Als ich noch in L wohnte, konnte ich meine Jahresuhr danach stellen: Jedes halbe Jahr suchte er mich heim, ein immer wiederkehrender Alptraum, der für zwei, drei Wochen blieb und dann so abrupt verschwand wie er kam. Zwar in Nuancen immer ein wenig anders, unterm Strich aber sinnhaftig immer dasselbe: der Angriff eines Mannes (ich bin nie drauf gekommen, wieso ich denjenigen nie sah, aber immer wusste, DASS es ein Mann ist), der mir an mein Leben will - oder wenigstens eben dieses so sehr als möglich zu beeinträchtigen.
Zu jener Zeit war ich mir eigentlich relativ sicher, woher diese Träume kamen - dieses unterschwellige sich-bedroht-fühlen. Weil ich mich nicht nur so fühlte, sondern dieser Bedrohung ganz real und auch schwarz auf weiß (na gut, via Handy-Nachrichten) ausgesetzt gewesen war.
Weil zu diesem Menschen seit einigen Jahren so gar kein direkter Kontakt mehr besteht, ich mich auch nicht für sein Leben interessiere, solange er das Leben der Jungs nicht beeinträchtigt, und mich auch nicht darum kümmere, ob er sich nach wie vor für mein Leben interessiert, ist es ruhig im Kopf geworden. Spätestens seit dem Umsiedeln nach M. Diese hunderte Kilometer trugen sicherlich nicht zuletzt auch dazu bei, endlich Ruhe zu bekommen.
Und ich hab sie genossen, diese Ruhe im Kopf - was zumindest die Alpträume betraf.
Bis letzte Nacht.
Der Mann und ich können uns ja auch nie wirklich einigen: Er lässt stets und ständig und überall die Türen offen (sehr bevorzugt auch im Schlafbereich), weil er sich sonst eingesperrt fühlt und es ihm den Atem abschnürt. Unseren Kompromiss, lieber dafür das Fenster offen zu lassen, muss ich für die Wintermonate noch überdenken. Bei minus 20 Grad will ich persönlich nicht bei offenem Fenster schlafen. Da diskutier ich auch gar nicht :)
Wir haben aber noch keine minus 20 Grad, das Fenster bleibt geöffnet - die Tür aber leider auch.
Da kann ich mich bis zum Erbrechen wiederholen - wir können uns kaum einigen. Eher nur dadurch, dass ich die Schultern zucke und ihn gewähren lasse.
Aber auch das muss ich jetzt überdenken.
Denn letzte Nacht.. da war er wieder da, dieser unbekannte Mann, der mir an das Leben will.
Und im Traum sah ich (erstmals) unseren gemeinsamen Schlafbereich, alles war unvorstellbar chaotisch in diesem Zimmer (was es normal nicht ist, ich vemute, das hing mit der am Abend zuvor geführten Diskussion über Revierungsbedürftigkeiten zusammen) und dann verließ mitten in der Diskussion der Mann den Raum. Während ich noch mit dem Rücken zur Tür stand, spürte ich auf einmal, dass jemand da war.
Diese scheiß offenen Türen! Ich hasse offene Türen!
Ich spürte den Mann, ich spürte augenblicklich die Bedrohung, die mich zu lähmen begann, jede meiner Bewegungen. (Ich träume IMMER, dass ich mich in Gefahrensituationen nicht retten, nicht von der Stelle fortbewegen kann.) Zum allerersten Mal in all meinen Alpträumen wandte ich mich dieses Mal um, um sehen zu können, WER da steht. Da war niemand - doch die Bedrohung war da und ich konnte sie unfassbar körperlich spüren. Ich fühlte, wie ich hochgerissen wurde, um gleich darauf zu Boden geworfen und vernichtet zu werden. Ich wollte nach dem Mann rufen, doch die Stimme versagte. Ich wollte zur Tür hinaus fliehen - und prallte an der Tür vor der Bedrohung ab, die immer noch nicht sichtbar, aber immer noch spürbar war. Wie jemand mit Tarnkappe, klingt jetzt lustig, fühlte sich in der Nacht jedoch weiß Gott ganz anders an.
Aber wie sehr oft in solchen Momenten konnte ich mir selbst zureden "Öffne deine Augen!!"
Das tat ich auch, nur um dann mit Herzrasen auf die halb geöffnete Schlafzimmertür zu starren, den Mann zu verfluchen und erst nach über einer Stunde des Herumwälzens, Ablenkens mit dem Handy und Weglenkens der Gedanken wieder in den Schlaf zu kommen.
Ich habe heute Morgen prompt eine Stunde verschlafen.
Glücklicherweise ist das in Zeiten, wo der Weg aus dem Bett zum Arbeitsplatz geschätzte Null Komma Fünfzehn Sekunden dauert, kein Akt mehr.
Und nach dem ersten guten-Morgen-Kaffee ließen sich die "Ereignisse" der Nacht dann auch endlich abschütteln.
Freitag, 19. Oktober 2018
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Manchmal frag ich mich doch...
...wie zum Beispiel es kommen kann, dass ein Blog laut der eigenen Blogstatistik zu mir verweist, der nicht nur inhaltlich so gar nicht zu mir passt, dessen Betreiber meine Tag- und Nachtgedanken entsprechend nicht das Böhnchen interessiert haben dürften, demzufolge es auch absolut keinen Verweis von seinem Blog zu meinem gibt - und der (und das finde ich nun wirklich kurios) auch noch vor bereits zehn Monaten verstorben ist?
Also ich weiß ja, dass Verlinkungen auch "gesetzt" werden, damit man auf sie aufmerksam wird (und man nicht all zu selten auf irgendwelchen kack Trash-Seiten landet, weswegen ich grundsätzlich solchen Verlinkungen nicht mehr nachgehe, es sei denn, es handelt sich um einen "herkömmlichen" Blog). Aber wer soll diese Verlinkungen denn setzen, wenn nicht der Betreiber selbst? Und wenn dieser aber längst verstorben ist? Und warum sollte dies ein anderer tun, wenn eben der Blog seit dem Tod des Betreibers verwaist? Soll ich ein totes Pferd reiten? Wieso? Mysteriös!
...ich frage mich auch, warum ich eigentlich regelmäßig von einem AfD-Kollegen (gut, ich weiß nicht, ob er die wählt/e, aber dieser Schluss liegt nah, eben wegen der Verlinkungen und Gedankenweise und überhaupt ;)) über Whatsapp mit allen möglichen "Das-regt-mich-auf-das-muss-man-doch-mal-sagen-dürfen!"-Posts und -Videos und -Artikeln versorgt werde. Ich habe ihn noch nicht gefragt, ich gehe aber davon aus, dass er beim Weiterleiten gar nicht auswählt, sondern einfach auf "An alle senden" drückt. Manchmal denke ich ja dann "Ach komm, Zigge, tus dir nicht an, lösch es einfach, du bist ja nicht zum Lesen verpflichtet". Dann aber wieder denke ich an eine vor wenigen Wochen stattgefundene Debatte über diese Partei, die es selbst im erzkonservativen Bayern vor gut einer Woche aus dem Stand in den bayrischen Landtag geschafft hat. Hat mich dies überrascht? Ich glaube nicht, es hat mich dennoch entsetzt. Zwar weiß ich persönlich nicht, was mir mehr Angst machen soll - links oder rechts? (Wenn ich da an die auf dem Konzert "Wir sind mehr" in Chemnitz abgegebenen Texte denke, in denen linksgerichtete Gruppen ihrem Frust auf beispielsweise Staat, Sicherheitsapparat und Konsum freien Lauf lassen und indirekt oder auch direkt eine Gewalt, einen Angriff auf jene verherrlichen und auch noch vertreten, dann können sie sich derartige Konzerte sparen, weil Gewalt niemals das Mittel sein darf - und sie ja eigentlich gerade wegen einem Aufruf "Gegen die Gewalt gegen Fremde" gekommen sind. Das nennt sich dann wohl Doppel"moral"?)
Aber zurück zum Kollegen. Meistens lese ich diese Beiträge doch - und mache mir meine Gedanken, die ich ihm meist auch mitteile. Wenn ich mich zum Lesen entscheide, dann zum Lesen des ganzen Textes, nicht nur der Überschriften und auch nicht nur der ersten drei Zeilen. Und es gab schon so einiges, das ich ihm auseinandernahm und ihn zum Nachdenken aufforderte. Ob ers gemacht hat - keine Ahnung. Inzwischen schreibt er mir nicht mehr, jedenfalls nichts diesbezügliches.
Ob er mich für einen hoffnungslosen Fall, einen hoffnungslosen Gutmenschen hält? Ich könnts ihn fragen, tus aber nicht. Weil ich weiß, dass ich es nicht bin. Ich finde es zum Beispiel gut und ich finde es richtig, wenn wir Menschen in unserer Gesellschaft Platz machen, die von anderswo herkommen, wo sie für sich und ihre Familie keine Perspektive sehen. Und sei es selbst aus rein wirtschaftlichen Gründen. Wer soll ihnen das denn verdenken?? Wären wir selbst nicht auch die ersten, die gehen würden, wenn wir um Existenz für uns und unsere Kinder fürchten müssten? Wir nehmen uns doch auch raus, beispielsweise spanische Inseln oder italienische Seen hoffnungslos zu bevölkern, weil uns das Leben in Deutschland ankotzt, weil uns das Wetter anpiept und überhaupt. Wir reisen bis nach Indien und motzen, wenn wir dort kein Schnitzel Wiener Art serviert bekommen.
Sicher - egal, wohin wir gehen, wir müssen dort für uns selbst sorgen, da gibt es nix geschenkt, erst recht keine Sozialabgaben.
Und hier denke ich: Es ist nicht gut und es ist auch nicht richtig, wenn wir Millionen von Menschen aufnehmen, deren Namen, deren wahre Herkunft und Identität teils nicht einmal mit modernsten Mitteln geklärt werden können. Nein - ich schere nicht alle über einen Kamm, für die meisten Menschen, die zu uns kommen, trifft das nicht zu. Es trifft aber zu. Es trifft auch zu, dass die Klärung von so vielen Fragen mitunter irrsinnig viel Zeit verbraucht. Dann leben hier monate- oder jahrelang Menschen, die nicht arbeiten dürfen, weil sie noch keine Erlaubnis dazu haben, die sich betrogen fühlen um das, was ihnen Gott weiß wer versprach - und die dann nicht selten wieder abgeschoben werden. Oder es leben hier Menschen, die innerhalb kürzester Zeit Deutsch lernen (was ganz offenkundig Deutsche nach zehn Jahren Schulbildung immer noch nicht beherrschen, wenn man sich so in sozialen Netzwerken umsieht), die eine Ausbildung beginnen oder Jobs annehmen können - und dann trotzdem nach Hause geschickt werden, weil ihr Fluchtgrund nicht anerkannt ist.
Das kann kein Mensch nachvollziehen. Keiner, der hier lebt - und keiner, der zu uns kommt.
Es kommt aber auch nicht jeder mit positiven Vorstellungen. Das kann niemand wirklich ernsthaft glauben.
In Summe war hier die Politik gefragt, und die hat kaum in den Jahren zuvor noch selbst nach 1 Jahr Regierungszeit unter aktuell neuer Flagge Entsprechendes geleistet und auch sonst nichts anderes zu tun, als sich stets und ständig untereinander das Haar zu raufen und Posten hin und her zu schieben. Insofern denke ich schon auch, dass das Wahlergebnis und insbesondere das Ergebnis der AfD in Bayern und im Rest von Deutschland nicht zuletzt in Berlin zu begründen ist.
Mich hat aber auch ein wenig schockiert, dass von eben AfD-Anhängern zumindest die, mit denen ich darüber stritt, nicht einmal das Programm in der ausführlichen Form dieser fragwürdigen Partei kannten. Denen lediglich die Kurzversion mit prägnanten Schlagworten ausreichte, um zu sagen "Jau, so isses, das wählnma! S muss was passiern!"
Ja, das muss es - aber doch nicht so! Und vor allem nicht mit denen!
...dass es muss, aber doch nicht so, dachte ich jüngst auch in einem völlig anderen Zusammenhang. Jeder, der mich kennt, denke ich, weiß, wie sehr ich Kinder liebe. Dass mich zugleich aber auch die rettungslos verwöhnten und verzogenen Prinzen und Prinzessinnen rasend machen können - obschon man eher wütend auf die Eltern sein sollte. Vielleicht.
Es ist ja auch nicht so, dass ich immer alles richtig machte oder mache, erst recht auch nicht im Hinblick auf die Erziehung meiner eigenen Kinder.
Was ist denn für mich Erziehung? Es ist aus meiner Sicht das Vorleben der eigenen Wertvorstellungen und Umgangsweisen, das Mitgeben dieser meiner Wertvorstellungen - und aber auch einem Grenzen setzen (können). Als meine Kinder noch klein waren, war ich, denke ich, eher autoritär, auch wenn ich sie vom ersten Tag an liebte. Die Tage waren geregelt, die Abläufe geregelt. Fragen wurden beantwortet, Forderungen erklärt - aber nicht bis zum Erbrechen. Ich habe nie erstmal einen familiären Arbeitskreis gebildet, um zu erörtern, warum jetzt diese und keine andere Entscheidung und ob das Kind sich jetzt nicht doch durchsetzen darf oder nicht. Ich habe auch nie eine halbe Stunde oder gar länger mit meinem Kind darüber diskutiert, dass ich jetzt eine Stunde in der Küche stand, um ein Essen zuzubereiten, das ihm nicht schmeckt oder auf das er an eben jenem Tag keinen Appetit hatte. Dann ist es eben so. Dann gabs alternativ einen Apfel oder einen Joghurt oder das ultimative Marmeladenbrot - Ende. Wir Erwachsenen nehmen uns ja auch das Recht, nach unseren aktuellen Befindlichkeiten zu entscheiden. "Mag ich grad nicht", "ist mir grad zuviel" oder sowas. Doch je länger ich das diskutiere, je öfter ich das zulasse, desto wichtiger werden selbst die Kleinigkeiten, an denen ich mich irgendwann aufreibe, weil ich ihrer nicht mehr Herr werde.
Zumindest ist das meine Erfahrung mit meinen Kindern - und wenn ich in andere Familien hineinsehe.
Und ich denke manchmal, je mehr wir die kleinen Persönlichkeiten dazu bringen, über alles und jedes diskutieren zu dürfen, über alles und jedes entscheiden zu dürfen, desto mehr verunsichern wir sie auch. Sie sind das Kind und nicht der Erwachsene, sie können nicht über alles entscheiden, dazu brauchen sie uns. Sie wollen sich an uns orientieren und sie schauen sich an, wie wir es vormachen. In positiver wie negativer Hinsicht.
Vor wenigen Tagen las ich auf FB einen Beitrag und darauffolgenden Kommentarsturm zu einem Film "Elternschule". Dazu muss ich sagen, ich hab mir das zwar alles mehr oder weniger durchgelesen (alle Kommentare kannste ja gar nicht lesen, wenn Gemüter hochkochen) - aber ich kenne diesen Film nicht und fand auch auf youtube von insgesamt 6 oder 7 angeschauten Videos nur zwei, die wohl den umstrittenen Film meinten.
Daran erinnerte ich mich, als ich heute Morgen eine Petition zugeschickt bekam, mit der dieser Film gestoppt werden soll. Und ich antwortete dem Absender, dass ich das nicht beurteilen kann, weil ich den Film nicht kenne und die Trailer zumindest nichts Anstößiges vermittelten.
Denn ums noch mal zu sagen: Kinder liebe ich über alles, sie sind neben den Kranken & Schwachen und Alten die Schutzbedürftigen unter uns - und die am meisten Wehrlosen. Wenn es darum geht, sie zu schützen, stehe ich vorn mit in erster Reihe. Aber wenn ich die Hintergründe (noch) gar nicht kenne?
"Ich habe sehr viele Kommentare gelesen und auch den Trailer gesehen. Und da kommts mir schon hoch. Dieser Wichtigmacher, der Kinderseelen bricht."
Wenn dem so ist, dann gehört er gestoppt, gar keine Frage. Nur - ist dem denn auch so? Auf mich hat der Mann im Trailer so nicht gewirkt. Ich fühle vorsichtig nach und bekomme das Gefühl, dass die Urheberin der heutigen Mitteilung den Film selbst auch nicht kennt, nur den Trailer, aber womöglich auch nicht weiter hinterfragt, ihr genügt, was in den sozialen Netzwerken steht.
Ich denke, es ist wichtig, auch zwischen den Zeilen zu lesen, Geschriebenes nicht von vornherein als Wahrheit anzunehmen, sondern auch mal zu hinterfragen. Und wenn ich einen Beitrag lese, der mich ob einer eindeutigen, unzweifelhaften Wortwahl in eine bestimmte Richtung lenkt und wenn ich dann noch den Zusatz lese "das erst mal als unvoreingenommenen Sachverhalt", bevor die eigene Meinung offen kundgetan wird - dann werde ich argwöhnisch. Und dann hinterfrage ich umso mehr.
"Aber das merkt man doch schon, wenn man das Mädchen sitzen sieht, die dann sagt: Ja, das denke ich auch, das sagt sie doch nur, weil es die Erwachsenen hören wollen."
Ja das ist richtig - aber ist das nicht auch.. normal? Wie oft haben wir selbst vor den Eltern, der Lehrerin, der Direktorin strammstehen müssen, weil wir Scheiße gebaut haben und uns dafür verantworten sollten? Oder im Politunterricht? Wir haben doch alle nur gesagt, was der andere hören wollte, damit wir unsere Ruhe und auch keine schlechten Noten hatten.
Der Mann und ich sprachen vor zwei Tagen über dieses Thema, unter anderem. Und ich sagte: "Ich finde es gut, dass es nicht mehr so ist wie früher, wo selbst der Lehrer die Kinder verhauen durfte. Aber eine reine bedürfnisorientierte Erziehung, die heute so modern geworden ist... Ich weiß nicht.. Die finde ich auch nicht richtig."
Ich persönlich finde am allerwichtigsten, dass man Liebe und Zuwendung vermittelt - und dennoch Grenzen setzt.
Nun.. Ich gebe zu.. nicht ganz leichte Kost an diesem Nachmittagspost. Vielleicht gehört auch nicht alles in nur einen Post. Aber irgendwie rumorten all diese Gedanken seit einiger Zeit in meinem Kopf - und jetzt wollten sie eben alle raus :)
Also ich weiß ja, dass Verlinkungen auch "gesetzt" werden, damit man auf sie aufmerksam wird (und man nicht all zu selten auf irgendwelchen kack Trash-Seiten landet, weswegen ich grundsätzlich solchen Verlinkungen nicht mehr nachgehe, es sei denn, es handelt sich um einen "herkömmlichen" Blog). Aber wer soll diese Verlinkungen denn setzen, wenn nicht der Betreiber selbst? Und wenn dieser aber längst verstorben ist? Und warum sollte dies ein anderer tun, wenn eben der Blog seit dem Tod des Betreibers verwaist? Soll ich ein totes Pferd reiten? Wieso? Mysteriös!
...ich frage mich auch, warum ich eigentlich regelmäßig von einem AfD-Kollegen (gut, ich weiß nicht, ob er die wählt/e, aber dieser Schluss liegt nah, eben wegen der Verlinkungen und Gedankenweise und überhaupt ;)) über Whatsapp mit allen möglichen "Das-regt-mich-auf-das-muss-man-doch-mal-sagen-dürfen!"-Posts und -Videos und -Artikeln versorgt werde. Ich habe ihn noch nicht gefragt, ich gehe aber davon aus, dass er beim Weiterleiten gar nicht auswählt, sondern einfach auf "An alle senden" drückt. Manchmal denke ich ja dann "Ach komm, Zigge, tus dir nicht an, lösch es einfach, du bist ja nicht zum Lesen verpflichtet". Dann aber wieder denke ich an eine vor wenigen Wochen stattgefundene Debatte über diese Partei, die es selbst im erzkonservativen Bayern vor gut einer Woche aus dem Stand in den bayrischen Landtag geschafft hat. Hat mich dies überrascht? Ich glaube nicht, es hat mich dennoch entsetzt. Zwar weiß ich persönlich nicht, was mir mehr Angst machen soll - links oder rechts? (Wenn ich da an die auf dem Konzert "Wir sind mehr" in Chemnitz abgegebenen Texte denke, in denen linksgerichtete Gruppen ihrem Frust auf beispielsweise Staat, Sicherheitsapparat und Konsum freien Lauf lassen und indirekt oder auch direkt eine Gewalt, einen Angriff auf jene verherrlichen und auch noch vertreten, dann können sie sich derartige Konzerte sparen, weil Gewalt niemals das Mittel sein darf - und sie ja eigentlich gerade wegen einem Aufruf "Gegen die Gewalt gegen Fremde" gekommen sind. Das nennt sich dann wohl Doppel"moral"?)
Aber zurück zum Kollegen. Meistens lese ich diese Beiträge doch - und mache mir meine Gedanken, die ich ihm meist auch mitteile. Wenn ich mich zum Lesen entscheide, dann zum Lesen des ganzen Textes, nicht nur der Überschriften und auch nicht nur der ersten drei Zeilen. Und es gab schon so einiges, das ich ihm auseinandernahm und ihn zum Nachdenken aufforderte. Ob ers gemacht hat - keine Ahnung. Inzwischen schreibt er mir nicht mehr, jedenfalls nichts diesbezügliches.
Ob er mich für einen hoffnungslosen Fall, einen hoffnungslosen Gutmenschen hält? Ich könnts ihn fragen, tus aber nicht. Weil ich weiß, dass ich es nicht bin. Ich finde es zum Beispiel gut und ich finde es richtig, wenn wir Menschen in unserer Gesellschaft Platz machen, die von anderswo herkommen, wo sie für sich und ihre Familie keine Perspektive sehen. Und sei es selbst aus rein wirtschaftlichen Gründen. Wer soll ihnen das denn verdenken?? Wären wir selbst nicht auch die ersten, die gehen würden, wenn wir um Existenz für uns und unsere Kinder fürchten müssten? Wir nehmen uns doch auch raus, beispielsweise spanische Inseln oder italienische Seen hoffnungslos zu bevölkern, weil uns das Leben in Deutschland ankotzt, weil uns das Wetter anpiept und überhaupt. Wir reisen bis nach Indien und motzen, wenn wir dort kein Schnitzel Wiener Art serviert bekommen.
Sicher - egal, wohin wir gehen, wir müssen dort für uns selbst sorgen, da gibt es nix geschenkt, erst recht keine Sozialabgaben.
Und hier denke ich: Es ist nicht gut und es ist auch nicht richtig, wenn wir Millionen von Menschen aufnehmen, deren Namen, deren wahre Herkunft und Identität teils nicht einmal mit modernsten Mitteln geklärt werden können. Nein - ich schere nicht alle über einen Kamm, für die meisten Menschen, die zu uns kommen, trifft das nicht zu. Es trifft aber zu. Es trifft auch zu, dass die Klärung von so vielen Fragen mitunter irrsinnig viel Zeit verbraucht. Dann leben hier monate- oder jahrelang Menschen, die nicht arbeiten dürfen, weil sie noch keine Erlaubnis dazu haben, die sich betrogen fühlen um das, was ihnen Gott weiß wer versprach - und die dann nicht selten wieder abgeschoben werden. Oder es leben hier Menschen, die innerhalb kürzester Zeit Deutsch lernen (was ganz offenkundig Deutsche nach zehn Jahren Schulbildung immer noch nicht beherrschen, wenn man sich so in sozialen Netzwerken umsieht), die eine Ausbildung beginnen oder Jobs annehmen können - und dann trotzdem nach Hause geschickt werden, weil ihr Fluchtgrund nicht anerkannt ist.
Das kann kein Mensch nachvollziehen. Keiner, der hier lebt - und keiner, der zu uns kommt.
Es kommt aber auch nicht jeder mit positiven Vorstellungen. Das kann niemand wirklich ernsthaft glauben.
In Summe war hier die Politik gefragt, und die hat kaum in den Jahren zuvor noch selbst nach 1 Jahr Regierungszeit unter aktuell neuer Flagge Entsprechendes geleistet und auch sonst nichts anderes zu tun, als sich stets und ständig untereinander das Haar zu raufen und Posten hin und her zu schieben. Insofern denke ich schon auch, dass das Wahlergebnis und insbesondere das Ergebnis der AfD in Bayern und im Rest von Deutschland nicht zuletzt in Berlin zu begründen ist.
Mich hat aber auch ein wenig schockiert, dass von eben AfD-Anhängern zumindest die, mit denen ich darüber stritt, nicht einmal das Programm in der ausführlichen Form dieser fragwürdigen Partei kannten. Denen lediglich die Kurzversion mit prägnanten Schlagworten ausreichte, um zu sagen "Jau, so isses, das wählnma! S muss was passiern!"
Ja, das muss es - aber doch nicht so! Und vor allem nicht mit denen!
...dass es muss, aber doch nicht so, dachte ich jüngst auch in einem völlig anderen Zusammenhang. Jeder, der mich kennt, denke ich, weiß, wie sehr ich Kinder liebe. Dass mich zugleich aber auch die rettungslos verwöhnten und verzogenen Prinzen und Prinzessinnen rasend machen können - obschon man eher wütend auf die Eltern sein sollte. Vielleicht.
Es ist ja auch nicht so, dass ich immer alles richtig machte oder mache, erst recht auch nicht im Hinblick auf die Erziehung meiner eigenen Kinder.
Was ist denn für mich Erziehung? Es ist aus meiner Sicht das Vorleben der eigenen Wertvorstellungen und Umgangsweisen, das Mitgeben dieser meiner Wertvorstellungen - und aber auch einem Grenzen setzen (können). Als meine Kinder noch klein waren, war ich, denke ich, eher autoritär, auch wenn ich sie vom ersten Tag an liebte. Die Tage waren geregelt, die Abläufe geregelt. Fragen wurden beantwortet, Forderungen erklärt - aber nicht bis zum Erbrechen. Ich habe nie erstmal einen familiären Arbeitskreis gebildet, um zu erörtern, warum jetzt diese und keine andere Entscheidung und ob das Kind sich jetzt nicht doch durchsetzen darf oder nicht. Ich habe auch nie eine halbe Stunde oder gar länger mit meinem Kind darüber diskutiert, dass ich jetzt eine Stunde in der Küche stand, um ein Essen zuzubereiten, das ihm nicht schmeckt oder auf das er an eben jenem Tag keinen Appetit hatte. Dann ist es eben so. Dann gabs alternativ einen Apfel oder einen Joghurt oder das ultimative Marmeladenbrot - Ende. Wir Erwachsenen nehmen uns ja auch das Recht, nach unseren aktuellen Befindlichkeiten zu entscheiden. "Mag ich grad nicht", "ist mir grad zuviel" oder sowas. Doch je länger ich das diskutiere, je öfter ich das zulasse, desto wichtiger werden selbst die Kleinigkeiten, an denen ich mich irgendwann aufreibe, weil ich ihrer nicht mehr Herr werde.
Zumindest ist das meine Erfahrung mit meinen Kindern - und wenn ich in andere Familien hineinsehe.
Und ich denke manchmal, je mehr wir die kleinen Persönlichkeiten dazu bringen, über alles und jedes diskutieren zu dürfen, über alles und jedes entscheiden zu dürfen, desto mehr verunsichern wir sie auch. Sie sind das Kind und nicht der Erwachsene, sie können nicht über alles entscheiden, dazu brauchen sie uns. Sie wollen sich an uns orientieren und sie schauen sich an, wie wir es vormachen. In positiver wie negativer Hinsicht.
Vor wenigen Tagen las ich auf FB einen Beitrag und darauffolgenden Kommentarsturm zu einem Film "Elternschule". Dazu muss ich sagen, ich hab mir das zwar alles mehr oder weniger durchgelesen (alle Kommentare kannste ja gar nicht lesen, wenn Gemüter hochkochen) - aber ich kenne diesen Film nicht und fand auch auf youtube von insgesamt 6 oder 7 angeschauten Videos nur zwei, die wohl den umstrittenen Film meinten.
Daran erinnerte ich mich, als ich heute Morgen eine Petition zugeschickt bekam, mit der dieser Film gestoppt werden soll. Und ich antwortete dem Absender, dass ich das nicht beurteilen kann, weil ich den Film nicht kenne und die Trailer zumindest nichts Anstößiges vermittelten.
Denn ums noch mal zu sagen: Kinder liebe ich über alles, sie sind neben den Kranken & Schwachen und Alten die Schutzbedürftigen unter uns - und die am meisten Wehrlosen. Wenn es darum geht, sie zu schützen, stehe ich vorn mit in erster Reihe. Aber wenn ich die Hintergründe (noch) gar nicht kenne?
"Ich habe sehr viele Kommentare gelesen und auch den Trailer gesehen. Und da kommts mir schon hoch. Dieser Wichtigmacher, der Kinderseelen bricht."
Wenn dem so ist, dann gehört er gestoppt, gar keine Frage. Nur - ist dem denn auch so? Auf mich hat der Mann im Trailer so nicht gewirkt. Ich fühle vorsichtig nach und bekomme das Gefühl, dass die Urheberin der heutigen Mitteilung den Film selbst auch nicht kennt, nur den Trailer, aber womöglich auch nicht weiter hinterfragt, ihr genügt, was in den sozialen Netzwerken steht.
Ich denke, es ist wichtig, auch zwischen den Zeilen zu lesen, Geschriebenes nicht von vornherein als Wahrheit anzunehmen, sondern auch mal zu hinterfragen. Und wenn ich einen Beitrag lese, der mich ob einer eindeutigen, unzweifelhaften Wortwahl in eine bestimmte Richtung lenkt und wenn ich dann noch den Zusatz lese "das erst mal als unvoreingenommenen Sachverhalt", bevor die eigene Meinung offen kundgetan wird - dann werde ich argwöhnisch. Und dann hinterfrage ich umso mehr.
"Aber das merkt man doch schon, wenn man das Mädchen sitzen sieht, die dann sagt: Ja, das denke ich auch, das sagt sie doch nur, weil es die Erwachsenen hören wollen."
Ja das ist richtig - aber ist das nicht auch.. normal? Wie oft haben wir selbst vor den Eltern, der Lehrerin, der Direktorin strammstehen müssen, weil wir Scheiße gebaut haben und uns dafür verantworten sollten? Oder im Politunterricht? Wir haben doch alle nur gesagt, was der andere hören wollte, damit wir unsere Ruhe und auch keine schlechten Noten hatten.
Der Mann und ich sprachen vor zwei Tagen über dieses Thema, unter anderem. Und ich sagte: "Ich finde es gut, dass es nicht mehr so ist wie früher, wo selbst der Lehrer die Kinder verhauen durfte. Aber eine reine bedürfnisorientierte Erziehung, die heute so modern geworden ist... Ich weiß nicht.. Die finde ich auch nicht richtig."
Ich persönlich finde am allerwichtigsten, dass man Liebe und Zuwendung vermittelt - und dennoch Grenzen setzt.
Nun.. Ich gebe zu.. nicht ganz leichte Kost an diesem Nachmittagspost. Vielleicht gehört auch nicht alles in nur einen Post. Aber irgendwie rumorten all diese Gedanken seit einiger Zeit in meinem Kopf - und jetzt wollten sie eben alle raus :)
Montag, 15. Oktober 2018
15
Als ich am letzten Freitagmorgen die Taschen in mein kleines Auto lud und mich auf den Rückweg nach M machte, da schrieb ich dem Mann "..heute vor fünfzehn Jahren war übrigens genau der Tag, an dem ich mich zum allerersten Mal auf den Weg zu dir gemacht habe."
Damals wussten wir, was hinter uns lag, wir wussten nur nicht, was vor uns lag - aber das hat mich auch nicht wirklich gekümmert. Was für mich zählte, war der Moment (genau genommen ist das bis heute immer noch so) - und jenes Wochenende zählt für uns beide zu den wunderbarsten, die wir je miteinander teilten. Wohl nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass es unsere allererste Begegnung war und dieses zugleich erste Wochenende zu den noch unbeschwertesten Wochenenden zählte..
Ich schau dann und wann gern zurück - weil mir dann umso bewusster wird, wo ich heute stehe.
Aufrecht. Ungebrochen.
Es sind diese Abende, die ich so liebe.. An denen ich mich in die Musik einhülle, an denen ich mich von der Musik einfangen lasse, so dass jeder Zentimeter in mir im Takt der Musik vibriert, ich liebe es so sehr, mich leichtfüßig durch die Räume zu bewegen, mich im Klang der Musik zu baden und darin zu bewegen.. Ich liebe es, mich in meinem Inneren so unfassbar frei und losgelöst zu fühlen, und ich liebe es umso inniger, wenn ich daran denke, wie so ganz anders mein Leben vor über fünfzehn Jahren gewesen ist. Und heute kann ich daran denken, so wie es mir beigebracht worden ist: Ich schau es mir an wie alte Fotografien, zu denen ich keine Verbindung, keinen Bezug mehr habe. Und dann lege ich sie zurück in diese alte, abgegriffene Kiste, die ich zuklappe und wegstelle, in die unterste Reihe meines Bewusstseins. Ich kann mein Denken und Fühlen auf das Jetzt und Hier zurücklenken und das tun, wonach mir ist, ohne mich schlecht fühlen zu müssen. Ohne Angst haben zu müssen. Ohne mich fragen zu müssen, wie lange der Frieden besteht, nur für den Moment oder ist es schon am Abend wieder vorbei. Heute öffne ich morgens die Augen und frage mich, was dieser neue Tag für schöne Dinge bereithält - nicht nur für mich, auch für die Menschen draußen vor der Tür und insbesondere für die Menschen, die mir wichtig sind. Der Tag beinhaltet für mich keine Last mehr, keine Pflicht, die ich mit Widerwillen erfülle. Weil ich einfach wieder Spaß an dem habe, was ich tue. Okay, die Steuererklärung gehört jetzt vielleicht nicht zu meinen bevorzugten Aktionen - aber auch das geht mir heute so viel leichter von der Hand, weil ich keine Erwartungen mehr zu erfüllen habe. Weil egal geworden ist, wie das Ergebnis ausfällt - und ich mir dennoch nicht sagen lassen muss, dass ich einfach zu gar nichts tauge.
Ich liebe es, überhaupt niemandem beweisen zu müssen, ob ich liebenswert bin oder nicht. Darüber denke ich einfach gar nicht nach - und muss es auch nicht, weil ich nicht mehr bei jeder Gelegenheit vorgeführt bekomme, dass man jemanden wie mich so gar nicht lieben kann.
Heute kann ich einfach der Mensch sein, der ich im Grunde genommen immer gewesen bin - und je mehr die Zeit vergeht, desto mehr.. werde ich irgendwie der Mensch, der ich immer werden sollte.
Ein wenig wie meine Mama, ein wenig wie mein Papa, auch ein wenig wie meine Großmutter - und ganz vor allem.. ICH. Ich, die es heute wieder so liebt zu schreiben, das Spiel mit dem Wort. Bilder in den Kopf zu zaubern, die ich sehen möchte, die ich fühlen möchte, mir mein ganz ureigenstes Königreich zu errichten..
Manchmal erinnere ich mich, wie ich voller Sehnsucht in den einsamen Zeiten durch die Welt, durch die Straßen strich, die Arme ausgebreitet, die offenen Haare im Wind, die Musik in den Ohren - und dann sah ich sie, die Frauen mit ihren herabhängenden Mundwinkeln, die Männer mit ihrem verkniffenden, mürrischen Gesichtsausdruck und den frustriert in den Taschen vergrabenen Händen. Ich sah sie, ich nahm sie wahr - und wann immer ich sie sah und ohne sie jemals bewerten zu wollen, schwor ich mir: "So möchte ich nie niemals aussehen.. So möchte ich nie niemals sein.. Ich möchte niemals neben dir gehen, sondern mit dir.. Ich möchte niemals an deiner Seite an jemanden anderen denken, mich an einen anderen Ort, zu einem anderen Menschen wünschen.. Glückliche, erfüllte Momente möchte ich mit dir erleben, mit dir leben; ich möchte, dass du es bist, für den ich ein Abendessen zubereite, und dabei singen, laut, leise, falsch - aber immer hingebungsvoll.. Weil ich all das nicht tun muss, aber tun möchte.."
Ich bin nicht dankbar für alles in diesen 15 Jahren.
Aber ich bin ganz sehr dankbar, dass wir die schwierigen Zeiten ausgehalten haben.
Ich möchte nie mehr ein Leben so wie früher führen, ich möchte auch niemals mehr ein unerfülltes Leben führen. Da lieber lebe ich alleine - und ich weiß, dass ein Leben mit mir allein auch erfüllt wäre. Weil ich heute weiß, wie ich es fülle und dass ich es füllen kann.
Es gibt einen Anfang und es gibt ein Ende. Das gibt es immer. Man weiß nur nie vorher, wie viel Zeit man dazwischen hat. Man sollte nur eine möglichst glückliche Zeit dazwischen haben. Das ist man sich selber schuldig, zuallererst.
Donnerstag, 11. Oktober 2018
Der Traum von einem anderen Ort
![]() |
| Bildquelle: https://weheartit.com/entry/44696165 |
Als ich noch ein Kind war, sagte man von mir, ich hätte eine ausgeprägte Phantasie. Ich konnte mir die dollsten Geschichten ausdenken und sie derart überzeugend vortragen, dass man sie mir glaubte.
Ich glaube, damals wie heute habe ich mir meine Welt zurechtgebastelt, wie sie sein musste, damit ich mich darin wohlfühlte. Ich habe nicht nur in echt auf einer Insel gelebt, sondern auch in meinem Kopf. Schon als Kind habe ich mich irrsinnig in die Musik verliebt, und heute weiß ich auch, wieso. Weil die Musik, wenn es die richtige ist, in mir etwas berührt. Weil sie eine Saite berührt, die etwas in mir zum Erklingen bringt. Die meine tiefsten Sehnsüchte hervorbringt, damals wie heute.
"Bist du wirklich das Kind deiner Eltern?" hatte mich vor vielen Jahren eine Schulfreundin gefragt. "Du bist so ganz anders als deine Familie."
"Wahrscheinlich bist du ein Findelkind. Angeschwemmt wie Treibgut", schreibt die kratzige Stimme aus Hessen und ich muss lachen und zugleich denke ich "Ich weiß, dass es nicht so ist, natürlich nicht - aber es fühlt sich schon manchmal irgendwie so an."
Dann wieder denke ich, dass in mir vermutlich ganz sehr viel von meiner Großmutter steckt, ob das nun gut ist oder weniger, das ist mir zweitrangig.
Ich glaube, dass ich wie sie mir früher kaum Gedanken um irgendwas gemacht habe. Wir haben gelebt und gefühlt wie wir es für richtig hielten, und wir sind unseren Weg gegangen, auch wenn der nicht immer geradlinig war. Er musste nicht zukunftsweisend sein - er musste nur in genau DEM Moment zu uns passen.
Und ich glaube, so denke und so fühle und so lebe ich zum großen Teil auch heute noch. Ich habe keinen Masterplan für die nächsten 20 Jahre, ich habe nicht mal einen Plan, wo ich in diesem Jahr an den Weihnachtstagen sein möchte. Der Mann beklagt das oft, während ich denke.. "Lass mich doch so sein wie ich bin.. Pläne zu haben macht sooo unflexibel... Und während du haderst, wenn was nicht gelingt, pfeife ich ein Liedchen, weil ich denke: OK, so rum gings nicht, na gut, dann eben anders rum."
Ich kann nicht immer da sein, wo ich am liebsten sein möchte. Ich kann nicht immer das Leben führen, das ich mir vorgestellt habe. Ich kann nicht so leben wie ich es mir erträumt habe.
Aber immer dann, wenn ich die Musik aufdrehe, in dem Moment, wo ich mir abends, nachts die Kopfhörer aufsetze, dann bin ich genau da, wo ich sein möchte..
Barfuss auf dem Holzfußboden und den weiß getünchten Mauern mit den Holzregalen voller Schallplatten und Büchern.. Vor dem Fenster das Meer, das Fenster, das ich nachts öffne und darauf lausche, was das Meer erzählt.. murmelnde Seefahrergeschichten, die heimkommen zu ihren Mädchen.. mit ihrer wettergegerbten, braungebrannten Haut und den grobgestrickten Pullovern.. mit den lustig funkelnden Augen, wenn sie ihr Seemannsgarn ausbreiten..
Dann sehe ich mich in diesem reetgedeckten Haus am Meer, wo die Kornäpfel mit leisem Plumps ins Gras fallen und die ich jeden Tag einsammle, um mir ihren Geruch mit in das Haus zu holen..
Wo ich mich in das kleine Zimmer unter dem Dach zurückziehe, um zu schreiben, um zu malen, um ein Glas Weißweinschorle zu trinken.. Ich hätte einen Hund, einen großen schwarzen, so wie früher, als ich noch Kind war.. Ich hätte ihn nachts in meiner Nähe und tagsüber würde ich ihn hinaus in den Garten schicken und zum Mann würde ich sagen "Wenn du nicht willst, dass er abhaut, musst du den Zaun reparieren".. Nein stopp, Moment, es wäre andersrum.. ER würde sagen "Wenn du nicht willst, dass er abhaut, muss ich den Zaun reparieren".. Weil ich das vermutlich nicht mal bemerken würde.. Mich nur wundern würde, dass das Zotteltier mit einem Mal ausgebüxt ist.
Dann sehe ich, wie sie und ich dieses kleine Cafe hätten, dieses Cafe mit dem Bücherregal, mit dem selbstgebackenen Kuchen und den geklauten Tortenrezepten, die nie gelingen, wie sie sollten und trotzdem jeder ein Stück davon haben will..
Wir wären auf den Spuren meiner Familie.. Dem Teil der Niederländer und dem Teil der Franzosen.. Wir würden Karten ausbreiten und das Internet durchsuchen, wir würden die Länder bereisen und Menschen fragen.. Ich möchte es entdecken, ich möchte es herausfinden, ich möchte es sehen, ich möchte es betrachten und berühren.. auf den Spuren eines Lebens wandeln, das irgendwie zu mir gehört.. zu einem Teil meines Seins.
Am Ende.. sehe ich mich im Einklang mit mir und dem Leben, und es ist ein glückliches Leben, es ist ein erfülltes Leben, das in jeder Runzel meines Gesichtes steckt.. In den Augen, die hoffentlich wach bleiben bis zum Schluss..
Manchmal ist es egal, wo ich gerade bin.. Ich brauche nur die Musik und den Moment, in dem ich die Augen schließen kann.. Es dauert nur einen Wimpernschlag, um dort anzukommen.. und dann fühle ich nur noch.. und es fühlt sich verdammt gut an.
Mittwoch, 10. Oktober 2018
Die kleinen großen Dinge
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| Bildquelle: https://weheartit.com/entry/320623038 |
"Ich frag mich, woher du immer deine Kraft nimmst", sagte sie heute zu mir am Telefon.
"Aus der Hoffnung", antwortete ich ernst.
Und aus der Musik.
Und aus der Liebe.
Und überhaupt.
Und während sie zu weinen begann, sagte ich: "Ich schaff das. Wirklich."
Ich bin gerne mal allein, ganz für mich selbst.
Ich liebe dieses Gefühl, ganz allein zu sein mit der Musik, mit dem geschriebenen Wort, mit dem Pinsel in der Hand - und ich liebe dieses Gefühl, nach Hause kommen zu können und es ist jemand da, der auf mich wartet.
Montag, 8. Oktober 2018
Kategorie Fundstücke: Wenn Du Dich online mit jemandem streitest
Oh Goooottt!! Was kamen da grad für Erinnerungen hoch, als der Mann mich auf dieses Gif aufmerksam machte!! Erinnerungen an frühere Jahre, als ich noch in L wohnte, aber bereits privat einen Laptop nebst Chatprogramm besaß - und Kontakte ins world wide web geknüpft hatte.
Natürlich zuallererst über Singleportale, aber wie das so ist: Diese Plattformen ermöglichen Dir zwar, derart viele Menschen kennenzulernen, wie wenn Du jede Woche auf ein Festival gingst, aber natürlich sind die meisten nur Schreibkontakte geblieben, denen ich real nie begegnete. Mit sehr wenigen blieb ich über Jahre in Kontakt, und mit noch viel wenigeren bin ich inzwischen über whatsapp verbandelt.
Mein Mitteilungs-Rekord lag bei ausgedruckten 12 DIN A 4-Seiten, so berichtete Mann mir begeistert, und glaubt ja nicht, nur ich könnte sowas und ich hätte den armen Mann gnadenlos zugetextet. Er konnte das auch! Die Wahrheit war, wir hatten uns einfach jede Menge zu erzählen, ein Telefon besaß ich damals nicht (nur ein Prepaid-Handy, das zählt ja wohl kaum) - und so blieb uns nur das Schreiben. Begegnet sind wir uns im Realen nie. Er hatte sich ohnehin längst von der Plattform verabschieden wollen, mich dort gefunden, als er sein Abo bereits gekündigt hatte - und dann meinetwegen noch dort blieb, bis wir irgendwann über die damaligen privaten Mailadressen weiterschrieben.
Irgendwann verliebten wir uns - nicht ineinander, sondern jeder in jemanden in seiner realen Welt. Wir verabschiedeten uns von der Plattform - und voneinander. Irgendwann fand ich ihn mal bei FB, aber der Kontakt dort währte nur kurz, ihm war FB nix und das Privatleben wohl auch belastet genug. Ich hab seit Jahren nichts mehr von ihm gehört und frage mich noch heute manchmal, wie es ihm mit Frau und Kindern geht.
Na gut, unter "online streiten" kann ich diese "Begegnung" zwar jetzt nicht verbuchen - aber immerhin habe ich damals genauso wild meine Texte verfasst wie Kermit. Wenn ich einmal im Fluss bin... ;)
Die andere entsprechende Online-Begegnung ist meine kratzige Stimme aus Hessen - und wir wundern uns selbst heute noch, wie das möglich ist, sich noch nie gesehen zu haben, aber derart heftig miteinander zu streiten oder wenigstens diskutieren zu können, als kennen wir uns seit dreißig Jahren in- und auswendig ;)
Dabei ist unser allerhitzigstes Thema das Rauchen vs. Nichtrauchen. Eins, bei dem wir uns nie einig wurden - und es auch nie werden, auch nicht in Zeiten der E-Zigarette ;) Da haben tatsächlich oft die Tasten geglüht (das wird mir auch keiner glauben, aber zwei meiner Tasten lösten sich irgendwann und wollten sich auch nicht mehr festklipsen lassen ;)).
Insofern.. werde ich mich nie niemals mit dieser Art Steno-Kommunikation anfreunden können; sowieso schon mal nicht, weil ich sie ziemlich ruppig und unschön finde. Ich mags... melodisch - mit oder ohne Leidenschaft ;)
Mind Chocolate #1
Diese Überschrift habe ich mir von der "Dunklen Gasse" geklaut, weil mir selbst nix Passenderes einfiel und weil ich sie schön finde :) Ich verlinke den Blog dieses Mal nicht, weil dort eh niemand ohne Passwort lesen kann. Ich hoffe, Frau Alley, Du gestattest mir das :)
Vor Jahren, als ich noch auf einer Website für.. äh.. Jobvermittlung unterwegs war, und dann dabei feststellte, dass dort alles Mögliche vermittelt wurde, aber keine Jobs ;), beteiligte ich mich an einer Gruppe, von der ich nicht nur den Namen vergessen habe, sondern auch, womit sie sich eigentlich befasste. Nicht komplett vergessen habe ich den Beitrag, der sich mit Resilienz beschäftigte. Damals hörte ich diesen Begriff zum allerersten Mal, und ich fand ihn interessant.
Einer der Gruppen-Admins bescheinigte mir damals während eines regen Austauschs eine sehr hohe Resilienz, ich denke seither dann und wann daran und auch darüber nach, aber so recht glauben mag ich das eher nicht.
Denn als Resilienz wird die Fähigkeit verstanden, "Lebenskrisen wie schwere Krankheiten, lange Arbeitslosigkeit, Verlust von nahestehenden Menschen oder Ähnliches ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie))
Zwar schrieb mir eine meiner Freundinnen erst gestern wieder "Gut, dass du noch so viel Kraft für alles hast", aber mir ist immer auch bewusst, dass ich nur stark durch und mit meinen Söhnen bin und ohne sie zerbreche - und dass ich daneben nichts bin ohne die Menschen, an die ich Herz und Seele gehängt habe - und dass es manchmal so kleiner Dinge bedarf, um den roten gegen den schwarzen Pullover zu tauschen (für das Kleid ist es mir inzwischen zu kalt geworden) und mich aufzurichten gegen all das, was jetzt kommen mag. (Orrr, was für ein Mammutsatz :))
Es sind insbesondere diese Menschen, die mir etwas zurückgeben, wenn mir das Aufrechtstehen etwas schwerer fällt und das Lächeln nicht so ganz gelingen mag. Egal, ob sie es mir nur schreiben (können) oder mich auf eine Kirmes entführen, den 12. Kaffee kaufen, sieben bescheuerte Rosen schießen und eine Kaffeetasse beim Dosenwerfen erbeuten - und wir den größten Spaß des Tages genießen.
Und wovon es keinen Screenshot gibt: Die heutige Aussage meiner Kollegin "Wenn du da bist, ist mir der Feierabend egal, dann bleibe ich gerne mit dir da."
Der Mensch ist nicht autark, und das versuche ich auch längst nicht mehr zu sein. Und so unabhängig wir letztlich auch sein möchten: Am Ende sind wir immer von etwas abhängig. Manchmal braucht es einfach ein wenig Glück und manchmal.. die richtigen Menschen. Und ein bisschen Grundvertrauen.
Vor Jahren, als ich noch auf einer Website für.. äh.. Jobvermittlung unterwegs war, und dann dabei feststellte, dass dort alles Mögliche vermittelt wurde, aber keine Jobs ;), beteiligte ich mich an einer Gruppe, von der ich nicht nur den Namen vergessen habe, sondern auch, womit sie sich eigentlich befasste. Nicht komplett vergessen habe ich den Beitrag, der sich mit Resilienz beschäftigte. Damals hörte ich diesen Begriff zum allerersten Mal, und ich fand ihn interessant.
Einer der Gruppen-Admins bescheinigte mir damals während eines regen Austauschs eine sehr hohe Resilienz, ich denke seither dann und wann daran und auch darüber nach, aber so recht glauben mag ich das eher nicht.
Denn als Resilienz wird die Fähigkeit verstanden, "Lebenskrisen wie schwere Krankheiten, lange Arbeitslosigkeit, Verlust von nahestehenden Menschen oder Ähnliches ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie))
Zwar schrieb mir eine meiner Freundinnen erst gestern wieder "Gut, dass du noch so viel Kraft für alles hast", aber mir ist immer auch bewusst, dass ich nur stark durch und mit meinen Söhnen bin und ohne sie zerbreche - und dass ich daneben nichts bin ohne die Menschen, an die ich Herz und Seele gehängt habe - und dass es manchmal so kleiner Dinge bedarf, um den roten gegen den schwarzen Pullover zu tauschen (für das Kleid ist es mir inzwischen zu kalt geworden) und mich aufzurichten gegen all das, was jetzt kommen mag. (Orrr, was für ein Mammutsatz :))
Es sind insbesondere diese Menschen, die mir etwas zurückgeben, wenn mir das Aufrechtstehen etwas schwerer fällt und das Lächeln nicht so ganz gelingen mag. Egal, ob sie es mir nur schreiben (können) oder mich auf eine Kirmes entführen, den 12. Kaffee kaufen, sieben bescheuerte Rosen schießen und eine Kaffeetasse beim Dosenwerfen erbeuten - und wir den größten Spaß des Tages genießen.
Und wovon es keinen Screenshot gibt: Die heutige Aussage meiner Kollegin "Wenn du da bist, ist mir der Feierabend egal, dann bleibe ich gerne mit dir da."
Der Mensch ist nicht autark, und das versuche ich auch längst nicht mehr zu sein. Und so unabhängig wir letztlich auch sein möchten: Am Ende sind wir immer von etwas abhängig. Manchmal braucht es einfach ein wenig Glück und manchmal.. die richtigen Menschen. Und ein bisschen Grundvertrauen.
Freitag, 5. Oktober 2018
Haarige Angelegenheiten
Eins, das mir nicht vollständig glückte, weil das Haar inzwischen zu lang geworden war und ein einziger Farbtiegel nicht ausreicht.
Und weil mir das Ergebnis gefällt, schaue ich morgen, ob ich noch einen zweiten Farbtiegel dazubekommen kann.
(Dass das Foto so hell ist, kommt übrigens von der Sonne, ich habe da nicht nachgeholfen.)
Der Klang des Nibelungenliedes
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| Bildquelle: Johanna Schmitz - https://weheartit.com/entry/319163277 |
Ich weiß nicht ob ich tapfer bin. Ob ich mutig bin.
Aber ich weiß, dass ich alles, was nur mit meiner Person selbst zu tun hat, wegstecken kann. Dass ich damit umgehen kann. Dass ich selbst Informationen zu einem Größenwachstum in meinem Kopf mit einem lockeren Spruch auf der Zunge hinnehmen kann: "Vielleicht wächst mir ja doch ein zweites Hirn? Dann wirds vielleicht doch noch was mit einem Studium?"
Ich weiß nur, dass ich nicht unbesiegbar bin.
Ich weiß, wo meine verwundbare Stelle liegt. Die, die mich sofort schwächt, sobald man an ihr rührt. Die, die mich an sonnigen Tagen wie Siegfried fühlen lässt.
Die, die mir an schattigen Tagen mit einem Ruck den Boden unter den Füßen wegzieht.
So wie der Anruf vor drei Tagen.
Selbstverständlich hat man Deadlines im Kopf. Manchmal bin ich rosarot. Aber weltfremd?
Nur... was ist denn der Mensch, wenn er keine Hoffnung (mehr) hätte?
So sehr hatte ich mir den Augenblick vorgestellt, eines Tages zu jemand Bestimmtem zu gehen und zu sagen: "Hier, schau. So geht das nämlich mit Respekt und Würde. Dann kann man von seinen Leuten nämlich alles bekommen." Ich wollte nicht Genugtuung. Ich hatte mir gewünscht, sichtbare Zeichen setzen zu können - zum Begreifen. Und damit endlich zum Umdenken. Nicht für mich, sondern für all die, die da sind und vielleicht noch kommen werden. Und mir selbst zeitgleich den Weg freizumachen für etwas anderes.
Seit drei Tagen schlafe ich schlecht, wälze mich ruhlos zwischen den Laken. Die Furcht kriecht mir den Nacken hoch, schleicht sich hinter meine Stirn und malt Bilder, die ich kaum aushalten kann.
Und begreife, warum ich seit einiger Zeit von tosenden Wellen träume.
Montag, 1. Oktober 2018
Erfahrungsresistent
Schade, dass ich diesen Schlüsselanhänger "Erfahrungsresistent" nicht mehr besitze. Treu trug ich dieses sehr gut zu mir passende Geschenk so lange an meinem Schlüsselbund, bis eines Tages die Öse brach und er mir irgendwo unterwegs verlorenging.
Denn an diesen musste ich am heutigen Abend denken, als ich gaaaanz kurz (ich finde, zehn Minuten sind wirklich arg kurz, sozusagen kometenhaft kurz) durch den von mir bevorzugten Drogeristen strich.
"Was brauchst du denn, vielleicht kann ich es dir aus der Stadt mitbringen?" fragte der Mann, aber hey: Es gibt Frauenartikel, die kann ein Mann nicht besorgen. Darunter zähle ich nicht nur Hygieneartikel ;)
In meinem Leben habe ich schon so ein paar Haarfarben ausprobiert: wasserstoffblond, blauschwarz, rotbraun, rot, karamellfarben, schokobraun und eben dunkelbraun.
Die blauschwarze Variante gefiel dem Mann bislang am besten, mir eher das schokobraun.
"Warum färbst du überhaupt?" fragte er irgendwann mal.
"Weil meine Naturhaarfarbe so langweilig aussieht."
"Und wie?"
"Wie deine!"
Dass das ein Fauxpas auf ganzer Länge war, begriff ich freilich erst danach - aber gesagt ist gesagt :)
Wobei einem Mann ja nun wirklich fast alles steht, da kann fast nichts schiefgehen.
Egal.
Hatte ich mich gerade erst von dem Friesemeisterschock erholt, der meine vielen, aber eben dünnen Haare nur ein wenig aufpeppen wollte - und heraus kam die Angela-Davis-Variante (Bild 1, aber das muss ich wohl nicht hinzufügen), die sich weder lufttrocknen noch glätten noch sonstirgendwas ließen - und war ich rund drei, vier Wochen später waaaahnsinnig erleichtert, als ich das Haar wenigstens wieder halbwegs glattgefönt bekam (Bild 2, aber ist wohl auch selbsterklärend ;)) - so überkommt mich der nächste Wagemut: Smoky Metallic Silber - wohouu!! Damit werde ich die Königin in meinem Badezimmer sein :) Und falls nicht, falls das komplett in die Hose geht - auch nicht schlimm: Wenigstens ein was habe ich gelernt, nämlich mir auch gleichzeitig die gewohnte "Schokobraun"-Variante gekauft, die wird im worst case das Schlimmste retten bzw. über"malen".
Mir werden höchstwahrscheinlich eines Tages noch die Haare ganz ausfallen, ich sehs kommen ;)
Stuck With Me
Unlängst wurde ich gefragt, ob ich okay sei, ich sei so still. Für einen Moment überlegte ich, was ich darauf antworten wollte. Wahrheit oder Unwahrheit?
Es ist ja nicht so, dass es mir schlecht ginge. Es ist aber auch nicht so, dass...
Und es ist auch, dass die Worte sich in mir verlieren so wie auch das Bedürfnis, überhaupt etwas zu sagen oder auch aufzuschreiben.
Dass es mir zugleich widerstrebt, ehrlich zu antworten, wenn ich sage "Es ist nicht alles so wie ich es mir wünschte, dass es so sei, weil..."
Möglicherweise bin ich mein größter Kritiker und möglicherweise habe ich eine etwas verschobene Eigenwahrnehmung, die mir sagt, lieber still zu schweigen, bevor ich wem auch immer auf die Nerven ginge mit dem ewigen eigenen Kreis, in dem ich mich zuweilen drehe.
In diesem ewigen Kreis aus Hin- und Hergeschoben werden von A nach B und diagonal wieder hin und zurück..
Mein Kopf und meine Seele fühlen schon seit vielen Monaten einen wunderbaren Einklang, eine faszinierende Stille inmitten eines zuweilen tobenden Meers, so dass ich manchmal nachts tatsächlich davon träume, an einem Meer zu stehen, vor mir, über mir riesige Wellen, die mich jedoch nicht wirklich ängstigen, zumindest nicht im Traum. Und vor denen ich mich immer wieder retten kann, zumeist aus eigener Kraft.
Ich denke, das beschreibt im Moment auch ganz gut, wie es mir am Tag geht.
Wenn man dabei außer Acht lässt, wie fremd sich derzeit mein eigener Körper für mich anfühlt.
Ein so völliger Gegensatz zu dem, was Kopf & Seele fühlen.
"Sie können ja gar nichts mehr", statuiert der Neurologe vor etwa zehn Tagen und verlangt das Komplettprogramm.
Dass ich gar nichts mehr kann, würde ich jetzt so allerdings nicht einschätzen, auch wenn der Mann vermutlich hier an dieser Stelle seine Veto-Augenbrauen hochziehen würde. Wäre er nicht, hätte ich vermutlich schon längst aufgegeben. Nicht aus Verzweiflung. Sondern einfach aufgrund der Tatsache, dass man über Monate hin und her geschoben wird, sich niemand so recht zuständig fühlt und mir letztendlich eben auch gar nichts anderes übrigbleibt, als mich erneut aus eigener Kraft zu retten.
Was in meinem konkreten Fall tatsächlich bedeutet, mit den Veränderungen leben zu lernen - so wie damals auch mit dem Schmerz. Vor 13 Jahren, als alles begann, glaubte ich, Schmerztherapie würde bedeuten, Ursachen zu erkennen, Wirkungen und Mechanismen zu verstehen und diese aktiv angehen zu können. Das ist jedoch nur zu einem geringen Grad die Wahrheit. Nämlich nur solange sich gewisse Parameterabweichungen im Labor feststellen lassen. Ist man "austherapiert", war es das - dann bedeutet Schmerztherapie vor allem eins: damit leben lernen.
Betrachte ich allein das, ist mir das - so würde ich es einschätzen - auch gut gelungen. Immerhin hat der Mann einige Jahre nichts gewusst und nichts geahnt.
Vor einigen Jahren habe ich ein Interview gesehen über eine Frau mit einer erwachsenen Tochter, die an unerklärlichen Schmerzen in ihrem Körper litt. Diese Frau hat eines Tages aufgegeben und sich das Leben genommen. Hier sprach die Tochter, die noch immer sehr unter dem Tod ihrer Mutter litt und in die Kamera die Frage stellte, ob es wirklich keine Lösung, nicht doch einen anderen Weg für die Mama hätte geben können?
Und ich dachte damals "Wie verzweifelt muss man am Ende eines Tages sein, wenn die Kraft zum Leben ausgeht?"
Und ich hoffte, dass mir selbst das niemals so ergehen würde, trotz allem - wir alle haben nur diese eine Leben, und es kann ja auch ein ganz wunderbares sein.
Inzwischen.. sehe ich es, das muss ich zugeben, ein wenig differenzierter. Es ist nicht so, dass ich dieses Denken angenommen hätte "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr.."
Aber ich gebe zu, dass ich manchmal denke "Ist das noch ein Leben? Ist das noch mein Leben? Wohin führt der Weg und wie lange will ich das?"
Weil es eben nicht mehr nur der Schmerz ist, der mich begleitet. Sondern Veränderungen, die der Neurologe vor zehn Tagen als "typisch neurologischen, schwerwiegenden Defekt" bezeichnet.
Wer mich im Alltag erlebt, wird mir vermutlich kaum etwas anmerken. Er wird kaum bemerken, dass in mir etwas nicht stimmt. Und vor allem wird er nicht bemerken, welch unglaubliche Energie ich an manchen Tagen aufbringe, damit das so ist. Nicht weil ich mir die Schwäche nicht ansehen lassen will.
Dass ich also ja gar nichts mehr kann, würde ich so immer noch nicht sagen - aber wenn man von diesen Spielchen wie auf einer Linie laufen, auf einem Bein stehen, Finger-Folge-Test, Finger-Nase-Test etc. ausgeht, ja gut, die kann ich tatsächlich seit einigen Monaten nicht mehr. Jedoch die muss man ja im Alltag auch nicht bringen.
Manchmal bedenkt mich der Mann mit einem Seitenblick "Wolltst du mich grad veralbern?", wenn ich ihm ein Glas oder so hinschiebe "Kannst du das mal bitte aufmachen, ich krieg das grad nicht" und er legt nur kurz Hand an und zack - ist das Glas geöffnet.
Manchmal zieht er die Luft geräuschvoll durch die Nase, wenn mir grad wieder irgendwas runterfällt, Schlüssel, Stifte, Deckel, irgendso Kleinzeug braucht man ja immer (mit einer Tasse Kaffee ist mir das glücklicherweise noch nie passiert ;)). Manchmal sagt er nichts dazu, meistens aber doch, das muss er, sonst platzt er *haha*
Na ja und so Sachen halt, die ich jetzt hier nicht alle aufzählen will.
Gleichwohl.. will ich nicht jammern - und hoffe sehr, dass dies auch nicht so rüberkommt. Dass das "darüber sprechen" die Seele durchaus freimachen kann, hab ich ja nun schon mehr als gefühlt eine Million Male erlebt. Auch wenn ich immer weniger davon spreche als früher. Und noch immer ist mein Augenmerk vor allem darauf gerichtet, was ich immer noch wundervoll finde: den rotgoldenen Herbst. Die fröhlichen Menschen auf der Kirmes. Der Junge, der seiner rettungslos betrunkenen Freundin den Kopf hält und mich entschuldigend anlächelt.
Der unerwartete Erfolg eines Auswahlverfahrens. ("Du bist ja auch nicht irgendwer", schreibt der Sohn dazu - und ja, da geht mir natürlich das Herz auf ;))
Die Verbindung zu Menschen, an denen mein Herz hängt.
Dem eigenen Jungen die Sorge nehmen können, der während seines aktuellen Einsatzes von Kollegen von einem schweren Unfall auf meiner Reiseautobahn mit vier Toten hört, jedoch nicht erfährt, wo genau und wer - und dem ich sagen kann "Es geht mir gut, ich bin grad gut nach Hause gekommen. Und dir? Geht es dir gut?" "Jetzt ja! Jetzt, wo ich weiß, dass Dir nichts passiert ist."
Vor allem aber kann ich jeden Morgen noch aus eigener Kraft aufstehen, mir ein Essen und vor allem meinen Lieblingskaffee zubereiten, ich kann immer noch lesen, schreiben, mich durch den Tag bewegen mit allem, was dazugehört und mich jeden Abend in mein Bett legen mit der Hoffnung, dass vielleicht morgen schon der ganze Spuk wieder vorbei sein könnte und alles wieder so ist wie es wenigstens bis zum März gewesen war.
Dass ich jeden Tag meine Lieblingsmucke hören kann, die mir Flügel verleiht, Herz & Seele weit öffnet.
Und noch einige andere wunderbaren Dinge, die ich hier nicht alle aufschreiben möchte, weil zu privat ;)
Es gibt so vieles, das ich immer noch geben kann, das ich immer noch tun kann - und was auch immer in mir gerade los ist, sicher ist vor allem eins: Sterben werde ich da wohl nicht dran.
Das ist so viel mehr als so manch anderer gerade von sich sagen kann - und wenn ich zuletzt auch etwas.. erschöpft gewesen bin, etwas durchgehangen habe, so habe ich mich jetzt doch auch wieder auf die Beine stellen können. Und bleibe da auch. Hoffentlich.
Montag, 17. September 2018
Nach Mutter oder Vater
Wieder zurück aus dem Urlaub - und irgendwie dennoch nicht wieder im Hier & Jetzt angekommen.
Die vergangenen Tage so vieles vorgenommen gehabt -und irgendwie nichts davon umgesetzt.
Dennoch nichts versäumt und nichts bedauert..
Dafür viel gelesen habe ich in den letzten Tagen, etwas, das schon so lange ziemlich ungewöhnlich für mich geworden ist.
"Das Haus der Mädchen"
Ich kannte zuvor weder den Schriftsteller Andreas Winkelmann, noch hatte ich von diesem Thriller gehört - aber einmal begonnen, vermochte ich es auch kaum wieder aus den Händen zu legen. Zwar kommt er ab einem gewissen Punkt nicht ohne Klischees aus, aber insgesamt... ein gut geschriebener Krimi.
"Die falsche Fährte"
Einige Wallander-Krimis kenne ich bereits aus dem TV, und so kam ich natürlich nicht davon ab, beim Lesen immer jenen Darsteller vor mir zu sehen, der Henning Mankells Protagonisten verkörperte. "Die schwedischen Krimis sind immer ganz schön brutal", hatte ich irgendwann einmal zum Mann gesagt - und daran dachte ich beim Lesen dieses Buches erneut. Zwar weiß man von Beginn an, wer hinter all den Morden steckte und irgendwann bekommt man auch eine Ahnung für das Motiv, aber zumindest wusste ich nach dem Lesen beider Bücher: DAS wird jetzt die nächsten Wochen schwierig für mich.. ;)
..schwierig, die Haustür nicht am liebsten niet- und nagelfest verriegelt zu haben, sobald der Abend hereinbricht. Schwierig überhaupt, das Haus zu verlassen, wenn der Abend gekommen war. Schwierig wieder, nicht von jedem kleinsten Geräusch einem Herzinfarktgefühl erliegen zu wollen.
"Warum schaust du es denn überhaupt erst?" kopfschüttelt der Mann immer wieder, der sich am gestrigen Abend erfolgreich weigerte, den Tatort zum Abendprogramm zu machen. "Wir hatten so einen schönen Urlaub, das mache ich mir doch jetzt nicht mit deinen Leichen kaputt. Versteh ich sowieso nicht, warum du sowas immer gucken willst."
Schade, wirklich, denn den Berliner Tatort mag ich tatsächlich.
Und eigentlich versteh ichs ja auch nicht - immerhin (getreu meinem Aszendenten Waage) liebe ich die Augen- und vor allem die Seelenschmeichler.
Doch als ich zum Telefon griff, um die Mama zurückzurufen, deren Anruf ich einige Stunden zuvor verpasst hatte, musste ich sehr lachen.
"Du hast mich geweckt", beklagte sich der Papa.
"Echt? Um 20.36 Uhr?" fragte ich ungläubig.
"Ja, wir liegen beide schon im Bett!"
"Ooops. Schläft Mama denn auch schon?"
"Ne ach! Du kennst doch deine Mutter, die hat Kopfhörer auf und guckt Krimi!"
Zumindest ist spätestens hiermit die Frage geklärt, nach wem von beiden ich nun eigentlich geraten bin.
Freitag, 7. September 2018
Give A Little
Seit Tagen hatte ich über ein Thema hin und her gegrübelt, will ich darüber schreiben, will ich mir das antun. Eigentlich ja - aber ich spür auch, dass mir zugleich dazu die Muße fehlt; das Vermögen, auszudrücken, was ich denke, warum ich so denke.
Also lass ich es.
Nur soviel: Chemnitz (und überhaupt Sachsen) ist tatsächlich sehr viel mehr als eine Stadt mit Hools & braunen Socken - und warum sich diese Scheiße vor allem immer im Osten zusammentrommeln lässt, sollte bitte nicht die Augen davor verschließen lassen, dass diese Problematik gesamtdeutsch ist und kein sächsisches bzw. ostdeutsches. Und dass auch im aktuellen Chemnitz nicht nur Sachsen unterwegs waren, sondern diese aus allen (!) Bundesländern gekommen sind. So wie auch bundesweit SPD- und CDU-Wähler zur AfD "abgewandert" sind, nicht nur im Osten. Wird für mein Empfinden aber gern unterschlagen und lieber die Kamera auf fragwürdige Persönlichkeiten mit unterbelichteten Aussagen aus dem hierfür bevorzugten Bundesland gerichtet, weil sich sowas nun mal besser verkaufen lässt.
Ich bin keine Sächsin, aber ich habe lange genug in Sachsen gewohnt.
Und würde es nach mir gehen, würde ich lieber wieder in L statt in M wohnen wollen.
In diesem Zusammenhang las ich letztens auch in einem der Kommentare, was man selber denn überhaupt tun könnte, so im Alltag. Und jemand schrieb zusammenfassend und sinngemäß: "Eigentlich ist es doch ganz einfach. Erzieht Eure Kinder mit Liebe, mit Würde, gebt ihnen Eure Wertvorstellungen mit auf den Weg, Wertvorstellungen mit Anstand, Respekt und Achtung."
Ich denke, dem ist kaum etwas hinzuzufügen.
Und sonst?
Freue ich mich ganz sehr auf ein paar Tage Auszeit, auf ein paar Tage Italien, fühle ich mich wunderbar entspannt und wohl in meinem Kopf und in meinem Bauch, fühle ich einen wunderbaren Einklang mit mir selbst - und habe noch immer diese herrliche Ruhe in mir weg, über die der Mann immer den Kopf schüttelt, weil ich ihn damit zugleich in den Wahnsinn treibe und er sie aber auch gerne hätte. So wie am Donnerstag, als er meinte "Du kannst ja schon mal alles für den Urlaub einpacken" und ich schlang meine Arme um seinen Hals und entgegnete: "Wieso das? Wir haben doch noch X Tage Zeit, keinen Stress."
"Ich werde nie verstehen, woher du immer deine Ruhe nimmst."
Ich persönlich denke ja, die wurde mir einfach mit in die Wiege gelegt - geografisch bedingt, und der Rest kommt von der Mama.
Danke, Mama ;)
Jedenfalls - habt eine schöne Zeit, genießt den beginnenden Septemberherbst, ach ne, den herrlichen Altweibersommer, es ist einer der schönsten Momente des Jahres und den gilt es auszukosten bis zur Neige.
Mittwoch, 29. August 2018
Tage wie diese
Ich habe endlich meinen Mut zusammengenommen und den Hausarzt gewechselt. War auch noch froh drüber, den Vorwand vorbringen zu können, dass der aktuelle ja im Urlaub sei, "aber ich bin ohnehin auf der Suche nach einem neuen, weil ich mich.. äh.. nicht so aufgehoben fühle", fügte ich hinzu und die sehr nette Dame an der Rezeption lachte und sprach: "Kein Problem, da leg ich doch gleich mal ne neue Patientenakte an."
Wuuaaahh! Kein Zicken von wegen übervoll und keine Patientenannahme mehr, kein Zicken von wegen "wir sind aber nicht die Vertretung von Dr. XY" (alles schon mal dagewesen) und so n Scheiß - ne, alles easy going. Und als ich dem Mann aus dem Wartezimmer schrieb "Der Doc bietet kostenlos Kaffee und WLAN an!! Ich bin im Paradiiiesss!!", da verdrehte der die Augen "Na super, war ja klar, dass der dich damit gleich hat."
Es war nicht nur das. Es war insbesondere die Tatsache, dass er mir zuhörte, ohne Wenn und Aber die AU der Klinik verlängerte und sich nicht nur davor scheute, die im worst case kostenintensive Behandlung zu übernehmen (was zwei andere Ärzte hier ablehnten übrigens) und noch eine weitere mögliche, möglicherweise von der Großmutter vererbte Erkrankung zu untersuchen, von der ich zwar recht deutliche Symptome habe, aber dennoch hoffe, dass das an der Gesamtsituation liegt, weil ich im anderen Fall sonst Abschied von meinem Traum nehmen muss, 104 Jahre alt werden zu wollen.
Es war aber auch seine Art und Weise, mit mir zu sprechen, sich auf mich einzulassen.
"Joa, i hatt' o a moi a Zeckn am Bein, des hob i gor net gmerkt, bloß a bissl dran rumgefummelt und auf de Badewann' glegt und da erscht gsehn: Äääääähh!!! Da sin ja no Haxn dran!"
Die Erkrankung meiner Mum kannte er noch nicht, googelte diese erstmal im Netz und schlug sich aufs Bein "Moi, wos es nich ois gibt!"
Für mein Rezept für die Schilddrüse googelten wir gemeinsam über Bildersuche, weil ich mir beim Hersteller nicht mehr sicher war.
Als ich anschließend die Praxis verließ, fühlte ich mich dann doch etwas erleichtert und fragte mich, wieso ich mich so stark für andere machen kann, für mich selber aber nur schwer kämpfen kann? Wieso ich mich - wenn es um mich selbst geht - so zauderlich und zögerlich bin und oftmals viel zu lange warte?
Ob das tatsächlich etwas mit dem eigenen Wertgefühl zu tun hat?
Ein Gedanke, mit dem ich mich insbesondere JETZT auseinandersetzen sollte.
Dieses habe ich zumindest in einem heutigen, möglicherweise wegweisenden Termin ein bisschen aufgepäppelt. Die einen oder anderen Symptome deutlicher als an anderen Tagen, dank eines Friseurbesuchs letzte Woche sehe ich aus wie Angela Davis (sagte der sich köstlich amüsierende Mann) - keine Experimente vor wichtigen Terminen, Herrgott, das weiß man doch!! - und in den einzig "tauglichen" Rock heut Morgen ein Loch beim Bügeln gebrannt.. stürzte ich anschließend bei gefühlten 33 Grad in Jeans und wie ein aufgerissenes Sofakissen zum Termin..
Aber auch da.. alles sehr entspannt. Manchmal muss man sich wirklich einfach nur mal trauen.
Wuuaaahh! Kein Zicken von wegen übervoll und keine Patientenannahme mehr, kein Zicken von wegen "wir sind aber nicht die Vertretung von Dr. XY" (alles schon mal dagewesen) und so n Scheiß - ne, alles easy going. Und als ich dem Mann aus dem Wartezimmer schrieb "Der Doc bietet kostenlos Kaffee und WLAN an!! Ich bin im Paradiiiesss!!", da verdrehte der die Augen "Na super, war ja klar, dass der dich damit gleich hat."
Es war nicht nur das. Es war insbesondere die Tatsache, dass er mir zuhörte, ohne Wenn und Aber die AU der Klinik verlängerte und sich nicht nur davor scheute, die im worst case kostenintensive Behandlung zu übernehmen (was zwei andere Ärzte hier ablehnten übrigens) und noch eine weitere mögliche, möglicherweise von der Großmutter vererbte Erkrankung zu untersuchen, von der ich zwar recht deutliche Symptome habe, aber dennoch hoffe, dass das an der Gesamtsituation liegt, weil ich im anderen Fall sonst Abschied von meinem Traum nehmen muss, 104 Jahre alt werden zu wollen.
Es war aber auch seine Art und Weise, mit mir zu sprechen, sich auf mich einzulassen.
"Joa, i hatt' o a moi a Zeckn am Bein, des hob i gor net gmerkt, bloß a bissl dran rumgefummelt und auf de Badewann' glegt und da erscht gsehn: Äääääähh!!! Da sin ja no Haxn dran!"
Die Erkrankung meiner Mum kannte er noch nicht, googelte diese erstmal im Netz und schlug sich aufs Bein "Moi, wos es nich ois gibt!"
Für mein Rezept für die Schilddrüse googelten wir gemeinsam über Bildersuche, weil ich mir beim Hersteller nicht mehr sicher war.
Als ich anschließend die Praxis verließ, fühlte ich mich dann doch etwas erleichtert und fragte mich, wieso ich mich so stark für andere machen kann, für mich selber aber nur schwer kämpfen kann? Wieso ich mich - wenn es um mich selbst geht - so zauderlich und zögerlich bin und oftmals viel zu lange warte?
Ob das tatsächlich etwas mit dem eigenen Wertgefühl zu tun hat?
Ein Gedanke, mit dem ich mich insbesondere JETZT auseinandersetzen sollte.
Dieses habe ich zumindest in einem heutigen, möglicherweise wegweisenden Termin ein bisschen aufgepäppelt. Die einen oder anderen Symptome deutlicher als an anderen Tagen, dank eines Friseurbesuchs letzte Woche sehe ich aus wie Angela Davis (sagte der sich köstlich amüsierende Mann) - keine Experimente vor wichtigen Terminen, Herrgott, das weiß man doch!! - und in den einzig "tauglichen" Rock heut Morgen ein Loch beim Bügeln gebrannt.. stürzte ich anschließend bei gefühlten 33 Grad in Jeans und wie ein aufgerissenes Sofakissen zum Termin..
Aber auch da.. alles sehr entspannt. Manchmal muss man sich wirklich einfach nur mal trauen.
Freitag, 24. August 2018
Remember All The Time
"Wenn uns die Menschen, die wir lieben, genommen werden, können wir sie trotzdem behalten, indem wir nie aufhören, sie zu lieben. Gebäude brennen und Menschen sterben, aber die wahre Liebe hält ewig."
ein Filmzitat, ich weiß nur nicht, aus welchem
Manchmal, wenn ich jemanden arg vermisse, dann bin ich froh, wenn etwas von dem Menschen bei mir ist. Das Shirt mit dem Geruch des anderen. Dinge des anderen, die vergessen wurden mitzunehmen oder die mir überlassen wurden..
Letzte Nacht träumte ich von meiner Großmutter. Und als ich erwachte, dachte ich daran, dass es inzwischen 30 Jahre sind, die sie nicht mehr da ist.
Es war noch ganz früh am Morgen, weit vor dem Klingeln des Weckers, also streckte ich müde die Beine aus, verschränkte die Arme unter dem Kopf und schaute auf den langsam beginnenden Morgen. Ich dachte an sie, ich dachte an die Sommerferien, die ich jedes Jahr bei ihr verbrachte. An die Tage, die ich auf ihrer Fensterbank verbrachte, völlig ins Spiel versunken, oder in das Lesen.
Ich schloss die Augen und dann konnte ich erneut so deutlich sehen, was mir schon im Traum wiederbegegnet war: der Eintritt durch die Haustür, der Geruch nach Äpfeln und eingekochten Johannisbeeren. Die Tür linker Hand, durch die hindurch man das kleine Wohnzimmer betrat. Der Sessel neben der Tür, in dem sie immer saß, ihr Lieblingsplatz vor dem kleinen Nähtischchen. Da, wo sie immer saß in ihrer dicken blauen Strickjacke mit den Hirschhornknöpfen.. Wo sie strickte oder Löcher flickte, wo sie las oder mir einen Apfel schälte und kleinschnitt, wo sie einen Zeichenblock zur Hand nahm, um mir zu zeigen, wie das geht mit dem Malen und worauf man achten muss..
Der Geruch nach Waschlauge in der Küche, wo sie ihre Wäsche kochte und im Zuber auf dem Brett schrubbte, um sie im Hof auf der Leine aufzuhängen..
Es gibt so vieles, an das ich mich erinnere... An ihren Küchenschrank, an dem ich immer alle Türen öffnen und hineinschauen durfte. An das Plumpsklo im Hof, vor dem es mir immer gruselte, weil man immer mindestens einer Spinne begegnete.. Eine von diesen großen schwarzen, die viel zu schnell flitzen können..
Ihr ganzes Leben lang führte sie ein einfaches, bescheidenes Leben, in dem nur eines für sie zählte: ihre drei Kinder großziehen zu können, dass sie genug zu essen hatte für ihre Kinder, dass sie im Winter nicht erfroren und immer Schuhe an den Füßen hatten. Als ihre Kinder erwachsen geworden waren, zählten für sie die Enkelkinder - und ich glaube.. vor allem zählte ich für sie.. Weil ich ein Mädchen war.. Weil ich ihr Mädchen war..
Erinnerungen an sie reichen unfassbar weit zurück, dass ich zuweilen unsicher wurde, ob das wirklich Erinnerungen sein konnten - die meine Mum mir aber bestätigte.. Dass sie mich auf ihrem Bett wickelte und puderte, dass sie mich in das Gitterbettchen daneben legte und ein Tuch vor die Stäbe hing, damit das einfallende Licht mich nicht vorzeitig weckte..
Wie sie mir auftrug, die Kartoffelkäfer in den Eimer abzusammeln. Dass ich auf die Bäume kletterte, um Kirschen oder Eierpflaumen zu pflücken. Dass wir auf der Bank neben dem Haus in der Abendsonne saßen, während wir Tomatenstullen aßen und ich die Beine baumeln ließ.. Dass ich in dem Tümpel hinter dem Haus Frösche fing, in die Hand nahm und genau betrachtete und dann wieder freiließ.. Dass wir ihre Schwester im Postamt besuchten und ich mich an den Schalter hing, weil ich nicht darüber hinwegschauen konnte.. Dass wir ihren Vater und ihre Schwester zu Hause besuchten, bis zuletzt, bis dem Vater die Kraft zu leben ausging. Dass ich so oft aus ihrer Kommode ihre schwarze Perlenkette aus der Schatulle nahm und durch die Finger gleiten ließ und sie sagte dann: "Das bekommst du alles mal, wenn ich mal nicht mehr bin."
Ich war nicht da, als sie auf dem Weg aus dem Schlafzimmer in die Küche im Hausflur einen Schlaganfall erlitt und stürzte. Und sie bei dem Versuch, aufzustehen, einen zweiten Schlaganfall erlitt, erneut stürzte und sich den Oberschenkel brach. Das Los der alten Menschen.. Ein Bruch, der operiert wurde und von dem sie sich aber nicht mehr erholte.
All die Zeit ihres Lebens bewohnte sie kleine Räume ohne ein Badezimmer, ohne eine richtige Toilette. Und jetzt, wo sie es nicht mehr wahrnehmen konnte, bekamen sie diese neuen Räume mit einem richtigen Bad und einer richtigen Toilette..
"Das ist nicht mein Zuhause", sagte sie, als man sie auf ihren eigenen Wunsch hin nach Hause gebracht und in ihr Bett gelegt hatte.
"Doch", hat meine Cousine gesagt, "das ist dein Zuhause. Schau, das ist deine Frisierkommode. Das ist dein Bett. Du bist zu Hause."
"Gut", hat sie geantwortet, die Augen geschlossen und nicht wieder geöffnet, bis sie vier Tage später starb.
Bis heute lebt sie in mir weiter. Bis heute sehe ich ihre verschmitzten braunen Augen vor mir, ihr schiefes Lächeln, ihr kurzes dunkles Haar, ihre kleinen schmalen Hände; bis heute höre ich den Klang ihrer Stimme, wenn sie mit dem Opa zankte oder wenn sie mich bei meinem Kosenamen rief, den bis heute nur sie verwendete und den ich bis heute liebe..
Bis heute wünsche ich mir, sie wäre immer noch da.
Erinnerungen sind so oft das einzige, das bleibt und das einem nicht genommen werden kann, jedoch..
Bis heute tut es mir leid, dass ich ihr nicht öfter geschrieben habe, so wie sie es sich wünschte. Gerade in jenen Zeiten, als wir kein Telefon besaßen, geschweige denn ein Handy oder E-Mails.. Und ich, inzwischen erwachsen geworden, hunderte Kilometer weit weg wohnte..
Dieser Tage ist mir bewusst geworden, dass ich nichts, absolut gar nichts von ihr besitze. Dass absolut nichts von ihr für mich übrig geblieben ist. Und dass ich bis heute... Ich bin verrückt nach dem Geruch von Äpfeln und von eingekochten Johannisbeeren. Mein halber Kleiderschrank ist voller Strickjacken in allen möglichen Farben und Formen. Dabei wünschte ich mir nur diese eine blaue mit den braunen Hirschhornknöpfen.
Man sagt, dass jemand erst stirbt, wenn er vergessen wird.
Dann, meine Oma Martl, wirst Du immer leben.
Mittwoch, 22. August 2018
Und heut Abend bin ich müde
...so ganz völlig normal müde - ohne jede Doppeldeutigkeit. (Off topic, aber weils mir hierzu grad einfällt und was mich wirklich irre macht: Wenn du heutzutage zu jemandem sagst, dass du müde bist, dann denkt keiner an das einfach ganz stinknormal müde sein - nein, jeder denkt und fragt gleich, ob du irgendwelche Probleme oder Stress in deinem Leben hast. Es-kotzt-mich-an. Als habe die ganze Welt ausschließlich nur noch ein Problem - nämlich ein psychisches. Ich weiß, dass die Welt ein Irrenhaus - geworden - ist - aber dazwischen gibts tatsächlich Menschen, denen es gut geht - und die trotzdem einfach mal müde sind.)
Es scheint im Moment, als habe ich heute ein Etappenziel erreicht - auch wenn nach heute immer noch nicht so ganz klar ist, wo die Reise letztlich hingeht.
Klar ist mit heute jedoch, dass die Dinge, die ich in den letzten Tagen und Wochen angestoßen habe, weitergehen können.
Es scheint im Moment, als habe ich heute ein Etappenziel erreicht - auch wenn nach heute immer noch nicht so ganz klar ist, wo die Reise letztlich hingeht.
Klar ist mit heute jedoch, dass die Dinge, die ich in den letzten Tagen und Wochen angestoßen habe, weitergehen können.
One of these Mornings
“Nothing hurts a good soul and a kind heart more than to live amongst people who cannot understand it.”
Hazrat Ali Ibn Abu-Talib
Es ist so früh am Morgen und ich gebe zu, ich hab ein bisschen Angst vor dem, was jetzt kommt. Aber bevors ganz verrückt wird, sage ich mir: Heute Abend wirst du vermutlich sehr viel ruhiger und entspannter sein - und über dich selbst lächeln. Vielleicht wäre manches zu zweit einfacher. Aber manchmal ist man eben nicht zu zweit - und dann schafft man es auch allein.
Dienstag, 21. August 2018
Free My Mind
Manchmal fließt es und manchmal fließt es nicht - und im Moment will es nicht so recht. Weggeworfene Stöckchen erreichen derzeit nicht mein Interesse, Dialogen weiche ich aus, Begegnungen versage ich mich.
Die allgemeine negative Schwingung um mich herum raubt mir gerade die Energie - und wo ich mich diesem früher stellte, weiß ich heute, wie ich mich dem entziehen kann. Mag sein, dass das nicht immer richtig so ist, diese Vermeidungstaktik, derzeit fühlt sie sich für mich jedoch "gesünder" an.
Ich will grad keine Postings mehr lesen, die nur noch damit beschäftigt sind, Lug & Trug aufzudecken; ich will grad keine Nachrichten mehr sehen, die Angst schüren; ich will keine Statements mehr lesen oder erfahren, die lediglich Türen öffnen, hinter denen sich stapelweise nur übelriechender Müll befindet.
Es "vergiftet" mich, es reißt mich runter, es will mich in die Knie zwingen.
Aber all das will ich nicht.
Ich will glauben und nicht zweifeln.
Ich will mich freuen und nicht ärgern.
Ich will Hoffnung haben und mir diese auch nicht durch vermeintliche Realität zerstören lassen.
Ich will frei sein - in meiner Seele, frei und unbeschwert, so gut das eben möglich ist.
Dieser Tage fühle ich wieder dieses dringende Bedürfnis, mich völlig zurückzuziehen, am liebsten an das Meer zu fahren, am Ufer zu sitzen, die nackten Füße im Sand vergraben, auf das Meer zu starren und an nichts zu denken, an gar nichts. Einfach nur fühlen.
Und weil ich das im Moment nicht kann, ziehe ich mich auf die einzige Insel zurück, die ich aus eigener Kraft erreichen kann: die Musik.
Möglicherweise aber konzentriert sich in mir gerade auch nur alles auf den Termin am morgigen Vormittag hier in L. Seit vier Wochen steht er, all die Tage war ich gelassen und entspannt - und erst jetzt auf den letzten Metern fühle ich die Unruhe in mir. Er wird wegweisend werden - und über die nächsten geplanten und teils auch eingeleiteten Schritte mitentscheiden. Wenn es morgen gut wird, dann wird sich mein Leben ein weiteres Mal verändern - und ob genau das gut ausgeht oder nicht, das weiß ich erst, wenn es soweit ist.
Einmal mehr neige ich dazu, die Dinge an mich herankommen zu lassen, wobei ich überrascht feststelle, dass sich Dinge, die man nicht zu sehr will, offenbar gerade dann erfüllen.
..It's easy to leave things behind
But it's hard to forget them.
Sonntag, 12. August 2018
Momente für das Glas
Erst vor kurzem stellte ich einmal mehr fest, dass ein Blog - wenn man ihn wie eine Art Tagebuch führt - eine herrliche Fülle an Erinnerungen birgt, durch die ich manchmal stöber und dann schmunzle oder die Augenbrauen hochziehe und denke "Uff... War DAS ne Zeit!"
In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an jenes krebskranke Mädchen, das jeden ihrer Glücksmomente auf kleine Zettelchen schrieb und sie in einem Glas aufbewahrte - um sie immer dann hervorzuholen und sich daran wieder aufzurichten, wann immer sie glaubte, dass alles nur noch schwer und bedrückend war. Ich fand diese Idee richtig schön und hatte mir so, so oft vorgenommen, das auch zu tun - und dabei war es geblieben.
Vielleicht.. benutze ich ja einfach meinen Blog dafür und erschaffe hierfür extra ein neues Label ;)
Wobei.. Eigentlich gehören ja alle Momente irgendwie in das "Glas", weil.. Gerade mit Blick auf meine vergangenen 16, 17 Jahre denke ich, dass Du niemals um dieses Glücksgefühl weißt, hoch oben auf dem Gipfel zu stehen, die Augen zu schließen, die Arme auszubreiten - wenn Du nicht schon tief unten im Tal gestanden hast.. Und das, so meine ich, macht das Glücksgefühl umso tiefer, bewusster und wertvoller.
Und was gab es nun in dieser Woche?
Entdeckt..
Die Band HAEVN, ein Duo aus Holland, die sich mit ihren wundervoll melodischen, zumeist streichelzarten Indie-Songs direkt unter meine Haut spielten. Mir gefällt nicht alles von denen - das tuts ja nie - aber das Geschenkguthaben bei iTunes ist nun aufgebraucht. Und es wird wieder arscheng auf meinem Telefon ;)
Gestaunt..
..wie ein Mensch es schafft, ein und dieselbe Sache innerhalb kürzester Zeit vollkommen zu verdrehen und in das Gegenteil zu verkehren - wobei leider nicht immer etwas Positives dabei herauskommt. Oder doch, vielleicht doch: Man bekommt ein konkreteres Gespür dafür, wem man trauen kann und wem nicht.
Gewundert..
..über die Aussage eines Vegetariers, man sei dies aus ethischen Überzeugungen - und bestellt sich im nächsten Atemzug irgendwas mit Lachs. Wie nun? Ein Lachs hat doch auch Augen, ein Herz, ist ein Lebewesen, das atmet - wieso fällt der Fisch dann durch das Veggie-Raster? Versteh ich nicht..
Dafür aber versteh ich die Aussage, dass es weitaus weniger Fleischesser geben würde, müsste derjenige sein Essen selbst jagen, erlegen und zerlegen. Ich gebe zu: Dann wäre ich selbst ab sofort Vegetarier.
Gelesen..
"Morgen kommt ein neuer Himmel" - gekauft auf Empfehlung, kann mich mit dem Buch jedoch nicht recht anfreunden. Eine ziemlich verkrampft konstruierte Geschichte, wie ich finde, die phasenweise nicht nur surreal, sondern regelrecht unrealistisch daherkommt. Ein ganz schöner Schmonz!
..aber die Idee an sich zu diesem Buch finde ich schön. Erinnert ein wenig an den Film "P. S. Ich liebe dich" - den ich wiederum inzwischen wohl um die 15 Mal gesehen habe - und immer noch sehr mag.
Getestet..
..diese Woche die neue A-Klasse - rein optisch fand ich die toll. Aber ich bin froh gewesen, sie wieder abstellen zu dürfen. Mein Herz schlägt für Audi - und dabei bleibe ich wohl auch. Selbst der kleinste seiner Klasse liegt herrlich ruhig auf der Straße, auch noch bei 180 kmh (ab 205 kmh bekam ich Angst vor mir selber und bremste ab, Knautschzone hat er ja nun nicht wirklich).
Außerdem.. Ich brauche ne richtig echte Handbremse, nicht nur so einen blöden Knopf, den man wahlweise drückt oder zieht. Macht sich am Berg beschissen - wenns auch sicher nur eine Frage der Gewohnheit ist. Wie in vielen Dingen ;)
Und außerdem - rückwärts einparken (ich kann irgendwie nur rückwärts) ist echt ein Kunststück - bei der A-Klasse siehst du nix nach hinten raus. Viel zu hoch und viel zu verbaut das Ganze.
Gelacht..
..als ich gebeten wurde, im Netz nach etwas aus dem Arbeitsrecht zu recherchieren - und dabei über die Verlinkung stolperte, ab wann und wie ein Vorgesetzter für das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter sorgen muss, wenn im Büro die Temperaturen auf 33 Grad klettern. Nach Hause schicken ist durchaus eine Option, haben wir gelernt. Hat er aber nicht gemacht - dafür eisgekühlte Cola gekauft ;)
Sehr gefreut..
..über ein unverhofftes Wiedersehen bei Milchkaffee und Donut - die Zeit verging viel zu schnell!!
..über die Reaktion meiner herzliebsten Freundin zu meinem Geburtstagspost für sie - indem sie mir schrieb, ich möge bitte niemals vor ihr ins Gras beißen - das gäbe Saures.
..über die Gänsehautmomente des Mannes, dem ich in diesem Jahr vermutlich genau das Richtige zu seinem Geburtstag ausgewählt hatte.
Berührt gewesen..
..dass das große Kind sich dieses Mal aus der Begrüßungsumarmung gar nicht lösen mochte. Weiß gar nicht, ob das überhaupt schon jemals so war, seit er kein Kind mehr ist.
..vom wiederentdeckten Video aus dem Jahr 2002. Leider noch nicht die richtige Software zum Schneiden gefunden. Mit der einen sieht man kein Bild und bekommt auch nicht das vollständige Video "rein", mit der anderen konnte ich nur einmal schneiden und nie wieder.
Und jetzt öffne ich die Flasche und schenke mir ein Glas Sekt ein. Einfach so. Und proste dem Leben zu. Einfach so.
In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an jenes krebskranke Mädchen, das jeden ihrer Glücksmomente auf kleine Zettelchen schrieb und sie in einem Glas aufbewahrte - um sie immer dann hervorzuholen und sich daran wieder aufzurichten, wann immer sie glaubte, dass alles nur noch schwer und bedrückend war. Ich fand diese Idee richtig schön und hatte mir so, so oft vorgenommen, das auch zu tun - und dabei war es geblieben.
Vielleicht.. benutze ich ja einfach meinen Blog dafür und erschaffe hierfür extra ein neues Label ;)
Wobei.. Eigentlich gehören ja alle Momente irgendwie in das "Glas", weil.. Gerade mit Blick auf meine vergangenen 16, 17 Jahre denke ich, dass Du niemals um dieses Glücksgefühl weißt, hoch oben auf dem Gipfel zu stehen, die Augen zu schließen, die Arme auszubreiten - wenn Du nicht schon tief unten im Tal gestanden hast.. Und das, so meine ich, macht das Glücksgefühl umso tiefer, bewusster und wertvoller.
Und was gab es nun in dieser Woche?
Entdeckt..
Die Band HAEVN, ein Duo aus Holland, die sich mit ihren wundervoll melodischen, zumeist streichelzarten Indie-Songs direkt unter meine Haut spielten. Mir gefällt nicht alles von denen - das tuts ja nie - aber das Geschenkguthaben bei iTunes ist nun aufgebraucht. Und es wird wieder arscheng auf meinem Telefon ;)
Gestaunt..
..wie ein Mensch es schafft, ein und dieselbe Sache innerhalb kürzester Zeit vollkommen zu verdrehen und in das Gegenteil zu verkehren - wobei leider nicht immer etwas Positives dabei herauskommt. Oder doch, vielleicht doch: Man bekommt ein konkreteres Gespür dafür, wem man trauen kann und wem nicht.
..über die Aussage eines Vegetariers, man sei dies aus ethischen Überzeugungen - und bestellt sich im nächsten Atemzug irgendwas mit Lachs. Wie nun? Ein Lachs hat doch auch Augen, ein Herz, ist ein Lebewesen, das atmet - wieso fällt der Fisch dann durch das Veggie-Raster? Versteh ich nicht..
Dafür aber versteh ich die Aussage, dass es weitaus weniger Fleischesser geben würde, müsste derjenige sein Essen selbst jagen, erlegen und zerlegen. Ich gebe zu: Dann wäre ich selbst ab sofort Vegetarier.
Gelesen..
"Morgen kommt ein neuer Himmel" - gekauft auf Empfehlung, kann mich mit dem Buch jedoch nicht recht anfreunden. Eine ziemlich verkrampft konstruierte Geschichte, wie ich finde, die phasenweise nicht nur surreal, sondern regelrecht unrealistisch daherkommt. Ein ganz schöner Schmonz!
..aber die Idee an sich zu diesem Buch finde ich schön. Erinnert ein wenig an den Film "P. S. Ich liebe dich" - den ich wiederum inzwischen wohl um die 15 Mal gesehen habe - und immer noch sehr mag.
Getestet..
..diese Woche die neue A-Klasse - rein optisch fand ich die toll. Aber ich bin froh gewesen, sie wieder abstellen zu dürfen. Mein Herz schlägt für Audi - und dabei bleibe ich wohl auch. Selbst der kleinste seiner Klasse liegt herrlich ruhig auf der Straße, auch noch bei 180 kmh (ab 205 kmh bekam ich Angst vor mir selber und bremste ab, Knautschzone hat er ja nun nicht wirklich).
Außerdem.. Ich brauche ne richtig echte Handbremse, nicht nur so einen blöden Knopf, den man wahlweise drückt oder zieht. Macht sich am Berg beschissen - wenns auch sicher nur eine Frage der Gewohnheit ist. Wie in vielen Dingen ;)
Und außerdem - rückwärts einparken (ich kann irgendwie nur rückwärts) ist echt ein Kunststück - bei der A-Klasse siehst du nix nach hinten raus. Viel zu hoch und viel zu verbaut das Ganze.
Gelacht..
..als ich gebeten wurde, im Netz nach etwas aus dem Arbeitsrecht zu recherchieren - und dabei über die Verlinkung stolperte, ab wann und wie ein Vorgesetzter für das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter sorgen muss, wenn im Büro die Temperaturen auf 33 Grad klettern. Nach Hause schicken ist durchaus eine Option, haben wir gelernt. Hat er aber nicht gemacht - dafür eisgekühlte Cola gekauft ;)
Sehr gefreut..
..über ein unverhofftes Wiedersehen bei Milchkaffee und Donut - die Zeit verging viel zu schnell!!
..über die Reaktion meiner herzliebsten Freundin zu meinem Geburtstagspost für sie - indem sie mir schrieb, ich möge bitte niemals vor ihr ins Gras beißen - das gäbe Saures.
..über die Gänsehautmomente des Mannes, dem ich in diesem Jahr vermutlich genau das Richtige zu seinem Geburtstag ausgewählt hatte.
Berührt gewesen..
..dass das große Kind sich dieses Mal aus der Begrüßungsumarmung gar nicht lösen mochte. Weiß gar nicht, ob das überhaupt schon jemals so war, seit er kein Kind mehr ist.
..vom wiederentdeckten Video aus dem Jahr 2002. Leider noch nicht die richtige Software zum Schneiden gefunden. Mit der einen sieht man kein Bild und bekommt auch nicht das vollständige Video "rein", mit der anderen konnte ich nur einmal schneiden und nie wieder.
Und jetzt öffne ich die Flasche und schenke mir ein Glas Sekt ein. Einfach so. Und proste dem Leben zu. Einfach so.
Samstag, 11. August 2018
Eulen und Lerchen
„Früh ins Bett und frühes Aufstehen macht gesund, wohlhabend und klug.“ — Benjamin Franklin
„Glaubt nicht an den Nutzen des frühen Aufstehens, wie es der betörende Franklin propagiert...“ — Mark Twain
Der Mann hat manchmal so komische Anwandlungen. Dann kommt er auf die Idee, frühmorgens 5 Uhr aufzustehen und joggen zu gehen. Oder bei 37 Grad unbedingt JETZT Tischtennis im Park zu spielen, weil "Wir sollten die Dinge gleich machen, sonst vergessen wir es oder schieben es so lange auf, bis wir sie doch nicht mehr machen."
Ich verstehe seine Gedanken, ich stelle mich aber trotzdem nicht bei 37 Grad in den Park und jage einem weißen Ball hinterher. Ich bin doch nicht bekloppt. Und auch nicht lebensmüde.
"Dann gehen wir eben abends, wenn die Temperaturen sinken", feilscht er und ich beginne zu lachen: "Wahrscheinlich hältst du es für eine Ausrede, aber ehrlich: Wenn wir um 22 Uhr immer noch 32 Grad haben, ist es mir immer noch zu warm, vor allem aber sehe ich dann schon gar keinen Ball mehr. Ich gehe lieber baden."
Ich glaube, er weiß auch überhaupt nicht, wie man AUSSCHLAFEN überhaupt buchstabiert. Weil er es einfach nicht kennt. Ausschlafen bedeutet für ihn irgendwas nach 7 Uhr, ja, auch am Wochenende. Seit das Unternehmen, in dem er angestellt ist, Räumlichkeiten zusammengelegt und aus vielen Einzelbüros mit maximal 3 Personen mehrere Großraumbüros gemacht hat mit dem Motto: Wer zuerst kommt, nimmt sich den besten Platz, hat er sich dazu entschlossen, das Haus nicht mehr 8 Uhr, sondern spätestens 7 Uhr zu verlassen. Was bedeutet, dass ich mir meinen guten-Morgen-Kaffee allein schmecken lassen muss - etwa so gegen neun Uhr. Und was ihn prinzipiell daran gewöhnt, jetzt immer so zeitig aufzustehen und sich nix draus zu machen.
Hach, was waren das noch für entspannte Zeiten, als ich an Wochenenden bis zehn Uhr schlief, im Bett frühstückte, Zeitung oder Blogs las, ehe ich mich irgendwann weit nach Mittag oder so aus den Kissen wand und beschloss, den Tag so allmählich begrüßen zu wollen.
Genießen? Kann ich! Kann ich beinah bis zum Exzess.
Menschen, die morgens kurz nach 4 im Bademantel auf Balkonen hocken und ihre Tasse Kaffee in den Händen halten, sind immer noch meine Herzliebsten (ja, wenn Du das hier liest - Dich meinte ich ;)) - aber sie sind mir auch auf immer und ewig suspekt. Ich kann ja auch nichts für das, was bei denen offensichtlich schiefgegangen ist *kreisch* - aber so sehr der Mann auch lockt und versucht: Er wird aus mir keine Lerche machen. Nicht in diesem Leben - und über das nächste verhandeln wir, wenn es soweit ist.
Natürlich kann man sagen, wer früh aufsteht, hat mehr vom Tag. Stimmt ja aber genau genommen nicht wirklich: Wer früh aufsteht, wird zeitiger müde und muss dann schlafen gehen, wenn ich tanzen gehen will. Oder schläft neben mir im Kino ein. Und was wird dann mit diesen wunderbaren Sommerabenden, diese herrlich sinnliche Zeit zwischen Abend und Nacht, die man sich in Bars gegenübersitzen und in die Augen schauen kann, die Wangen erhitzt vom Reden, Lachen und vom Gleichklang der Seele? Was ist mit den Sommernächten, in denen man auf der Wiese liegt, gemeinsam aus einer Flasche Wein trinkt und die Sternschnuppen zählt? Was ist mit den herrlich warmen Nächten, in denen man sich nackt in die Wellen des Meeres wirft und ausgelassen herumtobt, bis man mit klopfendem Herzen zurück in den Sand fällt? Was ist mit den Nächten, in denen man auf dem Nachhauseweg barfuß auf der Straße tanzt und die Sandalen in den Händen schlenkert?
Tagsüber ist all das doch gar nicht möglich! Auch wenn es zehn gute Gründe geben mag, die der Autor unter oben genanntem Link sich aus den Fingern gesaugt hatte, um das Hohelied auf die Lerche zu singen. Da halte ich es mit dem einleitenden Zitat des Artikelverfassers:
"Lasst mich aber zuerst eines sagen; wenn ihr zu den Nachteulen gehört und ihr euch gut damit zurechtfindet, dann ist das eine tolle Sache. Es gibt keinen Grund euren Lebensstil zu ändern, vor allem dann nicht, wenn ihr glücklich seid."
Thats it. Ich BIN glücklich. ;)
Freitag, 10. August 2018
An die herzliebste Freundin

In dem Jahr, in dem wir uns das letzte Mal gesehen haben, habe ich Dir zu Deinem Geburtstag eine Fahrradklingel gekauft. Du weißt schon, so eine Ding-Dong-Klingel - passend zu Deinem antiken Rad und inzwischen passend zu Deinem historischen Alter :*
In dem Jahr, in dem wir uns das letzte Mal sahen, bekam ich nicht mehr die Gelegenheit, sie Dir auch in die Hände zu legen - und seither ruhte sie in der obersten Schublade meiner Lieblingskommode. Ab und an strich ich mit den Fingerspitzen darüber, manchmal nahm ich sie nachdenklich in die Hand, nur um sie dann doch wieder in die Kommode zurückzulegen.
Ich konnte mich dennoch nie von ihr trennen, so wie ich mich auch nie wirklich von Dir lösen konnte.
Irgendwann hat mal jemand zu mir gesagt: "Wenn ich nichts mehr von dir höre, dann vergesse ich dich" und ich dachte in jenem Augenblick: "Dann ist es auch nicht das Richtige."
Bei mir, musst Du wissen, ist das nämlich anders: Ich kann mich sehr schnell für Menschen und Dinge begeistern, das stimmt - aber Strohfeuer erkalten auch sehr schnell wieder. Nur wer es einmal auch tief in meine Seele hinein geschafft hat, den behalte ich auch dort für all die Zeit, in der ich noch atme, denke, fühle - und hoffe. Und in meiner Seele haben bisher nur sehr, sehr wenige Menschen ihren Platz gefunden. Die, an die ich umso mehr denke, je länger ich sie nicht sah, je tiefer die Wortlosigkeit wurde, die Schweigsamkeit, von der ich manches Mal nicht einmal mehr wusste, woher sie entstanden war..
Du bist eine der sehr, sehr wenigen. Du bist die, von der ich irgendwie immer wusste: "Sie ist meine herzliebste Freundin." Du bist die, an die ich immer und immer wieder dachte, wenn ich durch den Tag oder durch die Nacht fuhr, die Musik aufdrehte, das Fenster herunterließ, um den Wind in den Haaren wühlen zu lassen - und ich mir einreden konnte: Jetzt würde ich ans Meer fahren, wir würden Cafes besuchen und uns überlegen, welches von denen eines Tages uns gehören würde. Oder wenigstens Ideen klauen, wie es sein sollte - das Cafe. Eins mit wenigen Omasesseln, kleinen Holztischen, Figuren aus Treibholz in den Fenstern, indirektem Licht - und eben dem Regal voller ausgewählter Bücher, keine neuen, keine perfekten, sondern die mit dem Charme des ewig wiederholten Gelesenen. Den Kuchen würden wir selber backen und abends, wenn die Stühle schon hochgestellt sind, würden wir eine Flasche Weißwein öffnen, die Beine hochlegen, den Haarknoten öffnen und ich würde seufzen und sagen "Gleich schlafe ich hier auf dem Stuhl ein" und du würdest sagen: "Na ICH trag DICH aber NICHT nach Hause, wir zahlen schließlich keine Erschwerniszuschläge!"
Nur manchmal habe ich geschrieben, wie sehr ich Dich vermisse.
Aber jeden Tag habe ich es gefühlt, ohne auch nur einen einzigen Millimeter erneut auf Dich zugehen zu können. Das hast Du nun getan - und wenn ich mich auch noch vorsichtig in unseren Welten bewege, zurückhaltend, so denke ich jeden einzelnen Tag, wie ganz sehr glücklich ich darüber bin.
Meine herzliebste Freundin, ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles, alles Liebe zu Deinem Geburtstag. Ich wünsche Dir das Lachen, das Deinen Bauch schmerzen und Deine Augen mit Glückstränen füllen lässt. Ich wünsche Dir die Leichtigkeit und die Innigkeit, während Du dabei bist, Dir Deine Träume zu erfüllen, Stück für Stück. Ich wünsche Dir ein Leben voller kleiner Glücksgefühle, die die Seele so unendlich reich machen. Und wenn Du weinst, dann möchte ich mich zu Dir beugen und Dich in die Arme nehmen. Einfach nur festhalten.
Danke, dass es Dich gibt.
Mittwoch, 8. August 2018
Wenn Träume fliegen lernen
Das Kind hat einen Hang zum Minimalismus. Von mir hat er das ganz sicher nicht - ich bekenne mich zu meinem verspielt-verträumten Stil von "Landhaus meets Ikea". Oder so. Auf jeden Fall gemütlich und in warmen, hellen Farben. (Na ja gut, zumindest würde ich das gern - mal sehen, ob wir es noch schaffen werden, eine passende Bleibe zu finden, die ich dann auch gestalten darf, bevor uns Atem und Zähne ausgehen und wir ins Altenheim übersiedeln dürfen.)
Jedenfalls zeigte Sohnemann mir dieses Foto und fragte: "Das kann doch weg oder?"
"Hä was?" rief ich entgeistert. "DU willst MEIN Foto wegschmeißen??"
"Ist doch alt", stellte er vollkommen realistisch, aber herzlos fest, "siehst doch heute eh ganz anders aus."
Ich nahm das Foto an mich.
"Untersteh dich!"
Diese Momentaufnahme aus dem Jahr 1994. Ich erinner mich daran so genau, weil ich das Blumenkleid wiedererkenne, das ich mir in diesem Jahr kaufte und auch nur in diesem einen Jahr trug. Das erste schwierigste Jahr nach der Heirat. Das erste schwierige Jahr, in dem mir die ersten Gedanken gekommen waren, ob ich es vielleicht auch allein schaffen könnte - nur das Kind und ich... Und die ich wieder verwarf, als der Mann sich nach dem Tod der Mutter umso mehr an mich klammerte.
Je länger ich dieses Foto betrachtete, umso mehr Erinnerungen stiegen in mir auf.
Ich als Kind.
Ich als Girlie.
Ich als junge Frau, die völlig überstürzt heiratete.
Ich als junge Frau, die ihr erstes Kind bekam, obschon ich mir zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht sicher war, ob ich nicht vielleicht doch lieber noch gewartet hätte.
Ich als junge Frau mit dem Kopf voller Träume und romantischer Vorstellungen, die noch nicht völlig von der Realität bezwungen worden waren. Die aufgehört hatte mit der Malerei und auch mit dem Schreiben, mit dem Ausdenken von Geschichten über Menschen und die Liebe zueinander.. Die stattdessen versuchte, ihren Platz im Leben zu finden - einem Leben ausschließlich in Verpflichtung, in Verantwortung, als Arbeitskraft, als Hausfrau, als Mama - und die irgendwann ging, weil so viel mehr zu einem wirklich erfüllten Leben gehört.
Wenn ich Fotos von einst und von heute nebeneinander lege, dann denke ich, dass ich damals trotz allem immer noch sehr viel mehr romantische Vorstellungen als heute besaß - und dass ich heute dafür eher konkrete Träume spür. Wenn ich heute Fotos von mir, sehe ich oftmals die Müdigkeit in meinem Blick, in meinem Augen - ungeachtet der Tatsache, dass ich ja auch älter geworden bin.
Vergangenen Sonntag fand ich alte E-Mails einer Freundin an mich, geschrieben vor rund zehn Jahren. Sie beschrieb mich - wie sie mich sah, wie sie mich empfand und unwillkürlich fragte ich mich, wie sie mich eigentlich heute sieht und ob sie immer noch dasselbe von mir sagen würde?
Im Grunde.. ist es vielleicht nicht wirklich wichtig, was ein anderer über dich sagt - sondern wie du dich selber fühlst?
Wenn ich auf meine Fotos von heute schaue, stelle ich für mich fest, dass sich das Mädchen in mir.. wohl endgültig verabschiedet hat.
"Du bist erwachsen geworden", sagte mir mal jemand, dem ich nach Jahren der Kontaktlosigkeit wiederbegegnet war.
Und ich weiß noch nicht, ob ich das gut oder weniger gut finden soll. Ich denke, ich habe geglaubt, den Peter Pan in mir ein Leben lang bewahren zu können. Ich denke, ich habe geglaubt, dass ich meine Träume fliegen lassen kann, ohne dass sie sich zugleich auch davonmachen.
Und jetzt gerade in diesem Moment denke ich.. ich sollte sehr viel mehr von dem ausgraben, das mich an mich selbst erinnert - um mich selber zu bewahren. Und seien es diese alten Fotografien von mir, denen ich noch heute, 24 Jahre später ansehe, dass ich wohl körperlich anwesend war, mit meinen Gedanken jedoch.. bereits ganz woanders.
Jedenfalls zeigte Sohnemann mir dieses Foto und fragte: "Das kann doch weg oder?"
"Hä was?" rief ich entgeistert. "DU willst MEIN Foto wegschmeißen??"
"Ist doch alt", stellte er vollkommen realistisch, aber herzlos fest, "siehst doch heute eh ganz anders aus."
Ich nahm das Foto an mich.
"Untersteh dich!"
Diese Momentaufnahme aus dem Jahr 1994. Ich erinner mich daran so genau, weil ich das Blumenkleid wiedererkenne, das ich mir in diesem Jahr kaufte und auch nur in diesem einen Jahr trug. Das erste schwierigste Jahr nach der Heirat. Das erste schwierige Jahr, in dem mir die ersten Gedanken gekommen waren, ob ich es vielleicht auch allein schaffen könnte - nur das Kind und ich... Und die ich wieder verwarf, als der Mann sich nach dem Tod der Mutter umso mehr an mich klammerte.
Je länger ich dieses Foto betrachtete, umso mehr Erinnerungen stiegen in mir auf.
Ich als Kind.
Ich als Girlie.
Ich als junge Frau, die völlig überstürzt heiratete.
Ich als junge Frau, die ihr erstes Kind bekam, obschon ich mir zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht sicher war, ob ich nicht vielleicht doch lieber noch gewartet hätte.
Ich als junge Frau mit dem Kopf voller Träume und romantischer Vorstellungen, die noch nicht völlig von der Realität bezwungen worden waren. Die aufgehört hatte mit der Malerei und auch mit dem Schreiben, mit dem Ausdenken von Geschichten über Menschen und die Liebe zueinander.. Die stattdessen versuchte, ihren Platz im Leben zu finden - einem Leben ausschließlich in Verpflichtung, in Verantwortung, als Arbeitskraft, als Hausfrau, als Mama - und die irgendwann ging, weil so viel mehr zu einem wirklich erfüllten Leben gehört.
Wenn ich Fotos von einst und von heute nebeneinander lege, dann denke ich, dass ich damals trotz allem immer noch sehr viel mehr romantische Vorstellungen als heute besaß - und dass ich heute dafür eher konkrete Träume spür. Wenn ich heute Fotos von mir, sehe ich oftmals die Müdigkeit in meinem Blick, in meinem Augen - ungeachtet der Tatsache, dass ich ja auch älter geworden bin.
Vergangenen Sonntag fand ich alte E-Mails einer Freundin an mich, geschrieben vor rund zehn Jahren. Sie beschrieb mich - wie sie mich sah, wie sie mich empfand und unwillkürlich fragte ich mich, wie sie mich eigentlich heute sieht und ob sie immer noch dasselbe von mir sagen würde?
Im Grunde.. ist es vielleicht nicht wirklich wichtig, was ein anderer über dich sagt - sondern wie du dich selber fühlst?
Wenn ich auf meine Fotos von heute schaue, stelle ich für mich fest, dass sich das Mädchen in mir.. wohl endgültig verabschiedet hat.
"Du bist erwachsen geworden", sagte mir mal jemand, dem ich nach Jahren der Kontaktlosigkeit wiederbegegnet war.
Und ich weiß noch nicht, ob ich das gut oder weniger gut finden soll. Ich denke, ich habe geglaubt, den Peter Pan in mir ein Leben lang bewahren zu können. Ich denke, ich habe geglaubt, dass ich meine Träume fliegen lassen kann, ohne dass sie sich zugleich auch davonmachen.
Und jetzt gerade in diesem Moment denke ich.. ich sollte sehr viel mehr von dem ausgraben, das mich an mich selbst erinnert - um mich selber zu bewahren. Und seien es diese alten Fotografien von mir, denen ich noch heute, 24 Jahre später ansehe, dass ich wohl körperlich anwesend war, mit meinen Gedanken jedoch.. bereits ganz woanders.
Montag, 6. August 2018
Wo ich zu Hause bin..
Am Nachmittag schickte mir der Mann ein Video und schrieb dazu "Was ich noch sagen wollte!" Eins jener whatsapp-geeigneten Videos, die an das Bewusstsein appellieren und daran, jeden Tag auszukosten - denn jeder einzelne Tag, der nicht "gelebt" wurde, ist auf immer und ewig verloren, weil man ihn nicht zurückholen kann. Verschenkte, vertane Zeit...
"Hmm".. war meine erste und zunächst einzige Reaktion darauf und späterhin fragte er, wie ich das gemeint hatte.
Ich tat mich ein wenig schwer mit der Antwort.. Manchmal fühle ich mehr als dass ich es in Worte fassen kann. Jedoch er wartete.. Also sprach ich.
"Prinzipiell stimme ich dem Gesagten zu.. Aber irgendwie.. sehe ich darin auch die Gefahr, dass man jeden Tag vollkommen auskosten möchte - mit allem, was geht. Mit wirklich allem und möglichst mit noch mehr. Mit immer noch mehr. Er birgt für mich die Gefahr, dass man verlernt, innezuhalten, den Moment zu genießen. Weil man immer und immer wieder angetrieben wird von dem Gedanken: Bloß weiter, nicht stehenbleiben, keine Zeit vergeuden, der Augenblick, der Moment, der Tag, alles ist nicht mehr rückholbar. Ich glaube, dass das unrastig machen kann. Immer auf der Überholspur stehen zu wollen, um ja nichts zu verpassen. Und damit unfähig, sich fallen zu lassen.."
Manchmal denke ich, dass wir uns unfassbar ähnlich sind.
Für mich ist nicht wichtig, was wir miteinander tun.
Für mich ist entscheidend, WIE wir miteinander sind. Und dass jeder einzelne Tag für mich ein Geschenk ist, den ich genieße. So wie er ist. Weil alles mit ihm mich erfüllt. Ganz gleich, ob wir aufgerüscht zu einem Event gehen oder ein Wochenende daheim auf dem Sofa rumliegen und dem süßen Nichtstun frönen. Oder jeder dem nachgeht, das ihn interessiert.
Home is where your heart is.. ..aber jeder kann ja auch nur immer für sich sprechen, nicht für den anderen.
Manchmal denke ich, dass wir uns unfassbar ähnlich sind.
Und manchmal denke ich, dass wir kilometerweit voneinander entfernt sind..
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