich an der Umsetzung zu arbeiten..
Sonntag, 1. März 2020
Dance Like Nobody's Watching
![]() |
| Bildquelle: https://www.pinterest.de/pin/59883870019796623/ |
Als der Mann Anfang der letzten Woche abends zum Sport ging und ich den Abend zunächst für mich allein hatte, da entzündete ich ein paar Kerzen, schob die Kopfhörer über die Ohren und dann tanzte ich wie selbstvergessen in unserer kleinen Wohnung.. Barfuß auf dem Holzfußboden, nur in Strumpfhosen und einem Strickpullover.. Ich war derart in mich selbst versunken, dass ich den Mann erst in einer Drehung, bei der ich die Augen öffnete, in der Tür stehen sah. Seinen Blick vergesse ich einfach nicht.. So überrascht und gleichzeitig so.. voller Liebe.
"Und du sagst immer, du kannst nicht tanzen", sagte er dann und ich lächelte verlegen: "Kann ich ja auch nicht. Nicht, wenn mir jemand zusieht."
Aber eigentlich.. ist es ganz einfach.. Man muss nur die Augen schließen und alles andere ausblenden..
![]() |
| Quelle: Facebook-Fund ...übrigens... so beim Betrachten der Liste.. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt, oder? |
Was derzeit jedoch in Deutschland abgeht, kann ich so überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Ausverkaufte Mundschutztücher, ausverkaufte Desinfektionsmittel, eine steigende Diebstahlrate selbst an Supermarktkassen, von denen Desinfektionssprays geklaut werden. Oder Hysteriker in der Apotheke laut werden: "Was mache ich denn jetzt ohne Desinfektionsspray?" Wie wärs mal mit Hände waschen, ganz normal mit Seife - und regelmäßig??
Als ich am Donnerstag in L ankam und mir aus dem nächstgelegenen Einkaufsmarkt Kaffee, Milch und ein bisschen Obst einkaufte, stellte ich mit Freude fest, dass hier ganz offensichtlich noch ganz normale Leute wohnen. Ich bekam alles, was ich wollte, nix war ausverkauft - und mein (latent provokantes) Husten interessierte keine Sau. So muss das, Leute. Es gibt sie nämlich immer noch, die ganz stinknormale Erkältung.
Auch mit meiner Freundin hätte ich mich beinah noch gestritten. Ich hab ihr schon öfter (zugegeben: diplomatisch) zu verstehen gegeben, dass ich ihre Warnungen über weltliche Katastrophen, extreme Staus, extreme Wetterlagen etc. nicht haben und nicht lesen möchte, erst recht dann nicht, wenn mir eine Reise bevorsteht. Zum einen bin ich groß, ich kann mich selber informieren, wenn ich das möchte. Zum anderen helfen mir die Ankündigungen von Supermega-Staus nicht, wenn ich trotzdem verreisen muss. Es macht mich nur unruhig und ggf. schlaflos. (Vor allem ganz umsonst, denn die Fahrt ging trotz Ferienbeginn super entspannt.)
Als ich ihr das vorletzte Woche schrieb, sie möge das doch jetzt bitte endlich lassen, da meinte sie, es sei doch jedem selbst überlassen. Ja freilich! Ich habe ja aber diese Wahl gar nicht, wenn ich mit allen möglichen Katastrophenmeldungen konfrontiert werde. Zwar hab ich die letzten immer ungelesen gelöscht (sorry), aber dann dachte ich: "Jetzt sags ihr nochmal."
"Okay, ich schreib dir nichts mehr", war ihre Antwort und ich schickte zur Antwort ein paar Smileys in der Hoffnung, sie möge auch weiterhin noch mit mir sprechen ;)
Manchmal frage ich mich trotzdem... Wann hat das eigentlich begonnen, dass die Menschen allgemein so hysterisch, so panisch, auch so aggressiv geworden sind? Was ist los mit uns? Wieso nehmen wir alles so bierernst, warum darf man über die einen oder anderen Witze nicht mehr lachen und wieso ist es jetzt verpönt, Zigeunerschnitzel zu sagen? Wo ist die Leichtigkeit geblieben und warum geht uns die immer mehr ab? Weil wir heute einen ultra leichten Zugang zu allen möglichen Medien haben? Weil wir alles googeln und lesen können? Weil sich Meldungen, egal ob wahr oder Fake, heute extrem schnell verteilen und aufgegriffen werden können?
Daran musste ich vor zwei Tagen denken, als ein Freund von mir eine Statusmeldung teilte, bei der sich mir die Fußnägel aufzurollen drohten. Du schreibst in Deinen Status, dass Facebook Deine Fotos nicht benutzen darf - teile schnell, denn ab morgen haben sie sonst das Recht dazu. Da muss man doch schon anhand der Wortwahl am Wahrheitsgehalt zweifeln? Und überhaupt - eine Statusmeldung als Widerspruch?? Ein Klick genügte, um ihm aufzuzeigen, dass er da einem Kettenbrief aufgesessen war. Wie sich rausstellte, hat er es geteilt, ohne es zu hinterfragen - und hat drüber gelacht.
Aber wenn ich mir so überlege, was er sonst so oder überhaupt die Leute teilen (mal die Witze-Bildchen und Anekdötchen ausgenommen) - wie wenig hinterfragt wird, gerade auch hinsichtlich der Migranten- und Politikfrage, ey da könntsch...
Es gab mal eine Zeit, da habe ich mir die Mühe gemacht, Artikel zu lesen - und Hintergründe zu recherchieren. Stimmt das, was ich da gelesen hatte?
Aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Weil ich spürte, dass es mich langsam irgendwie.. "vergiftete". Es tat mir nicht gut. Vor ein paar Jahren habe ich mich dann für einige Wochen oder gar Monate von zum Beispiel Facebook zurückgezogen. Das mache ich heute nicht mehr - aber ich wäge ziemlich genau ab, was ich lesen möchte und was eben nicht.
Stattdessen höre ich wieder viel mehr Musik, ich hab wieder zu malen begonnen, ich tanze wieder öfter und sowieso singe ich bei jeder Gelegenheit. Im Auto, in der Küche - und oft tanze ich dazu mit weichen wiegenden Bewegungen - und fühle mich pudelwohl.
Ich weiß, dass man nicht alles ausblenden kann und sicherlich auch nicht soll. Dann würde ich eines Tages völlig weltfremd, auch wenn ich jetzt manchmal schon denke, dass ich schon ein bisschen realitätsfremd sei. Nur weil ich Negativmeldungen ausblende, heißt es nicht, dass es nur Gutes in der Welt gibt. Trotzdem habe ich festgestellt, dass es auch nicht schadet, sich ab und an auf seine eigene kleine Insel in seinem Kopf zurückziehen zu können. Sich gedanklich aus seinem Glas all die wundervollen Momente herauszuholen und ganz bewusst zu betrachten. So wie den Abend letzte Woche, als der Mann so in der Tür stand und mir offensichtlich schon eine Weile beim Tanzen zugesehen hatte, ehe ich ihn bemerkte. Dieses wunderbare Gefühl hat mich wirklich einige Tage lang.. "getragen".. Denn das Leben ist für die Meisten von uns immer noch ein gutes, ein schönes. Oder hat zumindest gute und schöne Augenblicke und ich finde, wir sollten den Fokus wieder viel öfter auf genau das richten. Denn wie Du lebst, entscheiden nicht nur andere. Das entscheiden zuallererst wir selbst.
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