Oh mein Gott, was war ICH verliebt! In diese himmelblauen, sehnsuchtsvollen Augen!
Sobald der TV lief und es erklang dieser Titel, ließ ich tatsächlich alles stehen und liegen und rannte - haste was kannste - ins Wohnzimmer zu den Eltern, stand völlig entrückt und mit seligem Blick in der Tür und ging nicht eher von der Schwelle, bis er nicht mehr zu sehen war.
Zumindest kann ich sagen, dass er derjenige war, der diese Sehnsucht in mir auslöste, die bis heute in mir lebt. Die Sehnsucht nach etwas Wundervollem, nach Einzigartigem - und vor allem nach Liebe.
So ist das auch bis heute: Ich weiß nicht, was in ist, was angesagt ist - es kümmert mich auch nicht. In Musik verliebe ich mich spontan und sofort, sobald sie etwas in mir auslöst. Seien es Tagträume. Seien es Empfindungen. Seien es Erinnerungen. Sei es die Sehnsucht. Die sich in meiner Seele und in meinen Augen spiegelt. Bis heute reagiere ich demnach auf alles und jeden, der Sehnsucht in mir auslöst.
Ich liebte, liebte und liebe noch immer diesen Song.
Die meisten kleinen Mädchen träumen davon, eine Prinzessin zu sein. Ich auch, als ich noch vier, fünf, sechs Jahre alt war.
Aber schon lange, bevor ich überhaupt meinen ersten Freund hatte, fand ich den Gedanken, dieses Gefühl einfach nur schön, für einen anderen Menschen etwas ganz Besonderes zu sein. Damals wusste ich noch längst nicht, wie sich das in der Realität anfühlen würde. Lange auch habe ich geglaubt "Wenn du erstmal einen Mann hast und verheiratet bist, dann geht es dir immer gut, dann wirst du nie wieder Liebeskummer haben, weil, du hast ja dann jemanden und bist glücklich."
Hach ja, so herrlich naiv...
Trotzdem habe ich dieses Gefühl, diesen Gedanken, diese Sehnsucht immer mit mir mitgenommen - und verliebe mich bis heute in jeden Song, der mich daran erinnert.
Das erklärt vielleicht auch, warum ich keinen Zugang zur damals gängigen Mucke fand - Puhdys, Karat und wie sie alle hießen. Denn West-Mucke durfte man ja nicht hören, jedenfalls nicht offiziell. Und die Insel, auf der ich wohnte, ja da war nix mit West-Empfang. Maximal Radiowellen sind zu uns aufs Eiland geschwappt. Hachz! Was waren DAS noch für Zeiten, wenn man bäuchlings auf dem Fußboden lag, die Antenne des Radio-Kassettenrecorders mit beiden Händen fest umklammert hielt und die Augen zupresste unter dem Gebet: "Bitte! Lass! Es! Nicht! Rauschen! NICHT! JETZT! NUR DIESES EINE MAL!!", während man verzweifelt versuchte, wenigstens ein bisschen vom Lieblingssong mitschneiden zu können. Ein bisschen Qualitätsrauschen konnte ich ja locker in Kauf nehmen, aber wenn der halbe Titel im Äther verschwand, ja, das konnte manchmal schon weh tun. Vor allem dann, wenn man das eigene Zimmer zur Bühne erklärte, sich im Spotlight vor zig Zuschauern wähnte und lautstark, falsch und fröhlich sang, Lied zurückspulen, singen, wieder zurückspulen...
Vor einigen Jahren hat der Mann mir einen langgehegten Traum erfüllt und ist mit mir nach Wien gereist. Auch die Stadt natürlich, in der Peter Cornelius lebt. Ich habe mich im Vorfeld nicht gekümmert, ob er überhaupt noch dort lebt und wo man ihm vielleicht begegnen könnte. In irgendwelchen Clubs, Kaffeehäusern, was weiß ich. Dennoch hatte ich irgendwie immer ein klein wenig die Hoffnung, es könnte irgendwo passieren. Ganz unvorbereitet, unverhofft und überhaupt.
Es war für mich völlig okay, dass es natürlich nicht so war.
Aber heute und insbesondere im Zusammenhang mit dem Herauskramen von Musik für diese Challenge muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, dass der Mann, den ich heute liebe, der Sehnsucht von damals, als ich noch ein Kind war, tatsächlich ähnlich ist. Als ich ihm zum allerersten Mal gegenüberstand, war da etwas, das ich.. wiedererkannt habe. Bezeichnenderweise war mein Ex-Mann ganz anders. Der ähnelte meinem Vater.
Ich soll mein Leben ordnen, hatten sie gesagt.
Ich soll Stress reduzieren, hatten sie gesagt.
Ich soll Nein sagen lernen, hatten sie gesagt.
Ich soll mich abgrenzen lernen, hatten sie gesagt.
Mein Leben habe ich erstmals aktiv geändert, als ich im Januar 2003 aus der ehelichen Wohnung auszog und drei Jahre später endlich die Scheidung durchsetzen konnte. Für mich gab es von Anfang an kein Zurück, das Thema war zumindest für mich endgültig vom Tisch.
In schier endlosen Therapiesitzungen arbeitete ich nicht nur die Ehe und den Rosenkrieg auf, sondern auch Dinge, die noch sehr viel länger her waren. Man spürt nicht sofort die Erleichterung. Oder dass sich etwas (ver)ändert. Das kommt erst mit der Zeit, mit den Jahren.
Ein weiteres Mal änderte ich mein Leben mit meiner Entscheidung, von L nach M zu ziehen und überwiegend nur noch im Home Office zu arbeiten.
Beide Entscheidungen haben ziemlich tief in mein jeweils bisheriges Leben eingegriffen - und beide Entscheidungen habe ich nicht eine einzige Sekunde lang bereut. Im Gegenteil.
Mittendrin, okay, relativ am Anfang dieses neuen Lebens ist mir die Schmerzgeschichte passiert. Den Auslöser bestreitet niemand. Diese Infektion mit Bakterien. Was mir nur seither immer wieder geschieht, ist, dass es eben nicht sein kann, dass der Körper auf der linken Seite immer noch schmerzt. Seit dem Februar 2005 jeden einzelnen Tag, jede Minute, jeden einzelnen Augenblick. Wobei, ne, ganz so ist es nicht. Seit Februar 2005 hat der Körper komplett geschmerzt. Nach der Behandlung mit zwei verschiedenen Antibiotika schmerzt er nur noch links. Ob das einen Unterschied macht? Für mich schon. Weil rechts mich daran erinnert, wie das Leben vor dem Schmerz war. Weil rechts mich mahnt: Gib nicht auf, mach alles, dass es wieder gut wird.
Es ist doch behandelt worden, haben sie gesagt.
Es ist doch alles untersucht worden, haben sie gesagt.
Da ist nichts mehr, haben sie gesagt, und wenn es jetzt noch weh tut, dann liegt es an Ihnen.
Das habe ich so oft gehört, dass es mir zu den Ohren rauskommt. Manchmal habe ich vor Enttäuschung geweint. Manchmal habe ich vor Wut irgendwas vom Tisch gefegt. Manchmal habe ich etwas zu diesen Einschätzungen gesagt. Meistens aber habe ich es hingenommen und das gemacht, was sie sagten: Kümmer dich um deine Seele. Lerne, es auszuhalten. Lerne, damit zu leben.
All das habe ich gemacht. Nachweislich und aktenkundig. Und vor allem erfolgreich. Manche haben gesagt "Sie sind schon da, wo wir die Patienten hinhaben wollen. Noch mehr können wir Ihnen nicht beibringen."
Manche haben in ihren Bericht geschrieben, dass sie die psychosomatischen Aufnahmediagnosen geändert haben zugunsten einer somatischen Störung, von der man nur noch nicht weiß, was die Ursache ist.
Das habe ich markiert, bevor der Doc und ich alle Unterlagen an das Zentrum für seltene Erkrankungen in Leipzig übermittelten. Das einzige, das das Zentrum nicht wissen konnte, ist, dass mir der im Januar verordnete Cortisonschub tatsächlich spürbar half. Nicht nur schmerzmäßig. Auch einige der deutlichen neurologischen Auffälligkeiten sind seitdem so gut wie weg. Ein Wahnsinnserfolg, fand ich. "Das ist DER Hinweis auf eine Infektion im Nervensystem", bestätigte mein Doc. Und fragte, ob ich denn von Leipzig schon was gehört hatte. Das war letzten Freitag. Nein, hatte ich bis dahin nicht.
Hatte ich Hoffnungen? Wenn ja, worauf? Oder hätte ich es wissen müssen?
Heute war der Brief aus Leipzig in der Post. Nur wenige Zeilen, mit denen sie mir alles Gute wünschen und davon ausgehen, dass laut den vorliegenden Unterlagen "alle einschlägigen, derzeit verfügbaren Methoden gut ausgeschöpft sind". Dass sie mir empfehlen, vielleicht doch die psychosomatische Klinik hier in M aufzusuchen. Und dass ansonsten noch eine Sarkoidose erwogen werden könnte, was aber aufgrund des einseitigen Schmerzmusters und dem sehr langsamen Verlauf eher untypisch sei.
Den Brief habe ich in die Ecke geworfen und dann habe ich ziemlich bitter geweint. Nicht aus Frust, nicht aus Wut. Einfach nur.. aus Enttäuschung.
Der Mann hat mich in die Arme genommen und gesagt, dass ich trotzdem nicht aufgeben darf und soll. Denn dann würde ich all denen recht geben und alles wäre umsonst.
"Ist doch auch so umsonst", begehrte ich auf, "denn du siehst, ich komme einfach nicht weiter. Ich komme aus dieser verdammten scheiß Schublade einfach nicht raus."
"Aber die wissen nichts vom Cortison und wie dir das geholfen hat. Das wäre doch ein neuer Ansatz."
"Ich habe keinen Bock mehr", antwortete ich und meinte es auch so. "Wirklich, ich habe keine Lust mehr. Dann lebe ich eben weiter mit allem und wenns wieder schlimmer wird, nehme ich ein paar Wochen lang Cortison. Fertig."
"Das ist doch keine Lösung", sagte er.
"Natürlich nicht. Aber eine andere gibts nicht", antwortete ich und versetzte dem heruntergefallenen Brief nochmal nachdrücklich einen Fußtritt.
Das Klinikum mit der psychosomatischen Abteilung hier in M, an die ich mich wenden soll, ist übrigens die, die die vor zwei Jahren aufgetretenen neurologischen Ausfälle auf die psychische Belastung aufgrund des Umzugs von L nach M schiebt. Auf die ja doch einschneidende Änderung der Lebensumstände.
"Entscheidet euch doch mal, was ihr wollt", reagierte ich damals kopfschüttelnd. "Ich sollte mein Leben ändern und vor allem den Stress abbauen - und wenn ich das mache, findet ihr auch darin wieder einen Grund, mich in die Psychoecke zu schieben?"
Ja, fanden sie. Weil ein möglicher weitergehender Weg die Suche in der Genetik wäre, so der Assistenzarzt. Doch diese Suche ist vor allem eins: teuer. Er durfte das nicht entscheiden. Und der Oberarzt hatte mir wortwörtlich gesagt: "Man muss ja nicht gleich mit dem Teuersten anfangen. Man kann es ja auch erst mal mit der Psyche versuchen."
Unrecht hat er damit sicherlich nicht. Nur dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Jahre erfolgreich Psycho-Streckbank hinter mir hatte. Erfolgreich, was Seele, Geist, persönliche Entwicklung und auch körperliche Energie betrifft. Nur "der Rest", der wurde nicht. Der Rest, für den ich eigentlich dort hingegangen war.
Aber wer weiß. Vielleicht verwächst sich das ja dann doch noch in den nächsten zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren.
Aber so wie ich das sehe, gibt es kein Entkommen.
Ich soll nicht pessimistisch sein, sagt der Mann.
Bin ich doch gar nicht. Ich bin realistisch.
Dank einer treuen Leserin, mit der ich seit einiger Zeit nicht nur auf privaten Kanälen, sondern auch über FB verbandelt bin, darf ich nun teilnehmen an einer Preisgabe meiner zehn persönlichen Musik-Vinyls, die mich von früh an bis heute (glaub ich) begleitet und geprägt haben. Meine allererste Vinyl war aber keine Musik-LP, sondern ein Hörspiel vom Burattino - die ostdeutsche Variante des Pinocchio. Ich glaubte doch glatt, damit raus zu sein aus dieser Nummer, aber mehrheitlich wurde dann beschlossen, dass auch Hörspiel-Vinyls zählen! Nun soll ich an zehn aufeinanderfolgenden Tagen die Hosen runterlassen (sie sagt ja: s Kleidchen heben :)) und nach anfänglich beschämter Ziererei sagte ich mir dann: Ach was solls, steh einfach dazu.
Ich glaube, ich war hier noch nicht mal ein Schulkind, aber ich kanns noch immer ganz deutlich vor mir sehen: die dunkelbraune Schrankwand der Eltern mit dem weißen Korpus, der Fernseher darin und darüber der Plattenspieler, an den ich damals aus eigener Kraft und Größe noch nicht heraufreichte. Also musste mir immer die Mama die LP auflegen und dann lag ich bäuchlings vor dieser Schrankwand auf dem Fußboden, den Kopf in beide Hände gestützt. Nur in Strickstrumpfhosen und einem Pullover bekleidet. Am ehesten noch erinnere ich mich an das Gegacker vom Burattino, als er mit Rizinus aus einem Schlaf wiedererweckt wurde. Das hab ich tatsächlich noch immer im Ohr.
Das ist übrigens etwas, das ich bis heute noch so gerne tu: auf dem Holzfußboden liegen, die Vibration der Klänge über das Holz bis in den tiefsten Punkt meines Seins zu fühlen, die Augen schließen und ganz woanders sein...
Grad kommt mir so der Gedanke, dass ich früher tatsächlich noch Geduld und Ausdauer besessen haben muss. Heute wäre für mich nicht vorstellbar, schätzungsweise dreißig Minuten lang einem Hörspiel zu folgen, ohne auch nur irgendwas anderes nebenbei zu machen. Wohl auch deshalb telefoniere ich überhaupt nicht gern. Weil ich dann gezwungen bin, nichts anderes nebenbei zu machen, sondern mich hundertprozentig auf das Gegenüber einzulassen. Und bei allem, das über ein, zwei Minuten hinausgeht, werde ich hibbelig. Laufe dann wenigstens auf und ab, schaue nebenbei hinaus in den Garten oder auf die Fingernägel, von denen der frisch aufgetragene Lack schon wieder beginnt abzublättern, kratze mich am Kopf oder an der Nase, baumle mit de Beene in der Hoffnung, der andere möge zum Ende kommen und den Rest vielleicht lieber doch schriftlich mitteilen wollen.. Das gilt natürlich nicht für alle Telefonate. Nicht für jenes vom Montagabend zum Beispiel, das mir ganz sehr unter die Haut ging. Aber so für die alltäglichen.
Wohl auch deshalb liebe ich Chatprogramme. Ich kann mir da problemlos ein paar Fenster nebeneinander legen und auch bedienen, nebenbei TV schauen und was essen - und keiner der Beteiligten merkts. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Schade eigentlich. Aber heutzutage beschränkt sich die Kommunikation immer mehr auf das Teilen von Bildchen und maximal dreizeiligen Kommentaren. Beklagen will ich das nicht - wie dürfte ich auch - angesichts meiner Telefonie-Unlust. Dafür habe ich heute aber wieder viel mehr Bock auf Ausgehen, Freunde treffen, schwatzen, lachen, was trinken, anderen Leuten zusehen... Hier in M sind die Möglichkeiten jedoch sehr, sehr begrenzt - und in L mangelt es mir an Zeit. Aber der Wille ist ja schon mal das, was zählt ;)
Die Brüllmaus stellt ja freitags immer Fragen, die ich zwar bisher noch nie mitgenommen habe (glaube ich), für die mir aber insbesondere wegen Frage 3 Anlass genug dazu war. Auch wenn wir inzwischen schon wieder Mittwoch haben :)
1. Wie war Deine Woche?
Nehmen wir also die vergangene Woche ;) Sie war durchwachsen, das kann ich sagen. Angereist schon in der Woche zuvor, um teilzuhaben an der feierlichen Ernennung von Sohnemann II in seinen Berufsstand, genoss ich ein entspanntes Wochenende, nachdem alles Chaos beseitigt, Essen zubereitet und auch alle Wäsche fröhlich auf der Leine im Wind wehte.
Überhaupt habe ich gestaunt, dass nur ein einziger Tag genügt, um mit beinah allem wieder von vorn zu beginnen. Bad putzen, Staub saugen, Wäsche waschen, Löcher und abgerissene Haken in diversen Klamotten vernähen.. Unglaublich, diese Jungs.
Vier Tage Office hatte ich mit dem Chef ausgehandelt, um nicht an drei aufeinanderfolgenden Wochen nach L verreisen zu müssen. Grundsätzlich fahre ich leidenschaftlich gern Auto. Aber wöchentlich würde dann doch anstrengend für mich, zumal im Mai und Juni extra noch Fahrten um jeweils etwa 1000 Kilometer geplant sind.
Und vier Tage Office... Ich habe echt vergessen, wie anstrengend das ist: Morgens eine genau organisierte Taktung, wenn drei Erwachsene zu etwa derselben Zeit aus dem Haus müssen. Pünktlich ins Office stürmen, ständig ruft jemand nach dir oder will was von dir - du springst gefühlt minütlich von einer Thematik in die andere.
Überhaupt: "Wir geben uns nicht mehr die Hand, wegen Corona" wurde ich gleich Montagmorgen begrüßt. Mir recht. Aber: "Aha. Trotzdem trocknen wir uns alle weiter am selben Handtuch die Hände ab? Genau mein Humor!" Konntsch mir nicht verkneifen. Mir doch egal, ob sie hinter meinem Rücken lästern. Das machen sie doch sowieso.
Abends aus dem Office rausstürmen, an einem Abend Sohn II im Autocenter seiner Wahl abholen, wohin er sein Bisheriges zum Check lieferte, damit er das Künftige noch in derselben Woche abholen durfte.
Er kommt, lässt sich auf den Beifahrersitz fallen und beäugt mich, wie ich die Blitzer-App aktiviere.
"Muddiiii... Hundert Euro und ein Punkt."
Ähm..
Dann ruft der Chef an, während ich den Motor starte.
"Muddiii... Willst du da jetzt echt rangehen? Ohne Freisprech?"
"Nur mal kurz, das geht schnell."
"Macht noch mal achtzig Euro und ein Punkt!"
"Halt die Klappe."
Beiderseitiges Gelächter.
Ebenso lacht er kopfschüttelnd über mein temporäres Autofahr-Tourette.
Daheim angekommen, steigt er aus und meint: "Ich bin eindeutig dein Sohn. Ich hab auch die App, ich telefonier ganz selten auch mal am Steuer, ich fahre manchmal auch zu schnell und rege mich über die Sonntagsfahrer auf - und Audi-Fan bin ich auch!"
An anderen Abenden der Woche nach Hause stürmen, Essen zubereiten, was einkaufen, Wäsche bügeln, Formulare ausfüllen.. Irgendwas ist einfach immer - und ich staune, wie viel.
Mega gefreut habe ich mich aber dann über den Steuerbescheid für Sohn I. Ich selbst durfte für die vergangenen zwei Jahre jeweils knapp vier Euro nachzahlen. Für Sohnemann aber habe ich über achthundert Euro rausbekommen, das hat mich wirklich wie verrückt gefreut. Diesen Extra-Groschen kann er super gut gebrauchen.
Er ist nach wie vor auf 6-Stunden-Basis beschäftigt und bezahlt, ackert in der Realität aber regelmäßig zwischen 9 und 11 Stunden. Was auch bedeutet: Er schafft es nie zu seinem Hausarzt, obwohl er müsste. Also versuche ich für ihn die Dinge zu erledigen: Rezept besorgen, Rezept einlösen, Gespräch mit dem Arzt führen, der eigentlich kein Rezept mehr ausstellen, stattdessen unbedingt die Schilddrüse des Sohnes rausnehmen lassen will. "Solange er raucht, braucht er nicht mal auch nur darüber nachzudenken, ob er eine Chance auf Besserung der Werte hat."
Er glaubt nicht, dass er es schafft - aber zumindest hat Sohnemann einen weiteren Versuch des Aufhörens mit dem Rauchen gestartet. "Juhu!!" habe ich über den ersten rauchfreien Tag gejubelt.
"Ja ja Ju hu", knurrte es missmutig zurück.
Alles in allem war es eine anstrengende Woche mit einem kurzfristig geänderten Wochenendplan.
Die nicht besser wurde mit der Begrüßung des Mannes, kaum dass er mich wiedersah: "Okay, doch, jetzt sieht man das Cortison. In deinem Gesicht."
Na toll. Ich weiß das ja selber - aber ist es das, was man hören will, wenn man sich eine Woche nicht sah? Tzz.
2. Womit kann man Dir eine Freude bereiten?
Mit nem lecker Käffchen am Morgen und wenn man mich erstmal in Ruhe lässt :)
Wie heißt es doch so schön? "Kaffee schmeckt am besten, wenn man ihn morgens trinkt und alle ihr Maul halten." :)
Zwar bin ich kein Morgenmuffel, aber am liebsten starte ich gemütlich in den Tag.
3. Hast Du Angst vor dem Coronavirus?
Nein! Dreimal Nein! Ich habe mich informiert über empfohlene Verhaltensweisen, die eigentlich auch nicht wirklich neu sind in Zeiten von Erkrankungswellen. Und natürlich setze ich mich nicht wissentlich irgendwelchen Situationen aus - aber ich lasse mich auch nicht bekloppt machen.
Was mich inzwischen wirklich richtig nervt, ist, dass man aktuell nirgendwo mehr an diesem Thema vorbeikommt. Dass man täglich darüber hört und sieht - und der Mensch im Kopf selbst überhaupt keine Ruhe mehr findet. Was der eine heute "ganz dringend" empfiehlt, wirft morgen ein anderer über den Haufen. Und alle Thesen sind natürlich wissenschaftlich begründet bzw. von einem hochseriösen Wissenschaftler kundgetan, von dem vorher noch nie ein Schwein gehört hat.
Gestern Abend habe ich mich mit einer Freundin und auch dem Mann auch über meine ureigene Diskussionskultur unterhalten.
Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Und wenn jemand diese kundtut, kann ich darüber entscheiden, ob ich sie hinnehme und so stehenlasse - oder ob ich mich damit auseinandersetze.
Hinsichtlich Corona entschied ich mich vor zwei Tagen letztmalig dazu, mich auseinanderzusetzen. Mir geht es gar nicht darum, Recht haben zu wollen. Mir geht es darum, den anderen zu verstehen. Warum denkt er wie er denkt? Mich interessieren seine Argumente - und setze meine dagegen. Weil ich mich austauschen will. Auch um den eigenen Standpunkt zu hinterfragen.
Das kann durchaus anstrengend für den anderen sein oder werden. Je nachdem, wie sehr mich ein Thema interessiert oder fesselt, lasse ich auch nicht locker - bis ich es verstehe oder das Thema eben durch ist. Wie gesagt, das ist sicherlich anstrengend für den anderen. Nicht umsonst sagt ja auch der Mann manchmal "Kannst du denn nicht einfach mal so stehenlassen, was ich sage?" (Ne! Wieso erzählt er mir denn was, wenn ich nix dazu sagen darf?) oder "Ja natürlich, du weißt natürlich wieder alles besser." (Ne! Alles auch nicht, bin ja nicht Doktor Allwissend. Aber manches weiß ich tatsächlich, weil ich über diese Themen bereits mehrfach gelesen hatte. Das wird man doch noch sagen dürfen? ;)) oder auch "Wieso darf ich so nicht denken?" (Natürlich darfst du - das ist nur wie vorhin gesagt: Wenn du mir etwas erzählst, willst du mir was mitteilen, also hör ich mir das an und habe eine Auffassung dazu. Und die wiederum gebe ich kund. Macht man das nicht so? Ob ich etwas gut und richtig oder auch falsch finde, heißt doch noch lange nicht, dass der andere deswegen im Unrecht ist. Ich kanns ja genauso gut sein.)
Übrigens habe ich seit ungefähr einer Woche wieder Hals- und Kopfweh und so. Und denke gar nicht an Corona, sondern: "Verdammt! Du hättest letzte Woche weniger kurze Kleidchen, dafür mehr warme Sachen anziehen sollen!"
Ich sage ja nicht, dass man das Thema permanent herunterspielen sollte. Mir ist aber auch noch keine einzige Situation bekannt, in der Panik und Hysterie Leben gerettet hätten. Ganz im Gegenteil - leider. Siehe Düsseldorf, Love Parade, 2011. Nicht vergleichbar, die Situationen? Vielleicht nicht, aber: Meiner ganz persönlichen Auffassung nach hört man auf zu denken, sobald man panisch und/ oder hysterisch wird. Und dann wirds erst wirklich gefährlich. Wenn jetzt schon Leute - wie jüngst in Australien - um die letzte Packung Arschwischpapier streiten, so dass der Ladenbesitzer einschreiten muss... Aber wie gesagt - das ist nur meine ganz persönliche Auffassung.
4. Die Wahl der Qual: Kein warmes Wasser für 2 Wochen haben oder Handwerker in der Wohnung für eine Woche?
Ich denke, ich nehme die Handwerker. Eine Woche ist schneller um als zwei Wochen. Und abends sind die wieder weg, aber ich hab warmes Wasser zum Baden oder Duschen. Wie sehr man sich nämlich an etwas gewöhnt hat, merkt man erst, wenn man es nicht mehr hat ;)
Als ich dieses wundervolle Gedicht heute Abend eher zufällig in einem Kommentarfeld fand, da musste ich es einfach mit mir mitnehmen - damit ich es nicht wieder vergessen würde.
Und ich fühlte sie, die unfassbare Sehnsucht nach Frühling, nach Meer, nach Kleidchen, nach Möwengeschrei, nach Wellen mit Schaumkronen, nach nackten Füßen im Sand, nach Muscheln sammeln, nach frischgebackenem Kuchen und einer Tasse Kaffee dazu, während der Blick über den Horizont schweift und alle meine Gedanken sich verlieren in dieser unendlichen Weite..
..als ich dieses Gedicht las, hatte ich spontan irrsinnig viele Bilder in meinem Kopf. Und das richtig Schöne ist, dass wir schon bald ein paar davon umsetzen können.. Und unmittelbar danach gleich noch einmal. Und wenn der Mann dann in die Berge verreist, werde ich.. mir das Ganze noch einmal gönnen. Wohin genau, das suche ich mir noch aus.
Sicherlich spricht die Kaleko nicht von Reisen, nach denen man wiederkommt. Aber ich.. war schon immer ein Zugvogel. Vermutlich kann ich gar nicht (mehr) für immer irgendwo verweilen. Irgendwohin zieht es mich immer, mal nach da, mal nach dort. Irgendwie wärs auch geil, wenn man immer mal irgendwo leben könnte, so lange wie man mag. Wo es einem gefällt. Und wenn man genug hat, zieht man weiter..
Für genau jetzt wäre das nicht möglich. Behutsam verpack ich mein kleines Ideal. Einmal aber sollte ich...
Heute hab ich ein wunderbares Kompliment bekommen von einer Frau, deren Bilder ich vergöttere - und die mir eins von ihren Bildern tatsächlich mit der Post geschickt hat. Ich war auf den ersten Blick sofort verliebt - eine Elefantenmama mit ihrem Kind... Eine Phantasiefigur mit herrlichen strahlenden Farben und Mustern. Sie hat es mir geschenkt, weil sie weiß, wie sehr ich meine Kinder liebe und dass ich alles für sie tue.
Seitdem ich selber meine Malstifte wieder hervorgekramt habe und versuche, mich wieder daran zu erinnern, wie das alles so funktioniert mit den Farben, den Linien, den Konturen und den Proportionen, da poste ich manches auch auf FB. Und heute schrieb sie mir, ich solle unbedingt weitermachen - und dass ich mein Gefühl malen würde.
Natürlich freu ich mich arg über ein Kompliment, auch wenn es mir zugleich unangenehm ist, weil ich nicht damit umgehen kann, lieber albern darauf reagiere oder es herunterspiele. Aber bei ihr freut es mich wirklich besonders, gerade weil sie selbst so wundervolle phantasievolle Bilder zeichnet..
.. und zugleich hat sie absolut recht.. Ich male mein Gefühl.. Ich reagiere auf Bilder, die meine Empfindungen widerspiegeln.
Der Mann hat heut Abend gesagt, er möchte den Block haben, wenn er voll ist. Da sind noch ganz viele Seiten drin - und mit jeder Skizze entdecke ich, dass ich neben den noch fehlenden Fertigkeiten vor allem noch nicht die passenden Utensilien habe. Dabei habe ich in letzter Zeit einiges ausgewählt, egal ob online oder hier im Künstlerladen in der Stadt. Alte Farben waren mir eingetrocknet, und inzwischen könnte ich mich dumm & düselig kaufen an Airbrush-Stiften, Aqua- Stiften, Acryl-Stiften, Graphit-Stiften aller möglichen Stärken. Heute Abend habe ich mir noch ein paar Manga-Stifte ausgesucht und noch ein paar andere.. Nur an Pinsel & Co. wage ich mich noch nicht wieder heran. Dafür brauche ich noch viel Zeit.
Trotzdem: Ich werde arm werden, fürchte ich. Aber das ist es eben.. Wenn du einmal dein Herz verschenkt hast, dann kannst du nicht anders.. Dann musst du es auskosten.. bis zur Neige.
In zahllosen Bildern und Skizzen... Mit den Kopfhörern auf den Ohren oder auch - wenn der Mann mal unterwegs oder beim Sport ist - ruhig aus der kleinen Bassbox, deren Sound ich so liebe. Bei mir muss es grummeln ;) Musik, Malen, Lesen, Meer - das ist meine Passion.
Der Mann wird bald bereuen, dass er mir eine Staffelei schenkte und mich so oft darum bat, wieder mit dem Malen zu beginnen ;)
"Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Macht etwas daraus."
(Aus "Lucy")
Jedes Jahr freue ich mich immer wieder neu auf den Frühling, kann ihn im Grunde kaum erwarten - und doch bin ich jedes Jahr neu erschrocken, wie unfassbar schnell die Zeit verfliegt... Gerade noch die Weihnachtstage verplant, ist schon wieder ein Vierteljahr herum. Ein Vierteljahr wie ein Wimpernschlag. Hat man gegessen, getrunken, geliebt, gelacht oder auch geweint?
Es ist nicht so, dass ich Panik hätte. Dass ich das Gefühl hätte, etwas verpasst zu haben, unwiederbringlich, und dass ich jetzt drauflos leben müsste. Mir jetzt und gleich alles nehmen und erfüllen müsste, das noch immer in meinem Kopf herumschwirrt.
Aber manchmal denke ich... Dass wir alle glauben, uns bliebe noch so viel Zeit für dieses und jenes.
Aber ist das auch so?
Die Zeit.. Sie vergeht so unfassbar schnell. Im Kopf und im Herzen noch immer dreiundreißig Jahre alt, bin ich in Wahrheit längst schon viel weiter. Nein, ich habe nicht das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Aber ich möchte es mir bewahren können, die 33 in meinem Kopf und in meiner Seele. Mir Zeit nehmen für die Menschen, die mir wichtig sind. Für die Dinge, die mir wichtig sind. Nicht alles immer nur aufschieben. Aber mich auch nicht immer nur (ein-)fügen..
Vor zwei Tagen musste ich entscheiden, den Plan für das Wochenende zu kippen - und bin zurück nach Hause gefahren. Ich fühlte mich erinnert an jene Nacht vor vier Jahren, die ich im Mantel auf dem Sofa verbrachte, kaum dass ich zur Tür hereingekommen war, zurückgelehnt, die helle Wand anstarrend, nichts mehr denken können.. Alles stand still, irgendwie..
Ich muss mich nicht fragen, wann ich ihm zuletzt gesagt hatte, dass ich ihn sehr liebe.
Aber ich fragte mich, ob wir schon alles gesehen hatten, das wir gemeinsam hatten anschauen wollen.
Nach einem langen Spaziergang heute in der wunderbaren Sonne habe ich am Nachmittag meine Malstifte wieder ausgepackt, die neuen Zeichenstifte, von denen die letzten in den kommenden zwei Tagen geliefert werden. Ich habe so viele Ideen in meinem Kopf, so viele Bilder - und ich denke, es ist Zeit, endlich an der Umsetzung zu arbeiten..
Als der Mann Anfang der letzten Woche abends zum Sport ging und ich den Abend zunächst für mich allein hatte, da entzündete ich ein paar Kerzen, schob die Kopfhörer über die Ohren und dann tanzte ich wie selbstvergessen in unserer kleinen Wohnung.. Barfuß auf dem Holzfußboden, nur in Strumpfhosen und einem Strickpullover.. Ich war derart in mich selbst versunken, dass ich den Mann erst in einer Drehung, bei der ich die Augen öffnete, in der Tür stehen sah. Seinen Blick vergesse ich einfach nicht.. So überrascht und gleichzeitig so.. voller Liebe.
"Und du sagst immer, du kannst nicht tanzen", sagte er dann und ich lächelte verlegen: "Kann ich ja auch nicht. Nicht, wenn mir jemand zusieht."
Aber eigentlich.. ist es ganz einfach.. Man muss nur die Augen schließen und alles andere ausblenden..
Quelle: Facebook-Fund ...übrigens... so beim Betrachten der Liste.. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt, oder?
Alles andere ausblenden - das ist etwas, das ich dieser Tage öfter versuche und was mir im Großen & Ganzen auch ganz gut gelingt. All diese ganze Berichterstattung über das Corona-Virus, ich kann sie nicht mehr hören. Mag sein, dass die Ansteckungsmöglichkeit um einiges höher als bei einem normalen Grippe-Virus ist - Fakt ist aber auch: Da wird eine völlig unangemessene Panikmache betrieben. Heute in den Nachrichten: Etwa 170 gemeldete Fälle in Deutschland. 170. Von schätzungsweise 80 Millionen Menschen, die hier leben. Also ehrlich, Leute, lasst die Kirche im Dorf. Was ich durchaus nachvollziehen kann: eine Informationspflicht - gerade für alte Menschen, für Menschen mit vermindertem Immunsystem und für Menschen mit schweren bzw. unheilbaren Erkrankungen. Dass die besondere Vorsicht anwenden sollten und dazu um Infektionsquellen wissen sollten - bitte sehr. Aber das müssen sie auch bei jeder Art von möglichen Infektionen.
Was derzeit jedoch in Deutschland abgeht, kann ich so überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Ausverkaufte Mundschutztücher, ausverkaufte Desinfektionsmittel, eine steigende Diebstahlrate selbst an Supermarktkassen, von denen Desinfektionssprays geklaut werden. Oder Hysteriker in der Apotheke laut werden: "Was mache ich denn jetzt ohne Desinfektionsspray?" Wie wärs mal mit Hände waschen, ganz normal mit Seife - und regelmäßig??
Als ich am Donnerstag in L ankam und mir aus dem nächstgelegenen Einkaufsmarkt Kaffee, Milch und ein bisschen Obst einkaufte, stellte ich mit Freude fest, dass hier ganz offensichtlich noch ganz normale Leute wohnen. Ich bekam alles, was ich wollte, nix war ausverkauft - und mein (latent provokantes) Husten interessierte keine Sau. So muss das, Leute. Es gibt sie nämlich immer noch, die ganz stinknormale Erkältung.
Auch mit meiner Freundin hätte ich mich beinah noch gestritten. Ich hab ihr schon öfter (zugegeben: diplomatisch) zu verstehen gegeben, dass ich ihre Warnungen über weltliche Katastrophen, extreme Staus, extreme Wetterlagen etc. nicht haben und nicht lesen möchte, erst recht dann nicht, wenn mir eine Reise bevorsteht. Zum einen bin ich groß, ich kann mich selber informieren, wenn ich das möchte. Zum anderen helfen mir die Ankündigungen von Supermega-Staus nicht, wenn ich trotzdem verreisen muss. Es macht mich nur unruhig und ggf. schlaflos. (Vor allem ganz umsonst, denn die Fahrt ging trotz Ferienbeginn super entspannt.)
Als ich ihr das vorletzte Woche schrieb, sie möge das doch jetzt bitte endlich lassen, da meinte sie, es sei doch jedem selbst überlassen. Ja freilich! Ich habe ja aber diese Wahl gar nicht, wenn ich mit allen möglichen Katastrophenmeldungen konfrontiert werde. Zwar hab ich die letzten immer ungelesen gelöscht (sorry), aber dann dachte ich: "Jetzt sags ihr nochmal."
"Okay, ich schreib dir nichts mehr", war ihre Antwort und ich schickte zur Antwort ein paar Smileys in der Hoffnung, sie möge auch weiterhin noch mit mir sprechen ;)
Manchmal frage ich mich trotzdem... Wann hat das eigentlich begonnen, dass die Menschen allgemein so hysterisch, so panisch, auch so aggressiv geworden sind? Was ist los mit uns? Wieso nehmen wir alles so bierernst, warum darf man über die einen oder anderen Witze nicht mehr lachen und wieso ist es jetzt verpönt, Zigeunerschnitzel zu sagen? Wo ist die Leichtigkeit geblieben und warum geht uns die immer mehr ab? Weil wir heute einen ultra leichten Zugang zu allen möglichen Medien haben? Weil wir alles googeln und lesen können? Weil sich Meldungen, egal ob wahr oder Fake, heute extrem schnell verteilen und aufgegriffen werden können?
Daran musste ich vor zwei Tagen denken, als ein Freund von mir eine Statusmeldung teilte, bei der sich mir die Fußnägel aufzurollen drohten. Du schreibst in Deinen Status, dass Facebook Deine Fotos nicht benutzen darf - teile schnell, denn ab morgen haben sie sonst das Recht dazu. Da muss man doch schon anhand der Wortwahl am Wahrheitsgehalt zweifeln? Und überhaupt - eine Statusmeldung als Widerspruch?? Ein Klick genügte, um ihm aufzuzeigen, dass er da einem Kettenbrief aufgesessen war. Wie sich rausstellte, hat er es geteilt, ohne es zu hinterfragen - und hat drüber gelacht.
Aber wenn ich mir so überlege, was er sonst so oder überhaupt die Leute teilen (mal die Witze-Bildchen und Anekdötchen ausgenommen) - wie wenig hinterfragt wird, gerade auch hinsichtlich der Migranten- und Politikfrage, ey da könntsch...
Es gab mal eine Zeit, da habe ich mir die Mühe gemacht, Artikel zu lesen - und Hintergründe zu recherchieren. Stimmt das, was ich da gelesen hatte?
Aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Weil ich spürte, dass es mich langsam irgendwie.. "vergiftete". Es tat mir nicht gut. Vor ein paar Jahren habe ich mich dann für einige Wochen oder gar Monate von zum Beispiel Facebook zurückgezogen. Das mache ich heute nicht mehr - aber ich wäge ziemlich genau ab, was ich lesen möchte und was eben nicht.
Stattdessen höre ich wieder viel mehr Musik, ich hab wieder zu malen begonnen, ich tanze wieder öfter und sowieso singe ich bei jeder Gelegenheit. Im Auto, in der Küche - und oft tanze ich dazu mit weichen wiegenden Bewegungen - und fühle mich pudelwohl.
Ich weiß, dass man nicht alles ausblenden kann und sicherlich auch nicht soll. Dann würde ich eines Tages völlig weltfremd, auch wenn ich jetzt manchmal schon denke, dass ich schon ein bisschen realitätsfremd sei. Nur weil ich Negativmeldungen ausblende, heißt es nicht, dass es nur Gutes in der Welt gibt. Trotzdem habe ich festgestellt, dass es auch nicht schadet, sich ab und an auf seine eigene kleine Insel in seinem Kopf zurückziehen zu können. Sich gedanklich aus seinem Glas all die wundervollen Momente herauszuholen und ganz bewusst zu betrachten. So wie den Abend letzte Woche, als der Mann so in der Tür stand und mir offensichtlich schon eine Weile beim Tanzen zugesehen hatte, ehe ich ihn bemerkte. Dieses wunderbare Gefühl hat mich wirklich einige Tage lang.. "getragen".. Denn das Leben ist für die Meisten von uns immer noch ein gutes, ein schönes. Oder hat zumindest gute und schöne Augenblicke und ich finde, wir sollten den Fokus wieder viel öfter auf genau das richten. Denn wie Du lebst, entscheiden nicht nur andere. Das entscheiden zuallererst wir selbst.
...also eigentlich ;) Aber "ohne Worte" geht bei mir ja im Grunde kaum.
Was soll ich sagen!!!!??? Ich bin so scheiße very happy, dass der Sohn seine allerletzte, wichtigste und schwierigste Prüfung bestanden hat und sich damit sein bisher größter Wunsch erfüllte.
Als die Nachricht via whatsapp eintrudelte, war ich grad unterwegs nach L (sowieso und geplant) - und mein Gekreische war vermutlich über zwei Autobahnkreuze weit zu hören.
Egal!!!!!
Herzlich Willkommen im Berufsleben, Herr Wachtmeister :)
Was für mich als Mama natürlich in erster Linie eine Herzensangelegenheit ist, die eigenen Kinder glücklich sehen zu können - aber es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass die finanzielle Erleichterung, die damit für mich entsteht, nicht auch noch eine kleine zweite Sonne extra mit aufgehen ließe.
Warum ich mindestens genauso angespannt war und wieso sich die Erleichterung derart Bahn brach? Weil es bei dieser Art der Ausbildung so ist: Ist man durchgefallen, darf man sich dort in diesem Leben nicht mehr bewerben. Dann hätte sich dieser Traum für immer verabschiedet. Natürlich glaubte ich an meinen Jungen. Aber ich weiß auch, was Nervosität bewirken kann.
Alles hätte sich auf längere Zeit unnötig verkompliziert - und irgendwann will man ja einfach auch.. zur Ruhe finden. Im Kopf und überhaupt. Und eben die Kinder glücklich sehen.
"Ist ja cool, wie du dich freuen kannst", wurde mir von mehreren Seiten gesagt. Natürlich kann ich mich freuen! Hallo?! :D
Es mag ja stilistisch und poetisch nicht die große Kunst der Musik sein, jedoch.. Es ist ein Sound, der meine Sinne und mich in Bewegung bringt.. Und wo ich gerade eben noch im ersten kurzen Frühlingskleidchen dieses Jahres in der Küche stand und Gemüse schnitt, verblasst das Gemüsemesser in der Hand und wird zu einem Glas Weißwein, das ich vorsichtig durch die Menge balanciere und an dem ich ab und an nippe.. Wird das bodentiefe Regal mit all den Tellern, Tassen und Schalen hinter mir zu einer tanzenden Menge im Halbdunkel eines Gewölbes, erfüllt von Musik, Stimmen, Lachen - und Blicken, die ich im Vorbeigehen wahrnehme und in die ich zurücklächle.. Wird das Sommerkleidchen zur engen schwarzen Hose, werden die nackten Füße mit einem Mal von den hohen schwarzen Lackpumps getragen.. Öffnet sich der lose Haarknoten und senkt sich das wieder länger werdende Haar über die dunkel getuschten Augen und den großen roten Mund..
Mich in die Menge mischen, wie hineingefallen in eine Welt, in der ich so lange nicht mehr gewesen war.. Die Atmosphäre atmen, schmecken, in mich aufnehmen.. Mitnehmen, was die Musik mit mir macht, mich mit ihr zu bewegen, sanfte, weiche, wie verträumte Bewegungen, nur um irgendwann genauso lautlos wieder fortzugehen, wie ich gekommen bin.. Und niemand erinnert, dass ich überhaupt je dagewesen war..
Manchmal... beginnt ein Montagmorgen mit so krachend mieser Stimmung, dass einem selbst nur hilft, das Käffchen zu erheben und sich nicht bekloppt machen zu lassen. Mal sehen, wie lange wir drei Damen vom Grill das heute so auf diese Weise durchhalten (können).
Und da heißt es immer, WIR sollten doch bitte schön unsere privaten Sorgen und Nöte fern von der Arbeit halten. Was wir auch tun - man lacht oder scherzt vielleicht nur nicht jeden Tag und ist an manchen Tagen vielleicht mal stiller, aber niemals unfreundlich und schon gar nicht unfair.
Und vielleicht hatte ich heute Morgen auch nicht unbedingt das glücklichste Händchenmoment, um auf Unstimmigkeiten bzw. Unfairness hinzuweisen. Auch wenns mich noch so aufregt, selbst wenns nicht um mich geht. Werde ja nicht umsonst "Betriebsrat" genannt *kreisch*
Memo an mich: Zum Montagmorgen trotzdem einfach nur Klappe halten, zuhören und auf den günstigen Augenblick warten. Aber was, wenn bis dahin dann schon ordentlich Porzellan zerschlagen wurde?
Chefs, merkts Euch endlich: Nicht Ihr allein entscheidet, wer für Euch arbeitet. Für Eure Häuser, Euren Fuhrpark und Euer privates Gedöns machen wir auch noch nebenbei.
Ich habe so das Gefühl, dass der Mann, der Doc und ich eines Tages doch noch auf ein gemeinsames Bierchen gehen werden. Der Doc hatte es ja vorgeschlagen, angeregt sozusagen, also wird er sich nicht zieren dürfen.
Denn wie gehts mir mit in der inzwischen 4. Woche mit Cortison?
Von den bisher "beklagten" Problematiken, die mich überhaupt erst zum Cortison brachten, kann ich nur sagen: Echt klasse. Die Finger schmerzen fast gar nicht mehr, ich kann meine Kaffeetasse völlig unfallfrei und problemlos wieder anheben, ohne sie mit beiden Händen umfassen zu müssen. Die Schmerzen an sich in der linken Körperseite sind auf ein Level reduziert, mit dem ich gut leben kann. Auf komplett schmerzfrei habe ich sowieso nicht gehofft - auch wenn ich ein irgendwie sicheres Gefühl hab: Da geht noch was. Und das warte ich einfach ab.
Was mir inzwischen aber doch etwas zu schaffen macht, sind die Nebenwirkungen.
Vor Muskelschmerzen wurde gewarnt und ich dachte noch: "HarHar! Gegen die und die Gelenkschmerzen bekomm ich doch das Cortison? Gehen die alten jetzt weg und kommen dafür neue?"
Ganz so ist es wohl nicht, aber was mittlerweile sehr hartnäckig schmerzt, ist die Achillessehne im linken Bein. Begonnen hatte es mit Schmerzen in den Waden, die ich anfangs mit nem Ball auszurollern und mit Massieren wegzubekommen versuchte. Der Mann meinte dann, man muss das mal richtig anpacken und rollerte und massierte mein Bein. Ich hätte schreien können vor Schmerz, habe ich aber nicht - stattdessen erbrach ich mich. Dann versuchte ich mich mit entzündungshemmenden Salben in Kombination mit Weihrauch-Kapseln. Das hatte sich vor drei Jahren ja schon mal ganz gut für die Fußsohlen bewährt. Aktuell nicht. Aktuell leider gar nicht. Auch die Bandage am Sprunggelenk bringt dieses Mal keine Erleichterung. So wie auch die täglichen Dehnübungen nicht und aktuell habe ich mir eine Kühlkompresse um die Sehne gelegt. Schaun mer mal, ob das jetzt was bringt. Die Ratgeber überschlagen sich: Kein Cortison zur Behandlung von Achillessehnenentzündungen. Tja nun. Wasn nu? Ich nehms ja nicht dagegen, habs aber ganz offensichtlich davon bekommen. Und inzwischen durchzieht dieser mittlerweile ziemlich heftige Schmerz das ganze linke Bein bis hoch zum Allerwertesten. So hatte ich mir das dann aber auch nicht vorgestellt.
Womit ich auch noch nie Bekanntschaft gemacht hatte, ist Sodbrennen. Das hatte ich nicht mal, als meine beiden Kinder unterwegs waren - und grad bei dem Zweiten sah ich immerhin aus, als würde ich mindestens zwei, eher sogar drei bekommen. Jetzt schlage ich mich jeden Tag mit diesem brennenden Mist herum und dezimiere die Natron-Vorkommen in diesem Hause langsam, aber nachhaltig.
Blutdruck und Puls... Der eine rauscht ab in den Keller, der andere steigt ins Penthouse. Werte von 70 : 50 und zugleich 150 fühlen sich.. spannend an! Der kleine Motor in der Brust läuft Amok, während Du Dich fühlst, als bekämst Du gleich ganz ohne jegliche Chemie Dauerwellen im Haar. Die Zigge auf Speed und das auch noch ganz legal!
Vom Gewicht her zeigen sich keine Veränderungen, nur mein Gesicht ist, glaube ich, runder geworden. Aber das ist ja nun wirklich dem Kummer sein Kleinster.
Letztlich.. sage ich mir immer noch: Eine Kröte muss man dann halt mal schlucken. Mittlerweile bin ich auf ne Tagesdosis von nur noch 20 mg reduziert und ich habe die Hoffnung, dass die Nebenwirkungen ebenso mit ausgeschlichen werden, je reduzierter die Dosis ist. Wenn ich bedenke, dass meine Mama mit ihrem massiven Rheuma grad mal 5 mg "gebraucht" hat und damit richtig gut klarkam, dann denke ich, kann ich ganz entspannt in die nahe Zukunft schauen und mich überraschen lassen.
Denn ein was Positives neben dem reduzierten eigentlichen Schmerzlevel ist mir gestern Abend aufgefallen: Der Gang ist sowieso deutlich besser, aber was ich nach zwei Jahren auch erstmals wieder bringe, ist der Seiltänzergang. Das hat mich wirklich richtig gefreut. Das sind für mich Ergebnisse, spürbare, sichtbare - und welche, die überzeugen, auf dem richtigen Weg zu sein.
Umso weniger kann ich mittlerweile nachvollziehen, wieso in all den mittlerweile 15 Jahren niemals auch nur im Ansatz einer auf die Idee gekommen ist, Cortison auszuprobieren. Grad wenn ja zumindest am Anfang die übersehene Infektion mit Streptokokken als ursächlich angesehen wurde - und womöglich (was mir nicht nur die Heilpraktikerin schon vor zwei Jahren sagte) eine Infektion im (zentralen) Nervensystem verursachte. Was man stattdessen alles mit mir veranstaltet hat, hat die Krankenkasse wesentlich mehr Geld gekostet als das hier. Von meinen ganz persönlichen Dingen mal abgesehen, aber die interessieren sowieso kein Schwein.
Wir sind uns jedes Jahr einig, dass wir keine großen oder kleinen Gefühlsbekundungen an "festgelegten" Tagen brauchen. Wenn sich der eine oder die andere trotzdem kleine, aber feine Aufmerksamkeiten ausdenkt (nein, nicht nur heute, aber eben.. auch mal heute ;)), dann genießen wir das trotzdem. Da kennen wir nix.
Mit der diesjährigen Reaktion des Mannes, nämlich indem er mir obiges Video schickte mit der Bemerkung, das sei er in zwanzig Jahren, lief ich Gefahr, mich scheckig zu lachen, wirklich.
Sehr köstlich bis zu jenem Moment, als mir bewusst wurde, dass mich dieses Szenario tatsächlich in zwanzig Jahren erwarten wird - oder vielleicht doch schon eher? Ich hab dann trotzdem weitergelacht und mich herrlich amüsiert, weil man ganz vieles im Leben sowieso am besten mit Humor nehmen sollte. :)
"Ach der hat doch gar keene Lust! Wohin wollnse?"
Herrlich.
Eine dieser schier endlosen Bahnfahrten. Eine von diesen zahllosen Reisen, bei denen man aufeinander wartet, sich aufeinander freut, die letzten Stunden sich zu Ewigkeiten dehnen und die wenige Zeit zwischen Ankunft und wieder Abreise so schnell vorübergehen, gleich einem Flügelschlag.. Hier auf dem Bahnsteig sitzen und warten. Eine Stunde zu früh und die unsinnige, aber dennoch Hoffnung, der Zug käme vielleicht eher, vielleicht nur dieses eine Mal.. Über das Warten aufeinander könnten wir vermutlich ein Buch schreiben. Die Gedanken, die Empfindungen des anderen lesen, sehen.. Woran er wohl denkt, wenn er wartet? Ob er auch manchmal denkt "Was tun wir hier?"
Ich erinner mich an jene Nacht mit der einstündigen Verspätung der Bahn. Weil die sowieso nie niemals zu früh kommt.. Ich dachte nichts, ich fror. Und wie dankbar war ich über das Geldstück in der Manteltasche, das mir einen kleinen Kaffee am Automaten erlaubte..
***
Ausgelassen wie Kinder, die wir zuweilen sein können, bewarfen wir uns mit dem Meeresboden oder auch Seetang, sprangen ausgelassen im Wasser herum, umschlangen uns, nur um uns wieder voneinander zu lösen und in die Wellen zu werfen, zurück in das Meer, von dem ich manchmal vergesse, wie salzig es schmeckt und wie wundervoll es auf der Haut prickelt.. Wie herrlich die Schaumkronen die nackte Haut einfangen, umspielen und uns mit sich reißen...
***
Auf diesem Rad, einem Holländerrad, fuhr ich mit dem Stolz eines Mädchens wie aus einer anderen Zeit.. in einem hellen gestärkten Baumwollrock und einer geblümten Bluse, das Haar zu einem Knoten gewunden, aus dem sich vorwitzige Strähnen lösen, die ich lachend hinter das Ohr streiche, während ich das Rad mit einer Hand über den Deich schlenkere.. Den Blick zurückwerfe auf den Mann hinter mir, die Hosenträger über dem weißen Hemd, das lose über dem Bund flattert.. Und so radelten wir am Meer entlang, oben auf dem Deich, immer dem Leuchtturm entgegen, nur um dort abzusteigen und uns in den warmen Sand zu legen.. So lagen wir, ermattet, ermüdet, mit dem salzigen Geschmack des Meeres auf der Zunge, dem Sand in den Haaren unter dem rosafarbenen Tuch, die Gedanken trieben gemächlich dahin, ließen sich tragen vom auflandigen Wind, der das Murmeln der Wellen zu uns trug.. Der Tag trieb dahin.. auf wundervolle Weise angefüllt mit den Gedanken und Empfindungen, die uns überkamen beim Anblick, beim Entdecken dieses herrlichen Fleckens Erde, den Einheimischen mit ihrem breiten, ruhigen Dialekt und ihren kleinen Häuschen unter den reetgedeckten Dächern und ihren zuweilen wie verwunschen anmutenden Gärten voller wild wachsender Lupinen, dem Mohn und all den Beerensträuchern, deren Früchte bereits den vollmundigen Geschmack des Sommers entwickelt hatten..
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Als wir durch die niedrige Tür des Hauses traten, da atmete ich den Geruch dieses alten Hauses, dieser unverwechselbare Geruch nach frischen Leinen, grünen Äpfeln und Holz. Die Tür zum Zimmer lehnte nur an und noch ehe die Sinne das Zimmer erfassen können, so atmete ich diesen Raum als einen Ort der Schöpfung.. Ein kleines Zimmer, viel Licht, viel Holz und diese Regalreihen voller Bücher und Schallplatten, die geleerte Weinkaraffe und die fast vollständig heruntergebrannten Kerzen.. Und da sah ich mich.. Ich sah mich dort beim Lesen, beim Schreiben, beim Malen, in der Hand zuweilen ein Glas Weißweinschorle, der Blick in den wundervollen Garten.. Und dann sah ich zu dem Mann an meiner Seite hinauf: Teile dieses Leben mit mir.. teile diesen Traum mit mir..
Und in den Augen des Mannes meinte ich einen Glanz zu sehen, der dem meiner eigenen Sehnsucht so ähnlich schien..
Ich höre oft Leute über die Bürokratie in Deutschland klagen - und ich denke dann fast immer: "Ach na ja.. Es gibt aber auch viele Fälle, wo man froh ist, dass bei uns jeder Furz schwarz auf weiß dokumentiert wird."
Für einen Akt braucht es gefühlt zwanzig Formulare und Dokumente. Nie werde ich den persönlichen Staatsakt vergessen, als es hieß "Hier haben Sie 1.385 Fragebögen für Ihren Antrag auf Erziehungsgeld, schicken Sie uns den dann erstmal her, wir prüfen es und fordern dann nach. Wir fordern IMMER was nach."
Ha! Bei mir haben sie gar nichts nachgefordert. Ich bin in vielen Dingen relativ oberflächlich und mache husch-husch - aber Formulare fülle ich mit der Akribie eines introvertierten, autistischen Nerds aus. (Nicht umsonst legt der Chef mir immer all seinen entsprechenden Privatkram auf den Tisch und sagt: "Mach du das mal, ich hab da keinen Nerv für.")
So auch geschehen im Herbst 2017, als das zweite Kind seine zweite (und hoffentlich letzte) Berufsausbildung nachlegte und erneut Anspruch auf Kindergeld entstand. Der Aufwand hierfür war relativ gering und der Bescheid erfolgte auch wesentlich schneller als erwartet (und sogar rückwirkend, was in Zeiten, in denen Sohnemann nach Ausbildungsende zunächst ohne Einkommen war, nicht so bewilligt wurde. Da galt: Anspruch kann erst ab Arbeitslosmeldung entstehen und Geld gibts dann erst ab Antragstellung beim Amt. Im Fall der 2. Ausbildung dann gabs das Geld rückwirkend ab Ausbildungsbeginn. Verstehen muss man sowas nicht, aber egal.)
Beantragt hatte ich den Zeitraum von September 2017 bis einschließlich Februar 2020, denn die allerletzte Prüfung steht noch aus und die Ausbildung endet dann am 29. Februar.
Im Bewilligungsbescheid wurde sich zwar nicht auf ein Datum festgelegt, aber bestätigt: Anspruch bis Ausbildungsende.
Und nun kommt im Januar ein Schreiben, dass der Anspruch im Januar endet. Hä? Habsch da was nicht mitgekriegt? In meiner gut sortierten Ablage den Bescheid rausgesucht, nachgeguckt, näää, stimmte alles bei Antragstellung. Also Augen verdreht, Formular ausgefüllt, dass die Ausbildung nicht im Januar, sondern Februar endet, Bestätigung des Ausbildungszentrums eingeholt, digital hochgeladen dank Barcode (was es nicht alles gibt inzwischen ;)) - und dann wartete ich. Nix passierte. Keine Post.
Heute das Kind gefragt: "Hast du inzwischen das Geld für Februar bekommen?"
"Nein. Bis jetzt nicht. Hoffentlich kommt das noch. Sonst wärs diesen Monat ein teurer Monat!"
Ich bin derzeit mega erkältet und kann kaum sprechen. Krächzen trifft es eher und das ist anstrengend für beide Seiten. (Cooler Nebeneffekt: Die Kollegen rufen ganz wenig an, schreiben eher Mails. Können sie gerne so beibehalten, ist so himmlisch ruhig grad :)) Aber wenns ums Geld geht, dann kenn ich keine Gnade. Und noch weniger, wenns um das (finanzielle) Wohlergehen der Kinder geht, denn in diesem Falle lasse ich ihm das Geld ja monatlich überweisen. Ich stelle bloß die Anträge, weil er es nicht darf.
Also griff ich zum Telefon und versuchte der Dame mein Anliegen zu erklären.
Ob sie mich richtig verstanden hat und trotzdem falsch beriet oder ob sie im Recht ist, bin ich mir immer noch unsicher. Fakt ist: "Die Kollegen machen das immer so. Die stellen einen Monat vorher die Zahlung ein, dann müssen Sie das Abschlusszeugnis Ihres Kindes einreichen und dann bekommen Sie das Geld für Februar nachgezahlt."
Hä?
Was ist das fürn Scheiß?
Wieso muss ich für ein von vornherein bestehendes Ausbildungsverhältnis, für das ich eine Bewilligung habe, erst noch ein Zeugnis einreichen? Der Anspruch besteht doch sowieso, solange die Ausbildung läuft? Sollte das alles nicht erst zum Tragen kommen, wenn das Kind (Gott bewahre) durch die Prüfung fällt und sich die Ausbildungszeit verlängert?
Aber wehe, irgendein scheißblödes Amt hat was von einem zu bekommen, da kennen die gar nichts.
"Wenn du nicht hinkommst, schieß ich dir das Geld vor und du gibst es mir zurück, wenn es vom Amt kommt", bot ich an. Bis jetzt hat Sohn II nicht geantwortet. Und ich überlege, ob ich nun doch die Frechheit besitzen soll, für die zwei Monate des neuen Jahres den Kindergeldzuschuss zu beantragen. Quasi als Schmerzensgeld. Ach ne. Hab grad gelesen: Den gibts auch nicht rückwirkend. Und entgegen anderslautender Meldungen der Bevölkerung *kreisch* ist der nach wie vor einkommensabhängig. Na dann wars das! Da hilft mir jetzt nur noch ein ordentliches Käffchen, um die ganze Scheiße runterzuwürgen. Mann o Mann.
Ich habe, glaube ich, diese Kategorie zuvor noch nie mitgenommen, aber es gibt ja für alles ein erstes Mal :) Vielleicht ist es die Lust am Schreiben, die Lust am sich mitteilen - und ein Mangel an Inspiration, das ich mir öfter mal Inhalte von anderen "ausleihen" muss ;) Ich meine, es gäbe schon genügend Themen, auch politische, die mich derzeit mehr oder minder beschäftigen, aber.. Es ist wie mit dem TV: Man kann ja nicht immer nur ARTE gucken, da verblödet man auch oder besser gesagt: Man verholzt im Gesäß ;)
1.) Durch die Karma-Lotterie landest Du in Deinem nächsten Leben im Pantheon. Wofür wärst Du die Gottheit?
Klarer Fall: Ich wäre die unangefochtene Kaffee-Göttin.
2.) Willkommen im Februar! Wie war der erste Monat dieses Jahres für Dich? Worauf freust Du Dich in diesem?
Wenn ich so zurückschaue, war der Januar tatsächlich meist geprägt von einer gewissen Zähigkeit, Klebrigkeit - und mit zu wenig Sonne im Außen. Und das merkt man den Menschen unbedingt an. Man sieht es ihnen an und wenn sie den verkniffenen Mund öffnen, wird es oftmals nicht besser.
Es war der Januar 2018, der mich sehr gelöst und entspannt empfing und mich auch das ganze Jahr über so durch die Zeit kommen ließ. Es gab kaum etwas, das mich aus der Ruhe zu bringen vermochte.
Der Januar 2019 ließ diese Gelassenheit ein Stück weit vermissen, was sowohl gesundheitliche als auch persönliche Gründe hatte. Nicht alles davon ist auch wirklich ausgestanden, gleichwohl war der Januar 2020.. um einiges besser und entspannter - und es darf auch gern mal so weitergehen.
Worauf freue ich mich also im Februar? Eigentlich freue ich mich nicht auf irgendwas Konkretes. Ich finde es geil, wenn ich morgens aufstehe, die Sonne scheint und die Stimmungslage im Umfeld gut ist. Wenn die Menschen sich miteinander vertragen. Wenn sie genießen, was sie haben. Es ist etwas sehr Schönes, anderen bei etwas Schönem und Gutem zusehen zu können - und für sich selbst ein positives Lebensgefühl davon ableiten, mitnehmen zu können.
Ich finde, es wird viel zu viel gemeckert, gemotzt, gelogen, beschimpft, intrigiert - und viel zu wenig gelebt und genossen.
3.) Isst Du Süßigkeiten, bis Dir schlecht wird, oder bist Du diszipliniert?
Seit ich mich generell diszipliniert habe, vor Jahren schon, wird mir grundsätzlich schnell übel bei mehr als ner Handvoll Süßigkeiten. Früher dachte ich, wenn man mir die wegnimmt, mutiere ich zum Zombie und es gibt eine Apokalypse. Heute kann ich es gut aushalten, wenn der Mann neben mir abends auf dem Sofa die Rum-Waffeln auspackt. Ja, er kann wirklich gemein sein :)
4.) Die Wahl der Qual: Ständig missverstanden werden oder stets genau wissen, was andere über Dich denken?
Nun ja. Missverstanden werde ich öfter, zumindest im Schriftlichen. Was schwierig ist, weil man das nicht immer korrigieren kann oder auch nicht immer weiß, dass es was zu Korrigieren gäbe. Im persönlichen Dialog ist das anders, da hat man die Reaktion ja zumeist auch live-haftig und in Farbe. Missverständnisse.. finde ich anstrengend, so vom Gefühl her.
Aber will ich wirklich immer genau wissen, was andere über mich denken?
Nein.
Ganz klar: Nein.
Das wäre noch viel anstrengender für mich, und genau genommen hat mich das auch noch nie wirklich interessiert. Warum sollte es das auch? Ich kann nicht Everybody's Darling sein und ich will das auch gar nicht. Ich wills nicht jedem recht machen (müssen). Weil ich es nicht kann und weil es auch gar nicht meine Aufgabe ist. Jeder darf mich sehen und wahrnehmen wie er will.
Manche halten mich für überheblich, für arrogant, für naseweis, für oberflächlich, für was weiß ich - und vermutlich steckt in allem ein bisschen was von mir darin. Wie jeder Mensch habe ich viele Seiten und wen das interessiert, der findet auch mehrere Seiten. Wer nur eine Seite sehen und bewerten will, der machts halt.
Für mich ist nur wichtig, was die Menschen denken und fühlen, die mir wichtig sind. Da kann ich auch durchaus zur Sturm-Göttin mutieren ;)
Manchmal, wenn ich nach Hause komme und den Schlüssel aus der Tasche krame, fällt mein Blick auf die Klingelschilder. Gefühlt mehren sich die Schilder, auf denen mindestens zwei Namen stehen. Immer weniger entdecke ich Schilder mit nur einem Namen. Ob hier nun Menschen in einer WG zusammengefunden haben, weil die Mietkosten (nicht nur) hier in M unverschämt sind, oder ob es Paare in wilder Ehe sind, so wie der Mann und ich, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen. Ich vermute dennoch mehr wilde Ehen als Wohngemeinschaften.
Weil Menschen immer weniger bereit sind, füreinander einzustehen, bis dass der Tod einen scheide.
Weil Menschen immer weniger bereit sind, sich festzulegen.
Weil Menschen immer mehr Angst vor finanziellen Verlusten haben.
Ich persönlich finde es wundervoll, Mann und Frau zu sein. Nicht nur einfach so. Sondern mit einem gemeinsamen Namen an der Tür. Für mich persönlich ist es ein wundervolles Gefühl, JA zueinander zu sagen. Ohne Angst. Ohne Furcht. Ohne den Gedanken an etwaige Scheidungskosten, die man nicht mal von der Steuer absetzen darf. Und ich persönlich finde die Entscheidung für eine Ehe umso wundervoller, wenn man sie nur für sich selbst trifft. Und nicht, weil man Kinder miteinander bekommen möchte oder schon hat. Nicht, weil man den anderen absichern möchte. Oder gar aus steuerlichen Gründen, grrrrr.
Für mich persönlich gäbe es nur einen Grund zu heiraten: aus Liebe.
Als ich vor einigen Tagen von einer Freundin gefragt wurde, ob sie ihren Freund heiraten sollte, weil er es sich wünsche, da stockte mir für einen Moment der Atem und ich starrte ungläubig auf das Display meines Telefons.
Mein aller-erster Gedanke war: "Dann kommt sie nie von ihm weg. Weil sie es sich dann gar nicht mehr leisten kann."
"Was wünscht du dir denn?" fragte ich zunächst und sie antwortete: "Na nur, wenn sich dies und das ändert."
Und ich fragte: "Hattest du diese Bedingungen nicht schon vor 9 Jahren gestellt? Und wie ist die Realität bis heute? Hast du nicht schon genug Probleme?"
Meine Reaktion auf ihre Frage hat mich einige Tage beschäftigt, und ich haderte mit mir, ob ich angemessen reagiert hatte. Ob ich mich zu weit hinausgelehnt und sie mit meiner Antwort verletzt haben könnte. Ob es mir überhaupt zugestanden hatte, so zu reagieren. Ich bin ihre Freundin und sie legt Wert auf meine ehrliche Meinung. Aber darf man immer so ehrlich sein? Schonungslos auch?
Wie ist das, wenn man gefragt wird, ob man den anderen heiraten möchte?
Dass man überglücklich ist? Dass man nachts nicht schlafen kann vor lauter Herzklopfen? Dass man überlegt, wie man die Aller-Schönste für ihn sein kann an so einem Tag? Wie man denn diesen einen Tag verbringen möchte? Mit ein paar Freunden am Meer und Wein und Musik? Dass der schmale, schlichte Ring die Unendlichkeit des Liebens symbolisiert?
Mann und Frau zu sein, so richtig wirklich, verbinde ich nur mit romantischen Gefühlen - und sie haben für mich immer noch mal etwas anderes Besonderes, als "einfach nur" zusammen zu leben. Ja, es ist immer eine Entscheidung füreinander - und ob man eine Eheurkunde "braucht" oder nicht, darüber denke ich nicht nach. Es geht für mich nicht darum, dass man etwas braucht - sondern was für mich persönlich wichtig ist. Und für mich ist es diese Verbindung zueinander.
In der man sich nicht diese Tür offen lässt, weil man jeden Tag jederzeit einfach wieder gehen kann. Sondern sich bewusst füreinander entscheidet und dies auch ver-ankert. Ver-symbolisiert.
Das kann und soll man gar nicht rational verstehen oder begründen. Sondern einfach nur.. mit Gefühl verstehen.
Ich wünsche meiner Freundin so sehr, dass sie glücklich ist. Dass sie verliebt ist. Dass sie aus Liebe mit ihrem Mann zusammen ist, auch wenn man ihn manches Mal zum Mond katapultieren wollte. Dass sie nicht ihre Freundin fragt, ob sie ihn heiraten soll, sondern sich selbst, ob ihr Herz genug klopft allein bei diesem Gedanken. Dass sie überschäumen wollte vor Glück. Ob sie sich vorstellen kann, dass es genau DER Mensch ist, mit dem sie sich die nächsten hundert Jahre vorstellen kann. Ob er es ist, neben dem sie jeden Morgen erwachen und jeden Abend einschlafen möchte. Ob er es ist, mit dem sie ihren Kummer und ihre Freude teilen möchte. Ob er es ist, mit dem sie alle Leidenschaft ausleben möchte.
Aber bei den beiden glaube ich nicht daran. Und das Schlimme ist: Sie glaubt selbst nicht daran - und die Gründe hierfür sind.. erschütternd.
Vermutlich hätten sie sich längst getrennt, wären die Kinder nicht und die daraus erwachsenen finanziellen Sorgen, die mit einer Trennung nicht kleiner würden.
Aber ist das die Basis für eine Ehe?
Für etwas, das ein Leben lang halten soll?
Oder denke ich da zu altmodisch, weil auch eine Ehe nicht für ein Leben lang halten muss?
Wäre es aber nicht viel schöner, wenn sie es tut? Zumindest, solange man fühlt und daran glaubt, dass es die richtige Entscheidung, der richtige Mensch im Leben ist?
Ich glaube nicht unbedingt, dass ich ihr gegenüber falsch reagiert hatte. Aber es tat mir unendlich weh, nicht einfach vor Begeisterung ins Telefon schreien zu können, dass ich mich sehr für sie freute.
Der Junge geht seit Jahren nicht mehr zum Zahnarzt. Nicht aus Anti-Überzeugung, sondern aus Faulheit. Und wegen Vergesslichkeit. Und überhaupt. Wenn nix wehtut, muss man ja nicht, oder so. Hauptnahrungsmittel: Chips und Zigaretten. Hauptgetränk: Eistee. Außer natürlich, ich bin da. Dann gibts nicht nur was Ordentliches zu essen, sondern vor allem auch regelmäßig - und regelmäßig ne frische Zahnbürste. Und weil er seit Monaten eine auf Hühnereigröße geschwollene Lymphdrüse hatte und auch der Zahnarzt klären sollte, obs möglicherweise von ner Wurzelentzündung kommt, geht er nach schätzungsweise zehn Jahren doch mal wieder zur Zahnfee.
Diagnose: Alles super.
Kein Zahnstein. Kein Plaque. Keine Karies. Keine Entzündung.
Nix.
Nur vier fast waagerecht liegende Weisheitszähne, die demnächst irgendwann mal raus müssen.
Und ich?
Ich gehe regelmäßig zur Zahnfee. Besitze eine Ultraschall-Zahnbürste. Ernähre mich gesund, regelmäßig und fröhlich.
Einen Zahn verlor ich dank "Kracher". Einmal zugebissen, einmal diagonal bis tief in die Wurzel gerissen.
Einen anderen Zahn verlor ich dank Gummibärchen. Einmal zugebissen, zwei Zahnteile...
Beide ersetzt.
Gönne mir am Geburtstags-Abend des Jungen ausnahmsweise noch einen Betthupfer. Einen Schokoriegel. Ohne Nüsse. Nix Dramatisches. Zack - eine Ecke weg vom letzten Backenzahn. EY WIE GEHT DAS?
Da bleibt mir der Gang nach Canossa kommende Woche nicht erspart und ich fürchte, die ganze Scheiße geht wieder tiefer als sie soll. Ich fasse das nicht... Wieso hab ich nicht einfach nur den Sekt getrunken?
"Age is just a number, Thirty" habe ich mal eine Flasche Geburtstagssekt etikettiert. Für Dich habe ich keine Flasche Sekt gekauft, denn seit Du nicht mehr feiern gehst, machst Du Dir auch nichts mehr aus Alkohol. Ach, was waren das noch Zeiten, als Du das Feiern mit Freunden für Dich entdeckt hattest. Wie oft Du morgens kilometerweit nach Hause gelaufen bist, weil zwischen eins und vier keine Bahnen fuhren, Du nicht mehr fit genug zum Feiern, aber auch nicht trunken genug für das Schlafen auf der Bank warst. Wie oft immer irgendetwas schiefging. Du irgendetwas verloren hast. Dir etwas gestohlen wurde. Du beschuldigt wurdest, eine Toilettentür eingetreten zu haben. Was eigentlich total witzig ist, wenn man Dich kennt, denn gerade Du, zwar ein Bruchpilot vor dem Herrn, wenns um die persönliche Geschicklichkeit geht, gerade Du würdest niemals mutwillig etwas zerstören, nicht mal im Suff.
"Ich wars nicht, weil ich aufm Klo nebenan schlief", hast Du mir Jahre später verschmitzt erzählt. "Aber ich weiß, wers war." Und den hast Du bis heute nicht verraten. Nur die Rechtsschutzversicherung bemüht, deren Anwalt dann ohne Verfahren die Unschuldsklausel für Dich in Anwendung bringen konnte.
Wie Du morgens in der Tür standst und meintest, Du habest Deine Jacke irgendwo verloren.
Ich musterte Dich erstaunt: "Aber die hast du doch an?"
Und Du schautest ungläubig an Dir selber rauf und runter, herrliche ein Meter vierundneunzig lang, und lächeltest unglücklich: "Dann habe ich irgendwas anderes verloren."
"Na dann komm erst mal rein. Portemonnaie da, Handy da, Schlüssel da, alles andere prüfen wir, wenn du ausgeschlafen hast."
Oder als Du heimkamst, an jenem Morgen tatsächlich ohne Handy, ohne Portemonnaie. Weil Du auf der Bank schliefst und nicht bemerktest, wer Dich da um Dein Hab & Gut erleichterte. An jenem Morgen habe ich Dich nicht ins Bett zum Rausch ausschlafen geschickt: "Erst rufst du bei deiner Bank an und sperrst deine Karte, dann kannst du von mir aus schlafen gehen."
Das werde ich nie vergessen. Wie Du auf dem Fußboden saßt, die Augen fielen Dir ständig zu, Du konntest das Gespräch kaum führen, aber vermutlich hattest Du Glück: Die Bankbeamtin sperrte Deine EC-Karte und schickte Dir Tage später einen Brief "Holen Sie Ihre Karte in der Filiale ab, beim Versuch, die zu benutzen, wurde sie sofort eingezogen."
Oder Handys.. Ach Gott, was hast Du alles an Smartphones verschlissen.. Verloren, zerbrochen, gestohlen.. Ins Meer gesprungen zum Schwimmen und vergessen, dass das Handy noch in der Badehose steckte. Aus der Bahn gestiegen und das Handy auf der Sitzbank zurückgelassen. Aus dem Bett und direkt mit der Ferse auf das Display getreten. Aus der Hand gefallen, Display gesplittert. In die Toilette gefallen. Hach ja. Im Moment besitzt Du drei Smartphones. Mit dem einen kannst Du nur Musik hören. Mit dem zweiten kannst Du nicht mehr zocken, aber Deine Flirt-Apps bedienen. Mit dem dritten könntest Du zocken und telefonieren, aber dank überaltertem, fest eingebauten Akku keinen stromlosen Moment mehr zulassen.
Also habe ich mich entschieden, unter anderem ein neues Handy für Dich zu kaufen. Das letzte, das ICH Dir kaufe, sage ich mir - und erwerbe gleichzeitig Panzerglasfolie und ein Klapp-Etui, damit Du gar nicht erst in die Versuchung kommst, das Gerät OHNE Schutz nutzen zu wollen. Jetzt ist es doppelt und dreifach gesichert - und das muss es bei Dir auch. Es sei denn, Du lässt es wieder irgendwo liegen. Dann hilft vermutlich nur noch, es Dir ans Knie zu tackern :)
Mit Dir ist immer irgendwie Action, das ist im Grunde auch nie anders gewesen. Nicht umsonst vermutlich habe ich heute beim Sortieren ein Shirt gefunden, das ich Dir einst schenkte "Ich kann nichts dafür, ich bin so." :) Ein wunderbarer, liebenswerter junger Mann, der sich nicht leicht öffnen mag, aber der alles von sich geben wird, sobald er das Gefühl hat, dass er es kann. Und darf.
Manchmal bist Du ganz still und in Dich gekehrt, manchmal schießt Du mit Äußerungen über das Ziel hinaus - und meistens hast Du einen herrlichen Humor, über den ich mich äpplig lachen könnte. Du bist ein Mensch, den man auf den zweiten Blick erkennen und entdecken muss. Du bist niemand, der sofort einen anderen für sich einnimmt - auch weil Du selber gar nicht erst auf die Idee kommen würdest, dass Du das überhaupt kannst. Bis unter Deine hohe Stirn bist Du voller Selbstzweifel, auch wenn ich seit gut einem Jahr dabei zusehen kann, wie Du Dich mehr und mehr festigst, mehr und mehr in Deine eigene Mitte kommst.
Schon als Du klein warst, sagte man von Dir, dass Du so wissbegierig und hell im Kopf seist, dass man Dir kein X für ein U vormachen könne. Du würdest sie alle durchschauen - oder so lange fragen, bis das, was Du siehst, auch in Einklang ist mit dem, was Du hörst.
Als Du lesen lerntest, warst Du nicht mehr zu bremsen. Du hast alles gelesen und buchstabiert, das Dir vor die Augen kam. Bereits in der zweiten Klasse hast Du verstehendes Lesen entwickelt, etwas, das man wohl erst in der 4. Klasse erwirbt. Wenn Du gelesen hast, hast Du abwechselnd immer auf Text und Bild geschaut, um zu prüfen, ob das, was dort abgebildet war, zum Text passte.
Sobald Du rechnen konntest, hast Du auf alle möglichen freien Flächen geschrieben, selbst auf die untersten Ränder der Tageszeitung.
3 + 5 = 8 3 - 5 = Gonieks
Das war Dein bester! DEN hab ich mir damals ausgeschnitten und an die Pinnwand gehängt. Sehr geil.
Was Du nie warst, ist eitel. Dir ist bis heute ziemlich wurst, was Du anziehst oder nicht.
Du warst 13 und Dein Bruder 7, als ich Euch die Sachen rausgelegt hatte und sagte: "Nach dem Zähneputzen anziehen und dann gehen wir raus."
Und da standst Du dann, in den Sachen Deines Bruders.
"Äh... Siehst du denn nicht, dass du da gar nicht reinpasst?" Die Jeans ging Dir bis zum Knie, der Pulli bis zum Ellenbogen - aber die Knöppe gingen zu, also wars eben Deins.
"Wieso? Konnten doch kurze Sachen sein?!"
"Im FEBRUAR?"
Heute ist das natürlich nicht mehr ganz so - aber wichtig ist es Dir immer noch nicht.
Als ich Dich die neue Jeans anprobieren ließ, verdrehtest Du die Augen und meintest: "Schade ums Geld, kannst mir dafür doch lieber Google Play Karten schenken."
"Könnte ich, ja. Mach ich aber nicht."
"Ich hab eh keinen Bock auf Feiern", sagst Du schon die ganzen Tage. Du meinst das auch wirklich ernst, auch wenn Dich dabei gar nicht die Zahl stört als vielmehr das Gefühl, dass Du Dich ein wenig vernachlässigt fühlst. Nicht von mir. Nicht vom Mann, der morgen hierher kommt für Dich.
Eigentlich hatte ich ja einen Plan, was wir machen wollten, doch aus all dem wird nun nichts - aus Mangel an Gästen. Dein Bruder ist nicht da, Freunde hast Du lange nicht gesehen und magst sie jetzt auch nicht extra anrufen. Meine Familie ist weit weg - bleiben nur Du, der Mann und ich.
"Ist ein Geburtstag wie jeder andere", winkst Du ab.
"Aber es ist ein Geburtstag", streiche ich den halben Tag um Dich herum und versuche, Dich rumzukriegen, wenigstens mit uns auszugehen. Dass Du irgendwann irgendeine Google-App immer nur "NEIN!" für Dich sagen lässt, amüsiert uns beide, ändert aber momentan noch nichts an Deiner Entscheidung. Du große knorrige Wurzel. Wenn Du nicht willst, dann willst Du nicht, schon aus Prinzip nicht und weil Du eben einmal Nein gesagt hast. Wäre ich nur immer so konsequent gewesen früher ;) Und jetzt muss ich mir noch überlegen, ob ich es morgen trotzdem noch mal versuche, Dich in die City zu locken. Oder ob ich es bei Deiner Entscheidung belasse und mir dann eben mit dem Mann einen schönen Tag mache und dann wenigstens am Abend wieder bei Dir bin, damit Du wenigstens nicht ganz alleine bist. Du bist eh schon viel zu viel alleine, und Du sagst, das liegt eben auch am Job. Du bist halbtags eingestellt und bezahlt und arbeitest aber mehr als Vollzeit und derzeit fast jeden Samstag. Außer heute. Außer heute an Deinem Geburtstag, Du wundervoller Mensch.
Ich glaube, Du musst es einfach nur wiederentdecken, dieses Leben. Für Dich wiederentdecken. Du weißt, dass es wundervoll ist, aber Du glaubst nicht, dass es auch für Dich noch ganz viel bereithält. Denn im Gegensatz zu Deinem Bruder musst Du Dir wirklich alles erkämpfen. Dir fällt einfach nichts in den Schoß, Dir wird nichts geschenkt - aber ich betrachte mit innerer Genugtuung, wie Du Dir in Deinem aktuellen Job einen Stand erarbeitest, wo der Chef Dich nach einem Jahr bittet, nicht von ihm wegzugehen. Was schön wäre, wären es nicht nur Worte. Ich betrachte mit Genugtuung, wie Kollegen, die sich anfangs sehr kritisch über Dich äußerten, weil Du eben einfach auch in kein Schema F passt (worauf Du bitte unbedingt stolz sein darfst!), einen Zugang zu Dir finden, mit Dir über alles mögliche reden. Einen Deiner größten Kritiker hast Du mit dem Fußballthema eingefangen. Fußball ist etwas, wo Dir keiner etwas vormacht. Da kennst Du Dich aus. Ich hatte Dir mal die Kicker-Zeitschrift mitgebracht, ist Jahre her. Die hast Du wirklich Zeile für Zeile gelesen. GELESEN, nicht nur überflogen. Und als Du fertig warst, hast Du von vorn begonnen zu lesen. Zeile für Zeile. Unglaublich. Das hast Du von mir nicht, definitiv. Und dank Deines fotografischen Gedächtnisses vergisst Du auch nichts davon. Jedenfalls nicht rund um Themen, die Dich interessieren und faszinieren. Alles andere.. Steuererklärungen oder so.. Arbeitsverträge.. Behördenbriefe.. Die werden nicht mal aufgemacht. Interessiert Dich alles gar nicht.
Du hast kein Onlinebanking, Du kaufst auch nicht online ein, nirgendwo und noch nie. Du hast keine Geldanlagen, allerdings hast Du auch nie so viel verdient, als dass Du überhaupt über eine Grundlage nachdenken könntest, obwohl Du es müsstest. Du hast das Ziel, unabhängig zu sein, unabhängig von uns allen, Du willst Dein Leben allein wuppen, finanziell und auch sonst. Und es arbeitet in Dir, dass Dir das immer noch nicht gelungen ist, während Dein Bruder in vielleicht einem Monat einen Schritt weiter ist.
ABER: Ich sage immer - alles hat seine Zeit. Du hast in allem immer mehr Zeit gebraucht als andere. Und noch immer bin ich der sicheren Überzeugung, dass Du Deinen Weg auch gehen wirst. Dass Du Dein Ding machen wirst - und uns alle noch mehr überraschen wirst.
Du bist genauso wie es eine Lehrerin einst formulierte: "Er ist wie ein Motor, der langsam anläuft und erstmal warm werden muss. Aber wenn er dann einmal läuft, dann läuft der und dann hält ihn auch nichts mehr auf."
Genauso ist es, genauso bist Du und genau dafür liebe ich Dich von ganzem Herzen.
Bleib Dir weiter so treu, hab noch ein bisschen mehr Vertrauen in Dich selbst und dann wirst Du es sehen: Alles fließt.
Und was immer ich dazu tun kann, werde ich auch tun - und wenn es das letzte ist, das ich tun kann. Jeder braucht jemanden, der bedingungslos an einen glaubt - und sei Dir sicher: Ich glaube ganz ehrlich an Dich.
Ein kluger Mensch hat mal gesagt:
“We all have two lives. The second one starts when we realize that we only have one.”
Am Abend schickt mir der Mann den Link zu einem Haus am Meer, käuflich zu erwerben und preislich vermutlich im Rahmen dessen, was noch umsetzbar wäre.
"Wir müssten nur ein kleines Geschäft mit unterbringen", schreibt er und fragt, ob ich spontan eine Idee dazu hätte. Und da ist er, dieser Moment, in dem der alte, ewig gehegte stille Traum wieder aufbricht.. Das Haus am Meer.. mit der Wiese vor der Tür, hochgewachsen, vereinzelte Korn- und Mohnblumen darin. Die Apfelbäume, die mit leisem Plumps die reifen Früchte in das Gras fallen lassen. Der alte Holzzaun, der repariert werden müsste. Im nächsten Sommer, vielleicht.
Die grüngestrichene Holztür, die schlichten grünen Fensterläden mit der Emaillekanne voller Wiesenblumen und den Tontöpfen voller verschiedener Kräuter...
Und ich kann es sehen.. Das kleine, wundervolle Lesecafe.. Vereinzelte alte Sessel, völlig unperfekt, das Alter ist ihnen längst anzusehen und genau darin liegt ihr verwunschener Reiz.. Regale voller Bücher, für die man sich gerne niederlässt und den Nachmittag verschenkt.. Kleine gusseiserne Beistelltischchen, auf die Omas Geschirr passt, und vielleicht noch klitzekleines, frisches Gebäck.. An den Wänden einige meiner gemalten Bilder.. Ganz leise zarte Musik im Hintergrund.. Vereinzelte Kerzenständer mit teils heruntergebrannten Kerzen..
Viele Jahre alt ist dieser Traum von mir.. ich weiß nicht mehr genau, wie viele Jahre alt.. Aber er ist da, er ist immer noch präsent - und am heutigen Abend lebendiger denn je..
"...und ohne Schmerzen", fügt der Mann hinzu und ich lächle breit, bevor ich zurückschreibe: "Heute Abend ist das Level wieder ganz niedrig. Eigentlich spür ich grad nur die rechte Fußsohle und den linken Ellenbogen. Sonst nichts mehr. Und das fühlt sich noch alles so unwirklich an, dass ich es kaum glauben kann."
Dass es mir schon sehr viel besser geht nach der kurzen Cortison-Therapie, die nun bereits wieder begonnen wird, auszuschleichen, das hat er mir schon angesehen. "Deine Augen sind wieder voller Glanz", hat er gesagt. Das stimmt vermutlich erst nach dem dritten oder vierten Käffchen, aber immerhin scheint es zu stimmen ;)
Und der Glanz in den Augen.. Ich habe immer gesagt, dass ich Hoffnungen niemals wirklich aufgebe. Aber es macht einen Unterschied, ob "nur" die Hoffnung in dir lebt - oder ob Körper & Hoffnung in Einklang miteinander sind.. Und je besser ich mich erstmals nach fünfzehn Jahren pausenlosem schmerzhaften Pulsieren fühle, desto mehr fühle ich die Energie zurückkommen.. Den Willen, Träume einzufangen und an ihnen zu bauen.. Den nächsten Teil meines Spargeldes habe ich heute an den Mann überwiesen. Ein bescheidener Teil im Vergleich zu dem seinen - aber es ist ein Teil.
"Ich vertraue dir", schrieb ich ihm und er antwortete: "Ich hoffe, dass ich dich nicht enttäusche."
"Na dann gibts Schmorze", lächelte ich und lehnte mich entspannt zurück.
Dann kam mein Junge nach Hause. Gerade hatte ich ihm ein Essen zubereitet, wir redeten ein wenig und wir lachten viel und er begann, dies und das zu erzählen, zu erfragen, zu hinterfragen und irgendwann wollte ich wissen, ob er sich eigentlich noch mit jenem Mädel schreibt, die er zuletzt nach einem Date gefragt hatte.
"Nein", antwortete er, "sie hat mir auf die Frage nicht geantwortet und betteln werde ich sie auch nicht. Aber ehrlich.. Ich weiß auch gar nicht, was das alles bringen soll. Irgendwie gerate ich immer nur an Mädels, denen ich alles aus der Nase ziehen muss. Die mir immer sagen, wie toll ich schreibe, aber von denen kommt nicht viel. Die antworten auf alles, fragen mich aber nichts. Irgendwann bin ich dann vierzig, aber dann habe ich damit auch abgeschlossen. Ich will ja meine Erfahrungen auch mit einer jungen Frau machen, nicht mit ner Vierzigjährigen."
Daraufhin musste ich so sehr lachen, dass er in das Lachen mit einfiel.
Und dann sagte ich: "Ach weißt du, manchmal glaube ich, du denkst viel zu viel nach. Lebe einfach drauflos, schreib alle möglichen Mädels an, die dir gefallen, und schau, was zurückkommt. Du musst dich nicht nur auf eine fokussieren, solange sich nichts Konkretes ergibt. Probier dich aus, teste dich aus. Lass dich von einem Korb nicht verunsichern. Wir alle haben Körbe in unserer Ecke, die tollsten Menschen haben Körbe in ihrer Ecke, aber für jeden, der sich aufrichtig das Lieben wünscht, gibt es auch einen Menschen, der es ihm schenkt."
Und während er zu Abend isst, liege ich immer noch entspannt zurückgelehnt im Sofa und betrachte ihn. In meinem Inneren bin ich gerade voller sanfter Musik.. mein Kopf ist voller wunderbarer Bilder..
"Das wirklich Wundervolle am Leben", schreibe ich dem Mann, "ist, dass es so voller Liebe ist."