Donnerstag, 7. Juni 2018

Mich überraschen?



...kann er immer noch. Nach all den Jahren ♥️
Und jetzt lümmeln wir auf der Terrasse irgendeines Hotels irgendwo in Österreich, und während wir mit einem Glas Sekt auf das Leben anstoßen, schaue ich entspannt auf den Typen ein paar Fenster weiter, wie der sich auf seinem Laufband quält.
Prost, Ihr Lieben.

Montag, 28. Mai 2018

Verlieben leicht gemacht, sagt Annika

...und zwar beschreibt sie das hier.
Natürlich hab ich erst mal geschmunzelt beim Lesen. Einen Hund kaufe ich mir jetzt trotzdem nicht (aber ich habe überlegt, wer das eventuell stattdessen tun könnte!) und ein Gegenüber habe ich dieser Tage auch nicht. Also werde ich die eine oder andere Frage unter den Tisch fallen lassen müssen (da, wo man sich jetzt im Dunkeln nicht mehr füßelt oder sowas in der Art, sondern wegen der DSGVO - ja, ich kanns auch langsam nicht mehr hören ;) - die Visitenkarten zusteckt *haha*, hab ich gestern bei FB gelernt und mich sehr amüsiert), denn insgesamt dachte ich... Also mir gingen da so spontan Antworten durch den Kopf und ich dachte: Warum das nicht einfach als "Blog-Stöckchen" verwenden und dann auch gleich aufschreiben?
Es sind zumindest alles Antworten, die ich mir weder überlegt noch zurechtgelegt habe.

1. Wenn du zwischen allen Menschen auf der Welt wählen könntest, wen würdest du gerne zum Essen einladen?
Ganz klar: P. (Kennt Ihr nicht, höchstens von früher aus dem einen oder anderen Kommentar und manchmal schrieb ich, dass ich sie sehr, sehr vermisse.) Ich weiß schon jetzt, es würde der lustigste, emotionalste Abend ever werden. Vier Jahre sind vier Jahre!

2. Wärst du gerne berühmt? In welchem Bereich?
Ich würde gerne was schreiben, das ganz viele andere Leute kaufen. Am liebsten anonym - weil ich nicht berühmt sein möchte, aber es mir dann erlauben könnte, nur noch zu schreiben. Denn das ist meine Leidenschaft, wars schon immer. Noch mehr als das Malen.
Übrigens, die Blogs, die ich sonst noch betreibe, zählen nicht dazu. Sie beinhalten sehr viel Auto-/ Biografisches und sind lediglich die Verarbeitung von etwas. Ein Mix aus Vergangenem und Fiktion, weil... na eben aus Gründen.

3. Legst du dir manchmal die Worte zurecht, bevor du jemanden anrufst? Warum?
Das kommt ganz aufs Thema an. Wenn mir etwas schwer im Magen liegt oder ich mich missverstanden oder unfair behandelt fühle, dann hadere ich mitunter tagelang mit mir. Früher nicht! Früher hats sofort gekracht bzw. bin ich auf den anderen zu und habe geredet, wie mir halt der Schnabel gewachsen ist. Ne - war. Heute überlege ich mehr, insbesondere dann, wenn mir etwas sehr wichtig ist und ich es gelöst wissen möchte - für beide Seiten. Weil ich niemanden verletzen möchte, aber auch um meinen eigenen Seelenfrieden bemüht bin.

4. Was macht für dich einen "perfekten" Tag aus?
Über sowas denk ich nicht nach. Ich persönlich halte Perfektionismus für todsterbenslangweilig. Danach strebe ich nicht.

5. Wann hast du zuletzt für dich selbst gesungen? Und wann für jemand anderen?
Vor zehn Tagen im Auto.
Weihnachten 2008. Auf dem bordeauxfarbenen Ledersofa. Unvergessen.

6. Wenn du 90 Jahre alt werden könntest, was würdest du während der letzten 60 Jahre lieber haben: den Körper oder den Geist eines 30jährigen?
Ey, das ist nicht wirklich leicht - auch wenn man spontan denkt: den Geist, den Geist! Weil ich am Körper "arbeiten" kann - wenn der Geist aber hinüber is, dann hilft dir auch kein knackiger Körper mehr!
Allerdings.. Betrachte ich mich aktuell.. Dann bin ich ja schon 90 und mein Geist ist immer noch Anfang 30. Ist jetzt auch nicht so das Gelbe vom Ei. Und komplett zu verfallen bei wachem Verstand... Annika, ich muss nachdenken! :)

7. Hast du eine Vermutung, wie du sterben wirst?
2002 habe ich gesagt: "Ich werde eines Tages auf der Straße im Auto sterben."
2006 hätte ich das fast geschafft, aber wirklich unwahrscheinlich viel Glück gehabt.
2018 denke ich, dass ich lieber lebe, als darüber nachzudenken, wann und wo und wie.
Das einzige, worüber ich nachdenke, ist, ob ich lieber verbrannt und anschließend überm Meer vertreut werden möchte. Dieser Gedanke gefällt mir tausendmal besser als die Tatsache, doch nicht tot gewesen zu sein und dann in der Gruft zu erwachen und nicht wieder rauszukommen. Pooarrhh!!!

8. Nenne drei Dinge, von denen du glaubst, dass sie dein Gegenüber und du gemeinsam haben.
Nun... Wir sind beide sehr empfindsam. Wir lieben beide das Leben und verstehen es, es zu genießen. Wir werden beide älter und trotzdem nicht erwachsen ;)

9. Wofür bist du in deinem Leben am meisten dankbar?
Für die Menschen darin, an denen Herz und Seele hängen.

10. Wenn du irgendetwas daran ändern könntest, wie du erzogen wurdest, was wäre das?
no comment

11. Erzähle deinem Gegenüber deine Lebensgeschichte in vier Minuten, aber mit möglichst vielen Details.
Äh.... Vier Minuten UND Details? Ernsthaft jetzt?

12. Wenn du morgen mit einer zusätzlichen Eigenschaft oder Fähigkeit aufwachen könntest, welche wäre das?
Nähen können. Doch - das würde ich echt gerne können wollen. Und wenn ich das nicht erst mühsam erlernen müsste... Wär cool!

13. Wenn dir eine Zauberkugel die Wahrheit über dich, dein Leben, die Zukunft oder irgendwas anderes offenbaren könnten, was würdest du wissen wollen?
Nichts. Was mich selbst betrifft, bin ich, denke ich, reflektiert genug, da brauch ich keine Zauberkugel. Und die Zukunft will ich nicht wissen. Kommt was Schönes, genieße ich die Zeit bis dahin nicht mehr, weil ichs nicht mehr erwarten könnte. Kommt was Schlechtes, genieße ich die Zeit auch nicht mehr, weil ich denken würde "Ist eh alles umsonst."
Ich halte es wie bisher: Nehmen wie es kommt und versuchen, das Beste aus allem zu machen.

14. Gibt es etwas, von dem du schon lange träumst, es zu tun? Warum hast du es noch nicht getan?
Ja, gibt es. Weil dazu zwei gehören.

15. Was war bisher der größte Erfolg in deinem Leben?
Keine Ahnung. Ich seh mein Leben nicht in Erfolgen. Eher in Etappenzielen.

16. Was ist dir bei einer Freundschaft am wichtigsten?
Dass sie mich nicht missbraucht.

17. Was ist deine liebste Erinnerung?
Die Momente, in denen ich erfuhr: Ich war allein, aber nicht einsam.

18. Was ist deine schrecklichste Erinnerung?
Der Rosenkrieg

19. Wenn du wüsstest, dass du in einem Jahr sterben wirst, würdest du irgendetwas an deinem jetzigen Leben ändern? Warum?
Ich würde endlich wirklich mal nur an mich denken - und mich mit den Menschen umgeben, die ich von Herzen liebe. Ich würde aufhören, mich aus Loyalität zu etwas verpflichtet zu fühlen, das ich nicht muss.

20. Was bedeutet Freundschaft für dich?
Unbedingtes Zueinanderstehen, egal um welche Uhrzeit.

21. Welche Rolle spielen Liebe und Zuneigung in deinem Leben?
Die größte.

22. Nennt abwechselnd eine positive Charaktereigenschaft, von der ihr glaubt, dass sie euer Gegenüber besitzt. Macht dies fünf Mal. 
Tja nun. Das machen wir mal unter uns.

23. Wie eng und herzlich sind die Beziehungen in deiner Familie? Denkst du, dass deine Kindheit glücklicher war als die anderer Menschen?
no comment

24. Wie beurteilst du die Beziehung zu deiner Mutter?
no comment

25. Denkt euch beide drei wahre "Wir"-Aussagen aus. Zum Beispiel: "Wir sind beide in diesem Raum und fühlen uns..."
Ich frag ihn mal, wenn er wiederkommt.

26. Beende diesen Satz: "Ich wünschte, ich hätte jemanden, dem ich erzählen könnte..."
Wisst Ihr, was geil ist? Ich HABE so jemanden!

27. Wenn du mit deinem Gegenüber eine enge Freundschaft schließen würdest, was müsste er oder sie dann unbedingt von dir wissen?
Noch vor zehn Jahren fand ich es cool, möglichst viele Menschen kennenzulernen. Bis ich begriff, dass man nicht mit jedem befreundet sein kann und es darauf auch nicht ankommt. Was mir wichtig ist, ist Authentizität und Verlässlichkeit. Auch wenn man mal monatelang nichts voneinander hört.

28. Sage deinem Gegenüber, was du an ihm oder ihr magst; sei dabei ehrlich und sage Dinge, die du normalerweise einer Person, die du gerade erst kennen gelernt hast, nicht sagen würdest. 
Wie gesagt - s is keiner da.

29. Teile mit einem Gegenüber einen peinlichen Moment in deinem Leben.
Hm. Wenn ich so drüber nachdenke... Ich kann mich an keinen erinnern. Ernsthaft. Vielleicht ist mir auch nichts peinlich, weil ich dazu stehe, wie ich bin. In guten wie in schlechten Zeiten ;)

30. Wann hast du zum letzten Mal in Gegenwart einer anderen Person geweint? Und wann für dich allein?
Letzte Woche - Dienstagabend.
Letzte Woche - Freitagabend.
Hat absolut nix mit der Gesundheit und den Arztbesuchen zu tun - ich schwör, das ist Zufall.

31. Nenne eine Sache, die du bereits jetzt an deinem Gegenüber magst. 
S is keiner da-ha!

32. Worüber macht man keine Witze, sofern es so etwas gibt? 
Womit die Würde eines Menschen verletzt wird.
Und wisst Ihr, was ich so gar nicht mehr vertrage? Es gibt keine Comedy-Show mehr, die nicht ohne eine nicht enden wollende Reihe von Fäkalausdrücke auskommt oder ohne dass auf Kosten anderer fragwürdige Kalauer gebracht werden. Ich vermisse Menschen mit Stil, Menschen wie Hape Kerkeling, die sich selbst aufs Korn nehmen. Ich habe ganz sicher keinen Stock im Allerwertesten - aber für mich hat der heutige Humor nicht viel mit Humor zu tun.
Wer lustig sein will, der ist nicht lustig.

33. Wenn du heute Abend sterben würdest, ohne die Möglichkeit, mit jemandem zu sprechen, was würdest du bereuen, jemandem nicht gesagt zu haben? Warum hast du es noch nicht gesagt?
Orrrrr!!!!
Mit Sterben habt Ihrs aber, Leute!
Wo bleibt das LEBEN?

34. Dein Haus mit all deinem Besitz fängt an zu brennen. Nachdem du deine Liebsten und deine Haustiere gerettet hast, kannst du ein letztes Mal ins Feuer laufen und einen Gegenstand retten. Welcher wäre das? Warum?
Isch 'abe ga kein Haustier!
Kann ich dafür mehrere Gegenstände mitnehmen? Ich besitze nämlich vier Gegenstände - Geschenke meiner Söhne. Von denen kann ich mich nicht trennen und sie zu verlieren, das würde mir richtig, richtig wehtun.

35. Der Tod welches Familienmitglieds würde dich am meisten mitnehmen? Warum?
mannomann....
Eins meiner Kinder. Das würde mich komplett zerbrechen.

36. Berichte von einem persönlichen Problem und frage dein Gegenüber nach Rat, wie er oder sie die Sache handhaben würde. Bitte dein Gegenüber außerdem zu beurteilen, wie du selbst vermutlich über das ausgewählte Problem denkst.
Hm, das finde ich schon irgendwie spannend. Aber wie gesagt - s is kana da!


Und weil keiner da ist, können wir uns jetzt auch keine vier Minuten lang in die Augen sehen und dann heiraten. C'est la vie.

Samstag, 26. Mai 2018

♥️



Everything is sudden
Everything is suddenly alive
All these situations
Panic into such sweet calm
I will turn the light on
I will turn the light on everywhere
And I watch you lift your head up
Higher than it was before

Nowhere don't know how it ends
For both of us
But why would you need to know the end, my dear?
So don't crash into everything
To make your point
Let's get, get out of the way of us

I woke the lion
You woke the tiger
Inside, inside
Don't want to be this far
Don't want to be so far from you

Now everything's forgiven
Everything's forgotten, just look at you
You're shining like a falling
Shining like a falling sword


Nowhere don't know how it ends
For both of us
But why would you need to know the end, my dear?
So don't crash into everything
To make your point
Let's get, get out of the way of us

I woke the lion
You woke the tiger
Inside, inside
Don't want to be this far
Don't want to be so far from you

Freitag, 25. Mai 2018

Irritationen

Interessiert bleiben, sich mit Themen beschäftigen - klar! Aber momentan frage ich mich grad... Wenn die Medien das Thema DSGVO nicht so hochhalten würden - ob dann überhaupt aktuell so viel Verunsicherung entstanden wäre? Ich meine, diese Verordnung gibts schon mindestens seit 2015, auch wennse da jetzt noch nachgebessert haben.
Und jetzt lieste an jeder Ecke was von Bußgeldern bis zu 20 Millionen Euro - Leute!
Medial gesehen ist das für mich Panikmache wie mit jedem aktuellen Thema. Haben wir eigentlich schon Sommerloch? Ham die nix anderes? Kriegt nicht ne C-Promi n Kind mit 58?
Aber hey, ich verkaufe Euch nix, schicke Euch keine Newsletter, will nix von Euch - ich erzähl Euch nur von mir, was ich Euch auch live und in Farbe bei jedem Käffchen erzählen würde.
Vielleicht.
Dem einen oder anderen ;)
Der Streitwert meines Blogs also? Null Euro!

Aber nicht nur die DSGVO sorgte für ein wenig Irritation im Hause Ziggenheimer.
Dienstag beim Hausarzt. Ich war müde. Ich war ehrlich müde. Schlafe immer noch sehr viel und sobald ich nur n bisschen was mache, brauch ich gleich wieder n Stündchen Schlaf. Schlafe im Auto (als Beifahrer!), auf der Bank im Wald nach nur 200 m, na ja und eben so halt.
Sagt der zu mir: "Also Ihre Stimmung wirkt ja schon recht gedrückt, vielleicht ist das ja das Problem." Zack - schreibt er das erste Rezept: pflanzliche Stimmungsaufheller.
WTF??
"Herr Doktor, ich bin doch nur MÜDE! Bloß MÜDE!"
Am liebsten hätte ich meine Worte begleitet mit ein bisschen Handauflegen um seinen Hals, so bisschen würgen mit Nachdruck - aber ich war ehrlich müde und entsprechend kraftlos hingen meine Arme runter. Hat er Glück gehabt, der Sack!
"Das ist nur gegen die Müdigkeit!"
Ja ne is klar. Lesen kann ich schon noch. Ich habs vielleicht im Kopp, aber nicht mit den Augen!
Ich bereue jetzt noch, dass ich für den Scheiß Geld gelassen habe. Will die wer haben? Packung unangebrochen. Versende kostenlos! Ach ne! Nicht melden! Bitte nicht melden!! Sonst hat mich die DSGVO am Arsch, weil ich Daten empfange!
EKG war übrigens in Ordnung (wunder mich ja immer, dass zehn Sekunden EKG so aussagekräftig sein sollen, aber ich sage nüscht, nachher heißt es noch, der Patient WILL unbedingt was haben. Alles schon mal bei anderen Patienten gehört. Pfff), Blutdruck wie immer, nur stehen und laufen war verdammt zittrig und leicht unkoordiniert. (Wenn ich mich arg konzentriere, isses nich ganz so deutlich. Manche draußen auf der Straße mustern mich so... so... wie: Ach Gott, tagsüber schon voll, ja klar, die muss es nötig haben.)
In meinen Ohren is auch nix, alles okay. (Konnte der Mann nicht verstehen. "Du hörst doch nie auf das, was ich dir sage.")
Die Praxis verließ ich dann mit ner Krankschreibung und dem Termin eine Etage höher: "Das ist ein eindeutig neurologisches Problem."
Gestern erstmal die Auswertung des Bluts: Eisenwert irgendwo im Keller, zwischen 10 und 12 seit mindestens einem Jahr (hat aber letztes Jahr auch keine Sau interessiert), soll wohl nicht unter 30 sinken und normal bei 70 liegen. Von wegen Stimmungsaufheller! Ich geb Euch gleich Eure Stimmungsaufheller! Habt Ihr nur Schwein, dass ich grad echt müde bin!
"Haben Sie sehr starke Menstruationsblutungen?"
"Ne, habe ich nicht. Und aktuell auch gar keine."
"Sind Sie Veganer?"
"Leider gar nicht."
"Dann müssen wir uns ernsthaft mit der Ursache befassen!"
Da hätte ich kichern mögen: Erst interessierts keinen, dann soll ich Stimmungsbooster nehmen - und jetzt werden se nervös wegen so bisschen Eisenmangel. Pfff. Und: Ich war zu müde zum Kichern, Tatsache. Fragte nur matt, obs nicht eher auch an der Schilddrüse liegen könnte. Habsch irgendwo mal gelesen.
"Nein, auf keinen Fall. Ihre ist gut eingestellt mit dem Medikament, dann liegt es daran nicht."

Der Neurologe heute war auch sichtlich irritiert über meine Verfassung. Zum Ausschluss einiger nicht so schöner Sachen gibt es nächste Woche das MRT und dann einen Tag Spezialklinik.
"So schlimm wirds bestimmt nicht werden", meinte er zum Abschied, "wenn Sie Ihr Gangbild auch nur ein bisschen beeinflussen können, kanns eigentlich nichts Schlimmes sein. Denn wärs so, könnten Sies nicht steuern."
Und darauf ein Milchkaffee!! "Klein oder groß?" "Groß natürlich!"
Auch versuchte ich den Mann anzurufen, der ging aber nicht ran. ("Rufst du mich bitte gleich an, wenn du raus bist? Damit ich bescheid weiß?" Tzzz. S is doch immer dasselbe.)
Dann schrieb ich meiner Freundin. Stehe mitten auf dem sonnenüberfluteten Platz, den Kaffeeduft des nächstgelegenen Bäckers schon in der Nase, ich schreibe langsam und konzentriert, da stellt sich ein junger Mann vor mich. Lächelt breit und freundlich.
Hübsche Zähne, denke ich spontan.
"Hey! Ich musste dich jetzt unbedingt ansprechen. Weil du mir sehr gefällst!"
Äh...
"Äh..."
Er streckt mir die Hand entgegen, lächelt immer noch breit."
"Guten Tag! Ich musste dich jetzt unbedingt ansprechen. Weil du mir wirklich sehr gefällst!"
Ich schaue auf seine Hand. Mich durchzucken Nachrichten (scheiß Medien!), wonach man ja nie einem Fremden die Hand geben soll, man könnte sie gleich darauf auf dem eigenen Rücken wiederfinden und zeitgleich der Tasche oder wahlweise mindestens des iPhones beraubt werden. Und das wär schlecht. Echt schlecht! Ich meine, jeder hat doch so.. so.. Fotos und so ;)
Ich nehme seine Hand also nicht, aber ich lächle freundlich.
"Äh... Danke schön. Aber ich habe schon einen Mann."
Zack - das Lächeln ist weg.
"Ach so. Tschüss."
Dreht sich rum und weg sind die hübschen Zähne.

Sachen gibts!
Kann man schon mal von irritiert sein.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Am Ende

...bemisst Dich jeder lediglich an der Befriedigung der eigenen Erwartungen und Vorstellungen, nicht daran, was Du alles an Gutem hervorbringst.
Das ist so ermüdend.
Vor allem aber schmerzt es. Ganz sehr.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Sound and Pulse and Volume



Am Anfang dachte ich, es läge am Wetterwechsel. Neunzehn Grad in M und tags drauf an der Küste Null Grad und Schneesturm - da muss man ja matschig im Kopf werden.
Wieder daheim dachte ich, es läge an den harten Betten dort. Dass ich nur verspannt sei.
Dann nahm ich so simple Dinge an wie: falsche eingestellte Brille. Eine Entzündung des Gehörgangs, von der ich nur noch nix gemerkt hatte. Bis hin zum Lagerschwindel. Oder dass ich mittlerweile in dem Alter angekommen bin, wo einem eben auch mal blümerant sein darf.
Ich witzelte darüber, ich scherzte darüber, doch je länger der Kreisel in meinem Kopf anhielt, desto ernsthafter wurden meine eigenen Gedanken. Mittlerweile fühlt sich mein ganzes Ich so an, als sei ich permanent extrem unterzuckert.
All die neurologischen Spielchen von früher - ich beherrsche keins mehr davon.
Kann nicht auf einer geraden Linie laufen - nicht mit offenen Augen, mit geschlossenen schaffe ich nicht mal einen einzigen Schritt, ohne aus dem Gleichgewicht zu kommen.
Mein Zeigefinger trifft meine Nasenspitze nicht mehr, sondern den Hals oder bestenfalls das Kinn.
Meine Zeigefinger treffen auch nicht mehr aufeinander, statt dessen umarme ich mich eher praktisch selbst.
Nicht gut, weiß ich.
Kramte Unterlagen hervor, um nachzusehen, wann der letzte Scan vom Kopf gemacht wurde.
Belas mich nächtelang über alle möglichen Dinge, obschon ich weiß, dass man das nicht soll.
Zugleich aber immer auch die Stimme von damals im Ohr: "Sie werden es merken, wenn Sprache und Motorik nicht mehr stimmen. Oder eins von beidem. Wenn sich das plötzlich verändert, melden Sie sich bitte umgehend."
Nun. Umgehend. Das ist ja so dehnbar, finde ich. Also in meiner Auslegung.
Der "Zustand" hat sich plötzlich verändert, okay, aber es gibt auch so viele andere Möglichkeiten. Harmlose Möglichkeiten.
"Und? Schon einen Termin geholt?" fragte der Mann ein paar Abende lang zur Begrüßung, wenn er heimkam.
Ihm entgeht nicht, dass ich immer unsicherer werde, im Gehen, im Schauen.
Ihm entgeht (natürlich) nicht, dass ich sehr viel mehr schlafe als noch vor wenigen Wochen und trotz zwölf Stunden Nachtschlaf (ja, den kann ich gut grad) von fünfzehn Minuten Fußweg so müde werde, dass ich anschließend mindestens ein, zwei Stunden schlafen könnte.
Noch bis vor kurzem konnte man mir Briefe, Protokolle oder sowas via Telefon diktieren - das Mitschreiben war kein Problem. Meine Fähigkeit, bis zu 600 Zeichen in der Minute zu tippen, dürfte sich deutlich reduziert haben - auch deshalb, weil ich mich ständig verschreibe und korrigieren muss. Auch jetzt grad, hier beim Blogpost. 'S nervt e bissl.
"Lass mich das besser stenografieren", bat ich den Chef - aber auch hier versage ich, weil ich oft zu lange überlegen muss, wie man was schreibt. Ist ja nicht so, dass es für jedes Wort ein Steno-Kürzel gibt. Man lernt ein Alphabet, man lernt viele Kürzel - aber viele Wörter muss man sich in dem Moment überlegen, wenn man sie diktiert bekommt und aufschreiben soll. Das ist normal und war bislang auch kein Problem. Bislang eben.
Was hingegen super funktioniert, ist mein Gedächtnis. Wo mir früher vieles entfiel, habe ich heute so ziemlich alles fehlerlos im Kopf. Bis auf die Preise der zuletzt gekauften Badezimmerartikel ;)

Inzwischen habe ich einen Termin beim Hausarzt, nachdem auch die früher betreuende Neurologie in L vermeldete "Tut mir leid, Termine erst im September."
Inzwischen nehme ich mich selber ernst, nehme jeden Abend diese Gedanken mit in mein Bett, während ich den Kopf auf das Kissen bette und in die Nacht starre, bis mir kurz darauf die Augen zufallen. Derzeit träume ich ziemlich wild, chaotisch - und beängstigend. Von Ziegen, denen im Akkord die Kehle durchgeschnitten wird, begleitet von einer komischen Melodie, in der sich das Geschrei der Ziegen verliert.. Von Menschen, die getötet werden. Von Begegnungen mit Menschen, die ich zwar aus meinem früheren Leben kenne, jedoch so niemals begegnet bin. Da gehts um Schuld, um Verzeihung, um das Aussprechen.
Ich schlafe derzeit jeden Abend allein ein und ich erwache allein jeden Morgen mit den Gedanken, von denen ich nicht einmal sagen würde, dass sie mich ängstigen. Aber sie hängen an mir, an meinen Armen, an meinen Beinen, sie beschweren mich und heute Morgen, als ich die Augen öffnete und das Zimmer sich etwas um mich drehte, da ertappte ich mich bei dem Gedanken, das Universum darum zu bitten: Was auch immer du dir jetzt wieder für mich ausgedacht hast - lass es wenigstens noch zwei Jahre gutgehen, bitte.
In zwei Jahren dürfte Sohn I sich im aktuellen Job bitte hoffentlich gefestigt haben.
In zwei Jahren dürfte Sohn II seine aktuelle Ausbildung bitte hoffentlich gut abgeschlossen haben.
Ich wünsch mir zwar natürlich auch für danach nix Schlechtes, nur dann.. braucht mich niemand mehr so wirklich, dann kann auch jeder ohne mich weitermachen. Sollte ich dann vielleicht irgendwo in einem fahrbaren Stuhl sitzen und das Zählen von Raben auf dem Dachfirst zur Tagesaufgabe haben.
Weiß man ja nicht.

Und natürlich begehrt der Optimist in mir gerade auf: "Würdste mal deine Ohren nicht immer so derbe mit Musik vollknallen, würds dir jetzt auch viel besser gehen. Bei DER Lautstärke tät mich jedenfalls nicht wundern, wenn sich da deine Sinneshärchen biegen!"

Wahrscheinlich wirds darauf hinauslaufen.

Donnerstag, 3. Mai 2018

One More Light: Für S.



Erst am vergangenen Freitag habe ich von Dir erzählt.
Davon, wie sehr Du das Leben liebst.
Davon, wie sehr Du um dieses Leben kämpfst.
Davon, wie sehr Du Dir Kinder gewünscht hast.
Davon, wie groß die Hoffnung auf die Alternativtherapie war, an der auch ich mich beteiligt hatte.
"Warum du?" hatte der Mann mich gefragt. "Du kennst sie doch gar nicht wirklich."
"Aber ich nehme ganz sehr Anteil an ihrem Leben", habe ich geantwortet, "und ich kann dir nicht sagen, warum. Aber ich tus."
Und ich habe Dir so sehr gewünscht, dass.. irgendwie.. wider besseren Wissens.. eine Hoffnung besteht.
Ich wusste nie wirklich, was ich Dir wünschen sollte.
Du wolltest so sehr leben und Dein Körper konnte es immer weniger.
Am vergangenen Freitag erzählte ich jemandem von Dir - und erfuhr einige Stunden später, dass Du an diesem Freitag frühmorgens eingeschlafen bist. Nun für immer.
In diesem Moment lebt keine Vernunft, lebt kein Verstand, lebt auch kein Wissen.
In diesem Moment knickt es mir einfach nur die Beine weg, füllen sich die Augen mit Tränen.
Ich will mich nicht fragen, ob es ein Danach gibt und wie das aussieht.
Ich will mich nicht mit emotionsloser Wissenschaft befassen, aber mich auch nicht in etwas verlieren.
Ich möchte nur weiterhin daran glauben, dass es sehr viel mehr Dinge zwischen Himmel & Erde gibt, die sich nicht logisch erklären lassen - und sie geschehen trotzdem.
Und ich möchte an die Worte des Inders glauben, der mich vor zwei Jahren so anlächelte und zu mir sagte: "Wir sind auch nicht weg. Wir bleiben da."

Ich glaube, was mich mit Dir so verbunden hat, war diese Liebe zum Leben.
Da sein. Glücklich sein. Und glücklich machen. So lange, wie man das kann.
Seit 9 Tagen hadere ich mit mir und meiner Entscheidung, eine Tür hinter mir verschlossen zu haben.
Seit 9 Tagen frage ich mich, ob all die gemachten Erfahrungen es wert sind, diese Tür verschlossen zu haben, wenn man den Schlüssel ja doch immer noch in der Hand hält.
Vor 9 Tagen lese ich die Anfrage in meinem Mailpostfach "..möchte mit Dir befreundet sein", die nur wenige Stunden später wieder zurückgezogen wurde - aber die Mail ist da. In meinem Postfach. So wie die Zeile "Ich vermisse dich auch". Halte ratlos die mir neu übermittelte Telefonnummer in den Händen. Sehe freigegebene Erinnerungsstücke in dem anderen Profil, die auch nur wenige Stunden danach wieder auf privat gesetzt werden. Ich lese in diesen Erinnerungsstücken, ich lache und ich lache unter Tränen. Gerade weil dieses Muster wieder durchzubrechen scheint: Kommen und gleich wieder gehen.
Das wollte ich doch alles so nicht mehr.
Und dann stirbst Du, S., und die Fragen in mir vertiefen sich.
Noch kann ich Türen wieder öffnen..

Warum ist es eigentlich immer der Tod eines anderen Menschen, der uns vor die Frage nach der Sinnhaftigkeit unserer Entscheidungen und Wege stellt?
Weil er der einzige ist, dessen "Entscheidung" niemals mehr umkehrbar ist?



Dienstag, 24. April 2018

...und wies aussieht, ist doch ganz egal!



Ich gebe zu - es ist vielleicht nicht die anspruchsvollste Musik, aber hey - sie transportiert ein sehr geiles Lebensgefühl, so dass es (neben zwei anderen Titeln) aktuell bei mir rauf und runter läuft und mich auch auf den Weg nach L begleiten wird.
"Wir tanzen wie beim ersten Mal, und wie's aussieht, ist doch ganz egal!"
Hachz!
Das erinnert mich die wilden Diskozeiten, in denen ich einfach über den vibrierenden Tanzboden stürmte. Traut mir kein Schwein zu, der mich kennt - ich kann mich mir so auch gar nicht mehr vorstellen ;) Aber gestern Abend, als der Mann einen aushäusigen Termin wahrnahm, zu dem ich keine Lust hatte, ihn zu begleiten (ich liebe es noch immer, auch mal allein und für mich zu sein), da drehte ich auf und tanzte einfach so wie früher, wild und ausgelassen.
Wenns im Kopf ohnehin seit Wochen tags und nachts dreht wie ein Karussell, dann kann man den Rest des Körpers doch auch mal ein bisschen mit dazu drehen.


"Frühstück!" schrieb ich heute Morgen vergnügt dem Mann und er sagte"Och ne, ich dachte, ich bin Deine erste Liebe!"
"Dazu kamst du zu spät", summte ich vor mich hin und antwortete "Aber dafür bist du meine größte." Anschließend drehte ich die Musik auf und stürzte mich in die Arbeit. So liebe ich das!


Montag, 23. April 2018

Die vierte Übung

Heut Abend bin ich über einen Post der Brüllmaus gestolpert und.. irgendwie hängengeblieben. Ich müsste vermutlich zu vieles nachlesen, um den Zusammenhang der "vierten Übung" zu erfassen, jedoch lehne ich hier in meinem Stuhl, dem halbdunklen Zimmer, schaue auf den Bildschirm, auf den Ohren meine geliebte Musik (man kann da so herrlich laut trotz der Abendstunden) und mit dem Lesen der ersten Zeilen des Posts formen sich vor meinen Augen erste Zeilen an Dich...


"...wann genau ich Dich kennen gelernt habe, weiß ich nicht mehr so genau. Es war nicht Deine Intention, es war auch nicht meine, und als ich dazu gebracht, ja beinah gedrängt wurde, Dich kennenzulernen, hatte ich bis zum allerletzten Moment darüber nachgedacht, wie ich mich dieser Begegnung wieder entziehen könnte.
Und dann sah ich Dich auf mich zukommen, kaum größer als ich, dunkle Haare wie ich, Deine kurz, meine lang, und ein Lächeln, das mich beinah sofort für Dich einnahm. Ich bin fasziniert von Gesichtern anderer Menschen, den Blick in ihre Augen, auf ihren Mund, den Blick auf ihr Lachen, auf den Klang ihrer Stimme - und nichts, wirklich nichts ist so ausdrucksvoll wie dies.
Von Dir war ich beinah sofort fasziniert und Du hast es mir so leicht gemacht, diesen Abend. Wie wir in diesem Lokal am See saßen und über Gott und die Welt redeten, als hätten wir uns einfach nur zu lange nicht gesehen. Wir redeten über so unfassbar vieles, nur nicht über das, was uns aufgetragen worden war. Vielleicht haben wir beide es bewusst oder unbewusst ausgespart, vielleicht wollten wir beide einfach nur einen entspannten, losgelösten Abend, sehen, wer die andere ist. Uns war völlig gleich, ob der Dritte enttäuscht, wütend, frustriert über den Verlauf des Abends war - es zählte hier einfach nicht.
Du bist heimgefahren, ich bin heimgefahren, völlig erfüllt von dieser Begegnung - zugleich bin ich aber auch nicht sicher, ob wir uns noch einmal wiedergesehen hätten, würde der Dritte uns beide nicht dazu gedrängt haben.

Mit den Jahren haben wir einander erkannt. Kaum jemand war mir so ähnlich wie Du, bis hin zu den eigenen Untiefen und auch Verrücktheiten. Kaum jemand hat mich so sehr gespiegelt wie Du, und kaum jemand hat zugleich die eigene Zerrissenheit so offenbart und Krallen in die Wunden des anderen geschlagen wie Du. Niemand hat mich je so wie Du dazu gebracht, ehrlich zu mir selbst zu sein. Nicht zu lachen, wenn ich lieber weinen wollte. Nicht zu schweigen, wenn ich lieber sprechen sollte. Nicht zu lieben, wenn es nicht das Richtige war. Nicht etwas nach außen zu zeigen, das man im Inneren nicht war. Und selber hast Du zugleich ein so zurechtgewebtes Leben geführt, bei dem man nicht so wirklich wusste, was davon echt war und was nicht.
Du bist gekommen und gegangen wie es sich für Dich richtig anfühlte und wie Du es für Dich gebraucht hast. Vollkommen abgetaucht in Deine ganz eigene Welt, unerreichbar für jeden von außen. Nur um irgendwann nach Wochen oder Monaten zurückzukehren. Ich weiß nicht, ob Du Dir je Gedanken darüber gemacht hast, wann immer ich es Dir auch sagte und Dich bat "Tu das nicht, bitte".

Mir war bewusst, wie sehr ich an Deinen Beinen hing, wann immer Du im Begriff warst zu gehen. Wie lange ich auf den Treppenstufen hockte, um auf Deine Rückkehr zu warten. Aber ich weiß heute nicht mehr, ob es Dir auch je bewusst war. Ich weiß nicht, ob Du mir je wirklich zugehört hattest, ob es Dich zurückgehalten hätte, ob es überhaupt richtig gewesen wäre, Dich zurückzuhalten. Zu oft empfand ich Dich als einen Vogel mit Bändern an den Beinen, der den Duft der Freiheit so liebte und doch selber nicht zu leben vermochte. Immer und immer wieder der Tanz auf dem schmalen Grat dessen, was möglich war und was nicht sein durfte, nie angekommen, immer rastlos, immer auf der Suche.. Ich wollte so sein wie Du, ich wollte das aus mir hervorbringen, das ich selber nie wagte zu sein - und dennoch bin.. Ich habe mich an Dir orientiert und zugleich Angst bekommen, dass es mich mit in die Tiefe reißen würde, wenn Du stürzt.
Du vertraust auf Deine Verhaltensmuster, auf Deine Taktiken, und verstehst nicht, dass diese sich mit der Zeit abnutzen. Dein Gegenüber irgendwann resigniert, aufgibt, weggeht, nicht mehr will, was Dich dann wiederum endlos fallen lässt..

"Sehen wir uns noch einmal?" fragte ich Dich, bevor ich die Stadt für immer verließ.
"Ich denke nicht. Es würde mir zu sehr weh tun", hast Du geantwortet. Das Schweigen der Tage und Wochen danach, das ich dieses letzte Mal auch nicht mehr zu brechen versuchte, nahm ich als Deinen wiederholten Versuch, Dich in Dir selbst zu vergraben, Dich selbst zu schützen..
..und in diesen Tagen, als ich all meine Habe in Kisten verpackte, begriff ich: Wenn man etwas nicht mehr erträgt, dann muss man sich davor schützen. Du hast das getan, ganz gleich, was es mit mir machte. Die Narben in mir sind nicht Deine Narben, die Schritte anderer, die bis heute schmerzen, waren nicht Deine Schritte, doch vieles von Dir hat genau das wieder geöffnet, wieder und wieder, und über diesen Umzugskisten schwor ich mir: "Ab jetzt passe auch ich besser auf mich auf. Ich habe es versprochen."

Ich habe Dir nie wieder geschrieben, Dich nie mehr angerufen und Dich auch nie wiedergesehen. Deine Versuche geblockt und zugleich jedes Mal den Verlust betrauert. Es hat so lange gedauert, bis es nicht mehr weh tat.
Ein einziges Mal habe ich vor langer Zeit nach Dir gefragt, gefragt, wie es Dir geht, und es hieß: "Ich denke, es geht ihr wirklich gut."
Ich hoffe und wünsche Dir von ganzem Herzen, dass das stimmt.
Bis heute vermisse ich Dich."


Ausblicke


Liebster, glaubst Du wirklich, dass man SO einen Arbeitsplatz, SO einen Anblick zum frühen Morgen tatsächlich aufgeben sollte?
Keiner mault mich an, keiner spricht mich an - und niemand zählt die Tassen Kaffee ;)
Hachz, ich liebe diese Zeit!!

Sonntag, 22. April 2018

"Von der Unbeirrbarkeit aller Optimisten"



Whoever said that love was sweet
(Drank a little too much whiskey, baby)
Whoever said that life was easy
(Never lived anywhere near me)
I wouldn't change a thing
'Cause you're the one I wanna sink with..


"Schau mal, die beiden", sagtest Du.
"Zukunftsmusik?" lächelte ich.


"Weißt du was, ich glaube fast,
es kann nur daran liegen, 
dass du mich verzaubert hast.
Ich kann auf einmal fliegen."
(Aus "Sag mir, wie lange wirst du mich lieben?")

Sicher ist nichts in unserem Leben, nicht in deinem, nicht in meinem.
Aber so, wie es gerade ist, darf es gerne bitte noch für einen Moment so bleiben.


Donnerstag, 19. April 2018

"Willst du immer weiter schweifen? Sieh, die Lösung liegt so nah!"

Quelle: https://www.jamiiforums.com/threads/msaada-unahitajika-hapa.147866/

Nicht selten denkt das Personal, dass dem Chef sämtliche Hinweise oder Aufforderungen seitens der IT in obiger Sprache vorkommen müssen. Er gibt auch unumwunden zu, dass er zwar ein umfangreiches Wissen besitzt, die Sparte "IT" für ihn jedoch auf immer und ewig ein unerschlossenes Gelände bleiben wird. Das ist im Grunde auch erst mal ok, wozu hat man schließlich seine Vasallen - und man kann ja auch nicht alles können und wissen.

Lustig wird es, wenn Du im Nebenzimmer sitzt, das unnachahmliche "Windows-Klonk" vernimmst und kurz darauf den Wut-Aufschrei: "Helma! Komm mal her! Wieso kann ich nicht drucken?" oder "Was will der hier von mir?", wahlweise begleitet auch von "Wo ist meine Datei geblieben?"
Spannend wird es, wenn Du zum Öffnen einer Datei im kB-Bereich gefühlte fünf Minuten brauchst, ergo in den Investitionsplan des laufenden Kalenderjahres neue Hardware einträgst und er sich bedeutungsvoll an die Stirn tippt: "Spinnt ihr? Ich habe euch erst vor fünf Jahren neue Technik gekauft! Die ist doch noch gut!"
Schwierig hingegen wird es, wenn - wie seit Montag - das Netzwerk lahmliegt, keiner so recht trotz intensiver Fehleranalysen weiß warum und täglich sowohl IT als auch Netzanbieter die Schultern heben "Wir nix verstehn." Das ist ein Satz, der Chef vermutlich energisches Fuß- und Kopfhautkribbeln verursacht und spätestens am dritten Tag verlor er die Nerven: "Ich rufe meinen Anwalt an! Ich kürze denen die Rechnung! Alles Betrüger!" Schwierig vor allem dann, wenn dies sowohl in Tonart als auch in Lautstärke gegenüber Anbieter und IT kommuniziert wird.
Hätten wir unsere IT nicht, wären wir tatsächlich 3 Tage arbeitsunfähig gewesen und das - das sehe selbst ich als Angestellte ein - geht nicht. Es war unsere externe IT, die etwas unkonventionell zwar, aber praktisch ein erfolgreiches Provisorium schuf "Für alle Mitarbeiter will ich das aber nicht machen müssen, da brauche ich drei Tage mindestens, die Rechnung dafür ginge ins Uferlose." Heute, am vierten Tag, sah das Personal den Dienstwagen des Kabelanbieters vorfahren und unmittelbar danach läutete es an der Bürotür.
Als unser Azubi mir am Telefon die Meldung über den nunmehr vorgefundenen Fehler erstattete, ließ ich mich kreischend vor Begeisterung auf meinen Stuhl fallen und rief begeistert: "Und vor zwei Tagen habe ich noch zum Chef gesagt: Am Ende liegt der Fehler bei uns im Keller!"

Frei kreiert nach Goethe ist es ja ganz oft der Fall: Je simpler die Lösung, desto weniger vermag man sie zu sehen :)


Übrigens: Wir hatten keinen Strom mehr im Keller. Da, wo die Box des Kabelanbieters hängt.
Nun ja. Es wäre halt zu naheliegend gedacht gewesen :)
Drei Tage war das Personal so krank - nun surft es wieder, Gott sei Dank!

Montag, 16. April 2018

Where Words fails


Momentan gehts mir wie einigen anderen Bloggern auch: Mehr und mehr versinke ich in Wortlosigkeit bzw. allgemeiner Unlust, Gedanken und Emotionen zu Papier zu bringen.
Wobei "momentan" es sicherlich auch nicht richtig beschreibt. Eigentlich geht es mir schon länger so, seit Monaten, um genau zu sein - und bisher dachte ich, das läge an meinem Umzug nach M vor gut vier Jahren (Ist es wirklich schon wieder so lange her? Erschreckend...), an dem Arbeiten überwiegend im Home Office, wo niemand wirklich mit Dir spricht, wo es überwiegend ruhig und still ist und Du allein bist mit Dir selbst - und damit einer mangelnden Inspiration.
Dann las ich bei Juliane den Post zu ihrem 8. - und fand mich in so einigem wieder.
Sicherlich sehe und höre ich immer noch, sicherlich mache ich mir auch immer noch so meine Gedanken darüber - aber oftmals inzwischen begleitet auch mit einem inneren Schulterzucken "So isses halt eben". Ist es jetzt wirklich genug, um einen witzigen, ironischen oder auch nachdenklichen Post darüber zu verfassen? Dabei stelle ich mir weniger die Frage, wer das liest und wen das denn überhaupt interessiert. Ich stelle mir eher die Frage: Will ICH sowas selber lesen?
Jeder Blogger stöbert doch dann und wann in seinen eigenen Posts, liest, erinnert sich wieder, schmunzelt oder trocknet die Träne im Knopfloch (und genau dieser Umstand hat mich bislang auch davon abgehalten, diesen Blog zu löschen und ins virtuelle Nirvana zu schicken) - aber will ich dies und jenes dann auch in 2 oder 5 Jahren noch mal lesen?

Für einige Menschen, die ich real kenne, habe ich diesen Blog auch geführt, um sie weiter an meinem Leben teilhaben lassen zu können, seitdem wir nur noch wenigen oder auch gar keinen Kontakt mehr haben (können). Auch hier stelle ich mir weniger die Frage, ob sie überhaupt noch lesen inzwischen und an mir noch teilhaben wollen; ich frage mich vielmehr, ob ICH sie teilhaben lassen wollte.

In meiner Timeline bei FB tauchen immer öfter Bilder auf, die mich zu Instagram einladen möchten, weil immer mehr meiner Kontakte sich dort eingefunden haben. Manchmal denke ich, dass diese Art des sich Mitteilens auch dazu führt, dass weniger gebloggt wird. Menschen sind immer öfter mit sich selbst beschäftigt und wollen dann, wenn sie mal Zeit haben, keine ellenlangen und/ oder gedankenschweren Posts lesen, sondern sich berieseln lassen. Ein Bild kann sehr viel aussagen - auch ohne Worte. Ein maximal zweizeiliges Statement ebenso. Damit ist dann alles gesagt, wozu also noch einen Post verfassen, der eindeutig mehr Zeit von Blogger und auch vom Leser abverlangt?

Und dann sitze ich hier, stöbere in den Fotos der vergangenen Tage, denke an den Spaziergang in der herrlich warmen Frühlingssonne und dem anschließenden Kaffee im Biergarten, ich denke an die Fahrt nach L letzte Woche und daran, wie sehr ich es immer wieder genieße, die Musik aufzudrehen und die Gedanken treiben zu lassen, zwanglos, gedankenlos irgendwie, mich zu erinnern oder auch Tagträumen nachzuhängen, der Besuch des Museums über drei Etagen, in dem ich am längsten vor der Skulptur des frisch verstorbenen Napoleons stehenblieb (irgendwie faszinieren mich vor allem Dinge, die echt sind; nachgebaute Skulpturen beispielsweise reizen mich wiederum gar nicht), während hingegen der Mann völlig fasziniert in der Klangwelt versank, alle möglichen Instrumente und Klänge aller möglichen Kulturen ausprobierte, während ich mich müde auf dem Hocker am Eingang niederließ und geduldig darauf wartete, dass er sich genügend die Seele aus dem Leib gefiedelt und geklimpert hatte. Der Besuch des Museums war meine Idee, er hingegen hätte viel lieber ein Bierkloster in der Nähe besucht. Kloster - Land - Abgeschiedenheit - das alles klang für mich nach genau der Ruhe, die ich im allgemeinen ohnehin beinah täglich genieße, zumindest, solange ich im Home Office sitze. Ich aber wollte raus. Ich wollte unter Menschen, ich wollte sie, diese tausend Stimmen, die Gerüche nach Kaffee und süßem Gebäck oder auch gebratener Wurst, ich wollte ihnen zusehen, diesen Menschen, ich wollte über den Markt schlendern, einen weiteren Lavendeltopf einkaufen, die Sonne genießen, das pulsierende Leben genießen und für einen Moment vergessen, was derzeit in den Nachrichten (und eben nicht nur dort) brennt. Ich wollte genießen, dass ich lebe, insbesondere auch nach Freitagnacht, in der ich mit ungefähr 200 Sachen auf der Autobahn entlangdüste und nach einer Linkskurve fast unmittelbar einen Feuerwehrzug vor mir zu stehen hatte, der mich zur Vollbremsung zwang und eigentlich auch zum Ausweichen auf die mittlere Spur - wäre dort nicht ein schwarzer Mini unterwegs gewesen - ohne Beleuchtung. Nachts. Schwarzer Mini. Ohne Licht. Das war knapp. Das war mehr als knapp, da hilft auch kein erschrocken wütendes Schreien "Mach dein Licht an, du deppertes Arschgesicht!" und ich erinnerte mich beschämt einmal mehr an mein Versprechen: "Ja, ich fahre vorsichtig. Ja, ich passe auf mich auf." Dann mach das auch - du dumme Nuss, sagte ich mir, nachdem ich mit zittrigen Beinen und Händen langsam weiterfuhr und irgendwann doch noch gesund und unbeschadet zu Hause ankam. Als ich die Taschen auspackte, das Auto verschloss und zum Lift trottete, ging mir einmal mehr durch den Sinn, wie oft wohl in nur einem einzigen Moment alles anders sein kann, das eigene und auch das andere Leben völlig verändert sein kann. Im Kleinen wie im Großen, im Privaten wie im Politischen und Gesellschaftlichen.

Where Words Fails Music Speaks, las ich einst.
Where Words Fails Pictures Speaks, dachte ich gestern beim Lesen von Julianes Posts.
Und im Moment denke ich... Das Bloggen selbst würde auch mir fehlen. Manchmal ist mit einem Song oder einem Bild doch nicht alles gesagt.

Dienstag, 10. April 2018

Zwischen Erinnerungen und Wunschwolkenbergen



Seit Wochen bin ich so müde, tags wie nachts - wenn ich wollte, könnte ich überall und jederzeit einschlafen. Doch lege ich mich nieder, schließe ich meine Augen, sind da sofort tausend Gedanken in meinem Kopf. Gedanken, die nicht zu greifen sind, Gedanken, die sich nicht erfassen lassen. Diffuse Empfindungen, die kaum unterscheiden können zwischen Erinnerung und Wunschwolkenbergen.
Menschen um mich herum streiten sich, trennen sich, lieben sich oder bekommen ein Kind. Um mich herum passiert das ganz normale Leben, und manchmal nehme ich dieses Leben auf, nehme es mit in meine Nachtgedanken, nehme es mit in den Schlaf, in meine zuweilen komischen Träume, in denen ich aus fahrenden Zügen springe, zögernd und mir selbst zuredend: "Spring JETZT, sonst ist es zu spät und dann schaffst du es nicht mehr."
Und ich erwache verwirrt und denke: Springe JETZT? Das hattest du doch schon mal, da war doch noch was.

Manchmal nachts lege ich mich näher zu Dir, suche Deine Hände, will meine Hand dahineinlegen, ganz nah bei Dir liegen und das Gefühl genießen, dass ich nur neben Dir so zur Ruhe finde.
Wie oft haben wir uns gesagt, geschrieben, dass es das jetzt war, dass wir uns nicht mehr lieben, und wie oft sind wir dann eigene Wege gegangen. Wie oft haben wir versucht, ein Leben ohne einander zu führen, die Tür anderen Menschen zu öffnen und gedacht, dass es miteinander einfach nicht geht - und das Vermissen zur Seite geschoben.
Manchmal fragst Du mich, warum ich überhaupt noch bei Dir bin, warum ich Dich überhaupt liebe.
Manchmal habe ich mich das auch gefragt.
"Hast du dich manchmal gefragt, ob du [den Mann] verlassen möchtest?" hat mich letzte Woche die Achtjährige gefragt und als ich nicht sofort zu antworten vermochte, hat der Mann mich angeschaut: "Die Pause war jetzt aber zu lang, Frollein."

Heute bist es Du, der neben mir liegt und schläft, der morgens still seinen Kaffee mit mir genießt, der mich mehr zum Lachen als zum Weinen und zugleich auch oft zum Nachdenken bringt. Der mit mir träumt und diese Träume auch umsetzen möchte. Der aufgegeben hat, alles an mir verstehen zu wollen, auch wenn er immer noch glaubt, mich in- und auswendig zu kennen. Der gerne etwas von meinem Wesen hätte, es aber auch gerne sehen würde, wäre ich in manchen Dingen mehr wie er. Von dem ich immer noch träume, wenn er nicht da ist, wenn er nicht bei mir ist. Auf den ich mich immer noch jeden einzelnen Tag freue, wenn ich ihm am Abend die Tür öffnen kann.
"Niemand freut sich so auf mich wie du", sagst Du manchmal.
Ich bin nicht bei Dir, weil ich es muss. Nicht aus finanziellen Gründen. Nicht aus familiären Gründen. Und Du bist es auch nicht. Wir sind immer noch frei. Und sind zusammen, hier und jetzt, weil wir uns jeden einzelnen Tag füreinander entscheiden. Ganz gleich, was hinter uns liegt. Weil wir uns verlassen, aber nicht aufgegeben haben. Für mich ist das Liebe. Ganz gleich, was wir früher gesagt haben.

Montag, 9. April 2018

Zuhause ist es am schönsten..


Ostersonntag bei der Mama und dem Papa
Angereist mit Mann und zwei Mädchen, 8 und 11 Jahre, was sich für mich - so sehr ich Kinder auch liebe - in dieser Woche als doch recht gewöhnungsbedürftig herausstellt. In jeder Minute des Tages gefordert zu sein, ist eben doch.. eine Herausforderung, die ich schon fast wieder vergessen hatte.
Angereist mit meinem kleinen Schwarzen (nein, nicht der auf dem Bild, der gehört mir nicht), wegen dem wir extra gebeten hatten: Bitte nur das Nötigste mitnehmen, wir haben diesmal nur das kleine Auto dabei, mussten wir feststellen: Die zwei Mädchen bringen mehr mit als wir beiden Erwachsenen. Von dem sie letztlich nicht mal ein Drittel benötigten. Netter Vorgeschmack für später, denke ich.
Die Mama stellt mir wortlos und mit verstehendem Blick das Käffchen hin, während der Mann draußen im Schnee Kind 1 und 2 bespaßt, die nach der stundenlangen Anfahrt erst mal Auslauf brauchen. Sie laden uns für Sonntag ein und ich nehme dankbar an. Eine Einladung bei der Mama bedeutet immer eins: Selbstgebackener Kuchen - Schlemmerpotential bis in die Ewigkeit. Ich werde nicht enttäuscht!
Und weil der Schneefall immer dichter wird, beschließen wir: Wir fahren nicht erst ins Feriendomizil und laden aus (von wegen Platz schaffen und so), sondern bewegen uns Richtung Seebad, kaufen dort was Essbares für die kommenden 2 Tage und bringen dann alles in einem Satz ins Domizil.
Nun ja. Ich sage nur... A 1. Zwei Erwachsene. Zwei Kinder. Sechs Reisetaschen (ja, ich dachte auch, ich krieg nen Föhn!), ein Fresskorb, zwei Rucksäcke voll mit Spielzeug (ich denke, ich war da mit meinen Jungs echt verwöhnt: Jeder sein Gameboy und sein mp3-Player - schon warnse glücklich) - und dann noch der Einkauf? Packmonster Mann beschaut die Lage und urteilt: "Wir schaffen das!"
Und verteilt Milchtüten, Ananas, Brot und was man eben so braucht an Kind 1 und 2: "Packt das bei euch irgendwo mit hin, wo noch Platz ist."
Angekommen in der Tiefgarage des Domizils argwöhnt Kind 1 beim aussteigenden Mann: "Mach jetzt bloß nicht den Sitz nach vorn!" Augenblicklich habe ich die Szene aus "Manta Manta" vor Augen, wo Klausi die Wagentür öffnet und mit ihm immer erstmal unzählige Bierdosen etc. mit aussteigen - und amüsiere mich köstlich.
Immerhin - wir sind gut angekommen und beschließen angesichts des nunmehr hereinbrechenden Schneesturms: "Wir gehen nicht mehr vors Haus, wir legen die Beine hoch und machen nix mehr. Nur noch was zu essen."

Ostermontag
Der Schneesturm hat sich gelegt, auf Eis & Schnee plätschert fröhlich der Aprilregen und ich fühle mich entsprechend müde und ein wenig durchgematscht. Dennoch nutzen wir die Gunst einer ruhigen Stunde und suchen zu viert das Ufer nach Hühnergöttern ab. Es ist arschkalt, irgendwas um drei Grad, und als mir die Freundin schreibt: "19 Grad Grüße aus M", da bin ich kurz vor dem Schnee-im-April-ist-sowas-von-Kacke-Koller und erwäge nur für den Bruchteil einer Sekunde, das Telefon im Meer zu versenken. Entsprechend missmutig motiviert finde ich natürlich auch keinen Hühnergott, dafür aber gleich drei Steine in Herzform.
"Willst du mir was damit sagen?" fragt der Mann.

Dienstag und Mittwoch
Diese Tage stehen nun ganz im Zeichen des Frühlings - Sonntag noch Schneesturm um den Nullpunkt, Mittwoch klettert das Thermometer bereits auf satte 17 Grad. Das bedeutet Strandwanderung, wo Kind 1 und 2 sich mit nackten Beinen in der Kneippkur üben, während ich entspannt im Sand liege und die Sonne genieße. Das bedeutet Kaffee & Kuchen im Straßencafe - und auch einen Besuch bei den Großeltern: Der Opa starb einst an meinem 7. Geburtstag, die Großmutter vor 13 Jahren nach einer missglückten Herz-OP.
"Was heißt missglückt?" fragt der Mann.
"Sie haben die Herzklappen falsch rum eingenäht. Als sie merkten, dass das Blut in die falsche Richtung pumpt, wars zu spät."
"Ernsthaft jetzt? Die muss man doch verklagen!"
"Das wollte meine Mama nicht. Das bringt mir meine Mama auch nicht zurück, hat sie damals gesagt."
Er schweigt und legt nach einer Weile den Arm um mich.
Der Besuch im Meeresmuseum begeistert nicht nur Kind 1 und 2. Es hat sich einiges verändert, seit ich Kind war - aber vieles ist auch geblieben. Ich erinnere mich, wie ich als Kind vor den Aquarien stand und die bunten Fische in ihrer Vielfalt fasziniert betrachtete. Heute stehe ich davor und denke: "Drei Haie in einem Becken, fünf Schildkröten in einem Becken - der Platz reicht doch nie."
Von der Skulptur des Schwarzen Anglerfischs bin ich hingegen begeistert. Ich dachte immer, den gibts nur im Film!
Hoffentlich gibt das keinen Alptraum, denke ich, als Kind 1 und Kind 2 diesen Fisch betrachten. Immerhin erzählt uns Kind 2 jeden Morgen am Frühstückstisch, dass sie einen Alptraum hatte.
Am beeindruckendsten für mich bleibt der überdimensionale Schaukasten mit dem am Meer gefundenen Unrat - und den beiden Möwen, die diesen fressen, weil sie glauben, dass das Nahrung sei - und die wahlweise daran ersticken oder verhungern, trotzdem ihr Magen prall gefüllt ist.
Ich habe ohnehin null Verständnis für Leute, die ihren Abfall gleich welcher Art auf Straßen und Wegen entsorgen - jedoch hier packt mich die echte Wut: Der Mensch ist und bleibt das größte Sauschwein von allen.

Donnerstag
Kind 2 hat Geburtstag - 8 Jahre - und draußen rauscht das Thermometer zurück auf 8 Grad.
"Du musst aber auch ein Kleid anziehen", verlangt es von mir, "den ganzen Tag lang! Heute ist nämlich mein Geburtstag, da darf ich bestimmen!" Und so springe ich aus der Jeans zurück in das einzige Kleid aus meiner Tasche.
"Hast du nur das Schwarze? Hast du kein helles Kleid?"
"Äh... Ne. Nicht hier im Urlaub. Aber guck mal, es hat doch immerhin weiße Streifen!"
Zwar friere mir damit draußen den Arsch ab - aber das Kind ist glücklich!
Und während die drei später stundenlang das Spaßbad unsicher machen, gehe ich ein wenig im Ort spazieren, alten Erinnerungen auf der Spur und immer dem zarten verlockenden Kaffeeduft nach.
"Die Helma kann nämlich nicht mit", ruft Kind 2 fröhlich in den Videochat mit ihrer Oma, "die hat nämlich ihre Tage!"
Stille am Tisch.



Freitag
Abreise. Endlich. Irgendwie bin ich froh, auch wenn wir insgesamt 11 Stunden brauchen, ehe ich meinen kleinen Schwarzen wieder zurück auf die heimische Parkebene stelle.
Zuhause ist es irgendwie doch am schönsten..

That is the "Oh..oh, I am in trouble" (the good kind) face . =)
Bildquelle: https://www.pinterest.de/source/fuckingtotheweeknd.tumblr.com/

Donnerstag, 29. März 2018

Spontanität vs. Planungsgenie

Der Mann ist ja immer so planungswütig. Ginge es nach ihm, weiß er nicht nur bereits im Januar, wo wir in diesem Jahr überall hinfahren und urlauben, sondern er hätte schon alles gebucht, angezahlt, die Urlaubstage bis ins Detail verplant, Checklisten angefertigt und spätestens im Februar alles abgehakt und sich den Rest der Wochen und Monate aufs Ereignis gefreut.
Das hat bestimmt auch sein Gutes! Ich selber aber denke ja immer, dass mich das eher unflexibel macht. Ich bin eher so, die - wie heute - über irgendwelche Angebote stolpert und begeistert denkt: "Au ja, das wäre auch mal was Feines, lass uns das doch mal machen!"

Andererseits bin ich aber auch diejenige, die nicht einfach nur einen Gutschein verschenkt, wo man mal drei schöne Tage verbringen könnte (sich was raussuchen und buchen muss der Beschenkte dann aber selber - ach das weiß doch nun JEDER inzwischen, dass solche Gutscheine im Nirvana verrotten), sondern die, die das alles dann aber auch gleich in Sack & Tüten packt. Ich sage nur - Musical in Hamburg zum runden Geburtstag des Mannes! Wie lange er sich das schon gewünscht hat, weiß ich nicht; aber der runde Geburtstag war doch der perfekte Anlass. Hotel gebucht, Flug gebucht, Musical-Karten gekauft (es hätte eben nur nix schiefgehen dürfen - die Karten waren nicht erstattungsfähig, aber arschteuer warn se). Für den ich mich sogar überwunden habe, nicht nur zum allerersten Mal in meinem Leben einen Flug online zu buchen (jahaaa - Ihr kennt Euch alle damit aus, das is ein Klacks - aber wer das so gar nicht kennt, so wie ich, der ist dann schon nervös: Passt alles? Stimmt alles? Komme ich damit wirklich dahin, wo ich hinwill? Sind das alle Kosten oder erschlägt mich da noch was von hintenrum), sondern auch IN ein Flugzeug zu STEIGEN. Ich bin ja ein bisschen bekloppt, aber rund 1600 Kilometer an nur einem Wochenende mit dem Auto zu vergurken - SO blöde bin ich dann doch nicht. (Und es war ein gutes Training für Indien, dachte ich damals. Wobei das irgendwie nicht so richtig hingehauen hatte: Der Flug nach Hamburg dauerte ja nur etwa ne Stunde; in dieser Stunde hatte er mich mega weichgequatscht - aber dieses Manöver hat ganz gut funktioniert. Für den stundenlangen Flug nach Indien aber wusste ich: DAS hält KEIN MANN durch - nicht mal ich, und besorgte mir entsprechende leck-mich-am-Arsch-Pillen in zweifacher Produktart. Doppelt hält schließlich besser und so wars ja dann auch. Zumindest auf dem Hinflug.)
Ich habe zwar immer noch tierische Angst vorm Fliegen (und da sagen die immer: Stelle dich deinen Ängsten, dann hast du keine mehr! Ja Scheißchen.), aber als ich eben heute über das Angebot für einen einwöchigen Urlaub in Santorin stolperte, der perfekt in die Osterwoche gepasst hätte, da wusste ich nicht, ob ich lachen oder ein bisschen schreiheulen sollte.
Denn der Mann in seiner Planungswut hatte bereits nach dem Weihnachtsfest beschlossen: Im April fahren wir noch mal zu dir nach Hause! Ich meine, ich freue mich ja immer - und der Optimist in mir hatte ja auch beschlossen, dass April keine gar so schlechte Wahl ist für dieses Ziel.

Aber nu ja.. Erst kam heute morgen das Foto von der Mama und dann schrieb sie noch drunter: "Ist von heute! Zieht Euch was Warmes an, wenn Ihr kommt!" - aus Freundeskreisen schallte mir auch so gar kein Mitleid entgegen und erst dann las ich von Santorin.. Sah herrlich kristallblaues Meer.. Sattgrüne Bäume.. Hübsche kleine Urlaubsdomizile.. Bunte Blumen an jeder Ecke..


Manchmal verfluche ich diesen Planungsgeist des Mannes doch ein kleines bisschen. Er lässt zu wenig Raum für Spontanität ;)


Mittwoch, 28. März 2018

Begegnungen für das Leben

Ich schreibe diese Zeilen, während Du in einem Raum liegst, um Dich herum ein Gewusel aus Operateuren, Schwestern - und mit Deinem Mann neben Dir, der Dir vielleicht ein wenig die Nervosität, die Angst nehmen kann. Was Dich erwartet, kennst Du schon. Du hast das alles schon mal durchlebt - und Du hast einen Job, der Dich alle Risiken wissen lässt, mehr als vielleicht jedem anderen, und dieses Wissen gepaart mit Deiner unfassbar sensiblen Seele lässt Dich mir schreiben, dass Du geweint hast heute Morgen vor Angst.
Liebe J., in Gedanken bin ich neben Dir, ich lege meine Hand auf Deine und erzähle Dir von irgendwelchen Dingen, auf die Du Dich gar nicht konzentrieren kannst, die an Dir vorbeiwabern.

Einmal mehr erinnere ich mich an den Moment, als ich Deine Anzeige fand - "Fahrten von Frauen für Frauen", meine letzte Chance an jenem Tag, eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Wie froh ich war, als Deine Zusage kam. Wie herrlich wohl ich mich vom ersten Moment an neben Dir fühlte, vor allem, als Du mich fragtest: "Stört es dich, wenn ich was esse?" und ich lachte verwundert: "Hä? Ne! Ist doch dein Auto!" und dann packtest Du eine Butterbrotdose aus, wie wir sie alle noch von früher kennen, als wir in den Kindergarten gingen.
Von Anfang an hatten wir irgendwie einen Draht zueinander, wir konnten erzählen und uns im Erzählten des anderen eins zu eins wiederfinden. Irgendwie war selbstverständlich, dass wir uns nicht nur zum Pendeln trafen, sondern recht schnell auch zum Shoppen oder ins Kino gehen.
Deinen 30. Geburtstag wolltest Du mit mir irgendwo feiern - und wir entschieden uns für einen Trip an die Küste. Wie herrlich das war! So ungezwungen alles, so herrlich unperfekt. Keine wochenlange detaillierte Planung im Voraus, keine Zettel "Was nehme ich alles mit". Deine Buchung, Du steigst am Tag X zu mir ins Auto und irgendwann auf halbem Weg fragst DU MICH, wie wir eigentlich überhaupt in die Unterkunft kommen?
Wir sind uns so derart ähnlich, unser beider Leben ist derart ähnlich, nur zeitversetzt, dass ich so oft denke, wenn ich Dir zusehe, dann sehe ich mir selber zu, wie das bei mir vor rund 20 Jahren war.
"Ist das deine Schwester?" wurde ich öfter gefragt, wenn ich Bilder von uns zeigte.
"Ich habe doch gar keine Schwester."
Ähnlichkeiten in unserem Leben sind manchmal derart frappierend, dass ich eine Gänsehaut bekomme.
So wie gestern Abend, als mir erst durch Deinen Hinweis bewusst wurde, dass am 28.03.2001 das Herz meines Kindes in meinem Bauch aufhörte zu schlagen - und dass Du am 28.03.2018 Dein zweites Kind bekommen wirst.

Wahrscheinlich ist der Kleine jetzt inzwischen da, hat zum ersten Mal mit einem Schrei diese Welt begrüßt und man hat Dir gesagt, dass alles gut und der Kleine rundum gesund ist. Das wünsche ich Dir und Deiner kleinen Familie von ganzem Herzen. Ich wünsche Dir und Euch ein buntes, fröhliches Leben, vor allem ein einfacheres, ein entspannteres Leben - und ganz vor allem ein gutes Miteinander.

Wenns nix mehr zu mosern gäbe

Irgendwie kann man kein soziales Medium betreten, ohne von Klagen, Jammern, Aufregen etc. überrollt zu werden.
Inzwischen überfliege ich viele Statements nur noch, lese Kommentare seltener, weil ich mich immer öfter frage: Was würde der Mensch eigentlich tun, wenn er nix mehr zu meckern hätte?
Wie ist das bei so einem Menschen? Steht er morgens auf und fragt sich: "Mal gucken, worüber ich mich heute aufregen kann?"
Was sagt der Drang zum Meckern über den anderen aus - und was mein Gleichmut über mich selbst?
War die Meckerei schon immer so ausgeprägt oder nehme ich sie jetzt nur bewusster wahr?
Hin und wieder denke ich in letzter Zeit amüsiert an den Spaziergang mit dem Mann, dem dies und jenes ins Auge stach und ich wunderte mich: "Mir ist mal aufgefallen, je älter du wirst, desto nörgliger wirst du. Alles stört dich oder nervt dich."
"Ja ich weiß", knurrte er.
"Komisch, bei mir ist das genau andersrum. Je älter ich werde, desto gelassener werde ich", zuckte ich die Schultern.
"Ja ich weiß", schnarrte er mich an, "und das nervt mich auch!"

Ich persönlich denke.. Der Mensch sollte viel dankbarer sein für das, was er hat. Ich persönlich finde es schade, wenn der Fokus auf das gerichtet ist, was er nicht hat, statt auf das, was er alles Gutes in seinem Leben hat.
Und ich persönlich - das muss ich gestehen - habe in diesem Jahr die Zeitumstellung so gar nicht bemerkt. Also biologisch. Ich bin ja aber auch kein Kleinkind und auch kein Hund. Die, die sich in den sozialen Netzwerken mal eben wieder heißkochen, aber auch nicht - und auch nicht im Besitz eines solchen ;)

Donnerstag, 22. März 2018

Ja ist denn heut schon wieder Montag?

...frage ich mich, während ich mich zugleich vergewissere, dass wir heute Donnerstag, den 22. März schreiben.
Irgendwie fühlt sichs an wie Montag - weil für den typisch wäre, dass es von allen denkbaren Seiten Saures gibt für mich. Egal ob in Blogkommentaren (werde künftig wohl verstärkt darüber nachdenken, bevor ich etwas schreibe - oder ob ich überhaupt was sage ;)), egal ob privat ("Wir haben zu dritt versucht, das Bett wieder zusammenzuflicken. Na ja eigentlich zu zweit, denn [Sohn II] ist krank und dem gehts auch sichtlich schlecht." - "Pah, zu dritt, das habe ich damals ganz alleine geschafft!" Ich habe gewagt, darauf hinzuweisen, dass man ja trotzdem nicht so tun muss, als seien wir alle Deppen und nur einer da, der alles kann. Gut - ich war vielleicht etwas.. undiplomatisch. Etwas unwirsch. Immerhin hatte ich vier Stunden Fahrt hinter mir, eine kleine Aufräum- und Wäschewasch- und Einkaufsaktion, Essen zubereiten und Muffins backen - und dann eben das Bett, das blöde, störrische alte Ding) oder ob dienstlich: "Es kann doch nicht sein, dass man dich telefonisch nie erreichen kann, auch wenn du meinetwegen frei hattest! Man muss ja auch mal Wichtiges klären können, sonst kann ich dich entlassen, dann brauche ich dich nicht mehr!" Hach ja. Wie habe ich doch solche Töne glatt vermisst. "Ja dann machen wir das doch so", habe ich lakonisch geantwortet (da täte immerhin der Mann sich freuen, wenn sich diese Entscheidung etwas torpedieren ließe).
"Guten Morgen, kleiner Stinker", begrüßt mich der Mann am Telefon, ich lache nur amüsiert.
"Guten Morgen, Helmalein", scharwenzelt der Chef um mich herum. Ich lass ihn scharwenzeln - so kommt er mir heute nicht davon. Gibt mit Sicherheit Chefs, die noch cholerischer sind und vor allem noch tiefer zielsicher unterhalb der Gürtellinie treffen. Dennoch habe ich keine Lust drauf, mir bei jeder Gelegenheit sagen zu lassen, dass man mich entlassen wolle. Erinnert mich fast an meine Ehe. Da hat mein Ex immer gedroht "Ich lass mich scheiden, mit so ner Frau wie dir halte ich das nicht aus!" Er ist bis zum letzten Tag nur nicht auf die Idee gekommen, dass nicht er, sondern ich gehe.

Nu ja. Heemgehn, Käffchen, aus.